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Full text of "Schumann Gesammelte Schriften 1914 Bd2 Martin Kreisig"

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©efammelte ' Sdjrfftett • 

über 

9Kufif unb 9Jluftfer 



Don 



SRo&ert ®d)umann. 



fünfte Auflage, 

mit ben burdjgefeljenen SRacfjträgen unb Erläuterungen 3ur 4. Sluflage 

unb roeiteren 

IjerausgegeSen 
oon 

Martin Rretftg. 
3toetter 93anb. 



SWtt 1 gafftmtle 




Seidig. 

Sruä unb Verlag Don Srettfopf & £ärtel. 
1914. 



Copyright 1914 by Breitkopf & Härtel, Leipzig. 



Sltle fReäjU, inlBefonbere ba§ ber ft6erjc|ung,. öorBeljaften. 




DO IsilöfelSS DO 




.gauptükrftdjt. 

«Banti I. 

©cite 

SBorWort ........ V 

SSorBeric^t be3 £)erau3geBer§ VII 

3 %xtf)aimUT\iä)ten: A) Scmfenbe 9ieifje . . XXV 

B) StfyljaSetifdje 9tof)e. . . ... . . XXXII 

C) ©Ijronotogifdje fRei^e XXXIV 

(ShtleitenbeS . • 1 

©efammette ©djriftett, Staffage 9te 1—93 3—511 

»anb II. 

©efammelte ©djrtften, 9l«ffä|e 3h. 94— 12.6 . . .'' . . . . 1—170 

«Radjtrag 9fr, 1—67 '(in 6 ©rubelt). 171 

Slmtterfttttgen junt Sregt ber ©efcmtmetten ©djriften unb be§ 

9?adjtrag§ 3fr. 1—600 363 

®ompofition§tierjeic^mg 477 

£iteraturöergetcljtri§ 519 

üftamenüeräetdjntio . 525 

2M)cmg: SSerjetdjmS ber oeröffentlicEiten Sompofittonen Stoüert 

(Schumanns . . ; 561 



1841. 

Dratortenmufif: 1. »®ie gerftörung $erufatem3« öon g. Ritter. 2. »2)er ßfrlöfer« 

öon $. g. @. ©oMctoSft). — Sfeue ©onaten für pcmoforie. — ©tüben für ißiano* 

forte. — @. £ljal&erg. — Äürjere ©tücfe für Sßicmoforte. — Ü6er einige torrumpierte 

©teilen in flaffifdjen SSerlen. — ®ie 9(6onnemenigton3erte in Seipjtg. 1840—41. 



SKoSett <?cf)intt<ttms gef. ©Triften. II. 








94. 9?eue Oratorien. 



i. 



Scrbtttttttb Stttet, »Sie ^erftötmtg SetufatetttS« «6. 

Oratorium natf) ber ^eiligen Sdjrift oon Dr. Steinljetm. 

SBerf 24, 

«Jon bei Stuffütjrung btefe§ SBeiifes in Seidig, bort bem günftigen (Sr* 
^ folge, ben fie gebaut, berichtete bie Beitfcfjrift fc^on imb faracb, ben 
äBunfct) naefj batbiger Seröffenttidjung au§, ber batb barauf in @rfüttung 
gegangen. Sinnen tagem fott audj noefj bie Partitur folgen. 

Sie auffattenbe (SrfcEieimmg, baß fidj in neuefter Qeit biete jüngere 
fomponiften 4>er fircr)enmufiJ mit Sortiebe guroenben, ift jdjon bon 
anbeten bemerft roorben. ®er ©rfolg, ben ^enbetöformS »$autu§« 
getjaBt, fdjebtf große ttrfactie baran ju t)aBen. Stiele, ja bie nteiften 
werben ftdt> freutet) tauften in i^ren Hoffnungen auf gleite ober nur 
äfmticfje Siege. mt/l nicfjt bie fircfje, nict)t bie 2ltt ber bar,inget)ötigen 
f unftgattung Ijat üjn errungen, eine ©attung, beren Stute fdjott tängft 
borüber, fonbern bie.t)ot)e fünft bei einlernen Mnftter§, bem im » $autu§ « 
ein äReiftertoerf gelungen. Siel tiefer -tomgett j. SB. ba§ SebürfniS 
nact) einer neuen beutfäeti Düer; bietteict)t, ba% aueb, batb hierin ein 
ftarler f ünftter boranget)t unb Begeiferung unb Wtut ettoeeft, roie e3 
3Kenbetöfor)n3 »$autu§« für bie tiretjenmufif getan. SBie bem fei, wir 
muffen jebem Streben nact) fo ernftem Biet unfere innigfte Stufmerf* 
famfeit juroenben. SSa§ bem f ünftter, ber für bie f tretje arBeitet unb 
fidj in ben ftrengen formen, bie tt)te SRuftf ert)eifcE»t, Bewegen muß, 
aucB bom Seifatte be§ großen £aufen§ a6ger)en möge, e§ lommt üjm auf 
anbere Söeife für feine fünft unb tmnbertfättig gugute. 28er fircfjen 
bauen tann, bem finb bann bie Käufer ein £etct)te§; »er ein Oratorium 
pftanbe gebraut, bem wirb eS in anberen formen bann ftüetenb ge- 
lingen. 



l* 



4 , .94. ^eue Oratorien. I. »gerjlörung SerufalemS-«..- 

©§ gibt Baumeiftev bie 'toiffen, toa3 fie Bauen; gefdjidte, ^tattifc^e 
3Mnner, bie fic£) ftreng nadj bem 9üf3 Ratten, ber ftäj ü)nen fdjon oft 
gtoedbienlid) ertoiefen; nid)t3 ift ba bergeffen, bte SKrcfjentür an guter 
©teile, ber ©lodenturm an feiner, ©in foldjer ift ber alte Seffauer 
SJJeifter. ©§ gibt anbere, bie toiffen eB aud). 2Iber ef)e fie beginnen, 
beten fie einen frommen ©prud), ü)r (S5efcE)äft gilt itjnen ein tjeüigeS. 
SJon ber getoölmlidien Bauart oielteicrjt abtoeidjenb, finnen fie toord 
audj auf 9tote§; Heine Stapelten .entfteljen.an ben ©eiten, SRuttergotteg» 
bilber toerben angebracht unb berftedte tief finnige Qiexat. ©in fotdjer 
ift ber 3Mfter be§ »*ßaülu§«. 9tad) folcEjer Sfteifterfdjaft ringt aud) fein 
greunb gerbinanb §ilter. SDöt greube mu§ man e§ bemerken : e§ 
fdjeint unter einer Stngai)! iüngerer SMtnftfer wie eine ftillfcEjtoetgenbe 
Übereinlunft jü befielen, bem alten ©djlenbrian mit grünbti^en Säten 
entgegenzutreten, ein S3ünbni§ gegen eine getoiffe Maffe üon £>anb= 
toerfSmufifern, bie nad) b.er ©Ite Ibttt|>onieren, Ijeute eine Sirtijenmufif 
unb morgen für ben Sxmsfaat. . (Merabe unter ben Mrdjenfontponiften 
finb einige p 3ütf unb tarnen gelommen, toa§ ber Sßadjtoelt, toenn 
fie bergleicrjt, bafs §ur felbett 3eit %. 93. nod) 23eetf)oben lebte unb für 
bie IHrcrje fdjuf, unbegreiflich erf feinen mufj; gerabe in ber fHrdjen* 
mufi! fjatte ftcf) ein füpdj»fentimerttater 9(u§brud eingefcijlidien, ber 
eljer pm Semfjel f)inau§trieb afö jur 2tnbacrjt ertoedte. Rubere, immer* 
t)in aber beffere, tote 33., Mein, berfutiren toieber ju trappiftifd), afö bafj 
fie ©influf; getoinnen tonnten. SDtetbeföföfyn. aber fjat unter ben £TJorb= 
beutfcrjen guerft toieber auf bie toa^re ©pur Ijingelenft, auf §anbel 
unb 23ad), bie über bte toeidjen ©übbeutfdjen SJcogart unb §arjbn ettoa§ 
in3Sergeffenf)eit geraten toaren, auf bie toa^ren ©tauben§f)elben unferer 
Jhtnft. 2Iud) §ilter'n finb biefe SSorbitber toot)Ibelannt, unb. läftt fid) 
bie§ nidjt im einzelnen nadjtoeifen, fo bod) an ber ganzen toürbigen 
Gattung feines SSer!e§; fein ©treben nad) fräftigftem 9lu§btud, nad) 
Übereinftimmung gtoifdjen SBort unb 2!on, mit einem SSorte: nad) SSafjr* 
Ijeit feiner SJlufif f^ridjt bafür. — ©(je.toir p einer tagen Smaltife be§ 
mufifalifdjen £eit§ be§ SBerfeS übergeben, fei nod) erft mit einigen SBorten 
be§ Sexieg gebadjt. ! 

©3 ift belannt, bafj aud) Soetoe ein Oratorium gleichen 9^amen§ 
iomponierte ; erinnere id) mid) aber redjt, fo fdjitbert bieg bie fpätere 
Qerftörung $erufatem§ bürd) bie Körner. §iller§ ift bie alttefiament* 
Iid)e burä) S5abt)Ion. ®er ©tdjter t)at ben 'Stoff äufjerft einfad) an= 
gelegt unb gehalten. 31I§ §au)3tf)erfon B,ebt fid) ^eremiaB, ber 5ßropt)et, 



94. Sßeue Oratorien.. I. »3erftönmg Q ; eru[aIetng«. , g 

Ijerbor, ber bem Äönig bon guba, ßebefia, ben gall feines 9feid)eS 
prof^egät. . ^eremiaS wirb beSfjalb in baS ©efangniS gebraut, guba 
aber f^äter erobert. $eremiaS fömmi wieber gum Sßorfdjein: . „bodj 
unberloren bleibt QebobaS JBolf"; ber ©djlufjdjor i(t eine Slnrufung 
beS £>errn alier SSöller. S)ieS ift im furgenber ©ang ber ©efdndjte, 
SeremiaS gegenüber, als friboIeS ^ringip, ftefjtefjamitat, bie Butter 
beS fönigS. S)er Uönig felbft ift eine fd)Wacb>.gigur, bie fid) furcfjtfam 
jtoifctjert ber Sßutter unb bem $ro.öf)eten anflantmert. ^eremiaS gut 
©eite fielen, nod) gwei garte Nebenfiguren, Slcrjicam unb §anna. 
§iefe fünf finb bie einzelnen 5ßerfonen beS Oratoriums. 

®er ©bor gerfällt in brei berfdnebene, in ben ber Israeliten, ber 
Wiener gebefiaS unb ber 23abblonier. S)er erfte repräfentiert baS iSraeti* 
tifd)e SSoIf im allgemeinen unb geigt fiel), burefi Seremias' $ropl)egeiung 
geängftigt, ebenfo fromm wie fcb>aä) unb tetbenb. tiefem gegenüber 
ftebt fingenb unb jubelnb ber ber ®iener gebefiaS, bie tro| $eremiaS 
in irjrem SBanbel beharren. S)er brüte enblid) ift ber f einbüße ber 
Eroberer. 

3)ieS wenige genüge, bom ©angen, feinen Seilen, feinen ©egen* 
fä|en fiä) ein 23ilb gu machen. ®er Sejt felbft ift meiftenS naefj SSorten 
ber Zeitigen ©djrift gufammengefe|t. 

folgen wir nun bem fomtooniften in fein Sßerf. SSir roiffen, er 
blatte ein %at)x bor SMtenbung biefer Arbeit eine*Düer auf ber 3JM> 
länber ©cgla aufführen laffen. S)er ©brung bom £b>ater in baS alte 
Seftament fdjien gewagt genug. Söie er ü)m geglüdt, geigt fidjer bon 
großer ©ewanbtieit unb ©eifteSfrifdje. Man Würbe fid| bergebenS 
müfjen, im Oratorium etwas gu finben, was nur entfernt wie itatienifebe 
Sftufif ausfahre. @S ift ein burdjauS beutfdjeS SBerl, berrät überaß bie 
guten Sftufter, bie bem Uomtooniften . geläufig, überall SSilbung, gteifs 
unb ©ewiffenfjaftigleit. ©ewäb^rt, fd)on ber SlabierauSgug großes 
Qntereffe, fo nod) mefjr bie Partitur, in ber fid) ber tomponift aud) atS 
gewanbter, geiftreidier Qnftrumeniator gegeigt. So begrüben wir tt)n 
benn borweg. als einen feiner Aufgabe gewadifenen, tüchtigen unb 
adjtungSwerten Mnftter. 

.. 3n feinen eingemen Seilen befielt baS Oratorium aus ©f)ören, 
©uetten. unb Strien, bie burd) bie b^erfömmlidjen regitatibifdjen @ä|e 
berbunben finb: gufammeu aus 47 Nummern. \®er ©rjoral, als eine 
$bee beS (S^riftentumS, ift mit 3fted)t nid)t, angewanbt. ©ine Dubertüre 
fci)% wogegen nid)ts .einguwenben;: bie erfte .Nummer . beginnt - gle.id) 



6 94. SWeue Oratorien. I >3erftörung 3fer.ufaIemS«. 

mit einem (Kfjot; unter biel ferner SKufi! gelangen toir batb in bie SRittc 
ber ^Begebenheiten. Watf) %ewmia§' erftem auftreten feffelt un§ Iura 
barauf ber fdjöne Öagenbe ©rjor: „eine Seele tief gebeuget", Um mit 
lebhafter SBirfung gleich ber raufdjenbe ber Wiener 3ebefta§ folgt, Slucfc) 
ber geftmarfdj berbtent toegen feinet eigenen iMoritS fjerborgetjoben 
p roerben. ®er fönig erfc^eint, fc^roermutboll, bie näcrjfte Qufunft 
fürctjtenb. ®ap überoll treffenbe SDtafiJ. ^eremiaS' SSarnungen 
matten nur auf ben ©fjor SBirfung: „SSir gittern ob bei <Set)er§ ®räuen"; 
eine 2Me ber £>anna fpriäjt tröftenb p. ®er folgenbe ©f)or: „3§rael 
bleibt feinem ©otte angetraut" füfjrt biefe (Stimmung in ber 3Rufil 
Weiter au§; fo fä)ä|bar er afö äßufilftücf, fo fjätte er pr raf eueren Stuf- 
einanberfolge roirifamer toegfatten tonnen. Se|t roirb ber $einb an* 
gefünbigt, ^ebutubnejar, ber immer närjer fommt. §ier greift pm 
erftenmat ©rjatnital ein, bom f omboniften mit befonberer Siebe gejeict)= 
net, unb reist jum SSiberftanb. ©in roilber ©t)or bringt auf QeremiaS 
ein unb brotjt ü)m mit Um £obe. (Seine greunbe Hagen in einem 
meinen Suett nacE) Um 33ibelte£te: „D roär' mein §autot eine SEränen* 
quelle". Eine Anrufung be§ §öc^ften in einem fetertict)en ©t)or be^ 
fcpefct ben erften Seil. 

®ie lfte Kummer U§ 2ten SeiteS fct)übert bie 3§raeltten furcfjtfam 
genug bor bem Taljen be§ geinbe3. (S^amital läßt fiä) be^alb nicfjt ab> 
galten, Um 23aat bie üblichen Dpfer p bringen; e3 ift biefe Sitte (9fr. 20) 
mit bem füäter baptretenben ©i)or eine ber frifctieften Hummern. 3ere= 
mia§, je|t im @efängni§, ilagt über fein unb feine! Sanbe3 ©cfjiäfal, 
in etroa§ moberner äSeife, bie im einzelnen an ein bekanntes SKotib 
bon Sftarfdiner erinnert. ®er folgenbe ©t)or (9fr. 35), mit fet)r gtän* 
äenber Drdjefterbegleitung, t>offt nod) auf Rettung, £ebelia »ilt fict» 
Seremia! in bie Strme roerfen; boct) p fbät. „©3 getyet über Qion i)in 
ber $ftug", antwortet Qeremial. „Wtit feinem Raupte büfje er feinen 
2Bar)nroi|", f^rietjt ©^amital, toorauf QeremiaS: „9frtn Bin ict) gar barjin". 
SSon ben Ie|ten SSorten ertoartete icb, meb,r in ber SJhtfif, nrie benn 
übertäubt gegen baZ ©nbe ber Arbeit tjin eine geroiffe ©ile fiä) bemerk 
bar mac£)t, aB fürä)te ber $ omponift, p lang p toerben. Studj in ben 
Röteren 8te§itatiben geigt fid) bieg. @ä)ön ift ber ©tjor „D ©ort ber 
Sangmut", erinnert aber fetjr an einen im»$aulu§« (in ®=bur). ®ie 
©efafyr roirb immer bro^enber, bie Q§raeliten finb gef plagen. OTge* 
meine gluckt im toitben 6f)or. Srte S3abt)Ionier treten auf; ber fompo* 
nift fjat fie äiemlid) unlieben§tt)ürbig gemalt; ber SDtarfä) erinnert ettoa§ 



94. 9Jeue Oratorien. I. >3erftörung $erufalem3«. II. »©er ©rlöfer«. 7 

an ben ttmften ber Äatljovtten in ben »§ugenotten«. %uä) QeremiaS' 
iHagetieb fagi mir nid)t gu unb ertoecft toenig £etmaf)me. Siufregenb, 
friftf) ift roieber ber d^or ber 33abrjIonier „§e, roir Mafien fie betrügt"; 
nur baS unangenehme „fie" roünfcfjte -idj in einen anbeten ©.botttaut 
bertöanbelt. @in auSgegeidjneteS SRufifftücT bringt uns bann roieber 
ber &)ox ber fortgiefjenben Israeliten. ©S folgen bie biefleidjt bebeu» 
tenbften äßorte beS ©angen aus ^eremiaS' SJhutbe: 

„3ur legten Seit roirb ®otteS £auS r;öf)er ftetjen benn alle 33erge, 

unb ergaben über alle |>ügei!" — 
boü) fjat fie ber tomtoonift gu Ieict)t beb,anbelt, bie er fiel, gerabe für 
feine guMicfjfte, fräftigfte ©tunbe fjätte aufberoafjren muffen. £>a= 
gegen fdpejjt ein ©jor in roürbigfter SSJeife baS ©ange ab. 

SSiel, ja ftunbenlang liefje fic6> über ein fo umfangreiches, mufüV 
ferneres SBerl — f43re.dE) en. SBaS aber bem SJhifif er am meiften gefällt, 
ü)m audj am meiften nü|t, 23efbredmng beS 9tonmufifalifä)en bis ins 
®etaü ber formen, nimmt fid) fo roenig gut auf bem $af)ier auS unb 
intereffiert nur bie, bie baS SSer! fdjon genauer rennen. ©0 mögen 
berat biefe geilen, bie nictjt erfd)öpfen »ollen, gum roenigften anbere 
gur ®urd)ftdjt beS SßerfeS reiben, ba§ bis je|t bie größte Slrbeit beS 
jungen ®omf)oniften, neben alten ärmlichen in neuerer gert entftanbenen 
feinen felbftänbigen $la| beraubtet. : ., 



II. 
dbuatb ©o&oIetoSft, *$et (Stlöfer«. 

Oratorium nad) SBorten ber ^eiligen Sdjrift. 

Sßer bie grofje 2mgat)t geiftlidjer f omfwfitbnen, bie bor uns liegt, 
anfärje unb nocb, groetfeln roollte, ob ficb, niäjt aud) auf bm ©ebiete ber 
tircrjeranufit ein erfreuliches ©treben ber ©egenroart geigte, müfjte 
blinb ober ungerecht genannt merben. SDtot möchte efjer fragen, roo 
bieS alles im Keinen beutfdjen SSaterlanb f)in fofl, unb rote eS berarbeitet 
roerben !ann. erfreulich, unb bebeutfam bleibt aber biefe roieber er* 
ftad)enbe SSorliebe für bie Äiräjenmuftf immer. 2Bir fj>rad)en unfere 
©ebanfen barüber fdjon bei Stngeige beS §ilfefd)en DratoriumS »®ie 
gerftörung QerufalemS« auS. (Sine roürbige 9ttä)tung geigt fidj audj 
in obengenanntem, baS ben 9?amen eines bisher me^r als mufifalifd)er 
i&djriftftetter berat als Äontbonift befaratten Joannes auf bem Xitd 



8 94. 9Jeue Oratorien. IL »Ser ffirlöfer«.- : 

nennt. @& tommt au§ ®önig§Berg, einer in religiöfer 33egielmng neuer* 
bingS oft genannten ©tabt. ®er ttmftanb fdjeint nic!)t gang gu üBer* 
fetjen gu fein. 2)ie Sufi, in ber roir atmen, burcB,brtngt nun .einmal 
<tuctj ben gangen tnnern SJcenfctjen, unb roolten roir bem Oratorium 
aucr) nid)t einen burdjauS mtifttfcrjen ©tjarafter Beilegen, fo neigt e§ 
ftcrj bocfj auffaltenb in§ @5rüBterifct)e unb ©öftere. SßteUeidjt, bafj mancrjeg 
burdj ben SRetg einer fronen $nftrumentation, bie gu Beurteilen un§ 
berfagt ift, gemilbert erfcrjeint, aBer ber iHabierauägug giBt gunäcrjft jenen 
(Sinbrucf, roogu üteXteicfE)t auä) ba§ ginftere ber .2tu§ftattung etroa§ Bei» 
tragen. mag, . ; 

;® er Se;rt pm Oratorium ift giemlict) lof e aneinanber gereift unb f ctjeirtt 
ftöcfroetfe in berfcrjtebenen Reiten entftanben. SSier SKßteitungen: bie» 23er* 
fünbigung «, bie » r)eilige S^acr/t «, »$orjanne§ ber Säufer « unb » $o|anni§ 
©nttjaubtung « Bilben ba§ ©ange. ©3 ferjlt ,it)m ieboö) ein iOWttelbunft, 
eine ,§aubtftgur, bie Qntereffe ■ erroeclte, um bie fict) bie £>anblung Be= 
roegte. ®urg, ba§ Sud) leibet an ®onfufiott- ®ie§ tonnte bem S?om= 
bontften freilief) nur fcpblict) roerben; ba bie §anbtung nierjt fortreißt, 
bermocrjte ber Sombonift fiel) auä) nierjt p fteigern, unb biefer fanget 
ber (Steigerung, innerer rote äußerer, roirb bem ©efglien unb ber S55ir!ung 
be§ Söer!e§ gm meiften Eintrag tun. Sollten roir öBerrjaubt irren, 
roenn roir bie Betben erften SlBteitungen be§ £)ratorium§ für fbäter 
gefc£)rteBen glauBen atö bie groei le|ten? Stucrj bie ©ebilation Bringt 
auf biefen ©ebanfen; bie Beiben erften Seite finb namlidj bem je|t 
regierenben ffiönig bon ^reufjen, bie fbäteren eBenbemfetben, aBer afö 
Sronbring, pgeeignet, roa§ benn leict)t unfere 9tacfjtommen irremachen 
fönnte. Sßie bem fein mag, ber erfte Seit be§ SSertoS, rote e§ un3 ie|t 
bortiegt, fetjeint ben anbern an ©efjatt unb Ihmfiroert gu üBertreffen 
unb bor allem an Itarer Shtnbung unb ©infjeit ber etngetnen SJhrfir^tücfe. 
Vermag nun ba§, ©ange nietjt unfer Qntereffe 6i§ gum ©crjluffe feftgu* 
galten unb gu erl)öt)en, fo finb bie meiften ber eingelnen ©töcte, für fict) 
Betrachtet,; mit Stuggeidmung gu- nennen. (Sinei, um e§ gleictj borau§= 
pfetriefen, bermiffen roir aBer in allen: recfjt natürltcr]en'@efang. 9Bte 
flimmert boct) felBft in ben lunftbollft berfctjlungenen ©eBilben @eB. 
Baä)3 eine geheime !>DMobie rjinburcfj, roie in allen 33eett)oben3! ®ie§ 
roetf? ber geiftreierje Sombonift auet) felBft, aBer freilieft, -groifetjen SSiffen 
unb ©Raffen liegt nocB, eine ungeheuere Ätft, grotfdjen beuen fiel) oft 
-erftnaefi, rjarten Mmbfen eine bermittelnbe $8rücEe aufBaut. darauf 
fetjeint mtr ibenu ber Jtombonift borgüglicfj achten gu muffen: auf .^>e* 



.,..:-. 94. 3teue Oratorien, . II.»S)er ©rlöfer«. 9 

.ftimmtere unb ■ natürlichere Slugfbractje ber Gelobte, bte aucl) in ber 
ttre^e i^r.ffte.dEjt toitl, ebenfo tote bie Hnntut ber ©eftalt in ber jRrcpdjen 
.Malerei. , ignrjarmonifcrjer £inficrjtgibt er ung bagegen biet ^ntereffanteg, 
toenn aucl) manches ©elünftelte. ®afs aber funftbollere gormen über* 
fjaupt im Sirc^ü.cijen Stil angetoanbt . toerben, fann nur guftimmung 
erhalten. rSßir finben babon eine SRenge. ©oppetfauong, ®oppel* 
fugen ufto. geben, bom gleifj unb ber SSilbung beg ®ombontften an bieten 
©teilen ein rül)mlict)eg geugntg; auü) seicr/tten fiel) bie Renten oft 
buret) ©igentümlicrjfeit unb 33efonbert)eit au§. 9tacb, Slntjöreu be§ SBerfeg 
in fetner urfprüngtietjen ©eftattung, b.tj, mit Drcrjefierbegteitung, treten 
feine SSorgüge bielleidjt noerj entf ergebener tjerbor. ©in Mabieraugpg, 
fo forgfältig aucl) ber borliegenbe ausgearbeitet ift, Bleibt immer ein 
bürftiger 9cotbet)eIf, ber bem. Sompontften fein bollftänbigeg . 9^edE)t bei 
ber Äritil nie gibt unb geben lann. 60. gut eg unter biefen Umftänben 
möglicrj, berfuäjen toir nocl) bon einzelnen Hummern ber erften unb, 
toie toir glauben, bebeutenberen Hälfte be§ Oratoriums eine 2tnfict)t 
%u geben. .-.■'.■' 

®ie Oubertüre t;at ben ©tjaratter ber einleitung unb ift, fein ah> 
gerunbeteg SDcnfifftücf. ®a§ fugenartige Slllegro erinnert an pnbetfetje 
Söeife; fetjon l)ier fängt ber ^omponift an, SSeiftoiele bon Mnftlid)erer 
Slrbeit, toie ttmfetjrung ber Sternen ufto. §u geben. ®ie erfte ®efang* 
nummer enthält eine SSegrüfjung an bie Sungfrati äJcaria; bie gorm 
ift bie be§ Soöpeflanong im ©tjor, bie Gattung toürbig unb angemeffen. 
yix. 3 bietet nicr)t§ £>erborftecrjenbeg: dagegen fagt ung 9fo. 4, eine Strte 
für (Sopran, burcrj größere 3nnigfe.it be§ ©efangeg befonberg §u. Qu 
IRi. 5 fällt Seite 8, Ie|te§ Stiftern, Salt 3 bie fiel) jrföfcßdj beränbernbe 
33etoegung auf, über bie fiel) 2>ireftor unb '©ijot.nut.mtt SKtttje ber» 
ftänbigen möchten. ®ie folgenbe guge gehört toieber p einer felteneren 
©attung: fie ift per motu contrario, ba§ £t)ema übrigeng ein glücflict)eg. 
: ®ie.jtoeite Abteilung be§ erften Seileg beginnt mit einem Stoppet» 
rljor ,ber §irten unb ^irtenfnaben, beffen erftere §älfte' namentlich; 
'bon fcfjöner SSirfung fein muß. ®ie SSotte: „£> fet)t, £>err A - tröfte ung" 
unb ben fiel» auf einmal beränbernben ©tjarafter beg ©t)oreg berffet)en 
•toir nic^t ju f äffen." ,®te folgenbe 2lltarie Hart nur t),alb. auf,, bie ung 
aucl) alg SKufilftüd §u lurj geraten [djemt. SSortreffliclje Sßirtung mag 
über in ber f irä)e ber folgenbe ©t)or ber @nget unb §irten Ijerborbringen. 
%t% ber teueren nimmt ben nnbern. immer im p p, toie: im (getjo auf, 
S)ie äMobie : beg ©tjoralg ift fetjön. ©g folgt .ein furjer gugenfa| .mit 



10 94. Sieue Oratorien. II. »Ser (Möfer«. 95. 9Jeue Sonaten für panoforte. 

einem etoaS fonberbaren petita. STJacE) ü)m tritt jum erpen Pale ein 
aflegitatibfa^ auf. «Simeon fingt in einer furgen 2trie: „§err, meine 
Singen tjaben ben £eitanb gefef)en", bie un§ im ©jarafter fel)r .wfy 
gefällt, aber atö SKufüftad ebenfalte ber frönen gorm unb Stunbung 
entbehrt. Slbermafö folgt ein ©o^eCtonon unb biefem ber @$to&- 
äior mit Sopjietfuge; and) biefe @ä|e finben mir %u iura; ber ©f>or 
tann nid)t redjt in§ geuer tbmmen, unb namentlich) ftrömt ber ©drfufs 
nidjt fräftig genug an?, als ©djfofc eines ganzen Seite. 

Waü) biefen tagen Slnbeutungen mag man etoa auf bie anbere 
Hälfte beS Oratoriums fdjliefjen. Überall tritt un§ ber fomponift 
ate ein @tarfa>oltenber entgegen, ber immer ma^rljaft SSürbigeS unb 
babei ©igeneS geben möchte.' Oft oettäfjt itm bie traft be§ 3Mfter§; 
aber fdjeint er bann felbft ^einmütiger, fo finft er boci) nirgenbS gutn 
leidjtfinnigen §anbit>erfer tjerab. SSiel tjat ü)m ber £e$t gefdjabet, 
beffen «ßlantofigfeit mir fdjon rügten, ®eroifj aber begeidmet ba$ Dra= 
torium im SSilbungSgange be§ ®omponiften einen bebeutenben Stritt 
oortoärte, unb er ftärfe fid; in biefem SSemufstfein balb ju neuen größeren 
Slxbeiten, toie mir bettn feinen tarnen fdjon je|t benen ber ebler Stre* 
benben unter ben gegenwärtigen tebenben oaterlänbifdjen Mnftlern 
anreihen muffen. — 



95. Sfteue Sonaten für bas ponoforte. 

Unfere le|te ©onatenfdjau fdjlofc im Sejember 1839. 9ta roenigeS 
in biefe eble ©attung ®infd)tagenbe§ ift feitbem erfdjienen, unb frei* 
lid), fdjeint e8, b,at fie mit brei ftarlen geinben ju fämpfen — bem $ubti» 
lum, ben Verlegern unb ben tomponiften f elbft. ®aS ^ublifum lauft 
ferner, ber Verleger brudt fdjtoer, unb bie f omponiften galten aller- 
Ijanb, bielleidjt and) innere ©rünbe ab, bergteidjen SlltmobifdjeS §u 
fdjreiben. £>ie e§ tro|bem tun, follen m§ hoppelt teert fein. © folgen 
l)ier bie tarnen ber tomponiften, bie unS neuerbingS «Sonaten gegeben: 
SB. tlingenberg, 3. 91. Secerf, fr ®enifd)ta, SB. Saubert unb 
%. &$opin; fie ftet)en nad) ber 3fetf)e beS Qntereffe, ba§ fie uns -ju l)aben 
fdjeinen, f 

£ne erftgenannte bon Slingenberg Reifst $t)antafiefonate. 28äre 
ber SBille bie £at, man müfjte fie gut Reißen; ein ^Ringen, ftdE) Dom alten 
©drfenbrian loSaumadjen, ift barin unöerlennbar, übert>au£t ein Strebe^ 



96. «Reue Sonaten für panoforte. 11 

Selbftänbige3 ju teiften. 916er bie Gräfte reidjen nidjt au§; e§ fep 
fogar an boller 2lu3bitbung ber unteren, tt>ot)in toir 3. 58. @a|reint)eit ufto. 
rennen. So ift benn au3 biefem SJlt|bet^ätttii§ ber fraft pnt Streben 
ein fonberbare3, berfdjrobene§, gefdjmacflofeS Stüä getoorben, ba§ 
fogar l)ier unb ba gterlic^ unb galant fem mödjte. Hnb ba§ ift ba& ttn* 
glüd, tt>enn mufilalifdje Sleinftabibetootyner fidj auf einmal mobifdj 
pariferifd) bewegen toollen, ein llnglücf, ba§ leiber Bei un§ in ®eutfd)* 
lanb meljr atö irgeubtoo ju §aufe ift. Speziell gu belegen, roa§ mir i)ier 
angeführt, mürbe 58ogen füllen tonnen. s (£in ©utmuftfaltfdjer mufj 
ttadj ben erften (Seiten fdjon über bie i!owpöfttion im Karen fein, biet* 
leidjt ber fombonift je|t felbft, angenommen, bajj er jefct fein SBerf 
um einige $at)re übertoaegfen. SBer itnt übrigens gum ^faruäflug 
berteitei, fdjeint flar; e§ ift 58eett)oben mit feiner Sonata quasi fan- 
tasia. SSer liebte benn biefe nitigt? Slber freitid) aud) ba$ fojrieren 
»erlangt Übung unb gertigleit. SSielleicgt gibt un§ ber Sombonift batb 
eine neue 5ßrobe feiner fünft, bie niegt p feg inad) gegen baZ Original 
abftidjt. 

(£§ gibt eine ® laffe bon Sonaten, über bie fid) am fdjbnerigften reben 
läfct; e§ finb jene rid)tiggefe|ten, eljrKdjen, tooglgemeinten, ttrie fie 
bie 3ftogart=£>agbnfd)e Scgule p t)unberten tjerborrief, bon benen nodj 
jefct Ijier unb ba @£emblare pm 5Borfdjein fömmen. Säbelte man 
fie, man müfjte ben gefunben 3Jienfd>enberftanb tabeln, ber fie gemacht; 
fie fjaben natürlichen gufammentiang, roofytanftänbige §altung. OTe 
biefe 2ugenbert geidmen and) bie (Sonate beä gtoeitgenannten 58er = 
fafferS au§. Stber freilid), heutigen 2uge3 aufzufallen, fa nur gu ge* 
fallen, ba^u gehört metjr atö bloft eljrtid) fein. Unb t)ätte benn 58eett)oben 
fo umfonft gelebt ? SBer lefen !ann, ber plt fid) nidjt met)r bei bem 58ucg> 
ftabieren auf; toer Stjalefbeare berfteljt, ift über ben 5Äobinfon l)in* 
über; turg, ber Sonatenftil bon 1790 ift nidjt ber bon 1840: bie %x* 
fbrüdje an gorm unb Ignljalt finb überall geftiegen. ®a§ Sob be§ $lei|eg, 
be§ Strebend naeg ©utem bleibt aber bem Somboniften and) biefer 
Sonate tro|bem unberfümmert, unb fo erfülle fie iljre $8eftimmung, 
im großen .geitenftrome eine äJHnute lang aufgetaucht gu fein unb aud) 
toieber gu berfdjminben. 

Slud) bie folgenbe Sonate bon ©enifdjta erinnert im toefentlidien 
an eine bergangene ^ßeriobe, bodj tritt un§ in if)r eine eigentümlid)e 
^erfönlidjleit entgegen. SBir beriegteten mit Vergnügen fdjon bor 
einigen galjren bon einer Sonate für Mabier unb Violoncello beweiben 



12 95. State (Sonaten. für pattoforte. 

f omponiften. ®ie SSorpge,, bie mir bort auggeidnteten, ' tedntifdje 
gertigfeit, SHartjeit, 2tnft)rud)Iofigteit be§ ($f)aralterg, ftnben 'mix auäj 
fyex: bieg namentttd) in ben fet)x gut gerunbeten beiben erften . ©ä|en. 
§öt)er aber ftet)t nod) ber te|te, berjtd) mer;r 33eett)obenfd)er Stxt näfiert, 
obgleid) burd) bie äußere Aufregung überall ein freunbüd) rubigeg 
©eficfjt burd)blidt. @anj auf. Hart e§ fid) bollenbg .im äföttelf a£ . im 
®ur mit feinem eigentümlichen Drgetbunft im ©opran; eg ift bieg bie 
§aupt[telte ber ganzen (Sonate unb fd»toexIicE) p überfein. ®er @d)lufj 
bringt nidjtg Slufjerorbenttidjeg; aber mir f Reiben befriebigt, erweitert, 
mit aller Stiftung, bie mir einem gebilbeten fünftler fdjutbig. ®er tom» 
ponift fotl ein $ole fein. — 

SSon ber ©onate bon SB. Saubert, feiner fünften, ben Befern 
einen begriff ju geben, möchte ferner fein; fie ift abfonberIid)er 9lrt, 
man mufj fie fid) felbft anfet)en unb jmar öfter. ^d) möd)te fie t)t)po* 
djonbrif ernennen; ber Somponift t)ängt ftcE) eigenfinnig an ein paar ©e= 
bauten, bie er gergliebert, mieber äufammenfetst, mieber megmirft, big 
er fid) bann burd) eine SSolfömelobie aug ber menig erquicflid)en ©tim* 
mung tjeraugreiften motzte unb äutegt, ba ii)m bieg nid)t glüdt, fid) 
gar auf bag ©ebtet ber guge ftüdjtet, mo er erft red)t orbenttid) ju grübeln 
anfangt, ©id) ein Ißublitum p gewinnen, barauf gebt fie gemifs niäjt 
aug; eg. ift eine Sonate, bom Somboniften gteidjfam nur für fid) ge* 
fdjrieben, bießeidjt in befonbereu Sebengberbältniffen entftanben. 9Jüt 
Ieict)ter SKütje rjätte er and) ein Quartett baraug madjen lönnen, aber 
nein — ber Äombonift moltte eben nur feine biet SBänbe §u gurjörern; 
eg fteeft etmag bon 2ttenfd)en* ja bieüeid)t bon SKufiftiberbruf? in biefer 
S»htfif. ©o mirfte bie ©onate baä.erftemal, alg id) fie fbiefte, auf mid), 
fo ffwter, atg id) fie mieberfpft tag. f. W. bon Söeber b,at eine aud) in 
ber Tonart ((g^molt) ät)nlidje, fet)r eigentümliche gefdirieben, an bie id) 
burd) bie bon Saubert mieber erinnert mürbe, nur bafj, mie gefagt, 
bie 9Mancr)oüe bereiteren in bezauberen in §t)f)od)onbrie berfättet 
erfdjetnt. ®ennod) übt bie äJcufil aud) t)ier iljre eigene berfd)önenbe 
©ematt aug,. unb fo feffett ung. in ber Sunft, mie fo oft, mag wtg im 
ßeben abftöfjt. „ ®oä) genug ber grübelnben SBorte, bie felbft nur ein 
SSibexr)atl jener äKufil ju fein fdjetuen; möchten fie mandje jur Surdp 
fiefit. r eigen,: benn atg Huftier ^ geigt fid) ber totnbouift mot)I immer alg 
ein ad)tunggmerter. — : 

®ie erfreu Safte ber jule-^t- genannten- ©onate fid) anfeljen unb 
nod) ,§meifeln ju lönnen, bon toem fie fei, märe eineg guten Senner» 



95. Sfeue ©oitäten für ißiartoforte. 13 

auge§ Wenig Wütbig. ©o fängt nur ©üjoptn' an, unb'fo fcfjliefjt nur 
er: mit ©iffonangen ' burcf) SDiffonanäen in ©iffonanjen.. Unb bocl), 
wiebiel ©ctjöneg Birgt and) biefe§ ©tücl! ' Saft er e§ „©onate" nannte, 
möchte man eb,er eine Sa^rice Ijeifjen, wenn nidjt einen Übermut, 
bajj er gerabe bier feiner tpllften Sftnber §ufammenlab,beite, fie unter 
biefem tarnen bielleicfjt an Drte einjufcrjWärgen, worjin fie fonft nicrjt 
gebrnngen wären. ÜKan neljme §. So. an, irgenbein Kantor bom Sanbe 
lommt in eine SJhtfilftabt, ba Shmfteintäufe p machen — mant legt 
n)m SfteufteS bor — bon nicfjtS will er Wiffen — enblid) tjäft ib,m ein 
©cI)taufo,bf eine „©onate" entgegen — ja, f^ricEjt er entguät, ba§ ift 
für micrj unb nocb, ein ©tücl au§ ber guten alten Qeü — 'unb lauft unb 
Ijat fie. gu §aufe angefommen, fällt er b>r über ba§ ©tücl — aber feljr 
irren müfjt' iäj midj, wenn er nic£)t, noct) ef)e er bie erfte ©eite mütifam 
abgeb/aftoett, bei allen ^eiligen SKufilgeiftern barauf fcrjWöre, ob baZ 
orbentlicrjer ©onatenfttl unb nicrjt bietmeb.r watjrtjaft gotttofer. ■ Stber 
©fjofrin tjat bocb, erreicht, wa3 er wollte: er befinbet fid) im J?antotat, 
unb wer !ann benn Wiffen, ob nicrjt in berfetben SSeljäufUng, bietleidjt 
nadj Qaljren erft, einmal ein ;romantifdjerer (Snlel geboren Wirb unb 
aufwädjft, bie ©onate abftäubt unb ftoiett.unb für fidj beult: „®er ÜJJcann 
tjatte^bod) fo unrecht nicrjt." 

9Jcit alte biefem ift fdjon bor weg ein Ijatbeg Urteil abgegeben. (Srjobin 
fdjreibt fdjon gar nichts metjr, tva§ mau bei anber£n ebenfogut fjaben 
lönnte; er bleibt fiä) treu unb b,at @runb bagu. 

©3 ift §u bebauern, ba£ bie meiften ' itabierffnelenben, fetbft ©e* 
bilbete barunter, nicrjt über ba§ Ijmauäfeljen Unb urteilen- lönnen, Wa§ 
fie nicrjt mit itjren eigenen gingern bewältigen lönnen.. SCnftatt fo 
fdjwierige ©tücfe erft ju überbliäen, Irümnten unb boljren fie fidj talt* 
weife fort; unb finb fie bann laum über bie grobftert fßrmlidjen &er= 
Ijättniffe im Ilaren, legen fie'3 weg, unb bann Ejet^t e§ „bijarr, berworren" 
ufw. ©erabe ©bjofün f)at (wie etwa $ean ^aut) feine §äMberiobeu 
unb *ßarentrjefen, bei b'enen man fiä) beim erften Smrcrjlefen eben nicrjt 
lange aufhatten barf, um nidjt bie ©tour §u berlieren. Stuf foldje ©teilen 
ftöfjt man benn audj in. ber ©onate faft auf jeber ©eite, unb ©l)o^m§ 
oft witltürlicrje unb wilbe Sttforbfdjreibung madjt bä§ £>erau§finben 
nod); fdjwieriger. (Sr liebt nämlich/ nicrjt §u eUfjarmonifieren, Wenn 
icfj' midj fo auSbrücfen barf, unb fo erhält man oft jerjrt* unb metjrfacrj 
belreujte Saite unb Tonarten, bie Wir alle nur in wicrjtigften gälten 
lieben. Dft l)at er barin rect)t, oft aber berwirrt er auci) ol)ne ©rünb 



14 95. 9leue (Sonaten für Sßiatioforte. 

unb, t»te gejagt, entfernt fidi) baburd) einen guten £eü be§ <JM>iitum§, 
ba$ (meint e§) nidjt unaufr)Miä) gefo^^>t nnb in bie (Snge getrieben 
fein teilt So t)ot benn and) bie ©onate fünf J8ee ober 33=mofl pr 33or= 
geidmung, eine Sonart, bie fidj getoifj leiner befonberen Popularität 
rühmen tarn. ' S5e& JCttfa»g..i)ßi§t -nämli^i' 

Orave. ^_ 

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■ üftad) biefem tjütlänglieb, (P)oJnnfcrjen anfange folgt einer jener ftür* 
mifd)en teibenfdjaftttdjett <Sä£e, roie roir bereu bon ©fjoptn fdjon mer)re 
lernten. SKan ntu| bie§ öfter unb gut gefjneft fjören. 9tber anä) frönen 
©efang bringt biefer erfte Seit be§ SSerle§; ja e§ fdjeint, atö oerfdjröänbe 
ber nationefle poiniftfje SÖeigefdEjmacf, ber ben nteiften ber früheren 
©rjofünfdjen SMobien anfing, mit ber Qät immer merjr, afö neige 
er fid) (über ®eutfd)lanb hinüber) gar manchmal Italien gu. SKan 
toeifi, baß SÖellini unb ©fjobin befreunbet toaren, bafj fie, bie fid) 
oft ib,re Äombofitionen mitteilten, rootjlaud) nidjt orme tunftlerifdjen 
©influf? aufeinanber geblieben. Stber, roie gefagt, nur ein leifeS §in= 
neigen nad) füblidjer Sßeife ift e§; fobalb ber ©efang geenbet, bli|t 
roieber ber gange Sarmate in feiner fro^igen Originalität au§ ben Man» 
gen fc)erau3. ©ine SÖforbenberfledjtung roenigften3, roie mir fie nadj 
^bfdjtufj be§ erften Sa|e§ bom groeiten Seil antreffen, fjat SJellini 
nie geroagt unb tonnte fie nie roagen. So enbigt aud) ber gange Sa| 
roenig italienifdj, — roobei mir Sifgt§ treffenbeS SBort einfällt, ber ein* 
mal fagte, iRoffini unb Äonforten fdjloffen immer mit einem „votre 
tres humble serviteur"; — anberg aber för)o^in, beffen Sdjlüffe etjer 
ba§> ©egenteil au^brüden. — ®er groeite <Sa| ift nur bie gortfe^ung 
biefer (Stimmung, Iür)n, geiftreid), J)t)antaftifd), ba§ Srio gart, träume» 
rifct), gang in (£f)opin§ SBeife: ©djergo nur beut Tanten nadj, roie biete 
©eettjobeng. (£3 folgt, nodj büfterer, ein Marcia funebre, ber fogar 
mand/eä 9lbfto|enbe l)at; an feine Stelle ein Slbagio, etma in Se§, 
mürbe ungleid) fdjöner geroirlt tjaben. ®enn roa3 mir im Sdjlufjfage 
unter ber Sütffdjrift „finale" erhalten, gteidjt eb,er einem Spott atö 



95. 9Jeue Sonaten für 5ßianoforte. — 96. ©üben für ba§ «ßtanoforte. 15 

irgenb SHufif. Unb bodj gefterje man e§ fitf), auä) au§ biefem melobte* 
unb freubelofen @a|e toeljt un§ ein eigener graufiger (SSeift an, ber, 
tt)a§ fid) gegen i^n auflehnen möchte, mit überlegener gauft nieber» 
r)ält, bafj nur toie gebannt unb ot)ne p murren M§ pm @ci)luffe p- 
tyorcEjen — aber <w$ o^ne p loben: benn 9M\H ift ba§ nictjt. @o fdEjttegt 
bie @onate, wie fie angefangen, rätfefljaft, einer @bt)in£ gfetdj mit 
fböt'tifcc)em Sägern. — 



96. (Etüben für bas panoforte. 

Sljeobor tuöof, 2 ^onsertetäbeft. 

2te§ SBerf. 
$>er ^omtoonift, ein junger {ebenfalls, fttnbigt ftdE» mit ben erften 
Saften atö ein mit bem neuften ®Iabierfbiet bertrauter an. ®ie ©üben 
finb ferner unb »erraten überall namentlich SBefanntfdjaft mit £>enfelt§ 
unb £r)alberg§ arbeiten. ®em SSirtuofen gegenüber t)aben mir nidjtä 
gegen biefe 9ftct)tung unb Vorliebe. Sem f omboniften aber, wenn 
er ein tüchtiger werben Unit, motten wir babon abraten, gm ©ebiete 
ber me^cmifcfyen Kombinationen ift je|t taum meljr p erreichen, al§ 
bie SSirtuofen ber neueften $eit rotrMicE) erreicht f)abert. Stuf ba$ $er* 
fccjranien ber §änbe, ob e3 fo ober fo, auf bie Sttforbenmaffe, ob fie. 
etwas met)r ober weniger coli, barauf Jommt je|t nichts mefjr an; mir 
fyaben barin in |>enfett§, £ifp3, St)alberg§ Slrbeiteu tooflauf genug. 
®ie 9tacl)foIgenben muffen, wenn fie SSebeutung gewinnen wollen, ben 
umgelegten SSeg einfcglagen, ben pr ®tnfacc)t)eit, pr frönen, orb* 
nungäoolten gorm, unb barauS entwickle fiel) bann auet) ba§ tom* 
toltgiertere. ®er SBeg Hegt flar oorgejeiä)net. S8er um nidjt ftet)t, wirb 
umfonft arbeiten. 

8. 9iofettfjaitt, 24 etübett (»Etudes melodiques«). 

2Berf 20. 
„Invita Minerva" Ijätte ber tombonift barauf fcc>reiben folten. ®ie 
©tüben fäjeinett mit großer Unluft gefcr)rieben p fein, t»ietteic£)t auf 
Staaten be§ — urfprüuglici) fran§öftfct)en — 33erteger§. ®afj für 
fcb>äd)ere, fletnere Spieler bur et) fötüben geforgt wirb, ift gewifj gut. 
®ocg trägt, afö tombonift WenigftenS, £r. 3tofent)ain, wie un§ fer/eint, 
nur wenig J8eruf bap; in fiä). %$ wüfjte feit lange lein Söerl, ba§ 



16 96. ©tüben für ba§ pttnoforte. 

mit in jebent SSegug fo entfdjieben mifjfttlten tjätte. Sttdjtä soirttid) 
2mmutige§ im gangen SSerle, bon !Ketobiefaum eine Spür; eingetne 
(Stuben gängtid) mißraten in ber, gorm, bietet ünforreft unb ungefällig 
in ber Harmonie, ttnb bagu nun nod) bie Semerlungen übet ^eber 
einzelnen Stommer, toie btefe roertlofen Stüde am beften bor gutragen 
feien. SSatjrtjaftig, ba fdjreibt SSertini toie ein (Snget bagegen. Heiße 
man alfo, big nid)t etroa§ SSeffereS tommt, jungen (Semütern burd) Öbun* 
gen Suft gur SJtufil gu machen, Bei SSertini. £>r. Ütofenfjain ift bie§mal 
ba§> SBiberfbiel feine§ Samens, unb bie garten Ringer roütben fid) rounb 
greifen an feinen (Stuben. " ' : ' ■'; 

^bucrb sseolff, 24 ©tübett. 

SBerl 20. 

3)er Sombonift ift ein junger, je|t in 1ßäri§ tebenber ^Söle, unb feine 
3tnt)änglid|feit an ©fyxbin um fo teidfter- gu etftären. SSor 50 Qctfjren 
Würbe, man (Stuben roie bie SSoIfffcfyen gerabegu für berrüdt erftärt 
tjaben, tjeute gelten fie nur nodj.afö „ferner". Seiber aber ift (Scrjroierig* 
feit ü)t eigentümftd)fte§ SJierfmal, urtb e§ ftecft in mancher (Stjöbinfdjen 
äftagurta merjr äJhtfif afö in alten; biefen 24' (Stuben, gegriffen e§ bod) 
bie jungen Somboniften immer geitig genug, bafs bie ÜDhxfif rttcEjt ber 
.ginger roegen ba ift, fonbern umgeferjrt, unb baf? man, um ein guter 
3Sirtuo§ gu werben, nie ein fd)Ied)ter SRufifer fein bürfe. :§rn. SSolff 
gerabegu gu ben teueren gu gälten, . wäre inbeS ungerecht. (S§ fefjlt 
u)m nid)t an $t)antafie, unb er weiß eine (Stimmung aud) anber§at3 
burd) bloße gingeref fette rjerborgurufen unb feftgurjatten; bagu übt 
jeber meland)oIifd)e ©tjatalter, roie aud) ber feinige ift, ^ntereffe auf 
un§, namentlich auf jüngere. Seiber aber treffen mir in biefer (Stuben» 
fammtung aud) auf gar gu SribialeS, gerabegu 3$erwerflid)e§, roie e§ 
in ©eutfdjlanb tein Seljter feinen <Sä)üter auffdjreiben, gefdjweige 
bruden ließe, unb, beut Somboniften gum SDopbetfdjaben, gerabe auf 
ben erften «Seiten feines SöerfeS; benn mancher wirb fid) baburd) ab* 
Ratten täffen, im 3)idid)t weitet botgubringen. (Stft auf ber 14ten Seite, 
ber 6ten (Stube in §*molt, ftoßen mir auf eine angietjenbete; t)ier erreicht 
ber tombonift mit wenigen SRitteln ntetir afö bortjer mit fo bieten,- unb 
man fiebt, er fann woljt aud) einfacher fein, Wenn. er Witt. . ■ Stud) bie 
gwei barauffotgenben Hummern gehören gu ben gelungeneren, unb 
nad> biefen bie lOte ((Si^molt), bie 18te (®=moit) unb bie 22fte (g-mott). 



96. (Stuben für ba§ Sßtcmoforte. ' 17 

Sie übrigbleibenben fabelt meift nur afö me^amfc^e Kombinationen 
für Übenbe $ntereffe; mancfje ber .Qufammenftellungen finb barin neu — 
fcftön feiten. ®a§ crjromatifct)e Stuf* unb Stteberjierjen burcb, oerntinberte 
©eptimenafforbe in ben berjwicfteften Sagen unb ®o{>,belgriffen gehört, 
•toie ju ben SieblingSjügen aller jüngeren SSirtuofen, fo auct) ju ben fei* 
nigen. SJton finbet einen folgen ®ang faft in jeber ber ©tüben. £)b 
btö SBerl Bereits in Seutfcfjlanb gebrudt, wiffen Wir niä)t; wir würben 
bann für eine 91u§wat)l ftimnten, bie bem fomboniften ntetjr gut ©r)re 
gereiften Würbe afö boltftänbiger Stbbrucl. 

®axl matyet, 6 § tuten. 

SSerf öö. 

©jnelt man biefe ©tüben nacfj ben borigen, fo glaubt man fidj wie 
an§ finfterem, ftruppicl)tem ä8aIbe§bitficE)t auf eine grüne, glatte 3tafen* 
flääje berfe|t. ^reunbli^ finb biefe ©üben genug, wie faft alle Korn* 
pofitionen biefe§ Som^oniften; aber man Ijätte nact) mannen feiner 
früheren erwartet, er würbe fiel) ju einer eigentümlichen Slutorität 
herauf bilben; eine Erwartung, in ber wir getäufcrjt finb. ©eine ^rj* 
fiognomie rjat an (Schärfe unb SluSbrud biel oerloren; man möchte ü)n 
je|t oft für einen jungen ©alonftüeler galten, ber mit £t)alberg unb 
£>enfelt ribalifieren wollte, unb bie3 an einem älte>ren Sünftler p be* 
merten, Knute beinahe traurig fttmmen, wenn anbererfeit§ btö bor* 
liegenbe 28er? nicE)t fo manches ©irateljmenbe an fiä) fjätte, fo .baf? man 
barüber bergig, tötö ber Komponift unter anbern SSerl)älrniffen tjätte 
leiften muffen. Sie ^Befürchtung aber, bafj er fiel) int gangen berflaäjt, 
ftü|t fiel) pnädjft auf obige ©tüben; wer aber weifc, M$> er bielteicrjt 
nocl) im Vorrat fjat? ttnb geljen grofje ©enien Worjl einmal einige 
SOlinuten rücfwärts, um wieöiel erjer fann e§ anberen gefcfjefjen. Sie 
©tüben Werben, Wie gefagt, gern gezielt unb gehört werben; ba§ erftere 
namentlich weil fie fo feljr leicht in bie ginger fallen, bafj mittlere 
(Spieler faft nirgenb§ fehlzugreifen gu fürchten brauchen, bi§ in ber 
legten, einer ©tübe in Sprüngen, »Souvenir ä Thalberg« genannt, 
bie wir ü)m gern erlaffen ptten: benn e§ ift nichts leichter, afö ber» 
gleiten %n Su|enben p fcfjreiben. S3efonber§ anmutig ift.fobann bie 
2te in 3fö=bur. Sie 3te in gi3=molt würtfcl)ten Wir bagegen gängtiä) un* 
gebruclt, ba fie fieb, gegen §enfelt§ »Poeme d'amour« wie ein fcljwaclier 
(Scrjattenrifs ausnimmt, fomboniften fe|en folgen Vorwürfen oft ben 

sftoBert ©äjumcraitS gef. ©Triften. II. , 2 



18 96. (Stuben für baä panoforte. 

©inroanb entgegen, fie Ratten ben fogenannten (Schattenriß et)er fom» 
tooniert afö ba§ bermeintlicrje Original fein <8tüä ufro.; aber aucf) bann 
bürfen fie'3 nicfjt brucfen laffett; bie ©tübe ift an ficE) ju roenig bebeutenb. 
®ie anbern mögen ficb, alte, bie ben Äomponiften bon frfirjerijer lieb» 
gewonnen, felbft aufe^en unb felbft urteilen, roo er fiä) treu geblieben, 
reo ntcrjt. — 

Stefan geller, 24 (grüben. 

SBerf 16, 2, Sieferungen. 

®ie geitfcfjrift r)at fcfjon öfter auf biefen jungen geift» unb prjan* 
tafiebolten Sünftler aufmerffam gemacht, ©r lebt feit etroa 2 ^afjren 
in *ßari§, tt>o fein latent aU ^ombonift unb SSirtuo§ gleichfalls fcfjon 
rürmtlictje 9tner¥ennung gefunben. S)ie ©tüben finb fein größtes big 
}e|t erfctjieneneS SBerf. Drbentlicrje ©tübenfbieler irren aber, wenn 
fie barin auf rechte gingerarbeit p treffen hoffen; fie finben mef)r, 
©r)ara¥terftücfe nämtict) in bunter Steüje, barunter einige üon au§ge§eitf)= 
netent SBerte, fämtlict) aber einen mufifalif erregen ©eift berratenb, 
an beut nur §u bebauern, baß er feineu 9teicrjtum in fo Keinen formen 
gerfpttttert. Stnbere tjau3r)ävterifä)ere f omboniften mürben au3 manchen 
©runbgebanfen ber ©tüben gan§e SEonjerte unb (Sonaten aufgebaut 
fjaben; unfer ®otubonift jieljt e§ bor, nur anpbeuten unb flüchtig an* 
guregen; fein überroiegenber §umor roitt e§ fo, unb aucb, ber (Schatten* 
riß ift roißfontnten. ©§ lieft fiel) bie ©tübenfammlung etroa roie ein 
Sugebud). SÄannigfaltige äMnungen finb rjier nebeneinanber au§= 
gefproctjen, bittere Stemerrungen fehlen nictjt, aucb, nicrjt liebe ©rinne» 
rungen. S)er Mnftler, ber sßr)üofopr;, ber greunb läßt ficf) barin getjen, 
atö fäfje ü)tn fein Sfcenfctjenauge §u, aU gäbe e§ feine Stejenfenten. fielen 
roirb bie§ offne fjtngebenbe Söefen gefallen, anbern Stoff §ur S8efürct)= 
tung geben, ob biefe ^eitere greigebigfeit ficb, nicfjt etroa in ber gufunft 
räcrje, int Süter, roo man oft mit roenigem auälommen muß unb oft 
gegen feinen SBilten. SBie ber fombonift nur anbeutete, fo beutet auä), 
ber barüber fcf)reibt, nur an unb meint, ber junge Äünftler berfcrjroenbe 
nicfjt gubiet im Seinen. SSiele, bie gerabe babon nü|en, roerben ü)m 
banlbar fein, gm Smgeficrjte ber tunft aber gilt e3 Sonfequenj, ©nergie, 
Sraftau3fbrudj burctj große arbeiten, unauSgefe^teg Streben nacb, 
SSerebelung. SJcöge bie $eit tticEjt fcmmen, roo ber, ber biefe geilen t)erbor= 
gerufen, fie nur ungern roieber in bie §anb nannte! ®ie fdjönen feinte, 
bie aucb, biefeg fein le|te§ SSer! in großer Qaty enthält, geben tnbe§ 



96. ©üben für bctS Sßtonoforte. — 97. ©. Xljalberg. IQ 

auf flottere Hoffnungen 2fttff>ruä), unb bie§ ift fäjon einer fäjärferen 
$u3jeiämung toert, bereu er benn auä) im ijotjen ©rabe toürbig. ®te§ 
wirb Ijinreidjen, auf bie (Stuben atö auf ettoa§ nidjt ©etoötmtidjeS auf» 
merffam ju machen unb ba§ 2mbenfen an ben fomponiften &et feinen 
2anb§Ieuten toieber aufzufrifäjen. ©ein intereffantefteä unb liebend 
toürbigfteS ©tübenftücf fteljt übrigens in biefer Sammlung niä)t, fon* 
bern in ber 3ttofä)ele§»geft3fcr)en @ä)ute, auf bie mir batb p fpredjen 
fommen werben. — 



97. S. 2ljalöerg. 

ffiongert für ben 5ßenftonSfonbS ber SOhtftfer am 8. geBruor. 

Stuf feinem ®urä)ftuge tjat ber ÜDletfter auä) l)ier feine <3ä)toingen 
gerührt, unb e§ finb, toie bon ben glügeln jenes ©ngefö in einem 9ftidert= 
fcrjen @ebiä)te, Rubine unb anbereS (Sbetgeftein herabgefallen — unb 
ba$u noä) in bebürftige §änbe, tote e§ ber SFteifter beftimmt t)atte. ©inem 
toie ü)tn, ber fäjon fo mit Sob überfdjüttet toorben, 9<ceue§ fagen ju 
tootten,- ift fetter. ©ine§ f)ört aber jeber ftrebenbe 33irtuo§ noä) immer 
gern: ba§ nämliä), bat er fortgefäptten ift, feitbem er un§ §um legten* 
mal mit feiner fünft erfreut, unb biefe§ @ä)önfte Mrfen mir auä)' hjah 
Berg faenben, ber feit ben legten jtoei gatjren, ba' mir ü)n niä)t gehört, 
noä); (SrftaunücrjeS zugelernt, fiä) toomögtiä) noä) freier, anmutiger, 
fürmer betoegt. @o färien fein (Spiel auä) auf alte in gleichem ffltafte 
gu toirfen, ba§> glüdttiäje 33et)agen, ba§ er bielteiäjt fetbft babei emto* 
finben mag, fiä) alten mitzuteilen, ©etoif?, toatjre SSirtuofität gibt me|r 
aB blofje gertigteit unb fünfte; auä) fie bermag e§, ben SRenfäjen ab* 
pfpiegeln, fo bafj e§ uns bei $t)alberg§ ©piet reäjt Har toirb, er gehört 
ZU beu öom ©äjiäfat Vorgezogenen, Söegünftigten: er fteljt in ^Retäjtum 
unb (Stanz. @o begann er feine 23atm, fo Ijat er fie bis \t%t gurüägetegt, 
fo toirb er fie befäjliefjen, überalt bom ©tüä begleitet unb @Iücf ber* 
breitenb. ®er ganze geftrige Slbenb, jebe Kummer, bie er [(nette, gab 
ben 33etoei§ bap.- ®a§ ^ubtifum fäjien gar niä)t ba p fein, um zu 
urteilen, nur um ju genießen; man toar feiner @aä)e fo fiäjer, toie ber 
SMfter feiner fünft. S)ie fomtoofitionen toaren fämttiä) neue, eine 
©erenabe unb äJcenuett au§ »®on Quan«, eine Piantafie über italienifäje 
£r)ema§, eine gro^e ©übe unb ein fapriceio über Stjemaä au§ ber 

2* 



20 97. @. St)al6erg. — 98. JM^ere ©tiitfe für pcmoforte. 

»©omnambula«: fämtlitfi, ^öd)ft wirfungäboüe Umfcbreibungen ber Ort* 
ginalmetobien, bie, wie fie auä) tum Tonleitern unb 9Irbeggien um* 
gönnen Waren, überall freunblicb f)erborfal)en. ©ödE)ft fünftlid) war 
namentrieb bie Bearbeitung ber »®on 8uan«= fernen unb ü)r Vortrag 
üüerrafcfjenb fä)ön. %§, f ontpofition bie Wertbottfte festen un§ bie (Stube, 
ber ein rei§enbe§, wie im itaüenifcben $oB3ton gebalteneS Sbema pm 
©runbe lag; bie Ie|te SSariation mit ben bebenben Ertöten Wirb wo^ 
alten unbergepd) fein, iöm bon niemanb in folget gauberifä)en SSoIt« 
enbung nactigefbiett werben, gtjre ü)nt benn noctmtafö für ben Stbenb, 
an bem er ficr) afö Sttenfct) wie afö SMnftler ein inniges Slnbenfen gefiäjert, 
unb Mjre er feinen SSerebrern batb wieber einmal prücf! — 



98. .Rüdere Stütfe für pemoforte. 
». $. @))0tt^% »^atttafieöttber«, 

SSerf 10. 

63 ift nur billig, jungen ungefannten tomboniften mit 9facbfiä)t 
entgegenpfommen. ®er obengenannte, beffen tarnen wir pm erfien* 
mal begegnen, tritt inbe§ anfbrud)§boIter auf, ®r bat feine ®ombo* 
fition granj ßtfet pgeeignet unb fie auf bem Eitel mit bem 3lu§brude 
»«ßtjantafieMber« belegt, wa§ beibeg Erwartungen erregt. gm Innern 
finbet man bie pei @tü<fe noct) genauer burd) »9tofitofe§ Streben« 
unb buretj »©eefotfrieben« bejei^net. ®a§ erftere tonnen Wir an einem 
jungen tünftler nur löbticb, finben, nur berwedjfete e§ fict) niä)t mit einem 
„gieltofen", wie wir ba§ ©lud treffenber nennen motten. ®er f om» 
bonift ferjeint notb, nicEjt einig mit fid) p fein, p welcher gabne er fdjWören 
fott; bei bem beften SBitlen, ©utgeftalteteä p liefern, mödjte er aud) 
genial ungebunben erfdjeinen, unb er wäre ja aud) wtrftid) ein Sfteifter, 
wenn ü)m bieg gelungen. ®od) ift fein ©HUI ntdjt einmal teebnifd) 
fertig, unb fo ftürjt, wie auZ einem mangeK)aften @efc% ber gtdjatt, 
ber etwa ba ift, au§ allen ©eiten berauS. SJHt bem »©eetenf rieben« 
tonnen wir un§ aber nod) weniger befreunben; ber biefje beffer etwa 
»Etüde ä la Thalberg«; auf biefem Söege glaube. ber junge tombonift 
nichts p erreichen; au§ folgern ©eetenfrieben muß ibn bie JMttf ernftf)aft 
berauSpbringen fudjen. £ro| ber mandjen Slulfteuungen, bie., wir. an 



98. JMrjeie ©lüde für paitoforfe. 21 

beut äßerfe btefeS 3fobi§en §u machen tjcfben, motten mir it)m aber feines* 
megS mufiMifcr)eS Satent abförecrjen, eine 2lnertenramg, bie einem 
jungen fünftter ja immer bie erfreuliche [ein muß, beren er \iä) jeboct) 
erft bann mat)rt)aft erfreuen lann, menn er fict) attct) beS feften Strebend, 
eS fleißig auSjubilben, bemufjt ift. — 

& 3f.. -fttttt 3 S^erjt. 

SBerl 6. 

®er tomtoonift ber fröt)licrjett »Sagbfinfonie« geigt ftcE) aucb, in biefen 
Sdjerji bon ber fröt)tict)en Seite. SSaS totr fcf)on an früheren Sompo* 
fitionen ebenbeSfelben t)erbort)oben, muffen mir auct) an ben ©ctjerjt 
mieber: einmal bie grofje (Smfaäjljeit unb bann eine öftere ttnftart)eit 
beS 3ft)t)tt)mu3 ber *ßerioben, berart, ba% uns namentlich an ben Scfjlüffen 
mancher Seite etmaS guoiel ober jutoenig ju fein bünft. korrigieren 
unb änbern läßt ftcB in folgen galten bon anberen nur feiten, ebenfo* 
menig, mie mir ben unregelmäßigen pttsfcblag eines anberen %u 
regulieren bermöctjten. Socb, ift eS immer jutäffig, ben tomboniften 
menigftenS auf fotcfje Irregularitäten aufmerffam p machen, bamit er 
\iä) fünftigtjin nict)t ju febr geljen laffe. 2Ba§ aber an ben Sct)ersi 
unbebingt erfreut, ift ber Weitere, naiüe Sinn, ber aus jebem ber Stücfe 
tjerborbliclt, fo haft mir bermuten, ber Äomboniji liege eine befonbere 
Vorliebe für £>at)bn. 9to im jmeiten ©cfjergo berfuctjt er fid) einer 
leibenfc^aftlic^eren Stimmung ju entlebigen, bocfi/ fällt er im Srio balb 
mieber in ben behaglichen ©^aratter prücf, ber it)m natürltcl) fctjeint. 
^n jenem teibenfc^afttictjer bemegten Stücfe ift ü)m auct) S. 6, Stift. 4, 
Satt 5 ju 6 eine Quinte entfcfjtübft, bie mir ifjm jur Sünbe anzurechnen 
meit entfernt finb. Qm übrigen ift bie Schreibart, menn nictjt meifterb^aft, 
boct) burcfjgängig reinliit) unb torrett. Solcher angeborenen mie erlangten 
SSorjüge bereits teilhaftig, mirb ber junge Sombonift, mie mir fioffen, 
immer Süchtigeres plage förbern unb in ber 3feit)e ber Sonfe|er beS 
mufüalifctien SSötimenlanbeS eb^renbolt mittlen. — 

g. g. SSilfmg, tajmce. 

SBerf 6. 

©in fcrjä|enSmerteS ©tuet, etmaS !alt unb fteif, boef) überall eine 
tüchtige ©efinnung, ein bereits fruchtbares Streben berrateub. ©3 
mill un§ fcfjeiuen, ber fombonift tjabe fief) fcfjon früfjgeitig bor ber 



2ä 9Ö. lürgere ©titele für $tartoforte. 

lärmenben ©egenroart abgefdjloffen, fei über ifyte berberbliä)en (Sinflüffe 
i)inau§ unb gelje nun, unbeHtmmerr, ob feine Söerfe in ber Stoffe an* 
Hingen, feinen eigenen SBeg. ©oläje (Stjaraltere finb immer erjrenroert, 
unb roirfen fie nicrjt ofö ©podjenmänner, fo nügen fie in Heineren Greifen 
pm heften ber fhtnft. SBir müßten an ber Saprice faum etroa§ p 
tabeln; in ber gorm ift fie ausgezeichnet, baß fictj !aum eiroa§ t)inptun 
ober roegnefjmen laßt,; bie ©ct)reibart ift gefunb, gebrungen, burä)au§ 
Hör. 2luf eine befonbere Zuneigung be§ ®omtooniften p irgenbeinem 
äMfter läßt ficb, naä) feinem ©tücfe nict)t fließen, e§ müßte benn 
33. Mein fein. SßenigftenS trifft, tote bie Sompofitionen oe ^ festeren, 
fo bie borliegenbe ber SSorrourf, baß ein fixerer 2lnffd))nung barin 
nocb, »ermißt, ba^, er burcb, bie geffeln einer ettoag engen Sfjeorie rjter 
unb ba gehemmt ioirb. 2H§ 9Jtofter i;at aber nocb, niemanb angefangen, 
unb btö tiefere ©ebeimnis unferer tunft, ba 1 ^ fie allmääjtig bie £ergen 
bef)errfä)e, geb,t aucfj ben gätjigften oft erft im fbäteren 2IIter auf. ®urc£) 
reä)t freubigeg ©ingen fömmt man ib,m nocfe, am balbeften auf bie ©pur. 
®er Sombonift möge uns berftefjen, bie mir im roorjltbollenbften ©inne 
p if)m gefbrocr)en. — 

W. $e§ca, 

»Soene de Bai.« Morceau de Salon. Oe. 14. — »La Melancolie.« Piece 
earaoteristique. Oe. 15. 

SSon biefem Somboniften Regten mir bisher gute Hoffnungen, bie 
aber utctjt in Erfüllung p geljen f feinen: er f treibt biet unb leiäjt, 
felbft anmutig, merjr aber fann man an feinem ©treben nicfjt loben. 
®a§ meifte fann man in 21. §enfelt§ SomMitionen Sef)nmal beffer 
baben. Sei feinem Talente lonnte er aber ungleich met)r leiften. ©§ 
fcrjeint jeboct), baZ Sob, baä man u)m an bieten Drten gefbenbet, mactje 
•ir)n als tomboniften immer flatter* unb ftu|erf)after. §ält er unS 
bieüeicrjt entgegen, man folle tr)n boä) .nicrjt nacE) fo Heinen ©tücfen 
beurteilen, fo muffen mir ü)m entgegnen, ber tünftler foll ficfj nie etroaS 
bergeben, fobalb er eS mit ber Öffentlicrjfeit p tun bjat. $n unfern 
bier SBänben einmal tribial p fein mag tjingefjen; bor ber äöelt aber 
bringt'S ©crjaben. SBaS glaubt ^r. geSca p erreichen, roenn er fo fort* 
f crjreibt? Söir rooften e§ tf)m fagen: man toirb ifjn am ©nbe feiner Sauf* 
baf)n bielleictjt einen SMfbrenner ben Breiten nennen. SBir rjaben 
nichts gegen biefen 3M)m, aber ber rjßctjfte ift er feineSroegS. . Senfe 
er alfo notf) ein, roo es nocf) geit ift; neunte er es emftfjafter mit ficb, 



08. Mrjere ©tücfe für SjSianoforfe. gg 

ttnb mit ber fünft. 23i§ je|t l}gt er nur um ben SSeifall be§ $ublifum§ 
gebüßt; roül er aber p einem Urteil über fiel) felbft iommen, fo bertiefe 
er fic£) boct) gujeiten in. bie SSerfe eines 3Reifter§, etroa Beetrjoöeng, 
.unb gefallt er fiä) audj bann in feinem @treben,nocr), fo muffen roir 
trnt freilieb, afö berloren geben. 9ftadje er unfere Befürchtungen pnidite; 
feinem Talente finb roir greunbe, feinem ©treben nicfjt, .©§ liegt an 
ir/m, unfere ©efinnung über um §u änbexn..— , 

ßf). §. Struöe, »Sie&er olfjne SSotte«. 

SSer! 16. 

Offen gefagt, bie äfenbetöformfcfjen finb un§ lieber, rote roir benn 
ntemanben um ben ©infall beneiben,. nad) ü)nt roelcfje ,p ebieren. «Docb, 
tjaben bie be§ §rn. ©trübe etroag 8lbroeic£)enbeg, Überfctjriften nämücb, 
»Slage einer, fi§ilianifä)en $ifci)erin« (naä) %$. äRoore), »©Plummer? 
lieb «, >> ©elmfucbt «, » ©ottbertrauen «. S)a§ 2te unb 4te Sieb f ageu un§ am 
meiften ju, ba§ 3te roeniger; gegen bie »ftage« aber muffen roir energifcf) 
proteftieren; fo flagt leine beutfcfje, gefcrjroeige eine figtHaTttfcEje gifdjerin, 
unb gäbe e§ unter unferen Seferinnen roelcfje, fie follten e§ un3 be= 
beugen. - ®od) ttberfcrjriften finb nur Siebenfache, galten roir un§ 
an ben rein mufifatifdjen ©efjalt; ber ift nid}t fc£)Jecf)t. Dftcfjtigfeii be§ 
©a|e3 roirb bei ber Stellung, bie ber üompomft'rjat (er ift Drganift), 
üorau§gefe|t, auef) runben fiä) bie ©tücfe giemlid) leicht ab, bie roir 
ifjrem ©tjarafter nacb, fäjlicfjt unb gutmütig begeidjnen möchten. SSiei 
mef)r lägt fief» über ba§ D^u§culum niä)t fagen. ©in geroörjnü'cEieS 
SSilb %u gebraueb/en — e§ t)at einer jener Heineren ©angbögef ber 9focf)* 
tigatl nacejäufingen berfudjt, unb aueb, gaunlönige mufj e§ geben! — 

SuliuS ©Raffet, 3 »Siebet oüjne »Sorte«. 

äöer! 4. 

' „trüb aueb, gamtlönige mu| e§ geben!" ÜJJät biefen SSorten fcb>fj 
unfere leiste Slnjeige über ein atmlidj genanntes» §eft eine§ anbern 
®om|)oniften. 3Iuä) auf bag borliegenbe liefen ftdE) jene anroenben; 
bod) finb e§ roertboltere Sfocfjbitbungen, aU roir meiftb^n unter jenem 
allgemein geworbenen £itel erhalten. S)er Äombonift feejeint -jung 
unb nodj im erften Söruttrieb %u f Raffen ; roer roirb ba gleich nacr) beut 
3Kaf3ftabe.meffen roolten,. nacE). bem man SUeifter beurteilt, ^a^rt'er 



24 98. fitrsete ©tMefür 5ßiattoforte. 

aber fort, tote er angefangen, arbeitet er [tcEj naä) unb nacb, aucbpr ©etbft» 
ftänbigfeit t)inauf, fo bürfen mir nocb, erfreuliches bonit)m ermarten. SBaS 
un§ gu biefer Hoffnung borsüglicü berechtigt, ift ber feetenboltere gug, 
ber biefe Sieber bor anbern ihresgleichen auszeichnet, unb erfahrnen 
fie aücf) in ber 2Iu§fitt)rung nocb nicfjt überall fertig, fo Wirb bem ber 
gleiß nacljbelfen unb ein fortgefe|teS regeS Schaffen ber §anb eine 
größere Seicrjtigf eit unb geftigfeit geben. 9Iuc£) biefe » Sieger olme SBorte « 
f)aben Überf driften; fie mären unferer Meinung nacb, beffer megge* 
blieben. (£S gibt geheime ©eelenpftänbe, mo eine Slnbeutung beS £om= 
tooniften burct) Söörte ' ju febrilerem SerftänbniS führen lann unb banl- 
bar angenommen »erben muß; unfer tomtoonift gibt aber belannte, 
für belebe SSegetämungen tote: »3JleereSftiIte« — »£räum' tcb? nein, icb, 
toacbe« — »©cbmermut« %u ^rejipg erfebeinen, bie §tx>eite finben mir 
fogar gefäjntacKoS. ®ie ©tücfe einzeln betrachtet, fo fagt unS baS britte 
am meiften s^.obmob,! ficcj gerabe in ift,m baS SSorbilb beS tomöoniften 
am beutltctiften berrät. — 

& ■•«!}. tefcter, 7 SSoIäer tut «pittttofotte. 

9laü) einer 3teibe bon Sauren ermahnen mir biefen fomboniften, 
auf ben mir früber Hoffnungen gefe|t, beute jum erftenmal mieber; 
3£ir glaubten, er mürbe fein langes ©cfimeigen buret) ein größeres Söerl 
unterbrechen; boct) fcEjetttt eS, l)abe er feinem Satente baS, maS man 
feinen anfangen nacb, babon ermartete, niebt abgeminnen iönnen, als 
Ijabe er eS bon fetbft aufgegeben, ü)tn ©tngang unb ©eltung ju berfetjaffen. 
Seiber! fe|en mir binp; benn er batte baS $eug, etmaS p merben. 
Slwct) biefe 3Sa%er beftätigen bieS mieberum; fo flüchtig fie aueb, bin* 
gemorfen finb, fo atmen fie boeb, überall Seben unb 9mmut. ©in leifer 
Anflug bon ©cfimermut macb,t fie nur ansietjenber. Sftöäjte ber begabte 
®ombonift fieb, balb p größern arbeiten ermannen!.— 

mejottbet Sre^äjod, Oteofje Sßljatttojte. 

SBert 12. 

®aS erfte größere 28er! beS jungen f labterljetben, ber bie Leitungen 
fo biet bon fict) fbreöjen macb,t. ©efteben mir eS leibet, eS ift unS feit 
lange fo etmaS 2tbgefcf)macfteS niebt borgefommen. 3Selcf)e Slrmut an 
^Ijantafie unb äMobie, melier Slufmanb, mit Um unS b,ier bie Talent- 
lofigleit imponieren möchte, meines ©cfjöntun auf ben tribialften ®e= 




98. ludere ©ttftfe für panofoxte. 25 

tneinbläien! £at ber junge $irtuo§ gar feinen greunb um ftc^, ber 
■fljro bie aOSa^r^ett fagte, niemanben, ber, feine gingerfünfteteien über* 
fefjenb, ü)n auf ba3 ©eelenlofe, 9ftdjtige fotcb,er SJatfif aufmerffam machte? 
@§ gejjt pribatim baä ©erttdjt, ber 33irtuo§ fei ein abgefagter geinb 
33eetr)oben§, unb er fjafte gar nidjtS bon tym; mir ftriffen'3, niä)t, aber 
feine tomtoofitionen madjenjo eine 2lbpret)enfion met)r afö tocdjrfäiem* 
liä;. ©tubiere er nur immerhin 83eett)oben, ja nic£)t einmal ba$ braud)t% 
er fonn bon SMftern brüten unb bierten langes lernen, Don ©traufs 
uttb Sanner. Seiber fürchten toir mit unferm guten diäte nicfjt einmal 
berftanben ju »erben, benn bie „^fjantafie" berrät nidjt fotoob,! ein 
fc£)ülert)afte3 Talent, afö toirftidjeS angeborneS Unbermögen jum ©Raffen. 
®ie§ fönnte beinahe milber ftimmen; aber too bie Qmpoteng fo gar pre* 
tentiöS auftritt, lann man unmöglich rut)ig jufef)en. 3öa§ £>r. ®reö* 
fctjoiJ afö SSirtuog leiftet, ift eine ©adje für ficEj; feine Sprünge, feine 
Sunftgriffe, bie SSrabour, mit ber er alles ausführt, fönnen toof)! eine 
SBeite ergoßen. 2Iber e§ lommt bie £eit, too auet) biefe fünfte im greife 
finfen merben, unb m§ bleibt bann biefer 2fct SSirtuofennocb, übrig? — 

iimarb Sßolff, 4 «R^obten. 

. SSerf 29. 2. §efte. 

3tn einer größeren ©tübenfammlung beSfelbem' tomüoniften, bie 
bie Seitfäirift bor einiger Qtit beftoracrj, fonnte ber S3ericr)terftatter 
leiber nidjt metjr loben afö baZ tjerborftedjenbere latent, ba§ ficE) im 
allgemeinen barin geigte. 3JHt Vergnügen machen, inir baf)er auf biefe 
3tt)aüfobien aufmertfam, bie überall einen gortfcfjritt be§ Sotnponiften 
beurtunben; fie finb leichter, faft mal§erartiger Statur, aber bei toeitem 
fauberer in (Srfinbung unb 9lu§füb,rung afö bie (Stuben, babei toilant, 
felbft geiftreid). 2m ©t)otoin ttirb man oft erinnert, boä) mef)r an ben 
SHabierfaieler, an beffen ^iifjacfgänge, im einzelnen inotjt aud) an einige 
§armonietüenbungen; im übrigen aber bliett ein teben§Iuftige§, finn* 
KdjeS. etement an? ben ©tücfen, fo ba% fie ftdj letcEjt ©ingang auä) auf 
beutfä)en SHabieren berfdjaffen bürften. 28är' e§ ba§ mübe Varfö niä)t, 
luo ber tomtoonift lebt, toir mürben feiner gulunft afö fHmftler ein 
gutes Ißrognoftifon [teilen, fo aber muffen nur abwarten, ob er auä) 
ßraft f)aben wirb, ben Verführungen §u tbiberftet)en, beren Düfer bort 
fö)on fo manche glänjenbe Talente geworben. SmbererfeitS bleibt e§ 
tfieber tvatji, ba§ ©efällig^onberfationelle, ba§> aucrj biefe 3tt)atofobien 



26 98. turjere ©tüde für «ßtanoforte. 

auSgeidmet, bermag nur eine ©tobt mie $ari§ gu geben; unb ®eutfd)e, 
bie äbnlidjeg motten, nehmen ftcE) meift ungefdjidt unb tebern au§; mir 
müßten (£t)alberg aufgenommen) laum einen beutfcben totnboniften, 
ber fo brillante ©atonfrüde guftanbe bringen lönnte, aber freilid) audj 
biete, bie 33effere§ lönnen. SBie gefagt, mir ptten nid)t§ bagegen, 
menn mir aud) bie beffern ^obefadjen.nidjt au§ $ari§ ju begießen 
brausten; aber ber ©eutfdje ift nun einmal ü6eratt met)r 3M>e atö.gU 
§aufe. S^ocE) etma§ ©bereiteres über bie ©rüde p feigen, bie biefe 
geilen beranlafft, fo finb e§ namentlich bie 3te unb 4te 9tf)a;bfobie, bie 
un3 borpgSmeife im ©inne geiftreicber Untergattung gufagt.. Qum 
begriff „3tf)apfobie" febtt iljnen eigentlich) ba§ 3tt)apfobifä)e, bem mir 
felbft nod) mebr greüjeit at§ bem ©djergo jugeftetjen; bod) ift'3 eben 
ein Söort, für bie.@ad)e batten mir felbft lein .baffenbereä ,p mahlen 
berftanben. ... 

£)b bie leiste £>anb übrigeng, bie fie gef Raffen, fidj aud) beim 9fri« 
faffen fcßmererer gormen afö eine fräftige bemabrt, mirb bie gotge 
geigen. ^ebenfalls berbient ber Äomponift für bie ffreunblidje ®ahe; 
freunbtidjen San!. — 

Hermann tum Söben|ttotb, 4 SittJrcomJJtuS p 4 §8nben. 

SBeri 11. 

SSei bem großen fanget an bierb/anbigen ©tüden fann bie Qbee, 
für biefe fäjöne ©attung ber SHabierfombofition gu arbeiten, nur gtüd* 
lict) genannt merben. @§ ift aud) nidjt ba§ erftemat, ba% fid) ber genannte 
Uombonift barin berfudjt; mir erinnern un3 mit greube einer ätmlidien 
Sammlung ©djergol, bie bie Qeitfdjrift fä)on bor §mei gabren befbrodten 
unb mit märmftem Sobe begrübt. SSietfeicfit, baf? ber Beifall, ben mir 
bamaß gesollt, ben jungen, talentbollen SRufiler anreihte, nod) meljr 
.derartiges gu fdjaffen; mir bermuteu eg, bie neuen ©tüde freuten un§ 
abfidjtgbotter, gefugter, aß molle ber Somtoonift bie früheren überbieten. 
®ie§ Streben muffte an fidj nur Ißbüd) genannt merben; aber bte 9lb= 
fid)t bliclt burd), unb fie allein . fidjert, mie beiaunt, nidjt immer, ba§ 
(Mingen. Söie htm fei, afö ein talentboller Mtnftter betätigt fid) §r. 
b. Söbenfliolb aud) in biefem neuften Söerle, unb oft bauert e§ un§ nur, 
bafj er fid) für feine ©ebanfen Mne§ größeren 9tot)men§, gerabegu 
be§ DrcbefterS bebient, mo fie fid) oft fdjärfer unb effeltboßer b,erau§* 
ftelten mürben. Mit Vorliebe fdjeint er nodj an einem Äomboniften 



98, f urgere ©tütfe für Sßtanoforte. 27 

m Rängen, ber, fo toürbig unb eigentümtiä) et haftest, nur fetjr roenig 
nacrjgearjmt roorben ift, an Dn3lo)t> nämticr). SSir fjaben nict)i§ bagegen; 
e§ ift ein <3eitenroeg sunt beeren giet, aber lein fatfctjer ; mit ben tfecrjfeln* 
ben Satiren (ber Sbmponift jä^It laum 25) roerben auä) bie SSorbitber 
toedtfeln; wir muffen e§ »unfein, benn ein junger Muftler, ber feine 
Söitbung allein au§ Dn§toro fjoten rooltte, roürbe e§ nicfjt boct) bringen 
unb ple|t gang gurüäbteiben. 2lber auä) tjoffen bürfen ttrir'3; ein 
junger, aufgeroecfter SRufillotof, roie ber unfer§ f omponiften, lann um 
möglitfj lange in biefer Stiftung beharren. ®ann aber, bübet unb übt 
er fictj bielfeitiger, roirb er geroifc in feinen SBerfen mancrje§ tilgen ober 
auä) gar nicrjt fdjreiben, mag root)I Hingt unb richtig, aber mufitalifcb, boct) 
auä] ju geringfügig ift, um e§ einen ©ebanlen nennen ju lönnen. @o gleid) 
ber Anfang be§ erften Smprombtu; ber Somtoonift mactjt im Verfolg 
barau§, roa§ §u machen, unb ein Streiftet lönnte nidjtg SöeffereS b,erau§» 
bringen; im ©runb bleibt jebocb, ber ©eroinn nur immer gering: e3 liegt 
eben in ber urfprünglidjen geringen (Srfinbung, bie leine Jftmft ju abeln 
bermag. 2ßir nahmen bie§ Heine §8eif^iel; eB finbet fidj noä) älmtict)e§ 
in ben ©tücfen, baneben aber auä) biet roirllicf] gut (Srfunbeneg unb 
in ber Stu§füt)rung @etungene§, bafc. roir auä) biefe tornbofitionen ber 
SSeatijtung aller folibeu Spieler empfehlen muffen. 93eim erften ®ur<% 
fielen roirb ber ©enufj freiücb, noö) larg, unb fie motten auf baZ genauefte 
unb befte §ufammenftubiert fein. (Sb, er aber fotl mdV überbauet nict)t 
urteilen, etje man nid)t ein ©tücf in feiner boltlommeuften 9tu3füi)rung 
fiö) beulen lann ober e§ fo gehört Ijat. SBir freuen un§, balb auct) bon 
anberrt f ombofitümen be§ intereffanten jungen Säuen berieten %u 
löunen 457 . 

Scherzo. Oe. 35. — Grande Nocturne (in Fis). Oe. 35. — »La Cadence.« 

Impromptu en forme d'Etude. Oe. 36. — »Souvenir de Beethoven.« Fantaisie 

pour le Pianoforte. Oe. 59. 

Über biefen, roie über bie SBombomften ber fotgenben ©tücte t)at 
bie 8eitfct)rift fcrjon fo oft gefbroctjen, bie öffentliche Meinung roie 
bie ber Sritil fte^t über fie fo feft bereits, bafj ficfj nur roenige§ inn^m 
fügen täfjt, e§ roäre benn, bafj fie fetbft anbere Stiftungen einfctjtügen. 
Srjalberg grau ioenigften nitr)t; er bleibt fiel) auct) in ben erroat)nten £om= 
.bofitionen treu, gunäctjft, roie man roeifj, f treibt er für fictj unb feine 
tonjerte; er roitl guerft gefallen, glänzen, bie toutbofition ift Sieben* 
faerje. S3Ii|te nicfjt t)ier unb ba aufteilen ein eblerer @tratjl tjerbor, 



28 98. Süßere ©tucfe für Sßiattoforte. 

unb fä^e man in einzelnen Partien nid)t einen forglidjeren gleiß in bei 
Aufarbeitung, feine fompofitionen froren otnte „ weiteres ben taufenb 
anbern SSirtuofenmadjWerien betpjätyten, wie fie jahraus jahrein pnt 
üßorfdiein fommen, um baib wieber ju berfd)winben. genes ebtoe 
Streben geigt ftcE) namenttid) in bem erftgenannten ©cr/ergo, unb e§ 
bauert un§ ber mannen guten ©ebanfeu wegen, bie e§ enthält, koppelt,' 
bafc lein boulommen abgerunbeteS 3Jhifiifiüd baraul geworben. 2>ie 
Mangel liegen in ben äJttttetyartien, bie, aud) in ber ©rfinbung fdjwädjer, 
fidj nid)t gefd)idt genug in ba§ ©anje einfügen, ©teilen, wie auf Seite 4, 
@t)ft. 3, bom legten Salt an, fann 3tef. wenigfteng nid)t anberS afö mit 
„traififfoS" begeidmen; fie finb mit 3JHu)e bem Snfirument abgerungen, 
bie ©eele b,at leinen Anteil baran. 9?ad) Anlage unb (Sr,arafter be§. 
@tüde§ gehört e3 aber, wie gefaßt, p St)atberg§ beften ©ad)en. ®a§ 
Notturno Weicht in £on unb Haltung bon ber befannten, burcb, (Sfyopm 
etwas mobifigierten Sßeife nur wenig ab 4 e 8 . Namentlid) biefeg Not- 
turno wirb ftdj greunbe erwerben, unb nod) meljr greunbinnen. gdjt 
^albergifct) .ift ba§ mit »La Cadenoe« aufgeführte ©tücf, ein f)übfcrje§ 
Zfyema, bei ber SBiebertjotung fapricciomäßig bariiert, brillant unb 
fet)r effeltbott. $iet.@f5red)en tjat ba$ »Souvenir de Beethoven« bon 
ftdj gemalt; wir muffen es? inbeS aß einen großen Ergriff begeidmen 
unb gefielen unfere «ßebanterie in biefem Sßunft. Säeetljoben berträgt 
cfamtol. lerne üirtuoftfctje S3ef)anblung; mir bürfen ntdEjt bulben, baß 
finbifdje £>änbe an ü)m gerren unb rütteln. $a mir möchten e§ gerabep 
afö eine Ad)tung§tofigfeit £t)afterg§, ein ©ar-nicb>fennen bon 23eetf)oben3 
©röße anfersen, wenn e§ nic£)t eben anberS märe. $ari§. fyat bie ©d)ulb 
an ber ungIMIid)en gbee; 23eetf)oben ift bort SRobe; fd)on SBfctot ließ 
fid) ba§ nictjt entgegen, £t)alberg folgte unb — fei er aud) ber lefctel 
(£<B ift nidjt gut, mit Sötten fraßen ju wollen. — 

, g. §Uler, 

Impromptu pour le Pianoforte. — 3 Caprices. Oe. 20. — 4 Reveries. Oe. 21. 

.Seit ber legten SBefrred&ung pterfdjer Mabierlomfjofitionen finb 
wir altefamt beinahe um 7 garjre älter geworben. $ieüeid)t erinnert 
fid) nod) mancher unferer Sefer einiger größerer, im $. 1835 gefctjrte- 
bener Auffä|e, unb Weld)e§ §oroffoü wir bamafö bem jungen Mnftter 
pellten. @r tjat feitbem atö Mabierlomf)onift nur wenig geliefert unb 
fid) in größeren ©attungen, in ber £>pex unb bem Oratorium, berfudjt. 




98. ftütgere ©tücfe für SJSianoforte. 29 

©ein Oratorium namentlich Begrüßten mir ofö einen gortfcrjritt gut 
3ßeiftetfä)aft, unb get)t it)m auct) jene fiegenbe ©ematt ab, ber mir mie 
* in anbern JKeiftermerfen ntcE)t miberftetjen fönnen, fo offenbart e§ bocE) 
ein fo entfcfjieben Ilareg SSolten bei fo bieten anbern mufifatifctjen $or* 
gügen, bafj mir ü)m freubig priefen, auf folgern SSege fortpbeljarren. 
©eine nenften f tabierftücfe Ijaben un§ mieber über ba§ giet be§ £ om= 
ponifien etma§ irre gemadjt. SSielteicbt finb fie au§> früherer ßeit, biet* 
leicht in niö)t günftiger ©tunbe gef ^rieben; fie mißfallen un§ faft gang 
unb gar. ©§ ift bantit, atö menn man in einen forb reifer unb unreifer, 
butcrjeinanber gemorfener grüßte griffe; man lann §u feinem regten 
©enuft lommen. 9tm menigften liefje fiö) ba§ bon bem ermähnten ^m*- 
prontbtu fagen, ba% burcrj fdjönen Vortrag fogar eine anmutige SSirfung 
fyerborbringen unb burd) ein befonbeteS big pm ©crjtufs feftgetjalteneS 
fotorit %u feffeln bermag; e§ gefällt un§, fo ftein e§ ift, bon allen oben» 
genannten Somtoofitionen am beften. 9Jcit ben 9teberien unb nodj 
meniger ben Satoricen bermögen mir un§ aber nictjt ju befreunben. 
©§ fteljt b,ier fo biet £ribiale§ unb forciertes neben einzelnem ©eift* 
reichen unb auä) tnirÄicf) (££)araiteriftifc£)en, ha% mir fie in einer früheren 
sßeriobe bei fomtooniften entftanben glauben; ja ein§eme§ finben mir 
fo ^bber^ebetbeerifct) unb abfctieuticr), bgfj un§ munbett, mie er e§ 
nur brucfen laffen !onnte: fo in ben Steberien ©. 5 ber Übergang bon 
S3*molt nacfj 9l=molt, @. 6 bie Harmonie bon S)e§*bur nact) bem @er> 
afforb auf §, @. 11 bon (Si§= ober g*bur gteict) nacf £=bur ufm. ufm. 
28ir miffen gar mof)I, e§ finb bieg gerabe jene ©teilen, bie j. 33. in ^arifer 
©aton§ ba§ ©lud eine§ ganzen ©tücfe§ machen, mie fie namentlich 
SReberbeer liebt unb in ©ctjmung gebracht; auf gute beutfctje SJcufifer 
ift inbe§ bamit lein ©inbrucf rjerborpbringen, unb mir münfcrjten fie, 
mo fie t)inget)ören, in§ *ßfeffertanb. Übettjaubt ringt, nacb, biefen ©tücfen 
$u urteilen, in filier noct) immer ber Stabierfbieler mit bem SBombo* 
niften; e§ tjängt it)m mofjt bon früher an, mo er fict) ber Semegung ber 
neuften £labiermufitere.boct)e mit ^ntereffe anfctjloft; gebe er inbe§ eines 
ober baZ anbere auf, fctjreibe er gang aß SSirtuoS für SSirtnofen ober gang 
afö fünftter. ©eraten ift bie§ freitict) leichter atö getan; e§ fctjetnt un§ 
aber, afö märe bie§ bie SHibpe, mogegen er ju marnen: er motte meniger 
©ffett mactjen, bann mirb er'§, auf bie fünftter meuigftenS. SSietteicfjt 
nebmen mir e§ aucb, §u ftreng, bietteict)t legt ber tombonift, ber in größeren 
formen fict) fct)on tjerborgetan, fetbft fein ©emictjt auf feine Heineren 
®r§eugniffe; aber bie Seit ift loftbar, ein ernfter SBin! t)ätte fcfjon manct) 



30 98. türjere ©tüde für Sßianoforte. 

berlorne erftoaren tonnen, unb e§> Bleibt immer beffer, bie fianlfjeit 
beim tarnen p nennen,, afö fronen p motten. 5Jur eine Kummer 
enthalten bie IReberien, roo ftcr) ber tom{>onift ber ©inmifdnmg bon 
SSirtuofenbeitoerf faft gän§Itc^i enthält: bie gleite, ein feineg ©eure* 
bitb unb un§ bie liebfte im £efte. 2tm roenigften aber fönnen mit un§, 
ttie gefagt, mit ben Kapricen befreunben; man finbet bieteS barin, 
23rabour{)artien, einzelnes fteifcig (Gearbeitete, leicht fangbare fantilene, 
oft intereffante t)armonifcl)e (Mnge, bon altem ettoaS, at§ roolle e§ ber 
Somöonift alten recbjt mactjen, unb boct) ober eben be^atb fein ®unft= 
ganzes, leinen Stil. SRag aucb, bie $8ejeiö)nung „Safjriccio" bietet in 
@dm| nehmen, eg ftetjt t)ier p biet (Scrjteg unb Unechtes, (SigeneS unb 
©nttelmteS nebeneinanber, aß bafj e§ gefallen tonnte. @ine gergtiebe- 
rung rourbe ptoeit führen; möchten fie anbere bornetjmen unb bann, 
unfer Urteil beftätigen. ®ie3 alles fagen toir aber nur im S3eroufstfein 
be§ bebeutenberen £alente§, ba§ uns l)ier gegenüberftet)t; einem gerin* 
geren, ungebilbeteren muffen- mir manches pm Sobe anrechnen, n>a§ 
mir bei. einem borgefcrjrittenen nur natürlich finben. $n ben gefteigerten 
Slnffreüdjen an bie Ie|teren aber liegt fcrjon eine Stnerfennung, bie htm 
regten tünftler mefjr gilt aß rooljlrooltenbegtaclificrjt, bie ber, bon roetcrjem 
mir fbrectjen, auf leine SBeife berbient. — 



28. Sauöert, 

»La Najade.« Piece concertante pour le Pianoforte. Oe. 49. — Suite: Prelude, 
Ballata, Gigue, Toccata. Oe. 60. 

Stoet fefjr berfctjiebene ®omüofitionen, *>te p mannigfachen 33e= 
tracfjtungeu 2mtaf? geben tonnen. 2lucfj Saubert ift bon ben ©inflüffen 
ber mobernen $irtuofität nictjt unberührt geblieben, unb blicft auä) 
immer feine grünbticf)e SSilbung burcr) feine berartigen für ben tongert* 
faal beregneten fombofitionen rjinburcl), fo fctjien e§ boct), aß fyabe 
er ficb, manches angeeignet, toa§ nietjt ganj feiner Statur gemäfj roar. 
©r ftanb p manchen SBirtuofen, bie gern ©rünblictjeS geben mochten, 
getoiffermafjen in einem umgelegten SSerpltniffe; er befifet, roa§ jene 
nidjt tjaben, unb rooltte boeb, auä» nietjt prücfbleiben hinter ber all* 
gemeinen SSeroegung, roie fie bureb, bie (Srfolge ber neuften tlabier» 
Vieler b.erborgerufen mar. Seiltteife geijört aueb, bie »Waiabt« biefer 
mobernen 3ticf)tung an. $a roirb ptö|Iicl) in ü)m eine anbere ©aite 
tüactj; er gibt un§ ein £>eft, auf bem bie alten luftigen Stauten (Suite, 



98. bürgere ©tüde für piraoforte.; 31- 

«Bretube, ©igue ufw. prangen, unb barm löfttidjen §nt)alt. ©eftetien 
wir wir gießen fie feinen Sörabourftücten Bei Weitem bor, auä) ber 
»Stojabe«, bie un§ für eine foldje bod) nidjt teicbt, nidjt natürlich) genug 
borlommt, — nidjt an 23ennett§ ^otubofition gleiten Samens gu ge* 
benlen, ber freiließ auä) flöten unb Jpoboen, lurg ein gangeS Drcfjefter 
gu feinem ©emälbe nat)m. 316er bie @uite muffen wir auf ba§ wärmfte 
Ijerbortjeben. Sülan fürchte fiä) niä)t bor bem tarnen; unter bem lünft» 
litten 5Ro!o!o fdjlägt ein ftifcEjeS warmes §erg, btö fid) mit Siebe einmal 
in bie SSergangenljeit gefenlt unb, wie e3 um fein eignes ftet)t, babei boä) 
auä) nidjt berleugnen !ann. 28a§ fid} ber Sombonift Bei feinen alter» 
tümtidjen ©ebilben gebaut, wollen wir nicfjt einzeln gu erftaren ber» 
fucfjen. @3 fteett aber fo biet 3™nie unb SSeljmut in feiner SKufif, 
baft Wir fie berftanben gu Ijaben glauben. SBir finb einig mit it)m.; 
©trebet borwärts, wollte' er fagen, aber gebeult' ber Sitten guweilen. 
©enüge bie§ wenige, bafj fic£> red)t biete baZ intereffante §eft anfeuern 



3f. ^o^in, 

Stoet Notturno«. SBerl 37. - SaHabe. SBerf 38. — aBaljer für pmtoforte. 

SBerl 42. 

©f)o^)in fönnte jetjt alle? oljne feinen tarnen t)erau§geBen, man 
würbe ü)n boä) gleich erlernten. ®arin liegt SoB unb £abel gugleid) 
— jenes für fein latent, biefer .für fein Streben. ®enn fidjerticl) Wolmt 
itjm jene, bebeuteube Driginattraft inne, bie, fobalb fie fiä) geigt, feinen 
Sweifel über ben tarnen be§ SMfterS guläfjt; babei Bringt er auä). 
eine %iiih neuer formen, bie in Üjrer gartljeit unb SHir)nI)ett gugleicl) 
SSetounberung berbienen. 9feu unb erfinberifcb, immer im dufter» 
tilgen, in ber Oeftaltung feiner Sonfiücle, in befonberen gnfirument» 
ef feiten, bleibt er fiel) aber im ^nerlidjen gleidj, bafs. wir fürchten, 
er. bringe e§ niä)t t)öt)er, al§ er e§ Bfö je|t gebracht. Unb bieg ift t)ocb, 
genug, feinen Tanten ben unbergängtiä)en in ber neueren ®unftgefä)id)te 
angureiljen, fo Befcfjränft fiä) feine SBirffamleit boä) nur auf ben Meinem 
®rei§ ber SHabiermufif, unb er ptte mit feineu Gräften bodjnodj biel 
§öf)ere§ erreichen unb (Sinflufs auf bie gortbilbung unferer Sunft im 
allgemeinen gewinnen muffen. ■ begnügen wir uns tnbeS. @r l)at fo 
biel §errli.d)eg gefdjaffen, gibt un§ noä) jetst fo biel, bafj wir gufrieben 
fein bürfen unb jeben Sünftler, ber nur bie §alfte geleiftet wie er, Be* 
glüctoünfdjen müßten... @in SDidjter ..gu Jieifjen braudjt'S ja audj nidjt 



7 



32 98. fflrjere ©tiitfe für pcmoforte: 

bidf eibiger asänbe; burd) ein, gtoet @ebicE)te lonnft bu bir ben tarnen 
berbienen, unb ®&ojröt fjat foic£>e gefdjrieben. £siud) bie Notturnos, 
bie oben erroärmt finb, gehören t)ierr)ex:; fte unterf Reiben fic£> bon feinen 
früheren roefentüd) burd) einfacheren @d)mud, burcb, f/tMere ©ragte. 
2Jcan toeifä, wie (Skotom fonft fid) trug, gang ttrie mit Ritter, ©olbtanb 
nnb perlen überfät. ©r ift fcfjon anberS unb alter geworben; nod) ließt 
er ben ©crjmud, aber e§ ift ber finnigere, runter beut ber Slbel ber ®tcr)* 
tung um fo liebenStoürbiger bur^fcijimmert, ja ©efdmtad, feinften, 
mufj man iljm taffen, — für ©eneratbaffiften ift ba§ fretfidj nidjt, bie 
fudjen nur nad) Quinten, unb jebe ferjlenbe fann fie erbofen. Stber 
nodj manches lönnten fie bon ©fi,opin lernen, unb ba§ £Mntenmad»en 
bor allem.] SSir rjaben xyoäfbtx SBaHob'e atö eines merfroürbigen ©tüdeS 
p ertoät)nen. ©fjopin |at unter bemfelben tarnen fdjon eine gefdjrieben, 
eine feiner roitbeften eigentümlidjften Äombofitionen; bie neue ift anberS, 
als Sunftoert unter jener erften ftetjenb, bod) ntcEjt roeniger totjantaftifd) 
unb geiftreiö). ®ie leibenfcrjaftlicrjen 3n>ifdjenfä|e fdjeinen erft fpäter 
r)inäugeiommen p fein; id) erinnere ntid) ferjr gut, als ©r)o^m bie 93at= 
labe fjier hielte unb in g*bur fdjfofj; je|t fcpefct fie in St-moH.- @r 
ftrcad) bamafö audj babon, bafj er gu feinen SSatlaben burd) einige ©e= 
biäjte bon 5Kidieroic§ angeregt inorben fei. Umgeferjrt roürbe ein Siebter 
ju feiner ffltofi! roieber fetjr feiert SSorte finben fönnen; fie rmjrt baS 
Snnerfte auf 459 . ®er SBalger enbltct) ift, roie feine früheren, ein ©afon* 
ftiid ber nobelften Strt; foltte er ü)n jünt Sanj borfbieten, meinte gu> 
reftan, fo müfjten unter ben Sängerinnen bie gute £älfte roenigftenS 
tomteffen fein. ©r t)at redjt, ber 2Sa%er ift ariftofratifd) burd) unb 
burdi. — 



fr SRettbeI§foIjtt=«(wtf)i)Jbi), <©edj§ »Stcbcr o^ne SSorte«. 

4te3 £eft. SSerf 53. 

©nblid) ein §eft echter »Sieber orjne SBorte«. ©ie unterf Reiben 
fid) bon SDtetbelSforjnS früheren nur roenig, roenn nidjt burd) größere 
©infad)f)eit unb in meIobifcr)em S3etradjt burd) ü)re leichteren,' oft boBS* 
tümtidjen ©efangroeifen. ®ieS gilt namentlich bon bem Siebe, baS 
ber Somtoonift felbft als »SSoHMeb« bezeichnet; eS ift bieg aus bem= 
felben Bronnen ge&mmen, aus bem etoa @ct)enborff einige feiner 
rounberbotlfien ©ebidjte, Seffing feine »eifellanbfc^aft« gefcrjötoft. 3Kan 
Icjnn \iä) nicljt fatt baran rjören. ®er bolfötümüdje #ug, ber fid) über- 



98. Süßere ©t"de für panoforte. — 99. ÜBer forrmrqrierte «stellen. 33 

tjanpt in bieten Sbmfcofitionen ber jüngeren ®ünftler ju geigen an» 
fängt, ftimittt %u erfreulichen Betrachtungen für bie näcrjfte gufttnft; 
er lag einem offenen Sluge übrigens in 33eetboben§ leisten Strbeiten 
fcbon angebeutet, tvtö mannen freilief) munberbar genug ftingen mag. 
©inen boIMümlicf)en S£on, obmot)l tttd^t ben be§ (St)or3, Ijat audj ba§ 
brüte Sieb in ©»ntolt; e§ Hingt ntet)r mie bierftimmiger ©efang. SJcan 
bemerle übrigens, mie SJcenbeföfobn in feinen »Siebern or)ne SSorte« 
bom einfachen Sieb bureb, ba§ ®uett bi§ jum SJJefjrftimmigen unb (£§or* 
artigen borgef dritten. @o ift'3 mit bem magren, erfinbenben Mnftler; 
wo man oft glauben möchte, er lönne nicfjt metter, fjat er unberntutet 
fcbon einen ©äjritt borwärtS getan, neuen SQoben gewonnen. SCnbereS 
in biefent 4ten £>efte erinnert freiliefe, wieber an ältere aus ben anbern 
heften; gewiffe Beübungen, SBiebertjolungen fdjeinen fogar äJcanier 
gu werben. ®ocb, ift baä ein Vorwurf, ben tjunbert anbere mit Opfern 
eriaufen mürben, ber nämliäj, an gegriffen ©ängen erlannt gu »erben, 
bafs man barauf fefewören möchte, ©eljen mir benn mit greuben noch, 
bieten Sammlungen entgegen! — 



99. iXba einige mutmapdj forrumpierte Stellen in SBadjfäjen, 
9Jto3artf(^en unb 23eetl)cu)enfdjen tßerlen. 

SSüfjte man alle, fo Heften ficE) biefteiefei Folianten barüber fdjrei* 
ben; ja icb, glaube, bie SOleifter muffen jenfeits mancbmaHäcrjeln, wenn 
bon iferat SBerJen einige mit allen ben gebfern b^nüberflmgen, wie 
fie Seit unb ©emofembrit, woljt auet) ängftlici)e petät f)at fielen foffetu 
@§ war längft mein 2Sorfa|, einige in belannteren Sßerlen ber oben» 
genanntenIDceifter pr ©fnaerje gu bringen, mit ber Sitte an alle Mnftler 
unb funftfreunbe, fte gu prüfen, womöglich/ burefe, $ergleicrnmg mit 
ben Driginafijanbfcfjrtften feftpftellen. Dft irren freilich, auch, btefe, 
lein tomfionift Jann barauf fefewören, ba% fein üttanuffetbt ßang feuer- 
frei märe. Sßte natürlich auet), bafj fich. unter ben fjunberttaufenb Ijübfen* 
ben fünften, mie er fie oft in unglaublich, furger geit ftfereibt, ein ®u|enb 
gu b,od) ober gu tief gefommener einfcrjleicfjen muffen: ja bie tollften 
Harmonien fcrjreibt ein Sombonift guweilen. 

^mmerfem bleibt bie Driginalb,anbfcb,rift bie Slutorität, bie am erften 
gefragt werben mufj. 3Jcödj)ten bab,er alle, bie bie gu feefüredjenben ber* 

SJoSert ©äjwnatmä se(. ©Triften. II. 3 



34 



99. Über forruntjrierte ©teilen. ■ 



bärtigen ©teilen in ben £>anbf Triften bei ®ömboniften befi|en, ba§ 
(SSebtudte mit bem (Stefdpebenen bergleMien unb ba§ IRefuItat mitp= 
teilen fo freunblictj fein. $ur geftftellung einiget babon bebarf e§ rooljl 
nicfjt einmal ber «perbeif Raffung be§ £)riginal§, fo beutliä) fptingf ber 
Qrrtum in bie Slugen. 

j£)ie. meiften ^etiler finben fitf) roorjl in ben 9tu§gaben 23ac£)fiJ)er 
SSerfe, namentlich in ben älteren. 6§ bmre . eine ö.etbienftXidje, aber 
freiließ fet)r jeittaubenbe Arbeit, übetnäbme e§ ein mit 33ac6, belüg ber* 
trauter SRnfilfenner, alte§ bistjer irrig ©ebruefte ju berichtigen, ©inen 
febönen Anfang b,at bie $eter§fcbe ^filtjanblung in Seidig gemalt; er 
befcfjränlt ,ficb, aber pnäcbft auf bie Mabierlombofitionen. (Sine Sritif 
allein be§ » SBo^ttem^erierten MabierS « mit Smgabe ber berfdjiebenen 
Se§arten (S3aci) foll felbft biel geänbert I)aben) roürbe ein gangeS . 23uä) 
füllen tonnen 460 , ©eien perft bier einige anbere gälte ermähnt. 
. ^n ber großen I)errlic£)en Soltata mit guge für Orgel* bewegen 
ftcE) bie beiben (Stimmen. im Manual über htm Drgelöunft in ftreng 
lanonifcrjer gotge. ©ollte man für möglich galten, bafj bie§ btmt tor* 
reftor überfel)en »erben tonnte? ©r ijat.eine Sftenge Steten fielen laffen, 
bie fief) au§ Um tanon atö fatfdt) erflären. ^m «erlaufe be§ ©tücfeg 
bei ber ^arallelftelle auf @. 4 unb 5 fommen älmiicrje SSerfetjen bor. 
aSSenn fiä) bieg mit leichter 9JM)e lorrigieren lieft, fo mM)te bie Sluf* 
llärung einer anbern ©teile in bemfelben ©tücfe t>on größerer ©äjroie* 
rigleit fein. Man erinnert fieb, roorjl be§ granbiofen 1ßebaIfoIo§; bei einer 
SSergleicrjung mit ber ^araltelftette in ber Unter quart ergibt fiel) inbeg, 
bafj fieb, frier eine SDtenge geiler eingefcpcfjen. ©. 4 gtt)ifct)en Salt 3 
unb 4 fehlen gtoei Saite gängliö), bie bei ber Srang^ofition ©. 5 @t)ft. 6 
im.2ten unb 3ten Safte fielen ufro. . §ier tonnte nur bie original* 
Ijanbfcrjrift ben 9Iu§fcfjtag geben. SBefi|t fie bielleicbjt §r. £aufer in SSien, 
f o fei er um eine Sßergleiäjung gebeten. Saft man aber ein fo aufterorbent* 
Iicrje§ ©tüd, itrie biefe totUbofition, in feiner ec|teften ©eftalt gu befi|en 
roünfdjt, möge boebj niemanb afö gering achten. ©3 roäte roie ein 



m 



* Toccate et Fugue pour l'Orgue (Leipzig, Peters) mit bem Sittfange: 



i 



*=* 



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^ 



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99. Über korrumpierte ©teilen. 35 ; ' 

einem Söilbe, wie ein f etjlenbeä Statt in einem SieblingSbucfje, roenn roir'g 
l)inget)en liefen. 

©in anberer fonberbarer galt, über ben ebenfalls -nur SBacljg §anb* 
fcbrift 9Titffc£)lu^ geben lonnte, finbet fidj in ber »Sunft ber $uge«, S>ie 
gatt^e XIVte bier (Seiten lange $u%e tommt ttämfidj fctjon in ber Xten 
einmal bor; bgt. bte $eter§fä)e 2lu§gabe ■©. 30, Srjft. 5, bont 2ten Salt 
an. SBie ging bieg nun ju? Söacb, wirb bocf) orjnmöglid) in einem unb 
bemfelben SSerle öier (Seiten lang 9fote für 9foie abgefdjrieben l)aben! 
§n ber ^ägelifcrjen Partitur ftetjen bie beiben %uq,en übrigens ebenfalls 
fo abgebrudt, unb eS.ijr nur au§ ber .©fetdjtjeit ber Sonart unb beS SCt)e= 
ma§, bte burdj. baä gange SSerl getjt, §u erflären, bafc bie äöiebertjolung 
}ö lange unbemertt bleiben lonnte. . 

28er aber, wenn er in Söadjfdjen Harmonien fäjwetgt, beult auttj immer 
an alte§ unb an gebier? @ fj aoe \^ e j nett jahrelang niti)t gemerlt in 
einer mir fefjr belannten S3acf)fct)en $uge, big mict) ein ÜKeifter, ber frei* 
tid) aucr) ein 9lbterauge tjat* 61 , barauf aufmertfam machte. Sie guge i'ft 
in ©*moll über ein wunberboJIeS Sfjema unb ftetjt in ber ^agfingerfdjen 
Sluggabe alg fetfjfte. SJtan fcljatte bort gwifcrjen bem brüten unb bierten 
Satt bie einzige State • ,?.. 



P 



ein, atöbann wirb'g richtig. §ier ift woljl lein Sweifet 
. Sßir lommen je|t auf einige ben Sefern biellei(r)t nodj intereffantere 
%ffle in Sßerlen, bie fie Wot)t unäätjligemal getjßrt unb gefüielt, otjne 5Ber= 
rat §u merlen. gctj bitte fie aber, bie Partituren in bie §anb §u nehmen, 
ba bie ©teilen gang abbrüden ju foffen gubiet 5ßta| toegnet)men, ein- 
Urteil aber Dtate bie genauefte ©inficrjt in bie Stellen felbft nicrjt mögliä) 
fein Würbe. 

■ Sie erfte betbätijtige ift in. SRo'gartg .@ = moll*Sinfonie, einem 
SBerf, in bem jebe State tlareg ©otb, jeber (Sa| ein (Sdjatj ift, unb bocfj, 
fotlte man eg glauben, tjaben fiä) im Slnbante bier gan§e, : Safte einge* 
fct)tid)en, bie naä) meiner feften Überzeugung nictjt fjinein gehören. 23om 
29ften Saite an (bag 2tcE)teI Stuftaft ungeretfjuet) lommt nämliä) eine 
biertaftige. bon SeS*bur nactj ^molt tjinteitenbe $eriobe, bie in ben fol* 
genben biet Saiten nur mit bereinfadjter gnftrumentation wiebertptt 
wirb; e§ tann nicrjt fein, bag SDtajart bieg gewollt fjat. 2lm erften erfjellt 
bieg aus ber ganglict) un^Dtagartfctjen, ja unnteiftert)aften 23erbinbung-be§ 

3* 



36 "• ttBer torrttittpierte ©teKett. 

32ften mit bem. 33ften Saft, bie gemiß aud) jeben ätofifer nur bei ober- 
fläd)lid)em 2tnl)t>ren friert I)at. @g fragt fic^ nun, meldje ber titer-. 
taltigen Sßertoben märe augjufdjeiben — bie erfte ober bie §toeite? — ■ 
S3ei flüchtigem Slnblide möchte man fid) tiielleidgt für Beibehaltung ber, 
erften erftären: ba§ atfatäljlidje ^insutreten ber Blaginftrumente^ bie 
fid) big pm Sorte fteigern, ift nidjt olme fünftlerifdjen Sinn. SStel natür- 
licher aber in ber Stimmenfüt)rung, flarer, einfacher nnb bod) aud) ntcfjt 
ofme (Steigerung fdjeint mir bie anbere Segart, nad) ber ber 29fte bi§ 
mit bem 32ften augfiefen, wo bann alle Snftrumente in flarer Steige* 
rung fid) im gorte bereinigen, ©iefetben 4 Saite ptiiel finben fid) nun 
aud) bei ber 23ieberf)otung im feiten Seile, mo bann ber 48fte big mit 
bem 51ften Safte biefeg Seileg augf alten müßten. SBie fid) nun biefer 
getjler eingefdjmärjt, müßte auä) bie Driginattoartitur nadjtoeifen, bie 
fid) mof)l in ben £änben be§ §rn. £>ofrat 2tnbre befinbet. 2)ag matjr- 
fd)einlid)fte ift, ba§ SOtogart bie Steife erft gehabt, mie mir glauben, ba% 
fie fein muffe — bafj er fie bann bolter instrumentiert in bie Partitur ein- 
getragen — baß er aber fbäter, mieber §u feinem erften ©ebanfen prüd- 
gefjenb, tiergeffen b,at, bie jmeite ßegart p ftreidjen. 3Köd)ten fid) bod) 
aud) anbere jDfofifer über biefe midjtige Steife augftoredjen unb nad) 
allgemeiner ÜBereinfunft bagu beitragen, baß bagSlnbante bann immer 
in ber angebeuteten SBeife überall aufgeführt merbe. ®ie Verleger aber 
mürben mir bitten, bie bier Safte in bei Partitur einsuflammem unb 
ben ®runb, marum, in einer fur§en Bemerfung beizufügen. Solan t)at 
mir übrigeng gefagt, baß bag SInbante im «ßarifer tonferbatorium mit 
beibegmaliger SCuglaffung ber bier Safte gezielt mirb. 2lud) SDtotbelg- 
fofm Ijat fid) längft bafür auggeftorodjen. 

. (Snblid) ermähne id) nod) einige ©teilen in 33eetI)obe'nfd)en Sin- 
fonien, bie fiel) faft auf ben erften Slnblid alg gefjler be§ topften er- 
geben. S>ie eine ermähnte id) fdjon früher einmal; fie ftefjt pm Sdjtuß 
beg erften Sa|eg ber S3-bur- Sinfonie; bon ben bret Saften// (8 Safte 
bor bem (Snbe) ift offenbar einer ptiiel. S>ag SSerfefjen mar megen 
ber bollfontmenen %tlid)feit ber 9?oten in allen Stimmen teidjt p be- 
geben. Beetljoben fönnte e§ fogar felbft begangen fjaben T 

3)aß mir aber in ber ^aftoralfinfonie iafjraug fa^rein folgenbe 
Stelle, mie fie aud) in ber Partitur ftei)t, mit angehört, ofme ntd)t:f)ell 
aufzufahren, märe f aum p erflären, menn nidjt baburd), baß ung ja 
ber Räuber 23eett)obenfd)er SJhtfif fo umftridt, baß mir £>enfen unb §ören 
babei tiergeffen fönnen. 



99. Ü6er forauntpterte ©teilen. 



37 



$m etften @a| (Partitur <B. 35 üott Salt 3. an) tyetfjt e§ genau fo: 

Viol. I. ' 



n 



^ 



vioi. n. 



dim. 




I 



3E 



^ 



=* 

V 



Vcelli. 



dim. 



•# ■#. 



•# ■*• 



^ 



(2lfle oitieren pauftren.) 




2ßie nun, wenn mir ftatt ber plöfcttdjen Raufen in ben erfien Violinen 
Simili>3etd)en ■ (^) matten? Monge bieg nidjt beffer unb anbetö? 
Ergibt fiä) bie§ mdjt fct)on aus ber Umleitung bon Saft 5 an, tto bie 
SSratfdien tjaben, toaä erft in ben ifien Violinen lag? ©ettnfj, e§ ift 
fo. ®er Sfotenf Treiber tjat bie Simili*3ei$en für Raufen genommen, 
ober irgenbein nedifäjer tobolb toar im ©jriel. ■3Ue§ er^It, wie S3eet- 
Ijoben einmal Wütenb geworben über eine ©teile in ber »t)eroifdjen@in* 
fönte«, bie9tte§ in befter Meinung geänbert fjatte. gc§ glaube, Ijätte 
58eett)oben jene ©teile in ber «ßaftoralfittfonie einmal wirfticE) gehört, 
e§ würbe beut Drdjefter ober Um Dirigenten nid)t beffer atö 3tte§'u er» 
gangen fein. 



38 99. Über forrumöierte ©teilen. — 100. 9ttonnementJona. in Seidig 1840/41. 

'\%üt biegmat genug; motten obige gälte bon redjt bieten in S9e= 
txacE)t genommen werben! Söie fönnten mit unfere SSeretjrung für 
unfere großen ÜKeifter beffer betätigen, al§ ba$ wir au§ itjren SSer» 
len §u entfernen trauten, ma§ [^rrtum ober Zufall] baran befctjäbtgt? 
9tar in biefem ©inne mürben biefe geilen gefcEjriebeu 463 . 



100. £>te 3lBoitnementfott3erte in Seidig 1840—1841. 
(Srfte§ W»annmentton%ut, ben 4. Dttofter. 

Duoertüre put »SBamötr« öon SKarfdjner. — Sfrie öon Fellini. — Songerttno 
für SSioline öon g. SJaöib. — S(rie öon SSellini. — »§eroifdje ©infonie« 
öon SBeetljoben. 

®ie 3ßat)l gerabe ber furtöfen » Vampir «»Dubertüre ju Stnfang be§ 
gangen 8t)flu§ fonnte befremben; eine etma bon ©lud rjätte auct) ung 
beffer gefallen. QnbeS §äf)tt jene bon Starfdmer noc£) immer ü)re greunbe, 
fetbft greunbinnen im jßublilum unb bleibt tro| ber heftigen Stnftänge 
an SBeber ein frifdjeä, effeltbolleg gjhtftljtaä. Überbie§ mar bie Wx&-' 
füfyrwtg eine fo auSgegeidmete, mie fie je gehört morben. ®ie beiben 
Strien bon Fellini au§ ben »Puritanern« unb au§ »Sforma« fang grt. 
©opfjie ©djtofj, bie un§ biefen SBinter ba3'2temal befutfjt; üjre Stimme 
ift ftifcb, unb ftarf roie früljer unb madjte fid) namentticf) in ber erften 2lrie 
geltenb. Über bie SBarjI gerabe jener Setliniftf)en Strien pSInfang eines 
lften Son^ertä, tiefte fiel) ebenfalls rechten. §aben mir leiber leinen Über» 
flufs an beutfdjen tonjertfrücfen für ben ©efang, fo boctjnoiJ) genug, um 
jener gang entbehren gu muffen, jumal in einem lften ^onjert. Ünb 
fctjütst man bor, äftojart, SSeber unb <5pot)x feien fd)on fo oft gefjßrt mor* 
ben, nun, fo gelje man meiter %uxM. $n |>änbel§ Oratorien, in ©lucfS 
Opern liegen nodj genug @djä|e, Ruberen §ebung e§ gerabe einer fo 
ftarlen, gefunben ©timme bebarf, mie fie bie genannte ©angerin befi|t 
— oben fjören mir, baJ3 fie erjeftenS aus ber » Qprjigenie « fingen mirb, maS 
ü)r nur §ur ©fyre unb uns pr greube gereichen tann. — gn bem SSiolin» 
lonjertino geigte fict)§r. lXr)Itid6) mieber allen SobeS mürbig; fein ©friet 
rjat bon Qatjr juQat)r an@idierl)eit,1Reinl)eit unb ©efd^macf ^genommen 
unb mirft burcrjauSmofjttuenb. SSon ber Stombofition fagte uns nament» 
ttcE) ber leiste @a| gu; im (Streben, auä) bie Drcrjefterpartie intereffant §u 
ma^eu/ tut aber ber Sombonift moljl l)ier unb ba pbiet, mag inbeS nicfcjt 
abgalten lann, bem ©treben an fiä) gegenüber ber faben SSegleitungS* 



.100. SlBcmnementfottäerte in Seiöjig 1840/41. . 39 

weife anberer SStoIittfornponiftcn turffeit Beifall p fdjenfen. $n ber 
©infonie bon SSeetfjoben enbliä) füllten ioir un§ tüieber im alten £etb= 
giger Uonjertfaafe, ber fdjon fo oft Don ü)r erbittert. 2>a§ Drcrjefter roar 
treffftcE). §r.JM. ®abib ftanb an ber ©toifee, ba $r. 3OTS). aRenbeß. 
folm bon feiner Steife ttac£) (Snglanb noc£) nidjt prücf roar. — 



#toette§ TOonttententfonjett, ben 11. Dftofiet. 

Ouöertüre ju »Gmrijantlje« bonSBeber. — Strie.bon ® oni§etti. — Uonjertino 
für S3a|»ofaune oon Efi. ©. SÄüIler. — Slrie öon Seilt ttt. — ©infonie 
(S3=bur) tion SBeetBoöen. 

®er Dirigent rourbe bei feinem Bortreten mit Beifall begrübt, roorüt 
Wir bou £>erjen einftimmten. Stuf SSeberg Äompofitionen ift feit WS). 
SRenbelgforjng ®ireftion in Setbgig befonberer gfeifj bertoenbet roorben, 
unb bem Drdjefter gefä)iet)t barnadj immer bie @r)re, bie Birtuofen roie 
größere augfüfyrenbe SDtoffen immer am. liebften roünfdjen unb am un* 
gernften ■ getoärjren, bie be£ ®aca,bo4Rufeg. Studj tjeute fetrfte roenig, 
unb trieft babon bielteic£)t nur bie Spannung auf bie folgenbe Kummer 
ab. @ine junge. ©angerin roar angefünbigt, ber b|r $Ruf großer ©cfjönljeit 
unb ftfjon bebeutenber Sfrmftbilbung: borangegangen ; roar: grl.-@life 
Stfr. Slug einer Ijödjft achtbaren gamilie abftammenb, tjat fie fcrjonalg 
SKnb ben anbern Sßeftteit gefefjen, brachte barauf einige 3at)re in Seipgig 
p, roo ü)r Bater 46 *, norbameritanifdjer üonful t»iexf eXbft, fict) nameut* 
lid) um bie ©rridrfung ber ©ifenbaljn bag t)öc£)fte Berbienft erroorben, unb 
tum ung pfe|t bon Barig prücf, roo fie bie Ie|ten $afrre berfebt rjatte. 
©g mufjte bte§ alfe§ bag gntereffe an ber anmutigen förfdjeinung er<= 
t)öt)en. gt)re Befangenheit mar grofj; bie .geitfcfjrtft erroctfmte bereits 
früher, eg toar ü)r erfteg Stuftreten. Sin ber ©djöntjeit ber ©timme, rote 
fie auäj burdj bie 2lngftti(i)feit umflort feinen,, tonnte ntemanb peifeln, 
ber nur einige Safte gehört, ebenforoenig über bie gute ©cfmle, in ber fie 
gebilbet ift, fo bafi man beutlid) fab, bie ©ängerin roollte nictjtg, al§ roag 
fie ficrfer tonnte. Slber freitid), roa§ mau unter bier Stugen auf ba§ treffe 
tiefte tann, lanu man unter taufenbett nöd) niärf prüfte fö gut, unb 
getrf bieg bebeutenben Äünfifern unb Scannern fo, um roiebiet met)r 
einer 9<cobipt, einem acrjtgelmiärjrigen üücäbdjien/ 9tur 9bt)eit tann 
bieg überfein. Sldjtung bor unferm $ubli!um, bag bie fä)öne f cpä)= 
terne Jungfrau auf bag rootjltuenbfte aufnahm; unb fanben fidj,.öfe 
getaufcErf, benen feereg ^5affagen* unb Srüfermeri über bie-Slugf^radie 



40 100. SlBonnententJonserte in Seidig 1840/41. 

eines t)öct)ft eblen Organs getjt, fo gibt es boctj in unferer gebilbeten Stabt 
nocb, genüg, bie ®u|enbtalente bon originalen ©rfcrjetramgen ju unter* 
jcfjetben toiffen, unb ben lederen bürfen roir bie junge (Sängerin mit 
Überzeugung beigäben. SßaS jte noct) nidjt Ijat, läßt ficE) ertoerben, wa§ 
fie aber t>at> erroirbt ftcE) nidjt. ®aran t)atte fie feft unb gef)e bie begonnene 
33al)n mit SJhtt roeiter. Waä) ü)r tförten mir einen SKeifter, ber freutet; 
fetjon fjunbertmal unb öfter im geuer gefianben: §rn. öueifjer, ben 
Sßofauniften, ber ebenfalls gleict) bei feinem Stuftreten mit Seifall emf> 
fangen rourbe. ©eine 3Mfterfct)aft f ctjemt fttf) jahraus jahrein gleict)= 
gubleiben unb mact)t in tfjrer Unfelparteit oft einen granbioS luftigen 
©inbruet. gum atlerfctjönfien fctjtof} bie S=bur=@mfonie mit ber SBirfung, 
bie alle Seettpbenfctie madjen: ob benn nämlicb, bie eben gehörte ttictjt 
aud) feine fcfjönfie fei. SSon neuem rourben mir naä) ber (Sinfonie bon 
einem SMfter ber fünft auf ben Sctjlufi beS erften Sa|eS aufmertfam 
gemacht; e§ ift fjier offenbar ein Satt jubiel. SRan bergteierje bie ^ar* 
tttur S. 64, Saft 2, 3,4. Sei ber oolltommenen tt)nlict)fett in allen 
Stimmen ift ein Irrtum bonfeiten beS tofriften, felbft beS f omponiften, 
fet)r leidet mögliö). Seetljoben modjte fiä) auä), naäjbem er ein Söerr 
boltenbet, um baS golgenbe nierjt roeiter lümmern. SBer bie Drgmat« 
Partitur befitst, felje ber ©aetje pliebe naä); an fie muffen roir un§ 
natürlict) perft fjalten*. 

drittes momementionnt, öen 22. Sftoftet;. 

(Sinfonie ((£gi®itr) bon äJJojart. — Strie bon ®ontjetti. — tottjert für 
SSiotine öon g. SDabtb. — Dubertüre jum »58erggeift« öon S. <5poi)x. — 
SIrie »Ott SBalfe. — »f länge <m§ Dften«, £ubertitre, Stefaer unb ©fyöre bon 
$. SKarfdjner. 

®ie Sinfonie ift Belannt, namentlich baS anbaute, baS, einmal ge= 
t)ört, fict) nierjt leietjt ttrieber üergifjt; auä) erhielt biefer Sa| ben meiften 
Seifall, bie anberen gingen ftiller borüber. ®ie Strie bon ®onijetti, ein 
brillantes Stüct, braute ber Sängerin grl. Sdjlofj ben raufdjenbften 
Setfall; fie fang fertig, fet>r forgfam unb mit einer Sttmmenrraft, toie 
fie prgeit leine ahbere Sängerin i)ie.r befitsen mag. ®er Spieler beS 
f on§erte§ tourbe mit lautem ©ruf; empfangen; er mar gitgteicE) ber ££om= 
ponift, bie fomfjofitton übrigens eine neue unb §um erftenmal bon it)m 
öffenttict) gezielt unb gehört. ©eroi| ift eS einer freunblidjen 91ner= 

* %L ben Stuffafc: „Über einige muttnafiltdj lorrumbierte ©teften", ©• 36. 



100. StBottttemetttfottgerte in Setygig 1840/41. 41 

'erfennung wert, tote §err .MR. ®abib ba§ .©ewcmbljaitäbu&Iitum jeben 
Sßinter mit etWa§ feuern erfreut; e§ geugt Irie3 immer bon einer 9tuf* 
merffanäeit, wie fie, bie einmal in i^rem Stete feftftetjen,. ntcE^t überalt 
befigen. 2tn Senbeng .unb ©ei)alt reit)t fic^ bie Somtoofition übrigens 
ät)ntiä).en früheren genau an, b.t). ber SSirtuoS Witt geigen, baß er auä) 
gu fombonteren weiß, unb umgefet)rt ber tombonift auäj ben IBirtuofen 
gtängen laffen. 8ene§ gwoxd in ber Segleitung, baZ mir fä>on neulich 
bemerften, fiel auä) in biefer Sombofition Wieber auf, .tote auä) bieämat 
ber legte Sag ber gelungenste unb wirfung§bottfte erfäjien. ®a§ *ßubti= 
lum rief ben fünftter naä) bem @dE)Iuffe noä) einmal tjerbor, toag tjier 
immer afö eine Seltenheit anjufetjen. ®ie Dubertüre bon Sboljr maäjte 
wenig ©nbruä; bie gu »3effonba«I)at ungteiäj metjr greunbe, auäj bie 
gu»gauft« wünfäjten mir toob,! einmal Wieber im ©ewanb^auä gu tjören. 
— ®ie 2lrie nennt un§ einen tjier. noäj niä)t borgefontmenen Tanten, 
ber in ©otte§ tarnen auä) ferner|in ausbleiben mag; e§ ift gepufferter 
IRoffini, ber tombonift übrigens ein ©ngtänber, beffen Dtoern in (Sngtanb 
©lud gemaäjt tjaben. gutn Seit an ber mittelmäßigen Sombofition, 
pttt Seil auä) an ber noäj immer großen Befangenheit ber (Sängerin 
lag e§, baß bie Kummer lein ©tüä maäjte. @§ tut un§ leib um ba§ junge 
au§gegeiä)nete latent, ba$ beStjatb bie fäjiefften Urteile erfahren mußte. 
®ie.2mgft, wie man weiß, ift namentliäj ben teeren Sönen gefäfjrliä), unb 
e§ mißlang ber Sängerin einigemal ein ©infag, wie e§ fäjon taufenb 
anberen Anfängerinnen bor ü)r gefäjetjen. . ®e§l)atb wollen wir aber boä) 
niäjt bie wunberreine Intonation im gangen bergeffen, bie bie (Sängerin 
gerabe au§§eiä)net, aüäj niä)t ben Säjtnetg ber Stimme, ber noä) buräj 
alte Sngftliäjteit wobjtuenb t)inburä)bringt, ein Säjmelg,: ber, an baZ 
Drgan ber Routine ©arcia erinnert, dagegen möäjten wir um etwas 
anberen Willen in bie Sängerin bringen: fie nimmt buräjgeb,enb§ gu 
tangfame Sembi; fie berfnäje fic§ fäjnetter, e3 Wirb ü)r gelingen. Selbft» 
bertrauen unb 3JM finb befonbere fünfte in ber tünft, fie übe fiäj auä) 
barin. Qu feinen biet SSänben foll ber Sünftlet befäjeiben gegen fiä) 
fein, fleißig auf ba§ gewiffenljaftefte; bem $ublifum gegenüber geige 
er aber SJhtt, fetbft ein wenig fröpäje Seät)eit, unb ber Siebling ift 
fertig. 

gum Sä)tuß be§ 9tbenb§ tjörten wir noäj eine Sombofition (noäj 
Sttanuffribt) bon §. 3Jlarfäjner; fie begieß etwas gang 9?eue§ unb gab 
e§ auä) in ber gorm. »Stange au§ Dften« war fie genannt unb braäjte 
eine Dubertüre, Sieber unb ©f)öre, bie fiä) otjne Unterbrechung an- 



42 100. WBonhethentfonaerte in Seidig 1840/41. 

emcmberreüjten. SSerlioj in «ßart§ fcEjeint in feiner leiten' Sinfonie etroaä 
s Äf)nlic^e§ gewollt p tjaben, nur bafj er fie auf ein toeltbeiannte§ ©rama 
(»3tameo nnbgulie«) ftügte., ®a§@ebid)tgura)Jarfä)nerfd)en|?om^pfition 
beruht auf einem orientalifdien SieoeSbertjäTtniffe, baB'inbeS bom ©tdfjter 
giemlictj profaifd) unb allgemein gehalten. Slufser bem Siebe^aar tritt 
nocrj ein Sßat)rfager auf, beffen anfänglid)es @rfd)einen man fid) fpäter 
bietleicEjt motibiert roünf d)te, ein SMfö- unb ein 3Muberd)or. - Sßie ge* 
fagt, ijätte bielleidjt ein IRüdert bem ®otuboniften bie §anb pm Sßerle 
geliehen, e§ roäre et»a§ tiefer SBirlenbeS ptage getommen; ^mmer* 
r)m muffen mir ben 2tnfang loben, p bem fid) ber ^omponift ermutigt 
fürjlte, ben anbere nur roeiterpfüt)ren brausen, um ben Sftmsertfaat 
mit einer neuen ©attung -SJhtfif p bereichern. ©ie Sotnbofition t)ai biet 
reijenbe Partien; bie§ gilt im einzelnen bon ber Dubertüre, bie im gan= 
gen burct) türpng geroinnen roürbe. . ©er §aubtrf>rjtl)mu§ ift ein nament« 
lid) für orientalifdje guftänbe fc^on öfter gebrauster; • hodj erfdjeint er 
einmal bon einem SBiolingange burd)tmmben, roa§ ftcf» auf btö fdjönfte 
ausnahm. 3lm ©äjtuffe ift pbiel Sarm. . ©er gigeunergefang gefiel mit 
ber t)inaufaiet)enben großen %^x% am @cptf3, met)r nod) boS, @tänbd)en, 
bas bon allen 9tanmern bie meifte orientalifdje Färbung rjatte, aud) 
9Jktfune§ Sieb fbrad) an, ber unbetjolfenen $oefie %um %xo%. ©er ' 
s JMubercf;or, festen e§, rourbe nidjt gteief) bon alten berftanben; er 
mar eigentümlicf). Qu ber ©djlujmummer geidmeten fiel) 6efonber§ 
bie SSorte: „9lffat, roo bift bu" burä) frönen ©efang au3. ©as ®an§e, 
ba$ mir fpater einmal roieberlplt münfditen, erhielt lebhaften SSeifalt. 

«iet;te§ »onneittetttfonjert, ben 29. Sftoöer. 

^ntrobultion unb erfte ©jene, aus »gpfjtgema in £auri§« Don ©lud. — tonäert* 
oubertüre bon Julius SR.ie.%. " — Slrie" mit (öjor tum -91 off int.' — ®iber= 
tiffement für glöte oon Äallittoba. — Sieber bon, ,grajt& ©Hubert unb 
g. aKen,beI§foI)n. — Sinfonie bon granj ©dfiu&ert. 

„@in fd)öne§.ieon§ert" t)ie| e§ allgemein nad) bem ©Stoffe, Sttt 
mandjen SKufittagen gibt e§ gar !ein 5ßublilüm metjr, unb es f cfcjeirtt nur 
bie .raufdjenbe @d)lej),be, bie jeber 33eroegung ber : borattfäjreitenben 
Mnftlertor.ber unb »geifter gefdjmeibig nachfolgt, roä^renb an anbereu 
es iljnen; fbrmlid) roie Befceljt Unb bepanjert gegenüberftellt unb nidjtg 
einlädt, ©er 29fie roar einer bon jenen SRufiltagen. ©eroifj trug bie 
SJhifif einiges bap bei. gür ©tue! fd)lägt nod) manches' §erg, roenn er 
audj im f ongertfaal berliert. ©ie Sängerin tat ü)r Söefteg pm ©elingen: 



100. StBonttementfottserte in Seidig 1840/41. 43 

grt. Säji'ol, bie Wir immer öotwärigfctjreiten feiert. ®ie Dübertüre 
bon 3fte| trat bie§mat m ü)ten feinen ®effein§ noct) beutlic|er t)erbor 
,al§. bei einer früheren Sluffütjtung. äBurbe ü)r fäjon bamatö in biefen 
blättern ein bebeutenber (gfjrenblag eingeräumt, fo fc^eint bie§ Urteil 
jefet cMcf) bon feiten be£ ^ubtitüntg SSefiätigung p finben; fie wurbe.mit 
einer £eilnat)me aufgenommen, bie ben tomtooniften, mär' er anwefenb 
gewefen, §u neuen SBerten anfeuern müBte. So wirfe ber Beifall aud) 
auf ben entfernten!. Sebt)aften J8eifatt gewann fict) aud) bie folgenbe 
gijummer burd) ben anmutigen Vortrag be§ %xl. Sifi; ü)re Stugfbracrje 
be§ gtalienifdien ift fetjt p rütjmen, Sn ben Siebern Begleitete fie fid) 
felbft am tlabier; e§ tjat bieg betanntlid) einen eigentümlichen SÄber, 
ber aud) I)ier gewann. ®ie Sieber waren ber »SBanberer « unb »Stuf 
pigeln be§ ©efangeS«. S)a§ erfte fang fie borsüglid) fä)ön; ba§ anbere 
nat)m fie ein wenig %u langfant, boä) t)örte e§ fid) nod) immer liebliäj ge* 
nug an. ®a§ glötenftüd mar ein altes, ba§ wir un§ fdjon bor 10 galten 
<jet)ört p^aben erinnern,, ber (Spieler ein al§ ttefflid) befannter, £r. 
©renf er, erfter gtötift im Drcrjefier. So waren Wir benn .unter ergeben« 
bem unb Weiterem ©enuffe big gur (Sinfonie gelangt, ber frone be3 
Stbenbg.. Snufenb §änbe t)oben baran. £>ätte e§ (Säubert mit feinen 
eigenen Singen. fet)en tonnen, er muffte fid) ein reidjer .tönig ge? 
bünlt b,aben. So fdneben wir tarnten bon alt ben frönen ©ebilbeü, 
bie in mannen Seelen fid) nod) lange nad)gefpiege$ tjaben mögen.; — 

günfte§ 3lfiottttemetttfottjert, ben 5. IRoUetttBer. 

Sinfonie {©=bur) Bon ©atobn. — 2lrie bon äKojart. — tabriccio für Jßianoforte 
mit Drdiefter öon gerbinanb tuf.feroti — Slrie Bon ®oniäetti. — 
gwei ßubertüren (9fe. ,1 unb 2) p »Seonore« Don J8ee:t|oöen. — ©rei 
©tüben für panoforte öon g. f nfferatfi. — SJuett bon 3toffini. . 

S)ie Sinfonie ,l)at, met)r al§ anbere . $ai)bnfd)e, etWag gotoftgeg, 
bie ganitfdiarenmufit barin fogar.ettoag SMnbifäjeg imb @efd)madlofeg, 
Wag Wir un§ bei aller Siebe für ben SMfter, ber er überall bleibt, bod) 
nimmermehr berleuguen follten. S)a§ @cr)er§o, unferer Meinung nact) 
ber <Sa$, ber unferer geit am nädjften liegt, würbe fonberbarerweife 
gerabe nidjt abblaubiert, übrigeng alte. ®ie Slrie war bie ber ©räfin 
au§ »gigaro«, bie Sängerin, %xl. Sift, bie bag SRejitatiö fo nobel unb 
fein gefungen, leibet nur am <Sd)luffe nidjt glücilidj bamit. ®a§ Ißubli* 
tum tjält fid) aber immer, an bag $Mc£)fle, alfo an i>m <Sd)lu^; gelingt ber, 
fo l)at ba§ ©anje gefiegt. Seiber mu^te bieg tjeute bie (Sängerin füllen 



44 100. SE&otraementfbitgerte in Set^gig 1840/41. 

unb über bm emsigen nicfjt gelungenen ©djtofr bie fcb,öngelungene 
erfte §älfte üjrer Seiftung bergeffen fet>en. ^n ber folgenben SJummer 
trat ein junget, je|t f)ier tebenber Sombonift unb SHabierfbieler, £r. 
%. tuf f erath, au3 tötn, pm erften 3Me unb auf ba§ adnungStoertefte 
auf., ©eine f ombofitionen jeugten bon entfcE)tebenein Talente unb bon 
einer ebeln SRidjtung, auf bie bettmfjt ober unbemufrt ein un§ natje le= 
benber SMfter eingettrirft %u b,aben fetteint. (Sin förnttictier «Schüler Stot» 
beföfof)n§ ift er aber nicfjt, mie man I)ier unb ba b,örte. %va Sabriceio 
gefiel un§ namentlich bte (ginleitung; btö Sßtegro Ijatte feine gang glü* 
licfie gornt, e§ fehlte ü)tn eine SJättelpartie; mie benn auefy bie £ram§= 
^ofition ber erft brillanten ^affagen naefj ber SMItonart am Scfjtuffe 
niäjt unb überhaupt feiten mirfen fann. ®a§ Drctjefter mar gefcrjicft, oft 
fein, oft auet) pbiel unb ftarf bebaut. ®er fefjr au§gegeicl)nete «Spieler 
blatte nacb, bem Capriccio einen sueoes d'estime, ber fiel) inbe§ nacb/ben 
©tüben %u einem tjerglicfjeren mit £erbortuf erb,ob, obtootjl un§ fetbft 
bie ©tüben in ber tombofition weniger eigentümlich fepenen, nament* 
lief) mal bie eigentliche ©runbfraft ber HMobie anlangt, $n jebem gälte 
mar e§ ein fo eb,renbotte3 ®ebüt, bafj mir bem jungen fetjr fleißigen Mnft« 
ler eine glücfticb, fic^ernbe ^utunft beinahe betft>recf)en bürfen.— grl. 
©ctjlofj mar bei prächtiger Stimme unb fang mit einer Sörabour, bafj 
fie btö sßublilum in 21Iarnt berfe|te unb da capo fingen mufjte. — ©ie 
aufgeführten beibeu »£eonoren«=£>ubertüren toaren beibe in ©, bie eine, 
maljrf^einlicl) bie erfte überhaupt, bie 23. gu »Seonore« getrieben, bei 
§a§Iinger in jßartitur erfäjienen, — bie anbere, jebenfalfö bie 23or» 
gängerin ber großen gebrudten in (£, noefi, 3Jcanufftipt im 93eft|e ber 
£§. 23reitfoüf unb prtel. ®ie Seitfdnift berichtete fd)on früher über 
biefe§ 33ieroubertüren^i)änomen (bgt. 93b. I, @. 468). Slucb/ Ijeute fc£)lug 
gumal bie gtoeite ntäctitiglicb, in bie Stoffe ein. SBie !ommt e§, baf? bie 
33efi|er ber Partitur fo lange mit ber §eräulgabe gurüclb.alten? 28ir 
münzten gern alle SMt bief er greube teilhaftig. 

@e^fte§ MUnmmcttUnint, freit 12. «WoöentBet. 

Dubertüre (bie »SBalbnijmbfie«) bon SB., ©ternbate SSennett. — Strie bon t. $R. 
b. S3 e 6 e r. — ©oto für SßiolonceK bon 35. 8? o m B e r g. — If obatine bon SK o i a r 1 
- SßJiantafie für SBtoIonceE bon Äuntmer. — 8?eäitatib unb ©^lufjc^or auS 
ber >@c^öbfung« bon $at)bn. — ©infonie (Stbnr) bon SJeet^oben. 

$8 enn e t § reigenbe Dubertüre eröffnete ben Slbenb ; mer fie nocl) 
nid)t gebart, mag fie fieb, einmeilen afö einen S3Iumenftrau| beulen: 



100. 9I6onnementf enterte in Seidig 1840/41. 45 

&poi)t gab S31umen bagu, aucrj SSeber unb SJcenbelSfolnt, bie metften 
aber kennet felbft, unb, tote er fie nun mit garter §anb georbnet unb ge= 
ftellt gum (Sangen, gehört ilmt bollenb§ eigen. ®a§ Drcfjefter trug mit 
Siebe bei, baf? nid)t§ baran berle|t würbe. — 3^ ber »greif c^ü|<<*2lrie 
„2Bie nat)te mir ber ©Kummer" brillierte grl<S(|Io| unb gefiel fetjr, 
ebenfo in ber sUcogartftfjen au§ »gigaro«. Sttan fiet)t, bte Sängerin ftrebt 
immer toorWärt§ unb aucf) nactj SSielfettigfeit. — ®ie $totoncetlftücfe 
fpiette ein <$aft, |>err fammermufifu§ ©riebet au§ SSerlin. ®a3 erfte 
warf einen ^anlaufet in§ *ßublifum. 9focf) bem ©c^Iuffe Iie§ fidj 
nantlicb, burcb, ba% SHatfcrjen. fyinburä) auä) giften tjören, toa§ wotjt 
gumeift ber 2Bab,t ber ®omüofition galt, einer überaus langweiligen in 
ber Snt. ©0 entftoann fiel) benn ein giemlict) tjartnäcfiger f amtof gwiftfjen 
§änben unb Sippen, in bem inbeS bie erfteren ben Sieg babontrugen. 
Offenbar animierte bie§ ben Spieler, ber bann audj fein 2te§ @tü(f un= 
angefochten, fogar mit raufcrjenbem Seifalt gu @nbe braute. ®ie tunft* 
leiftung an fiä) war feine aufjergewöljnlictie, immer aber fct)ä|en§* unb 
gewiß Ieine§ 3ifcb,en§ wert. S)ie Hummern au§ ber » @ct)öüfung «, ber 
alten fyerrtitfjen, werben immer mit greube gehört; ber Senor war ein 
neuer, £err $i elte, ber Hoffnungen gibt, bie anberu ©otoftimmen grl. 
©cb/lofi unb ,<pr. SBetSte. Sum ©tfjlufc bie (Sinfonie in % über bie Wir 
ntcfjt wiebert)olen wollen, tütö alle wiffen 4 ? 5 . 



<Ste6ente§ Wf>onnemmtton%nt, bat 26. «fiotoeittöer. 

©infonie (§=moH) B. tallittjoba. — Slrie öon ffiontgetti. — Pjantafie für 
Klarinette B. 9{ei£jtger. — CuBeriüre ju bem »greijci)ü&« b. 28 e B c r. — 
tonjertino für Siottnc B. äTCatjfeber. — ©äene mit (Sfyor B. SRoffint. 



STongcrt für beit StiftitntfonbS für alte wnb itantc mu)iUt, 
ben 3. Segeittfcer. 

»^ubetonöertürc«: 0. SBeber. — STrie B. SUJogart. — Sßljantafie für «ßtanoforte, 
(Stjor unb Drctjefter ö. SeetfjoBen. — »Sobgefang«; eine ©infoniefantate bon 
5. aRenbeI§fo^n«»ortf)oIbt). 

Qm 7ten 2lbonnementfongert t)örten wir wieber $alliwoba§ neufte 
©infonie, bie ber tomtoonift im borigen Satjre frier gum erftenmat felbft 
aufführte, ©cfjon bamatö berichtete bie Seitfäjrift bom befonbern £on, 
ber in it)r Web,t, wie bon ber garten Snftrumentierung, bte ben immer 
borfdjreitenben 3flufito befunbe. Sinei) Ijeute wirlte bie ©infonie auf 



46 100. Stbonnententtonjerte in Seidig 1840/41. 

ba% anmutigfte, toenn auä) nicrjt fo feurig, roop bamafö fidler bie 
üerfönlicfje Bettung be§ ®om}K>ntften Beitrug; gezielt - unb geleitet 
rourbe fie übrigens auf ba& boräügIiä)fte. : 3)a§ äöerf ift vöor Jurgent 
im ®rucf erf dienen unb liegt un§ pr r genauem Sefforedumg bor. J S)ie 
übrigen Stemmern beS tonjertg boten roeniger neue§ $ntereffe. ®ie 
Sonigettifcfje Slrie roar gänjlid) mufifIo§, rourbe bon ber ©ängerin auä) 
nid)t,mit bem ©lücf unb beut 2ib,blau3 gefungen wie anberess Qtatient» 
fcEje. ©ein- gut blie§ §r. §einje fein Slarinettftüd; er roie audj ber: 
$iölinfbieler §err ©aä)fe mit feinem ®ebüt rourben freunblidj auf* 
genommen. ®ie »greifd)ü^«=Dubertüre fdjlug tute geroörjttlicfj burd); 
ebenfo ba§ finale au§ » @emirami§ « bei bem itatienifcrjen Seil be§ Ißu» 
blirum§.— 

2Iu§geäeidmete§ bon fd)önfter lEomtoofition unb 9lu§füf)rung brachte. 
btö geftrige f ongert für ben 8nftitutfonb§. © a § ®ireftfcmäbult roar 
mit 35Iumen!ränjen gefdjmücft; eine ^utbtgung pr beften ©tunbe für 
ben SMfter, ber fo oft bön biefer ©teile geroirft pm greife wahrer 
®unft, ber aucfj beute pr SSert)errIid)ung" be§ ®on§ert§ mit einem eige* 
neu SBerfe beigetragen. Sßie er bann auftrat, erboB fid),ba§ ganje 5ßu* 
Blirunt unb Drcrjefter in Söegeifterung, ba% e§> eine $reube roar p fet)en 
unb p t)ören. Sie » Qubeloubertüre « roar nur bie ÜBerfe|ung biefer ©tim* 
mung in SJlufif; ber ^uBet roollte nidjt enben. ©oläj freubiges mufi» 
falifä)e3 Seben auf ber Jgöbe p erhalten roäre bielleitf)t nur einer 3Mi* 
bran, einer. ®ebrient mögtid) geroefen, %il. ©cfilofj fang gut, bodj etroa§ 
nüchtern; man fütjlte e§ rooi)I allgemein. §lucty|jerr Sufferatfj fließe 
nid)t energifd) genug, oBroofj! immer mufitatifcr) unb afö guter Mnftler. 
©erabe biefe aufjerorbentlicrje . tombofition SSeetfjobenS, in ber ' ber 
©üieler laum merjr afö ein pnfcfjen grofje Solfömaffen geseilter Stebner 
ift, berlangt — im Silbe p BleiBen — gute Bungen, um aud) im ein* 
geinen burd) ba§ ©anje tjinburä) berftariben p roerben. ®ie Sotat* 
roirrung roar erljebenb. @§ folgte ba% §aubtftü(i be§ 2Ibenb§, SJJenbelS* 
f:orjn§ »SoBgefang«, ber, fäjon pr Outertbergfeier tjier: aufgeführt, für 
ba.3 beütige Sondert bom Somboniften mit erteilter SSirtung an. einigen 
©teilen, roie mir glauben, beränbert roar 466 . Me3 Sob über bie berrüdje 
Homöofition, mie fie roar; unb toie fie nun ift! ©ä)ön früher füradjen roir 
e§4u§. SBa§ ben üffienferjen Beglüdt unb abelt, finben roir ^ier beifammen, 
fromme ©efinnung, 33erou|tfein ber i^raft, ib,re freifte, natürlid^fte 
Su^erung; bie mufi!atifc£)e ^unft be§ g^eifter^' bie 93egeifterurtg, mit 
ber er^erabe an biefem SSerie arbeitete,. namentlid) ba, roo ber Sftenfdjen* 



100. Slbonnementfonjerte in Setöjtg 1840/41. . 4? 

tyox bie §aubtroIle betommt, nict)t meiter in -2tnfcfc)Iag p bringen. SSir 
bürfen bie§ Sob ntct)t olme eine§ für [amtliche SDWtmirlenbe.befcijIiefjen, 
namentlich and) für bie Soloftimmen, grau Dr.grege, grl. ©cfylofj unb 
§rtt.@ctjmibt. 9tor ein ©ebanJe, beut ^ünftler für feine Arbeit ju 
banfen unb §u bergelten burct) forglierjfte Siebe in ber ®arftellung, festen 
alle gu befeelen. 3)a3 ©übe be§ Sonjert§ mar nur ber Stnfang; e§ fehlte 
nur, ba$ man bie SMumenlränäe abgeriffen unb bem äßeifter um bie 
Schlafe gef cfjtungen rjätte. — 

2ldjte§ Wfonmmention^txt, ben 10. 2>esetttH»er. 

Sinfonie (in 5) öon SBeetljoöert. — Slbagto unb IRonbo für panoforte öon 
SIjalBerg. .— finale aus »SBiß). £eH« öon 8loffint. — Dubertüre öon 
E|eruBini. — Qtvä (Stäben für panoforte öon §enfett unb <£ljo}rin. — 
©nfentble au3 »©orteä« öon ©fconttnt.. 

SSon ben SSeetrjobenfctjen «Sinfonien mirb bie in % mot)t am inenigften 
gezielt unb gehört; felbft in Seibjig, roo fie Jämtlicb, fo rjeimifc^, faft pofm* 
lär finb, f)egt man ein SSorurteil gerabe gegen biefe, ber boeb an Immo* 
riftifdjergiefe.faum eine anbere S3eetr)ot)en§ gleidpmmt. Steigerungen, 
lote gegen ben Schuft be§ legten Sa|e§ tjin, finb aud) im $8eetr)obenfeIten, 
unb jumSHtegretto in 93 fann man autfj niä)t§ afö—ftill fein unb glüfflid). 
®a§ Drdjefter gab ein Sßeifterftüd; felbft ba§ berfanglicrje £rio mit ber 
fonberbar tröftenben traurigen §ornmelobie. ging gut ^onftatten. — ®a§ 
f labierftücl fbielte, unb jroar pm erftenmal an tiefer Stelle, grt 2tmalie 
Steffel au§ Flensburg, ein- junge§, laum 18jäb,rige§ SKäbdjen. Staä) 
itjrem erfreu auftreten fitf) einen Sdjlufr. auf ibjre gan§e tunftfertigfeit 
ju bilben mürbe ber jungen tünftlerin mobj felbft am unliebften fein, 
fo aufmunternb aud) ber gto^e SSetfatI für fie gemefen fein ntuf}, ben fie 
namentlich, nacb, bem Stüd öon £tjalberg erhielt. Sie leiftet aber bei 
»eitern mef)r, mie ber aSericfcjterftatter pribatim erfahren. t)at; ifjre $er= 
tigfeit ift fef)r grofj, ifjr Vortrag eigentümtict), oft poeiifä), mie fie benn 
tfjre turtft übertäubt mit ganger Eingebung berfolgt unb mit einem 
eifernen SBillen, ber üjr tro| eine§ beinatje ungeftümen tünftfetemperg* 
ment§ eigen geblieben. S8on legerem geigte morjl am meiften it)r Spiel 
ber (Stuben, bie fie in unerhörter Sämeltigfeit natjm, mobei benn freilief) 
manches bertoren ging. ®er SSetfatI blieb jroar aueb, nacb, ben (Stuben 
nidjt äu§; boeb, mar er .'nacb, bem tonjertftüd jebenfalfö allgemeiner unb 
rjerglidier. S)a§ Ie|temal ift e§ gemifr nicfjt, bafj itjr darrte in biefen 
blättern borfommen mirb;., fie r)at noäj eine teilte gutunft bor ftcE). — 



48 100. Stfionnementlonserte in Seiöjtg 1840/41. 

Ober bie größeren ©nfembteftüde bon Eftofftni unb ©^ontint tiaben 
toir, aU über betannte f ombofitümen, nicbtS p ertoäf)nen. 5ßur Bei 
ber -Dubettüre bon ©tjerubini fiel un§ toieber ein, oft berat biefer grofje 
ÜDtann imb äMfter nicE)t nocb, %u toenig gefannt unb gefä)ä|t ift, imb ob 
e§ nid}t gerabe \t%t, too ba§ ^erftanbni§ feinet Sombofitionen burcb, 
ben SSeg, ben bie nene beffere SJhtftf genommen, un§ um bietet naljet 
gebraut ift, an bei $eit toäre, um toteber mebr ^erborgufucfien, ber p 
S3eetf)oben§ Sebjetten getoifj ber jtoeite äMfter ber neueren Stmrmtft, 
nacb, beffen £obe toofji afö ber erfte ber lebenben p betrauten ift. — 

9tettnte§ 5löottttemcntlojtäet;t, ben 16. Sejeroöer. 

Dubertüre ju »DBeron« öon SBeBer. — Slrte au§ »gtgaro« bon Wlo&att — 
©onate für Sßianoforte unb SSioKne öon SBeetljoöen. — »SoBgefang« öon 
g. 5KenbeIlfoI|n=Sart§oIbt). 

3)er $8ertc£)terftatter toeifj über ba§ Bongert nur toenig mitzuteilen: 
©ctjon lange bor beut anfange toar fein *ßta| p belommen. Um fur§ 
p fein, <5.M. ber föntg bon @aä)fen b,atte ficr) all 33efucE)er be§ ton« 
jert§ angemelbei ®runb genug, ba§ Befte botpfürjren. (S§ toar ein 
toab,re§ föntgtictjel ffrmjert. 3)ie 2We fang 'f$rl. ©cfitofj; bie ©onate, 
bie grofje in 9t, Rieften $r. äftS.SKenbelgfotjn unb £>r. ®3Ä. ®abib. 
SBie un§ berichtet tourbe, f^rac^ @e. Sttajeftät ber tönig gegen bte Mnftlet 
.berfönlidj feinen ®anf au§, ben er pm ©djtuft be§ »ßobgefange§«, 
an ba§ Drdjefte tretenb, bem tontboniften auf ba§ ptbboltfie toieber* 
tjolte. @§ toar ein ßorbeer anberer 2Irt, ber ben tjoljett ©eber toie ben 
etubfangenben tünftter gleichet fctjmücft. ' ®a§ Ißublifum behielt ficE> 
toafjrenb be§ gangen SlbenbS in adjtuugSbouer ©ritte, bie nur beim 
Eintritte be3 Stegenten burcb einen jubetnben \8uruf, toie nacr) bem 
»Sobgefang« burcb, eine freubig banlenbe Söegrüfpng be§ SSerleS unter» 
brocken tourbe. 

8eljnte§ Slftottttemetttfottsett, ben 1. Samta* 1841. 

£ijmne öon §änbet — Dubertüre üon SRojart. — SBariationen für SBioline öon 
SSteujt.emöS. — »SDieereSftiÜ'e unb glücEKcEie graljrt« öon S3eetfjoöen. — 
©olo für SSioline Bon Sertot. — SSartationm für gjlöte öon SB ö Jini. — 
Sinfonie (E»raott) öon Seetljoöen. 

8Wtt §änbel§ froren, feierlichen klängen fei alten benn ein ;,glücf* 
Itd£>e§ neue§ $ä)t" pgerufen; bie ©tätte, too fie erflangen, bleibe auctj 
fernerhin ber toab,ren fünft ein treuer £>erb, unb bie itjr borftet)en, nod) 



100. SlBonnementfenjerte in Seidig 1840/41. 49 

lange ü)re 'toarmen Sefdjü|er! ®afj fie mit £anbet eingerüeijjt rourbe, 
fei uns ein gutes Dmen; unb audj ber InroudjS jüngerer Mnftler fei 
bon tfjr nid)t auSgefdjfoffen, im ©inne be§ 2CtmeifterS, ber, tbie jeber 
ioarjre, leinen bom SCftare äitrüdroeifen roürbe, ber ein reines Streben 
mitbringt. SThtr baS £äpd)e fei roie ber einige ^ube, bem fid) nirgend 
ein gaftttdjeS %ox . erfdjliefct. — . . 

®em ^bmnuS folgte bie Dubertüre gur »$auberftöte«, bie roofjl and) 
nadj Qa^unberten nod) erflingen unb entlüden, jene§ f{nelenbe feiige 
SBunberÜnb, baS, Sidjt unb $reube fbenbenb, immer reo roieber auf* 
tauten rtrirb tro| Nebelt unb ginfternis. Slud) fjeute roirfte fie fo. SDer 
S3eifaII lam toie aus einem bergen. 

Über ben ^iolinfbieler £>Uf, ber bie fotgenben SSariattotten hielte, 
feinen merfroürbigen SebenStauf, beridjtete bieS Statt fdjon früher*; er 
fi,at fid) bom §anbroer!er jitra lünftter emporgearbeitet, roafyrenb es 
Bei anbern umgelegt ift unb leibet im metabt.orifdjen ©inn. ©djon im 
borigen ^atjre mit großer £eimab,me aufgenommen, beftätigt er immer 
metjr bie ©rroartungen, bie man fid) bon itjm gemacht, nähert er fid) immer 
mer)r ber SMfterfd)aft 467 . ©ein ©pief, nodj fo frifd) roie früher, rjat 
aud) an Sattheit gewonnen, ^m übrigen roar bie SM)! ber ©tüde, 
bie un§ nodj bom ©biet ber tomponiften t>er in (Srinnerung, allerbingS 
eine gefragte. ®aS Sßublifum fpenbete inbeS reidjften Beifall unb mit 
geregtem ©inne; benn aud) ber SSilbungSgang beS ^ünftlerS muf$ t)ier 
in SSetradjt lommen. ©tatt ber erft angelünbigten 9fcie aus » gibelio « roar 
ber S3eetr)obenfd)e ©f)or untergefteüt — bielleiäjt ofme $tobe, benn er 
ging nidjt ganj gut. @in jroeiteS ^mbrombtu erfctjien, ein artiger Snabe 
mit ber glöte in ber §anb, SfomenS £einbl; laum über 12 $ab,xe alt, 
ftoielt er fein ^nftrument mit einer 3Mfterfd)aft, bie auf biefem .^nfiru- 
mente and» nidjt baS Unnatürliche Jjat roie %. S5. bie 3üd)arb Serot)S auf 
bem £orne. man gebe ibm fyäter aud) anbere ^nftrumente in bie §anb; 
fein ©üiel berrät mef)r als gute Sungen itnb blofjeS SSirtuofentalent. 
©S roäre fdjabe um ben mufilalifd)ett Knaben, ©eine gamüie ftammt 
übrigens aus SSür^burg unb foll nodj eine SJlenge mufiMif'djer junger 
Talente in if»rer SRitte befifeen. 

S)ie e=motI»©infonie bon S3eett)oben befebjof}. ©djroeigen roir 
barüber! @o oft gehört im öffentlidjen ©aal roie im inneren, übt fie 
unberanbert ü)re 3Jkd)t auf alle SebenSalter aus, gleicfj toie manche 

* S83I. $8b. I, ■©. 507. 

SRoSert ©cöutnannä oei. Sdöriften. II. 4 



50 10°- Slbonnementfonjerte in Seiöjig 1840/41. 

grofje ©rfdieimmgen in ber fflatax, bie, fooft fie aud) totebetle^ten, 
un§ mit gurä)t unb Söetmtnberung erfüllen. Sfcttf) biefe ©infonie 
itrirb nad) $at)rt)unberten nod) mieberflingen, ja getoi| folange e§ 
eine SBett unb 3Jhtfif gibt. — 



^Ifte§ ^öottttctnetttlonjett, bat 7. Sttmtar 1841. 

Dubertüre bon-SSeetljobett. — -Strie bon STOojart. — tonjertino für SStolonceE 
bort Stnbner. — ©jene unb Slrte bon SUietierbeer. — ^abricctp für äMoIon* 
ceH bon JRotnberg. — »&iftoriftf)e ©infonie« bon ©p.ofyr. : . 

2>ie intereffantefie Kummer be§ f ongerte§ mar ,ot)nftreitig bie te|te 
unb ba§ gange ^ublifum barauf gekannt. £>er Settelnahnte fie: „§ifto= 
rifdje ©infonie im ©tu unb ©efdjmad bier betfdjiebeuer 3eitabfdmitte; 
. ©rfter ©a|: $ad)*£>änbelfä)e ^eriobe, 1720. 2Ibagio: §aöbmäftogartfd)e, 
1780. ©djergo: S3eett)obenfd)e, 1810. finale: alterneufte$eripbe,.1840." 
®iefe neue ©infonie @f)ot)r§ ift, irren -tütr nid)t, für ba% Sonboner pf)\h 
fjarmonifdje tongert getrieben, bort aud) gum erstenmal bor eüt>a:8at)re§» 
frift gegeben unb, muffen mir !)ingufe|en, aud) in ©nglanb fäjon ftarl. 
angegriffen toorben. SBir fürchten, aud) in ®eutfd)Ianb toerbeu fyarte 
Urteile barübet falten. (Sine merttoürbige (grfäjeinung bleibt e§ gen»i|, 
bafj in neuerer Seit fd)on meljte SSetfudje gemadjt toorben, un§ bie alte 
botgufüfjten. ©o gab bor 3 Igatjren £>. Nicolai in SSien ein tougert, 
in bem er gteid)faU§ eine fftei^e „im ©tit unb ©efd)made anberer ^atir* 
f)unberte" gefä)riebener Somtiofitionen aufführte. 3JlofcEjele§ fd)rieb ein 
©tücf gu §änbetö ©fyren xtnb in feiner SSeife. Saubert gab neuerbing§ 
eine „©uite" t)erau§,. ebenfalls auf alte formen tjingumeifen u. bgl. 
meto*, ©elbft ©öotn - blatte feiner ©infonie fd)on ein $iolintongett »©onft 
unb Sefet« borau§get)en taffen, in bem er etoa§ St)ulid)el beabfidjtigt toie 
in jener. 3Jlan lann nid}t§ bagegen tjaben; bie SSerfudje mögen atö ©tu= 
bien gelten, ttrie ja bie Seit neuerbingS ein 3Sot)lgefgllen am Stofofo* 
©efämtacf gegeigt. 2lber bafe gerabe @f>ot)r auf bie gbee fällt, ©pob,r, 
ber fertige abgefdjtoffene SJteifter, ©;bot)r, ber nie ettoa§ über bie Sippen 
gebraut, n>a§ nid)t feinem eigenften £ergen entfbrungen, unb ber immer 
beim erften Mange fdjon gu erlennen, — bie§ mu^ tt>ot>I allen intereffant 
erf feinen, ©o fjat er berat aud) feine Stuf gäbe gelöft, toie toir e§ bei» 
nat)e ertoarteten; et fyxt fid) in ba§ Süßere, bie $orm berfd)iebener ©tile 
gu fügen angefd)idt; im übrigen bleibt er ber Steifter, toie mir ilm lange 
lernten unb lieben; ja e§ tjebt gerabe bie ungetootntte $ornvfeine ©gen» 



100. SEBonnementfoftgerte in Seidig 1840/41. 51 

tümlidjfeit nod) fdjreienber ^erbor, tote berat zttva ein irgenb bon ber 
Statur StuSgejeidjneter ftcE) nirgend "letzter berrät, atS'toenn er ficE) 
maSfet. ©0 ging Stajwleon einftmatS auf einen äftäSfenbalt, unb f turnt 
mar er einige SCugenbliece ba, als er'fdjon — bie 21rme ineinanberfccjmg. 
Sie ein Sauffeuer ging eS burd) ben ©aal: „ber fiaifcr J". tljnKdj tonnte 
man bei ber (Sinfonie in jebem SBinM beS ©aaleS ben Saut „@pof)r" 
unb toieber „©poljr" Ijören. Sfat Befien, fdjien eS mir, bestellte er ftdj 
nodj in ber 3Jk>sart=£>at)bnftf)en fflfaSfe; ber Bad)=£änbelfä)en fehlte 
bagegen biet bon ber nerbigen @ebrungenf)eit ber £)riginalgefid)ter; ber 
33eetIjobenfä)ett aber mof,! alles. 911S bölligen Sßtßgttff möchte td) aber 
gar ben legten @a| bekämen. ®ie§ mag Särm fein, itrie mir irjn tpoljl 
oft bon Stuber, SKeberbeer unb ät)ntidjen t)ßren; aber e§ gibt aud) »effereS, 
SSürbigereS, jene (Sinflüffe $arafyfierenbe§ genug, ba§ ; mir bie. bittere 
Stb'fidjt jene§ legten @a|eS ntdjt eiupfelien bermögen. %a <Spof)x felbft 
barf fid) nid)t über ^icb>Stnerfenrtung beflagen. SBo gute tarnen Hin» 
gen, Hingt and) feiner mit, unb bieg gefegt nod) an taufenb ©teilen 
täglich Qm übrigen, berfte^t fidj, ift ber »au ber einzelnen @ä|e, ben 
legten etma ausgenommen, auSgegeidjnet, unb namentlich bie ^nftru* 
mentation, bereu flimji ju entmiefetn bie ftbee beS ®an§en gemift aud) 
feb,r günftig, beS SfteifterS mürbig. Stuf ba§ ©anje be§ ^ublttUmS tnadjte, 
mie eS fä)ien, bie Sinfonie feinen, menn nid)t einen ungefälligen ©inbrud! 
®a fie übrigens eb>ftenS im Srude erfdjebti, mirb balb jeber fein Urteil 
über baS furiofum, baS eS ift unb bleibt, feftftetlen lönnen 468 . — £>en= 
felben Stbenb lam aud) eine fet)r feiten gehörte unb nod) Weniger berftan» 
bene Dubertüre, SSerf 115, bon S3eetb>en §ur Stuffülirung, für bie mir 
BefonberS banlBar fein muffen. ®aS mar bom edjteften SSeet^oben, mie 
er fteiltcfc) nie in eine t.iftorifd)e ©infonie §u bannen fein mirb. — 
gmei SSirtuofengäfte bon auSmärtS gaben ; au^erbem nod) ©ob> 
nummern: grL.äRarj, §offängerin aus Bresben, unb <gr. Sinbner, 
Mmmermufifer aus §annober: Beibe neu für ; un§. ®ie erftere geigte 
fid) als entfd)ieben talentbolle Sängerin, fdjon audj mit fd)öner Shtnft* 
unb ©timmbilbung, unb ermarb .ftdj großen SSeifatI, bäft fie über 
baS SSerfarocrjene unb da capo fingert mufjte. Unter meniger gutem 
©tern fotejte ber Jßiolonceffift; ermatte beffere tomf3ofitionen mäbien 
füllen; im übrigen geigte er ftdj' als ein gang tüchtiger SSirtuoS. 



4* 



52 100. St&öttriemetttfohaerte in Setpjig 1840/41. 

$toölfte§ momtmtntion%nt, bm 14, Januar. 

«Dubertüre t>. SSJeBer. — Slrie ö. 2ßercabante. — ®töerttffetnent für §oBoe 
ö. Steige. — Slrte t>. 93eetf) oö eit. — ton^rt für panoforte ». Seetljottejt. 
Sinfonie (®=mt>H) t>. g. Sacfyner. 

®ie Dubertüre war bie reijenbe p »$regiofa«. ©in füt allemal Wirb 
bom 3tef. bemerft, bo^, wo nidjt befonbere S3emetlungen gemalt finb,. 
eS fidj bon felbft berfteljt, bafj bie Aufführungen bon feiten be§ Drdjefterg 
immet treffliä) bonftatten getjen, ja meifteng bie ©lanftbunfte beg StbenbS 
Buben. 3)aS weift ba§ Ord)efter auä) fdjott unb plt fitf) banadj. 23e= 
bauern muffen wir nur ben SSerluft beS früheren Laniers, eines warjren 
gelben auf feinem gnftrwnente, ber fiä) gum je|igen unb gu anbeten 
Wie bag ©enie %u Bloßen Talenten behalt. 33ietleiä)t wirb er bem f on= 
jertfaale wieber jurücferftatte.t 469 . ©ein Sßirbel in ber 33=bur=@infonie, 
einige ©teilen in 9JtenbeBforjuftf)en Dubertüren ufro. finb big je|t ftijwer* 
lief) übertroff ene SMfterftücfe, wie man fie laum in?ßarig unb Sfewöotf 
tjören !ann. Wan laffe tim nitf>t aufser fünft. — ®ie $erle beS Ijeutigen 
fongerieg mar bag 23eetfjobenfd)e lungert. §r. Sft®. Penbelg'forjn* 
83artt)olbt) fbielte eg. SSte benn burä) ifm biele bonber SSotniertfjeit 
überfeine SBerle ifjr 2luferftet)ung§feft feiern, fo tjat er \t%t wieber 
biefe fomtoofition an§ Sicrjt gebraut, SÖeettjobeng bielleiäjt größtes 
flabierfonjert, baS in feinem ber brei <3% bem belannten in @g*bur 
nadjftetjt. ®ie bon äftenbelgfoljn in Beiben @ä|en eingefahrenen 
fabenjen waren, Wie immer, Befonbere JKeifterftttde im SMfterftücfe, 
bie Mdgänge gum Drcrjefter Beibemal uBerrafcfjenb gart unb neu. ®a§ 
«ßublifum ftürmte fefjr nact) bem f ongert. — %x\. ©crjtoft erfreute üng 
namentliö) in ber gar l)errli(^en 2tee aug »gibelio« mit ber §ömer* 
begleitung. — §err ®ifetb> füielte ein eigeneg, merjr fompofitionS* 
liebe alg SSirtuofeneitelfeit berratenbeS ®ibertiffement, wag wir gar nic£)t 
tabeln wollen. — ®ie Sinfonie bon g. Sadm. er, feine, brüte, warb 
bom IßuBlifum bei weitem günftiger. aufgenommen als frühere fom* 
.bofitionen beSfelben, Wie fie benn aud) ung fein Befteg finfoniftifäjeg 
SBerl fdjeint; fie ift ftf)on lange gebrueft unb Bereits auSfüt)rlicrjer be* 
föro^en*. 

®ie nää)ften fonjerte werben fogenannte Ijiftorifdje fein unb be^ 
ginnen mit 3ol). @eb. 58aä) unb §änbel; wir werben baruBer in einem 
Befonberen Slrtilel bertc£)tert. — 



SSgL 33b. I, @. 264. 



100. SBotmemetttfottäerte in Seidig 1840/41. 53 

$retjelljtttc§ 6t§ ^edjseljttteS Wonttemetttfottäert. 

®a§ 13te unbbie brei folgenben Sonderte brauten nur SSerfe beut* 
fdjer fomboniften unb jwar unferer größten: S3ad), ©anbei, ©arjbn, 
äftojart unb 33eett)oben. S3ac^ unb ©anbei füllten einen 9Ibenb, bie 
anberen jeber einen, ©afc bie StuSWab,! finnig, bafj jeber ber SMfter burd) 
bejeidjinenbe Stombofitionen beitreten war, lann man glauben, wo ein 
SMfter gewählt Ijatte, ber, wie 3JlenbeI§fot)n, Ü)re Sßerle fo burd) unb 
burd) !ennt tute btelleidEjt niemanb ber geitgenoffen weiter, ber Wot)l 
imftanbe wäre, alles an jenen frönen 2lbenben SSorgefüIjrte aus beut 
©ebädjtniffe in Partitur p fdjreiben. 

33on einer Sritif, bon £ob unb £abel ber ®om,bofitionen fann im 
übrigen woljl leine ^ebe fein; bod) mag, Wie bie SluSwaljt getroffen 
war, manchem auswärtigen ®unftfreunbe bon igntereffe fein unb bom 
©efcimtade, mit beut jene Sonderte georbnet waren, ein SeugniS 
geben. 

®aS S3ad)*©änbelfd)e: ®on^ert braute im erften Seile: 
2)ie » djromatifdje $f)antafie «, bon g. SDfetbelSfolm gefbielt, 
bie bo,b.beId)örige Sftotette: „%<§ taff e bicE) nid)t", 
©Ijaconne für SSioIme allein, b. g. Sabib gezielt, unb 
baS Cruoifixus, Eesurrexit unb Sanctus auS S?er großen äKeffe irt 
©=moIt, 
alles bon S3ad), unb faft pbiel beS ©errüdjen. ®en tiefften ©inbrud 
machte bielleidjt baS Crucifixus, aber aud) ein Stüd, baS nur mit anbern 
33ad)fc|en ju bergteidjen ift, eines, bor bem fid) alle äMfter aller Reiten 
in @f)rfurd)t berneigen muffen. ®ie äftotette „.^cb, laffe bid) nidjt" ift 
metjr belannt 470 ; in fo bollenbeter Stuffüljrung war fie inbeS r)ter nodj 
nidjt gebort worben, haft fie in biefer griffe unb SHarljeit eine gan§ 
anbere fdjien. 2>ie ©oloftüde brauten ben (Spielern feurigen 23ei= 
fall, was wir sunt SSeweife anführen, bafj man mit SSadjfdjen Sombo^ 
fitionen and) im ®on§ertfaate nod) enttjufiaSmieren lönne. SSie frei» 
lid) SölenbelSfolm Sadjfdje Somüofitionen fbiett, mufj man Ijören. 
®abib fbielte bie ©fjaconne nidjt miuber meifterlidj unb mit ber feinen 
Begleitung ÜDienbelSfoI)nS, bon ber wir fdjon früher einmal berichte* 
ten 471 . ®en gweiten Seil beS Son^erlS füllte ©anbei. SSär' eS fein 
SSerfto^ gewefen, fo ptten wir ilnt bor 23ad) $u I)ören gewünfdjt. yia§ 
itnn wirft er minber tief. S)ie gewählten ©tüde waren: 



54 100. StBpnnementlonae'rte in Seidig 1840/41. 

öubertüre pm »äftefftaS«, 

3tej. unb Slrie mit (d)or ebenbd&er, bon fjrt ©d&iofj gefungen, 
£t)ema mit 33ariationen für ttabier, bon 3KenbeföfoI)n gezielt, unb 
SSier ®otopetä)öre aus »^Sraef in .tgbtoten«. - 

yitu babon mar bie 3tc Kummer, unter SJtenbetSfofmS pnben 
bon reigenb naiber SSir&ng. Qn biefen tote in ben 83acE)fcf)en (Stören, 
fotoie in ben füäteren brei Sonderten, toirfte übrigens eine bebeutenbe 
Sttigal»! Dilettanten mit, toaS einer banfBaten ©rtoä^nung bebarf. 

®aS tonjert beS 28ften Januar toar § a b b n getoibmet. @o SJlannig- 
faltiges baS Programm enthielt, fo mag boä) mannen ber 2lbenb ermübet 
tjaben, unb natürlich,: benn ^arjbnfctje äöütfif ift t)ier immer biet gezielt 
tobrben, unb man lann nichts 9?eueS metjr bbn ü)m erfahren; er ift toie 
ein getnotmter §auSfreunb, ber immer gern unb acfjturtgSbott empfangen 
roirb; tieferes ^ntereffe aber Ijat er für bie 3e|tjeit nicrjt me^r. Sie auf* 
geführten ©tücle toaren: 

Einleitung, ^ejitatib, 2Irie unb (Sljor au§ ber » ©djöjjfuttß «, bie @oto* 
Partie bon grl. ©crjtofe gefungen, 

Duartett („®ott- erhalte granj ben taifer") für ©treicrjinftrumente, 
bon ben §§. ®abib, Menget, @ct)u% unb SSittmann borgetragen, 

Motette „®u bift'S, bem 9fhü)m unb @b,re gebühret", 

©infonte in S3=bur, unb bie 

$agb unb SBeinlefe auS ben »SafjreSjeiten«. 
SBie nocfi, alter §erjen an %flo$axt tjängen, babon gab baS fotgenbe 
ton^ert einen SSetoeiS. Dräjefter unb ©otoffneter geigten fiel) aber auä) 
im I)öct)ften ©lange; eS toar ein Uonjert, in hm toir gang £>eütfct)= 
lanb gegentoärtig getoünfc^t t)ätten, in ben Subet emauftimmen, ben 
fein großer tünftter an jenem Slbenb erregte. Qft es nicrjt, als mürben 
SölojartS SBerle immer frifc^er, je me^r man fie fprte! Siucf) einige 
feiner Sieber tjatte man f)erborgefucr)t; toie junge »eitlen bufteten fie 
noc£). golge t)ier anftatt aller J8efcf)reibung noc() baS auSgefudjtfctjöne 
Programm: 

Dubertüre §u »Situs«, 

9te§itatib unb Sfcie mit obl. Bioline; borgetragen bon %t\. @cb>|3 unb 

£>rn. ®abib, 
Sondert in ®=molt für $ianoforte, gezielt bon %. 9)lenbeföfot)n, 
Sinei Sieber, gefungen. bon %x\. ©cljfofj, 
©infonie in ©=bur (»Jupiter«). 



100. SlBotmetrtentfoitäerte in Seipjig 1840/41. 55 

giner ber reidjften SJhtfitabenbe aber, wie er öieXIetcE)t feiten in ber 
Seit p tjören, war ber be§ Uten gebr., ber trat Seettjobe'nfdjeä 
braute. 9Iudj festen un§ ber ©aal gtängenber alg je gefüllt; ba§ £)r= 
djefter, gebrängt bolt bon @ing» unb ©pielluftigen, gewät/tte einert 
fdjönen Slnblid. Enter ben ®äften warb batb aud) bie geniale SHinftlerin 
entbedt, bie SSeet^oüen felbft gu einer feiner gröfjten @d)ö>fungen, gum 
» gibelio «, gefeffen gu tjaben fdjeint : SDfob.. ©djröber^ebrient, bie ber. Qu? 
faß gu günftiger ©tunbe gerabe nadj ßeibgig geführt tjatte. @o waren 
benn eble Jhmftnaturen genug beieinanber, um S3eett)oben in würbigfter 
SSeife gu bertreten. 2tud) ber junge ^uffe ©utontt) barf nidjt unerwähnt 
bleiben, ber, nod) wenig gelaunt, burdj ba§ ©piet be§ S3ioIinfongerte3 
in S)»bur ; fic£) 2ld)tuttg erwarb unb fie berbiente. ®a§ Bongert bradjte 
benn 

bie Subertur gu » Seonore « in 6»bur, 

®brte unb ©Ibria au§ ber SKeffe in ©, SBetf 86,. .:.■; ; 

ba§ ertoäfntte SSiolinfongert, 

»2Ibetaibe«, unb gum ©djtufj ; "'■ " 

. bie 9te ©infonie. 

®ie Dubertüre würbe ba Eaüo berfangt unb aud) gefbielt;- 3)a§ 
le|te wunberte un§ beinahe, ba nod) fo biele§ bom Drdjefter gu leiften 
mar. SDaS Sbrie unb ©loria nadj biefetn gweimal gehörten 3fftefenfiüde, 
Wirfte feb^ädjer. &en tarnen be§ ©.bieterä be§ 23iolinfa|e§ nannten 
Wir eben. S)ie Äompofition gehört guJ8eetb,oben3 fdjimfien unb ift, ma£ 
(Srfinbung anlangt, wot)l in gleichen Slang mit feinen früheren Sinfonien 
gu fteflen. 2lm @}riele bß SSirtuofen Ratten mir mandjeSgarter, fingen» 
ber, beutfdjer gewünfdjt; in ben feurigen ©teilen tieft e§ nidjtg gu 
tt)ünfd)en, übrig. ®ie eingefloditenen Sabengen waren nidjt bon ; SBeettjo* 
ben, wie f dmell genug .gu bemerlen. Sunt Vortrag ber » Slbelaibe « — wen 
Ijätte man fidj lieber ^erbeiwünfdjen mögen, afö bie e§ fang: Wlab. 
©djröber*S)ebrient, bie fidj auf SttenbeföfotinS Söttte fdjnell bereit geigte. 
®a§ $ubtifum geriet in eine Slrt ©dj Wärmerei, atö fie tjerbörtrat) unb 
Wäre eine tünftlerin burdj nodj fo grofte &iuntbt)e berwölmt, ein fotdjer 
SSeifall müftte fie immer erfreuen unb Jjat e§ gewift- audj. 9fodj ftanb 
un§ bie 9te ©infonie bebor. ©djeint e§ bodj, atö finge man an, enbtidj 
eingufet)en, baft in it>r ber grofte Wlann fein ©röftteg niebergelegt fjat. 
@o feurig erinnere idj midj nie, bq 1 ^ fie früher aufgenommen worben 
Wäre. 3Rit biefem 9Iu§fbrud]e wollen Wir biet weniger beut SSerle,- aß 
bem.5ßubli!um ein £ob fagen, benn jene§ fte^t über .alte§:;:fo: oft iftbief 



^"""V . *.., 



56 100. StBomtetnentfonaerte in Setpjtg 1840/41, 

fc£)on in unfern blättern au3gefbrod)en worben, bafj wir ntdjtö weiter 
barüber %xx fagen tjaoen. ®ie 9lu3fürjrwta, mar. ganj borpglid) tebenbig. 
gm ©äjergo ijörten mir einen £on, beffen 33ebeutung SftenbeföfoImS 
SSKcE auf i>a§ fdictrffte gefaxt, ben mir früher nie fo bebeutenb Verbot* 
treten gehört; ba§ einige d einer Söafjbofaune madjt bort eine erftaunlidje 
SSirJung unb gibt ber ©teile ein gang neue§ Seben; man bergleidje bie 
Partitur ©. 66, %. 3, @. 75, %. 8. — 

©teftse^ttteS unb adjtseljttteg ^öottttementlonäert. 

3)a§ 17te 2Ibonnement§fonäert würbe mit einer neuen (ber 6ten) 
©infouie bon Ü?aIIiWoba eröffnet, bie er, burd) bie Aufnahme, bie feine 
5te gefunben, bielleidjt ermuntert, in fei)r rurjer Seit gearbeitet rjaben 
mag. ®a§ SSer! fdjeint eben mefjr burd) äußere Anregung entftanben 
%u fein, aU au§ innerem fdjöpferifdjen S)range, fctjeint gefügter, mi% 
famer, unb ber 33eifaII, ben bie ©infonie im 33ert)ältnt§ pr 5ten fanb, 
ftanb audj im richtigen SSert)ättniffe p bem SBerte ber beiben. gum 
üftacrjteüe be§ 28erfe§ traf e§ fidj audj, wa§ freilid) nict)t immer p änbern 
ift, bafj e3 ben Anfang be§ ®on§erte§ machte. ®ie Snftrumente, bie 
SJhtfiter felbft finb ba oft nod) ntcE)t warm, ba$ ^ßublirum fjat fid) nod) nicrjt 
predjte gefeffen ufro. SKag ber ©runb ber weniger warmen Slufnarjme 
nun in äußeren Umftänben ober im Sßerte felbft liegen, e§ möge bie§ 
ben rjodjgefdjätjten Somtooniften nidjt abgalten, auf feiner rürjmlicrjen 
Söatm fortzufahren. S8o wäre ber äMfter, ber fid) immer fteigern 
lönnte! Shtr wenn er fid) ber würfe, feinen beutfdjen Urfbrung gang unb 
gar berleugnete, folt bie Sritil eingreifen. SSteibt er fid) aber treu in gteifj 
unb ©efinnung, fo bürfen wir ü)m wegen eines weniger gtüdlidjen 
Surfe! nidjt gteid) baZ ©biet berberben motten. ®er 7ten ©infonie 
be§ üeben^würbigen 3Mfter§ fei benn im borau§ ein SBittlommen p= 
gerufen. . 

. ©tatt %xt. ©d)Io£j, bie Reifer geworben, fang eine früher nidjt genannte 
©ängeriu, .%xi. Suife ©rünfrerg, eine ©djüterin be§ afö ©efang* 
leerer unb SJombonift, namentlich, für SDlännergefang, wotpefannten 
Saliner, unb überrafdjte ba§ ^htblilum burd) irjr tlangbolleg, fdjmieg» 
füme§ Drgan wie burdj bie naibe ©idjertjeit, mit ber fie bon Anfang 
Big ©nbe ü)re §Irie (eine 33iojartfd)e) ausführte. ®er ©rfolg it)re§ erften 
Auftretens mufj un§, ba fie ein eintjeimifdjeS latent, wofjt bopbelt er* 
freuen. SSir müßten lügen, wenn wir un§ unferer bielen fdjönen Stimmen 



100. SlBottnementlotigerte in Setpgtg 1840/41. 57 

unb ©efangtatente rühmen tooltten; e§ ift barin bei un§ nictjt beffer at§ 
überall. 

§r. ©ulo mt) hielte in bemfelben Sonderte ein Sondert bon ßtbingfi 
unb Variationen bon ÜJMique, nnb namentlich ba§ erfte tebenbig unb 
mit ©eift, baf? ficE) ber tombonift, bon bem mir e§ früher gehört, betrüber 
gefreut r)aben muffte, mar' er anmefenb getoefen. 

®er 3te an bemfelben SCbenb auftretenbe ©olift mar §r. £>aale, 
neben §rn. ©renfer ber auSgegeicr/ttetfie glotift nnferer ©tabt. 

Sfocb, fang ein garjtreicJjer SMnnercbor £. 3Jt b. 3Seber§ »@ebet bor 
ber <Bäjlaä)tr bon £b. Körner unb 3JcenbeI§for)n3 tounberfjerr» 
Iiä)e§ • Quartett mit §örnerbegleitung: »®er gäger 9tbfä)ieb« bon 
©idjenborff. — 

2>ie SJcufifftücIe be§ 18ten ®ongerte§ maren äiemticb gemifcrjter 2trt. 
©ine. neue Sinfonie bon S. äJcaurer, noeb ffltonuffript, begann. £>at 
fieb feine erfte biete greunbe ermorben, fo wirb e§ aueb, biefe gmeite, bie 
jener an Seicljtigfeit unb Sebenbigteit nicl)t§ nachgibt. 9tn ber ^nftru» 
mentation erlennt man ben im Drctjefter grofjgemorbenen 9#ufifer; er 
ftoiett mit ben ^nftrumenten mie ein ©aufler mit feinen Vätten. ®a§ 
9Ibagio, fetjr gart erfunben, besagte un§ neben bem lften ©a|e am meifien, 
anbereS, franjöfifcb, unb lärmenb, meniger. 

3ttö ©aft trat ein £err ©. ©fettt au§ Sfteabet auf, ein fräftiger mob> 
tlingenber Variton, ber fiä) batb afö ecb,ier itaüenifefjer ©änger botu« 
mentierte. gm Verein mit §rn. Vögner fang er aucr) jum großen ©e» 
falten unferer Veütnianer ein Suett au3 ben » Puritanern «. ©dnd ten un§ 
auch, bie Italiener einen Senoriften mieber! 9tn Söäffen fetjft e§ un§ 
weniger. 

3Rit großem ;23eif alt fang %xl. ©rünberg bie SJcetjerbeerfcbe 2lrie 
„Robert, mein ©etiebter", bie nie einen gegriffen ©ffett berfetjtt, bie ber 
tombonift gemifj fetbft für eine feiner fcfiönften Hummern t)ält. Stn ber 
(Sängerin motlten ©efangterjrer bie äJcunböffnung tabetn; e§ ift nur ein 
SSmü, auet) barauf act)tpt)aben. Qm übrigen geigte fie auety in biefem 
Vortrage SSeruf unb latent. 

©ine menig getarnte Dubertüre bon DnSlom pt Ober »SerSßWbe« 
gefiet; ebenfo §r. Sßittmann in Vioümcettbariationen bon SRerl 
unb §r. SBeiffenbor.n in fotetjen für Fagott bon SB. §aale, beibe 
au^geäeiciinete ÜDcitgtieber unfereg Drdjefterg, bon benen ber erftere aueb, 
ein fcfji>ne§ Sombofition§tatent befi|en foll; er ift ein SBiener unb @ct)üter 
bon Wlexl 



58 100; Slöonnementfonjerte in Seidig 1840/41. 



%euttäe^ttte§ 2H&onttentetttfotijert*. 

fonsert-Dubertüre bon: SB. §. &eir (SKttnujiEri^tJ. — Strie bon SKetierBeer (grl. 
@tf)tofj). — »Sägers BaaU,.. Sieb bon ©. ©eibl, für ©ingftitmne mit S3e< 
gleitung Don panoforte, Klarinette, §om, <£eHo unb KontraBafj Don t. SReidjarb 
(§r. ©djmtbt). — SSariat. für SJioline über ein SJjenta bon 3fr. ©Hubert (»SoB 
ber Sränen«), iomp. unb gefbielt oon Konäertmfir. Sabib (SKanuflri^t). — 
»Sftt. bie ferne ©eßeBte«, SieberfretS Don 35 e etil oben (§r. ©ctjmtbt). '.— Sin- 
fonie bon S3eetB,ooen (92r. 2). 

®ie Subertüre Bot menig Stateg unb Sd)tagenbeg; fie möchte ben 
EOlufüftüden Betgugäfilen fein, bie ben SKanget an ©neigte ber ©ebanfen 
burct) üppiges, innere meniger fühlbar gu maäjen miffen. — ^rLStpfc 
mie immer: rut)ig unb otme ^ergtlopfen raffen mir bie SSeÜe it)re§.®e= 
fangeg überung meggteiten. ®ie Slrie bon SJtetterbeer, obgleich bereits 
ein tobmübeg ^o^.toill nod) immer nitf)t öom $arabe,bla|e berfcrjmin- 
ben. — ®a§£ieb bon 3teict)arb ift nicb>ot)ne ätnmut; aber aug feiner 
rechten Siefe quetlenb entbehrt e§ bor altem. ber lebengbotlen äBärme. 
Sei fo berfcfjttenberifct) aufgetoenbeten TOttetn ift eg jumenig, mag I)ier 
erregt morben. Stm Säjtuffe beraubten mir bie Steigerung, fo feljr fie 
auä) burct) ba§ ©ebicfjt geboten erfdjeint; biefe Sabung t)ätte ber ^om* 
ponift Um müben §örer niä)t borenttjalten follen. ®ie Slugfüljrung mar 
borgüglicf). — 2m bie Si^ubertfdie. 3Mobie mit ttjrer ftitlen §eimliä)Mt 
fo' biet £eraugforbembeg anäumftbfen, mie in ben Variationen bon 
®abib gefcfjetjen, möchten mir afö einen menig glMii^en ©ebanfen be= 
jeidmen. ^ebenfaltg ift bie (Stimmung, in bie ber finnige §ßrer baburd) 
berfe|t mirb, leine moljttuenbe. — £>er Scrjmuä unb bie Jerle beg Stbenbg 
mar ber,Siebertrei§ i>an 23eetf)obeng, Siebegtieber, mie fie in fotct) reinen 
^aturtönen, folget herzinnigen Siefe nie mieber laut gemorben. Sie 
p: fingen,, bebarf e§ meniger beg Sängerg ■aß beg ^oeten. §r. Sdjmibt 
trug fie mit groger (Sorgfalt, aber mit faft jubiet äußerlichem Smfmanb 
bor.. Stetbetgfotmg Vortrag beg Slftomfmgnementg. buftete bie griffe 
beg Driginatg. — $n ber Sinfonie machte fic£> biegmal ein ung 
frember ^ornbläfer bemertbar; feine Unfic§ert)eit marf einige buntle 
Streifen. auf ba§ teud)tenbe ©ange. 

* ®ent 19ten Konjert Wohnte 3tef. ntt^t Bei. ®er. S3eric§t ift conanberer 
§,anb. 



100: Sffiomtöttentfonaerte in Seipsia 1840/41. S9 

3toattäigfte§ 3lfiottnementlottäett, ben 18. W'äifc 

»Sßaftor«lfmfome« bonS3eetljoben. — Strte bon 2K o ja rt. — Sondert für JBioline 
bon ©».oljr. — . ginnte äug *.£itug« bon SSÄogar.t. — Duberture bon 
SJlenbe.lSfoljn. — ®uett unb Stagett a«§ her Oper >§einrtä) unb gleurette« 
öon §. ©djmibt. — »La Melancolie« Bon Sßrüme. — lieber öon g. ©cfju» 
Bert, ff. SÄ. bon SSeBer unb 'SKenbelSf bgn. , ? 

EXtit befonberem SCnteit gebenien toir biefe§ ®ongerte§, ba§ un§ be§ 
Sreffltdjett fo.biel bot, gugteict) ctfö besiegten be£ heutigen mit tt)m toürbig 
bef cfjloffenen Qtyflaä. ®te » ^aftoratfinfonie « brang tief toiebex. einmal in 
aller feigen; bie 2tu3füfixung ttmr gang fyerrticb, tote, fie ftdj bex SOleifter 
in bet SBei^eftunbe gebaut t)aben mod)te. ®a§felbe gilt bonäftenbel3= 
fofynS pt)antafiexeid)ex.: fdjöner £3ubertüre »ÜDleereäftütfe nnb gtücHicEje 
garjit«, bie man roof)I nirgenb§ in bei 2Selt in foldjer SSottlommen^eit 
fjören fonn. (Sine Sfteuigfeit toar ba§ ©nett unb Sergett au§ bex fcrjon 
botlenbeten größeren Dtoer unfere§ Sänger^ §. Scfjmibt, eine§ San* 
ger§, bex an mufifatifctiex Söilbung unb @efdmtactMä)tung toofjt bieten 
mit bexüfjmten tarnen pm Sßorbitbe bienen fönnte. SÜä ®ombonift t)at 
er nur erft roenig beröffentücrjt. SffiaS mir an biefem Slbenbe gu boxen 
Beiamen, geugte abex burctjtoeg bon einem «Streben nacf; bem Söefferen, 
bom 33erftänbni§ ber Stufgabe, bie er fic6> gefetst. S)er ©efang mar mit 
(Sorgfalt gefcrjrieben, bie gnftrumentation gefäjicft uttb HangboII. ®ie 
breite mancher SBiebertjoIungen macrjt ficb, bietteict)t im Sweater weniger 
fühlbar, n>ie e§ benn meiften§ unbanlbar für ben ®omponiften ift, ein* 
gerne @tüc!e aul einem SBerfe bor bex Stuffüf/rang be§ ©angen in bie 
DffentüdjMt gu bringen, unb immer gu falfctjen Urteilen 9Maf3 gibt. 
®od) toirb gefagt, bafj bie gange Dper bielleidjt balb bei un§ in Sgene 
gefjt, too bann meljr berichtet toerben foll. 2>ie anbexn in ben gtoei Stom» 
mern äJlitmirtenben toaren %xl. @ct)io^ unb §r. Äinbexmann, erftere 
toie immer getoanbt unb fertig, teuerer mit einex feljr fdjönen Stimme 
begabt, bie, roie fie nur erflingt, für ben Sänger einnimmt. ®er Spieler 
ber SSiotinftüde toar !gr. ®. §üf, bon bem toir fct)on öfter, [brachen. 
Sinei) tjeute geigte er fiel) bex grofjen £eimaf)me toürbig, bie man fict), 
bon feinem exften Eintreten in bie ®ünftlexbat)n an, bon üjm gemacht, 
unb tourbe tote immer mit laufctjenbftem SSeifaE entlaffen. SBenn toir 
bon ber $erte be§ SlbenbS gule|t fbredjen, fo gefct)iet)t e§ nierjt ot»ne 
©runb. SRit toenigen SBorten: 3Kab. Sc^r ober*© ebrient fang. SBa§ 
menfctjlict) am SJJenfdien unb fftinftler, unterliegt auet) ber Seit unb it)xen 



60 



100. Sttomtementfongerte in Seidig 1840/41. 



einfallen, fo bie Stimme, bie @cr)önr;eit be§ Sufjeren. S8a§ aber bar* 
über ift, bie ©eete, bie'Sßoefte, erhält fiä) in ben SiebHngen be§ §tmmefö 
gleiß) frifdj alte ßeben§atter ijinburcb,, nnb fo wirb un§ biefe JHmftlerin 
unb Sidjterin immer entlüden, folange fie nocfj einen £on in ^erg nnb 
®et)fe b,at. 2)a§ $ublifum fjörte ürie gebannt, unb aß fie §um ©cpft 
3)lenbeföfot)ng mit ben SSörten „auf SSieberfe^n" enbigenbeS SSoIMieb 
fang, ftimmten alle in freubiger guftimmung ein. Sfttdj Um ®ompo* 
niften, ber begleitete, galt fie tpoljl; benn e§ roar ba§ Ie|tental an biefer 
©teile, bafj feine munberbefd)iningten ginger bie Saften meifterten 472 . 
Söotten roir benn auc^ nic£)t unterfuciien, roem ber Sorbeer galt, ber 
unberfef)en§ fiä) im Dräjefter ferjen liefe, ob bem 3Mfter ober ber 
bereiten gremben, unb nur not^ allen, bie in unfern SJhtfifabenben 
gegeben unb genoffen, ein t)offenbe§ „3tuf Sßieberfetjn" jurufen! — 




1842. 

S. 33erger3 gejammelte SBerie. — ©üben für pcmoforte. — Sßreigquartett bon 
$. ©äjapler. — ©f reid) quartette. — ®te »Seonoren«»Duöertürett öon SBeetljoüen. 
— Srei SßraSftmaten. — Sieberfdjatt. — £rto§ für Sßtcmoforte. — ©eutfdEie Dbertt : 
1. »SCbele be gotj« bon ®. ©. Oietfjtger; 2. »£l)oma3 Cftqiuqui« bon §. Sffer. — 
Dratorium bott Ä. #;oeh>e. — ißtanofortemufü. 



101. & Sergers gefcttnmelte 2Berte 473 . 

,-' äSir wünfct)teu borau§fe|en p fönnen, ber Warne be§ obengenannt 
•ten MnftferS Wäre bert meiften ein nid)t nur bent tarnen nadj, fonbern 
auä) burcb, feine SSetfe beiannter. ®em ift aber nicf)t fo. £ro| allen 
faft Wöchentlich, wiebert)often £obe3erIjebungen, bie ba§ äftufifblatt »grte« 
enthielt, tro| bet SSortreffliäjfeit ber Somttofitionen felbft ift S. 23erger§ 
Somboniftenruf nur wenig in ®eutfä)Ianb betbreitet. (£3 tafjt ficb, bte§ nur 
burcb, bie eigene (£f)arafterorganifation be§ SünfiterS nnb burcb, bie 
äußeren $erf)attniffe, in benen er lebte, eritären. @r war, wie man fagt, 
ein bi§ pm §tj;boctjonber ängftticb,er Mnftler, ber jahrelang an einzelnen 
SSerlen feilte, ofjne ficb/ §ur Verausgabe entfetteten p. fönnen. SMn 
$ureben ber gteunbe Ijatf ; je ntef)r man in ifytt brattg, je tiefer bergrübelte 
er fid). @o erfd)ienen benn wcüjrenb feine§ £eben§ nur wenige Somüo» 
fitionen. ©iefe wenigen reichten atterbingS t)in, eine bebeutenbe tooetifct>e 
Statur, mit einem SSort einen IHmftter inü)m erlennen §U faffen. Stber 
gum 9tott)m gehört mefjr. Serger ftoielte nur in feinen SünglingSiatjten 
öffentlich; fpäter t)iett ifm bom öffentlichen auftreten biefelbe ^tngfttic£)Jeit 
ab, bie um an ber Verausgabe feiner Sft)müofitionenf)inberte. ©nfHinftter 
aber, ber feine ilomtoofitionen nidjt felbft beut 5ßubüfum botfüf)ren fann, 
braucht bie Hälfte geit metjr, um iRuf p erlangen. ®er SluSna^men gibt 
e§ nur fefjr wenige, ©o fant e§, bafr ficE) SSerger immer met)r bon bei 
SSelt abfchjeb, nur im füllen afö Setter fortwirfenb, babei aber auä) . 
fleißig fcbnffenb unb feitenb. (Sr ftarb, bom @ö)Iage getroffen, atö ei 
gerabe eine ©äjülerin unterrichtete, in jiemlicb, t)Of)em Sllter am 16. ge» 
bruar 1839. $n feinem SEeftamente fanb man berorbnet, bafj eine 2lus>* 
Waf)I feiner naöjgelaffenen üomtoofitionen burcb, bie Ferren Subwig 8Mt= 
ftab unb Sßtßjeun Snubert beranftaltet Werben möge, bie, ©djüter unb 
greunbe be§ Verewigten, fiä) be§ efirenbotlen S(uftrage§ mit @ifer ent* 
lebigten. §r. gr.^ofmeifter übernahm benSSerlag/unb bie Sammlung ift, 
bie ßiebernitfjt mitgerechnet, fctjon gü fünf ftarfen ^eften angewachsen. 
@in foldjeg Unternehmen, ben äJameu eines wenig gefannten Mnft= 
Ier§ p ©jren ausgeführt, berbtent fcfynt nn ficb, eine aügäeicbnenbe ©r* 



64 101. SBergerS gefammefte SBerfe. 

iocüjmtnß, bopüelt, too eS auct) ber Äuttft pr @f)re gereift. SöergerS 
ftärlftc (Seite roar freiüä) baS Sieb; an mefjren Drten in ber gettfdjrtft 
mürbe fdjon barauf tjingeroiefen. ®oct) auä) unter feinen SHabierfombo* 
fitionen befinbet fiä) beS Sreffliäjen biet; baS ©emeine lag fetner Sftatur 
überhaupt fern. Sftit einigen SBorten ben gntjatt ber fünf §efte anp* 
beuten: fie geben aufjer einigen fäjon älteren Söerfen, teie bie (Sonate, 
bie 12 ©tüben, bie Variationen über »©trotte SJänfa«, autf) biete pbor 
no.ä) niäjt gebruöfte, toie 18 Variationen über » Ah, vous dirai-je, Maman «, 
baS auf bem £itet ber tomtoonift felbft als fein „befieS SBeri" Begetd)- 
nete, unb ein gangeS Stabierfongert. Mt biefen 5 Heften ift aber bie 
Sammlung roof)t nocrj feineStoegS abgef djfoffett; fie genügen inbeS bott* 
lommen pr «Rechtfertigung beS SluSfü.rucrjS ber Herausgeber, toie burct) 
fie £. VergerS tünfttername nur gehoben toerben lönne, toie üjm Iraft 
ttjrer eine ©jtenftette neben ben Maffifd)eti fflfeiftern ber festen ©poctie 
gebühre, £. VergerS erfteS SSorbilb roar offenbar SKogart felbft, baS 
nur erft fpäter burdg Veetb^benS erfahrnen etroaS in ben Hintergrunb 
getreten fein mochte. Stuf feinen SHabierfiit inSbefonbere tjatte aujjer* 
bem ©tementi, S. VergerS erfter Sedier, bann auetj gielb, fein 3Jttt* 
fcfjüter, (SinfluB gehabt. Erinnerungen an biefe feine SJJeifter unb greunbe 
finben fic£) überall. ®amit folt aber leineSroegS gefagt »erben, atS ob 
S. Serger ein 3?acr)ar;mer biefer geroefen. gm ©egenteit, was geniale 
Scrjöfjferfraft anlangt, ftet)t er foroorjt über ©tementi atS über gielb 
unb bewies eS namentlich im Siebe, in bem er gang otme Vorbitb ar* 
bettete, beffen ©renken er freit über bie bamals ionbentionelten f)inauS* 
rücfte. §ätte er fictj metjr bom SHabier ah*, mit feiner gangen traft 
metjt noct) bem ©efange, bem Drctjefter ober ber Oper pgetoenbet, 
t)ätte er fict) audg gang bom aufreibenben Stunbengeben losmachen 
fönnen, roer weift, was uns Jöerger r;ätte »erben fönnen. ®odj Ratten 
Mir un§ an baS, waS er gegeben, SttS fein bebeutenbfteS, gtücfticrjfieS 
SHabierwerf gilt unS aucrj je|t, too wir teueres bon tf)m !ennen gelernt, 
noct) immer feine erfte ©tübenfammtung. Übertäubt, fetjeint uns, war 
er in Meinen formen gtüctticrjer atS in größeren, Wie bieS oft bei ejgentri* 
fäen Naturen ber gatl, bie fiets ttjr »efteS, SieffteS, SnnigfteS geben 
möchten. Scrjtage man folerje Iletne ©tücte nidgt p gering an. ©ine ge= 
Wiffe breite Unterlage, ein bequemes Stuf bauen unb 2tbfcpef$en mag 
mancher Seiftung pm Sobe gereichen. ©S gibt aber £onbict)ter, bie, 
Wop anbere ©tunben gebrauetjen, in Statten auSjufbredgen roiffen; 
gur ®arfteltung roie pm ©eniejjen fotcEjer getftig longentrierter'Somtoo- 



101. S3ergerg gefcttnmelte SSerfe. 65 

fitionen gehört aber freiließ aueb, eine gefteigerte Greift be§ Stofteltenben 
mie ber Stufnefjutenben unb- bann aueb, bie redjte Stunbe unb $eit; 
benn fdjöne, Bequeme $orm lä§t fiel) immer genießen unb anlegen, 
tiefet ©eb,att mirb aber ni'djt ju jeber Seit berftanben. ®a| S. 33erger 
auet) größerer gormen SJletfter mar, Ijat er in feinen (Sonaten, feinen 
Sonderten beriefen; feine§meg§ aber geben mir für biefe eben jene 
Heineren genialeren arbeiten f)in, mie jene (Stuben, einige feiner SSaria* 
tionen unb bor. allem feine Sieber. SJKdjt gang einftimmen möchten mir 
inbe§ in ba§ Selbfturtett be§ $ünftler§ über jene 18 SSariationen, bie er 
felbft atö fein befte§ Söerf bejeidjnet, bie un§ jene frühem SSariationen 
über »Schöne SJHnfa« nict)t aufzuwiegen f feinen. Äünftler, mie manche 
äJlütter, lieben oft bie iljrer ®inber am meiften, bie ü)nen bie meiften 
@c£)mergen gemacht. SßJir glauben, jene§ SSariationentoerl 33erger§ mar 
ein foI(fie§ SäjmergenSfinb; er folt jahrelang an üjm gebilbet unb ge= 
glättet b>ben. Srgenbein fein Iünftlerifcb>r $ug, oft in ber Meinen (Spanne 
einiger Saite, finbet fidj aber fonft auf jeber Seite einer Sergerfcrjen 
tombofition. Oft aueb, fefjen mir ü)n in gtücflidjer Stimmung blöpctj 
mie unterbrochen, unb baran mag mot)t fein Setjreramt fdjulb t)aben. 
SBie mancher ferjöne ©ebanle mag un§ fclpn geraubt morben fein burcrj 
ba% unjeitige Eintreten eine§ Heinen SlatenritterS, mie mancrjeS fc^öne 
fcljaffenbe Snlent ift bureb, Unterridjtgeben jugrunbe gegangen! ®en 
(Sljarafter einer müfjfamen Arbeit, fo Jünftlerifcf) fcrjtm fie ftcb, aueb, ju 
bereiten berftet)t, b,at im gangen auet) 35erger§ Uongert. 3mar, mir 
f)aben e§ racEjt mit Drctjefter gehört; bie Slaoierftimme aber Ijat un§ 
nur menig gntereffe gemätjrt. Offenbar mollte Serger auetj banlbar 
für ben Spieler fc^reiben, bie§ tjat tt)n in f^onflift mit feinem poetiferjen . 
3Jlenfä)en gebracht, ber boefj überall feine glügelfbi|en rjerborfteclt. 

Slulge§eiä)nete§ enthält bie Sammlung noefj in einigen grajiö§ einfachen 
3tonbog, bon benen mir namentlich ba§ in 3>bur im 2ten §eft anführen. 

®ie gmeite grofje Sammlung (Stuben ift in ben Bis jetst erfdnmenen 
§eften noeb, nict)t mieber abgebmeft; mir befpraäjen fie fdjon bei iljrem 
©rfcfjeinen. , 

Die Sieber erfetjeinen getrennt bon biefer §aubtau§gabe feiner SBerle 
in einzelnen §eften. SKamentlicb, biefe merben feinen Tanten ber fernen 
Sufunft erhalten. 

Sei benn ba§> einem edjt beutfcfjen Mnftler in feinen SBerlen 
gefegte ®enfmal ber tiebebollen SBeactjtung ber ßeitgenoffen nochmals 
empfohlen! — 

8io6ett ScljumcmnS gef. ©Triften. II. 5 



66 102. (Stuben für.boS Sßicmoforte.. 

102. (Stuben für öcts 5J3ianoforte. 
«. §. ^onlj'oli @eip djaraftertfti^e dtüben. 

SBerl 9. 

®er SSerfaffer ift Drganift, man mufs ba§ roiffen, um fein Streben 
nter)r fä)ä|en %u lernen. ©§ brängt unb treibt Um in bie §öt)e, et möd)te 
bie gange SBelt mit feiner Shmft begIMen. Stber bie Gräfte finb noct) im*. 
entttriiMt; e§ ferjtt fogar bie ©icrjerfjeit im Secimifcfjen, Urteil unb ©e» 
fdmtacf. S« i eoer oer ©üben roirb ein guter SJhiftler etroaä ober biet 
auSgufetjen fjaben, namentlid) in ber mobulatorifdjen $orm. 28er roirb 
g. 33. in einem Keinen 2 Seiten langen ©tüd au3 @*moII fidj gleid) aus 
bem ©attel unb uaerj ©=bur werfen laffen, Wie in ber lften (Stube? ©o 
üermag ber SSetfaffer faft in feiner bie Sonart feftpfjatten, roa§ an einem 
Drganiften, ber boerj feinen Q. ©eb. Söactj !ennen mufj, boppelt wun* 
bert. ©3 enthalten bie *©tücfe aber aueb, mancfjeS (Smbfunbene; fo tjebt 
fict) ^lö^Itct) auf-©. 13 ein fdjöner träumerifä)er ©efang t)erbor. 3Bie er 
aber bortf)in gefommen, begreift man audj nierjt redjt; er pafat Weber 
gum Anfang noer) gum Verlauf be§ ©tücfeS, ftefjt überhaupt ifotiert in 
ber gangen. Sammlung. -Käcfjft biefem gragment fct)emt un§ bie teilte 
(Stube bielleicfjt bie befcE)etbenfte, boerj and) bie fettigfte. ©tüben finb e§ 
übrigens niäjt, fonbernSIiggen. SBir rjaften aber bafür, ber Äombonift 
muffe, um weitergufommen, biefe rtjctpfobtfctje gorm aufgeben, unb 
e§ würbe un§ ein Jpeft root)tgefe|tet gugen bei ber nacfjften Begegnung 
merjr erfreuen afö ein gweiteg boll ©figgen. In feinem löniglidjen %n* 
. ftrumente muft er ja ben SBert ausgefragter f unftform, wie fie 33ad) 
im ©rösten unb Meinften gibt, gu würbigen gelernt rjaben. 

t. SOlontag, Stoet (Stuben. 

SBerf 3. 

©in ebleS ©treben ffnidjt auefj au§ biefem 3Berfd)en be§ Äomboniften, 
auf ben wir nod) bor furgem aufmerffam gemadjt. £>od), fdjeint un§, 
grübelt er gu biet unb üerwidelt fidf) oft. dagegen fd)ü|t am erften 
arbeiten für ©efangftimmen. ®ag Qnftrument toerfut)r.t nur gu oft gum 
(Sjperimentieren, bie ©timme leitet wieber gur Statur gurüd. : '. ' 

gwar er wollte ©üben fdjreiben, aber gewif} aud) mefjr afö ba§, 
unb bor allem SRufil. ©ingelneS erferjeint gelungen; eine Söta'iwttfung 



102. Stuben für ba§ partoforte. 67 

bermiffen toir aber nodj, unb bte3 tommt tool)t pnt Seil bon ber fditoie* 
rigen Aufgabe, für SSilbung ber £>anb forgen unb autf) mufifatifct) 
feelenbotl erfreuten p toolten. 3to wenigen ausgezeichneten Talenten 
ift bieg p bereinigen gelungen. 3m ©tjarafter treffen bie beiben 
(Stuben im fäjtoernttttigen £one pfammen, boct) ift bie peite lebhafter, 
bie erfte finnenber. ®er tanonifcfie <Sct)tuf5fa| ber peiten tjebt bie 28ir= 
lung be§ $ortjerget)enben Beinahe gang auf; mir tjätten ü)n lieber ganj 
unterbringt. — 

M. t. efiertoeitt, 6 (Stuben. 
£>er SSerfaffer ift ein ©orm be§ SBetmatfdjen aRufttbirettor§. (Sr t)at, 
irren toir ntdjt, aufjer im bätertictjen §aufe and) bei £ummel Unterricht 
getjabt unb pg fböter nact) *ßari§, too er ftdj namentlid) aU Serjrer einen 
2Birfung3frei§ gebilbet. 

®ie berfütjrerifäjen ©irenenftimmen jener ©tabt ^aben feinen Dfjren 
übrigen^ bergebenS gefd)meid)elt. fein SOcenfd) mürbe bie (Stuben einem 
grangofen ptrauen, überalt fieljt ber fdjfldfjte eljrftdje Seutfdje t)erau3. 
Stufjer buret) torreftt)eit be3 @a|e§ unb gute gorm ^eidmen fict) bie 
(Stuben auä) burd) ü)re ßeid)tigteit au§, fie werben ben meiften (Spielern 
mittlerer traft gar feine metjr fein. 2>ie§ ift ein SSorpg bor bieten, bie 
afö tomtoofitionen aud) nid)t großem SSert t>aben. 3Benn bei ben SSor* 
pgen, bie mittun bie (Stuben befi|en, borau§pfe|en ift, bafj fie in ber 
unmittelbaren Umgebung be§ fomboniften,: ber ; 'pgteid) Seljrer ift, 
9ht|en ftiften toerben, fo glauben toir bod) nid)t, ba§ fie barüber t)inau§ 
bringen. ®ap fetrft e§ ilmen an Originalität, ©djtoung ber ^antafie, 
traft unb aud) an jener ©ragie, bie oft nod) größere ©iege erringt afö 
bie traft. 9lud) bie (Stube foll ijöfjeren gtoeden bienen afö bto§ med)a= 
nifdjen. ®ie§ toufjte fd)on (Sramer, unb toie tjaben fid) bie Reiten unb 
9Kenfd)en feitbem noctj.geänbert! (Stuben g. 58. toie bie erfte müßten 
. gar nidjt metjr gebrucft toerben; bergleiäjen rjaben toir fcfjon in tjun» 
berterlei formen gehabt. ®a§ ift aber eben ttjre fctjmädEjfte ©eite, bafs 
fie nid)t§ 3feue3, «öefonbereS geben, ßoben aber, toie gefagt, mufj man 
überall jenen einfachen unberftellten 2lu§bruct, toie er ber Rummel« 
fä)en ©d)ule übertäubt eigen. $ietteid)t, bafj in ben fbäteren §eften, 
bie ber tomöonift auf bem £itel berfbricr)t, er aucb, einen teeren Stuf- 
fcijtoung nimmt. Sie Qeitfc^rift toirb über bie gortfe|ung berieten. ■ 
(Sinfttoeiten toollen toir nod) auf bie (Stuben 5 unb 6, atö bie mufifalifd) 
intereffanteften, aufmerffam gemacht t)aben; namentlid) f erlägt 9fa.6 
einen un3 bon 33ad) t)er liebgetoorbenen Son an. — 

5* 



68 102. Stuben für faoä ißtanofotte. 

§. g. f uffera«), 6 tottjett=etübett. 

aBerl 2. 

(£§ finb biefe (Stuben ot)ne 'groeifel bk au§gegeid)netften, bie in legtet 
gett erfdjienen, fo fdjöne (Sigenfctjaften finben fic£) in ibnen bereinigt, 
greilid) bi§ gur Originalität ift ber junge Sünftter aud) nod) nidjt burd)* 
gebrodjen; er befunbet aber eine fo folibe Söilbnng, fo gefunben natür» 
lid)en ©efdjmad, ber fid) aud) ba§ SBefte bom teuften mit @efd)id ange* 
eignet, baft roir auf irm al§ auf einen tüchtigen tfabierlomboniften ber 
gulunft rennen lönnen. Um fo freubiger fbrecrjen mir bieü au§, ba roir 
int Slugeublide eben nid)t reid) an guter f labiermufif finb. 9tocrj ber 
fturmifd)en ©b>;binfd)en (Spotte, bie in £enfett, Sifgt unb Sfjalberg ifjre 
brei (Snbtounfte erreicht, fäjeint je|t ein ©tülftanb eintreten gu motten. 
®ie SJcecrjanif roar bi§ gur äufjerften £>öb> getrieben, e3 mufjte eine (Sr* 
fdjßüfung eintreten. ©d)on aber regt fidE) neues Beben. ®er tjotbe ©e* 
fang, oon fdjönen formen getragen, roitt feine Sftecfjte roieber, mit ©fjr* 
furcfjt erinnert man fid) roieber älterer tarnen.. ®ie folgen wirb bie 
näd)fte gufunft geigen. • ®iefe 23etrad)tungen fnitbfen roir gerabe an ben 
tarnen be§ jungen Sünftterä, ben roir eben nannten, roeit aud) ib> bie 
Ie|te @fcod)e nid)t unberührt gelaffen. 9(ber bie glutgeit t)at ü)n an ein 
fidjereS Ufer geworfen; bie Erfahrungen, bie er gemalt, roerben iJjm 
nur rjettfam fein, unb mit ben Sauren Äraft unb ©etbftänbigfeit road)fen. 
gn feinen (grüben fierjt man jene Qeit ber (Srregung nod) beuttid) naä)* 
roogen; fie gleiten etroa jenen rutjigeren Söaff erringen, roie fie nad) tjef» 
tigern ©türme Um Ufer peilen, ©etjen roir fie etroa§ genauer an! 
©leid) bie erfte (Stube nimmt für ben Äomboniften ein, roeniger burdj 
eigentümltctjiett at§ burd) SBorjüaut. ©ie erfdjeint roie ein groiegefang, 
ber fid) §«Xe|t gu einer EMobie berfdjmetgt, nid)t unätjntid) jenem Siebet 
buett 3Jcenbet§fot)n3 in feinen ».Siebern otnte Söorte«. ®er (Sinbrud be§ 
©angen ift rooljttuenb, roenn aud), roie gefagt, nid)t neu roirfenb. @eb,r 
fagt unl bie 2te ©tübe gu, bie in ü)rer ©legang, ifjrer feinen öaltung an 
3Jcofd)ele§ erinnern mödrte; fie besagt un§ burd)au§; roir roünfd)ten 
nid)t§ gugefe|t nod) weggenommen. ®ie 3te (2t*mott) fünbigt fid) im 
etjaralter aß b^umoriftifdier an; ber TOtteIfa|, namentlid) int ©efange 
in9ts*bur, bleibt aber t)inter ben (Srroartungen gurüä, man erwartete 
eine geiftreidjere Verarbeitung. ®ie testen Safte wünfcrjten Wir gang 
geftridjen. ®a§ gragiöfefte ©tüd ber Sammlung ift ob>e $weifet btö 
fotgenbe, ein recfjt garte§ Siebe§gebid)t, in gorm unb Haltung borgüglid) 



102. IStüben für i>aä panoforte. 69 

gelungen. ®af$ her lompomft audj. ©jobtn rennt unh liebt, geigt bie 
öte (Stube; jie fängt feb,r müh an, lenlt abeiMb in einen nü)igen SÄittel» 
fa|, her inbeS menig SlngietjenbeS £jat. ®aS ©ange fc^eintnnS mifcmadjfen. 
@S ift ein ©tüd, an bem her fömbonift biet geänbert tjaben mag. ®ie 
Einleitung §ur 6ten; Kummer erinnert offenbar an BeetbobenS ©iS* 
moIKSonate, mirit aber aud) int Slbgtanj; bie eigentliche ©tübe folgt 
erft; fie gehört p ben brillanten gigurenetühen, mie mir beren mehrere 
bon £enfett t)aben. ^antentüdj biefe fdjeint hen Stiel m rechtfertigen, 
mürbe aud), menn mir nidjt irren, in einem beigen fongerte bon bem 
ftomponiften gefbielt.. 

SluS hem Dbigen fieb,t man, bafj fid) her SSert her berfdjiebenen 
(Stuben nict)t gang gteicf) ift, unb bafj gerabe jene hie fc§mäd)eren, mo 
ein Borbilb beS tom^oniften erficljtlicfi mar. ®ieS gibt aber um fo metjr 
her Hoffnung 9ftaum, her Süomponift befi|e ein eigentümlidieS bolt» 
gültiges Satent,' baS fid) mit her Seit nocb, boütraftiger bjerauSbilben 
merbe. @o fefyen mir henn mit greuhen feiner ferneren ©ntmicfemng 
entgegen. . ■ 

g. Stfst, «tttbourftttbiett nad) 5ßagatttnt§ tajmcen für t»a§ 
^iaitoforte fiearfceitet. (£mei Abteilungen) 

ß 

Sag Drigittatoert tjetjät: 24 Capricci per Violino solo oomposti 
e dedicati agli artisti da N. Paganini. Oe. 1. ©tue Bearbeitung bon 
§mötf bon ifjnen burd) Stöbert ©cfmntann erfcfnen in 2 §eften bereite in 
ben Setzen 1833 unh 35. lud) in ^ßariS erfd)ien ein Arrangement, ein» 
§elner, be§ Samens beS Bearbeiters erinnert fiel) fRef. nietjt mefjr. Sie 
Stfgtfcfje (Sammlung enthält 5 Hummern au§ hen Capricci, bie 6fte ift 
eine Bearbeitung be§ belannten »©IMtrjen«* 9tonboS. IJ-3 iannrjier bon 
feiner pebantifdien 9fod)bu'bung, einer bloft b^rmonifcb,en Ausfüllung her 
Biolinftimnte bie 8lebe fetn;.baS f labier mirft burd) anbere äJHttel als 
bie Bioline.J .. 

©leictje (Sffelte, burd). melct)e äJciitel aud), tierborjubringen, mar t)ier 
hie micrjtigfte Stufgabe für hen Bearbeiter. ®aft fid) Sifgt aber auf hie 
äJättet unh (Sf fette feines ^nftruntentS berfief)t, meifj jeher, her u)n ge= 
tjßrt. es muJ3 alfo gemift bom t)öct)ften $ntereffe fein, hie Sombofitionen 
beS, maS fm)ne Brabour anbetrifft, größten Btolinbirtuofen beS %al)x* 
rmubertS, paganini, burd) ben fübnften SHabierbirtuofen her Se^eit, 
Sifgt, ausgelegt.su ehalten. (Sin Blic! in bie Sammlung, auf ha§. 



70 



102. dtitben für baS Sßianoforte. 



SBunberlicbe tote umgeftürgte Sfotengebälfe barin, genügt bem Singe, 
fiä) gu überzeugen, baf? e§ ftcf) t)ier um nictjtS SeicbteS tjanbelt. (SS ift, als 
ob Sifgt in bem SBerfe alle feine (Srfaljrungen nieberlegen, bie ©etjeim* ., 
" niffe feinet Spieles ber Stacbmelt überliefern mollte; er fonnte feine Ber* 
etjrung für ben großen beworbenen JHtnffter nicbt fctjöner betätigen, als 
burct) biefe bis inS Iteinfte forgfältig gearbeitete, mie ben ©eift beS Dri* 
ginals auf baS treuefte miberfbiegelnbe Übertragung^ SSenn bie Sctm* 
mannfclje Bearbeitung mebr bie ,boetifct)e (Seite ber Sombofition gur Sin* 
fctjauung bringen mollte, fo tjebt Sifgt, aber otme jene berlannt gu tjaben, 
mebr bie birtuofifdje tjerbor; er begeicbnet bie Stücfe gang xtc£)ttg mit 
»Brabourftubien«, mie man fie mobl aucl), öffentlich) bamit gu glänzen, 
fbielt. g re ffi^ merben'S if)tet menige fein, bie' fie gu bemältigen ber* 
ftänben, bietteictjt nicbt bier bis fünf auf ber ganzen meiten SBelt. ®teS 
!ann aber nicbt abgalten, bie.Sactje gu bezaubern, als ejiftiere fie nicl)t. 
®en r)öcE)ften @,bi|en ber Birtuofität freut man fiä) tt>ot)l aucb, in 
einiger (Sntfernung nabe gu fein. Betrachten mir manches in biefer 
Sammlung ©nttjaltene freilief) genauer, fo ift lein greifet, bafj ber 
mufifalifctje ©runbgetjalt mit ben mecljanifcljen ©ebtbierigfeiten oft in 
feinem Bertjältniffe ftel}t. §ier aber nimmt baS Söort » Stubie « bieleS 
in Sdm|. ^t)r follt eucl) eben üben, .gleicl)biet um melden Breis. 

(Sprechen mir es alfo aus, baf; biefe (Sammlung bielleicbt baS Sctjmie* 
rigfte ift, toaS für Mabier je gefctjrieben, ebenfo mie baS Original baS 
Scb,mierigfte, ma§ für Biotine. Baganini mollte bieg mol)l aucl) mit 
feiner febön fragen Sebüation „agli artisti" auSbrücfen, b. t). nur für 
Sünftler bin icl) gugänglicb. ttnb fo ift eS aucl) mit ber Mabierftimme 
SifgtS; Birtuofen bon gact) unb 9tang allein mirb fie einleuchten. ®ieS 
ber Stanbjmnft, bon beut biefe Sammlung gu beurteilen ift. ©ine ger* 
gliebernbe Unterfucfmng übrigens beS Originals mit ber Bearbeitung 
muffen mir uns berfagen, fie mürbe gubiet Staunt loften. Beibe in 
ben ^änben, get)t eS am beften. Qntereffant ift bie Bergleictmng ber 
erften ©tübe mit ebenberfelben nact) ber Scfmmannfdjen Bearbeitung, 
gu ber Sifgt felbft burct) Stbbrucf ber letzteren, Saft für Saft, finnig auf* 
forbert. Ign ber italienifcfyen SluSgabe ift e§ bie 6te Kaprice 47 *. S)ie 
letzte Stemmer bringt bie Bariationen, bie aucl) bie Originalausgabe 
befcbliefjen, biefelben, bie §. SB. (Srnft gu feinem »Benetianifctjen Aar* 
nebal« angeregt tjaben mögen; bie Sifgtfdje Bearbeitung galten mir für 
baS mufifatifcl) Qntereffantefte beS gangen SBerfeS; aber and) I)ier finbeu 
fiel), oft im fteinften 9taume bon einigen Saften Scbmierigfeiten ber 



102. (Stuben f. b. «ßtonofortc. — 108. -'Sßreisquartett ö. guliug ©djapter. 71 

immenfeften Slxt, berart, bafj toof)I Sif§t felbft barem §u ftubieren Mafien 
mag. SSet tiefe SSariationen bewältigt unb ginar in ber leichten neefen* 
ben Söeife, bafj fie, ftrie e§ fein foll, gleicb, einzelnen ©jenen eines 
^uppettftrietö an un§ borübergleiten, ber mag getroft bie SBelt be* 
reifen^ um mit golbenen Sorbeeren ein fetter *ßaganint*£if jt jurtt* 
julommen. 



103. ij3msquortett t)on Julius Staplet 

SSat)rf)aft beutfä)e§ 5ßed)! tmriglicrjeS $ecrj! 3Jcan f treibt ein $rei§* 
quartett au3, man finbet eine§ t)erau§, man brueft bie Partitur — unb 
gleiä) auf bem Sitel im tarnen be§ (Mrßnten felbft bleibt ein ®rucf* 
fegtet fielen! ©fablet ftatt mie oben fteb,t. 2lber e§ tut nicfjtg gur ©aetje! 
Soßen mir lieber für§ erfte bie 9M)ter 475 , bie biegmal ein meiir afö bloft 
gute§,. nac§ $orm unb ©dmlgefe.l richtiges ©tücf t)erau§gefunben, bann 
ben berichteten, ber aber, auet) meb,r, al§ eine blofs gute Sompofttion 
lieferte. ©cfym ber ©ebanle ber $rei§au§fct)retber, gerabe auf ein £mar= 
tett, toar gut. ßiranat, ba bie ©attung an fief) eine fo eble ift, eine ijöljere 
SSilbung ber Mmbfenben borau§fe|t, bann, ba in it)r ein bebenHidjer 
©tillftanb eingetreten mar. §arjbn§, $Ro%attö, 33eetl)oben§ Quartette, 
Wer rennte fie nietjt, wer bürfte einen ©tein auf fie werfen? Qft e§ genrift 
baZ f predjenbfte $eugni3 ber unjerftörbaren Seben§frifct)e üjrer ©cfjöüfun* 
gen, bafj fie noeb, nactj einem falben 3'atjrf)unbert alter §er§en erfreuen, 
fo boö) getoifi fein gute§ für bie fpätere tünftlergeneration, bafj fie in 
fo langem Zeiträume ntct)t§ Jenen 83ergleicf)bare§ ju fäjaffen bermoctjte, 
DnSlom allein fanb Sinflang unb fpäter 3Jcenbe'föfot)n, beffen ariftofratifcrj= 
poetifdjem ©t)arafter biefe Gattung aueb, befonberS jufagen mufj. Sfttfjer* 
bem liegen noef) in ben fpäteren S3eetf)obenfci)en Quartetten ©d)ä|e, 
bie bie SSelt !aum lennt, an benen fie noeb, jahrelang p t)eben b,at. 

©o finb toir ©eutfcfje benn feineStuegS arm; aber e§ tearen boct) 
nur toenige, bie ba3. Kapital toirftieb, mefjrten. Soben toir berat ben @e* 
banlen be§ 3Jlannt)eimer 3Jcufifberein3, bafj er t)ier anregte, unb freuen 
un§, bafj fein ©ebanfe erfreuliche gruct)t getragen. 3)er Urteile über 
ba§ ©crjaplerfcfje Quartett, finb öerfcb,iebene unb abfoeidjenbe gefällt; 
barin aber lamen fie überein, bafj e§ ettt>a§ S3efortbere§, ba$ fieb, nierjt 
gleicb, auf ben erften Site! §u erfennen gäbe. 



72 103. 5ßreigquartett üon ^uKmS ©äjapler. 

38er bie jäteten Strbeiten 35eettjoüen§ lennt, wirb anberg fbredjen. 
®er romantifd)e ^umor'biefer namentlich) t)at auf ben jungen fünft» 
ler geroirtt, unb ba er fetbft auggejeidmeter Stoieler unb fenner ber !gn» 
ftrumente, für bie er fdjrieb, mar er roenigfteng öon einer Seite bor 
gänalicfjem SRipngen ober ©rtabagans gefiebert. Sßiemanb leugne 
bor allem beut Quartett bag (Streben nad) fcijöner gorm ab. Qnt elften 
Satse erfdjeint fie ganj rein unb feft, im feiten in bumoriftifdjen Ber» 
rjäftniffen, bod) teinegroegg berjerrt. ®ag Slbagio t)at etroag btaffere 
Umriffe. ®er Ie|te Sa£ entf^rtetjt aber big auf ben etroag übereilten 
IRücfgang bem erfteren an Schärfe unb Stegelmäfjigleit. ®ie gorm ift 
alfo im Quartett bag roeniger 33efrembenbe ixfö bag ©eifrige. §ier 
ftoridjt ein anberer äftenfd) p ung afö bie rjunbert geröör)nlid)en, bieg 
füt)It man gleid). ®er pjüifter freutet) roirft afleS burdjeinanber; mag 
tr)m nietjt Hat, nennt er romantifd); mag er berftebt, flöfct tt)m §off» 
nung einer roieberlefjrenben gopfjeit ein; bann muntert er auf. Unb 
bieg freut am Quartettbreiggerid)t, bafj eg einmal einen ftcE) anberg unb 
neu augfbred)enben fünftler entbedte, ba$ eS an ben teitoeife un» 
geftümen ©tjarafter ber fombofition lein fdmtmeifterüdjeS Wa% an» 
legte. 

©ebört ^abe ict) bag Quartett leiber nidjt. ©g f)at mir aber innerttd) 
roiebergelumgen, id) roüftte leine bunlle ©teile. ©inen ber Sä|e befon» 
berg borjieljen möchte id) nidjt ; fie fterjen auefj in einem inneren gufammen» 
Ijange. ®en ©Ijaratter in furzen SBorten %u bejetermen: eine anfangs 
trübe elegifdje Stimmung fteigert fid) burdj §umor unb ruhigeren be» 
tradjtenben ©rnft ju lütjner energifdjer Sntenutft. ®ie SJhtftf fjat fä)on 
abnlidjeg unb jroar in berfelben $otge auggeftorocljen, unb namentlich, 
Iie|e fid) bag im 33eetf)obenfd)en Quartett in 9t»moIl nadjroeifen.. ©in 
bebeutenbeg Talent fbrid)t eg aber f)ier in feiner SBeife aug, unb eg ift 
tvotjl ber WUfye: inert, mit biefer 2fet unb Söeife fid) bertrauter ju machen. 
SSegrüfjen roir benn bag SBerl al§ ein eigentümliches, geiftbotleS, unb 
roeifen beutfdje Quartettbereine barauf I)in. SDer fünftler aber ftefje 
nid)t füll unb gebe batb' roieber Söeroeife ber tatfräftigen Stimmung, 
in ber roir ü)n sule|t berliefjen. „®en $retg beg SSettlaufg &u gemimten, 
barf man nid)t fter)n unb fid) befinnen" b>t er fid) felbft pm Sftotto gefegt, 
unb e§ gibt nod) anbere unb fjöfjere SSettläufe. ®ag ©lue! ^at i^nt fd)on 
einmal freunblid) jur Seite geftanben; er berftebe unb benu|e ben SBin!. 

gtoreftan. . 



104. (Streichquartette. 73 

104. Stmdjquartetie. 
■' §. ghcfipadi, 

Seben^Büber in einem Qtiffug öon Quartetten für jwei Stolinen, SMota unb Stoton* 
ceHo. (grfteS Quartett. SJSerl 1. 

S- S- $. «etldttlft 

Qroei Quartette für ^Biotine je. SBerJ 6. 

groei bei obigen Quartette finb fc£)on bor geraumer geit (f. 1. Quartett* 
morgen unb 4. u. 5. Quartettmorgen) aß ÜKanuftribte erroafmt ioorben. 
S8ir begrüßten fie, jebeS in berfdjiebener SBeife, afö bie erften größeren 
Stefultate talentreicfjer Söeftrebung unb bejeidmeten namentlich ha§ 
latent be§ (Srftgenannten at§ ein eigentümliches poetif djeS, toatjrenb unSi 
baS lebhafte bilbung§fät)ige Naturell be§ jungen §ouanber§ mit nicrjt. 1 
minberer £eilnat)me erfüllte. 

©eitbem mögen beibe junge Mnftfer noct) fleißig fottgearbeitet tjaben; 
bon bem einen ift e§ betannt, als SKufilbireitor eines SBongertbereinS 476 
brang fein 9tone ftfmeller in bie Sffentlictifeit. ®er anbete rjatte einen 
fcrjinereren ©taub; toaS !ümmert fiel) bie Sßelt um ein ©tcrjterftübtfjen, 
»erat eS -nitfjt getabe auf bet offenen fronte eines ^JMafteS gelegen? 
©o erfctjien benn bon feinen Sotnbofitionen bis je|t nur bie eine, ba§> 
erfte eines QtyUuZ bon Quartetten, bie er felbft » SebenSbilber « nannte 
unb mit SOtottoS aus ©oettjeS »$auft« überf einrieb. — ' 

3Jlan follte meinen, biete unferer Sefer müßten begierig nact) bem 
■elften -SBerle eine? jungen äKanneS greifen, ber in biefer geitfdjrift 
(f. 4. unb 5. bej. 1. Quartettmorgen, 95b. I, ©.343 bej. ©. '333) 
fetjon manetmtat ju ümen gefbroetjen, ber ibmen betahnt fein mufj burefj 
manche türme ^tufsemng. äJJan wirb baS £>öct)fte bon it)m bedangen, 
man ftnrb it}n mit bem Sßafje meffem mit htm er gemeffen.. 23er bieS 
bornimmt, toirb freiliä) an tfutt auspfeifen finben unb biet, brennt er 
aber ben Iritifdjen SDfenfdjen bom probuttiben, fo roirb er biefem bie Seil* 
natjme nicrjt berfagen !6nnen, bie mir jebem gölten muffen, ber fiefj mit 
eigner gauft eigne S3at)nen fuetjt. ©crnneicrjeln unb gefallen ttrifl er nidjt; 
fagt er'S boä) gleicrj in ben Mottos felbft, toaS er Will: „(SS möchte fein 
§unb fo länger leben" unb ,,^ct) grüfje biet), bu einzige P)ioIe, bie id) 
mit 2tnbad)t nun fjeruntertjole, in bir berer/t' id) !Kenfct)enrbi| unb lunft". 
®ie§ ift aufrichtig genug. QnbeS fetjaubere man nict)t §u fetjt bor feinet 
Pufif jutücf als bor einer menftfjen» unb lebenSfembticrjen, grabe it)r 



74 104. ©tradjqUattette. 

cmäj nidjt gu tief natf), ob fie ben (ginn bet gauftfctien SReben Buc£)ftäbItcE) 
toibergiBt. .^rren roir ntdjt, fo ftnb bie Überfcfjriften erft fbäter t)ingu= 
gefommen/atö bie gontbofitiou Beenbigt roar. ®er fomtoonift fanb in 
irjnen etroaS feinet auggef pro ebenen Stimmung im allgemeinen 33er* 
roanbte§, unb fie Raffen and) gumetft nur auf ben (£f)ara!ter be§ erften 
Sa|e3; bie anbern Sä|e, oBttot)! aueb, etnft, geigen ein roentger fcfjroet* 
mutig ftntbe§ ©eftdjt unb galten bte Belannten diarafteriftiftfjen ßeidjen 
folerjet <ga|e im gangen f eft. 

©eroifj, bet Sombonift fdjtteb au§ feiner Seele; ein heftiger. ®tang 
gum Schaffen ftoridit ftä) in allen Hummern feines Duartette3 unber» 
lennbar au§. ®en flüäjtigen SSeftreBungen anberer jungen Sombouiften 
gegenüber B,aBen bie feinigen jebenfallS etroa§ ©toftartigeä unb Stiftung* 
geBietenbeS. 9Jam fieBt e§, er tt>itt ein ®iä)ter genannt fein, er möchte 
fieb, überall ber ftereottj^en gorm entgierjen; 33eett)oben3 le|te öuar* 
tette gelten ü)m erft atö Anfänge einer neuen tooetifdjen $ra, in biefer 
teilt er fottroirien; £>at)bn unb 2Jcogart liegen ifjm roeit gutücf. go t>at 
er in ber Sat manches mit bem frangöfifd)en SSerliog. gemein: lütjue 
@ä)affluft, Vorliebe für grofse formen, .boetifdje IMage, teilroeife 33er* 
ac^tuug be§ Sitten — unb auä) ba§, bafj er, roie jener in früheren Sauren 
Sftebiginer, erft im 20ften fiel) gang ber äKufif roibmete. ®et leitete. Um* 
ftanb ift ertt>ät)nung§roert. SBer früt). ba§ ^anbroetf lernt, ttritb früt) ein 
SMfter, unb gerabe bie Qugenb ift ber (Sntmüfelung geroiffer gertigteiten 
am günftigften. ®a§ ©lud aber einer frühzeitigen richtigen Seitung 
fdjeint unfer iunftjünger nidt)t genoffen gu traben, dagegen braute er 
freiließ anbete Gräfte mit gum ©ienfte ber SJhifen, benen er ftdj nun 
ergeben, eine über^aufjt.üietfeitigete 93übung, mie man Bei ber Jütafte 
fonft nidjt fiubet. @r ift bet ©efcBjiäjte betttaut, et lennt bie. Sichtet alter 
Sauber, bie lämbfe ber ©egenroatt in betfdjiebenen 23egiet)uttgen finb 
it)m niä)t ftemb geblieBen- 38a§ SSunber, roenn ein in anbern ®ingen 
fo jueit borgefct)rittener güngting nun auäj in ber SJlufif niäjt mit bem 
§193© anfangen, ioenn er gleicfj frei reben unb bieten roill. %xn erften 
frifdjen. Stntauf gelingt aud) bieteg;. Bin unb ttriebet bricht abet boä) bie 
lüäenfyafte. S3itbung at§ SJhtfiter Innburd), unb man Bat bann ungefähr 
ba§> ©efütjt roie nad) einem ortt)ogra|)t)ifcE)en ©<i).ni|er in einem fonft 
getftreiä) gefc§riebenen Briefe. ätBnlidjem, unb nur noefj öfter, begegnet 
man in Serliogfcrjeu Äomfjofitionen. Sßir rootten bie einzelnen ©teilen 
im Duartett ntctjt anführen, benen jeber SÄufiler bie noäj unau§geBitbete 
§anb anmerft. ®et6rjarafter be§ ©angen, ba§> bartn borroaltenb.beutfctie 



/' 104. ©treidjquartette. 75 

(Gepräge fterjt fjöfjer. (SS ift ©tun unb äBatjtrjett in biefem SebenSbilbe, 
unb toaS ifmt an SKetfterfcEjaft abgebt, geigen bielleid)t fdjou bie fbäteren, 
bie ben gtjtluS bollenben follen. (Sinfttoeilen glaube er UnS nur nod) biefe§ : 
toir lieben baS Dringen ber Qugenb nad) Steuern, unb S3eetl)oben, ber bis 
gum Ic|ten Sltemguge rang, fteljt unS als ein IjoljeS ÜDhtfter menfdjüdjer 
©rbfje ba; aber in ben grudjtgärten SJlogartS unb £>at)bnS fielen and) 
fdjtoerbelabene SSäume, über bie fid) nidjt fo leicfjt l)intoegfef)en läfjt, 
ober man überlebt fid) eines berebelnben ©enuffeS gu feinem ©djaben 
fo lange, Bi§ man, nadj anberen umfonft in ber Söelt umtjerfuäjenb, 
enblid) bod) toieberauf jene gurüdfomntt, aber bann gu fbät unb oft 
mit einem ertalteten bergen, baS ntcrjt meljr gu genießen, ober mit 
gitternben öänben, bie nidjt mefjr gu bitben berfte^en 477 . , 

gn jene grud)tgärten f)at ber anbre junge fünftler, ben mir oben 
genannt, bei weitem mefjr fjineingefdjaut; man merlt eS ifmt an, er 
füfjlt ftcE) gtücflid) in feinem Berufe, ,9Kufif er gu fein; er toill bor allem 
SKufil, frönen Mang; gauftfcfje Sftebengebanten t)egt ex : nid)t. ©djon 
bei Söefbredjung einer feiner Dubertüren (33b. I, @. 419) begeidmeten 
toir bie 9fct feines SnlenteS unb bie ifjm entfpredjenbe Md)tung; toir 
toüfjten bem bort ©efagten laum etroaS fjingugufügen. 2IIS öatartett* 
ftilift im befonbern geigt er eine entfcrjiebene SSefäljigung aud) biefer 
©attung; er tjat Ü)ren roafjren ßfjarafter gefaxt, jebe ©timme fucfjt fid) 
felbftänbig gu galten, fie toinben unb freugen fid) oft intereffant, genug; 
nur manchmal überfällt if)n eine Slrt finfoniftifcrjer guror, too er ben 
befdjeibenen SSieren Dräjeftertoirfungen abgtoingen mödjte. ®er fttit* 
folge nad) ift baS mit ÜJfc. 2 begeidmete Xinartett baS guerft entftanbene. 
©S gefjt au§ einer im Quartett toot)t nod) ungebrauchten Tonart, ber 
in 2tS»bur, unb bjat feine ©cfytoierigfeiten. Qu gorm unb gb*3£ ber ©ä|e 
ftrebt e§ fid) ben älteren oben genannten SJMftern angufdjliejsen. gm 
ßfjarafter Ijerrfdit ^eiterieit unb SebenSluft bor, nur an eingelnen ©teilen 
bon Säuberungen finnigeren (SrnfteS burdjbrodien. ®ie melobif c£)e güfjrung 
fjat nod) fein entfd)ieben originelles ©epräge; eingelne lebhafte 91uS* 
brüdje erinnern an SKenbelSfofjnfcrjeS. ®urä)toeg gu rüljmeu ift aber 
bie afteinfjeit beS @a|eS in feinen oft fünftltdien 3Serfted)tungen. ©o 
iann benn baS ©ange, gut einftubiert unb borgetragen, nur einen gün* 
fügen ©inbrucf fjerborbringen. ®er beS gtoeiten DuartettS, baS in ®*molI 
gefdjrieben, ift ein bielleidjt nod) günftigerer. S)a beibe lurg nadjeinan* 
ber gefdjrieben fdjeinen, fo finben fid) toof)I eingelne Sljnlid)!eiten; jeben* 
falls betoegt fid) aber ber Sombonift im gtoeiten nod) leichter unb ge^ 



76 104. (Streichquartette. — 105. Sie »Seonoreit«£>ubertfiren Sott SSeet^oöen. 

fäjicfter, Wogu auty bie leichtere gonart Beigetragen. 2>er erfte @a|.raufä)t 
flüchtig borbei; ber jtneüe £au»tgefang, ber faft einen $arentb,efen* 
äjaratrer r)at, lönnte bebeutenber fein, unb wo er transponiert wieber» 
Iet)rt, Wunbert bie beranberte Weniger gute Harmonie. . £>en ©äjwfi 
wünfdjten wir ebenfalls bebeutenber: er briäjt gu frag ab, als r)ätte ber 
fombonift bie £uft an feiner Arbeit bertoren gehabt. 8m Stbagio ergebt 
er fiä) aber lieber gu einer erfreulichen £>af)e ber Stimmung. ®er 3te 
unb 4te 2a!t erinnern wotjl an ein SRogartfä)e§ Sljema im »®on Suan«; 
ba§ @tüä burä)giet)t aber im übrigen eine fo frifctje (Stubfinbung, Wie 
fie nur ber $ugenb eigen; geroiffe Heine I)armonifä)e Mufäjungen machen 
e§ gang befonberS angieljenb. ®a§ <Sä)ergo benimmt fiä) munter, auf- 
geräumt tro| ber SMItonart; je fecfer ber Vortrag, je met)r e§ roirfen wirb. 
2>er le|te @a| fängt mit bem testen ber » t)eroifä)en « Sinfonie an, beinahe 
buä)ftablid). $fi ba§ bem tomtooniften entgangen? SSenn niä)t,. warum 
lief; er eS fielen? S3alb aber rjttpft ein eigener ©ebanfe Ijerbor; Sello 
unb S3ratfci)e fangen fiä) gu necten an, unb ba§ luftige (Spiel get>t I)übfä) 
bonftatten. S)er tnäul berwicfelt fiä) mef)r. unb metjr unb brofji fiä) gu 
berwirren. ®od) löft fiä) ha§ ©ange noä) gefänät unb fäjliefst im gelten 
£>ra etwas bombaftifä), bocb, niä)t, bafj man b^m Somüoraften beSfjalb 
gram Werben bürfte. @o feien benn bie 23eftrebungen'biefeS jungen 
SMnftlerS ber SSelt auf baS lebtjaftefte empfohlen. ®er eigentliche 
SebenSfmnft eineS SSerleS läfst fiä) nie mit SBorten naä)Weifen; barum 
ffriele unb fjöre man felbft. ®er Mnfiler geige fiä) aber balb wieber auf 
einem Terrain, auf bem.gufj gu f äffen freiliä) niä)t§ £eiä)teS ift; über 
bem äufierliäjen Erfolg ftebt aber, ber innere ©ewinn, ben. jebe Kraft- 
übung im (Schwierigen babonträgt, unb beffen folgen fiä) ber gangen 
übrigen SBirtfamteit beS ÄünftlerS ^eitfam mitteilen.; , 



105. £>te »£eott0rert«*Out>ertürert oon 33eetf)ot)en. 

SJiit greuben Wirb fiä) mancher jenes IbenbS. erinnern, als baZ Selb* 
giger Drä)efter unter 3)cenbeföfot)n§ Seitung unS alle bter Dubertüren gu 
»Seo.nore« naä)einanber t)ören lief?, ®ie geitfäjrift berichtete, fä)on 
früher barüber 478 . Sßir fommen bleute wieber barauf gurücl, ba foeben 



105. ®te »£eottoren«*Oaberttott öon SBeefljoben. 77 

bie 4te ber Dubertüren (ber ©ntftef)ung nad) bte 2te) im ©tid) erfduenen 
ift, bor ber §anb nur in (Stimmen, betten aber balb bie Partitur folgen 
toirb. 

Über bie ^Reihenfolge, in ber Söeettjoben bie Dubertüren fdjrieb, 
!ann faum ein gtteifel fein. S3tettetdjt, ba§ mancher bie eben erfdnenene 
f fit bie ifte galten fönnte, bie SSeettjoben übertäubt %u feiner Dtoer 
enitoorfen, ba fie ganj ben ©fjarafter eine§ fügten erften 2Mauf§ 
tjat, toie in ber fmftigften greube über ba§ bollenbete SSerigefduieben 
fcrjeint, ba§ in ben §auf)täfigen fie im Heineren 9?aum toiberföiegelt. 
®en Stoeifel befeitigt aber @d)mbter§ Sud) auf baä boltftänbigfte 
(6. 58). Sfocrj beffen beftimmter SSerfidjerung behält e§ fidj folgenber* 
mafjen bamit. S3eetf)oben fcrjrieb erft bie Dubertüre, bie fbäter bei 
%. §a§Iinger aU SSerf 138 nad) 33eetf)oben§ £ob erfd)ien; fie tourbe 
in SBien nur bor einer Keinen f eunerfdjar gefbielt, aber einftimmig 
für „gu letdjt" befunben. S5eetb,oben, gereift, fdnieb je|t bie Duber* 
tüte, bie foeben bei S3reitfo,bf nnb prtel erfdjienen, anberte aber 
aud) biefe, toorauS bie befannte in (Rmr atö Sftr. 3 jit bejeidmenbe 
entftanb. Sie 4te Dubertüre enbtid) in @=bur fdnieb 93eetf)oben 
erft im $af)re 1815, ofö »gibelio« toieber auf ba§ 9fe£ertoire gebraut 
tourbe. 

®afj bie 3te ber Dubertfiren bie tbirfung§boItfte .unb Jünftlerifd) 
botlenbetfte, barin ftimmen faft alle Sftufifer übereim (Silage man 
aber aud) bie lfte nidjt jn gering an; fie ift bi§ auf eine matte ©teile ' 
(?ßott. @. 18) ein fd)öne§ ftifd)e§ 3JlufifftM unb 33eett)oben§ gar ioofjl 
toürbig. Einleitung, Übergang in§ OTegro, ba§> erfte £t»ema, bie (Sr* 
innerung an gtoreftan§ Slrie, baZ ©refcenbo am @ä)lufs — btö reiche 
®emüt be§ 3Mfter§ btid,t au§ allem biefem. ^ntereffanter finb freilieft, 
bie Schiebungen, in benen bie 2te unb 3te ftef)t. £ier föfjt fid) ber fünft- 
ler red)t beutttd) in feiner SBerlftatt belauften. SSie er änberte, rote er 
bertoarf, ©ebanlen unb ^nftrumentation, tote er fid) in leiner bon feiner 
gloreftanjdien 2ftie Io3mad)en lann, toie fid) bie brei StnfangStalte biefer 
Slrie bur 5). ba§ gange ©tücf Ijinsiefjen, toie er and) ben Srombetenruf 
flinter ber ©jene niä)t aufgeben !ann, üjn in ber 3ten Dubertüre noä) 
toeit ferner anbringt afö in ber 2ten, toie er nid)t rut)t unb raftet, bafi 
fein SBerJ p ber Sßollenbung gelange, toie toir e§ in ber 3ten betounbern, 
— bie§ ju beobachten unb p. bergleidjen gehört p. bem ^ntereffanteften 
unb SSitbenbften, toa§ ber f unftjünger bornet)men, für fidj benu|en lann. 
Sie gern motten toir bie beiben Söerle <Sä)xiü bor ©djritt berfolgen. 



78 



105. ©te »2eonoren«»Dut>ertüren öon 93eetIjobeit. 



3)ie§ gelingt mit ben Partituren in ber £>anb mit ©enufj roeit Beffer 
als mit 33ucf)ftaben auf bem. Rapier, roe3b,alb mir nur in lurjem bie 
tt>efentlid)en Unterfetjiebe berührten, üftocl) eineg UmftanbeS muffen nur 
gebenfen. gn ber Partitur, bie fidj im 33efi|e ber @§.J8reitlo;pf unb 
Partei befanb, fehlten leiber pm Säjlufj einige SÖIätter. Quxn Qmä 
ber 2lu§fiu)rung in ben Ijiefigen Sonderten nmrbe biefe Stiele burd) 
eine entffirectjenbe ©teile au§ ber 3ten Dubertüre ergänzt unb biefe 
in ber gebauten 21u§gabe burä) ©ternäjen begeidmet. ^ebenfalls 
roar bieg ba§ einzig ©djicflictie, baZ fictj tun lieft. ®er Dirigent Ijat 
nun aber freilief) p tun, ba§ Dräjefter fo anzutreiben, baft bie ©teile . 



t^ ^- 



i 



#: 



(21 Saite bor bem ©ctjlufj) ttidjt §u langfam gegen ben SCnfang be§ 
$refto 

8va — — — — — — 

•»■'■ 
=1= 



rjitttertjer lomme. S>er Übelftanb toäre bermieben roorben, roenn man 
naef) bem Saite 



|^=^ 



ber 2ten Dubertüre (lfte SSiolinftimme, 9te§ ©tjftem, le|ter Saft) 
bielleicfjt gleich mit beut fff ber 2ten Dutoertüre auf @. 68 ber Partitur 
fortgefahren roäre. S>er SSerluft ber Keinen SSarianten in ber ^nftrumen* 
tation, ben ba§ gänjlic^e aufgeben be§ $refio naä) ber erften SeSart mit 
fiel) brächte, fdjeint un§ lein großer. 91nbererfeit§ mufj man freilief) bie 
Sßietät gelten laffen, bie leinen Salt opfern toollte. ©ollte fiel) aber in 
ber SSelt leine groeite Slbfcrjrift ber Dubertüre borfinben, bie aucl) ben 
bollftänbigen ©cljlufj enthielte* 79 ? 



106. Sret SßreiSfonoten. 79 

106. £>tet gketsjonaten 

für bo§ ^ianofotte iottfyimitxt von St %oUtotiUt in gSetetSßurg, 
& (£. Seimljarb in Smtfiatt «ttb & ^. <£• §attmottn itt ihjpenljagett. 

(Mrönt öom 5)5rei§ittftttut be§ 3?orbbeHtfä)en 3Rufi!öeremS in Hamburg. 

Obige SBerte laffen fic£) fügtid). au§ groei ©efidjtSpunlten betradjten: 
atö $rei§fonaten, — atö (Sonaten übertäubt. ®iefe fönnten atlenfalfö 
SSerfudje fein, unb fie roürben fdjon ber rtmrbigen gorm falber, in ber 
fie auftreten, bie Stjmpattnen be§ fritiferä füt fid) rjaben; an jene [teilt 
man fixere $nffcrüd)e,: roie ettoa an gefrönte pubter felbft, bie betn 
SSoIle borangefjen [ollen in alter 2irt. greitid) in ber Shtnft gibt e§ lein 
(Srbredjt; üjre fronen roolten berbtent fein, unb an htm Sorbeer, ef)e er 
auf einem ®id)tertjaubte feft fi|t, gerren oft taufenb £anbe unb nidjt in 
ber beften 2tbfid)t. JHinftlerifdje Sßettfämtofe finb benn gut bagu, Satente 
fdmelter guerforfdjen unb ber ^elt'befanntgumad)eu. Broar ber tritt! 
finb fie be§b,atb nod) nid)t entzogen, aber ber SKaffe imponiert ein *ßrei§* 
toÜegium immer, ttie ben tünfttern : felbft, bie fid) trmtja fonft nidjt 
unterworfen rjaben roürtien. S)af; aber offenbar Sdjted)tem bon au§= 
getoäpen altern ein Ärang gugefprod^en roürbe, roare beifpieltoS. 
aSerbienfttidjeg mag benn auä) burdj ben Ie|ten SBettlampf einiget erhielt 
roorben fein. " 

SSon ben brei «Siegern roar bem *ßublifum bielleidjt nur ber britte 
betannt; bie gtoei anbern Ratten bieüeidjt nod) lange arbeiten unb roarten 
muffen, ef/e ü)re Sternen ber öffentlictjen Stufmertfamfeit für roert be* 
funben roorben. Sftan roeif;, ber 3fluf ift je£t nictjt meb,r fo rootjlfeit afö 
fonft; fie werben atfo bie ©unft Stpottö gu ttürbigen berftefjen. Set)en 
roir je|t ab bon alten äufjerüdjen gntereffen unb bie fompofitionen felbft 
etroa§ genauer an. 

®ie er fte (Sonate gef)t au§ @=mo!t. ®ie $o!ge ber Sä|e ift bie 
getoöfjnüäje. 3Sa§ fie mufifalifd) au§fprid)t, ift niä)t neu, qtte§; aud) 
nid)t Sftufif. ®er tomponift fterjt einigermaßen nod) unter ber iperrfdtaft 
bei SBirtuofen, bod) bringt er nirgenbl gerabeguittrjalttofeS ^affagenroerf. 
§ier unb ha büdt Rummel aföSSorbüb burd), aud) jüngere fomboniften 
fdjeint er gu lennen unb gu tieben. ®a§ gnftrument ift mirtungSbott, 
in moberner SSeife betjanbett, roie benn ber fomponift überhaupt ein 
brillanter Spieler fdieint. Sict) afö teueren gu geigen, gibt bie Sonate 



80 106. Sm SßraSfonctten. 

btelfacEje (Gelegenheit; be3l)atb fbielt fie audj oft in bte ^onjertform 
hinüber. ®amit ift jugleid) gefagt, t>a| t^r nicE)t jener auSbauernb 
innige feelenbolle ©Ijarafter innetootjne toie %. 23. SSeetljobenfdjen ©o= 
naten, namentlich ber legten (Spodje. SSo inäre aber aucb, ©Ieic|e§ ober 
nur $t)nlicfje§ §u finben? — SSon ben einzelnen @ä|en fäjeint uns> ber 
erfte, snenn auch, nicrjt bon meifterlicfjem ©uft, bocb, ber frifä)efte unb 
fräftigfte. ®ie Partie, too fici) ber 3Mfter am fidjerften erprobt, bie ®urcrj= 
fütjrung in ber SKitte be§ @tücfe§ bi§ pm SRüctgang, ift nidjt unintereffant, 
bod) etoa§ fd)tt>erfällig; ber ^ombonift tjatte fidj naä) ©e§=bur (bon 
@=moII au§) berirrt, ba gab e3 benn einen fc£)tt>erett SRüctoeg; ber ©.bieler 
Ijat babei genrifj biefelbe ©ntbfinbung, toie ber ®omtoonift t)atte, toafjrenb 
er fdjrieb. ©inige tribiale ©teilen finben ficrj toie fä)on im erften Seile be§ 
erften @a|e§, fo aucb, im 3KitteIfa|e biefeg (fo @. 5, ©bft. 2 bon Salt 4 
an; @. 7, ©bft. 4 unb 5; @. 9, ©bft. 6). dagegen gefaßt un§ ber @d)tu§ 
bon ©. 14, ©rjft. 4 an borjüglicb,; bie (Sinfüf)rung be§ erften Sfyemag 
gef crjief)t I)ier leictjt, frei unb tooljltuenb. 63 folgt ein ©äiergo im 2 /4 s Salt, 
in berfetbeu Sona'rt; e§ ift artig unb Ijat ein anmutiges Srio. ©teilen 
tote ©. 19, ©rjft. 2 bon Satt 5 an f feinen un§ aber ju too^Ifeü unb ge= 
I)ören am toenigften in eine *ßrei§fonate. gm toba fagt un§ bi§ auf 
einige berbraucrjte SBieberfjoIungen toieber ber ©crjlufj feljr %u. ®a§ 
2lnbantino beginnt mit einem innigen ©efang, ber an ein SJiotib be§ 
erften ©a|e§ antlingt; toir tx>ünfct)ten e§ in biefem (Stjarafter feftgeljalten. 
@. 23 gerät aber ber Äombonift in einen unbegreiflichen Born, ber fiel), 
toie oft bei SHabierfbietem, in maffigen Dftabengängen au§Iäfjt. ®iefe 
©teile berleibet un3 ben ©a|. %c& %m.<xlz toirb burä) ein paar Über» 
gangStafte mit bem Stnbantino berbunben; toir muffen tf)n leiber für 
ben getjaltlofeften @a| ber ©onäte erllären, er ift niet)t einmal in ber 
gorm geraten unb bolt bon ©emeiubtälen, U)ie toir fie ft>or)I in SSirtuofen* 
ftücfen enifcrjulbigen, nicfjt aber in ^omboniftenleifiungen. (£» tut un§ 
leib, bie SKeinung ber ,£>§• $rei§rict)ter 480 t)ier nicfjt teilen %u lönnen. 
S>a§ Salent, btö fiä) in ben borbern ©ä|en au§fprict)t, ^at fie offenbar bie 
©iJiniääjen begleiten überfein laffen. 

SBir lommen §ur juieiten ©onate bom ®omboniften Sonata quasi 
Fantasia genannt; fie ift mel)r fonberbar al§ fä)ön, in gemiffer SIrt ort* 
ginell. ®er JJombonift I)at ftcE) nämliti) barauf fabrigiert, bie ©onate, 
fogar in ü)ren S^ebenteilen, über ein Sfjema ju machen. 3ßetc£)e brücfenbe 
geffel er fid) bamit angelegt, ftnrb er felbft am beften toiffen; immer 
berbient aber eine foldie ©elbftbefdjränfung ein getoiffe§ Sob, ba% mir 



106. Srei «ßreisfonoten. 81 

um fo lieber _fbenben, je meljr mir überzeugt tob, ba% e§ ü)m anbere, 
bie bon ber (Sdtoierigfeit einer foldfen Arbeit feinen Segriff Mafien, 
ntdjt fbenben toerben. ®enn freilieft, — toa§ l)at er erreicht burcE) biefe 
«Sonberbarfeit? ©ein Stüif leibet an einer faft abmattenben ©införmig* 
feit, unb bie Shmft erfetst nidjt, ino bie 9fatur mangelt., SSir toffen toofy 
bon 23aä) unb anbern bettocfelt fombimerenben Stopfern, roie fie auf 
toenige Safte, oft Steten, ganj nmnberfam gefügte Stücfe gegrünbet, burd) 
bie fidE) jene 2tnfang§tinien in uugäpgen SSerfdjIingungen ftoburä)§iet)en, 
bon fünften, bereu innerem DI)r fo beu>unbern§toürbig fein frlmf, 
bafj baZ äußere bie Sunft erft mit §ilfe be§ 21uge§ getoarjr torb.. Stber 
fie toaren 3Mfter ber erften Drbnung, benen in Saune gelang, roa§ bem 
jünger (Scfytoeifjtrotofen foftet. ^fjre tiefe r)armonifc()e Shmft gettmljrte 
menigften§ bon biefer Seite ein Sntereffe. ®er obigen (Sonate unb itjrem 
Somboniften toolfen mir ben befteu 3Sillen unb baZ ernfte (Streben, 
au§ wenigem biel Ejerborpäatibern, , nitf)t abfbretfien; aber ber ©inbruef 
feiner Sompofition fbrtot bafür, bajj er mit feiner Arbeit; etoa§ Un* 
banlbare» unternommen, bafj er feine &äfte. in einer. unnatürlichen 
Spannung berfuäjt, bie auet). bem tool)Itt)ollenbeu SSefiäjauer ein W$* 
belagern berurfa^enmto. 9fod) bap ift ba§ ©runbttjema nicbjt einmal 
fein eigen tob unterfäjeibet fid) nur rljbtf>mifct) bom erften £f)emaber 
Seet^obenfctien 21*<Sonate. für Sßianoforte unb SSioline ober, geljt.man 
nod) weiter jurücf, bon ber guge in ©=molI au§ bem;>>.aßol)Itemperierten 
SHabier« bon SSacf), 91nbererfeit§ erinnert bie 2trt. feinet 2Iuftreten§ an 
bie le|te groffe (Sonate in ©=molI. bon 2Seett)oben. ®abon abgefetjen, 
fo Ijat, ber Sombonift au§ ton gemacht, toaS e§ nur irgenb Ijergab. @3 
etftfjemt in too^l 50 berfc^iebenen ©eftalten, afö SJMobie, afe 33a£s, 
al§ SJcittelfttome,, per. augmentationem simplicem unb duplicem, 
be§gleid)en. per diminutionem, toorjl aud) in (5ngfül)rungen.uftt>.,uto. 
gm erften Satse intereffiert ba§ noefi. beginnt aber ba§ Stbagio toieber 
mit ber ^tgur,.bann ba§ Säjerjo unb bann ba§ finale unb, ttie ge= 
fagt, nietjt allein in bem £>aubtv fonbern aud) in ben ^ebeutljemaS, 
fo möchte ficE) ba§ Dfjx apatfnfct) abtoenben, ba§ fo unbarmherzig bon bem 



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berfolgt mirb. S)ie§ ift btö gubtel ber ©urcrjfütjruug, baS> nal)e an un* 
ltoftlerifd)e SCbfictjt grengt; ftatt lebenbiger %at trodene gormel. Slber 

SRoBect ©ämmcmn« ßef. Schriften. II. ß 



82 



106. ©rei SßreiSfonatett. 



aud) btefer 2lrt ber Sombofitkm wollen wir nid)t entgegentreten, foBatb 
fte ftcE) gibt atö t»a§ fie ift, afö Stubie für ben jungen tomtoontften felbft. 
$ür eine $re-i§fonate aber, um bie ftd6> ein eben erteilter Sorbeer an» 
fdjmiegt, Ratten wir bie Saclje für §u gemacht. $m übrigen finb mir/ 
rote gefagt, weit entfernt, beut Sombonifien ein fd)ä|en§werte§ Talent, 
ba3 bei guten SJcuftern in bie Sdmle gegangen, abjutfbreä)en. (Sr will 
nur bielleidjt ju biel unb tötet am @nbe ben jfteft Sßaibität, ber nod) in 
it)m fein mag. (Sagt ifjnt ba§ nie eine innere Stimme? Ober ift er fäjon 
glütfiid) an jenem &eujweg borüber, wo ficE) 3catur unb Slffeftation 
trennen? 

®ie britte Sonate liegt un§ nod) bor, biefelbe, bie ben legten 
•preis babongetragen. ®a blidt un§ benn gletd) ein finniges ©emüt ent* 
gegen; im fronen gluffe ber ©eban!eu bewegt fiä) bie £omf3ofition 
bbrwärtS; neue treten Ijinp, bie alten tauten wieber auf; fie umfdjlin* 
gen ftd), trennen ftd) wieber. 2öie eine fdjöne ©rubüe loft ftd) ba$ ©anje 
unb berfdjwinbet leidjt unb anmutig, wie eS begonnen. Sßaä) biefem 
Stüde fütjlt man ben ®rud einer Sünfiterrjanb; nur einer folgen lonnte 
baS gelingen. ©ine 9toman§e Ijebt an, nad) einem etwas Ijerben $or= 
ffnele biefe felbft; mit mtlbem ©rnft wirb uns etwas erjagt, ba§> wir 
fäjon gehört ju Ijaben glauben. ®a§ ©ange feffelt nod) immer, wenn es 
un§ aud) nid)t ben erften Sa| bergeffen madjt. ©in Sdjergo ber t)üb» 
fdjefien 9lrt folgt, in anmutiger golge wedjfeln ftarle unb leife Stimmen 
unb natjen unb fliegen; ba§ %x\o erltingt wie bie SJtoljnung eines %xz\m* 
be§; aber ho& Sieden ber erfteren beginnt bon neuem. S)a8 ginate weiä)t 
öom früheren an§iet)enben Sfobeltendjaralter ber Sonate etroa§ ab unb 
greift %v. ftärleren färben, gieret) als Ijätte ber ^omtoonift ein Drdjefter» 
ftüc! bamit erfetjen Wollen. (SS gefällt unS an ber Sonate am wenigften; 
immer aber gewahrt man and) an it)m bie tüdjtige §anb eines SRufiferS, 
ber mit 2lbfid)t etwas SMnftlidjereS liefern wollte. ®iefer bor allen, 
Hang eS naä) ber Sonate in unS, gebührt ein SßreiS, unb in ü)r roieber 
bor ben anbern htm erften Satse. SSenn roir in ber erften (bon SSolt* 
Weiler) einen Slabierfüieler erlannten, ber fiä) mit Snlent aud) ber 
fotubofition jugewenbet, in ber anbern (bon Seontjarb) einen SRu= 
filer, ber fiä) ben Sßeg jur SSoltenbung burd) SSerftanbeSfbiete in etwas 
IM erfdjweren fct)eint, fo fbriäjt aus ber bon % $. ©. "partmann ber 
Mtnftler ju unS, ber unS berfölmt burd) bie tjarmonifäje SluSbübung 
fetner Gräfte, ber, §err ber g-orm, lein Sltabe feiner ($efüt)Ie, un§ über» 
all p ruberen unb feffeln berftel)t. 



106. Sret Sßragfotmten. — 107. Sieberfdjau. 83 

®ie§ ift unfere SMnung, unb meidet fie einigermaßen bon ber ber 
$rei§ricf)ter ab, fo fei bamit in feinem gälte ifyr guter SSille in fjtoeifef 
gebogen, ba§ SJetbtenft nact) SBürben ju belohnen. 916er e§ ift fdjtoie* 
xiger, au§ fünfzig SDfenfcrjen ben beften l)erau§pfinben, aß au§ breien. 
Unb bann — and) mir lönnen irren, unfere Ibfictjt aber mar bie 
befte. — ■ 



107. ßieöerfdjau. 

$. g. ®uffera% @edj§ Siebet tum fft. »inntS mit ^Begleitung 
be§ ^ianoforte. 

SSerf 3. 

33urn§ ift ber Siebling§bic£)ter ber leidigen jungen Somponiften 
©etotß tjat ber poetifcfje „^flüger bon ®umfrie§" e§ nie bermutet, baß 
feine Sieber, p benen er meiften§ burcb, alte 3Mf§meIobien angeregt 
tourbe, nacfj beinahe B,unbert Sauren, fo biele anbere SSeifen ertoeden 
toürben, aucb/ jcnfeitS be§ ®anafö. 3n £errn tufferatfj t)at er einen 
fet)r begabten ©änger gefnnben. ®er £on ber Steber ift glücMtd) unb 
atmet fäiottifäjen ©fjaralter. eine getoiffe (Sinförmigfeit ber äJMobten 
erfcEjetnt Ijier afö unbermeibüct); fie gleiten ftdE) .-alte fef)r, namentlich im 
lfteu unb 4ten Siebe, bie jugleicb, an btö unter bem £ttel »MicMemma « 
befannte itatienifc^e SSolMieb erinnern. $m übrigen geigt ber junge 
fomponift in allen Talent unb ©efcb,macf, in bielen einzelnen 3ügen 
aucb, bie feinere 95ilbung be§ mobernen ®ünftler§, fo baß bte§ fein erfte§ 
©efangtoerf bem SUlufiler toie bem Säten gletcb, toülfommen fein muß. 
Sfocb, fjaben bie Sieber faft burcrjgättgig ba§> befonbere, baß bie Mabier» 
begleitung meift mit ber SMobie jufammenget)t, fo baß jene aucb, ofnte 
©efang fetbftänbig befielen ifönnte. (S§ ift bieg gerabe fein SSorgug einer 
Sieberfompofition unb namentlich für ben Sänger beengenb; mir be= 
gegnen äb,nlict)em aber bei allen jungen Sotuponiften, bie fic| borjugg* 
toeife früher mit ^nftrumentaltombofition befestigten. ®ie§ f)inbert 
aber ntetjt, ben Siebern be§ unfrigen innerlicliett ©efanggeljalt p§u* 
fprectjen, tote fie ftcb, benn aucb, fe^r leicl)t fingen unb rafäj anüingen. ®er 
tomponift geige fict) nocb, oft auf bem Gebiete, auf bem er fo glücfticb, unb 
aufmunterung§toert begonnen. — 

6* 



84 107. Sieberfc&au. 

tatf Sölltter, »StefieSfritpttg« Don %. »fidetfc 

Sßeutt Sieber mit Begleitung bes> $icmoforte. 

®iefe Sieber ergeben ficb, tt>eit übet bie rottetmäf$igieit, toie fie in 
neuefter Qät im Sieberfacb, r»al)rl)aft entfefeenb übert)anbgenommen. 
28it machen bob;beIt aufmertfam auf fie, bie im Slnfange fcpcrjt, rool)t 
gar etroaS profaifä) erfctjeinenb, bei genauerer Betanntftfiaft immer merjr 
geroinnen muffen unb einen magren ©efangSmenfctjen berraten, tote roir 
unter §unbetten nur gu einzelnen finben. Qene @cbjlict)trjeit ger)t nament» 
lieb, bie Begleitung an, bie, umgefefjtt roie bei ben botljet angezeigten 
Siebern bon ^ufferatf), olme ©efang beinahe bürftig unb bebeutungSloS 
gu nennen, roäre. Qn benen bon gönnet ß e gt { e ^ ra ^ \ n oer gjMobie 
ber ©efangftimme; fie eben in iffrer ganzen gnnigleit gu roürbigen, bagu 
gehört ein (Sänger, ber aucfj gu fpredjen berfteljt, unb ioie fie jeber 93e» 
roegung be§ ©ebief/teS Üebenb nachfolgt, fo roolten ioit e§ aucf) butctj ben 
©äuget roieber emtofinben. SBie oft ioirb un§ ba§> geboten? ©ute Sieber» 
fänger finb faft nocb, feltener als gute Steberfomponiften. £>ie Zöllner» 
fct)en ©efänge getabegu gu entftetten, roürbe ginar nut böltige Satenttofig» 
feit bermögen, fie finb bagu gu natürlicf; unb fttmmredjt; fie aber gegen 
oberfläctjlicfje Stuffaffung unb bornerjme ©eringfcfjäfeung gu roab,ren, bagu 
fann ein öffentliches Söort it)ot)I beitragen. Sßir möchten fo bie Sieber 
einem ebten ©eftein betgleicfjen, rote e§ fid) oft unter unfctjeinbatet @tb= 
rinbeberbtrgt; e§ gehört gteifj unb Siebe bagu, e§ B,elt an§ SageSticbt gu 
förbern. ®ann aber geroijj ioirb man ficb, beS eckten reinen ©langes er» 
freuen, ben fie au§ftrat)lett. Slücfert, ber ®eutfä)e burct) unb burcfj — t nur 
bon »ÖftticrjenStofen« guioeiten übetfttab,It — roat auct) getabe ber ®iä)tet, 
ber bem Somboniften.befonbetS güfagen muffte, ^nt >> Siebe§früt>ting « 
ftet)t Btütbje an Blüte, bie beutfcbjen ^omboniften finb erft feit lurgem 
bab / intetgelommett. 480a ®et fc^önften Sejte einige t)at fict) audj Qöllner 
geroäb,tt. ®en ^ßrei§ at§ Äombofttion gölten roit bor allem bem „D tt>er) 
be§ <Sd)eiben§"; l)ier ift bie @infact)beit gugleictj Siefe, ba§> ©ebicrjt leib» 
Saftige HJhtfif geroorben; e3 ift ein fcböneSSieb unb roürbe einem 33eetbo= 
ben nicrjt gur Unehre gereichen. S^acE) biefem feffelt un§ ba§ „SSenn bie 
9tofen aufgeblüht" burct) inniges SSetftänbniS be§ ©ebicbteS, ba§ nictjt 
letcbjt gu fombonieten roat. ®ie etfte §älfte, bie tegitatibifcrje SSenbung, 
fdjeint un§ au§gegeicl)net, ber ©crjluf; nur erinnert an SBeber. Bottteff» 
lieb, aufgefaßt, im altbeutfet) ^oetifcEjen Sone, ift auet) ba$ ®uett » ©eligfter 
SSunfcl)« unb namentlich ber ©cljlu^ bon rütjrenber ^nntgJeit. ©a§ 



107. Sieberfdjau. 85 

„ÜJJlein (Seimen, mein Sitten" ift au§ bem §etgen gefungen, ähnelt aber in 
etnm§ einet Sötatfclmetfc^enSttie au2 »§an§ £>eiling«, tüiebenn23eetl)oben, 
äßebet unb SJiatf ehrtet unbetlennbate SSotbilbet be§ ®omüoniften fein 
mögen. %m Siebe „SSatum ftrillft bu anbete ftagen" gefallt un3 ent* 
f(f)ieben bie gtoeite Hälfte U§ auf ben ttemulietenben ©clilufs, füt ben 
mit liebet einfaäj au§^alienbe 2lffotbe gefe|t wünfcfjten. 3h. 6 fjat einen 
innigen ©tunbton, bet fiefr, abet in bet üfffttte be§ Siebe§ eta>a§ ttübt 
buxä) einige müfyfame äRobulationen; auet) bet 2te Saft, obtool)! melo» 
bifdj gut gefungen, auf bem SSotte „SSufen" gefallt un§ nitf)t; et fdjeint 
un§ füt bieiötaut, bie 3lüctett meint, nicljt jnugftäulicl), nidjt teufet) 
genug. SSon ben Sinei SSotMiebetn fagt un§ ba§ etfte gu; e§ will gut 
gefungen unb gefbtodjen fein. ®a§ anbete ift ba§ am ftienigften be= 
beutenbe be§ §efte§, tt>elct>e3 mit benu naä) tteueftet ttbetgeugung allen 
empfehlen, bie met)t afö fingen, bie auet) beuten unb ffjtec^en »ollen, 
gut nachhaltigen gteube it)tet tnie anbetet. — 

§enri) §uglj ^eatjott, 6 Siebet bon Sftofiett S8imt§ füt eine 
(stttgftitmne mit spianofotte. 

Sßett 7. 

©in eigentümliche! ©eift it>et)t un§ au§ biefen ©efängen, nict)t bet 
eine§ !3JMftet§, abet bet einet inteteffanten au§länbifcl)en $etfbnlict)feit. 
®ie Siebet leiben faft fämtlict) noct) an einet gegriffen; tlbetfütle, wie fie 
teifö Unfictjettjeit im Sedmifäjen, teil? bie 21bfict)t, alte§ gteicE) mögticijft 
gut machen gu motten, in jungen Äömtioniften oft etgeugen. JöeibeS, 
Soffen ttrit, ttitb fiel) mit bem teifeten Slltet butefi, Übung unb ©elbftet* 
tenntni§ milbetn. Um e§ !utg gu fagen, e§ fetjeint un§ gubiet Slufmanb 
getabe an biefe Sejte betfetjinenbet; e§ finb gubiet Sftoten gu ben ein» 
fachen SBotten. ®a§ Sob be§ gleifjeS fotl bamit htm jungen Sünftlet 
in leinet SSeife botenttjalten fein; getabe bie toatme, tiebebolle S3e» 
Ijanblung, bie au§ ben eingelneu Siebetn fbtict)t, nimmt un§ füt itjn ein; 
abet et tat gubiet unb fehlte äffljetifä), nrät)tenb et fteitiä) übetalt ba§ 
S3efte motlte. ®ie SSutnSfcfien ©ebicf)te leimen bon botl)etein, gum gtö|ten 
Seile n>enigften§, jene bteitete gotm bet S3et)anblung ab, tote fie in bet 
tombofition erficfitXicE) ift; eg finb tt>ot)l ©tgüffe einet nmt)tl)aften S)ict)tet= 
ftimmuug, abet immet fc6)Xid6>t, tutg unb bünbig; batum lieben itm bie 
Somtooniften auet) fo fel)t, batum fügen fiel) feine SBotte ttrie bon felbft 
gum Siebe unb am natütlictiften in jene gotm, toie fie bem ttritlliciien 
SMMiebe eigen ift. ®et Jfrmttoonift toollte abet met)t afö biefe§; et gibt 



86 107. Sieberfdjmt. — 108. 2Mo§ f. ^tonoforte, äHolitte u. SSidonceKo. 

meiftenS grofte aufgeführte ©tücfe, bie.tt>ot)t einen . ftrebf amen SKufiler 
»erraten, mit ber naiben gorm ber ©ebiäjte aber im SBiberfpructj fielen; 
oft tjat feine STtufil fogar einen bramatifdjen ober t^eatralifä)en Stnftrict), 
unb t)ier fdjeint er am roetteften com 3iefe $u fein, galten nrir alfo bie 
Stuffaffung ber ©ebidjte für gum Seit berfet)It unb namenttitf) ba§ 
lfte, 3te unb 5te Sieb für biet gu anfbrucE)§botI unb fcrjroerfättig, fo muffen 
mir bodj audj in biefen manches ©igentümtidje anerlennen unb bor altem 
ein ctjarafteriftifdjeg ©ttoa§, eine fräftige ebetmännifcrje ©efinnung, tt>ie 
wir.fie anfo öieten feiner SanbSteute gu finben gerootjnt finb. ©ieS.täfjt 
\iä) nid)t mit SSorten nadjineifen, bie§ mufj jebem fbmbaünf d) au§ feiner 
ÜKufit entgegenroetjen. Qebem träftigeren männlichen 2Iu§brucf, roenn 
er freitict) roie t)ier aud), noct) nictjt ganj gebitbet erfct)eint, muffen wir 
aber ba§> SBort reben, in ber mufilatifctien ©egenroart, bie fict) fo über» 
roiegenb unb gerabe in ttjren beliebteren üKeiftern gum ©ntgegengefettfen 
neigt, at§ ob nictjt noct) cor turpem ein 33eetr)oben getebt, ber e§ fogar in 
äöorten ausgebrochen: „®em 3#ann mufc SKufi! geuer au§ htm ©eift 
fä)tagen; Stützung .bafjt nur für grauenjimmer". S)aran aber beuten 
bie tuenigfien unb finnen gerabe auf ftärffte Sprung. Sütot follte fie 
%nx ©träfe fämtlid) in Sßeibertteiber fteclen. Sttfo @Ä)tuä)äen unb SSeinen 
ift bie @ad)e unferS (SngtänberS ntctjt; er gibt martigere üüMobien, als 
man fie gemeinhin in beutfcrjen Siebertjeften finbet, unb.,bie§ mact)t um 
un§ roert 481 . (Sollten nur einzelne ber Sieber t)erbort)eben, bie un§ am 
meiften pgefagt, fo finb,e§ »$ot)n Slnberfon« unb ba§ »©otbatenlieb«; 
jene§ ift ganj bon bm toetimütigen £one burdjbrungen, ber ba§ ®e= 
bid)t in fo tjotiem ©rabe befeett, unb tjat tro^bem ct)aralteriftifct)e.&aft; 
im » ©otbatentieb « umfbiett un§ ein Stnltang an ba§ »3Jiartborougt)tieb« 
mit eignem romantifdjen Sftetg, bafj nrir un§ in bie fctiottifdjen <poct)Ianbe 
berfettf fügten. ®ie Sieber finb tootjt urftorüngttct) auf ba§ ©ngtifäje 
fomboniert; boct) fielen auct) beutfdje SBorte babei. — 



108. £rtos für ponoforte, SSioIine unb JBtoloncello. 
^kxoitber ge§ca, 

2fe§ gro|e§ Srio. SSerf 12. — 3te§ groBe« Srio. SBerf 23.' 

Seiber tiegen un§ bon biefen tt)ie ben meiften fbäter p befbrectjenben 
StioS teine Partituren bor; auf . $nfatttbitität be§ ttrteifö machen. bie 
fotgenbeu geilen batjer leinen Sfrtfbrud) unb mögen meljr at§ ein §in= 



108. SrioS für Sßtcmoforte, ^Biotine utib SSioloncello. 87 

weis auf bie neuen ©xfcfjetnungen im ©ebiete bex S&ioiomtoofition benn 
als fxitifcfjeS S-biegelbilb gelten. ÜbexbieS fittb bie einzelnen S3ex= 
faffer befgnnt genug, fo ba% jebexmann roeiß, roaS et ungefäbx bon 
ilmen gu erroaxten tjat, roaS nidjt. 

®aS exfte £xio beS obengenannten jungen tomboniften befbxacl) bte 
Qeitfcfjxift fcrjon box längerer $eit unb fagte boxt, eS Ijabe eine 
ScfjmettexIingSnatui, roo nidjt bei gange f omponift fetbft. ®iefer 9tuS* 
ftorucfj, gut rote fcrjlimm gu beuten, finbet avtdj auf feine groei fbätern 
SExioS Slnroenbung. SSie jenes, geidmet offenbar auet) biefe ein rafctjeS, 
flüchtiges Söefen auS, roie e§ unS roofjt auf Slugenbticfe gefallen lann. 
(Sin gangeS Mnftiexleben abex fctjntettexlingSaxtig burcrjgubxmgen, fetjetnt 
un§ biefeS benn boefj gu Suxg. SBix roiffen nicfjt, ob £>x. geSca bieS 
im Sinne rjat; abex bie SMage gefjt irjm bagu nid)t ab. 6x tjüte ficrj alfo. 
Sie giftigen Junten finb t)iex bex SSeifatt beS geroöfjnliäien £>aufenS, 
geroiffe 23Iicfe fentimentalex grauen. ®ex roafjxe SHtnftler gebeizt ai>ex. 
nur anberSroie — in bex @infam!eit obex im Umgänge mit Äünftlexn, 
unb nichts entnexbt mef)x als bex SSeifall äJlittelmäfjigex. Siefe tann fieb, 
fxeitict) niemanb geben, abex lexnen unb ftxeben folt man immex. 28ix 
roiffen in bex Stet an beiben SiioS nichts auSgufetsen als bie mittelmäßige 
(Stufe, bie fie übeifjaubt einnehmen; auf btefex teiftet bex ®ombonift 
geroiffexmafjen fcfyon SSoItfommeneS, bie gorm roixb ifjtn teiäjt, eS f ebjlt 
tfjm niä)t an fjübfcrjen äMobien, ex fcrjxeibt banlbar füx ben Sfrieler; 
eine geroiffe jugenblicfje Offenheit ftefjt xk)m gang befonberS : an. Slbex 
bie goxm ift audj bequem unb geroötjnlicr), ben 9Mobien fetjlt eS an man» 
nigfaltigem StuSbxucf, unb oexgebenS roüxbe man in beiben SSexlen naefj 
eigentümlicherem, ijötjexem Stufftug, ja nux naefj bem äBillen bagu fucr)en. 
Sßit einem SBoxte, bei Somponift fcfjeint mit feinem latent, mit bem, 
roaS ex bis fe|t getexnt, gufxieben unb glaubt bamit füx fein Seben auS= 
gufommen, roaS roix mefjx roünfcfjen als glauben möchten. ®oct) füllten 
roir audj nierjt gubiel! §ät boef) jebeS SHinftterleben feine gexiengeiten, 
roo eS fict) bequem ferjautetn möchte auf bex ©egenroaxt; bie it)n bann 
gu neuer 3Ixbeit xuft, bie (Stimme roixb nicfjt ausbleiben. ®ex ®eutfc£»e 
f)at fo gxoße SSorbitbex tjofjer 3JlännIict)!eit; an biefe bliefe bex jünger 
guroetlen'rjinauf roie an SSacfi,, bex alte feine box bem breißigften Sarjte 
gefcb^iiebenen SBex!e als für nicfjt ejiftiexenb extläxte, an Seetb.oben, bex 
noerj in feinen legten Satjxen einen »KtjxiftuS am Clbexg« nicfjt bexroin» 
ben fonnte. SBixb eS euet), junge Sünftlex, ba mancfmtal nieijt bange, 
. roaS nact) etroa 50 ^aiixen ifji übex euxe tom^ofitionen befcfjließen 



88 



108. 2rio§ für Sßtanoforte, SJioHite unb SSioIottcello. 



werbet? " 216er freilief), was tönige wegwerfen, baS berftf)tingen bie 
Krämer noct) gierig genug, ©ewifj, tt)r berbrennt feines eurer unfterb* 
üä)en Sßerfe, unb fo erfreut eudj benn eures lurjen Bebens, aber 
freitet bie gufunft auä) ntc£)t, wenn fie bergeffen Ijat. ®in XotaV 
urteil über bie neuern SSerfe beS £>rn. %esca liegt in beut borigen 
eingefctjloffeu; im detail mögen fie gewifj noeb, mandjeS enthalten, 
waS eines befonberen SobeS wert Wäre, baS unS wegen Mangels 
einer Partitur entgangen. Qn ber 3luffaffung beS ganzen fünftter» 
djarafterS glauben Wir aber nicfjt fetjlgeurteitt p Ijaben, unb fo wollen 
wir un§ uub anbere in ber Qulunft, bie alles llar mactit, wieber an 
biefe feilen einmal erinnern. 



3S. Sfteulittg, ©rofjeS %vxo. 

SBerf 75. 

S)ie SSer!§aljI lafjt fcfjlie^en, bafs wir eS f)ier mit einem geferjidten 
Huftier p tun Ijaben. <3o ferjeint eS auä) nact) ber flabierftimme unb 
teitweifen Sßergleiäpng ber anberen Stimmen mit biefer, waS unS ben 
ÜDfongel einer Partitur erfe|en mufjte. ®er tombonift ift überbieS einer 
ber tapellmeifter am SMrntnertortlieater in Söien, ber fid) notf) jüngft 
burd) eine Dtoer betanntgemacfjt. SSir Ijaben eS mitl)in in feinem galt 
mit einem ^obigen p tun. Qrren Wir niä)t, fo würbe it)m bei 2luffüf)rung 
feiner Dpa %um §aubtborwurf gemalt fein ©cfjWanien pnfcfyen beut» 
fcf)er unb italienifd)er ©ctjute, fo bafj leine ber Parteien, wie fie in SBien 
auf baS fcfjrofffte fict) gegenüberfteljen, fid) mit bem SBerle befriebigt 
ertlärte. §unbert anberen Söiener Somboniften ift fäjon baS nämlicfje 
mit bem nämttdien ©rfotge gefagt worben; fie wollen btö eine unb 
fönnen baS anbere ntetit taffen, wollen SMnftler fein unb auä) bem $tebS 
gefallen. ®aS ljunbertfältige äftipngen foldjer SSeftrebungen, tjat eS 
Ümen noä) nid)t bie Stugen geöffnet, baf? auf biefem SBege nichts p er* 
reiben ift, bafj nur einer pm giele fröret, ber: nur feine $flid)t gegen 
fid) als SHinftler unb bie fünft p erfüllen? — ■ ■ 

28ir Inüpfen biefen Vorwurf an biefeS £rio, baS, obgteid) bielleid)t 
im fd)wäd)ern ©rabe als jene Dfier, eine afjnlidje Senbeng, wie fie in 
jener Slnfidt)t auSgef proben, p berfolgen fcfjemt. Sßie gefagt, wir 
glauben, bafj baS beutfdje fünftteretement in bem tomboniften pr^eit 
nod) überwiege; aber ber entfdjiebene gortfcfjritt beginnt erft mit bem. 



108. £rio§ für Sßicraoforte, aStblitte unb SSioIoncetfo. 89 

entfdjiebenen Stufgeben alles büettantifd^en 93e1)agen3, aller ttattentfctien 
giuflüffe. §aben wir ®eutfd)e berat feine eigentümliche ©efangweife 
etwa? §at ntdjt bie iüngfte geü gelehrt, tote e§ in Seutfcfjlanb nodj) 
©eifter unb äMfter gibt, bie ber ©rünbliäjfeit bie Seidjttglett, ber S3e= 
beutung bie ©ragie beigugefelten Wiffen? ©botjr, 9JlenbeBfoIm unb an» 
bete, fie Wüßten nidjt audj gu fingen, nict)t auä) für ben ©änger gu 
fcEjretben? ®ie§ ifi'3, worauf wir bie beutf(J)4taIienifd)e 3wittexfd)ule 
aufmerlfam macfjen möchten, Wie fie namentlich in SSien ü)re Stnfjänger 
f)at. ©3 get)t nictjt: bie t)öct)ften ©frit;en italienifctjer Swift reiben nocf) 
nidjt bi§ an bie erften anfange Wat)tt)after beutfct)er; man rann nicfyt mit 
bem einen %n% auf einer Silbe unb mitbem anbern auf bequemem Söiefen* 
grunbe fielen, ©afj in bem tomboniften, bon bem mir f^rec£)ett, ein 
ebterer Srieb borwatte, geigt föjon bie ©attung, für bie er fcrjrieb. gm 
Summerftil, in ben bter SBänben, mit wenigen Qnftrumenten geigt fiä) 
ber SFlufiter am erften. gn ber Ober, auf ber SSüfme, Wie bieteS Wirb ba 
bon ber gtängenben Slufjenfeite gugebecft! Slber Stuge gegen Stuge, ba 
fietjt man bie ge|en alte, bie bie SMöfjen berbergen folten. greubig er* 
lennen Wir e§ berat an, ba!$ un§ auct) au§ ber Satferftabt Wieber einmal 
ein Söerf lömmt, ba$ wenigftenS einer gebiegeneu fhmftform gufattt, 
mit 33ebanern fagen wir'§, au§ berfelben ©tabt, ber borbem geweiften, 
bie „mancf) ein guter • ©eift betrat", berfelben, bie unB gerate 
unfere 3Mftertrio§, bie Söeettjobenfcfjen unb @ct)uj>ertfct)en, brachte, 
amtier tjiefj ber Söiener £>offombonift SS. St. SKogart, jefet ift e3 ©aetano 
3)onigetti geworben unb mit einem ©ehalte, ber feinem innern fct)Wer« 
licti entfprict)t. ®a§ ift in wenig SBorten bie ©efö)idjte 28ien§ bon fonft 
: unb je|t. ©cb>int benn teiber in jener 9tefibeng für einige Stugenbticte 
ber Statiani§mu§ gefiegt gu t)aben 482 , fo wollen wir guten beutfdjen 
$t)ilifter, bie noct) auf S3act) unb anbere etwas galten, bennoct) fo lange 
Wie möglich ftanb^alten unb wenigftenS in ber ©tube fo biet gute 
SKufi! machen, afö wir fie im Sweater nicfjt gu beeren befontmen. Qu 
biefem ©inne fei benn auet) ba% £rio begrübt, unb flimme ber Sombo* 
nift, wie jeber, ber e§ fann, auf ferner Sunftleiter weiter, bie gu 
bietet befcljeibeneren aber bauerf)afteren £riumöt)en füfyrt, Wät)tenb 
ba§ morfetje, mit 2ltlerf)anb*&angen begangene ©erüft italienifct)er 
SKarltftiireierei boct) über lurg unb lang einmal wieber gufammen* 
ftürgt. — 



'90 108. Sxio« für panoforte, SSioItne unb SStoIottcelto. 

SBeri 111, 

®§ ift bieSSrio baSerfte größere tammermufitpcf bon SÜlarf crmer, 
ba§ mir lernten lernen. Unb tote e§ an einem älteren tünftter immer 
erfreut, menn er ficfj in neuen (Gattungen berfuct)t, gleiäjfam gum 
©etbftgeftanbniS, baft er \iä) felbft nocb, nict)t am Siele glaube, ba§ 
er noä) ein marmeS Streben in fieE) bematjre, fo maren aucr) mir 
über bie @rf Meinung erfreut, beren genauere S3efanntfä)aft unfer 
günftigeS Vorurteil aucr) nictjtg meniger afö abfcb>acrjte. $mar mir 
finb niä)t blinb gegen bie ein§emen Mängel auä) . biefeS JföerteS, 
gegen jene fcb>äc£)eren Partien ber tompofttion , namentlich in ben 
^metten £b>ma§ unb in ber fogenannten Verarbeitung, mo ber fom* 
pontft p rafcfj berfar,ren, p föntelt mit bem juerft ©efunbenen fidj 
begnügt; bagegen tut aber bie aJtftrfcbner'n immer eigentümliche 
griffe mottf, bie forteüenbe SSemegung beg ©angen, bie ficb>re §anb, 
mit ber er bie eiugemen Sä|e crjaraöeriftifcf) binpftenen meifj. Wan 
finbet fomit in bem £rio ungefähr benfelben SMnftter mieber, atö man 
ü)n au§ feinen großen bramatifctjen Slrbeiten lennt. ®a§ einzelne, ba§ 
®etait, ift niäjt immer ba§, SSorgüglicbe; ba§ ®ange aber ift e§, bie %ota\* 
mirfung, bie ben Mangel !unftreicx>er gebiegener Setaitarbeit menn ttidjt 
bergeffen, fo boci) überfetjeu läfjt. SBenn mir unter Vorzügen ber ®etatl= 
arbeit jene SetbftänbigMt unb tebenbige gortbemegung ber einzelnen 
Stimmen, jene bebeutungäbottere 23erjanblung aucrj ber Übergangs» 
ftelten (fo §. .«8. menn fictj ber ©a| au§ ber SMt* in bie ©urtonart men= 
bet), Jene feineren S3ejüge ämifcrjen bem £auptttjema uub ber Verar* 
beitung ber anberen SDcotibe meinen, wie mir e§ §. §8. in «8eetfioben= 
fctjen Uombofitionen, bie Sotatoirlung feineSmegä beeinträctjtigenb, 
mieberfinben, fo merben un§ einfict)t§boIIe £efer berftetjen. JBei 
Staf crmer bominiert meiftenS bie Dberftimme; ju tieferen fombina» 
tionen %u gelangen ift e3, afö gönne er ficfj bie Seit nicrjt; e§ reifct ibn 
unmiberftetitict) nur nacf) bem @nbe, naä) bei SSoItenbung be§ ©tüdfeg 
bin. %iM) bem mirfen auä) feine tomfjofitionen; man fütjlt fiä) fort* 
geriffen, geblenbet; grofte Satentpge bitten un§ überall entgegen; bei 
genauerer Unterfuct)ung ftelten ftcE) aber aucfi bie oberftäcpcrjer bet>an= 
betten Seiten ber tompofition tjerauS. $n einem S5übe §u ftorecr)en, 
er gibt un§ bie golbenen grücfite feines SafenteS oft in irbenen (Scalen. 
Seien mir benn bor allem banfbar gegen jene, gegen bie Sicfjtfeiten be§ 



108. SrioS für ißicmoforte, S3toKtte wtb SJiolonceHo. 91 

XxxoS. SSte gejagt, e§ btlbet — bi§ auf ba§ 2tbagio, ba§ unl nidjt ju gteidjer 
geit mit ben anbern <5ä|en eutftanben ju fein fäjemt — ein lebenbigeS, 
wirfung§boue3. ©angeS. 3)ie Tonart ift im 9lnfang§* unb <Sd)Iuf3fa| wie 
im @d)etgo ©=moIl, bie be§ 9ß>agio§ ba§ in biefer golge befrembenbe 
9l8=bur. $ene @ä^e Mafien fämtliä) einen Wilben, Ieibettf<f)aftlic£ien ©fja= 
rafter, wätjrenb ba§ 9lbagio ben gang entgegengefe|ten ber ÜKilbtjeit unb 
9M)e trägt. 2)er Umftanb, bajj ba§ SIbagio im legten @a|e wieber gum 
2$orfä)ein fommt, fönnte unfere Sßermutung, baf? e§ gu anberer, früherer 
ober fpäterergeit atö. bte anbern @ä|e gefdjrieben fei, etwas> fäjwanlenb 
madjen. Soä) weif? man, tute einem gewanbten Somponiften folcfcje 
Stüctblide oft mit letzter ÜDlütje aud) naä) 2tbfc£»Iu§ eine§ @a£eg nocrj 
gelingen. 3im übrigen gefäjietjt jener SJüdbftcf in fel)r garter SSeife unb 
tut gerabe im unruhigen treiben be§ legten @a^e§:root)I. ®a§ Slbagio 
f elbft tjat eine reigenbe, SKarfäjner'n gang eigentümliche ©efangweife ; wir 
fjalten e§ für ba§Hrfbrüngttd)fte im gangen Sxio. ®a§ SSiolonceltfolo, ba§ 
fie beantwortet, ergebt fiä) bagegen gu breit unferer Meinung nad) unb 
fcfjeint nn§ aud) in melobifdjem S3egug gu gewölmüd), faft tfieatermäfsig. 
SBo fiä) äßarfd)ner fd)on oft mit ©lud bewegt, in ber ©brjäre be§ ©puf* 
unb SMräjentjaften, tut er e§ aud) im Sxio mit Sßirlnng, im erften ©atse 
weniger, im ©äjergo unb ginate aber mit offener Suft an feinen ©ebilben; 
biefe te|teren ©aije ftnb auä) bie I)umoriftifä)ften. ©irtige leiäjte Smftange 
an ba§ $rang @äjubertfä)e Srto in @§*but erwähnen Wir flüäjtig.. 

®a3 Srio wirb fid), glauben roir, berbreiten; roir finb ntd)t überreid) 
an geiftbolten SBerlen ber 2trt, unb bie§ legiere ^rabifat gebührt htm 
grio in jebem g fl K- S* 1 ber 2ftt§füf)rung bietet e§ leine ungewöfjnnäjen 
©äjwierigfeiten, namentliäj ift ba$ IfHaöier roirlfam berjanbelt. — 

So«i§ (»Jjuljr, Ixio. 

355er! 119. 
2Iud) btö £rio biefe§ bereiten ÜKeifter§ ift, fobiel Wir roiffen, feine 
erfte berartige tombofition. SDiefetbe freubige SSemertung, bie wir 
fd)on beim ©ingang ber Sln§eige be§ 9JJarfd)nerfif)en Sxiol au§ff3rad)en, 
müßten toir atfo bei biefem roieberljolen. Unb ba§ unterf Reibet eben 
bie äMfter ber beutfäjen ©djule bon Italienern unb grangofen, ba§ b,at 
fie grofj gemacht unb bnrdjgebilbet, bafc fie fid) in alten formen unb 
©attungen berfud)ten, roätjrenb bie 3Mfter jener anbern Nationen fid) 
meiftenS nur in einer ©attung t)erbortaten. SBenn Wir baljer einige 
ber beliebten Ißarifer Dfjernlomöoniften ^ier unb ba g. S3. „gro^e 



92 108. Sriog für Sßtanoforte, »Mitte ttttb SMoIoncello. 

Mnftler" genannt finben, fo möchten mir erft fragen: ino finb benn eure 
(Sinfonien, eure Ouartette, eure $falnten ufin.? roie lönnt if»r eucf) mit 
beutfcrjen SJceiftern bergleictjen motten? So f)at aucb, S,bot)r faft in 
allen mufifalifctjen formen gearbeitet bom Dratorium bt§ gum Sieb, 
bon ber Sinfonie Big gum 9tonbo für ein ^nftruntent, unb biefe SSiel» 
fettigfett ift nictjt ba§ ©eringfte, toaS ttm un§ beret)rung3mürbig macfjt. 
Seine neue @abe muffen mir benn afö eine neue SSIüte feine§ reiben 
©eifteS begrüben, bie im orange feiner Schöpfungen ficb, gar mof)l mit* 
Mieten laffen barf. $mar 2>uft unb garbe finb biefelben, bie mir fctjon 
lennen. 2lber e§ fdjeint eine unerfcf)ö.bflicf)e ©emüt§tiefe gerate in 
biefem tünftter gu liegen, bafs er un§ immer gu feffeln berftefjt, fo fetjr 
er ficE) and) gleichbleibt, ©emifj, Stootjr fönnte alle§ olme feinen tarnen 
r)erau§geben, man mürbe itjn auf ben Slugenblicf erfennen. SSon feinem 
fünftter ber ©egenmart ift ba§ in bemfelben Wlafc gu behaupten. Stuf 
,etma§ aubereg noct) grünbet ficf) aber btö Qntereffe, baZ mir immer für 
feine 'Schöpfungen tjegen muffen, nicEjt allein auf ben Bauber feiner 
(Sigentümlicfjfeit, fonbern auf feine reiche tonftbilbung, auf bie rein 
mufifatifcrjen Scfjöntjeiten im ©egenfa| gu ben crjarafteriftifctjen feiner 
gnbiöibualität. ®enn e§ fann un§ au§ einer 9Jlufif ein bebeutenber 
©tjarafter entgegentreten unb it)r boctj biet gur 3Mftert)aftigMt feMen. 
Stooi)r gibt un§ atte§ in meiftertjafter gorm unb felbft ©efannteg in 
gemähter ©eroanbung. ©r roirb nictjt mübe, feinem SBerfe bie größte 
SSoltenbung gu geben. Sftan fet)e g. S3., mie er baS erfte Kfjema be§ lften 
Sa|e§ feinet ZxxoZ, fo oft e§ mieberfommt, neu fjarmonifiert. ©in be* 
quemer^ünftter tjäite e§ otmeHMtje einmal mie btö anbere SM gemacht. 
SSon feinem gemiffentjaften gleifj, ber ficf) mit bem borrücfenben llter 
be§ MtnftlerS efjer geftetgert aß berminbert gu t)aben fcfjeint, fjaben 
manche gar feine SSorfteÜung; e§ räcfjt ficf) aber aucfj genug an itjren 
Sßerfen. ®oct) mag bemühen mir un§, Stoofjrg grofte SMnftlertugenben 
au§einanberfe|en gu motten, morüber bie Sßett fcfjon längft einig ift. 
9lucf) bag £rio giert feinen äMfter; eg ift aug einem ©ufc bon Anfang bis 
©nbe unb nur baS 2lbagio nacb, unfrer äMnung etmag matter. ®ie 
anbern Sä|e tjaben bie eigentümlictjften SSorjüge; ber erfte ift ein feines 
©etoebe, bon fixerer §anb funftreicf) ausgeführt. Sag Sctjerjo gehört 
%u Spot)r§ borjügticEjften, bie er gefcfjrieben; man bertangt e§ brieber 
unb toieber p t)ören. Ser Ie|te @a| §at ein burcfj S|)of)r felbft ettoaS 
allgemein getoorbeneS 9Jfotib, im gangen tjerrfctjt aber ein aufjerorbent* 
lieber Scfjtoung, ba§ SSiotoncetl^iggifato nicfjt gu bergeffen unb bie fcfjön 



108. Xrio§ für Sßionoforte ufra. — 109. I. Döer. »Slbele be goij*. 93 

eingetoebte SMobie au§> bem Stbagio. Sßeldjen Sljaraftet ba$ S£rio im 
übrigen atme, roir braudjen'S rooljl nidjt auSjufbredjen.. ©poljr im 
erfien, ©boljr im feiten @a| unb überall, ^afft auf irgenbjemanben 
©djitterg: „®odj @d)ßnere3 ferm' id) nid)t, fo lang iä) röäljle" uftt>., fo ift 
e§ auf ujn. ÜKög' er nodj lange unter un3 roirfen! 



109. Seutfdje Opern 

©rojje Dper in toier Sitten toon 3J. S3tum, in Söhtfi! gefegt bon ®. @. ateigiger. 
SBoHftänbtger Sfaöierau§ä«g. 

®a§ Sujet beljanbett eine Siebe§gefd)id)te granj be§ ©rften bon 
granfreid), ber fid), im ©runbe auf wenig fonigtidje SBeife, in S3efi| 
bon Adele de Foix, ber jungen %taxt eine§ bejahrten (SbelmannS, be§ 
©rafen ©tjateaubrianb, ju bringen berfucljt. S)ie £>anblung be§ 3? bnig§ 
roirb nod) baburd) unfdjöner, bafj ber befagte (Sbelmann ti)m früher 
einmal ba§ Seben gerettet, 3um <3d)Iu| erfttd)t ©jateaubrianb feine 
untreue grau uub aud) fid); ber SKinig jieljt frei ab, feinem SSotfe 9?eue 
unb SSefferung angelobenb. @o enbigt ba% Abenteuer roenig erbautid), 
tote jemanb fagte: afö ©djer^ ju ernfüjaft, aß (Srnft^u fdjerjljaft. ©afj 
bieg auf bie Kompofition -mrücfrüirfen mufjte, mar natürn'd). ©oldje 
berrudjte Siebenten allenfalls gu befdjbnigen, berfteljen nur bie gran* 
jofen. ®er 2)eutfd)e ift baju biet ju er)rlid) unb jtt moraüfd). 2ß>er roa§ 
überroinbet eben ein beutfdjer f ombonift nid)t alles, X)at er nur einen 
leibliä) fombonibten £e£t, bon bem er fid) aud) einige SSirfung auf ba§> 
^ubtilum berfbridjt. Sßir roünfd)en nid)t, ba.% fid) §err Steiniger, ge* 
täufä)t Ijaben möge: aber ber £e£t roirb fdjroerlid) bei un§.2ln!Iang finben. 
SBaS bie SJhtfif betrifft, fo barf jeber, ber ben fom^oniften bereits fennt, 
babon im borauS biet (%te3 erwarten. 2H§ geröanbter Qnfirumentator 
i)at er fid) langft belanntgemad)t; an ber @toi|e eines bor jüglidjen Dr= 
äjefterS ftefjenb, blatte er mebjr als mancher anbere (Megentjeit pr S3e» 
obad)tung unb Kombination. ®aS (Slement, in bem er fid) jetttjer am 
liebften bewegte, war baS Sieb unb am glü(!lid)ften im fjeiter tfyrifdjen. 
SSiel (gelungenes in biefer 2fet berbanfen. wir ü)m. 2Iudj aß <sKrd)en= 
fombontft fjat fid) Jftei^iger mit @Iüä gegeigt; feine berartigen Ämtbo* 
fitionen atmen einen freunblidjen frommen @inn, ber feine! @inbrude§ 



94 109. I. Dper. »Wbete be goij«. 

gewif; fein fann. Sßeniger glüdlicr) war er big je|t afö bratnatifc^er tom* 
ponift; wir finben ben ©runb babon im buregauB SSorwiegenben feiner 
ItjxifcEjeTi Sfotur, wie e§ audj anberwärtg fegon metjrfaeg ausgeflogen. 
SDaf? er bennoeg niögt bon.ber Dper lajjjt, ba|3 er wieber mit einer foge= 
nannten großen bortritt, wollen Wir atö ein ßeitijen inneren 9Jhtte§ be« 
grüben, ber überall mer)t juwege bringt afö traget (Stehenbleiben auf 
einem glecf. Adele de Foix würbe gegeben, mit Söeifatt, and) niegt of)ne 
einzelnen SBiberfbrueg. SBir finb fo arm an einer beutfogen £);ber; man 
follte niogt gteicg über alle, bie nicbt auf ba% erftemat wie etwa ber » grei* 
fogü|« Wirten, fo boshaft Verfallen ober fie gar ignorieren. $erfegweigen 
Wir aber auag be§t)alb ben Säbel niegt. 

®ie beutfegen ®omponiften fct)ettern meiftenS an ber Stbfidjt, bem 
^ubtilum gefallen §u wollen, ©ebe aber nur einmal einer etwas ©ige* 
ne§, (Sinfaege§, SiefinnerliegeS. ganj au3 ficg t)erau§, unb er foll fefjen, 
ob er niogt mefjr erlangt. SBer bem «ßublifum immer mit ausgebreiteten 
9Irmen entgegenfommt, ben getoöbnt e§ fieg enbliog über bie 2legfel an* 
gufeljen. S5eett)oben ging mit gefenttem ®otof unb untergefcrjlagenen 
Straten einher, ba wieg ber $Ieb§ fegeu auBeinanber, unb naog unb naog 
würbe u)m aueg feine ungewöljnliege ©praoge bertrauter. 

91n obiger flippe, fürchten wir, ift auög SReifstger teilweife gevettert. 
2)er ungeheure ©ulje^ be§ >> greif egüt5«, fcEjetttt e§, l)at bie beutfogen 
^omboniften ju Slnforberungen an S3eifalföbejeugungen berleitet, bie 
nun einmal niegt burog Slbfiogt tjerauSgeforbert werben lönnen. Sttuf? 
benn alles gleiog gurore maogen follen? (Mefjören benn §u allem $o* 
faunen unb pefelflöten? ©ie fogirnbfen auf bie itatienifügen ®otubo* 
niften unb fegeuen fiel) boeg nic^t, oft mit benfelben SJlitteln gu Wirten; 
man lennt ben Unfinn unb begebt ilm boeg. SSo foll benn ba bie 
2lögtung be§ ^ublitum§ b.erlommen, ba§ auög feine Beriten Ijat unb oft 
geller fielet, afö man glauben follte! üftoeg einmal: gebt nur einmal eine 
reegt originelle, einfach tiefe, beutfege Dper, f treibt, al§ gab' e§ lein 
üßubtilum, aber jeigt ben eegten Sünftler, bie eögte Söilbung, unb Wir 
wollen fetjen, ob it)r eueg babei mögt beffer ftefjt. 8 SSielmal ift ba3 fegon 
gefagt worben, aber nie war e§ nötiger al§ jetst, wo ber ©taube be§ 
fßublilum§ an beutfege Dpernfompottiften immer tiefer unb tiefer 
ju finlen anfängt. @ögon fel)en Wir italienifoge £rubpen ficg mehrerer 
beutfogen Bügnen bemächtigen, franjöfifcge tonnten letdjt nachfolgen. 
Süfo aegt gegeben, ba| man eueg nicejt euren eignen 33oben unter ben 
gü|en wegsieht! 



109. 1. Opec. »9lbele be gotj<. 95 

©emift, mir finben. 5." SB. in 9tof$iger§ neuefter Dper ©tucte, bie in 
neu=italienifct)en ober frangöfifcijen mie eäjte (Sbelfteine unter .bötimifctjen 
jtdj ausnehmen mürben. Stber mit einzelnen Hummern ift noä) nicrjiS ge* 
tan; mir motten ©til im gangen, eine burcbgefienbs ebte Stuffaffung, ein 
immer frifcü fcbfagenbeS Mnftlerberg. S)ag un§ folgen @enu| bie 
IRei^igerföje Dber burcrjgängig bietet, tonnen mir leiber nicbi befiaubten. 
©ibt er un§ biet äöürbigeB, fo bulbigi er auä) bem £age§gefct)macf; mir 
bermiffen eben im ollgemeinen ©barafter unb (Sinbeit beS ©tilg, ferner* 
lenSmert ift auä), toie 3feiftiger, ber g. S3. in bieten feiner Sieber ein 
eigentümliches latent gezeigt, in feinen bramatifct)en arbeiten roeit 
mettiger originell baftetjt, ja fo ftarte Inftänge an Mannte beutftfje unb. 
itatiettifcfie SMfier bringt, bafj e§ auct) ber Saie merlen mufs. @o finben 
fict)bebeutenbeiRemini§äengen aus äßeber, ©bobr, auä) ^arfcbner, pufig 
auä) aus 3toffini unb SSetttni, bie eingetn aufgugeictmen gubiel 9tatm 
roegnet)men mürbe, bie aber gemifj niemanbem entgegen tonnen, einen 
anbern SSor Wurf , lönnten mir nocü ergeben gegen bie unfereS 95ebünlen§ 
burcb>eg gu maffenfjafte ^nfirumentation. SBo folt ber Jbmbbnift bie 
bittet gur Steigerung tjerbefomnten, roenn er an minber bebeutenbe 
©teilen fcbjon alle Strafte berfcfjmenbet, bie ü)m bann am regten Drte 
fefjten? 2mbrerfeitS ift freilief» Sftei^tgerS grofje SSirtuofität ber ^n- 
ftrnmentation febr auSgugeicbmen, unb mir muffen fie. motpittgenb unb 
gtängenb nennen, mo er bie Drcrjeftermaffen nicfjt %u fet)r aufeinan» 
ber tjchtft. 9tbgefet)en aber bon biefem gmeifaerjen SSormurf öfterer 
^eminiSgengen unb öfter überlabener Qnftrumentierung finben roir in 
ber Ober fo biete 23orgüge, p benen roir uns je|t mit Vergnügen foenben. 

@S fjerrfcbi in ber Ober ein ausgezeichneter mufifaliferjer %lu% mie 
er eben nur bem ffinftler bom %aä) eigen ift. ©et»r anpertennen ift 
aueb, bie Steinzeit ber Harmonie; mettige grelle Stfforbenfotgen in einigen 
Ieibenfcf;aftlict)en Momenten ausgenommen, ©obann muffen mir' im 
gangen 2Sab,rb,eit beS SluSbrucfS in Übereinftimmung ber SSorte gur 
SKufil gugefiet)en*, bon ber mir in ber neu-italienifdjen Dbernmufit 



* Stoet ©teilen nur nic^t nötiger Stttffaffung motten mir fijer anführen, in ber 
Strie be§ ©rafen ©. 83 Bei ben mmnx: „So erfaßte meine Seele, bie Betoegt mar, 
Bang unb hrilö, bein gelteBteS l|üb", mo ber Somponift nur ba§ Bang unb 
tDtlb in ber SKufif Gilbert, ben Kactifaj} oBer üBerfalj; bann @. 96, tno Beim ©in« 
treten be3 fönigg Slbele fagt: „nun Bin icfj frei, ber ®Bnig rettet mtdj", bie ber 
f ontponift con tutta la forza fingen läßt, wd^renb fie unferer Meinung nadjfganj 
leife für ftdj gefprodjen werben mnfsten. 



96 109. I. Oper. »Slbele be gots«. 

faum bie ©tour antreffen. (Snblid) burd)gtet)t bie gange Dper ein natür- 
liä) freunbliä)er (Sinn, ber woput auf bei; SSütjne, bie un3 fo fei)r an 
Moxb unb £otfä)Iag gewöhnt. SSotnefmte Sunfttuetet,, namenttid) 
fontrafmnftifäje, Will fid) nirgenbs geltenb mad)en; fie War' aud) am 
Übeln Drt angebracht. SOhtfifatifd) am c^arattextftifc^jten gehalten finben 
Wir, aufjet bem Sönig unb Adele de Foix,, ben ©tafen ©tjateaubrianb, 
wenn uud) bas ^ntereffe für if)tt altein bem SRitleib eines t)intergangenen 
e^emanne§ gilt, ber überbie§ fdjon übet bie .Sugettbjarjre t)iuau§. Sonni* 
bei, ber Teufel im <Stücf, geigt fid) bietleid)t gu fanft, nid)t teuflifd) genug. 
Sem $agen fet)lt e§ etwa§ an ©ragie, bem Darren nicf)t minber an 
fd)tagenber Süomif. Ser le|tere wirb bon bem betannten 3Jiarfd)nerfd)en 
im » Sempier « bei weitem überholt. 

Sie ©t)öre greifen oft Wirf f am ein; Popularität bürfen Wir inbeffen 
feinem betfpretfjen. 

33efonber§ au§gugeid)nen ift bie Sallettmufif ; t)ier geigt fid) ateifjigerä 
gan§e§ lieben§würbige§ latent.. Namenttid) tjebt fid) Sipin§fi§ ©olo mit 
btm fpätet bagutommenben ^oboetriller Ijetbor. 

Sie Seflamation finben wir im gangen lobenswert, unb richtig; 
einige SSerftöfse wären mit teiltet 9Jäit)e abguänbern. ©inen feanpt* 
moment finben wir gu leidjt betjanbett, ben im legten 2lft, wo ©fjateau» 
brianb gum Stönig fagt: „Sie ©djulb, fie ift bein". §ier, wo bie ©djeibe* 
wanb gwifdien gürft unb Untertan gum erftenmal unb auf ewig fällt, 
wo ber ©emif^anbette bie ©röfje be§ HngtüdS bem SSerfülirer red)t 
orbenttid) bor 21ugen [teilen Will, t)ier wirft ber regttatibifdje Vortrag 
guwenig. Ser .Sombonift t)at fid) biefen bebeutenben SJloment ent» 
geben laffen. 

Ser, beiläufig gefagt, fel)r forgfältige f labierauSgug geigt einige 91b* 
Weisungen bon ber 9luffüi)rung in Sre§beu; namentlid) ift, was in jenem 
3ter unb 4 t er 21ft ift, in einen eingigen, unb gewifj gum Vorteil ber SBh> 
fung, gufammengegogeu worben. 

,%öd)ft unbanlbar finben wir- ben ©cblufj; ba§> ©ange ftiebt fo unglüd» 
lid) auSeinanbet, bafs ber Sul)örer nur mitleibSbotl ben fotof fd)ütteln 
fann wie über eine 33egebent)eit, bie freilief) nidjt anberS enben tonnte. 

SSir fdjeiben bon il)m, nid)t ol)ne Säbel be§ eingelnen 3Jlif3tungenen, 
mit aller 91d)tung aber bor bem gleifc, bem Salent unb ben f enntniffen, 
bie ber ®omtoonift wieberum gegeigt, unb in ber Hoffnung, bafj er fie 
balb wieber auf gleichem Setrain betätigen möge. 



109. IL Dptx *%fjomaä SRiquiqui«-. 97 

II. 

§e'Umd> (Sffet, »%f)oma% attqutqui« ober »Sie Jjolttifdje §maU. 

fomtfdje Dper. in brei Stiten. — SBerl 10. 

SKacfj ben Berichten, bie toir über biefe Ober box unb natf) ibrer Stuf» 
füfyruug gelefen, mußten toir ettoas gang Boräüglicfje§ bort ibr erwarten, 
gn einem t)ie§ e§ u. a.: äJcandje fäfjen in bem jungen Somboniften einen 
gtoeiten Slbam, anbete einen Boielbteu, ©rnltiertere fogat einen neuen 
Wb%axt unb Beefboben eutfteben. gtoifctjeu 2lbam unb Beettjoben liegt 
freilief) biel in ber SJätte, unb ift ber tombonift flar mit fieb, fo toirb .er 
felbft äugefieben, bajä er einen Bergleicf) mit elfterem allerbing§ eber 
aushalten toürbe afö mit bem festeren. ®odj bürfen toir ben Som= 
.boniften niebt entgelten laffen, toa§ petfönlicfje Seilnaßnte bietleictjt an 
ü)m überfetjäfet; fein SBerf bat einen %u beftimmten ©inbruef auf un§ 
gemacht, afö bafj un.§ bie§, toie bte entgegengefeüte falte Sufnalnne, bie 
bie Ober in SCFcannbeim erfaßten, in unferem Urteile beirren tonnte. 
®ocb eb/e toir, über bie 3Jlufif fbreäjen, erft einiget noct) über ben Xe%t. 
Sa muffen toir benn bor allem befennen, bafj toir nur toenig SJomifcbeS 
an ü)m finben. SBenn 9ftquiqui, bie §aUtotberfou ber Ober, ein gut* 
mutiger (SctjutjmacEier, um bie Softer feiner 38of)ltaterin au§ ben §>an= 
ben toütenber Sansculotten p. befreien, mit biefer eine ©cbiemb/eirat 
eingebt, fie aber naefj Beenbigung ber ,(fratt§öfifc|en) ^ebotution frei 
unb ibrem früheren Bertobten gurücfgibt, fo ift ba§> brab unb ebelbergig, 
aber getoifj niebt fomifcb, unb um jene ©cfjeinljeirat brefjt fiefj boctj ba% 
gan^e ©tücf, baZ un§ in bieten Begebungen eljer roie ein in eine niebere 
©btjäre gezogener »SBaff erträger« borfommt, ben boeb getoifj niemanb 
p. ben fomifdjen Dtoern jagten toirb. ©ie einige luftige gigur ift bie . 
be§ Barnabe; aber fie ift biel p unbebeutenb, um ba§ Beiroort „fo* 
mifcfj" für ba§> @anje p recÄfettigen. @o toünfcbten toir benn bor 
allem au§ bem Sitel jenen Bet|l| IjetauS, toeil fonft jebermann ettoaS 
anbereS ertoartet, afö er embfängt. Übrigens ift ber £ert . getieft 
betjanbelt, namentlicb, aueb, ber ®ialog getoanbt unb tebenbig gefebrieben, 
toie benn bie $tofa bem Berf affer geläufiger ferjeint al§ berBerS. 

Born ©barafter ber SKufif einen Begriff p geben, fo tonnen toir 
fie im allgemeinen als gefunb unb natürlicb, begeiebnen. Offenbar febtoebt 
Wco^axt bem jungen Sonfefeer als Qbeal ber SKufe bor; in ber Seictjtig* 
leit unb Stnmut ber formen beträt eS fid) namentlicb, ba% jener SMfter 
in Blut unb Seben be§ Jüngern Mnftler§ übergegangen. Stber auetj ber 

SRoBeit @d)umaratä gef. ©Triften. II. 7 



98 109. IL Dper »Sfjontaä 3Uquiquu. 

ftanjöftfcEjen ©cfmle fäjeint et nid)t unbettraut, unb roir bemerfen bieg 
gern, »o er an SSoielbieu, roeniger gern, reo er an 2lbam erinnert. @o 
lönnte f^egtelt ba§ SJcotib, ba§ bie ©runbibee ber Dper tragt: „Strbeit, 
grofjfinn, letztes S3tut ftnb beg ®afeing t)öä)fte§ ©ut" bom tomponiften „ 
beg »$oftttton§« fein — roir gefielen, el ettt>a§ tribtat gefunben gu 
tjaben. @3 t)aben alfo jene berfdrteben lautenben SSeridjte alle in etroag 
red)t, roenn fte bon einem ©influfj äftogartg, 33oieIbieu§ unb Slbam§ auf 
bie SBitbung beg fomboniften fpred)en; 3Seett)obenfd)eg nur bermod)fen 
roir nirgenbg gu entbeden, aber ebenforoenig itatienifdje ©emeintolä|e, 
roag roir mit Vergnügen f)ingufe£en. 

gut bie auggegeietjuetfien <6iMt ber Dper Ratten roir bie @nfem* 
bieg, unb roenn e§ roabjt ift, baf$ fid) gerabe barin ber S3etuf beg bra» 
matifdjen tomtooniften geigt, fo muffen roir biefen §rn. ©. gufbred)en. 
3n ber Partitur, auf ber ©jene nimmt fid) gereift manches nod) bortet 
tjafter au§, aber aud) ber Stabierauggug läfst ba§ entfä)iebene Snlent beg 
®omboniften in biefem 33egug atjnen. ®ie§ ift nid)t ber fd)roerfättige 
SSerfud) beg ©äjülerg, fonbern bie ffnetenbe £anb natürüd)en ©efd)icfeg. 

SSag ba§ melobifcrje ©tement ber £)üer betrifft, fo i)ätt e§ fid) in ber 
3Jtitte groifd)en frangöftfd)em unb beutfcfjem ©fyarafter. Qux Offenbarung 
tieferer 9Mobienfraft bot bie Dper leine (Gelegenheit, ©ut fangbar ift 
faft bag meifte, nur ber Senot (9ttquiqui) fjält fid) oft in ben böäjften 
Sagen auf. ®ie ©f)öre finb burdigangig fet)r leid)t, in 23etrad)t, baf? roir 
©anSculotten au§ ber erften Seit ber frangöfiferjen 3tebotution bor un§ 
fjaben, faft etroag gatjm gu nennen. 

SSor allem aber ift bie Sotreftrjeit unb ©auberleit be§ @a|eg gu rühmen, 
roie fidj bag burd) bie gange Dper rjinburd) geigt, Saft fie aud) bortrefflid) — 
• Kar, einfad) unb natürüd) infirumentiert fein mag, lä^t fid), ot)ne fie öom 
Dtdjeftet gehört gu bjaben, beinahe mit Seftimmtfjeit boraugfagen. 

3Bir rjaben fomit in jebem gälte eine freunblicfje Ober metjr, unb eg 
berbienen aud) bie Verleger ©rroäfjnitng, bie bag SSerl eineg jungen 
baterlänbifd)en Salenteg im ftattlid)ften ©eroanbe ber Öffentltdjfett über- 
gaben, ©ebenfen roir ber großen l^ugenb beg tomboniften (er foll laum 
24 ^arrce galten), fo bürfen roir auf feine Sutunft erfreulid)e Hoffnungen 
fe^en. ®g roirb aud) geit, ba^ bie beutfdjen tomöoniften ben SSorrourf 
ftrafen, ber it)neu feit lange gemacht roirb,. Italienern unb granjofen ba§ 
gelb nidjt auf bag tapferfte überlaffen gu b.aben. ®ä gab' e§ ein SBort 
gu reben, aud) an bie beutfä)en Siebter! 



110. Oratorium »^o^ann §ufi«. 99 

110. »3>oljarttt £ufj«, 

Oratorium öon Sßrof. Dr. 31. geune; fomponiert öon Dr. t. So eh) e. 

SSerf 82. . 

. . äöir freuen un§ ber SMgleit be§ geifibollen 3Jcanne§, bon ber un§ 
obige§ 3ßerl toieber geugniS gibt, ©ein neues Oratorium reiljt fid) in 
fetner Senbenj ben früheren berartigen fomüofitiönen Soetoe§ an; 
e§ ift, fdjon com Sinter, nidjt für bie JKrdje gebadjt unb Satt fiel), für 
ben fonäextfaal baffenb ober aud) bei mufitfeftlidier (Megenfjeit tooljl 
anzubringen, §toifd)en Oper unb Oratorium. SBir tjaben nod) !ein gute§ 
SBort für biefe äftittelgattung; bei geiftlidjer Dtoer ben!t man an ettoaS 
anbereS, unb bramatifd)e§ Oratorium trifft ben ©inn auct) nidjt. 
Bon mancher Seite ift fogar gegen bie gange Äunftgattung angeftritten 
toorben. ©ollen ber üühtftl aber (Sjarattete, eben tute $u% ©utenberg, 
toie Suttjer, SBinlelrieb unb anbere ©tauben^ unb greü)eit§t)elben, grä%= 
lid) entzogen bleiben, »eil fie Weber ganj für ^Ä&per, nod) ganj für bie 
®trd)e paffen? SRir fdjeint, Soetoe t)at ein SSerbienft um bie. ©attung, 
^)ie toenn aud) nod) lein ©toodjentoert geliefert Ijat, bod) aud) nod) md)t 
p.(Snbe gebaut ift. S)a§ rein biblifdje Oratorium lann barunter nic^t 
im geringften leiben unb toirb aud) immer feine Uomboniften finben. 
Sfber tote toolten un§ freuen, bafj bie ©efd)id)te .pod) altertjanb grofje 
©eftalten aufptoeifen t)at, bie fict) bie äJhtfil nur" anzueignen brauet, 
um naä) einer neuen ©eite f)in p totrlen unb fid) au§pfbred)en. SSon 
biefem ©ebanfen fdjeint aud) Soetoe auf ba§ innigfte burdjbrungen p 
fein, ba er nidjt abläßt, ben früher betretenen SSeg p berfolgen. Unb 
t)at er barauf nod) leine gtänjenben !£rium$)e errungen, fo fdjrede it)n 
btö ntctjt ab; e§ brauet nid)t alle§ in ber SBelt gleidj gurore p machen 
unb barf bod) eine§ et)renben StnbenfenS in ber Sunftgefctjidjte getoifj 
fein. 2)a§ SSerbienft, einen neuen SBeg mit angebalmt p tjaben, mu| 
Soetoe pgefbroäjen toerben. 

§ätte er'§ bod) in ber. erften SMüte feiner äRanneSlraft getan ober 
in ber ^eit, ber mir feine frifd)en Iräftigen SSaltaben berbimlen! Slber 
freiüä), ber 93ilbung§gang etneS tünftter§ täfjt fid) toot)t t)interf)er er* 
Haren, bortjer aber fd)toer tenlen unb borauSbeftimmen. 3u ftarl tote! en 
aud) Seben unb Berbättniffe oft ein. 2lu§ bem Dbemlontboniften §cmbet 
toirb ein Oratorienfotuponift; §aübn, ber Qnftrumentatift, gibtunSim 
©reif enalto feine » @d)ötofung «, SKojart mitten in fetneu Otoerntriumbt)ert 

7* 



100 HO, Oratorium »Sodann §ufj«. 

fein »Requiem«. SJtögen foldje ©rfcrjeinungen aucb, im tieferen inneren 
Sßefen ber Mnftler begrüntet fein, — Sehen, Umgebung, $erfjältniffe 
bringen fie oft erft gur Steife. 

Soeroe, um miä) eine§ 35ilbe§ gu bebienen, ift früfygeitig auf ein 
einfame§ ©ilanb geroorfen morben. 3Sa§ brausen in ber SBett borgest, 
lommt nur ergäbiimggroeife gu feiner Sunbe, rote umgelegt ibte Sßelt- 
nur feiten bon ifjm tjört. $roar Soeme ift ber ßönig biefe§ ©itaubeS 
unb baut e§ an unb üerfdjönert e§, benn bie Statur tjat iljn mit Xfcfy 
terifcrjen SMften auggerüftet. ©röteren @influ| aber auf ben ©ang 
ber SSettbegebeurjeiten ausüben fann er nidjt unb roill e§ öielleidjt auä) 
niäjt. 

@o gehört benn Soetoe beinahe %u ben SSerfcboIlenen fä)on, tro| 
feiner regen fortgefefeten sßrobuJtitrität. Man fingt rooI)t feine alten 
S3aHaben noä), unb fein „3Ba§ gießet unb Hinget bie Strrtfje b/erauf' 
ertönt nod) au§ ber Shtjle manches alten S3urfc|en; aber feine fpateren 
größeren Strbeiten finb laum bem tarnen naö) belannt geroorben. Un* 
gereä)terroeife, aber auet) natürliö)erroeife. Unb tjier mufj idj etroa§ 
augfpredjen, roa§ ierj nur ungern tue, unb möcrjteeg. mit : bem ©oett)efä)en 
aSort einleiten: „Sßer ficf> ber ©trtfamfeit ergibt, ad), ber ift balb allein." 
Qu lang antjaltenbe 9Ibgefct)iebent)eit bon ber SSelt fctjabet bem SHinfiter 
guletst; er fängt ba oft an, ficE) in geroiffe formen unb ÜDtauieren eingu» 
geroölmen, bi§ er fiel) plöpeb, big gum ©onberling,. gum Träumer feft» 
gefahren. So weit mag er fid) nod) gang rooljl befinben. 2Iber bonnert 
ü)m nun einmal eine öffentliche (Stimme ein „^ab' aäjt, greunb" ent» 
gegen, fo berfallt er in ©rübeln, in Qroeifeln an fiä), unb ber Ißebanterie 
gefeilt fiä) gar nocrj ber Unmut, bie §fyf>oä)onbrie gu, biefer fcrjäbliefjfte 
geint) be§ @ä)affen§. 

Sßir finb roeit entfernt, obigeg in feinem gangen Umfange. auf Soeme 
anguroenben; aber eg ift ©efafyr für tynba. SBie fein »£mf3« ungroeifel» 
t)aft eine äftenge ©teilen aufguineifen Ijat, bie ben nod) frifcfyen etaftifdjen 
©eift ü)re§ @d)öbfer§ begeugen, fo bocb, anbre roieber, an benen mir bie 
fdjäblid)en Gsinflüffe einer ifotierten ober fic(j felbft ifolierenben Stellung 
roabjrneljmen gu fönnen glauben. @§ gibt, eine ^ßebartterie ber (Sinfacb/ 
Ijeit, bie fiel) gur lünftlerifc^en edjten S^cxiüität bert/ält wie Spanier gur 
Originalität. ®em Saien fagt jene gar oft aud) gu; ber iunftter aber- 
roill and) immer mufifalifcb, intereffiert fein, unb biefen legieren 21n=' 
fprücljen genügt ber »§u^« eben nidjt immer. -Sßielteidjt em^finbet ba§ 
ber Som|)onift. felbft manchmal, benn er berfällt ftellenmeife -in ba§ anbre 



110. Oratorium »Sodann §ufj.« 101 

@£ttem unb gibt g. 35. im 3tett Seile feineä 2Serfe§ auf einmal eine 
I)öcE)fi fünpcfje lanonifäje SReffe. 21ber bafj er gwifcljen atlgu großer 
@mf adrett unb fünftlicbfeit bie. Sftitteümie treffe, ben eigentlichen 
. Jhtnftftil, bieg wünfcbfen mir, bäfj- e3 ibm gelänge, greiftet), ba§ te|te 
ba§ fcfiwierigfte unb, grofjeS Sntertt borau§gefe|t, baZ (Ergebnis bieler 
©tubien, (Erfahrungen an ficb unb anberen. Sflödjte. unferm £on» 
bicbfer fein @eniu§ bjolb fein unb ibn biefen SBeg gefeiten; aber auct) 
jöt^fnirb e§ nictjt allein bermögen, fonbern unau§gefe|ter gteifj, ftren» 
geä Überwachen ber Gräfte, eiferner SSitte bi§ in bie älteften ^abre 
tnnauf. 

SBir geben gur aSegrünbung eingelner oben au§gefbroel)ener In» 
fixten etttaS nätjer auf ba§ Dratorium ein unb muffen guerft bem 2)iö)ter, 
gewifs aueb, im Sinne be3 $omtooniften, einen ®anl ftoettben für feinen 
£ert (S§ ift einer, ber auct) obne 3Jcufif fiel) be§ Sefen§ lobute, feines 
©ebanfengefjafteS, ber ebten ecE)t beutfäjen ©toraerje, ber natürlichen 
iKnorbnung be3 (Sangen fjalbet. 38er an etngetnem mafeft, an eingetnen 
Porten SInfiofj finbet, ber mag fiefj feine Sejte bei ben ©öttern fjolen. 
SBir würben bie Ibmtooniffen glücflieb, fcfjä|en, bie immer folebe Sejte 
gu fomtoonieren bütten. 

£>ie ©eferjicfjte ber |ianblung tonnen mir afö befannt borau3fe|en; 
©tjaralter unb Gattung ber Sfebenberfonen Wirb au§ bem golgenben er= 
ficrjtlicb, werben. 

S)a§ Dratorium beginnt mit einer (Einleitung, bie, mufifalifet) nidjt 
aufjergewötjnlicfj intereffant, boeb ben ^rotog tiaffenb einfeitet, ©in 
Prolog folgt, ber geit unb 33ebeutung ber £>anbtung in furgen Sßorten 
feftfietlt. ®er Dombonift läfjt biefen gwar einfach, boeb, originell bom 
(Sfjor allein bortragen. Qm Sfacfjfbiel gu biefem (Et)or treffen Wir 
febon auf eine ©teile, Wie fiel) äbnticrje im gangen Dratorium unb gu 
oft roiebertjoten; e§ finb fogenannte ©equengen. SSir fpreäjen un§ 
gleieb f)ier barüber unb bagegen au§, weil fie im Verlauf eingeln angu* 
führen gu biefen $ßla| rauben würbe. ®urcb, ben folgenben Meinen @a| 
in 2R>ur wirb einem ftoäteren ©bor borgegriffen. SSie er ferjon bfer er» 
fct)eint, b,ai er feinen regten ©inn, auct) leine SSirfung. '. 

3fa. 1 ift ein ©Bor ber ©ebüfer unb ©tubenten bon $rag, bie fiä) 
ifjter ©tubien .freuen. S)ie Kummer ift feicbjt unb ctjaratteriftifd), in ber 
gorm aber faft bilettantifct) einfact).. (S§ feb/tt ibm, um tünftferiferj gu 
beifjen, ©etail unb feinere ©eftaltung, auct) eine §ärte finbet fiel): 



102 



HO. Oratorium »$ot)arin §ufj« 



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Qu 5ßr. 2 tritt £>ieront)tnu§, ein greunb be§ §ufj, auf unb melbet, 
baf; festerer bor btö ®oftni|er Sfrmgilium getaben ift. ©aft Soetne ba§ 
Stejitatiü auSgegeidjnet beljanbelt, ift oit§ feinen früheren Sirbetten be* 
lannt. ®ie§ £ob gilt für alle ^Rejitatibe be§ DratoriumS. 

®er barauf folgenbe ©f)or: „Jgufj, sieb/ nicfyt fort" Ijat ein leben» 
bige§ Sö)enta. ®ie S3et)anblung be3 ©anjen bünft un§ aber ober» 
ftädjlidj. . 

üftr. 3. öufj tritt auf unb gibt ©rllärungen. §ieront)tnu§ toarnt 
itm: 

Qu ftarl, o gmfj, fyaft öu &ie flertfet, 
DB ifirer ÜpptgMt unb STtjrannei, 
DB fcfynäben 3I6Ia|!ratne0 angellagt, 
6ie ttrirb btr'3 nimmermehr öergeBen ufm. 

®ie Slrie (33afs) ift au§gejeic£)net; nur gegen ©teilen toie: 

"" -&- ß — £— ß- 



£ 



*¥+ 



££ 



5 



» * = » = » « * s » = « Ben! 

möchten mir un§ ftentmen; fte erinnern §u fetjr an bie ®raunfd)e gotof* 
geit. ®en <3c!)luf5 führen nur nocl) an, ba bie§ Steigen ber ©timme in bie 
£ief e gum ©d)lu£s ber Hummern eine SieblingSntanier be§ Sfotuboniften 
jcEjemt*, bie mir mentgftenS nidjt gu oft anzutreffen toünfdjten. 

Sto. 4 bringt ben frönen ©tjoral: „Sßa§ mein ®ott totll, ba§ g'ftfiet)' 
allzeit." ©§ ift fein unb fogufagen au§ beut ßeben gegriffen, baf; §ufj 



28ir ftnben fte junt ©tfilufs »on 9?r. 9, 3fr. 12, Sfe. 17 wteber. 



110. Oratorium »^o|ann gmjj«. 



103 



bie erfte ^ßeriobe allein anftitnmt. Qu folgen fteinen QüQtn Riegelt 
ficfj ba$ ecfyte Talent. 

gn Sftr. 5 treten natf) einer rejitatibifc6,en Anleitung Sßenget, Sofia 
unb §uJ3 gu einem Sergett gufammen. ®ie beiben erfreu finb ba§ bötjmif dje 
3Sönig3,baar. §uf5 greift bag ^ßatotiftentum an. SmSergett öereinigen fie 
fictj pm *ptct§ be§ ©laubenS, ber Siebe, ber Hoffnung. ®ie gorm be§ 
(S5ebtcE)t§ bot bem äRufifer t)ier ©elegenfjeit p einer funftreictjen 33er* 
roebung ber ©ingftimmen, bie er fid) inbe§ entgegen liefj. 2)er 9tMgang 
bon 2fö naä) (£§ auf ©. 36 fdjeint un§ fogar nid)t gang meiftert)aft. 3m 
übrigen enthält bie Plummer biet Snntge§. %üx £t)eoretifer bom eisten 
©cfjröt unb ®om ftetje and) biefe ©teile ba: 




m 



Se 



it 



Sfatä) unferm Urteil ift ba§ bie ärgfte ©ünbe nic£)t, nur ^ebanterie 
unb ©eifteSfauttjeit in ©actjen ber Shxnft ift e§, roie jie gerabe unter ben 
©eneralbaffiften am meiften angetroffen roirb. / 

®er 2te Seit beginnt mit einem .ßiseunerdjor, bon bem rote meljr 
erwartet tjätten. 28of)lttang unb Stnmut füllten niemals fetjlen, auctj 
roenn Zigeuner fingen. ®ie§ roufjte Sßeber in ber »^rejiofa« beffer gu 
machen. 

dagegen mufs 9h:. 7, roo fict) gimfcrjen ben ©timmen ber Qigeuner 
au§ ber gerne ber ©tjor ber §uffiten berneljrrten täfjt, bon bebeutenber 
SBirfung fein. 

$m S^euti-ei^or üßr. 8 tritt ber frühere gigeunerartige ©Ijarafter 
gurücü; er büntt un§, faft nur auf Sonifa unb ©ominante bafiert, bod) 
gar'gu ftmtoet. SBenn roir oben bon ©teilen ftoracrjen, an benen roir bes> 
f omboniften ifolierte Stellung roarjrgunel)men glaubten, fo meinten roir 
bamit (Stjöre roie biefe -Kummer. 

$n gfJr. 9 erlunbigen fiel) bie (puffiten naä) htm SBege nad) toftnits. 
(Sine gigeunerin toarnt bor ber Steife in einer Strie, bie un§ nur wenig 
gufagt unb metobifd) roie formell mißraten fdjeint. ©o roenigfteM 



104 110; Oratorium >$oljanft §ufj«. 

natfj bem SHabierau§äug. SSieHei'djt • roirb fie burdj ba§ Drd)efter ge* 
Robert. 

•Jfc.lO. £>u|3 geigt feine $urdjt; er r)at"'ja cmdj freies (Meit bom . 
Äaifer @igi§munb berff>rod)en belommen. ®er ©b or Rottet: „greieg 
(Meit?" unb fbater „©igemunb Sügemunb"; beibe 21u3brüä)e t»e§ 
(£fjor§ finb fet)t Iur§; im 2ten bünft un§ ber ©intritt ber SBäffe auf ber 
©ominante nidjt meifterrjaft. 

Ufa. 11. §ufr berabfcfjiebet bie greunbe, bie tf)n begleiten, in au§V 
brucßboller SRufit 

Ufa. 13 ift faft eine toöxtltcEje 28iebert)otung be§ Si)ore3 bon-Kr. 6. 
®ie gigeuner §iet)en fort. ®a§ in§ d einmal betfdjtoe&enbe e pm ©cfjlufj 
(@. 64) ift ein abgelaufener Sßaturlaut. ©otdje S^otert fallen nur einem 
.boetifetjen Sotofe ein. 

$n Ufa. 14 begegnen mir junädjft ber 2tufftf)xift: „SieblitfieS SSiefem 
tat", ate bem Drt ber £>anblung. &§> liegt barin etroa§ SonberbareS, 
ba ba% Oratorium boä) fierjer nidjt jur Stuffufjrung auf ber S3üt)ne 
beftimmt ift. ®er ^antafie be§ §>ßrer§ burä) folerje 9Inbeutungen %u 
§ilfe ju tommen, fetjeint aber gar rooi)l guläffig. ®ie SDtufif fcfjitbert 
ben Drt im freunbliögen 21=bur nodj fcfjärfer. §u|3,_ in ein §irtentat 
gefommen, bittet bie Wirten um einen SxunI SJcttct). ©fjlum roarnt 
bor Vergiftung. ®ie§ gefä)iet)t in ber Sfatfif fetjr cfjaralteriftifcb im 
groiegefang §roifdjen §uf3 unb &)lum (<&. 67).:®te ftoäteren SSorte be§ 

§irten: 

2Iuclj eudj, o §err, Derlei^' ®ott §etl unb ©lud! 
Qt)t mögt too^I ttianbelit jejjt auf ferneren SBegen — 

obroot)! bom ®omboniften auäbrucfSboIl remitiert, roünfcrjten mir etroa 
bon 35eett)oben tomboniert gefetjen %x\ baben. §ier !onnte eine tiefe 
9lti{)xuTig erreicht »erben. - 

SDie folgenbe Stanmer beginnt mit ben Sßfalmroorten: „®er §exr ift 
mein §irte" unb atmet ben rechten &\)axaiitx, bodj l)ängt ba§ ©anje §u 
lange in 2t*bur feft. ®er 6t)or bringt bann meljr 23eioegung in baZ <5iM. 
äßie ber erfte, fo. fcfjltefst aucr) ber jroeite Seil ganj leife. 

gm 3ten roerben roir uad) toftnitrberfetst. Barbara, Saifer @igi§* 
munb§ grau, bittet biefen um ©nabe für gmf?. fetter fträubt fitf). Wan 
l)ört ba§ (Mäute, in ber SJlufil in ber belannten Duintentoeife roieber? 
gegeben. ®ie folgenbe 21rie ber Barbara: „91ugen finb ber ©eele treuer 



110. Oratorium i^ofjamt §ug«. 105 

Spiegel" ift innig gefungen, roenn ouä) mdjt neu. SSiel bebeutenber atö 
äJUtfifftüd unb oon fetbenf^aftltcrjer Färbung fdjeint un3 'ba§ nadjfte 
Suett. 

@§ folgt je^t unter bei; 9Iuffct)rift »Missa canoniea« jener fimftüc£)e 
9JlUfiffa|,. bon bem mir oben fbracfjen, bafj ex fict) im ©egenfa| §u ber 
im ganzen Oratorium borroaltenben ©tm^ü^ität roie ein Gittern au§= 
nannte. Söie bem fei, foldje @ä£e gereiften jebem fftuftfer %ux @b/re. 
®ie gorm ift bie be§ boppetten ®anon§ in ber Enterquinte. SIu§ 
ber aSatfifdjen 5ßaffion§mufif nac^ bem ©bangelium Rannte erinnern 
mir un§ eine§ är)nftct)en, freilict) noc^ lunftbolleren, über bie SSorte 
„^reujige". 

3^r. 20 enthält bie Smflagefjene. §u^en§ folgenbe 2trie fcfyemt un§ 
eine ber bebeutenbften be§ Sßerfeg. ©rgebung in ben SSillen be§ JjMm* 
mefö ünb 2to| gegen feine Verfolger finb bie @runb§üge biefe§ warmen, 
energifdjen 3Rufifftücfe3. ytoä) einmal fingt er feinen ©f)orat, ben er 
fcrjon im erften Seil angeftimmt, bem ein etoa§ matterer ©tjor unb bann 
bie ©jene mit bem Jöauern folgt, ber nocb, ein befonbereS (Scrjeit gum 
§o%ftof5 i)erbeigetragen bringt. §ier folgt bag roeltberürmtte, mit @eift 
fomponierte „0 sancta simplicitas" §u^en§. 

S)en fotgenben, ben ©djlufjcrjor, roünfd)ten roir in bollftänbiger S3e= 
fetmng gehört §u tjaben; er muf} bon ergreif enber SBirlung fein, nament* 
ßä) tote £>üf$ sroifctjen bem ©ijot ber glammengeifter ba§ „Miserere mei 
Domine" auffäjtett unb mit immer fdj'roäcrjexer (Stimme unb ben SBorten 
„non confundar in aeternum" befdjftejjt. ©3 fcrjeirct, ba| ber fom* 
ponift gerabe an biefcr Kummer mit SSegeifterung gearbeitet, unb roir 
möchten fie für bie roürbige &one be§ ©angen erKaren. 

So fjaben roir nactj beften Gräften berfuctjt, bem Säerle bie Sßürbi* 
gung ju geben, roie fie eben nadj einem Söaöierau§pg ju geben mögtiä): 
ift. Über bie S3efat)igung be§ Somüoniften fjat bie SMt längft ztä* 
fctjieben; aber ber SSege gibt e§ bieterlei. Soeroe t>at fict) einen fctjroieri» 
gen geroafjlt. @r ermatte nicfjt — unb roenn auct), ba§ SSerbienft mufs 
ifjm bleiben,, in ben erften Steigen jur (Srreidmng eine§ neufen gieleä 
gelämtoft ju tjaben. 9Äit biefem S5e!enntni§, ba$ roir fdjo-n an bie @fn|e 
be§ StuffatseS ftellten, befctjliefsen roir ü)n unb mit ben beften ä8ünf<ä)en 
für be§ Sünftler§ ferneres SBirfen. 



106 Hl- pattofortenutftl. 



111. Panofotterauftf. 

(Seit längerer Seit ift über feine Pcmofortelotttpojttion in ber 3 e ^ 5 
fäjrift berietet roorben; e§ gab eben trots ber SRaffen, bie täglich für biefeS 
i^nftrument gefdnieben werben, nicfjt biet 9tote§ ju bemerlen. ®ie 
äMfter ber borIe|ten ©bocl)e finb teils berfä)ieben, teils fcfjtoeigen fie 
gang; bie ber legten ©öoctje beharren entroeber in iljren Stiftungen, 
über. bie fctjon junt öfteren in biefen blättern gefctjrieben tborben, ober 
finb gar -utrücfgegangen. daneben tbucrjert jenes Unfraut fort, tote es 
%u alten Seiten getbucb,ert t)at; bocb, rjat baS ©reiblatt ©jernt), §erj unb 
Junten bebeutenb in ber ®unft beS ^ßublifumS berloren. ©S iuirb ebenfo* 
roenig auszurotten fein roie eine getyiffe Seü)bibtiott)ef*Siteratur; in einem 
Uunftblatte berbient fie nur bie flüchtige 2tnbeutung u)rer ©jifteng. ©in 
neues toatirtiafteS f ünftlertalent, baS bem Älabier feine Gräfte roibmete, 
ift nocb, ntcE)t erfcfjienen; einzelne erfreuliche ober boct) t-offnungSbotte 
©rfcrjeinungen berühren roir ftoäter. 

2§on ben namhaften SMabierfomboniften ber borte|ten ©bocb,e fctjaffen, 
aufjer ©ramer, ber einer noct) früheren zufallt, in ber leisten Seit aber 
tbieber mit einigen neuen ^omtoofitionen tjerborgetreten ift*, nur nocß, 
äftofdjeleS unb Sallbrenner. ©rfterer f)at in feiner »Romanesca«** 
eine ^erfiflage jener ^feuboromantil geliefert, bie itjren eigentlichen 
(Si| in ber großen $arifer Dtoer tjaben mag, bon ba aucb, in bie SHabier* 
mufif fiel). eingefct|tict)en, fogar über ben 9tbein bis %u unS borgebrungen, 
— : eine fßftlicrje ^erfiftage, bereu @inn iborjt f)ier unb ba nierjt einmal 
berftanben rourbe, fo ba^ einige gar ben SSerfaffer unter bie SSerrücften 
fctjieben moctjten, bie er gerabe fctjilbern toollte. ®ie ©atfje ift luftig 
genug unb toert, bafj man fie lennen lerne, ©in anbereS, aber erupfaft 
gemeintes ©tue! beSfelben SSomboniften ift eine ©erenabe***, bie unS 
mieberum geigt, tote bem SSerfaffer bie SSetoegung ber legten ^tarier* 
fbieleretoocrje nierjt fremb geblieben ift, otme bafj ttrir fie gerabe feinen 
glücftictjen ßeiftungen beireetjuen mödjien. 

-,-. §errn. Äalf.brennerS tarnen finbet man nur nöcb, auf einzelnen 
^antafien über £t)emaS aus gerabe in $ariS beliebten Dbern, über 
beren Sufäjnitt unb Qmä nict)t biet p fagen ift. 



* ©eine Bebeutettbfte — trierfjänbige ©tüben — tonnten wir nodj nic^t ju 
©eftdit Befonraten. 

** SBerf 104. *** SBerf 103. 



111. «ßtanoforteinufti. 107 

©in ®uribfum eines fetjr Bejahrten SonfetserS liegt unS nod) bor in 
Srabburbariatümen bon f$. ®. SSeber*, bem ®feeftor btö fraget 
®onferbatorium§. 28ir nehmen baS <3tücf als eine liebenSwürbige Saune 
beS. alten 9JcanneS. SSenn aber einzelne beutfcEje 3tegenfenten übet baS 
Sßerf in ©ffiafe gerieten unb auSfd)rien, bieS wäre ber roarjre IlaffifcEje 
SSrabburftil, fo fann man barüber nur lacfjeln. ©S iffc ein ©elegenrjeitS» 
ftücf wie tjunbert feineSgleicrjen unb bon wahrer SJlufif barin leine fftebe; 
ja, wir finben nicrjt einmal baS £f)ema fefjr ausgezeichnet unb nament* 
1x6) bie Harmonie bom brittle|ten pm borletrten Salt unmufifaüfd). 
®a§ baS ©ange in feiner urftorunglicrjen ©eftatt, wie wir in einer 2tn= 
merlung lefen, mit Drcfjefterbegleitung unb 9titornettö fict) ungleich be= 
beutenber ausnehme, ift fein gweifel. 

3)ieS wären bie namr)afteften ber alteren Sonfeiser, bie unS gule|t 
ffabieriomtoofitionen gegeben, unb bie 2tuSwat)t freilieft, leine grofje. 

SSon ben f omboniften ber Ie|ten ©bocrje berntiffen wir feit gafjreS* 
frift leibet SrenbetSfotju unter ben für baS f labier tätigen, ©eine 
gule|t erftf)ienenen äßerfe waren baS 4te §eft ber »Sieber orme SSorte« 
unb ein 33ariatibnengt)fvuS in bem Seetfjobenaibum, bie beibe fcE)on in 
ber gettfccjrift erwähnt würben. Seiber feiert autf) Sß. Saubert in 
S5erlin, beffen fruchtbarer Anfang eine reidjere gotge erwarten liefj. 
hoffen wit, ha 1 ® fie, wie manäje anbere, mit ifjren ©üben nur gurrte!* 
galten. 

SSielem ©eiftbolten begegnen wir wieber in einigen ®ombofitionen 
©fjbbinS: fie finb ein fongertattegro (äßerl 46), eine33aüabe (3ßeri47), 
2 SfotturnoS (SSerf 48) unb eine ^antafie (28erf 49) unb, wie alle 
bon feiner §anb, im erften SCugenbftcf als ©fjbbinfct)e Stombofitionen gu 
erlernten. ®a§ tongertaltegro b,at gang bie gorm eines erften SEbngert* 
fa|eS unb ift Wot)I urfbrüngticf) mit Drdjefterbegleitung gefcrjrieben. .SCBir 
bermiffen in bem ©tuet einen fd)önen Sdittelgefang, baS fonft reid) an 
neuem unb gtängenbetn ^affagenwer! ift; wie eS bafteljt, f er) weift eS gu 
unruhig bbrüber; man füfjlt ba% SöebürfniS nacb, einem na<f)fotgenben 
kngfamen @a|, einem Stbagio, Wie benn bie gange SMage auf ein 
bolIftänbigeS Bongert in brei @ä|en' fcrjliefjen lafjt. ®aS Slabier gur 
rjöcrjften ©elbftänbigfeit gu ergeben unb be§ DrcfjefterS unbebürftig gu 
macfjen ift eine SieblingSibee ber jüngften Slabierfomboniften unb ferjemt 
aud) ©Ijobin gur Verausgabe feines Megro in ber jetzigen ©eftatt ber* 



* Sßrag, Bei Q. §ofmatm. 



108 111. patiofortemufÜ. 

mocfjt gu fjaben; an biefem neuen SSerfucrje fetjen toir inbe§ bon neuem 
itjre ©cbwierigfeit, ot)ne berate bom wiebertjolten angreifen bei ©actje 
abpraten. — Sei »eitern ljör)er af§ ba§ Sttlegro [teilen mir bie SSatfabe, 
(£rjopin§ britte, bie fictj bon feinen früheren, in gorm unb ©rjarafter 
mertticrj unterfctjeibet unb, lote jene, [einen eigenften ©ctjöpfungen bei* 
$u$ät)Ien ift. 2)er feine geiftreictje Sßofe, bei ficrj in ben bornerjmften Steifen 
ber frangöfifcrjen ^auptftabt ju Bewegen gewolmt ift, möcrjte in itjr bor* 
pg§Wei[e ju erlernten [ein; ifjr ^oettfdjer ®uft läjjt [icfj weiter nicf/t 
jergliebern. — - ®ie 9Mturno§ reiben ficrj in ifjrem metancfjolifctjen (£f)a« 
rafter, ü)rer grajiöfen Haftung ©f)o;bin3 früheren an. Sorpgtiä) mag 
ba§ gweite §u mancher §er§en fbredjen. — $n ber ^ßtjantafie Begegnen 
mir beut füfmen, [türmenben Sonbicfyter Wieber, wie wir itjn fctjon öfter 
lernten gelernt; fie ift bot! genialer einzelner güge, wenn aucrj ba§ @an§e 
ficrj einer fcfjönen gorm nictjt tjat unterwerfen wollen, äßelctje S5itber 
(£r)o^tn borgefctjwebt tjaben mögen, afö er fie fctjrieB, fann man nur 
atmen; freubige finb e§ nictjt. — 

SS. @ternbale=23ennett tjat feit [einen reijenben, fctjon bor Safjr 
unb Sag in bergeitfcrjrtft Befproctjenen »Diversions« nur eine einzige 
SHabieriompofition beröffentlictjen taffen: »Suite de Pieces«*, fie reictjt 
aBer fjin,. bie 2tctjtung bor [einem fdjönen Talente gu erneuen. ©ectjS 
©tücfe finb e§ äierrtlictj . gleichen ©jaraftetö,, bie ba% §eft enthält, bie 
famtlictj $eugni§ bon ber eckten, alle§ wie nur im ©crjetj unb (Spiel boll* 
Bringenben ©crjöbferfcaft it)re§ S5erfaffer§ geBen. ^tcrjt ba$ Sieffinnige, 
©rofjartige ift e§, wa§ un§ fjier ©ebanten wectt unb imponiert, fonbern 
baZ geine, ©pielenbe, oft ©Ifenärjnlicfje, baZ feine Keinen aBer tiefen 
©puren in unferm §ergen jurücflält. ©inen großen ®eniu§ wirb batjer 
33ennett niemanb nennen wollen, aber bon einer ©enie tjat er biet. Qu 
biefen Sagen, wo [o biele unerquicfticrje ÜDcufif ftc£) breitmacrjt, ba§ $ufsere, ; 
ba§ j-Dcedjanifctje Bi§ . jum Unmafj unb Unberftanb tjinaufgetrieBen wirb, 
Wollen wir un§ aBer boppett erfreuen an jener natürlichen ©rajie, jener 
füllen Qnnerücrjfeit, wie fie S3ennett§ S&ombofttionen innewohnt. SSir 
jWeifeln aucfj nictjt, bafj biefe SIrt 3Jcufil, wie bie itjr berwanbten fjötjeren 
unb nieberen SRictjtungen fict) immer met)r 93atjn brechen muffen, unb bafj, 
wie berfcfjieben aucrj bie Urteile über einzelne ifjrer Vertreter auffallen 
mögen, bie ©efcfjicfjte ber fünft ber ^ßeriobe, bie ba% funftreidje unb 
©eetenbolle wieber §u berbinben ftrebt, ifjren t)ot)en ^ta| über ba§, 



* SSerf 24. 



111. 5ßtattofortemuftI. 109 

toal'Pobc unb Saune be§ @Iücfe§ gehoben, einräumen unb fiebern roirb. 
S3iele§ ift jdjon getan ; unb unter ben f omboniften jener ebler en, f eltenereu 
Sftcrjtung berbient auä) Menuett eine. ©t)renftelle. ©triebe er nur mefjr! 
Stber e§ fdjetnt, ba% er felbft einfielt, er bewege fidj auf einem Meinen 
Serrain, unb er bürfe nictjt immer auf biefem bertjarren; berat, wie ge* 
fagt, mir lieben roofjl bie ©fenffnele, aber 9Jlarate§taten nocr) mefjr, unb 
biefe p bollbringen fctjeint ba§> Heine ©ebtet be§ f Iabier§ p befctjränft; 
bap gehört ein Drcrjefter, eine S3üb>ne. ®ocE) mir fcr>rüeifen proeit bon 
unferer fom^ofition al, bie üjrem »erfaffer, möge feine gufunft fein 
toie fie wolle, pr immerroät)renben ©bre gereidjt. S5on einem 'Mifr 
Rügen ber gorm u. bgl. lann bei ibm fc|on gar Seine Utebe mefr fein; 
Sinfang, Fortgang unb ©crjtufs be§ ©tüdeä, alles gefiattet fict) ü)m meifter* 
\\ä). 2iuf bie t^nlidjMten feiner Sompofitionen mit SRenbetöfofjnfdjen 
ift fä)on öfter aufmerlfam gemacht toorben; man mürbe Söennett aber 
fetjr unrecht tun unb Urteillofigfeit betraten, glaubte man mit fo einem 
2tu3ft>rucr)e feinen '^aralter boltftänbig bekämet p b/aben. ©eroiffe 
St)nti(i)!eiten finb ben betfcfjiebenen Stiftern ber berfctjiebenen (Sporen 
immer gemein geroefen; rote in SBadj unb ©anbei, Wie in SRojart, §aübn 
unb in ben früheren tomtoofitionen S3eetboben3 ift e§ ein geroiffeS 
gemeinfdjaftticfjeä Streben, ba$ fie berbinbet, bat fiel) auä) oft äujjerlidj 
au§ff)rid)t, gleicb, afö ob fiel) einer auf ben anbern berufen möchte. ®iefe§ 
hinneigen eine§ eblen ©eifte§ p einem anbern roirb niemanb mit bem 
äöorte 9toct)ai)mung belegen roolten, unb etroa§ &bnlicb,e§ liegt auä) im 
»erfjaltniffe 23ennett§ p SRenbet§fot)n. SSon SSerl p äöetf b,at -fidj aber 
SSennett immer eigentümlicher b,erau§geftaltet, unb in bem je|t borlie* 
genben lönnte, roie gefaßt, nur i>a§ berroanbte fünftlerifcbe Streben im 
gangen an äßwtbeföfoljtt erinnern. (Sljer möcfiten roir manchmal an ältere 
3Jtofter beulen, in bie fid) ber englifdje ^ombonift eingelebt p Ijaben 
fdjeint; ba% ©tubium föaäß, unb unter ben Sfoöierfomjumtften be§ 
®. ©carlatti, bie Sennett borpgitueife liebt, ift ntdjt obpe (Sinflu§ auf 
feine gortbilbung geblieben, unb er b,at gang reebt, fie p ftubieren; benn 
roer ein SMfter »erben roill, lann e§ nur bei Sfteiftem, — roenn Wir 
natürlid) auä) niäjt ©carlatti mit S3aä) auf eine (Stufe -fegen wollen. 
SSon ben einzelnen ©rüden ber » Suite « — auä) ein altes gutes SSort — 
möchten mir faum einem bor bem anbern ben »orpg geben. gebet: 
toirb nacb, feiner einfielt roäb,Ien. ®ie eigentümlid)ften fäjeinen uu§ bie, 
2te Kummer in ü)rer eigentümlictien böä)ft garten ©eftaltung unb bie 
4te roegen ibreS fjrjantaftifc^en (Sbara!ter,§. 



HO HJ. pcmofortentuftf. 

SSie @t. S3ennett War leibet audj 2lboI.bl) $>enfelt in ben legten 
galten nur wenig torobuftib. SSielteidjt tjielten itjn- nur äußere ©rünbe 
ab; benn bafj ein £ktell,.bet fo frifdj unb \xotßä) px grübeln Begann, fo 
fcfynelt wieber berfiegt Wäre, lann man ntdjt glauben, ©ein neuefte§ <S£üc£ 
für f labtet allein tjei&t »Tableau musioal«*; einer bölnnifcb/ruffifiiiett 
33olf§metobie folgt ein umbuche? S^enta, bie fid) in anmutiger SSeife 
ftoäter begegnen; e§ gibt ein 85itb, atö wenn etwa eine $igeunerbanbe 
ftcE> in moberneg S3auernboII mif ä)te, unb üielleiöjt t)at bem Somboniften 
fo ettoa§ borgefd)Webt, wie §um £eit wenigfienS ber %itd bermuten 
lafjt. ®a§ ©anje macrjt einen Leitern, faft. materifcfjen ©inbruc! unb ift 
bon ieuem 3Bot)lBang. befeelt, toie er alle tomtoofitionen biefe§ tünftlersS 
augjeicimet. 

SSon berühmten SSirtuofen, bie ba§ SHabier neuerbing§ bebaut, 
fügten, wir -werft <S. Sfjalberg an, ber, au&et feiner 2ten ^antafie 
über £l)ema§ au3.» ®on guan «, bie bon feinen anbern $b,antafien fiä) nur 
wenig unterfdjetbet, unter bem Xitel: »Theme original et Etüde«** eines 
feiner effeltboltften ©tücfe betöffentticbt rjat, — baSfelbe, mit bem er 
in feinen Sonderten fo oft gurote matf)te. S)er 9fte% liegt guerft in bem 
anmutigen S^ema, bon bem femanb fagte, e§ Ijabe etwa§ bon. einem 
©efang italienifc^er Maultiertreiber, toa§ ben befonberen ©fi,arafter ber 
äMobie aud) im gangen anbeuten mag; ben §aubteffelt auf btö $u* 
blüum matfjt aber erft bie fd)itlernbe Variation, too man niä)t toeifj, 
too ber ©bieter alle bie ginger fjerbefommt. 3)abei Hingt bie (Stube 
biet fcfywieriger, al§ fie ift. Jgätte bie Somtoofition eine ge^altbollere ©in* 
leitung unb einen weniger furzen @ä)Iuf3, fie toäre eines uubebingten 
£obe§ würbig. %üx ba§ ^Sublüum ift fie nocf; immer trefffidj genug. 

Sif §t t)at bor lurgem, aufjer einigen $t)antafien über DpemtfjemaS, 
fein umfangreic£jfte§ unb, wie wir glauben, fein bebeutenbfteS SBerl er* 
fäjeinen laffen, feine »Pelerinage«, bie brei ftarle SSanbe füllen wirb. SStr 
tonnten erft ben erften 33anb ju ©efidjjt befommen unb berfbaren unfer 
Urteil, bi§. wir ba§ ©an^e lennen gelernt, für einen fbatern befonbern 
Stattet. 

SSon jungem Sontboniften, bie fid) atö folctje fcfjon anbertoeitig 
belanntgemaä):, für üHabier aber, fobiel wir wiffen, erft wenig ober 
gar nicfjtg beröffentficrjt, muffen Wir noä) D. Nicolai unb guliu§ 
9tie| nennen, bon benen un§ jwei JsHabiettombofittonen borliegen. 

* SBet! 16. ** SBert 45. 



111. «ßtcmofortomtfil. 111 

Unb tüte mir borgug§meife gern ttatf) neuen «Sonaten greifen, fo. freute 
un§ fcfjon ber SM auf ber üfttcolaifcrjen tomtoofition, bie eben eine 
Sonate ift*. ÜDtan fjat biefen SBomboniften wegen feiner ttatienifäjen 
Sbmbat!)ien üielfacE) angegriffen; mir lennen nicr)t§ bon feineu in Italien 
getriebenen Dpern; in biefer (Sonate ftecft aber nodj genug gutes beut* 
f<Jie§ 23tut. Ober märe e.§, baß er feine %tbtx fo in ber ©emalt fjätte, 
baß er ftcb, Ijeute in italienifcfjer Sßeife, morgen in anberer ergeben lönnt'e? 
S)te§ märe eine gefährliche ©emanbtfyeit, ber fdjon Merjerbeer atö Düfer 
gefallen ift. ®ocrj lennen mir, mie gefagt, gumenig bon -§rn. Nicolai? 
®onttoofitionen, um un§ ein Urteil barüber gujutrauen. ®ie Sonate 
befunbet in jebem galt eine beutfcfje Stbftammung unb im befonberen 
eine große Seicfjtigfeit in ber ©rfinbung unb.9lu§fiü|twtg; ift jene ntdjt 
gerabe tief, biefe feine außergemötmliä) funftreicrje, fo feffelt boä) ba§ 
Stücf burct) anbere SSor§üge, burcb, fein aufgemeclte§ rafcfjeg SBefen, ba§ 
nic^t grtbterifct) beim einzelnen auffjält unb eben eine bem Somboniften 
günftige Sotalmirlung t)erborbnngt. Stm menigfteu gelungen fctjeint 
un§ ber leiste Sag; e§ beränbert ficb, in if)m ba§ Sembo p oft, ma§ nur 
ein befonber§ geiftreicr)e§ Spiel bergeffeu machen mürbe. Siecrjt au§ 
bem ©anjen ift bagegen ber erfte Sag, ebenfo ba§> Scberjo unb nantenfc- 
Itct) ba§ Srto gelungen. gutn §aubtmotib be§ 2Ibagio§ b,at ber fombo* 
nift eine fdjmebifcrje 33olf§melobie (atterbingg eine ber fcfjönfien) gemafjlt; 
einen .Sufammentjang mit bem übrigen bermögen mir inbe§ nicfjt §u 
entbeclen. 

QuIiu§1Rie|, ber ficb, burdj) feine beiben Dubertüren einen Hang* 
bolten tarnen ermorben, bebütiert afö Mabierfomüonift mit einem 
» Scherzo capriccioso «**. SSon feiner Hinneigung jü 3ftenbeföfotm3 äßeife 
mar fcfion früher bte 9?ebe; auct) un§ berteibete bie§ manche Stelle , feiner 
tombofitionen. 3)aJ3 un§ gemiffe SMCänge bei manchen tombontften 
merjr beleibigen aU bei anberen (mie g. 33. bei 33ennett), mag fcbmer ju 
erüären fein, menn e§ nidjt bielteicrjt babjer lommt, baß SSor= unb 9focb/ 
bilbner bon Statur au§ mettiger bermanbt finb unb mitbin ba% Stngeetg* 
nete im tegtern fremdartiger berührt, aß mo (mie eben bei 33ennett unb 
3JlenbeI§fot)tt) bie ©jaraftere einen äftmlicfjfett§gug gteiä) bei itjrer ©e* 
burt mit auf bie 2Mt gebracht gu bjaben f cremen. Sßie Um fei, ber 
anwerft tatentboHe tombonifi, bon bem mir [brechen, bjat fo biet 
S3ilbung, geigt einen fo entfcfjiebenen ©fjarafter, baß e§ bieüeicljt nur einer 



* SSerf 27. ** SSeri 5. 



112 111. portofortentuftt 

größeren ^ufmertfamfeit feinerfeitg Bebarf, ^emini^enjen px berljüten. 
gm übrigen erinnert gehabe ba§ ©djergo roeniger an 3Kenbeßfot)nfd)e 9Irt; 
e§ ift bap. btel ju mißmutig, mifctrauifdj) faft, »erat roir fo fagen bürfen. 
ipinter bem wenig" rjeitern §umot be§ ©tücfes verbirgt fiel) aber jebeu» 
föttö ein öottref füc^eic Sontünftter, bem mir wünfcrjten, bafj, wie er 
ijeimifcb, in feiner fhmft, er ftc6) aud) gang glüdlid) in ü)r füllen 
möge. — 

3fod) liegt eine *Kett)e Sombofitionen bor un§, beren SSerfajfer me» 
niger ober gar nid)t gelaunte tarnen x)aben; roir tjaben fie au§ einem 
rtnfetmlidjen ©tof;e neuer äftufifaüen al§ bie bemerfenSniertefteu t)erau§» 
gewählt. 

guliuS ©ä)af*ler, beffen ^reisquartett al§ ein Bebeutenbeg SJlufit» 
ftücf Bereits ©. 71 f. f.. angegeigt ruurbe, t)at netterbing§ eine »Fantasia 
eapricciosa« geBracrjt. Sen ©tnbmd jeneB DuartettS nod> im frtfäjen 
©ebai^tnis Betoa^xenb, gingen roir mit %xe\\be an bie neue fEompo* 
fition, fanben un§ inbeg bieSmal getauft. ®er 5Eitel mag biele§ ent» 
fämlbigen, aBer nid)t alte§. SBir bermiffen.in ber pjantafte einen matjr* 
tjaft fd)önen mufifatifd)en ©ebanlen unb ben innertidjen gaben, ber 
auä) bie fitjantaftifdje ttnorbnung burdjf äjtmmem foll, ftnH fte anberS 
im SBejirt ber ihmft anerfannt fein. DffenBar t)at ber fomponift mit 
feinem ©tücf etroa§ gewollt — Wa3 aBer? berfefjtueigt er un§. ©egen 
baß (Snbe t)in erfcrjeint nämlid) auf einmal, bieämal rectjt nrie au§ ben 
SBolfen fomntenb, ber »9Jconb«, b. f). ein Smbante, mit biefer luffcrjrifh 
28a§ ibm bo*ranget)t, ift laum ju erraten; e§ fetjlt un§ ber ©cEjtüffel gut 
?tuflöfung. ©o bermuten mir i>enn, ber SBotnbonift t)at irgenbeine 83e* 
geBenljeit fdiilbern. »ollen unb, bie SUlufi! gerjeimniäboller Wirten %u 
laffen, bie nötigen iSnbeutungen »eggelaffen. ®amit tat er aBer ficf) unb 
feinem Sßex!e ©ctjaben, bem mir roenigften§, wie e3 bafte^t, lein Qntereffe 
aBäugewinnen wtffen. 2>ie IRufi! ift eben zuwenig an fid) unb tonnte 
nur baburd) ,§u itjrer Söebeutung gelangen, »eun un§ ber ffemponift bie 
Silber, bie ii)m jebenfalfö borgefcfjWeBt, mit SEorten genannt, toie er e§ 
bei bem »SJionb« tat. (Sin nidjt gute? Seiäjen für eine SOcufit" bleibt e§ 
aber immer, wenn fte einer Überfcrjrtft bebarf; fte ift bann geftnf) nidjt 
ber inneren £ief e entquollen, fonbexn erft burd) irgenbeine äufjere S3er= 
mittelung angeregt 483 . ®afs unfere S?unft gar bteleS auSbritden, felbft 
ben (Sang einer 33egebenr)eit in itjrer SSeife berfolgen tonne, wer würbe 
ba$ leugnen; bie aber, bie bie SSirtung unb ben SBert i^rer fo, entftaw 
benen ©ebilbe prüfen »ollen, t)aben eine letäite $robe; fte Brausen 



» 



111. 5ßtanofortetnuftf. 113 

nur bie Überf Triften toegpftretccien. §err (Stopfer tat e§; aber bie 
.«Probe 'fiel gegen ifm aus.. 3tttf)t3beftotoemger pf)len toir fein äßet! 
p ben bemerfen§toerten unb totirbe e§ olme bieg in biefe 9tetoue gar 
ntdjt aufgenommen t)aben. Stucb, im Verfemten läßt ficE) oft ein Ta- 
lent erlernten, unb biefeS ift bem fomüoniften in jebem galle pp- 
fbreetjen 484 . 

• ©inen anmutigen gt)tlu§ bon (Stuben gibt un§ <S. ©olbfcbmibt*; 
er gehört nacb, biefen groben feines £alente§, ben erften, bie toir bon 
if)m p @efid)t befommen, mit Selb unb (Seele ber «Richtung ber neuften 
^eit, aber einer u)rer ebleren an. ©fjoüin fetjeint er %umal in§ £erg ge= 
f Stoffen p b,aben; babei offenbart er aber aueb, eigentümliche^; baZ 
3ugenbli(ä)=@(i)toärmerif^e, ba§ alle feine Stücfe bürdet, lann !aum 
jemattbem entgegen. 2tucb, fdjöne ®enntntffe fielen tt)m p ©ebote. 21m 
•liebften ergebt. er fieb, in frembartigen Smarten; bi§ auf eine ©tübe fpteft 
ba§ gange §eft in ®e§ unb gi§. (Steige er fnäterfjin aber and) manch- 
mal p menfcbticlieren b,erab ; ein junger tomponift, p bem man fieb, erft 
bureb, 5 bi§ 6 freute bpburcbarbeiten mufs, brauet noeb, einmal fo 
biet $eit pr öffentlichen 2merlennung. ®ie §auf)tfaä)e aber ift, er be= 
toafjre fiel) feine 9fotürtid)leit unb fäjreibe bann, in toelctjer Sonart er 
toolle. SSir b,aben leinen £toeifel, bafj £err (Mbfdmtibt noeb, Schöneres 
unb SSebeutenbereS leiften toerbe; fein SBerl ftorictjt bafür. ®en parieren 
©tücfen in ü)m geben toir übrigens ben SSorpg; in'ben Saftigeren fteb,t 
er toeniger fefbftanbig ba. einige Oemeinftellen (cb,romatifä)e @ange ufto.) 
toünfct)ten toir unterbrüdt; er erinnere fieb. immer be§ @a|e§: 9?ur ba$ 
Befie toirb fortbauern. 

©ine anbere nict)t unbebeutenbe ©tübenfammlung b,at toieberum 
-£>. & ^ufferatb, beröffentlidjt**; feine erfte toarb fdjon lobenb in ' 
biefen Blättern befprodjen. Sind) biefe ©tüben geben fidj auf ben erften 
S3Ii<f afö tinber ber jüngften Qett; man fennt jene Sfotengrwtopierungen, 
in benen fliegenbe Strpeggien eine rub,enbe SMobie einp^nHen fdjetnen. 
,®er tombonift gibt in biefer Strt toieber einige tref flicke; nur fcb,reibe 
er niebt pbiet in biefer StompofitwnStüeife; fie fm)rt pr Lanier. ftaä) 
f)at 30 ©jerjijen ober Variationen gef ^rieben, bon benen jebe eine 
anbere- ^tjfiognomie bat, — unb, bieg fc|on bor 100. 8at>ren; er tonnte 
freutet) nidjt anberS unb toürbe ntdjt begreifen, toie 9 / 10 ber gütigen 



* Six Etudes de Concert. Oe. 4. 
** SBerl 8. 
JiflBfct <|c|itmattttä ge(, ©Triften. II, 



114 111. Sßtcmofortemuftf. 

®omtooniften alle über bie nämlidje SÖSetfe bariieren unb etübierat §er.r 
Sufferattj gehört getoi^ ju ben befferen unter tfmen; e§ tut aber not, 
bie jungen manchmal an bie alten ju erinnern; in btelem matten fie fid)'§ 
nicfyt fo feicfjt. SSon biefen fiödjften gorberungen an Sßielfeitigfeit unb ' 
SJJannigfattigleit abgefe^en enthalt bie Sfttfferatf)fd)e ©tübenfammtung 
aber, nrie gejagt, biet @d)ä|en§merte§. ®ie gertigfeit unb ©idierbeit 
be§ fomponifien aß ©bietet geigt ficE) aud) in feinen tomtoofitionen. 
Qu ber gornt fittb fie burdjgefjenbS gelungen, menn biefer and) oft eine 
gemiffe SSreite unb Xtmftänbtidjfeit anfängt. ®a§ gigurenmerf finben 
mir fe£)x fleifjig unb gart beraubet:, bie§ namentlid) in ber 4ten unb Öten. 
geiner güge bolt tft'cmä) bie 3te. ®ie (Steigerung in ben glcmjenberen 
Hummern butd) 2Inf)ciufung : bon Btaboutformen !ann ü)re SSirfung 
nid)t. berfef)Ien. ®ie nteiften ber (Stuben eignen fid) pm öffenttidjen 
Vortrage unb berbienen biefen mebt al§ mandjemettlofe Somtoofition 
berühmter SBirtuofen. 

(Stephen geller rjat un§ in einem ©djergo* unb einer Kaprice** 
neue SSemeife feine§ geiftreidien Salente§ gegeben. SSefonberS glüdlid) 
finben mir ba§ ©djexgo ; e§ ift bot! bon £>umor unb babei bon tünfi» 
lerifd)er gorm; mir füllen un§ bon Anfang bis ©nbe in ber Mtje eines 
t)öd)ft lebenbigen, liebenämürbigen @eifte§, ber, tote er §u fdjerjen unb. 
gu unterhalten, oft and) einen tieferen ©ebanlen fjerangubringen ber» 
ftef)t. Xtnb fcrjemt un§ aud) nid)t atteS ber ©rguf? einer freifd)öpferifd)en 
5pt)antafie, nid)t atte§ unmittelbar au§ bem Qnnetften geftoffen unb 
mef)r am ^nftrument gefunben, fo muffen mir um fo mefjr münfdjen, 
ber Äünftler belomme Seit unb Suft, für Drdjefter gu fdjreiben, bamit 
fein bebeutenber innerer mufilalifdjer ©inn fid) immer metjr bon ber 
§errfd)aft ber medjanifdiett ©inftüffe befreie, benen fid) alle,'. bie am 
Snftrument erfinben, niefit teicfit entjietjen lönnen, §elter§ SHabier* 
fombofttionen tragen alte 9Ingeid)en eines bebeutenben jutünftigeu 
Drcfiefterlontbonifteu in fid); fie mären mit roenigen Slbänberungen auf 
ba% mirfung§boHfie -ut inftrumentieren; man fiört, roie ibm bier ^Biotinen, 
bort ferner ufm. borgefdjmebt. (53 mäte febabe, menn un§ ^ßari§, ba§ 
jeitraubenbe Seben einen Drdjefterlomboniften jufdjanben merben liefje, 
ben bie 9fotur mit fo entfcfjiebener S3efäf)igung ausgelüftet. ®en SIabiet= 
fbietern mürbe, menn §. fid) ber Ordjefterfomtoofition gumenbete, freilid) 
maudjer Oeuuft entzogen merben; benn man erbolt fid) bon bem. nichts* 



mvi 24. ** S&erf 27. 



111. pattofortemuftl. 115 

roürbigen SHabtertoaffagenfram gern an fefteren ©ebilben, tote fie finfonie» 
artig in §elter§ tornfjofitionen oft auftauten. SStr mürben aber ben 
©enufi gern gegen ben reiferen bertaufcfjen, ben bai aller Nuancen 
fällige £)rd)efter gu Bereiten imftanbe ift; unb baf; er audj biefe§ mit ber 
Seit fid) Untertan machen roürbe, bafür fbrictjt fein Salent, bie Stufe, 
auf ber er überhaupt fd)on afö SJcufifer fteijt. Sef)en mir aber bon biefen 
SSünfdjen ab, fo muffen roir nochmals eingefter)en, ba§ Sdjergo ift geift* 
reid) unb fein- genug, afö ba% roir ungufrieben fein bürften. Strien roirb 
freilid) feine unb foldje äJhtftl überhaupt mcfc)t gufagen unb fann e§ nicrjt. 
(Sie gu berfteb,en, gu lieben, gehört root)l mebr bagu afö blofie Silettanten*, 
felbft SRufiferbilbung. 9tu§ biefem ftoielenben §umor erflingt metjr afö 
blofs mufifatifdje ©rfaf)rung. SSer ©fjafefoeare unb Qean $aul üerfteljt, 
roirb anberS fomponieren, afö roer feine 2Seföt)eit allein au§ SJteburg 
ufro. tjergetjott; roer im (Strom eine§ reid) bewegten SebenS anber§,. 
afö roer ben Kantor feine§ Drteg für ba§ Qbeal möglicher SMfterfdjaft 
b,ält, —unb bieg bei übrigens gleiten latenten, gleid) ernften Stubien. 
(Sine anbere afö bfofj mufifalifd)e Silbung unb (Srfatjrung foridjt aud) au§ 
ben ^ontpofitionen unfereS jungen fHmftlerä; roir roollen nichts b,tnein- 
Hügeln, aber roir roiffen, ba$ ift ntctjt für jebermann. Sinti) in ber ®a* 
price ftnbet fiel) 2lu§gegeidmete§; bod) fleljt fie an Stoibität, an ©ragie 
gegen ba§ Sdjergo gurüef. ®ie ©efangftelle barin ferjeint un§ targ; ba* 
gegen förüt)t and) in ir)r rjumoriftifd)e§ ^euer unaü§gefe|t, roie man 
btö ©ange einem lünftlidjen geuerrabe bergleidjen mödjte, ba§ un§ in 
feinem buntfarbigen Umfcttrounge eine SBeile ergeben roill. ®a§ (Sref cenbo 
(Seite 11 unb 12) madjt eine finfonieartige SBirfung, ot)ne in§ Sribiate 
ber geroöt)nIid)en ©refcenboS gu fallen; roir f ernten nidjfö %tfiä)e§ für 
SHabier,.ber Spieler tarn fid) Jjier im größten ©lange geigen. — 

SSon ^ermann bon Sßbenffiolb liegen un§ groei §efte ©t)arafter* 
ftüde* bor; fie l)aben bie Überfdiriften: »2ln bie entfernte«, »S3enetiani= 
fdjeS ©onbeffieb«, »®er SBunftf)«, »$te @lfenfd)roärme «, »Aufregung«, 
unb ft>red)en fid) bemgemäfj au§. ®er £ ombonift ift groar gu einer ent- 
fdjiebenen Selbftänbiglett nod) niebt borgebruugen; bie 3ttd)tung aber, 
bie er berfolgt, geigt fid) afö eine eblere. 35iete§ fagt un§ namentlich in 
ber Stnlage gu; bie Sfogfiüjtimg -läßt mandjeS bermiffen. ©ine getotffe 
^Iud)t be§ gertigroerbenmolleng mad)t fid) b^ter unb ba bemerlbar; niä)t 
alle Stütfe finb gletdjmäfjig, tünftlerifd) rub.ig abgefdjloffen. Überall aber 

* SEert 12. 



116 111. pmtofortenraftf. 

btieft Salent fjinburd), unb ma§ gut SMfterfdjaft nod) feblt, möge geit 
unb gteifj bem jungen ftrebenben tünftter etteiä)en Reifen. 

§ier ermafmen mit gleid) nod) ein 38er! eine§ anbeten jungen bäni* 
fd)en tomboniften: 12 Kapricen bon ©mit Momentan*, ba§ nn§ burdj 
feinen bebeutenben Umfang mie burd) ben erfreuenben 3nt)alt ßtet<i)= 
mäfjig übettafäjte. ©ci)on bie gotm bei ©rüde, eine Sftittetatt §mifd)en 
©tübe unb S^a^xtce, muffen mir eine gtücflicb/getrof fene nennen. 2ftt bie 
(Stube erinnern fie burd) itjre 2Ibgefd)Ioffenf)eit, burd) ba§ öftexe geft* 
balten ber einmal gefunbenen $igur, bermeiben aber, an ba§ tatoriccio 
anftreifenb, ba§ $ugfttid)=2Jced)anifd)e be§ gmedeä, mogu oft bie (Stube 
ben iomboniften berleitet. ®ie 9ftufii an fid) trägt einen Weiteren, mob> 
tuenben (Sbarafter. 9tegenb§ ftöftf un§ 2tuf3erorbenttid)e§, ©enialifd)e§ 
auf; fetbft hinter ben Moneren Anläufen birgt fid) ein befdjeibener ©tun, 
ber fdmett gutüdtjätt, mo it)n bie ©idjetfjeit im SSo^Ibelannten ju ber« 
taffen brot)t. ®er tombonift mitt mit einem Söorte' nicrjt met)t leiften, 
afö et fann, unb bte§ besagt immer, roenn er bie tribiate ©totere über* 
rjaubt hinter fiäi t)at. ©ein ©rang, überalt geregelte Shmftformen gu 
geben, berleitet ibn freilid) oft §ur breite, unb mir ermatten in ben §meiten 
Seilen meift nur bie ^araltetftetlen be§ früher ©agemefenen, ot)ne baf? 
er einen neuen Stoff djmung berfud)te; aber e§ ift un§ biefe breite nod) 
immer lieber at§ blatte gotmtofigleit, bie nid)t meifä, ma§ fie mitt. 
©amit raten mir aber bem jungen SHinfttet feine§meg§ an, bei bem @e= 
monnenen p beharren, fid) nid)t in fdjmietigeren formen %u. betfudjen, 
feiner $b>ntafie nid)t neue ©ebtete %u eröffnen. 3m ©egenteit, mir 
fe|en bieg borau§. gm taufenbfadjen ®utd)einanbet ber ©egenmatt 
mürbe, feine fanfte Stimme nur fburto§ behalten. S8itt er mebr, fo ift 
e§ an ü)m, fid) %u Mftigeu, ben fjötjeren Streitern fid) angufdjliefsen. 
(Sinftmeiten bürfen mir bie§ fein erfte§ äöetf, mit bem er fid) auf fo etrren* 
botle SBeife eingeführt, alten, bie fid) an einer meinen ftangbotteu iülufif 
erfreuen motten, auf ba§ Befte embferjten 485 . 

SSir fbradjen §um @d)Iuf5 unfereS testen 3tttifet§ 486 bon Sombofi* 
tionen gmeier junger bänif d)er SJcufifer, bon Söbenffiotb unb §orne* 
man; foeben mirb un§ eine neue Mabierfombofition eine§ brüten, gteid)= 
■faitö jungen ©einen 91. SS. ©ab e mitgeteilt, beSfetben, ber fdjon burd) 
feine Dubertüre»Offian« fid) be!anntgemad)t, fo reiche Hoffnungen für 
bie gulunft etmedt. ©djeint et and) im Drdjefter in feinem eigentlichen 



mn 1. 4 §efte. 



111. panofortetraiftf. H7; 

Elemente, [0 berrät bod) auci) bie erfte f labierfpmöofitio.n, bie mit feinem 
tarnen bar .'uns liegt, beit . lenntmäreicjjett EJhtfifer unb jedenfalls ein 
inniges poetifd^mufifalifc^eS ©emüt; fie ^et^t »Frühlingsblumen« unb 
befielt aug brei Keinen ©tücfen, bie biefeu £itel p tragen bolltommen 
öerbienen. (£§ finb eben fülle befdjeibene finber feiner ^antafie, Iner 
unb ba an äf)nlict)e äJtenbetSfolmS, auä) £enfettS ertotemb, boct) aud) 
feffelnb burcb, bie eigene norbifd>e gärbung, bie fdjon in ber öubertüre 
» Dffian« p bemerlen mar. SßaS ift bodj alles ^irtuofengellimper gegen 
fold) anfbruä)Iofe fittige Stefit! 9Iber bie ©egentoart fängt an p 
erlennen, unb „bie fidj felbft erniebrigen, follen erbtet »erben". Sodj 
genug ber Sßorte über bie Heine tom|iofition, bie für fiel) felbft ftmdjt. 

,$n ben fed)§ »etomanegfen« bau ©uftab 9cottebol)m* wirb jeber- 
mann etwas anbereg p finben fjoffen, als fie bieten; eS finb ©tücfe ber 
fipcljteften bürgerlict)ften 2Irt, bafj man ben Sitel beinahe für eine gronie 
galten fönnte. 28ie beut fei, ein guter tern Iä£t fiel) unter ber unfcljeto 
baren, oft gerben ©djate nicfjt benennen. 2IuS einigen. größeren Som* 
■ pofitionen beSfelben SSerfafferS, bie an einem anbern Orte p befprecfjen 
finb, gel)t bieg nod) beutlictjer Ijerbor. £>ier, fdjeint eS, tooltte er nur etttaS 
SeidjteS, ben Verlegern ©efälligeS liefern. 

(Sine pantafiebon g. ©. SBilfing** rief unS eine frühere in biefen : 
blättern fcljon befproeljene ®omöofition beSfelben ing,.@ebäct)tnig. Sag 
bamalS auertannt ttmrbe, finbet fieb/ audj- t)ier toieb'er beftätigt. ®er 
fomponift gehört einer grünblidjen ©cbple an unb fetjeint fidj immer 
freier p entttricMn. %n feiner ^antafie ift ©tot unb Drbnung, für eine 
$t)antafie e|er pbiel ofö ptoenig. ^n einer Bett, iuo bieg ftfjöne SBort 
fo oft gemi|brauäjt »orben, fei aber jeber SSerfuct), eS mieber p ©bren 
p bringen, mit Slu^eiclmung genannt, auci) »erat er fiä) pm (Sjtreme 
neigte. Sei aller Slnerfennung beS ®omboniften mürben ttir'S uicl)t un= 
gern fetjen, toenn fiel) feiner ptoeiten auä) jene ©rap bemächtigte, bie 
ben ©ruft erft liebenStoürbig maä)t. Einige altmobifetje giorituren (im 
lften Seile) it>ünfcl)ten mir gänglidj.unterbrücft; bur^-Sdjönppfterdjen 
ufto. toirb bie HaffifcEje Seit noct) nicf)t prücfgebracljt. ®ocb/ baS finb 
fleinigleiten. 2)er SSerfaffer muf? fidj burcb, baS nbertoiegenbe ©ute 
feines SSerfeg bie Sichtung aller gebilbeteu SJcufifer ertterben; möge ilm 
bag ermuntern p fortgelegtem ©treben, ®aS liebfte in ber ^autafie 
ift uns übrigens ber 2te @a|. ®ie guge pm ©äjfafj l)at im Sljema 

* äöerf 2. ** SBed 10. 



118 111. panofortettraftf. 

$f)nttä)fett mit htm beg Ie|ten Sa|e§ ber Sonate inSRmr bon 33eetf)oben, 
oerrät fonft aber ben tüäjtigen SJlufiler, toenn mir and) nicrjt alfe§ in it)t 
feb^ mofjlflingenb finben lönnen. 

SBir befdpefjen unfern Überblid mit einigen SSemerlungen über 
brei neu erftfjienene Sonaten, beren Serfaffer 2tbot.pt) Steidjel-, §gnag 
Sactjner unb Sljeobor ®ultat finb. 

®ie erftere fd^eittt un§ ber erfte SSerfuä) in bief er f ä)mierigen Shtnftform, 
bie lobenSmürbige Slrbeit eine§ fleißigen <5ü)ükx§. SSont £>rucl tjatten 
mir abgeraten, mir finb übergeugt, afmtiäje (Sonaten »erben in ®eutfö)» 
lanb jätirtid) gu ^mnberten lomponiert. 2ßer in einer ©attung, bie fo 
Ijerrliäje Souper aufgumeifen t)at, nid)t§ ©igeneS, niä)t§ burcrj unb burcb, 
2Mftert)afte3 gu geben öerntag, bleibe gurücl. ®er SSerfaffer, wenn er 
fonft Kar mit fiä), mirb jugeftetjen, ba£ bor folgen gorberungen fein SSerl 
atterbingg berfdjminbet. ®a^ er nadj guten SSorbitbern gearbeitet, geigt 
jebe (Seite feiner Hüompofttion; ntanä)e§ erfdjeint auct) gelungener. S)a§ 
(Sänge madjt aber leinen anbern ©inbrucf all ben ber Sofne. ©ine ge= 
miffe SrocfeUfjeit tjangt bem SSerfaffer öielleic£)t nod) bon ben Stubien» • 
jafyren an, bietteicrjt fehlte ü)m auct) ein rechter äfteifter, ber ba§ Sntent 
in ü)m lebenbig gu matten berftanb. ®er Sugenb fietjt man manchmal 
gern ein ßubiet nacl), aber i>a2 S3efct)neiben ber ^tilget madjt $t)itifter, 
man mufj ben unfidjern %lu% gu lenlen »erfreuen. SJJttt einem SBorte, 
ber Somtoonift ift noct) in pebantifctien gegriffen befangen; eine Sonate 
foll lein $enfum fein, bie feinfte Hüte ber 3Mfterfct)aft buftet un§ au§ 
ben ÜUhtftermerlen ber ©attung entgegen, ®arum fort mit ben Sergen* 
unb Sertengängen, mie fie in ber borliegenben Sonate fo tjäufig bor= 
lommen; ba§ ift bie fct)fect)te Maffigität, ber ^erüctenftil. Solche unb 
cüjutictje Steifen falten boppett auf, ba ber Üombonift t)in unb mieber 
feinen ©ebanfen eine intereffantere SSenbung gu geben berftef)t; fo beginnt 
ber SJttttetteit im lften Sa| fetjr gtücttict), fo ergebt fict) bie lefete Seite 
ber Sonate gu freierem Scfymunge, fo gefällt un§ manches im Sdjergo, 
menn auct) bie gmette Stimme gu Anfang beSfetben nict)t nact) SMfterart 
auftritt. 9tu§ biefeu Beifpieten möge ber SSerfaffer in etma§ einfeijen, 
mo mir tfmt beiftimmen, mo nict)t. gn leinem $alte aber Jjatte tfm je 
ein Säbel ah, rüftig fortgufctjreiten. -Kur einige ber größten ©eifter rjaben 
mit ujrem Sßerl 4 gleicb, ein Sfteifterftüct geliefert. 

Über bie Sonate bon S- Sa^ner* lönnen mir un§ lurg faffen: fie 



* SBerf 20. 



111. pattofortentufif. 119 

ift offenbar ba§ SBerl eine§ fet)t routinierten 3ftufifer§, btx feinen (Stoff 
p orbnen unb p berjerrfdjen berftebt. ®a§ fliegt tote bom.S3om, immer 
glatt unb rut)ig fort. Sir finben taum ettoag au3pfe|en an gorm unb 
Sdjreibtoetfe. ®amit ift aber auct) beinabe alteä gefagt; Sinfürüdje an 
©rfinbung, an Sßeu^eit lann fie feine machen. $m übrigen mag ber ® om* 
■pontft borpg§toeife im Drä)efterfa| geübt fein; getoiffe ©emeinftellen, 
bie im Dräjefter (gffeft machen, auf bem Stabier aber fiä) leicht tribiat 
au§nebmen, toünfcijten toir ganglict) befeitigt. 35ie gortfcrjritte neuerer 
tlabierfomboniften, bie Söirfungen, bie fie ifjrem ^nftrumente ab» 
getoonnen, fdjeinen htm SSerfaffer gang fremb geblieben p fein. ®ie 
©onate berfe|t un§ fomit in bie §at)bn»3Rojartf^e Sßeriobe, offne 
eine $at)bn*Wo? i axt\ä)t p fein. ®oct) auct) gegen folctje Serie, toenn 
fie fonft nicrjt ungefunb finb, toollen toir lein 5ßerbammung§urteil au§= 
f brechen; für eine getoiffe SJttitelttaffe bon Spielern muf? ja aucE) geforgt 
fein, unb bie Slnfbrüdje biefer beliebigen foläje.unb är)nfi<f)e Serie 
bolllommen. 

9iocf) liegt un§ bie Sonate bon St), tullaf*, bie intereffantefte, 
aber aud) barocEefte. unter ben brei genannten, bor; eine toafjre §ejen= 
lüdje, btö gärt unb !oä)t unaufhörlich burcfjeinanber. 9>htr im 9JtttteI= 
fa| bricht ein fanfter 3RonbftraI)I fjirtburct). Dfme SSergfeicrj, ber ®on> 
bonift f)at ©eift unb ^fjantafie unb mag ein brillanter Sbiefer fein. 
9ttcrit alte§ lönnen toir SJlufil in feinem Serie fjeiBen^iefjt man einzelnen 
©ebanlen ba§ beftectjenbe gtftngenbe ©etoanb ab, fo erfcfjeinen fie oft 
bürftig genug. Oft aber ergebt fie fid) aud) p eblerem $u§bxucl, unb bie§ 
gibt un§ Hoffnung auf feine gulunft afö Sünftler, haft biefer nictjt bem 
eitlen Sßirtuofentoefen unterliegen toerbe. Qu tun bleibt ibnt freilief) nocfj 
mancfjeS übrig; fragt er, toae? fo antworten toir: Ijabt nur rjelle töbfe, 
unb ftoielt eure Sonaten naä) einer SSeetfjobenfcfjen, SJioprtfdjen, unb 
fel)t bann p, too ber ttnterfcbieb liegt. Sa§ bie ginger fcfjaffen, ift 
attacrjtoerf; toa§ aber innen erltungen, ba§ fbricfjt p alten toieber unb 
überlebt ben gebrecfjlicfjen Seib. — ' 

* SGSert 7. 




1843 unb fpäter. 



Sieber unb ©ejättge. — ^onjertouöertüren für Drcljefter. — (Sinfonien für Drcljefter. — 
Slntonio Saäjtnt. — (Stuben für panoforte. — Mrjere ©tücle für $ßtonoforte. — 
tonjert unb ton§ertftüde für panoforte mit £)rdjefier. — Sieber unb ©efcmge. — 
Mrjere ©tüde für Sßianoforte. — gwei ißreiSfonaten. — Stpljoriftifcijeg. — Sie 
»©ommernad)tötraum<=9Kufi!. — Kietö SB. ©obe. — StieaterBücpin. — SJhtftfalifdje 
feauS" unb SebenSregefa. 









112. £teber unb ©efänge. 
S^eabot' mxfynw, 3eljn Siebet für eine ©itiöftimnte mit ^ianofotte. 

28erf 1. 

Am jüngften beutfclien ©ängertoalb möchten biefe erften SSIüten eine§ 
-O nocf) fetir jugenblidjen J?ompofition§talent§ mit ju bert djatafte* 
rif±iftf>ftert gehören.. Unb erhalten mir nict)t lauter (£igene§, fo fdjehtt. 
bocb, alle§ au§ fo innerer glitte gefloffen, ba$ toir ber Hoffnung oertrauen, 
ber grüljling tjatte noä) lange an, unb e§ toerbe it)m ein frudjtbringenber 
(Sommer nachfolgen*. Qm gufatnmenliange mit ber fortfcrjreitenben 
Sicrjttunft ift ber granj ©dmbertfcfjen @,pocf)e bereite eine neue gefolgt, 
bie ficr) namentlich aucö bie gortfäjritte beg einftoeilen roeiier au3ge= 
Bilbeten S3egleitung§inftrument§, be§ Maöier§, pnutse machte. ®er 
Jbmponift nennt feine fiieber aud) » Sieber mit panoforte «, unb e3 ift 
bieg ' n'idjt p überfein. ®ie ©ingftimme allein fann allerbtngg nicrjt 
alles hrirlen, niäjt alles ttriebergeben; neben bem SCusBbrucfe be§ ©angen 
follen aud) bie feineren güge be£ ©ebid)tg fjerüortreten, unb fo iff§ reä)t, 
toenn barunter nicfjt ber ©efang leibet. Darauf f)at nun jteißcr) äud) biefer 
junge S?ombonifi p achten, ©eine Steber erfd)einen pufig al§ felbftänbige 
^nftrumentalftücle, bie oft faunt be§ ®efange§ p bebürfen fcfjeinen, um 
eine boltftänbige äBirlung p machen; fie finb oft nur toie Öberfejmngen 
ber ©ebic£)te für ba§ Slabier, gelmffermafjen ßieber olme SBorte, aber 
burd) SSorte angeregt; ber ©efang in ilmen erfcfjemt batjer oft toie ein 
leifeg §inlifbeln ber SSorte, unb ber £au|>tau§brucf liegt metften§ in 
ber ^Begleitung. ®af$ e§ bem ^omponiften an melobifctjer f&aft feljle, 
totrb niemanb fagen Kinnen, aber fie ftü&t ftcfj nocfj p fetjr auf bie §ch> 
monie, unb bie güljrung ber ©timme trägt noä) einen p feljr inftrumen* 
talen ©Ijarafter. 2ßo aber überall fo oiel £alent, toirftiä) poettfä>e älnlage 
rjeröorbticft, ba ift nicrjt p'fürdjten, bafa ber Sombontft ftel»en bleibe. 



* Qwei §efte fetjr genialer Älaöierftüde, bie foebett (1852) erfdjtenen, ijabm. 
bie Sßropljejeiung ttmljrgetnaiiit. 



124 112. Sieber unb ©efcmge. — 113. tottaertouöertitren. 

<Bä)ön in ben erften J8erfuct)en Salentboller läßt fiel) eine getötffe 33x1= 
bung§fät)igteit erlernten, bie auct) einen [tarieren ®rucf ber Sritil nict)t 
fct)eut, nnb btefe gctt)igtett, rote bie Befct)etbent)eit ein 3eict)en wahren 
Satenteg, fct)eint auct) unferm Siebertomboniften inneguroorjnen, bie et 
fiel) benn immer erhalten möge. 

®er bort)errfct)enbe ©t)ara!ter ber Sieber ift ber be§ @ct)roärme= 
rtfct)en, @et)nfüct)ttgen, bte aSat)I,ber @ebiä)te (tppn ©eine, ®. Becf, 8- 
äftofen) eine bementfbrect)enbe. Skrfujje Sßütjlen in grüt)Üng§gebanfen, 
ba§. fet)nenbe @efüt)I be§ SBeiterfdjWeifentoolIenS über Berg unb £al, 
roie el unfere ®ict)ter fo oft, fo fct)ön au§gefbroct)en — barin erget)t fid) 
auct) ber junge 3Jhtfiter am liebften; fo!ct)e ©ebict)te gelingen ü)m am 
beften. gum Bortrag ber Sieber gehören geübte §änbe unb «Stimmen, 
namentlich; erftete, eben roeit ber £>aubtati§bruct metft in ber Begleitung 
liegt, unb auct) bie gertigleit roirb'3 nict)t allein au3mact)en, fonbern bie' 
3artt)eit, ber ©ct)melä ber ©chatten unb Siebter, gür bie bebeutenbften 
©tücte galten mir bie £>einefct)en: fie finb borgug§roeife fctjroärmerifct) 
unb mit Siebe tomboniert, namentltd) bie beiben i5rüt)Iing§Iieber 9ir. 4 
unb 9fa. 6. 3n anberrt, roie in Sto. 9, frören einige ettt>a§ roeit Ijerget)oIte 
äJlobuIationen, roo e.§ bem Sombontften bietleictjt gergbe rect)t über* 
fdjwängtict) pmute roar, aber gum @ct)aben ber fid)ern ferjönen gornt, 
bte er nict)t- mel)r p bet)errfct)en roufjte. SCftöcEjte benn bie gulunft ben 
mot)lrooltenben Sinn biefer geilen beftättgen, bie Slnertennung wirb 
nietjt ausbleiben, unb man fct)reibe fiä) fct)on je|t ben tarnen biefeS tatent* 
bollen SJcufiterS p benen, bie einen guten Slang in ber golge %u belommen 
bert)ei§en. 



113. 5lonäertout)ertüren. 
^nlixi^ Stern, »©etftUdj'e Smbettfae«. 

■■■■•■ .':,-'. .' Säe« 9. $ctrtitur., 

- ; f)a§ Sitelbtatt befagt, baft ber Stombonift ' für bie Dubertüre bon 
ber Söabemie ber fünfte in Berlin bie grofje ®omtoofition3mebailie er* 
t)rflten t)at. Man barf mitl)iu etroag erwarten. Stber e§ fetjeint, bie mufi* 
fdlifct)e ©eftion jener 2ttabemie l)at lein ©IM mit it)ren greifen; e§ finb 
fogar ©ct)ni|er in ber Dubertüre ftet)en geblieben — fo <3. 7, Salt 6 bie 
Dftaben groifct)en. ber lften Biotine unb Baft, ebenba Salt 12 in ben» 
felben Stimmen — , auf bie bie ^ßrüfenben bod) roenigftenä bor htm 



113. Sottäertouöeitüren. 125 

®rude aufmerffam machen mußten, bom (Seifte ber @rfinbung gar ntdjt 
%u reben. ®etm wo fattte biefer attdj tjeribmmen bei einem Söjema tote 
bem, ba§ bem S?ombottifiett aufgegeben würbe? ©egen ben letzteren 
labert wir nid)t§, er t)at fein Snlent in mancher anmutigen ©efang* 
tombofition fdjott betätigt, aber gegen bie SÜIabemie, bie ein fotdjeS S^ema 
aufgab uub einer foläjeu in iebem gälte mit lltttuft . gemalten 33ear= 
beitung eine öffentliche 9lner!ennung erteilte. SBie gefagt, bie Dubertüre 
ift uicrjt§ afö eine gatt^ mccrjanifä) .gemachte SSariation eines abgebrofctje* 
neu gugentfjetnaS, wie fie jeber tjalbweg borgerücfte ©crjüler in jeber 
©tunbe fcrjretben muß. ^m tteinften Siebe be§ £>errtt ©tern ftectt metjr 
©runb %u einer äRebaitle al§ in biefer gangen Dubertüre. 

% Sittbbatttttter, »^rtegetifdje SuMoubettüte«. 

SBer! 109. Partitur. 

28a§ man bon ü)r gu erwarten tjat, fbriäjt ber Site! aus. ©§ ift ein 
©elegentjeitSftM gur 25jät)rtgen 3tegierung§feier be§ Königs bon'äSürt« 
temberg fomponiert unb tritt mit allem möglichen $bmb auf, wie er bei 
folctjer ©elegenfjeit an Drt unb ©teile ift. SSeber gab für btefe ©attüng 
ben Snu an; feine »Subetoubertüre« ift ttod) niifit übertroffen worbett. 
®a§ „God save the king" benu|te, rote fcfjon SSeber, batttt SKarfämer, 
Seibroct u. a., fo aud) Sinbbaintner. ©ajwifdjen bringt er aber &ieg§* 
getümmei unb ©tege§marfc|cu)ttüd)e§ an, woburct) fidt) biefe Dubertüre 
bon äf)ttliä)ett unterfcrjeibet. SJlan lanu glauben, baß ein fo gewanbter 
'Sttftrumentator, aß welcher Sinbbainttter betont ift, %u folcfjem 23itb 
bie retfjten färben, p nehmen berftanben. ©in großer ©ffeft fann nicrjt 
ausbleiben. Stuf bem SMabier nimmt fict) ba§ ©tue! gar nid)t aus, e§ 
ift, atö wenn matt nact) einer großartigen müitärtfc^en Utebue fiä) eine 
©djadjtet ©olbaten auffielen wollte. 

8ttlm§ fftie^, Ditbertilre 51t »$ero mb Seanbcr«, füt ba§ 
^tanoforte p iner §änbe»t. 

SBerMl. 

®itt feböneß bebeüteubeä SSerl. ®ie neue geitfcrjtift, fcEjeint un§, 
fyat ein Unretbt gegen biefen würbigett SMuftler gutäumadjen: Wir 
finben nämlid) bie frühere Dubertüre beSfelben 487 in einem früheren 
.garjr gange, in. unerfdjötofenber, unb juwettig. anerlennenber Sßeife. be» 
ffsrodjen, wobon bie ©diulb aGerbing§ feitt mag, baß bem bamaligen 



126 113. Sonjertottöertfirett. 

Referenten nut ber ttabierauSpg öorlag, unb baß er fie nodj tttdjt 
bom Dri^efter aufführen gehört fjatte. 28ir muffen bieS aber f)ier an* 
führen, »eil unS jene erfte Dubertüre bie gtücKicfje Vorgängerin ber 
2tett fäjeint, Weil, was bort fruchtbarer ®eim, fitf) tjier p reiferer @nt= 
faltung Bereits, entwickelt tjat, weil, wenn fcfjon bort ein f)öc()ft beben* 
tenbeS Streben, bon einem nictjt minber bebeutenben Talente getragen, 
ftcb, geltenb machte, bieS bon ber fpäteren anbern Dubertüre in nocfj große» 
rem Wlafc p fagen ift. Qn ber £at, eine ^eit, bie foläje SSerfe berbor* 
bringt, folt^e tüchtige Talente aufpweifen f)at wie 3tie| u. a., brauet 
bor einer entfctjwunbenen großen ^eriobe nicfjt fo fetjr p erröten, Wie 
einige £urücfgebliebene uns fo gern einreben motten, unb barf aucb, 
mit Suberfiäjt auf eine nocb, ergiebigere Bufunft hoffen. Talent unb 
SBenntniS reiben fid) in biefem äöerfe bie £anb pm frönen S3unbe; 
eS ift laum ein unfünftterifctjer Salt in ü)m, wenn mir einige leife Sin* 
Hänge an beiannte SBerle ausnehmen. §ätte ber Äomtoonift biefe te£* 
teren p tilgen gefugt, mir Würben iljm bie Dubertüre, wie fie {ebenfalls 
baS SSefie ift, waS er bis je|t gegeben, audj als fein ganj unb gar Ü)m p» 
gehöriges (Sigentum anrennen, Stanentliä) bie ©teile p @nbe ber lOten 
unb Uten (Seite ftörte unS als p 5Dtenbeföfof)nifc£); biet weniger eine 
anbere, bie an ©teilen ber »©orialan «»Dubertüre unb ber 9ten ©infonie 
bon 35eett)oben erinnern, aber mel)r im berwanbten (Sljarafter als, wie 
bort, in ber melobifcrjen güljrung. ®iefe einzelnen Safte abgeregnet, 
fyaben mir alten «Refoeft bor ber Somfjofition. ®ie Betjetrfcbpng ber 
gorm, bie er borpgSweife breit anlegt, bie ©rfirtbung, SSebeutfamleit 
unb ©ct)önb,eit ber einzelnen SKotibe, bie anwerft eble Spaltung beS ©anjen, 
baS alles ift gern unb freubig anperf ernten. Unb ba§ wir bie £aubt» 
fadie nictjt bergeffen, bie ^nftrumentation, bie unS bis auf einäetne°etwaS 
biegte, bielleictjt nocb, p Kdjtenbe ©teilen, ganj meifterljaft unb im ein» 
§elnen ganj originell bünft. SBir traben bie Dubertüre peimal t)ier in 
Seidig gehört; fie fytt beibemal biefen frönen (Sinbrucf auf unS gemacht, 
unb wir pieifeln nicb,t, ba% fiö) tiefet, je meljt baS Drctjefter fie lennen 
lernt, nocb, fteigern wirb, wie bieg bei ber lften Dubertüre bon 3?ie| 
fdjon-ber gall war. ®enn fdjtoer ift fie, fel)r febwer, in ben einzelnen 3n* 
ftrumenten wie im ©nfemble aller. Sorgfältig einftubiert, mit Siebe unb 
VerftänbniS ausgeführt, wirb unb muf? fie aber aucb, einen loljnenben 
Erfolg bringen. 

Sßir t)aben nocb, nichts über baS Sujet gefagt; aber wer lennt jene 
rüljrenbe ©age nietjt, bie uns fcfjon ber alte SftufäuS in fo anmutiger 



113. tonjertoubertüren. — 114. Sinfonien für Drdjefter. 127 

SBeife erjagte? Qm übrigen geftebjen toir, in £SerIegent)eit p.fein, toenn 
toir betn Sctjlufc eine Auslegung geben foltten. Qft e§ bte Ie|te 9?acr}.t 
ber Siebenten, bte ber £onbict)ter fc^übern toollte, ober fcijtüebte ibm 
nur ba§ glücEIicEje £iebe§paar bor? SBir ttriffen'S nictjt: aber eine fo 
freubige @rf)abenf)eit erllingt au§ bem Sd)Iuf3, bafj nrir toeiter nictjt 
nachgrübeln unb bem Mnftler nur noct) bie S3erfict)erung unserer §ocr)* 
aäjtung auSfprectjen toolten unb im fpegietlen unfern San! für ben 
reijenben §löienlaufer, für ben rübrenben ©efang ber Marinette gfeicb, 
im anfange, für bie braufenben 35ioIonceIl§ in ber (Anleitung, für bie 
trompeten am Scrjluffe, too e§ ®=bur toirb, unb für fo bieleS, toa§ Ü)m 
im Innern lebenbig erttungen, aud) in allen, bie ü)m nactjpfüb/ten ber* 
ftetjen, lebenbig nriebererMingen muft. — 



114. Sinfonien für Drdjefter. 

SDer legte Bericht ber geitfdjrift über neu erfdüenene Sinfonien 
reicht bi§ gnm Januar 1841. ®en wenigen, bie fettbem gebrueft toorben, 
ift ber genüge getoibmet; ibre tomponiften finb: 3ft. Schumann, 
fr «Müller (in 3M>oIftabt), SB, Ittern, Sbot)r, 2RenbeIgfo$n. 

SSon ber (Sinfonie be§ erfteren ertoälmen toir nur^iftorif <fy, .bajj fie 
in Drcrjefierftimmen unb bierijcmbigem SHabieraugpg erfcb>nen ift unb 
in 33*but fteb,t. SSon ber be§ gunääjftgenannten lönnen toir, ba un3 
leine Partitur im Stugenbttcf bortiegt, nur au§ ber ©rinnerung anführen, 
bafs fie ba% SSerl eine§ .praftifd) routinierten SßufiierS, llar unb fleißig 
gearbeitet ift unb manche Sfattange an bie Slrt unb SSeife älterer SReifter, 
iüo^t auct) an Sbotjt, ju @ef)ör bringt. $n biefem (Sinne tourbe fie fdjon 
früher nad) ü)rer erften Sluffüfjrung in Seidig bef^roc^en. 

3Son ber Sinfonie bon S8. Ottern (SBerl 16) liegt un§ aufjer ben 
bei SKombour in Sonn gefrorenen Stimmen aud) bie gefcf/tiebene *ßar* 
titur bor. (S§ ift bie gleite be§ tomboniften; ein Urteil über beffen lfte 
ftef)t 23b. XIII 9to. 49, baä toir beinahe toörttiä) auct) für bie 2te ab* 
fctjxeibew möchten. Sie rjat, toenn mir nid}t bie SSerbinbung ber (Anleitung, 
bie au§ §=mofl getjt, mit btm 2Tttegrofa|e, ber tttie bie anbern ©aufufätje 
in ®=bur tomfjpniert.ift, ausnehmen, faft gar nichts 9tuffaltenbe§ an fil), 
fo toenig toie ettoa ein SSacrj, ber burcb, fülle SSiefen b^inflie^t; toir ergögen 
un§, folange mir ü)n fetjen; mit anbern tieferen (Sinbrüöen berfd)toinbet 



128 ; 114. ©trifonien für Drdjefter. 

natürlich ber leichtere. ®a<S Sbbltifdie, .Sefdjränfte unb ©enügliäje be3 
SBerfe§ Hegt im borigen genugfam .angebeutet. Qu loben t)ätten Wir 
nur nod) b:en Sttufifer, ber fein SJtaterial flug berwenbet unb äierltcE) unb 
reinlid) p inftrumeniieren berfteljt. Sie mitwirfenben brei $ofauuen 
fdjemett un§, beut ganzen ©t)arafter ber Sinfonie, nadj, atiein überftüffig; 
wo flöten unb £>oboen ausreißen, einen ©ebanten au§pfbred)en, ba 
fönnen/jene ^nftrumente fogar berberben. Säefdjeibenen 2lnfbrüd)ert, 
wie man fie etwa'in Heineren Stäbten b,at, wie fie Heinere Ordjefter p 
erfüllen bemtögen, genügt benn biefe freunblicrje (Sinfonie bolEommen. 
SSorjI bem, ber feine Gräfte fennt; er wirft im engen «reife ba§felbe, wa§ 
•ber £>öl)erbegabte in weiten. ®er Sontbonift ift in htm galle; bleibe er 
and) nict)t fielen unb bilbe fid) in fteter ^rogreffion weiter ; bie Störung 
ber SBelt Wirb ü)m nid)t entgegen. 

SSon Stoobr liegen un§ pei neue Sinfonien bor, bie in beut Seit- 
raume bon laum brei Sauren erfdjienen. ©ie erfte (bon ben fieben, 
bie er getrieben, bie fechte) würbe f d)on nad) üjrer erften Sluffüfjrung 
in Seidig in biefen blättern pmlid) oitf ftÜjrKdj befprodjen, e§ ift feine 
^iftorif^e (Sßerl 116). SBir wüßten bem früher ©efagten faunt ettoa§ 
ppfe|en. (B fjieß bort u. a.: „eine merf würbige ©rfd)eiramg bleibt e§ 
.gewiß, ba% in unferer.geit fdjon met)re SSerfudje. gemacht würben, un§ 
bie alte borpfüfjrert ufw. "Man lann nichts bagegen tjaben; bie SScrfitc^e 
mötien atö Stubien gelten, Wie ja bie ©egenwart neuerbingS ein2Sob> 
•gefallen am 9tofofogefd)mad geigt. 21ber ba§ gerabe Sboi)r auf bie gbee 
fällt, S*>of,r, ber fertige, abgesoffene SKeifter, er, ber nie ,etwa§ über 
bie Sitofsen gebraut, wa§ nid)t feinem eigenften ^erjen entfrmugen, ber 
immer beim erften Sone p erfennen — bieg muß wol)l allen intereffant 
erftJjeineU, So tjat er benn aud) bie Aufgabe gelöft, wie wir beinahe 
erwarteten; er J>at fid) in ba§ tußere, bie gorm begebener Stile p 
fügen gefdjicft; im übrigen bleibt er ber SMfter, Wie wir fijn lange lernten 
unb lieben; ja e§ liebt gerabe bie ungewohnte gorm feine (Sigentümltd)* 
leit uod) fdjreienber berbor, wie benn etwa, ein irgenb bon^ber 9Mur 
; $u§gegeidmeter ftcE) nirgenbS leidster berrät, al§ wenn er fid) ntaSfiert. 
©o ging 9fobofeon einftmafö auf einen MaMenMt unb War faum einige 
.Slugenblide ba, al§ er fd)on — bie 2lrme ineinanber fd)lug. SBie ein Sauf* 
feuer ging e§ burd) ben Saal: ,®er taifer'! anlief) tonnte man bei 
,ber Sinföjtie in jebem SSintel beS Saale§ ben.9luSruf ,Sbot)r<. unb 
wteber Mpöfy' boren." — Siefen SBorten, bie unmittelbar nad) bem 
-perft empfangenen ©ubrude niebergefd)riebett würben, wüßten. wir, 



114. (Sinfonien für ßrtfjefte.r. 129 

töte gcfagt, aud) jefct, roo nur bag Sßerf in ber geblufften 9Iüggabe rennen 
gelernt, nur roenig tjinjupfügen. (SitT§eme feine fcbpne güge entbeden 
fid) natürlid) in jebem SSerte ©pol)rg, je.merrt man 'mit tt)m bertraut roirb, 
unb fo mödrien roir and) an bem früher auggefpro ebenen Urteile über 
ben legten ©a£ ber Sinfonie einiges milbern, bem. roir bamalg eine ironi* 
fd)e Slbficbt unterlegten, rocü)renb mir jefct bieg ©piegelbilb ber @egen* 
■brat roeniger grell finben. '$ak fid) übrigens niefit fdjon in ben legten 
brei Sauren mandieg geänbert? SBürbe ©jwljt jefct nidjt mand)eg an* 
berg f ^reiben? ^a, mir Joffen'g, ben ßebengabenb beg nntrbtgen SKeifterg 
»erben nod) bie.erften ©trafen einer befferen Bett umte'ud)ten, afö er fie 
in bem ©djlufjfafce feiner Sinfonie cbarafterifierte. 9fat beften aber tmber« 
legte fid) ©toorjr felbft burd) feine neuefte Sinfonie, ber roir nod), einige 
SBorte §u toibmen baben, roenige, — benn toer tonnte nod) etoag ju feinem 
ßobe fagen, bag nid)t fd}on gefagt roorben! ®a§ SSerf ift aber in bietet %t* 
gietjung merttoürbig unb Iäfjt fid) in ber (Sgentümlidjfeit feiner entfiermng, 
gorm unb Slugbrudgroeife nur mit ber früheren ©potjrg, ber »SBeibe 
ber Sötte«, bergteid)en. SBie bort, roäbtte er fid) aud) bjer ein Stjetna, 
bag er mit ber etroag allgemein gefagten £>aubtüberfd)rift »Srbifdieg 
unb ©öttficrjeS im äJcenfdjenleben« bezeichnete unb in brei @ä|en aug* 
arbeitete, bon betten feber roieber ein befonbereg HJcotto t)at. ätfit anbern 
Porten, ber lfte @a| fdjilbert bie SKnbertoett, ber 2te bie ©efafjren 
beg 3üngling§=, rool)l aud) beg Sebeng beg 3Jcanneg, : ;ber 3te enblid) ben 
©ieg beg ©uten über bag SSöfe. SBir gefteljen, ein Vorurteil gegen biefe 
Slrt beg ©djaffeng §u b,aben, unb teilen bieg bielletd)t mit bunbert gelehrten 
topfen, bie freilid) oft, fonberbare SSorftellungen bom komponieren 
Ijaben unb fid) immer auf SKojatt berufen, ber fid) niä)t§ bei feiner äßujtl 
gebadjt Ijaben foll. 28ie gefagt inbeg, bag Vorurteil baben toobl tnand)e, 
aud) 9ttd)t=@elel)rte, unb bält ung batjer ein IJomponift bor feiner Mufit 
ein Programm entgegen, fo fag'idj: „$pr altem ta£ mid) t)ören, bajj bu 
feböne SJcufif gemacbi, tnnterber foll mir aud) bein Programm an»' 
gertetjm fein." @§ ift eben ein IXnterfcbieb, ob ein ©oetlje nad) aufge- 
gebenen Snbreimen einmal bidrtet ober ein anberer. ®rum,. roirb aud) 
niemanb ber ©pobrfctjen ©infonie Ü)re ©d)örtl)eiten toegpbitofopbieren 
förtnen, eben toeil eg etroag anbereS ift, toenn er fieb augna^mgroeife 
eine Slufgabe ftellt ober ein Slnfänger ber fiwtft. Über all biefeg ift fd)on 
bei ber »28eit)e ber £öne« b,in unb l)er gerebet roorben, unb ber-fampf 
fängt fd)on roieber an aufstöbern über bag (Sttt)ag4id)=nid)t=ben!en- 
follen beim komponieren unb bag ©egenteil. Sie P)iIofotoben benten 

3fo6ert ©c^umanttS gel. @d|riften. II. q 



130 114. Sinfonien für Drcfjefter. 

fttf) bie @ad)e and) wob! glimmet, afö fie ift; gewifj, fie irren, wenn fic 
glauben, ein tombonift, ber nad) einer Qbee arbeite, fe|e fid) t)in wie 
ein $rebiger am ©onnabenbnadimittag unb fd)ematifiere fein S^ema 
nad) ben gewßl)nlid)en brei Seilen nnb arbeite e§ überbauet gehörig 
au§; gewifj, fie irren. ®a§ ©Raffen be3 SO'htfifer§ tft ein ganj anbere§, 
unb fäjwebt ib,m ein Sötfb, eine gbee bor, fo wirb er fid) bod) nur erft 
bann glücflid) in feiner SCrbeit fügten,, wenn fie ü)m in fdjönen 3Ke* 
lobien entgegettlomntt, bon benfelben unfidjtbaren Jgänb'en getragen, 
wie bie „golbenen ©inter", bon benen ©oetfye irgenbwo fbridjt. ®rum, 
begattet euer SSorurteil, äugleid) aber prüft, unb lafjt bie $fufd)ereien 
be§ Sä)üter§ nid)t ben SMfter" entgelten. 

(Sagen wir'§ benn furj, e§ liegt über biefer neuften Sinfonie Sboljrä 
ein gauber auSgegoffen roie !aum über einer anberen. SBir lönnten nidjt 
fagen, baft un§ befonberS grofje, neue ©ebanfen au§ it)t entgegenbangen, 
anbere, afö wir fd)on bon Sbotjr gehört; aber biefe 9teim)ett unb SSer= 
ftartt)eit be§ ftange§ finbet man nid)t leidjt wo anber§. ®en gauber 
be§ Kolorits %u erbten, lam bem Sontboniften freitid) ju ftatten, haft 
er fid) groei Drdjefter §u feiner Verfügung ftellte, unb baZ ift aud) eine 
bon ben gbeen, auf bie nid)t ieber fallt ober, fallt er barauf, fie fahren 
läfjt au§ ©rünben. ®enn gehört fdjon gur 23eljerrfd)ung eine§ £>rd)efter§ 
in ber Partitur ein SJleifier, ein wiebiet größerer, wenn er mit §weien 
§u tun f>at. SSiel gtadjarjtnung wirb benn ba§ Unternehmen fdjwerlid) 
finben, unb fie ift in anberem Sinne and) nidjt einmal §u wünfd)en. 
Qntereffant Wäre e§ fyier, bie grage %u beantworten, roa§ worjllöeeifjoben 
au§ einer foldjen Qbee gemalt h,aben mürbe. Sollte man nidjt ba§. 
Ungebeuerfte bon itjtn erwarten? — SStr glauben, er tjätte fie nicrjt 
einmal benu|t, unb fie liegt bielmerjr im ©tjaralter be§ 3Mfter§ im 
garten nnb geinen wie Sbofa-, afö in bem be§ gewaltigen 33eett)oben. 
. Sbotjr mar e§ wobi and), ber ba% erfte ®ofibelquartett fd)rieb, wie fdjon 
in biefen blättern au§gefbrod)en würbe. 

$wei Dräjefter finb benn in ber Sinfonie tätig, bon benen, ba§ eine 
einen met)r obligaten ©barafter rjat unb (orme bie ftarlen 9Jleffing= unb 
Scfjlaginftrumente) nur einfad) befe|t werben foll, ba§ anbere aber, bi§ 
etwa auf bie £>oboen unb gagotten, bie immer einftimmig f bieten, bie 
gewör)nliä)e parle S3efe|ung bertangt. ®af$ biefe ungewöhnliche 9trt 
ber Snftrumentation ber Sluffüljrung an mancrjen Drten rjiuberlid) fein 
Wirb, ift natürltd) ; im übrigen galten wir bie Sinfonie für nid)t fo f d)Wierig 
Wie g. S3. bie »SSeit)e ber Söne«. 






114.. (Sinfonien für Drcfjefter. 13i 

SSeidjt benn bie ©infonie inbielem bom ^erlömmlicfjen ah, fo auü) 
in ber gorm, in ber gotge ber @%; ber erfte, ein ©emälbe fetigen, 
SKnberteben§, ift nacf) einer langsamen Einleitung ein SMegretto; 
roir motten tt)m ben $rei§ geben; grüne äJartten breiten ftir) bor un§ 
au§, unb unter einem rootientofen §immet fielen bie Sinber %u- 
©cijaren; bajtüifcrjen fiefjt man rooi)t aucf) ba§ wehmütig lätfietnbe 2Iuge 
be§ 3Mfter§ felbft, unb roie er jicE) gern feiner eigenen SHnbergeit erinnern 
mag. 

®en ©Ijaralter be§ jroeiten @a|e§ fjaben mir fd)on oben nad) bem 
^nf)alte be§ Mottos be jeicfjnet. @r f djübert gut, roa§ er roitl ; bem bumbf en, 
äroeifefnben anfange folgt ein Ietbenfä)aftftdje§ Stttegro; aucr) t)ier fiefjt 
überall ber eble SMfter felbft burtf), ber bie SSerirrungen feinet fiiebtingg 
(einen gelben ber (Sinfonie angenommen) gleidjfam felbft mit §u be= 
Hagen fdjeint. 

$n biefem ©a|e ift mir eine einzige ©teile aufgefallen, bon ber mir 
fd)eint, bafj fie öietletcEjt niäjt ganj bie SStrlung macrjt, bie fidj ber Som» 
tooniftbabon berfbroctjeu; e§ ift bie§ ba§ (Solo ber ^Biotine be§ lften Dr* 
djefter'^ bie gegen bie Waffen be§ anbern niä)t auftommen lann unb 
p bünn Hingt., ©ine SSerftärfung märe natürlictj feljr leitet §u erreichen 
getoefen; aber e§ fäjeint, ber Somtoonift lege ©etoicrjt barauf, bafs ein 
einziger fie fbiele, unb toir glauben feine ^becp berfterjen. ©o wäre 
benn bon einftubierenben Dirigenten barauf %u ferjen,' bafs btö 2te £>r*' 
Hefter mit feiner ©tär!e mögliclift an fiö) l)alte. 

Qm brüten @a|e fei)en mir ben Dttrjter nun ganj auf feinem gelbe;' 
ber ,23ßfe entfliegt, unb bie Staft be§ ©uten fiegt. Ign ber (Srfinbung ber,; 
23jerrtä§ erinnert biefer an anbereS bon @f)oi)r, namentlidj aud) an 'ben : 
legten @a| be§ ungefähr in gteidjer geit gefc^riebenen &rio§ in ©=möli,' 
unb aüä) ber ©crjtufs erinnert an ben ber »3SeÜ)e ber £ßne«, ofjne be§*' 
l)alb einen frönen erljebenben ©inbrutf gu berf eisten. 
■ @o fc()Iief$t ber SMfter. Sa^t nn§ ü)m folgen, in ber fünft, im fiebert, 
in feinem gangen ©treben! Der %tei% ber au§ feber geile ber Partitur 
fjerborgeljt, ift roai)rt)aft rüi)renb. (Sr fei un§ mit unfern größten ©eutfäjen 
ein Ieud)tenbe§ SSorbilb! — 

luf bie neue ©infonie üon %. 3Jienbel3foI)n* SSartJjolbb/? roaren 
rooljfatle, bie bie gtänjenbe SSalm btefe§ feltenen @eftirn§ teitnetjmenb '. 
btefjer berfotgt, auf ba% rjöäjfte gekannt. SJtot for) ü)r roie gteiü)fam : 



SSerl 56. 

9* 



■ 



132 114. ©infontert für Drdjefter. 

feiner elften Seiftung auf bem finfoniftifcEjen (gebiete entgegen; benn 
feine roiriticB, erfte ©tnfonie in ©=moll fällt Beinahe in bie frürjefte ^ugenb* 
geit be§ £ünftler§, feine groeite, bie er -für bie $I)ill}armonifcrje ©efell» 
fcijaft in Sonbon fcraieb, ift burcfj ben ®rucf ntc£)t befannt roorben; t>te . 
©infonielantate enblicrj, bei »Sobgefang«, fann nicrjt aU eine rein in* 
ftrumentale 2lrBeii betrachtet roerben. @o fehlte im reiben : orange, 
feiner ©crjötofungen, bie Dp er aufgenommen, nur nocB, bie ©infonie: 
in allen -anbern Gattungen fjatte er fid) fcrjon fruchtbar gegeigt. 

SBtr toiffen'S burd) brüte £anb,. baf; bie Anfänge ber neuen ©in« 
fonie groar aucfi, in eine früfjere $eit, in bie bon SKenbelgformS 2Iufent* 
rjalt in Sforn fallen; bie eigentliche SSolIenbung gefcfjaB, aber erft in jung* 
fter 4 « 8 . 3ur Beurteilung tl)re§ gang Befonbern ©Barafter§ ift bieg gemifj 
intereffant gü erfahren. . SSie roenn roir au§ einem alten berte.gten SSucfje 
.blöpcf) ein bergilBteS Statt f)erau§gieBen, ba§ un§ an eine entfcBroun* 
bene geit erinnert, unb biefe nun in ganzer §ette roieber auftauet, bafj 
■mix bie ©egenroart bergeffen, fo mögen roo.rjl auä) bie ^antafie be§ 
SKeifters, afö er jene alten, im fronen Italien gefungenen Gelobten roie= : 
ber in feinen papieren fanb, tjolbe ©rinnerungen umfielt rjg&en, fo baf?, 
bemüht ober unberoufjt, enblicrj biefeS garte Srmgemalbe entftanb, btö 
einen roofjl, roie etroa bie italienifcfje aieifeb.efcrjreibung in $ean $autö 
» STitqn «, bie Srauer, jenes» gef egnete Sanb nictjt gef efjen gu traben, auf eine 
SSetle bergeffen macr)en fönnte. Senn bafj burctj bie gange. Sinfonie ein 
eigentümlicher SSolfgton roel)t, ift fcrjon meta-facl) auggefprocrjen. roorben, 
— ein gang pBantafielofer Sßenfcfi, nur roirb bie§ nictjt merfen. ®a§ be= 
fonbere reigenbe Kolorit ift e§ benn auä), ba§, roie ber grang ©cönbest* ■ 
feiert ©infonie, fo ber !KenM3foBnfcrjen eine befonbere ©teile in ber. 
©infonieliteratur fiebert. 25a§ l)ertömm.licf)e SnftrumentalJpat^oS, bie 
gerooljnte maffenrjafte Breite trifft man in irjr nidjt, nicfjt§, toa§ etroa.. 
roie ein Überbieten S3eett)oben§ auSfafje, fie nähert fiel) bielmerjr, unb 
f)au^tfad)licb, im (Srjaratter, jener ©erjubertfetjen, mit bem ünterfcrjiebe, 
bafj, roärjrenb un§ bie te|tere et)er ein roilbeS, gigeunerifcBe§ SSoMreibert. 
al)nen läjt, un§ bie 3Jcenbel§fotjn§ unter italienifctjen §immel berfettf. 
®arin liegt gugleicb, auSgefbrocrjen, bafj ber jüngeren ein anmutig, ge? 
fitteter ©rjarafter inneroorjnt, unb bafc fie un§. weniger frembartig. an* 
fbriclrt, inbeg roir freilicr) ber ©erjubertferjen roieber anbere SSorgüge, 
uamentlicfi ben reiferer ©rfinbungSfraft gufbreerjen muffen. 

Qn ber ©runblage geicB.net \\ä) bie ©infonie 3JJenbel§fol)n§ nocB, buretj 
ben innigen ^ufammenBang aller bier ©ä|e au§; felbft bie melobifcfje 



114. Sinfonien für Drdjefter. 133 

fyüftrung be§ §aubttf)ema§ in ben biet berfdjiebenen ift eine berwanbte; 
man Wirb bieg auf eine erfte fliiäjtige SSetgteidjung b>rau§'finbett. So 
Bitbet fie benn mefyr afö irgenbeine anbete (Sinfonie audj ein engber* 
fcrjlungene§ @ange; ©fyataftet, Sonart, 9Sji)tfymu§ meinen in ben ber» 
fcf)tebenen SS£en nur wenig boneinanber ab. ®er tontbonift wünfd)t 
nucf) fetbft, tute. er in einer SSorbemerfuug fagt, baf? man bie biet Sä|e 
öf)ne lange ttnter6reti)ung f)intereinanber füiefe. . 

SSaB ba% ^ein»3Mfiralif(ä)e ber Sombofitüm anlangt, fo ifi wof)I übet 
beten SKeifterliäjIeit niemanb in 8 weif et. 3ln (Sä)önf)eit unb 3artb,eit 
be§ 23aue3 im gangen unb ber 33inbegliebet im einzelnen ftettt fie fic| 
neben feine Dubettüten; au teijenben ^nftrumentalef feiten ift fie niäjt 
minbet reM). SBie fein 9Jc. einen älteren ©ebanlen Wiebergubringen, 
■wie et einen 9Mtfgang %u fcrjutüctat berftel)t, bafj un§ btö grünere tote in 
neuer ^Beleuchtung entgegentritt, wie teid) unb inteteffant ba§ ©etait 
oljne Öberlabung unb toi)iüfterf)afte ®etet)tttuerei, babon gibt jebe <Sette 
bet Partitur neue SSeweife. 

■\ ®ie Sitlung ber Sinfonie auf bat, IßuMitum Wirb günt Seil mit 
bon ber größeren ober minbern SSirtuofität be§ Dräjefter§ abpugen; 
bie§ ift freilio) irttmet fo/ h>t abet, wo weniger bie traft ber Waffen 
afö'bie au§gebitbete QaiÜjeit bei eingemen Qnftmmente in Stnftir-uäj ge= 
rtommen Wirb, boppelt ber %ait SSor allem bedangt fie garte SSIdfer. 
2lm untoiberftef)licl)ften wirft ba§ Sd)ergo; e§ ift in neuerer £eit laum 
ein geiftreiä)ere§ gef ^rieben worben; bie Snftrumente fnrectjen batin 
Wie Xftenfdjen. 

,®er Mabierau§gug ift bom tomübniften felbft unb mithin geWifr 
UZ ttenefte Stbbilb, btö gebaut werben lann. £to|bem läfjt et oft nur 
bie Hälfte ber Steige ber Drd^efterwirfungen ab^ten. 
, 2>er Säjtuf? ber gangen Sinfonie . wirb wiberftteitenbe SReinungen 
ß>tbottufen, e§ Werben Ü)n manche im ©l)aratter be§ legten <Sa|e§.er= 
Warten, wäf)renb er, ba§ @ange gteicfjfam frei§förmig abtunbenb, an 
ben Anfang beg etften etinnett. 3Sit lönnen um nut poetifcr] finben, et 
ift wie bet .einem frönen borgen entfpredjenbe 21benb. — *' 



134 .115. »oägiitt. 

115. Slntonio . SBajjjhti 

®a§ ^ublifum fängt fett furgem an, einigen Öberbrufj an SSirtuofen 
merfen piaffen, unb (iote fie eB fct)on öfters geftanben t)at) biefe 8ät* J 
fdjrtft aucg. ®af3 bte§ bie SSirtuofen felbft füllen, fcEieint tf)re neuerbing3 
entftanbene Stu3roanberung3luft read) Stmerifa p beroeifen, unb e3 gibt 
manche ifjrer geinbe, bie babei ben füllen SShmfdj Ijegen, fie möchten in 
©otteS -Kamen- gang brüben bleiben; benn, aöe§ in allem erwogen, pm 
SSeften ber Shtnft rjat bie neuere . SSirtuofitat nur roenig beigetragen. 
SBo fie un§ aber in fo reigenber ©eftatt entgegentritt roie bei beut oben* 
genannten jungen Italiener, ba lauften roir gern nod) ftunbenlang, — - 
in furgem fei e§ gefagt, e§ f)at mir feit Satiren lein SSirtuoS fo innige 
greube gemalt, mitf) fo roof)Iigunb glücflicr) geftimmt al§ 21. Söaggini 489 . 
(Sr fdjeint mir bei roeitem gu roenig anertannt, auct) fc>ier nicEit in bem 
©rabe geroürbigt roorben gu fein, afö er e§ öerbient. . ®ie norbbeutfc^en 
$ublifum§ entfetteten fictj nun einmal fdjroer, einem f ünfiler einen 
Tanten gu machen; lommt er etroa au§ *ßari§, bielteicfjt auä) mit einem 
Drben, fo rjtift ilmen baZ fct)on eljer über bie ^roeifet tjinroeg. 23a§gint 
tarn faft olme alten Sternen rjierljer, trat anfprucl)3lo§ auf; im ©eräufcr) 
ber Sßeffe ift'3 ofmebieS fccjroerer, fitf) belanntgumadjen; man erwartete 
benn einen ©alonftrieter, roie man fie fctjon p ®n|enben tjier gehört. 
(Sr ift geroifj bei roeitem mer)r, unb nannte man tt)m feine tinle §anb . 
(gum 2Inf äffen ber ^Biotine), er mürbe mit ber anbern nod) fcrjreiben 
tonnen unb fidj unter ben befannten italienifcrjen J?om£ofition.§getebr> 
täten nodj gang gut ausnehmen; mit anbern Söorten, er t)at auct) offen* 
, bar probuftioe§ Salent, unb bei einiger erlangter Söjeatertenntnig gemi| 
ebenfooiel $edjt roie §err 5)onigetti ufro., Dpern p fdjreiben. ©ein 
»Sondert« beroteg; e§ am beutlict)ften; ber natürlidje ©uf; be§ ©angen, 
bie meift biSfrete Qnftrumentierung, ber roirttid) begaubernbe ©tfmtelg 
unb 3Bot)lltang in einzelnen ©teilen — oon altebiefem tjaben ja bie 
meiften SSirtuofen faum eine Sttjnung. Italiener ift er burct) unb burdj, 
aber im beften ©inne; afö läme er qul bem Sanbe be§ ©efangeä, ractjt 
einem Sanbe, baZ ba ober bort liegt, au3 jenem unbetonten eroig 
Reitern, fo roar mir'3 manctjmal bei feiner 9Jcufif. 

2113 ©Bieter nun inSbefonbere rangiert er geroifj p ben größten ber 
©egenroart; an eminenter gertigieit, an 2mmut unb gülle be§ £one£, unb 
cor altem an 9teinl)eit unb 9lu§bauer roüfjt' ictj leinen, bem er e§ ntct)t gleict)= 
täte; an eigentümlicher grtfct)e, ^ugenblicrjfeit unb ©efunbtjeit be§ $or= 



■mm 



115. SBajätni. — 116. (Stuben für Sßtattoforte. . 135 

trag§ übertagt et tt>or)I bie meiften, unb bergegenwärtige icr) mit mancher, 
namentlich, BetgtfcEjer SStrtuofett f)tt%> unb feetentofe§ blafietteS äßefen, fo 
fommt et mit tote ein Jüngling unter ©reifen bot, bem, tro| bafj et fct)on 
auf fotctjet glänjenben §öt)e, eine noct) gtänjenbere .gufunft beborftet)t. 

S)ie§ Urteil %vl unterfctjreiben fjätte ict) nut ba% (Sdjergo übet SöjemaS 
au§ bet »Slufforbetung gum Sang« bon Söeber unb fein Bongert gu f)öten 
gebraucht unb gewünfcf)t. 2ftt ben beiben folgenben ©tücfen farj ict) nut 
ungetn, ba§ et aucb, bem ^üblifum gu f(Jimeid)eIn ntcfjt berfc^marjt; t)iet 
war weniger Sftufif, abet eine 2M)äufung bon SSioIinfünften, in benen 
e§ nun einmal 5ßaganini niemanb nachtun Wirb. $n biefet SSeife wolle 
et leiteten unb fict) fetbft nid)t überbieten; fie fcljeint mit fogat aujjer 
feinet Statut gu liegen, bie gu gefallen unb gu begaubern nur ü)re ein* 
fachen Steige gu entfalten braucht; gu Sunftgtiffen ber folette feine $#= 
flucht gu nehmen t)at er nictjt nötig. 

ÜKöge benn bie Sßelt bem jungen fteben§würbigen großen tünftler 
bie £eimat)me guwenben, mit ber fie gegen weniger Söürbige oft ber* 
ftfjwenberifcr) genug war. (£§ geidmet tfm auä) nodj eine ©igenfcfjaft au§, 
bie ber 33efcE)eibenE)eit; ba ift nict)t§, roa§ un§ ftoannen unb in SSertoun* 
berung fetsen Will. Söeftmüber, blaffet SSirtuofengeftalten Mafien Wir 
nun fdjon genug gehabt; erfreut euä) nun aucb, einmal an einem fraftigen 
3üngting§gefiä)t, bem §eitet!eit unb SebenStuft au§ ben Stugen blicft, 
Wie fie nur ein in fict) Waijrf)aft glücßicrjeä ©ernüt gurüägufbiegeln bermag. 



116. (Stuben für bas panof orte. 
%%. «oHtoeilet, 

3 Etudes melodiques. Oe. 4. 

§. Sabine, 

25 Etudes caracteristiques. Livre 1 et 2. 
3 grandes Etudes. Oe. 61. 

(Stuben erfreuten in neuerer $eit bei weitem weniger afö noeb, bor 
einigen ^ren. Mix begrüben ba§ atö ein gute3 Seiten, ba% fiä) ber 
(Sinn ber SHmftter bom ^edjanifctien weg wieber bem 9KeIobifcb,en p= 
wenbet, wie bieg auä) gang natürlict) ,gefommen, ba eine Steigerung 
ber ©tübe nadj bem, tva$ (Stjopin u. a. barin geleiftet, niä)t wof)I mögtieb, 



136 • 116. ©tüben für panof orte. 

roar. SSieÜeicrjt burcb, 3Jcenbeisfof)ns unübertref f iict)e » Sieber oljne Sorte'« 
angeregt, braute £>enfett perft roieber metobiferjes (Stement in bie (Stube. 
SBas nacb, ibm erf dienen, Beroegt fieb, in pmlicf) gleicher 9ücrjtung. 3Bab/r* 
■tjaft 33ebeutenbe§ f)at bie ©attung in neuefter geit niebt gebraut ;;bie 
bebeutenbexen SBomponiften, fie als abgesoffen betxacrjtenb, roettbeten 
ficE) anbexem p. 

Stucb, roas uns tjeute jux 23eurteitung bortiegi, teilt fiel) im ganzen nic§t 
■ über ben @rab einer rjübfcr)en ©aionmanier ergeben, ©puren tieferer 
SMage geigen fic&/ Bier nnb ba nur in ben (Stuben bon ®. SSollroeitet; 
ber Somponift ferjeint noer; Jung, bielleicrjt, ba%, ex jene Beranbilbet unb mit 
bei Seit (Sfjaxaftex unb geftigfeit bes Stils erlangt. SBas er in ben (Stuben 
gegeBen, finbet man gxöfstenteits in fxübexen beffex unb meifterf)after. ®ocb, 
büxfen roix auet) bem jungen, unentroicfelten Eünftler fiel) auspffneerjen 
nid)t berroebren, roenn er nicfjt gexabe ©crjülexrjaftes ober SSerjerrtes 
Bringt. ®as festere finbet auf bie borltegenben (Stuben feine Sforoenbung, 
uns fäjeint namenttieb bie britte gelungener. Stofj in atten breien ber 
•.©ctjlüfj (basUfte Stjema in DItaben) in gleicher SBeife roieber auftritt, 
beutet auf leine grofie (Srfittbungsgabe; freilief) ift bas eine 25equemlicrjfe.it 
ber Mattier, bie roir auef) Bei befferen Somponiften roieberfinben/.roie %. 33, 
in alten §enfettfcr)en ©üben ber Ürücfgangin ber. äftttte auf biefelBe 
SBeife :buxcrj eine 3tof)e , berminbextex ©eptimenaffoibe gefcfjiefjt. 

®ie §u jtoe.it genannten (Stuben geroinnen babuxcB, an gntereffe, 
bafe fie, roie roir glauben, einen gtalienex pm SSexfaffex fjaben. SJcöcrjten 
roix besfjatb einen milbexen SJcafsftab anlegen, fo büxfen roix auefj niebt 
bie SBabrrjeit berf.äjroeigen, bafj fie neben, einigen artigen ©tücfen boefj aueb, 
pbiet Unbebeutenbes' enthalten, roas uns faum berlöerbffentlicbung roert 
febeint. ®ie fxifcfjeften finb 9er. 8- unb 9fe. 10; bas anbexe möcbten roir 
pm größten Seite ungebrucft.roiffen. 2tm beftimmteften roäre ber ®om* 
üonift als ein ©cbüter unb ^aetjabmex 33ertini§ p begeiebnen, mit beut 
er namentlich eine geroiffe.füpcrje ©cfjaüjeit,/ ofjne beffen öfters roixfficfj 
gxagißfen Slusbrucf p befitjen, gemein rjat. einen fertigen SHabierftoieler 
berraten übrigens bie (Stuben in jebem ©tücf, als ber er fieb, auefj in Sßaris 
3luf exroorben. $ie gufunft mufj letjren, ob roir uns in unfexm Urteil 
über, fein Äom|iofition§taIent- geirrt, bas uns pxjeft als ein untex* 
geöibnetes eifcrjeint., ' . : 

= :gn ben ©alon finb gleichfalls bie Stuben bon IB. SRatjex p bexroeifem 
Sen Sjörpg: größter StaüiexmäBigfeit teilen fie mit anbexn ilabier* 
»erfen besfetbenSom^oniften, roie fie benn natüxücb, auet) nirgenbs bie 



116. ©titben für pcmoforte. — 117. fürjere ©Wide für pattoforte. 137 

geroanbte fiebere ©djreibroeife öerleugnen fönnen, bte ftete Öbung unb 
•reifereg eiltet überall. mit ftdj Bringen: ©in lange? Beben, eine naef* 
faltigere SSirfung bürfen mir freilief] ben ©tüben nicljt üerbürgen; betgtt 
finb fte.ötet jtt fefjr im gtuge getjafebt, biel %u oberflädjlicr) in ©rfinbung 
unb ©mpfinbung. Söer aber an flüchtiger greube fem JBergnügen b,at 
— nnb ©Ijafeffieare nnb 33ac§ finb aud) niebt alle Sage p genießen nnb 
'%u berfteljen — , ber greife roobt and) einmal- nad) fo leichter SP^üftf, eine 
©tunbe Inngutänbeln, um bann in um fo größerem Wafce fiä) an ber 
®raft be§ eefiten ®eniu§ jn erlaben. — 



117. Rüdere Stüde für panofortc. 
31. gtuftinftettt, »ttnbtne«, (StfibV für. ba% spianoforte. 

SBerf 1. 

®ie erfte Arbeit be§ tatentöollen Steaben, ber fiel) als ©füeler einen 
fdjon großen SRuf gemadjt. Db er aud) bebeutenbeS firobnltiüeS Salertt 
fjabe, läßt fid) nad) biefer öorliegenben erften Seiftung toeber behaupten 
nod) öerneinen. ®a§ in bem flehten ©rüde ba§ SJMobifdje borroiegt, 
obne gerabe eine fdjöne neue 9JMo;bie jü bieten, täfu^offen,. bafj er' ba§ 
toattre SSefen ber SJiufif.gu begreifen angefangen unb fid) in biefem ©inne 
immer glücklicher entroidetü toerbe. ®er Site! ber ©tftbe finbet feinen 
©runb,jumeift in ber nieltenförmigen 2lrt ber §8egteitung§figur ;etma§ 
Originelleres, burd) unb burd) (MungeneS fonnten wir bon fo jungen 
gabren nidji erwarten. $n feinem gälte burften aber unreine Harmonien 
fteljen bleiben rote ' 



*=S 



2?=^ 



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ja±=z5t=3j« 



geber irgenb leiblid) getoanbte SRufüer X)ätte Ü)m bie ©teile berbeffern 
fönnen. — 

Sttliu§ ^o^jfe, 4 ätoeifitttttitige 

S8erJ29. 

derartige' SSerfudje junger Sömboniften finb %u feiten, afö "baß wir 
nicljt mit befonberem Vergnügen barauf fjinwiefen, unb nennt fie SSeettjo* 
ben im @d)affens>äorn aud) einmal „zweibeinige ©feierte" U. tgl., fö 



I 



138 , :; : ■ 1.17. turjere ©tüde für pcmoforte. 

ftrtb fie un§ noct) immer tjunbertmal Heber -afö.bic 33rababen junget 
SMrtuofen, au§ benett roa§ 3ftect)te3 nie roirb. ®afj bie „©letette" natür» 
lieb, leinen ungeheuerlichen (Sinbrud Ijerboräubringen bermögen ober 
fonft eine 3tebotution in ber SKufil, glaubt roorjt jeber bon bornf)erein. J 
Öberatt aber muffen roir ba% Talent unb ben gteifj be§ SSerfafferS aner» 
lernten, ber mit fo wenigem in einer ber unbanlbar ften ©etjarten fo SobenS? 
roerteS, ju erreichen roufjte. Einige all^u geroöIjUßdje ©equengen auSge* 
.notnm'en, besagen unS bie gugen in it)rer SHartjeit unb SRegelricbtigleit 
ganj gut, am befreit bie te|te, bie un§ in Söjema unb SluSfütjrung bie - 
lebenbigfte fcr)eint. 9toct) eines: eine guge roirlt biet ftäftiger naä) einem 
^ßrälubium, unb SSacb, .r)atte gewifs feine guten ©rünbe, ba$ er bie 
meiften feiner gugen mit SSorfbielen einleitete. SSir roünfdjen, bafj ftcE) 
ber Äombonift bei fbäteren afmlicfjen arbeiten biefen SSinl ntdjt ent* 
geljen-Iaffe. : ; ; . 

S^arl ^ojj;, »$er Staunt ber ^riegetfitant«, 5roJ«üw}>tu für 
bie Itnfe §oub allein.. 

28etf 38. 

grren mir nicfjt, fo erjfiiert ein 33üb eines neuem frangöfifäjen SMerS 
unter gleichem Site!. 33ieIIeict)t tjat e§ ber Slutor bei ber §anb gehabt 
(bie rechte bot fiä) üjnt baju bon felbft) unb in Sönen nactjjutneten ber« 
fücfjt, ioa§ freilieft, ftrjon in ber Malerei fcrj.roer auSpbrucfen mar. Siefte 
fiel) nädj ben JHeibern auf ben SRenfdien, nact) Sitein auf ben ftrifyüt 
fctjliefjen, fo bürfte ber SSerfaffer auf ein Sob bon un§ lange »arten. Qn 
ber 3Jhtfil gibt es nun einmal leine „SMegerbräute", fonbern nur ©ep? 
timen» unb anbere Stflorbe, unb bie „linle §anb" altein r)at fctjon 9lot, 
biefe %u beroältigen, gefcbroeige benn auct) noct) an bie Sräume ber erfteren 
p. benlen. ®oä) roir gerben über ben gefcfjtnacltofen Sitel lunmeg, üjm 
lein roeitereB ©eroicfjt beilegenb, jur eigentlichen SKufil, bie ebenfogut 
eine (Stube für bie linle §anb ift roie ötele tt)te§gleict)ert. (Sin ffonjert 
.für Y §meu:§anbe gälten roir freitict) l)ör)er, unb bie geitfcraift rjatfcrjoü 
öfter auSgefbrocrjen, ba$ mit folgen mectjanifdjen ^uuftftücfen niemam 
bem unb ber SJunft nictjt genügt roirb. '®ie Wltye, bie ber ©toieler auf- 
bietet, ift entfepcb, unb roaS ber ©irtbtucf? laum eine anberer als ber 
eines tjolberig uubfiotberig gefbielten ©tücfeS für groei §änbe. ©efct)ic!= 
lic^leit unb [einiges] Talent motten mir bem SSerfaffer nicfjt abfbredjeft, 
§r berroenbe .fie abtx auf SBürbigereS, unb a3eIof)nenbereS. :j • .j 



117. fürjere ©titele für ponoforte. 139 

SKubotylj äSWtnetä, 

»©e^nfud^t am SEßeere«. SOluftJali^eg Songemalbe. SSer! 8. — ©rojje Sßljantafie 

üBer ein SOjema öon Sßrmtte. SBeri 9. — ©rofje tonäertbarationen über ein £I|ema 

tum SBeHint. . SBerf 10. — Nocturne. SBerf 12. 

Sturer btefen Stombofttionen liegen un§ bon bemfelben SSerfaffer 
einige Übertragungen bon Siebern bon Steidjarbt unb §tmmel bor, bie 
überall ben gefcrjicften Brittanten SHabierfbieter berraten, atö ber er fie£) 
Bei feiner jüngften 91nft)efent)eit in *ßartö auf ba3 erjrenbollfte Betätigte. 
Sßir fennen ifm atö Spieler unb SotnbofitionStalent fd)on feit früher, 
unb bie .Seiifdjrift tjat fdjon öfter üjr ^ntereffe an feinen Seiftungen au§* 
geftirodien. SSir Bebauern fo bobpelt, itjn je|t auf einem bon un3 an 
unjätjügen ©teilen atö gänjltcr) . bertoerftid) bezeichneten SSege bor? 
fcEireiten ju feljen, aufbeut er unmöglich) beut <Scl)iclfale entgegen lann, 
bem atte§ (Sitte, Sftobefücrjtige, SSirtuofifdje. mit ber Qeit unterliegt, 
©erabe bon it)m, 'ber eine ftrenge ©dmte burcrjgemadjt, bon bem mir 
hriffen, baf; er gar tool)! Söeetfjoben bon Fellini ju unterferjeiben toeifj, 
erwarteten mir etoa§ ganj anbere§. $a, e§ tritt un§ in biefen ©aerjen ba§ 
. moberne SSirtuofentum nietjt einmal in feinen glänjenben (Seiten entgegen, 
ttrie fie burefi, Sifjt unb Stjatberg bertreten werben, bon benen bem erfteren 
niemanb ©enialität in Kombination meerjaniferjer ©crjtmerigteiten, @r* 
finbung toirfticr; neuer ^nftrumentateffelte ufw. abfbre$en tonn, eBenfo* 
wenig ttrie bem anbern eine ©alongragie, eine S3ered)nung unb Kennt* 
ntö be§ (SffefteS ufro., bafj er uBerall einnetjnten unb enttmfiaStnteeu 
muft. SDen Kotubofitionen be§ §rn. SBiltmerS HeBt eine gang eigene 
SErocfenrjeit unb ^ßtjilifterljaftigMt an, atö traue er feinen feinen SRanieren 
felBer noä) niebt, atö fjöre er in ber gerne btö ©onnerwort feines alten 
®effauer SFteifter§, bem, ttrie un§, foIci)e SSeftreBungen unmögliä) er* 
freulieb, fein förtnen. ®iefer £rodent)eit falber,, bie fiel) nun eBen in Sifet* 
SöjalBergfcrjer Spanier Bewegt, biefelBen ©crjtoterigt'eiten olme beren Steige 
bringt, glauben nrir fogar, ^ feinen ^ßrobulten nidjt einmal- in ben 
Greifen, für bie fie bere^nepftnb, bie Seitnalmte folgen Wirb, bie Jene 
gefunben, unb bie wir unB bom birtuofifctien ©tanbpuntte au§ genommen 
gar wot)I erllaren lönnen. . (£§ gibt unfrer Meinung nact) nur §wei 31u§= 
ftücrjte für §rn. SBitlmerS, entWeber gan§ umpfetiren bon ber feilten 
S3at)n, bie er betreten, ober fidj bem @ct)Ieä)ten ganjlici) in bie Sfone §u 
werfen. %va le|tern gälte mufj er'3 noct) biet toller machen, atö e§ an* 
bere bor tf)m gemalt; er muß 20ftimmige Sölorbe Ijinf ^reiben lönnen, 



140 117. türgere StucEe für ^iaitoforte. — 118. "Äo'njertftaiJe mit Drtfjefter. 

Duinten unb Dftaben muffen tfjn nic£)t genieren, et mu| eine gorm 
Bringen, gegen bie ba§ gerriffenfie -ßtfets unfämfbigeg SKnbergetalte ift; 
er mufs mit einem SBorte ganj unb gar betgeffen, bafr e§ eine SBnrbe, 
bafj e§ etmag (Schönes unbemigeg in ber Sunft gibt. Sin SorBeeren unb 
Verlegern mirb eg i|m tttäjt fehlen; nur bag eine fürchten mir, — eg 
mirb nid)t lange banern; bie Äränje, bie bag ^uBIilum : fliegt, jermtoft 
eg feiber mieber, fie in anberer SSeife einem, anbeten bargubringen, ber 
fic| auf BeffereB gimüfement berftefjt. SSebenfe er bieg unb ergreife noeb, 
friu) genug- Slnftalten &ra •ttotfeljr.- SRüit lann 'fidj äudj bie @unft ber 
«finftfer üerfcr>räen„ unb bann miß'g botoüelte 2lnftrengung,.fi(^ in bie 
""götje §u raffen, fic| roieber in 3tefüeft ju berfefen. S3ebenfe er bieg. 
Bon fömtlicrjen Stombofitionen, bie mir oBen nannten, finben mir nur 
im Notturno eine eblere Haltung, einen Anflug bonmirtM) entpfunbenet 
Pufil, aiienfalfö aueb, in ber » @er)nfudjt am ^eete«, oBmofjl in Beiben 
noct) 2lffeltierte§ unb @eici)teg genug; bolltommen berroerflict) aber finb 
bie anbern <Sacr)en unb nichts afö ein Konglomerat nietjt einmal irtteteffan* 
ter unb gef^macfboller ^affagen, eine 2M ber Somöofition, bön ber 
man ficB, nur unroillig abmenben lann. $er Komüonift iftnoeb, jung, 
roir Riffen bie§; eg mirb noct) ©(fjtecfjteteg unb bon Salentlofeten ge» 
bruett: 2lBer eben mir richten nicl)t altein naefi, ben Seiftungen, fonberu 
auet) naci) ben ©aben, bie jemanb r)ät, unb eg tft ung in ber Überzeugung, 
ba£ mir e§ mit einem jungen Talente p tun laben, beffen ungemö|m= 
Iic|e Begabung mir burcb,au§ jugeben, bo^elt. fcr)mer#tc| p gefielen, 
baf; mir |ter fo menig SBürbigeg unb XtUgemeineg bon i|m ju berieten 
gehabt laben. —-'_■' 



il8. -ftongerte unb 5lon3ertftü(ie für pemoforte mit 
iDr^efterbeglettung. 

gwbittcmb ^uffera% tajmctco für ba% panaforte mit 
^Begleitung be§ OrdjefterS. 

SSerfl'. 

®ie 8eitfc|rtft |at fc|on mehrere arbeiten biefeg talentbotlen jungen 
Somtooniften befbtoc|en, ber einige geit in unferet M|e lebte unb, menn 
auä) nic|t @c|üler 3Jtenbeföfo|ng, bon i|m «Rat unb $8ete|rung erlieft: 
S)iefer (Sinftitfj äußert fic| and) in ber borliegenben Stombofition unber* 
|o|ten unb [tarier gmar all in anberen fbäteten, bie ung mit feinem tarnen 



118. -tonäertftüde mit Ordjejler. 141 

gu ©efidjt gefommen. . (Sine neue Seite bei Sunfl geigt un§ formt ba§ 
SBapxiccio nic£)t, immextjin abei ein acr)tung3roeiie§ Streben, boptoett bte§ 
in unfeiex geit, reo bie meiften SHabieifomjJonifien au§ Unfenntnig be§ 
Dxc£)e(texfa|e§ etroa§ $rmlic§e§faum rjeiboigubiingen bexmögen. SBix 
exinnexn un§, ba% ^aßiiccio tjiex mit Begleitung be§ DxcfjeftexS gefjöit 
unb an bex finnigen bfelxeten Snftiumentieiung un§ bamafö exfxeut gu 
Mafien. Qf±, ■ tüie roti fjoffen, bex Uomponift feitbem nid)t fielen geblieben, 
fo büifen roti imntex ©ebiegenexeä in biefex ©attung oön ifmt exroaxten, 
unb auä) auf SCneifennung baxf ex xecrmen; benn btö Sßeiiangen nctdj 
bexaxtigen ®omüofitionen roixb, roie gefagt, imntex bxingenbex. gSa§ 
bem Sapxicäo im fpegiellen fetjlt, ift einanmutigei melpbifd)ei; (Sfjaxafter, 
jenei ggubex be§ ^o.fjlflangeg, roie ex un§ auäj aü§ bem (Sxnfte be§, 
3Mjtex3 entgegenftrßmt. 33ielteid)t tragt gum ©ebrvWten, ®umj3fen bex ; 
SBixIung auä) .. bie Sxmaxt, 2)e§*bux unb ©iSmtoII, bei; ba§ Dtcijeftex 
arbeitet nun einmal in biefen unb äfmlicfjen fdjroex unb ungexn, Qean. 
5ßaut roürbe jagen, roie in Blecrjrjanbjcrjurjen. 3Jtag'bie§ ein SStnf für 
ben jungen Sonje|ex jein, fbätex leichtere gu roäfjlen, roenn ex - roiebex 
in 23exbinbung mit Dxä)ejtex jdjxeibt. ®iejem etgenjinnigen IXngefyeuex 
muffen fid) nun einmal in geroijjen SSegietjungen alle bequemen, pii: 
ben bejten Hoffnungen füx bie ßulunft be§ S?ünftter§ fefjen mix feinen 
flöteten Seiftungen entgegen. 

? 28. (Sternbak SBettnett, ^ajmccto für ba§ ^ianoforte mit Dr^epet. 

SBerf 22. 

SBieS Capriccio teilt alle Sßorgüge, bie roir fcfjon.oft fo an ben tom* 
pofitionen biefeg bebeutenbften allex lebenben englifcfjen Somponifien 
gu loben fjatten. ®a§ eine fangen toir gu füxdjten an, SSennett fdjemt 
fidj immei fejtex in eine SRaniex eingujfrinnen, aus bex ex gule|t niä)t 
mefji Ijetau§fommen roixb. (Sx jagt jeit furgem immer bagjetbe, nur in 
tiexänbextex g-orm; je bolllommenex ex bie leitete gu berjerrjcrjen gelernt: 
Ijat, je mef}! jct)emt bie etgenttictje (SxjtnbungSfxaft in ifjm abgunet)men. 
©x muffte, feinen Gräften einen neuen ©boxn gu geben, fid) auf. grofje- 
libeiten roeifen, auf bie ©infonie, bie Dbex ufro., muffte fid) üom 9cieb* 
ItcEjen, (Sf)ielerifd)en abroenben, bex &aft, bex ßeibenfcfjajt eine @örad)e 
finben. äSietleicrjt, bajj bie§ fäjon otme unfex gutun gefdjetjen. . 23ix 
roollen'S tjpffen, in jebem $qlte banlbar gegen ein Salent, ba§ gu ben 
ec^tejten bei ©egenroaxt getjöxt. 



142 118. toitäertpde mit Drdjejter. 

9«oi)§ Sdjnutt, üBriHanteS 9donbo fitt bo§ spianofotte 
mit Drdjefter. 

SBer? 101. 

®er tombönift ift belannt genug in feiner @eitenberwanbtfcl)aft gur 
£>ummelfcben '©ämle, bie auctj bieg Ror&o auf baä beuttüfjfte beträt. 
SSa§ wir in ben meiften Seiftungen jener finben, Sorrefttjeit,. £fott)eit 
unb glufj be§ ©atjeS, finben mir aucb; tjier, unb ben gielbfdjen 23ek 
geftfjtnad:, ben baZ Ronbo aufjerbem bat, ertlärt ber 9Iutor felbft burct) 
ben Stiel » Souvenir ä John Field«, ben er feinem Sßerfe gegeben. ©in§ 
ift un§ au§ Ü)m wieber redi)t Ilar geworben: tote \iä) Qtit unb 2lnftorücbe 
in ben legten 10 bi§ 15 S^ren beränbert tjaben. ®a§ Ronbo, früber 
gebrucft, mürbe fitf) ©tngang berfcbafft fjaben; je|t, mit fürchten, gelingt 
e§ ibm nidjt. SBir finb gang unb gar über jene §albgattung bon SRufi! 
t)inau§, wo ber Somponift ben SSirtuofen unb biefer jenen glänzen 
laffen wollte. SSeetijoben, ber arme befböttelte SSeettjoben, \a ber tff§ 
freutet), ber ju fürcbten mar, ber tjat un§ bocE) anbre begriffe bon äJlufi! 
beige||Ä. Stber auctj gute bürgerliche ^ßrofa.fei unberwetjrt, wenn fie 
bon ber SSornierffjeit nicbt etwa ber ^Soefie eirteg Unterblieben, Wie 
SSeettjoben, gleicbgefe|t wirb. ©§ .gefcrjiet)t auä) fctjon feltener, bie, f ötofe 
finb beller geworben. , 

Sßir lommen je|t p ben eigentlichen Sonderten ober auä) Son* 
jertinoS, bie neuerbing§ erfcrjienen/ unb, möcbten mit einem tiefen 
©eufget anfangen über bie Unfrudjtbarfeit, bie fitf) auf biefem ©ebiete 
ber SHabiermufif geigt, über bie wenige Sebeutenbbeit be§ wenigen ßh> 
fcbienenen; quantitatib wie qualitatib ftetjt e§ wirftictj traurig um bie 
©attung. (Sin ^onjertino bon 3- S^of entjain beftärlt un§ in bem SSer* 
badjte, ben Wir fcbon feit einiger $eit ju fctjöbfen anfingen, bafj biefer 
nicbt unbegabte SSomtoonift immer metjr nacblaffe im (Streben unb bem 
unrettbaren So§ eine§ Routiniers mit ben Qarjren anbeimfallen werbe. 
SStx wiffen Wof)I, e§ gibt SSertjältniffe, wo fid) ber SHinftler §u feinem 
(Srröten bergeffen, wo er fcfjreiben mufj für Verleger unb ^ßublüum. 
2tber nur bie btängenbfte Sßotwenbigteit bätte t)ier einen Slnfbrucb auf 
Sftacbficrjt ber fritil; in jebem anbern gälte wäre (Schonung an unrechter 
©teile. 28ir.t)aben benn über ba% Sonjertino nicbt§ §u fagen al§: e§ ift 
eine- @.betulation§arbeit, in jenen brillanten Flitter berftecft, wie er Sßir*. 
lung mactjt etwa an ©eburt§tagen gerührter SSätet tatenttofer Söcbter; 
bon «tf ift ba feine Rebe. 



■9t 



118. ÄonsretftMe mit'Oi^efter. 143 

Übet ein ^ongertino tiott ®. ©gerat) (SSerf 650) toiffen mir gleich^ 
fertig nidjt§ gu fagen. Söer f o fcEjretbt, ber lann e§ freilief) bis äßerl 1000 
bringen. @s gehört aber biel — latent bagu. 

SSon einem tongerte bon ®art 3ftat)er (SBerf 70) erwarteten mir 
gleichfalls metjr. ©3 enthält faft mir *ßaffage; tiielleiäjt, bafrficr) in ber 
Drcfjefterpartitur, bie unS nicfjt gu £>anben gelommen, mandjeS £oben§= 
inertere finbet, — bie SHabierftimme fiat unS, .tote- gejagt, wenig greube 
gemacht. @et)en ammufifalifcfyenJgimmet tjter unb ba freunblicfje geilen 
auf, bie eine fernere SuJunft ^ er Äunft tierbeifjen, fo tierftimmen SBerfe 
toie bte§ Bongert, too alles toieber auf SDledjanil unb gingerbrabour 
f)inau§Iäuft, um ba§ bototoelte. Sdan ftoricfjt fo oft bon SSerberbtljeit 
be§ ^ubtifumS; »er l)at e§ benn. berborben? 3f)r, bie ®omponiften= 
SSirtuofen. geb, nullte lein SSeifpiel, bafj ein ^ubüfum bei einem 
Seettjobenfctjen Sondert je emgefdjlafen inäre. §err ®. äJtafyer gehört gü 
ben 23efferen ber galanten «Schule, tote tjaben manchem feiner Heineren 
SHabierftücfe, anmutigen 9Jciniaturgebilben, oft aufrichtiges £ob : ftoenben 
muffen, mit feinem Shmgerte tjat er aber leinen gortfctjritt gegeigt. •' 

63 bleibt no et) ein üongertgubetenectjen übrig bon QacqueS ©cbmitt 
(SSert 300), ba§, in ©rfinbung toeber neu noct) bebeutenb, boef) überall 
ben grünblicfjen SJJann bon gacb unb Salent berrät, namentlich eine toür= 
bige gorm, bie grofje breifä|ige, aufftetlt, toie ttnr'S benn bebauern toür» 
ben, roenn biefe legiere gang auS ber ^ongertmufif be'tj ctjröänbe, tte§= 
l)alb jeboä) irgenb genialen Steuerungen nictjtS roeniger atö ber Seg 
tiertreten fein fotl. ®er Sombonift ift, wie fein SEteuber äUorjS, bon bem 
lütr oben fbracf)en, betannt genug; fie fjaben mandjeS gemein unb finb 
tboljl auet) in giemtiä) gleichet ©dntte ergogen. Stufjer SHart)eit unb glufj 
be§ @a|e3 geictjnet bie ®omtoofitionen bon gacqueS @ct).noct) ein befonberer 
Sßotjtflang unb bor benenbeS anberenmet)r @rfinbung§traft ber SPtelobie 
aus», ^ebenfalls ift e§ erfreulich, einen betfct)oIlen (geglaubten toieber 
mit einer größeren Sombofition tjerbortreten gu fetjen, unb fjeb't fie bie 
©attung auet) nierjt auf eine t)öt)ere Stufe, fo tiermettet fie fie aueb/ nict)t 
unnü|; im ©egenteil, man wirb ba% Bongert, ettoa als SSorftubie gu 
§ummetfc§en, Jüngern ©bielern mit Sftulen in bie £>anb geben lönnen 4 v -. 
^Sieg: ift benn bie ausbeute, bie mir auf biefem ©ebiete ber SJJufif 
machten, ba§ SBicfjtigfte, ma§ in einem Seüraume bon über brei Qa^ren 
l)etauige!ommen. ®a^ e§ um bie ©attung . traurig fte^e, fagten toir 
oben gubiet? 



144 , 119. Sieber itnb ®efcmge, 

119. £teber tirtb ©ejange. 
torl tofptalt), 

6 ©efänge für eine ©tngftimme mit ^Begleitung be§ Sßtanoforte. (3. £>eft.) 

torl Reiftet», 

6 (Sefange für eine ©ingftimnte mit SSegleituitg btä panoforie. 853er! 1. 

9tol>ert granj, 

12 ©efänge für ©opran obsfegenor mit panoforte. SBerf 1. 2 £efte. 



';:'■ ®er 9fome bef guerft ©enannten ift motjt bett meiften unferer 
Sefer lein fremder met)r. 38ie fiel) in feinen fimfianficrjten, bon benen 
biefe geitfctjuft feit ü)rer (Sntftetjung öfters mitteilte, ein ftetS auf ba§ 
mürbigfte giel ber fünft genuteter ©trat au§fbra4 fo mar bie§ awfy bon 
ü)m aß $raftiter p erwarten, geigte e§ fiä) bort überall beuttict), bafj 
tjiuterbem fritifer ein guter SKufifer fiä) tierbarg, fo gilt bon ben Siebern 
ba§felbe umgelegt,, unb tote mir ü)m gern in bie oft feltfam berfc£)tunge* 
neu ®änge feiner ©ebanfentoelt folgten, fo gern unb aß 9KufÜer.no(t) lieber 
in bie feiner: Sonfcrjöbfurtgen. ®ie Sieber finb nicfcjt alle gleich unb fcEjei- 
neu auf jtoei berfdnebene SebenSberioben be§ f omboniften tjinsubeuten. 
3n eine frühere fe|' idE) 9fa; 1. »grüpng§glaube«, 9?r.3 »(Srfter 23er* 
luft« unb SfJr. 6 »Mtje be§ (Miebten«, in eine fbätere, neuere bie an» 
bereu, ©er Xtnterfcfjteb biefer §toei §älften ift auffallend £>at-ficf) ber 
Sombonift in ben fbäteren offenbar §u größerer flartjeit burctjgerungen, 
jU einer leichteren,, freieren S5ef)anbtung bon SBort unb Son, fo möchte tat) 
bafür nicrjt bie alteren Eingeben, tüte oft fie un§ aucb, ein berbüfterte§ 
©emüt fetjen laffen. £at er in ben erfteren btelteictjt leichter gefunben, 
fo in ben anberen tiefer gefugt; bie lederen, jene in älterer Seit gefdnie» 
benen, finb mir bie lieberen. . 

(SS ift eine fctjöne geit, too ber junge füttftier, unbelümmert um geit 
unb 9f{uf)m, allein feinem Qbeat nactjlebt, ben f)öctjften gleifj aucb, auf baä 
SIetnfte bertoenbet, feiner fünft alles f)inpobfern bereit ift, Su eine 
folctje f ctjeinen mir jene erftgenanuten brei Sieber ju falten; e§ finb toelctje 
unter bier 5Iugen p fingen, nicrjt otjne Wfyen, aber mit Siebe gepflegt unb 
tiollenbet; bor einem «Jkblifum mürben fie erftarren, unberftanben mie ein 
tiefer SRenfctj im, ©efetlfcrjapfaale borübergetjen, itjre oft grübterifcb>n 
©injettjetten fogar SFä^betiagen ermecren. 2tnber§ bie brei aubern Sieber; 
fie finb roett abfictitüctjer, mefjr auf bie augenbltcflicrje SBirlung berechnet, 



m 



119. Sieber unb ©efctnge. 145 

unb geroiB, ba£ fie ficf) fdmelter Setfall erringen; aber jene ^nnigfeit 
unb UrftrcüttgttcfjMt gel)t ü)nen bafür ab, man merft Ü)nen fogar eine 
Hinneigung in bte SSeifen anberer, namentlich gr. ©Huberts unb SDtarfä)* 
ner§, an, roäf;renb jene älteren, nur leife manchmal an &poi)x erinnernb, 
fonft beut eigenften ®emüt beS tomponiften entfbrungen fcrjeinen. SßaS 
bie Sieber tofmtatrjä im ganzen auggeidmet, i(t bte Stbftce»t ber tiefften 
(Srfaffung beS OebicE)teg unb ber auf bie Begleitung geroenbete forg« 
fame %M%. $on feiten be§ ©ingenben wie beS ©jrielenben gehört p 
it)rem Vortrag ein genaues SerftänbniS, baS biefermit feinem oft biet- 
ftimmigen ©efpinft niä)t berbetft, mcujrenb jener ben golbenen gaben 
ber SMobie unbelümmert fortpfül)ren berfteljen muf;. Oft möchte 
man über ein „gubiel" in bet Segleitung Hagen; bei genauerer SBe- 
tracljtung erfäjeint fie aber ber ©rfinbung beS ©anjen fo berroaäifen, baß 
fiä) laum ett»a§ roegnetjmen "läfst. äJlöä)te benn ber f omponift jenen 
£on roieberfinben, ben er früher angeftimmt; er mar fein eigner unb fann 
irmt nic£)t berloren fein; mir *ja6en nod) manche eble «Blüte feines Talents 
bon ü)m p erroarten. — 

®er ätoeitgenannte tomüonift ift ein junger ®äne, unb roie unS 
®anemarf in neuefter $eit mantf) beacrjtenSroerteS Talent geliefert, 
roie Hartmann, ®abe/ Momentan, b. Söbenffiolb u. a., fo freut es unS^ 
biefen in ber ßeitfcfjrift fdjon öfters ermähnten tarnen ben beS £rm 
§elft eb Ijinppfügen, ber fiel) mit feinen Siebern auf baS eljrenbollfte 
in ©eutfdjfanb einführt. @o mag im luSlanbe nod) manches Talent ber« 
borgen leben, baS feljnffidjttfl nad) ©eutfdjfonb, nodj immer bem guten 
Saterlanbe roatjrer «Dtafif, tjerüberblicft, unb es gibt freilief) nur roenige 
lunftftnnige dürften, bieümen bie «Kittel, «Bitbung unb «Ruf p geroinnen, 
fo oft unb gern geroa1)ren roie ber bon ®änemarl, bon meinem audj 
ber £>om£onift p einem mehrjährigen «Aufenthalt im SluSlanbe Unter» . 
ftü|ung erhielt. SSir führen bieS an, roeil fidj fo manches an ben Siebern 
leichter erllären läßt: bie beutfcfjen Se^te, bie faft immer gute 2>eflama* 
tton, bie gange 2trt ber «Dcuftf, bie, nur mandnnat norbifcEier anflingenb, 
fonft edjt beutfä) p nennen. Bon bielen unferer Sieberfornponiften 
lönnen mir bieS leiber ntdjt rüfjmen; rotr Ijaben rool)I Hamburger, SBtener 
u.a., ect)tbeutfä)e nur roenige; ber junge ®äne lönnte manchem pm 
«Dhtfter bienen. Samit fei tnbeS feineSroegS gefagt, eS roären bie Sieber 
burdjroeg meijiterljaft, aber ein feuriger jünger im ©Uten ftel)t immer 
fjßt)er als ein «Keifter im äJättetmäfstgen, unb jenes (Sjntt)eton bürfen 
roir unferem im beften Sinne beS «KorteS geben. SSielleicrjt ftnb bie Sieber, 

SioSert ©diumamtä gef. Scfittften. II. -yj 



146 119. Sieber unb ©efctnge. 

tote ein DpnZ 1, fo bie elften übertäubt, bie ber Sompontft gefcrjrieben; 
bie äMobte erfcfjeint tner unb ba noct) ettoa3 unfertig, bie $orm toüt fiä) 
noct) niä)t überall gleictjfcbön geftatten. SKie ber Duell, etje er pm reiben 
breiten Strome toirb, in unruhiger §aft je|t Sßafferfälle bilbenb ober 
$efö unb (Stein überfbringenb bortoärMreibt, fo nMgäjet junge S£ünft= 
ler, unb oft bieten gerabe jene anfange einen reijen^ren malerifctjeren 
Stnblicf al§ ba§ bequeme 33ett, in bem fict) öfters bie SMfterfcfjaft au§» 
rutjt. ®ie§ SEHIb auf bie Sieber angetoanbt, fo tjaben fie ettoa§ angiet)enb 
23ilbe§ unb jene.erfte $rifct).e, ber toir gern bie.fleinen hänget nact)fet)en, 
toie fie fitf) im ©efolge jeber erften SSerfucrje finben. ©o toüfjten toir 
j.SB. an manchem Siebe be§ §rn. Süden formell nid)t§ augpfe|en; 
aber bie gange 3ücfjtung btefeg unb anberer Somtooniften feines ©tjaraf» 
ter§ ift eine butgäre, toätjrenb toir an ben Seiftungen anberer formell 
bielteicrjt p tabdn finben, ber $unlt aber, bon bem fie ausgeben, ein 
ungleich böberer ift. S)afs bie Sieber, üon benen toir fprecfjen, burctjauä 
einer ebleren 3füct)tung angeboren, bemerlen toir mit greuben; fie finb 
merjr aB blofce lllorbbegleitung p einer fangbareu SMobie, fie getjen 
in§ Seben be§ ©ebictjteS ein, unb bie meift glüdlictje Sluffaffung fdjfiefjt 
auctj bie tünftlicijere 2Iu3füt)rung nictjt au§. ©o entbecfen toir oft Heine 
Sfotfjafjmuugen, binter benen bie SJMobie nur um fo fctjlauer ^tnburcb» 
ftef)t, feine güge, bie ba§ Df)i be§ SKufilerg berraten, ber neben ber 
£>aufuntelobie gleichseitig peite unb brüte Heinere erfinbet. gn biefer 
2Irt fcbeinen mir btö »Slofterfräulein« unb »$n ber grembe « bie gelun* 
genften; namentlich muft ba§ le|te, eitoa§ langfam genommen, bon 
burcrjau§ trefflicb^r Söirfung fein; e§ ift mein Siebting getoorben. S8a§ 
bie Sieber, gegeneinanber berglictjen, nocbj iutereffant macfjt, ift itjre 
djaralteriftifcrje 33erfct)iebent)eit. Sßätjrenb anbre tomponiften jatjre* 
lang nicbt bon 3Mler*, Sßiegen» u. a. Siebern laffen tonnen, geigt liier 
jebe§, toa§ freiließ bernünftigertoeife febon buret) bie SSatjl ber berfctjie* 
benen ©ebictjte bebingt tourbe, eine anbere mufifalifcrje gärbung. ®er 
innige »grürjlingSglaube«, ber toilbe »^rre ©fnelmann« (SicrjenborffS, 
§eine§ ff)öttifcrje§ »^m £irn ftmft mir ein 3Mrct)en fein«, bie beiben 
»altbeutfcrjen« Sieber, unb ba§ lefete melancrjotifcrje »Qu ber grembe«, 
fie fctjtagen alle einen unter fiö) berfebiebenen, in ber £aubtfact)e immer 
ben rechten £on an, toa§ für bie gätjigleit be§ Somboniften, bie er mit 
ber Qeit ber Dpa ptoenben möge, ba§ günftigfte Zeugnis ablegt. Säbel 
gegen. etngelneg — roo toäre ber nicJ)t borpbringen! ©o ferjeint mir 
btö erfte Sieb tro| feiner ^nnigfett boeb, ettoa§ fctjtoerfällig, baS altbeutfctje 



119. Steber imb ©eftoge. 147 

eine§ guten gluffe§ gu entbehren, ber ©crjtuft be§ »SHofterfrMein« un* 
Bet)agftd) it. bgt. SIber, tüte gefaßt, bie £>auf)tfacrje ift ba: Talent, ernftes 
(Streben, fcfjon weit gebietjene 23ilbung; bte ©enien, bte ilmtbieS ber* 
Itetjen, werben aucrj ferner ifjre.freunbucfje §ilfe niä)t berfagen. — 

Ober bte Steber bon 9t $rang tiefte ficf) biet fagen; fte finb leine ber= 
eingelte ©rfcrjemung unb ftetjen im innigen gufammenfjange mit ber 
gangen ©ntwictelung unferer Shtnft in ben legten geint ^atjren. SRan 
weifj, ba$ in ben gafjren 1830—34 ficf) eine Sfeattion gegen ben fyertfctjen» 
ben ©efcfratacl erfjob. ®er fampf war im ©runbe nictjt fc£)tt)er; er war 
einer gegen ba§> glo§feIwefen, ba§ ficf), SluSnafjmen Wie SSeber, Soewe 
u. a. zugegeben, faft in atten ©attungen, am nteiften in ber SHabier« 
mufif geigte. SSon ber fMabietmufif ging aucrj ber erfte Angriff au§; 
an bte ©teile ber ^kffagenftücfe traten gebantenbotlere ©ebilbe, unb 
namentlich gweier Süleifter (Sinftufj machte fictj in it)nen bemertticrj, ber 
35eett)oben§ unb 93acrj§. ®ie gab,! ber jünger wucij§; ba§ neue Seben 
brang auct) in anbere gäcfjer. gür ba§ Sieb fjatte fctjon grang (Schubert 
borgearbeitet, aber mefjr in S3eett)Obenfcfjer SSeife, bagegen in ben Sei* 
ftungen ber üßorbbeutfcrjen bie SSirfung Söacfjfcrjen ®eifte§ ficb, lunbgab. 
®ie ©ntwicfelung gu befctjleunigen, entfaltete fict) aucb, eine neue beutfcr^e 
Sicrjterfdmle: Studiert unb jj^ejtborff, obwo|t fc|on frütjer blü|enb^ 
würben ben ^HtfifertTbertrauter, am meiftenjl|tanb unb |>eine tont* 
Moniert. So entftanb fene lunftbollere unb lieffinnigere Irt be§ Siebe§, 
bon ber natürticb, bie grütjeren niä)t§ roiffen tonnten, benn e§ mar nur 
ber neue ©icrjtergetft, ber fictj in ber üJJhtftf wiberfpiegelte. Sie Sieber 
bon 3t $rang gehören burä)au§ biefer ebten neuen ©attung an. ®a§ 
in 35aufct) unb SSogen fabrigierenbe Siebermactjen, ba% ein Stümper* 
gebiegt mit bemfetben S3efjagen remitiert roie etwa ein 9fticfertfct)e§, fangt 
an, in feinem SBerte gewürbigt gu werben, unb wenn ba§ gemeine 5ßu* 
blilum ben $ortfct>ritt nicrjt gewafjrt, ben 23efferen ift er längft Mar ge* 
worben. llnb in äßirfttcrjteit ift trielleicrjt ba% Sieb bie einzige ©attung, 
in ber feit Seetfjoben ein wirftiä) bebeutenber ^ortfctjritt gefctje^en. 
SSergteicfit man g. S3. an ben borliegenben Siebern ben gleifj.ber 2tuf* 
faffung, ber ben ©ebanfen be§ ©ebicfjte§ bi§ auf ba§ Sßort wiebergeben 
möcfjte, mit ber Sßacfjtöffigteit ber älteren 93et)anblung, wo baZ ©ebicfjt 
nur eben fo nebenher lief, ben gangen fjarmonifcfjen 3lu§bau bort mit 
ben fcrjlotternben $8egIeitung§formeln, wie fie bie frühere ^eit nict)t 
loSwerben tonnte, fo tann nur 33orniertt)eit boS ©egenteil fet)en. 3Rit 
bem borigen ift fcfjou bcß ©fjaralteriftifclje ber Sieber bon $1. grang 

10* 



148 119. Sieber imb Oefönge. — 120. kleinere Äotn^ofitionen für 5ßt<moforte. 

ausgeflogen; et will meb,r als wob> ober übelffingenbe Söhtftf, er will 
uns baS ©ebici)t in feiner leibhaftigen Siefe wiebergeben. ®aS ©tili* 
£räumerifä)e gelingt xl)m am beften; boä) finben mir aud) aMgenb^atbeSV 
(fo gtetcE) baS lfte Sieb, bann baS »Sunjlieb int 9M«,)mb mutigere 9luf* " 
Haltungen, wie in einigen 23urnSfä)en Herten, ©ine 3fteüje ber oerfdjie» 
benfteu Söilbet unb ©efürjle wedt baS Sieberbo£{>eu)eft; etwas Schwer* 
mütige§ möchte fid) überalt mit einfielen. Quin Vortrag ber Sieber 
gehören ©änger, Steter, SRenfctjen; allein taffen fie fid) am beften fin» 
gen, unb bann etwa §ur $benbftunbe7j @in§emeS beteibtgt mein Dt)r, fo 
bie anfange beS 7ten unb 12ten Siebes, baS öfters wieberfommenbe e 
im legten; eines, baS 7te, wünfdjte i&) gang aus ber Sammlung entfernt, 
e§ fcE)eint mir in SMobie unb Harmonie gu gefudjt. SSaS aufjerbem übrig* 
bleibt, ift intereffant, bebeutenb, oft botjügüd) fdjßn. ®em SMfdjen 
©djlummertiebe wünfdjf id) einen mufifalifd)==teid)eren ©djlufj; bocb, 
bleibt eS aud) ot)nebie§ eines ber glüdlicbjten/aßoltte man einzelne feine 
güge anführen, man würbe nidjt fertig; innige SJhtfiimenfdjen werben 
fie fctjon fjerauSfinbem/ 

®ie Sieber unterf^eiben fid) benn f)inreid)enb bon anberen. 23er 
aber fo begonnen, barf fid) nid)t wunbern, wenn bie gulunft nod) fixere 
Stnforberungen an itjn fteltt. (Srfolge in Seinen ©enreS führen oft §ur. 
einfeitigteit, gur Spanier. <5d)ü|e fiä) ber junge tünftler bagegeu burä) 
Ergreifen neuer Sunftformen, berfudje er fein reifes futtere aud) anberS , 
aussprechen als burd) bie (Stimme. ttnfere Seilna^me folgt tf)m gewiß 
überall. 



120. kleinere Äompoponen für Panoforte. 
granj Sßrodje, 6 SBcmatiottett üfiet ein Stigitfdtljema 

SSerf 27. . 



SSom £t)ema f)at ber tombonift nidjt pbiet gefagt, wenn er es 
nennt, wie er eS genannt; eS berührt uns auf eine gang eigne metan* 
djo!ifd)e Sßeife, wie bie Ie|te Mage eines Ungmdlicfjen; wir würben eS 
gerabeju trefflid) nennen muffen, wenn unS nid)t einige gefd)tnacHofe' 
Sßenbungen barin wieber ftörten. Unb fo berfyätt eS fid) mit bem gangen 
göüuS; es ift ein fonberbareS ©emifd) bon «$jiRjtaöfttfit unb Satent, 
bon ©efdmtadtofigfeit unb ©mfjfinbungSfüÜ'e. ®afj jebe ber SSariationen 






120. kleinere Sontpoftitonen für pctnoforte. 149 

avS> einem anbern £one getjt aß> ba3 Söjema, roürben roir an ficr) eljer 
al§ etroag S3efonbere§, bom ©äjtenbrian 2tbroeicrjenbe§ bejetcrjuen al§ 
tabetn§roert finben. SBie e» aber i)ier gefcljietjt, in ber Söetf e, bafj bie 
beschriebenen SSarigtionen einen bom elegifäjen Jon be§ %l)ema§ \iä) 
gänglicE) entfernenben ©t)aralter annehmen, bie in ®*bur fogar in einen 
$rancoi§ §üntenfct)en SSrabourton berfattt, roül un§ jene ©onberbarfeit 
eben nur aß eine foldje, leine burct) eine innere Sfotroenbigleit begrün* 
bete gormerfctjeinen. SIber ba.3 S^ema, roie gefügt, nnb bann aucf) ber 
©crjtufcfat;, ber roieber ben ©fjarafter be§ Sperrtag aufnimmt, ftimmen 
un§ gur Seimatjme für ben Sfemboniften, ber, roerat er feinen ©efcrmtacf 
an roatjren SJhtftern reinigen roollte, bielleiäjt mit ber 3 e Ü nrnr/crjaft 
@cfjöne§ gutage förbern roürbe. SSor allem müfjte er bann bom ^3affagen= 
Iram laffen, bem Urftorünglicfjen feiner ©ebanlen bie rechte Raffung 
ju geben, übertäubt biele§ lernen, roa§ \iä) au§ leinen 33üd)ern, fonbern 
nur im fteten SSerfetjr mit SMftern unb SOfeifterroerlen unb burcr) SJer* 
gteidmng groifctjen biefen unb ben eigenen Seiftungen lernen Iä|t. Sßöcrjte 
üjm bie erftere SSergünftigung §uteü werben unb er gum anbern traft 
unb Sefcrjeibentjeit genug mitbringen! 



Stefan £eMer, $ßl)(wtafie (SSert 31) rntb $oJew>§ (SSert 32) 
üftet £*)ewta§ ait§ bet »Sabin« bon §alebij. 

£>ie§ ift auä) ©alonmufil; aber roie fiet)t tjier überalt ber feine 
ÜKufiler f)erau§, roie .bilant unb eigentümlich, alle§ ! Dft fct)on Ijaben 
roir unfer SSebauern au§gef brocken, roerat rotr roirflictj fcrjöpferifcrje 
latente in felunbären ^omtoofition§roeifen fiel) ergeben fatjen; anbern* 
teifö lann e§ aber auch, Stoßen bringen, roenn geiftreietje Mnftler, roie 
@t. geller, manchmal ben ©alon bebenfen, roorjin fonft lein ©trabet guter 
ÜKufil fo leidet bringen roürbe. ®3 ift, al§ ob fict) .£>aKbrj§ äJtufil in £>etlerg 
§anb berebelte; er befi|t eine aufterorbenttierje ©eroanbttjeit, frembeS 
3Jcittelmaf5ige§ fo guguricrjten, bafj e§ fid) roie eine gute Driginaffonttio* 
fition anhört. Sßir roiffen laum einen anbern Somtooniften, ber e§ tt)m 
barin gleichtäte, ber fiel) in einer (Sattung, bie immer einen lünftleri* 
fetjen SSerbadjt erregt, fo roenig bon feiner SSürbe gu bergeben roüfjte. 
SSenbe er alfo immerhin bon feinem Steicrjtum auefj bem Dilettanten 
gu; er f erlägt itjm bamit bie 33rücfe gum SSerftänbniS tieferer Äunft. 
@efat)r für feine eigene beffere Sünftlerfcfjaft fct)etnt babei nicfjt bort)anben 
§u fein. 



150 120. kleinere f otttpoftttonen für Sßianoforte. 

SBerl 47. 

■Sie roären p regieren, ofjue fie gefetjen p b,aben. 28a§ tonnte' 
man t)ier erhalten afö ba3 SRec^te, eine flimmembe flunfembe f labier* 
Sanpmfil, bie nichts null afö ba§. SlucE) ©tjonin unb ßifet b,aben für ben 
Sanjfalon gefcrjrieben; roie Stjalberg ftdfj int großen bon biefen unter» 
f Reibet, roirb man tjier roieber im fleinen geroatn; ben fcrjroärmerifcrjen 
immer etroa§ mafurenartigen ©rjarafter ber (^opmfdjen SSalgermufif, 
ben ftürmifcrjen be§ Ungarn Stfet in eiegant=rt)ienerifd)er ^Bereinigung 
roieberpfinben, greife man nur nacrj ben £i)albergfcr)en SSafeern. (Sine 
emtoferjlung ber tritt! ift unnötig, roo aucb, ein abraten ntdjtg fruchten 
roürbe. 

®ie tomtoofüion b,at leine SBetfydjI, ift oom tomtooniften „feinem 
SSater" pgeeignet, — mir tjaben atfo ttotjl ein (SrftlmgStorobuft bor un§, 
unb par ein bielberffnecrjenbeS. Söie feiten roirb un§ bie greube, bie§ 
fagen p lönnen, unb roie gern motten roir'S öfter! §8or allem geigt ficE) 
in ber Maurice, fo turj fie ift, eine tlare ffinftterifdje gorm; fie bringt ntcp 
fotofloS QufammengerDürfelteS, man fxel)t überall bie orbnenbe §änb, 
bie auc£) rnnftficrjere gormenberfcpngungen p betjerrfcrjen trautet, bie 
bor ben ©djnrierigfeiten ber (Sntroirrung nictjt prücffcrjrecft. 2ßo roir 
bieg an ber $ugenb roatjrnetimen, bürfen mir immer Hoffnungen für bie 
Snlunft tjegen; bie a3er)errfdmng ber gorm fütjrt ba§ Talent p immer 
größerer greü)eit, bie ©efcrjicrjte aller fünfte unb SMnftler Ijat ba§ be* 
«riefen, groar, mir finben auct) in ber f aürice iugenblic^e 2lu3roüci)fe, aber 
btö ©ute ift bei mettem überioiegenb, unb burcr) unb. burcb, äKeifterlicfjeg 
gelingt ja auct) bem älteren tünftter ntcEjt p jeber ©tunbe. @o bereut» 
fommnen roir benn ben iebenfalß nocb, jungen SJtann.unb feinen erften 
©bröpng mit ben erfreulichen ©rroartungen für ba§ (Später, gur 
gröfjeren Sßirfung be§ &tMt§ rjätten roir iijm nur einen feurigeren 
©djfofj/emen ©cf)tu§ im gorte geroünfä)t; im lebenSfrifcrjen ©i)aratter 
ber fatorice lag aucb, lein ©runb p bem leifen (Snbe. Stuf ttidjtö aber 
•r)at ber f omtoonift in feiner tunft metjr p acijten al§ auf bie rechte traft 
be§ ©ä)Iuffe§; nur fie gibt bie Sotalroirfang. 



m 



120. kleinere & ontpofütcmen für panoforte. — 121. Sßreüfonaten. 151 

g. (Sfjpjnn, SaronteHe. 

Ser! 43. 

©in <3tM in ©tpbinS totifter Lanier; man fieljt ben nrirbelnben, 
bom Sßarmfinn befeffenen Sänger bor fietj, e3 wirb einem felbfi ftirbtig 
babei jumute. @c£)öne SJlufÜ; barf ba§ freilieb, niemanb nennen; aber 
bem SKeifter bergen ftnr toötji auci) einmal feine toilben ^antafien, 
er barf and) einmal bie Sftadjtfeiten feine§ gnnern feljen laffen. gür 
Stegenfenten Dom regten ©djrot unb Sorn f)at ©f)o,bin oi)nebie£ nicf)t 
gefdjrieben. — 3>a§ erfte SSerftänbniB be§ @tMe§ ttirb leiber burcfj bie 
®ru(ffel)Ier, bon benen e§ toab^aft toimmelt, feljr erfdjmert, 

SS. (©terttbale SBennett, SRonbo. 

28er! 25. 

9<lacrj ber bor(jerget)enben Sombofition ftrirlt bie Senettfcfye tote ber 
Sang einer ©ragte naü) einem §e£enreigen. 23ennett tjat fcb/m biel $K)n* 
lidjeS getrieben, nnb einen gortfcfnitt läftt auct) biefe Arbeit bermiffen, 
bie anbererfeitS toieber alle bie meifterlidjen SBorgüge befi|t, bie mir 
fc£)on fo oft an biefem Somboniften f)erbort)oben. 2>a§ ©ange gibt fiä) 
anfbruc()Io3 unb ift offenbar gu einer (Stubie für ©bieler mittlerer 
gertigfeit befttmmt, toie e§ aud) ber t)ier nnb ba angegebene f$tngerfa£ 
anbeutet. ©3 .fefytt an getjaltbolten ©tücfen biefer %xt, toe^alb mir e§ 
angelegentlich empfehlen. 



121. ^teisfonatett. 
©ttftab trug, 

©rofseS ®uo für panoforte unb ^Biotine. 23erf 3. 

So«t§ §etfdj, 

©rogeg Suo für panoforte unb JBioKne. SBer! 13. ; 

©§ finb bie beiben Sombofitionen bon bem norbbeutfdien 93luft!^ 
bereine in Hamburg mit bem greife, unb gtoar bie erftgenannte mit 
bem erften, bie gboette mit bm gleiten gefrönt toorben. ©ine bergtet* 
djenbe &iti! fcrjeint alfo t)ier meljr al§ in jebem anbern gatie ftattt»aft. 
Sntereffant mufjte fctjon jebem bon bornfjerein bie iKngeige fein, ba$ ein 



152 121. «ßreiSfonoten. 

Dilettant ben Vretö über bie fünftler babongetragen. Stadj genauerer 
©mfidjt in bie tompofitionen befennen mir inbe§, bafj bie ©adgen feinet 
toeg§ fo fcpmm fielen, ba% bie @£;re ber SJhtfifer nod) feineSmegg al§ 
berloren p erachten. 3Rit Vergnügen gefielen mir, burd) bie erftgeftönte 
tombofition mit einem Dilettanten befannt gemorben p fein, tote e§ 
beren, ma§ 9?eim)eit be§ @a|e§, ©efcriicttiögfeit ber Smorbnung unb 
3lu§füt)rung im ©inne guter SJhtfter anlangt, nirigt triefe geben mag. 
Von einer ^rei§Iomüofition bedangen mir inbe§ mefyc, aß bajj fie bIo£ 
gut ift, ba% fie un§ leinen 2MaB p Säbel gibt: mir bedangen ein er* 
finbung§reid)e§, lebenSfrifcbeS äöerf, ein 38er!, baZ uns neue Seiten ber 
fünft enttjüßt ober, im milbeften ©inne bom 3fltcf)ter Beurteilt, auf eine 
fruchtbare gulunft be§ ©cfjötoferS Ipffett läßt, ©oldgen Stnfbrüctjen 
gegenüber lann fidj aber bie erftgenannte fompofition ntcE)t galten; mir 
bermiffen überalt Originalität unb «Kadett, fie ergebt fid) !aum über 
ffi&nlidje arbeiten bon 9lnbrea§ öiomberg, mit anbern SSorten, fie fommt 
girfa 30 ^atjre p ftoät. 9Bir muffen bieS, fo gut e§ Vudjftaben ber* 
mögen, genauer nadgmeifen. 

Der erfte @a| — 2I*mott — Beginnt mit einem einfachen S^enta, 
ba§ aber fdyon bom 5ten Saite an matt mirb unb aud) ftoäter, mo bie 
Violine in einem fingern fontraüunü baptritt, lein märmereS 8n* 
tereffe p ermeden bermag. Die ©teile bis pnt (Srfdjeinen beS Dur* 
a^cmaS Bemegt fiä) lebhafter fort; ba§ festere fetbft aber (in (Rmr) 
fögeint un§ feifr gemöt)nlid), burd) gar nid)t§ ausgezeichnet, ©djtujj be§ 
lften £eil§ in (Rmr unb cttooS bifettantenfjafter ^ücfgang nad) %moü, 
um in ben Anfang p lommen. Qm äRittelteil biefeS ©a£e§ mirb nun 
ber lfte Saft be§ 2lnfang§tt)ema§ auSffiljrlidjer Beb,anbelt, boä) nad) 
Vefd)affent)ett biefe§ feieren menig intereffant. Da§ Dur»£t)ema er» 
fdgeint fe|t in (gi§*)3MI; frierauf pmiid) fdgnelie SRobulation nad) 
2t*moII unb bem anfange prüd, morauf nad) gemöt;ntid)em ^ertbmnten 
ba§ grünere nodi einmal folgt unb Balb ber ©d)Iu£ mit bem lften Sfjema 
mieber. 

@8 folgt ein ©d)erjo, baZ mir artig unb mo^lgelungen nennen muffen; 
aud) ba§ £rio fagt uns fefjr p; nur ermarte man eben rtid)t3 Drigi» 
netteres. 

Die ©teile be§ 9Ibagio§ bertreten Variationen über ein t)übfd) ge= 
fungene§ £t)ema. Von ben erfteren gefällt un§ bie 3te afö djarafterboll 
emfjfunben; bie 2te ift tarnt eine Variation, , fonbern ba$ Sfjema 
felbft, nur mit einem einfachen Mabieraffompagnement beratest. 



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121. SßraSfonatett. 153 

®en SSariatumen ftpefjt fid) ot)ne $aufe gleiä) ber te|te ©a§, ein 
Allegro agitato, an. Qn ber gorm etmag untlar, fdjeint er un§ bennoct) 
ber lebenbigfte unb fcrjmungbollfie ber ganzen ©onate unb Ijrateiläjjt fo 
eine btva SBerfe günftige Stimmung. 

gaffen mir unfer Urteil in Irakern gufammen, fo muffen mir bent SSer= 
faffer, tote gefagt, «Befähigung unb SSübung gugefteljen, feinem (Streben, 
burcf) ©nfa^eit gu mirfen, alte ©erecfjtigteit toiberfat)ren taffen, Ü)m 
©IM münfcfjen gu feiner tunft, bie üjm bielteicfjt einen trocmen Bürger* 
ticken SSeruf 491 berfcrjönen tylft. SSare feiner üombofition ber qjrei§ 
allein guerfannt morben, mir lönnten nict)tg bagegen tjaben, ba ratg 
ber SBert ber anberen eingefcfncften arbeiten nicrjt belannt fein fann. 
21nber§ gemattet fiel) aber bie ©acfje, mo mir, wie t)ier, eine gleite ®om* 
pofition gum SSetgteict) bor ung tjaben, unb fo geftetjen mir, ba§ «ßtetS= 
geriet niö)t gu begreifen, ba§ bie bei »eitern bebeutenbere, überall 
bon einem reiben Satente geugenbe ©onate bon Souig §etfd) jener 
nacfjf eisen tonnte. 

®a§ SBerl teibet, im ©egenfatse gu bem beg §rn. Krug, an einer 
gemiffen Unrüfye unb Überfülle; aber miebiet SSorgüge t)at e§ aufterbem 
bor jenem! @in leben§frifö)e§ §erg f erlägt ung au§ ü)m entgegen, ber 
tomponift gibt fiel) bot! unb ot)ne 3tücft)att, eg fbiegelt fiä) ein Moment 
ber ©egenmart in feinem Söerte, nicrjt ber fcE)Iecr)tert, berberbten, fonbern 
itjrer mürbigeren SSertreter. Unb feb,en mir ben Mnftler noct) ntctjt auf 
ber §öt)e feine§ Snlenteg, fiegt er niä)t geniuggleiä), fo'ift eg aucrj gemifs 
noct) nieijt gu (Snbe mit feiner Kraft, unb mir bürfen auf immer meifter* 
t)aftere Seiftungen bon ü)m mit @icl)ert)eit au§fet)en. Überall ftjmbatb> 
fieren mir nicrjt; mancijeg ferjeint ung gefugt, nicrjt natürlicrj genug gefun« 
gen, ber Kombonift gehört gu ben originelleren Naturen, bie immer 
mefjr 3eit gu entmictelung brausen al§ bie alltäglichen. Störung muffen 
mir aber immerrjin bem fäjon erreichten gölten, feinem bebeutenben 
Ijarmontfcrjen SSiffen, feinem fraftigen ©til, feinem Streben, im gangen 
mie im eingelnen bebeutenb gu fein. ®en SSorgug bor allen ©ä|en geben 
mir bem erften; erinnert er auch; in feinem §autotttjema etmag an bag 
beg S3eett)obenfcb;en großen (£g=bur*Kongertg, fo b,at bag boerj ber überall 
rjerborbredjenben SBärme ber 23el)anblung feinen (gintrag getan. S)iefen 
Entlang aufgenommen begegnen mir fonft im ©a|e lauter ©igentüm» 
ücrjem, oft, namentlich in ber Harmonie, Qntereffantem unb feuern; 
auefj an fünftlicrjen Kombinationen in ber trjematifetjen Strbeit ift bag 
©tücf teidf). $or allem aber fagt ung eben fein leibenfcrjaftticrjer ftolger 



154 



121. spretgfonaten. 



©tjarafter ju, ber, aud) too er fic£) aufteilen p mitberen, fd!)toärmerifä)e* 
reit ©efütjlen umftimmen motzte, nirgenbg ju toeibifctjer «Sentimentalität 
Ijerabfinft. 

38ir muffen leiber befennen, bafj bie übrigen @ä|e, einer nad) bent, 
anbern, an Qntereffe berlieren. Qm 2lbagio treffen roir groar noä) auf 
bebeutenbe ©djönfjeiten; bie breite -9Mage ftefjt ganj im Skrfjältniffe 
§u bem erften @a|e unb erinnert an bie Slbagiotoeife in, ben größeren 
S3eetf)obenfd)en (Sonaten. $m Sdjerjo bermiffen mir aber einen eigent* 
lid) an^ietjenben ©ebanlen; fct)ön ift jebod) ber Übergang in§ SErio unb 
ba§ letztere fetbft. 2(m roenigften gefällt un3 ber te|te @a|; fcfjon ba§ 
%t)tma bünlt un§ nict)t mufifatifctj genug; man fefje felbft; 



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Sßir tjofften toenigftenS auf eine fanonifäje f)umoriftifcr)e Verarbeitung, 
gu ber ba3 Stjema auf ben erften Smblicf aufforbert. @3 fommt aber 
niä)t§ bergteid)en. 2>a§ gfeeite Stjema: 



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ift momögtid) nod) weniger bebeutenb. £ro|bem füfyrt ber tombonift 
ben @a| nidjjt mit Unehren burd), unb e§ fefjtt ttjm nid)t an einzelnen 
g'eiftreictjen SBenbungen. 

gaffen mir unjer Urteil über beibe SSerle noä) einmal jufammen, 
fo roieberrjolen roir: in jebem gälte überroiegt bie jroeite Sonate bie erfte 
an Äaft, ©rfinbung unb Originalität; in feinem möchten roir aber bem. 
acrjtungStoerten ®itettanten be§f)alb feine greube berfümmern. Stud) 
§um ©lud gehört Snleut, unb jeber finbet am @nbe in ber eigenen 33ruft 
feinen uuüarteiif elften Siebter. 



122. Slpf)oriftifä)e3. — 123. ®er »<Sommevnaä)tötxaum*. 155 

122. 2tpI)ori[ii[djes. 

Sfeue, fttfme SMobien mufjt bu erfittbett. 



„®§ tjat gefallen" ober „eg f)at niäjt gefallen" fagen bie Seute. "ä\§ 
ob eg niä)t§ §öt)ere§ gäbe al§ ben Beuten '%u gefallen! 



StcEjt fenben in bie Siefe be§ menftf)lict)en ^ergenS — be§ ®ünftter§ 
Beruf! 

9liemanb !ann met)r, at§ er toet^. SJHemanb ioeif? meijr, aß er 
lann. 

SBer in ber Siteratur nidjt btö Bebeutenbfte ber neuen ©rfcfjeinungen 
fennt, gilt für ungebilbet. 8n ber Sfftufit foltten ioir auä) fo freit fein. — 



SBorüber bie fünftter tage*, monate», jahrelang nacrjgebacbt tjaben, 
ba% motten bie ®itettanten im §ufc£) toegfjaben? — 



123. Der »Sommentadjtstrcmm«. 

(SBrieflid).).' 

®er perft ettoa§ über ben »©ommemad)t§traum« bon mir erfahrt, 
bift natürtid) ®u, geliebter greunb. SSir fat)en ilm enblidj geftern (nact) 
beinatje 300 garjren sunt erften 3Me), unb bajj ber Söjeaterbireftor 
gerabe einen SSinterabenb mit itnn au§fdj)ntücl;te, jeugt üon richtigem 
©inne, benn im toirttict)en (Sommer verlangte man etjer nactj bem »SBinter* 
märten« — au§ befannten ©rünben. Biete, bag lann ict) ®ir üerficrjem, 
farjen n>ob,t nur ©tjatefpeare, um ?Kenbel§fot)n §u rpren; mir ging e§ 
umgelegt. $ä) toeifj recrjt tooijl, baft 3ftenbet§forjn e§ nict)t- mact)t nrie 
fd)Ied)te ©ctiaufbieler, bie fidj im zufälligen gufammenfjriet mit großen 
redjt breit machen motten; feine SRufil (bie Duüertüre aufgenommen) 
toilt nur eine Begleitung fein, eine Bermittelung, eine Brücfe gleic£)fam 
3toifct)en fettet unb Dberon, olme bie ein §inüberlommen in ba§> 9teicrj 
ber beeret faft unmöglich toie fie geftnfj aucb/§u ©tjatefpeareg Qtxttv. 
fdjon eine grolle getieft. 23er meljr bon ber 3Äufi! erwartete, Wirb fid) 



156 123. Ser »@omtnernacE|t§traunu. 

getäufcrjt gefunben t)aben; fie tritt fogar noctj befdjeibener jurücf al§ in 

ber »Stntigone«, ioo freiließ bte ©fjöre ben SJhififer p reicherer §tu§* 

ftattung fangen. Qn ben ®ang ber eigentlichen ©anbtung, in ba% Siebet 

bertjältniS bei: bier jungen Seute greift bie SKufil fonft nierjt ein; nur j 

einmal fcEjübert fie in ftoredjenben 2tffetten ba§ Suchen ber £ermia naefj 

Ü)rem (Mtebten; bie§ ift eine bortrefftidje Kummer. $m übrigen begleitet 

fie nur bie geenbartien be§ @tücfe§. ttnb tjier roar SRenbetöfotjn an 

feinem $Ia| unb niemanb fo wie er, ba§> iueifjt ®u. Ober bie Dubertüre 

ift bie SSelt längft einig; „transferierte gettefö" gibt e§ freilid) überall. 

®ie 331üte ber $ugenb liegt über fie au§gegoffen roie !aum über ein an* 

bere§ SBerf be§ Somponiften, ber fertige SJleifter tat in gtücftid)fter SCfti- 

nute feinen erften tjödjften glug. 9Wir)renb mar mir'§, wie in ben ftiäter 

entftanbenen Hummern oft S3rucbfiüde au§ ber Dubertüre §um 33or* 

febein fornmen, unb nur in ben ©ebtufj be§ ©angen, ber ben ©djlufj ber 

Duöertüre faft roßrtlid) bringt, ftimme id) nidjt ein. ®ie 2tbfid)t be§ 

tomboniften nacb, 9tbrunbung .be§ ©anjen ift Mar; fie fdjeint mir aber 

%u berftanbe§mä£iig t)erborgebrad)t; gerabe biefe @§ene bätte er mit 

feinen frif tieften £önen auSftatten füllen, gerabe bier, ibo bie SRufi! gur 

größten SBirfung gelangen !onnte, tjatte id) etroa§ originales, 9?eu= 

gefdjaffene§ erwartet. ®enfe ®ir felbft bie ©jene, roo bie ®tfen ju allen 

Sugen unb ©balten be§ §aufe§ tjereinfletternb ifjren SüngetreÜju taugen, 

©roll boran, „bie $tur %u fegen blau! unb toeifs", unb Oberen, feinen 

©egen erteilenb: „triebe fei in biefem ©ebtofj ufro." — mc£)t§ ©djönereS 

für SRufil !aun gebaebt werben, komponierte M. botü an biefer ©teile 

noct) etwas Weites! — ©o, fernen mir beun, blieb aucrj bie t)öd)fte SSir» 

fung be§ ©tücfeS am ©djluffe au§; man erinnerte fitb wofjl ber bieten 

reijenben SJhtfifmmtmern im SSorljergegangenen, ber (SfeMobf gettefö 

mag nod) t)eute mannen beluftigen, ber Räuber ber grünen SBalbnacbt 

unb bie Verwirrung barin bieten unbergepet) bleiben; ba$ ©ange machte 

bod) aber metjr ben ©inbruef einer Parität. $m übrigen, glaube mir, 

ift bie SJJufif fein unb geiftreid) genug, gleidj bom erften auftreten ®ro!l§ 

unb ber (Slfe an; ba§ ift ein üfteden unb ©djerjen in ben $nftrumenten, 

afö fbielten fie bie (Slfen felbft; gang neue Söne fjört man ba. Sttufjerft 

lieblid) ift aud) ba§ balb barauf folgenbe ©Ifeulieb mit ben ©djluftworten 

„nun gute 9fod)t mit @öa $obeb" unb fo aüe§, reo bie geen mit im 

©biete fiub. 2tud) einen SJlarfd) lannft 2)u boren (ben erften, glaub' ict), 

ben 3JJeubeföfol)tt gefdjrteben) bor bem ©crjtufs be§ legten £eil§, er er» 

innert in etwa« an ben äJiarfct) in ©pol)r§ »3Beil)e ber 2u>ne« unb tjätte y 



123. ®er »©ommerttaäjtstraittn«. — 124. md§ SS. ©obe. 157 

origineller fem tonnen; bodj enthält er ein tjöcrjft reijenbe§ SCrio. ®a§ 
Dräjefter hielte unter SJlb. SJacijS Leitung bortrefflict), auch/ bie ©äjau* 
Bieter gaben ftcfc) alle ÜDÜUje, bagegen bie 2tu3ftattung faft ärmlicl) p 
nennen war. £eute foll ba§ ©tue! wieberfjolt werben. 



124. Mels 2B. ©abe. 

$n einem franäöfifctjen statte war bor turpem p tefen: „@iu junger 
bänifctjer Sombonift macrjt je|t in SDeutfctjtanb Stuffetjen, er tjeifjt ®abe, 
wanbert, feine ^Biotine auf bem IMden, öfters bon ßopenfjageu nach 
Seidig unb prücf unb fietjt babei au§ wie ber leibhaftige äJtojart." ®er 
erfte unb Ie|te ©at$ finb bollfommen rictjtig, nur in ben Sfflittelfats bat 
fiel) etwa§ Stomantit eingefcrjlictjen. ®er junge ®äne lam toirHtcf) bor 
einigen üKonaten in Seitojig an (obwotjl er wie feine SSioline fatjrenb), 
unb fein äftojartfoüf mit bem ftarlen wie in ©tein gehauenen §aubk 
baar .bafste gut p ben ©ümpattjien, bie feine Dubertüre p »Dfftan« 
unb feine lfte ©infonie unter ben btefigen SRufilern fcfion borber 
erregt tjatten. 

2tu3 feinem äußeren Seben ift nur wenig p beridjten. Qu ®o,ben* 
fingen im Qahre 1817 geboren, ©obn eines bortigeu $nftrumentenma(ber§, 
mag er feine erften Qatjre mebr unter ^nftrumenten ate unter äKenfcben 
hingeträumt baben. (Seinen erften Unterricht in ber SRufif erbielt er bon 
einem jener gewöhnlicfien Sebrer, bie überall nur auf ben mectjanifcben 
gleifj, nicbt auf ba$ latent fehen, unb e§ foll ber SFientor mit ben gort» 
f cbritten feine§ fjöglings nicbt fonberlicb pfrieben gewefen fein, ©itarre, 
^Biotine unb SHabier lernte er, bon jebem etwas, otjne fiel) aufjerorbentlicb 
berborptun. (Srft fpäter betam er grünblicbere Sebrer in SSeijcbatt unb 
Söerggreen, roie ibn auä) ber treffliche SBetife manchmal beriet. Som* 
pofitionen berfcbiebener Slrt entftanben, bon benen iube§ ber ®ombonift 
je|t nicbt biet tjalteu Will, e§ wären pm Seil StuSbriicbe einer fürcbter* 
lieben ^Bbantafie gewefen. ©toäter lavx er in bie tönigticbe ffoüelle p 
Sbtoeubngen aß SSiolinift, unb I)ter blatte er (Sjelegentjeit, ben Qnfiru» 
menten alle bie ©ebeimniffe abptaufcf)en, bon benen er fie un§ mancb= 
mal in feinen Suftrumeutalftücten erzählen läfjt. ®iefe fnaftifctje ©cbute, 
manctjem berfagt, bon bieten unberftanben benu|t, erjog ibn Wotjl baubt* 
f äcblicr) p jener SJJetfterfcbaft in ier Qnftrumentatton, bie ibm unbeftritteu 
pgeftanben werben muft. ®urch feine £)ubertüre » Sfoctjflänge au§ Dffian «, 



158 124. SRtelS SB. @abe. 

bie auf ba§ Urteil <3:bot)r3 uttb %x. @crmeiber§ mit bem bon bem Sonett* 
Ijagener Sütafilbereine au§gefcrjriebenen greife gelrönt würbe, mag er 
wot)I bie Slufmerffantteit feine§ regierenden lunftliebenben J?önig§ auf 
\\ä) gebogen Ijaben; fo erlieft er berat, wie biete anbete- Talente unter 
feinen Sanb§Ieuten, ein raatyrljaft fönigliäjeS ©rtbenbiunt ju einer Steife 
in§ 2ut§Ianb, unb er machte ftdj fürs erfte nacr) Seibjig auf, ba% itjn perft 
in ba§ größere mufilalifctje sßubtilum eingeführt blatte. Stocfj ift er I)ier, 
wirb fiel) aber binnen turpem nact) $ari§, unb bon ba naß) Italien be= 
geben. @o benutzen wir benn ben Slugenbticl, wo fein 33ilb nocl) frifä) 
bor un§ ftefjt, einige güge ber lünftlerifcrjen ©igentütnltcfjleit be§ treffe 
lidjen 3Ranne§ %u geben, wie un§ unter ben jüngeren feit lange leiner 
borgelommeh. 

äöer bon feiner $lmltcrjfeit mit äJiogart, bie Wirlticl) etwas Uberraf erjen» 
beS tjat, inbeS auef; auf eine mufilaliferje €t)nlicl)leit beiber fcfyliefjen wollte, 
würbe fet)r irren. 38ir tjaben einen gang neuen Snnftlercljaralter borunS. 
Qn ber Snt ferjeint e§, als ob bie ©eutfcrjlanb angrenjenben Nationen fiel) 
bon ber ,£errfcfjaft beutfe^er Sftufil eman§ibieren wollten; einen Seutfcr)* 
tümler lönnte ba% bielleictjt grämen, bem tiefer blidenben ®enler unb 
Kenner ber aftenfdjljeit wirb e§ nur natürlicE) unb erfreulich borlommen. 
@o bertritt ©rjobtn fein SSaterlanb, Jöennett ©nglanb, in §o!lanb gibt 
g. SSeriiuIft Hoffnungen, feinem SSaterlanbe ein würbtger 9fe,bräfentant 
ju werben,, in Ungarn machen fictj gleichfalls nationeile SSeftrebungen 
geftenb. Unb wie fie audj alle bie beutferje Nation aß ii)re erfte unb ge* 
liebtefte Seherin in ber SJhtfil betrauten, fo folt fiel) niemanb berwun* 
bem, wenn fie aucl) für ttjxe Station ü)re eigene (S^xad)e ber äJcufil ju 
fbreerjen beifügen wollen, oljne beSljalb ben Seigren ü)rer äMfterin 
untreu ju werben. SDenn noef] ijat lein Sanb ber Söelt äMfter, bie fiel) 
mit unfern großen bergleicbjen lö'nnten, unb niemanb I)at bieg noch, leug» 
nett Wollen. 

31ucf) im Sorben ©uropaS falten wir ferjon nationeile SEenbenjen 
äußern. Sinbblab in ©tocffjolm überfettfe uns feine alten SSoIMieber, 
audj) Die 33UII, obwohl lein probultibeS Talent erfter ©röfse, berfuctjte 
Monge auS feiner Heimat bei un§ einzubürgern. SJtu^ten ja bie neu 
auftaucfjenben bebeutenben ®icl)ter ©fanbinabienS feinen mufilalifcfjen 
Talenten eine mächtige Anregung geben, wenn fie anberS nierjt bon felbft 
bon Ü)ren Sergen unb (Seen, Ü)ten 9ümen unb Sßorbfdjeinlicrjtern baran 
erinnert würben, ba^ ber Stoben gar wotjleine eigene ©.braelje mit» 
reben bürfe. 



124. Stieß SB. ®abi. 159 

Slucb, unfern jungen £onfünftler ergogen bie Siebter feines SSater* 
tanbe§; er lennt unb liebt fie alle; bie alten SDcärctjen unb Sagen Begieß 
teten tlm auf feinen tnabenwanberungen, unb bon @nglanb§ Süfte 
ragte Dffian§ gfüefentjarfe herüber, So geigt fiel) in feiner Sftufif, unb 
guerft eben in jener »£>ffian§«=Dubertüre, gum erftenmal ein entf Rieben 
ausgeprägter norbifä)er ©t)arafter; aber gewif? wirb ®abe fetbft am 
wenigften berleugnen, wiebiel er beutferjen 9Mfiern gu berbanlen b,at. 
®en größten gteifs, ben er ifjren SSerlen wibmete (er lennt fo giemücl) 
alle§ bon alten), belohnten fie ilrot mit bm ©efetjenf, ba2 fie allen i)inter* 
laffen, bie fieb, iljnen treu geigen, mit ber 2BeÜ)e ber SHeifterfc^aft. 

SSon neuern tomtooniften ift namentlich ein ©influfs 3Jlenbeföfot)n§ 
in gewiffen ^nftrumentallombinattonen fictjtbar, namentlicb, in ben 
>>9caäpmgen au§ Dffian«; in ber (Sinfonie erinnert mancr)e§ an grang 
(Säubert; bagegen ftcE) Überall eine gang originelle SMobienweife gel* 
tenb mad)t, Wie fie bisher in ben beeren (Gattungen ber Snftrumental* 
mufil in fo botfötümIict)er 2trt nod) ttic^t bagewefen. Übertäubt ragt 
aber bie «Sinfonie in jebem SSegug über bie Dubertüre, in 3foturlräftig=- 
feit wie in 9Jceifterl)aftigfeit be§ £edwtfä)en. 

®abei ift nur eines gu wünferjen: baf3 ber fünftter in feiner Sfaiionali* 
tat nict)t etwa untergehe, ba$ feine „norbfäjeingebärenbe" ^antafie, 
wie fie jemanb begeidmete, fieb, reiel) unb bietgeftattig geige, bafs er aueb, 
in anbere Sbt)ären ber Sfcttur unb be§ Seben§ feinen SSCicf werfen möge. 
So möchte man alten tünftlern prüfen, erft Originalität gu gewinnen, 
unb bann fie wieber abzuwerfen; fcrjtangengletä) I)äute er fiä), Wenn ba§ 
alte Sleib gu berfc^rum^fen anfängt. 

Slber bie gufunft ift bunfel; e§ gef(f»tet)t bag meifte anberS, afö wir 
bauten; nur unfere Hoffnungen bürfen wir auSfbredjen, bafs wir ba§ 
©ebiegenfte, Sdjönfte bon biefem au§gegeicl)neten Talente erwarten. 
Unb al§ tjätte tt)n, Wie S3act), f cljon ber $ufatt be§ $amen§ auf bie EOluftJ 
tlingewiefen, fo bitbeu fonberbarerweife bie bier 23uct)ftaben feine§ 
Samens bie bier offenen SSiolinfaiten. Streike mir niemanb bieg fleine 
geilen tjötjerer @unft weg, wie bag anbere, baft fieb, fein Sfome (burö) 
bier <Sä)tüffet) mit einer S^ote fcfjreiben läfjt 493 , bie b,erau§gufinben 
Sabbaltften ein leiä)te§ fein" wirb. 

9tacfj in biefem Neonate erwarten wir eine gweite Sinfonie ($>abeS; 
fie weilet bon ber erften ab, ift wetäjer unb leifer ; man benlt babei an bie 
lieblichen 33uä)enwälber ®änemarl§. 



160 125. aajeaterbüdjlein (1847— 1850). 

125. SIjeaterßMjletit (1847— 1850) 493 . 
»gotyamt t»on ^art§« bott SSoielbieu. 

(®en 4ten Wax 1847 in SreSben.) 

©ine SJtofteroper. Qsvti 2tfte, jroei ©eforattonen, jtoei «Stunben 
gelänge — alleg trefftiä) geraten, »Qean be Sßari§«, »gigaro« unb 
»SSaröier«, bie erften lomtft^en Dpan ber SBeft unb nur bie Nationen 
ber Somptmtften gurüäftoiegemb! 

Qnftrumentation (auf bie je|t mein §aubtaugenmerf gei)t) überall 
meiftertid) — bie ^laSinftrumente, namentliä) Klarinetten unb §örner, 
mit Vorliebe be^anbelt, ben ©efang nirgenb§ becfenb, — bie SSiolon» 
ceIIo§ t)ier unb ba fä)on atö felbftanbige (Stimme mit ©ffeft Betjanbelt. 

,§ömer Hingen in tjorjer Sage, wenn bie Singftimme nod) fyötjer 
liegt, fetjr gut, berfi^metgen ftc£> mit ifjr. 



»Sentker mtb Sübtit« bmt SRar^ttet:. 

(®en 8ten SSJJoi 1847.) 

SJtft großem ©enufj gehört. ®ie tomtoofttion 'fiter unb ba unruhig, 
ntäjt ganj Har inftrumentiert, neben einer gütte geiftreictjer SMobien. 
S3ebeutenbe§ bramatifc£)e§ Snlent, einzelne Slnftcmge an SSeber. 

(Sin ©belftein, ber ftdj nicfjt ganj bon feiner rotjen §ülle [t)at] Be» 
freien fönnen. 

SSetjanblung ber ©ingftimmen gum Seil nidjt banlbar unb bom Dr* 
ä)efter erbrttcft. .Qubiel Sßofaunen. 

®ie ©rjöte gingen fbottfä)Ied)t, fie müßten teilroetfe größere äöirfung 
mactjen. 

3n «Summa, nad) ben Sßeberfcfjen bie bebeutenbfte beutfdje Ober 
ber neuem fjeit. 



»StoJjtgenia in 2tott§« öon mnü. 

(®en löten «Kai 1847.) 

(Säjröber^ebriettt, Mtftämneftra; [^ofjanna] Sagner, ^^igenia; 
TOtterinurser, Agamemnon; £id)atfd)ef, 2Wp. 

Süctjarb SSagner l)at bie Dper in «Sgene gefe|t; toftümierung unb 
®eforation ferjr angemeffen. 9tucfj an ber SKufil tjat er f)inpgetan; ict) 



125. 23j<fcfer6üd)teüt (1847— 1850). 161 

iä) glaubt', e§ b> unb; ba.gu frören. $uä) ben @d)iu| „tiacE) S;toja" tjinäu* 
gemaäjt. ®ie§ ift. eigentltä) unerlaubt, ©tuiä foürbe an 3t 2Bagner§ 
Dper bietleiäjt ben umgefet)rten ^rojefs borneljmen — roegneb/men, 
i)erau§fdmeiben. . 

Sßa§ fott icb, über bie £>per jagen! SSie lange bie SSett ftet)t, fotcfje 
SJhxfif toirb immer roieber einmal sunt SSorfcrjein lommen, roirb nie alt. 

©in großer, origineller tünftter. Mozart ftet»t auf feinen ©cfmltem 
fiä)tbar; ©bontini fofriert trjn oft roörttiä). 

®er ©crjlufj ber £>£er roieber bon t)ö.d)fter SStrfung, roie in » Strmiba« . 



>£attttl)äufet« tiott Wifyaxb 2ßcö»ter 494 . 

(®en 7ten Sfaguft 1847.) 

©ne Dper, über bte fid) niä)t fo in tür§e fpred)en lä^t. ©erotfj, bafj 
fie einen genialen Stnftrtd) l)at Sßär' er ein fo melobiöfer 2Jhtfifer, roie 
er ein geiftreictjer, er roäre ber SRann ber geil. 

Biel tiefte ficrj über bxe Dpei fagen, unb fie berbiente e§, ttf). Ijefie e§ 
mir auf fpäter auf. 

»Sa gatoimte« tum Sotusettt. ; 

(Seit 30ften SCuguft 1847.) 

3to iroei Stfte t)örte id). ^uppentrjeatermufif! — 



»(£ittr)cwtt)e« bott ®. 9R. bott SSefcer. 

(®en 23ften ©eptte. 1847.) "" 

@efc£»roärmt t)aben mir roie lange nictjt. ®ie SJcufit ift nod) biet p» 
roenig erlannt unb anerfannt. '©3' ift ©erjBütt, fein ebelfteS, roa§ er 
tjatte; ein ©tttd Seben l)at il)m bte £>ptx getoftet — geroift. fc aud) 
unfterblid) ift er burdj. fie. 

©ne Seite glänjenber ^uroeten bom Anfang bis jum ©djtufj. 2ttte3 
t)öd)ft geiftreid) unb meiftert)aft. ®ie ©t)araiterifttt ber einzelnen, nament* 
tid) ©gtantinenS unb ©urt)antt)en§, roie t)errlid) — unb rote itingert bie 
gnftrumente! 9tu§ ber innerften Siefe fbrectjen fie %u un§. 

Stofiert ©äjumannS gef. ©Triften. II. 11 



162 125: Sf)eaterMcf)letn (1847-1850). 

SBir waren gang boE babon, fbraäjen nodj lange barübet. ®a§ ge=i 
nialfte <StM ber Qpex fä)eint mir ba§ ®uett ^totfd^ett Sijfiart unb ©gfon* 
tute im 2ten 3lft. ®er SÜtarfd) im 3ten Slft p @f;ren ber nämli^en ift'S 
aucf), aber nid)t (Singernem, bem ©angen gebührt bie tone. 



»SSiW&ter bon SebtWa« bon IRoftitti 

(3m Sftobetnbcr 1847.) 

SJttt ber SBiarboMSarcia afä SRofine. Qmmer errjeiternbe geiftreiäje 
3JhtfiI, bie befte, bie SRofjtm je gemalt. Sie SSiarbot madjt au§ ber 
Dpex eine grofte Variation; !aum eine SMobie föfjt fie ungefcfyoren. 
SSeld) falfd^e Stuftest bon $irtuofenfreÜ)eit! Übrigens ü)re befte 9Mte. — 



»©tttittine bon ^ötttei« bon dufter, 

(Sen 22ften %tbx. 1848.) 

£>ie Dptt eine§ mufilatifdjen ©IMätinbeS. ®er (Stoff fytt fie er- | 

rjalten. ®te Sftufif gar prob,, gemüttoS, babei abfäjeutttf) inftrnmentiert. 
§ier unb ba gunfen bon ©eift. 



»Öberon« bon üBefier. 

• (Sen 18. 2Jlärj 1848.) 

®ar gu fyrifdjef Stoff, lud) bie Utefif anbern SSeberfcfjen Dpem 
an griffe nadjftefjenb. (Sine fcfjlumbrige 9tuffiüjrung. 



»gerbtttattb Portes« bort Sbontim. 

(Seit 27ten Sult l 848 -) 

SJÜt ®ntgü(!en pm lftenmal gehört. 



»gtbetto« bon SBeetfjoben. 

. . -. ' (Seit Uten Sfaguft 1848.) 

'©djteäjte luffütjrung unb unbegreifliche £emtoonat)ttte bon 3t 
SBagner. 



S 



125. SIjeaterBüdjlein (1847-1850), — 126. äRuftfal. §au§= it. SeBeitSregetn. 163 

»^etittlit^e tl^e« tiott €iwarbftt 495 . 

(Seit 19. Sunt 1849.). • ■■ " 

3m £ed)nifd)ett (@a| unb Snftrumentatüm) burc|au§ meifterlicE), 
fonft giemliclj intereffeloS, gule|t toaijrfjaft langioeilig unb alter ©ebanfen 
lebig. 

(®en 8. 3ult 1849.) 

3JHt grofjer greube an ber geifireictjen meifterlicfcjen £>{>er fett üielen 
^afjren triebet ■ pm erftenmal gehört, ©in bortteffIicE)er Sßafferträger 
in Statt' SCfte. 

»^rojjljet« Don ©ioc. äRetjerfieer. 

(®eti 2. geBritar 1850.) 

■- .+ 



126. 9KujtfaIt[dje §aus«"unb ßeöensregeln 496 . 

®ie S3ilbung be§ ©etjörä ift ba§ micbtigfie. Söemilrje bidj frü^ettig,. 
Sonart unb £on §u erlernten. $>ie ®Iocfe, bie genfterfcrjeibe 497 , ber 
Suchte! — forfdje naä), röeläje £öne fie angeben. — 



®u fottft Stmleitern unb anbere gtngerübungen fteifjig fielen. @§ 
gibt aber biete Seute, bie meinen, bamit alfe§ p erreichen, bie bt§ in 
ü)r r)of)e3 Sttter täglich triefe ©tunben mit mecb,anifcfr,em Oben f)inbringen.: 
®a§ ift ungefähr ebenfo, afö bemühe man jidj tägücr), ba§ 3183© mög* 
ttdjft fctjnett unb immer föntelter auSpfpredjen. SSenbe bie geit beffer 
an. — 



Sftan b,at fogenannte „ftumme Slabiaturen" erfunben; berfucfje fie 
eine SBeile laug, um §u fet)en, bajj fie p nichts taugen. SSon Stummen 
fann man nidjt fpreetjen lernen. — 



n* 



j)_64 ; 126- SRttftlaltfdje §au3= urtb SebettSregeln. 

Stiele im Sattel ®a§ ©.biet mannet SSirtuofeu ift tote ber ©ang 
eine§ Söetrunfenen. Solche nimm bir nid)t junt SJhtfter. — 



Serne frürjgeitig bie ©runbgefe^e ber Harmonie. 



gurrte bicE) niäjt bor ben Sßorten: £t)eorie, ©eneratbaß, 
Üontratounit ufro.; fie lommen bir freunblttf) entgegen, toenn bu ba§* 
fette ruft. — 

SHmpetentel Stiele immer frifcf) §u, unb nie ein ©tMrjal'b.— 



©cbjeto.ben unb ©Üen finb gteidjgroße geiler. 



«Bemühe biet), leiste ©rüde gut unb fdjön §u fielen; e§ ift beffer 
otö fdjroere mittelmäßig borptragen. -- 



®u tjaft immer auf ein rein geftimmteä ^nftrument S u Ratten. 



Sfädjt allein mit ben gingern mußt bu beine <StMft)en iönnen, bu 
mußt fie bir aud) otjne f labier borträllern Iönnen. Scharfe beine ©in* 
bilbung§fraft fo, ba§ bu ttiä)t aliein bie SMobie einer tontbofition, 
fonbern aud) bie bajü gehörige Harmonie im ©ebäd)tni§ feft§ut)atten 
bermagft. — 

«öemütje btö), unb wenn bu aud) nur wenig «Stimme fyxft, otjne £itfe 
be§ 3nftrumente3 bom Statt §u fingen; bie ©djärfe beine§ ©el)örg ttrirb 
baburä) immer gunetjmen. §>aft bu aber eine Ilangbolte ©timme, fo % 

fäume leinen Stugenblid, fie au§aubiiben, betraute fie afö ba§ fdjöufte 
©efcrjent, bd§ bir ber §immel berlietjen! — • $\ 



. ®u mußt eä.fo roeit bringen, baß bu eine ,2JhtfiI auf beut $a|rier 
berftetjft. — ■ • 

y SBenn bu ftoielft, flimmere biet) nid)t-barum, roer'bir gu^ört. -- 



■im 



126. 2RufiMtfdje §au3* unb SeBenSregeln. 165 

(Spiele immer, cttö b,örte bir ein SKeifier .ju. — ' 



£egt bir jemanb eine Uompofition sunt erfienmal bor, ba£ bu fie 
fielen foult, fo übertte§ fie erft. — .''..'■■ .'...:. 



§aft bu ein mufiMifd)e§ Sageweri getan unb füt)Ift bidE) ernutbet, 
fo ftrenge bidj niäjt p weiterer Arbeit an. Keffer raften, al§ ot)ne Suft 
unb griffe arbeiten. — _______ • • . ■•■-'.': 

Spiele, wenn bu älter wirft, nid)t3 90tobiftf)e§: ®ie geit ift loftbar. 
SJkn müfcte tjunbert ffltotfäjenteben f)aben, wenn man nur aKe§ ©Ute, 
wa§ ba ift, iennen lernen wollte. — 

■ mt ©üfcigleiteu, 33acl* unb Suäerweri ätet»t man lerne tinber gu 
gefunben SRenf^en. SßSte bie leibüd^e, fo muß bie geiftige ~toft , einfatf) 
unb fräftig fein. ®ie SJleifter t)aben ^inlängli^ für bie Ie|tere geforgt; 
galtet eudj an biefe. — -- ■'--. ■ ; 

2Mer $affagenrram änbert ficr) mit ber Seit; nur,, wo bie ^ertigleit 
teeren gweden bient, t)at fie Sßert. — 



©d)XecE)tc tompofitionen mufjt bu niä)t berbreiten, im ©egenteit fie 
mit alter traft unterbringen Reifen. — 



®ü foltft fdjfedjte tompbfitionen Weber fpieleh, no$, Wenn büniäjt 
ba%xt gezwungen bift, fie anhören. — . : 



<5nä)' e§ nie in ber gertigleit, . ber . fogenannten Jörabour. (Sudje 
mit einer tompofitionben ©inbrucf tjerboraubringen, ben ber f om? 
ponift im (Sinne b,atte; meb,r foE man ntdjt; ms barüber ift, ift £err= 

Mb. ;—_:.,;; : . .■:."■: ; : . ■;:■:'■?':.:.::? 

23etracf)te e§ afö etwa§ 9Ibfdjeuti'ä)e§, m ©tüden ; guter Spnfe|er 
etwas ju anbern, wegraffen, ober gar neumobifc£)e 2Ser§ierungen an* 
zubringen. 3)ie§ ift bie größte SäjmacE),.bie bu ber fünft antuft. — 



... 



166 126. SKuftMif^e §au^ un>SeBett§regeIn. 

SBegen ber 33crf)t im.©tubium beiner'Stücfe befrage ältere; bu er= 
fparft bir baburcb, biel geÜ. — 

®u müßt näcb, unb nacb/alle bebeutenberen Sßerte alter bebeütenben J 
ÜUceifter lernten lernen. — 

, Sa^ biet)' burcr) bert SSeifall, ben fogeüartnte große SSiriuofen oft er* 
ringen, nidjt irremachen. Sei Beifall ber tünftlerfei bir' metjr wert 
afö ber be§ großen £aufen3. — 

• Wüe§ ÜKobifdje toirb lieber unmobifcf), unb treibft bu'3 Bt§ in ba§ 
2llter, fo wirft im ein ®ed, ben niemanb adjtet. — 

SStel ©fielen in ©efellfdjaften bringt mel)r (Schaben aß 9ht|en. 
©iel) bir bie Seilte an; aber fpiete nie ettoa§, beffen bu biet) in beinern 
Innern gu fäjämen ptteft. — '',-■■ : - '•-'•"■"•. . 

SSerfäume aber leine Gelegenheit, wo bu mit anberen gufammen 
mufijieren fannft, in ®uo§, £rio§ ufto. ®ie§ mafyt bein ©piel fließenb, : : 

fcrjtoüngbott. Sind) (Sängern aftompagniere oft. — 

SBenn alle erfte SSioline Riefen wollten, mürben wir lein Drä)efter 
pfammenbetommen. Stdjte ba^er jeben SKufifer an feiner ©teile.— 






Siebe bein $nftrument, tjalte e§ aber niä)t in (Sitelfeit für btö I)öcr)fte 
unb einzige. Söebenle, ba$ e§ noef) anbere unb ebenfo fdjöne gibt. $e* 
benle aueb,, baß e3 ©änger gibt, bafj im ©r)or unb Drcr)efter ba§ §öd)[te 
ber Sölufi! pr 3lu§ft>racrje Jommt. — 

SSenit bu größer wirft, berM)re metjr mit Partituren afö mit SSir* 
tuofen. — . 

©|)iele fleißig $ugen guter äßeifter, bor allen bon $olj. ©eb. -SJadj-.- 
®a§ »äöorjltemperierte Stabier« fei bein tägXidE» Sorot. S5ann Wirft bu 
gewiß ein tüchtiger $?ufifer. — 

"■ - ■■ ■ . . ■ " ~~ . ■ ■ . -■ Yj 

@uä)e unter, beuten Äameraben bie auf, bie met)r afö bu Wiffen. — - 



126. :3KufiMijdje £mt§* unb SeBenSregeln, 161 

«Bon beinett mufiMifcrjen (Stubien erhole btcE) fleißig butiä) ®tä)ter- 
feftüte. (Srge^e bttf) oft im gteien! — • ; 



aSon (Sängetn unb (Sängerinnen täfjt ftct) manches lernen, boä) glaube 
it)nen ctucE) ni^t aHe§. — -- ■ . 

£inter ben 23ergen roob>en audj Seute. (Sei beftfjeibenl £>u b>ft 
nodj nid)t§ erfnnben unb gebaut, roa§ nici)t anbete bor bir ftfjon gebaut 
unb erfnnben. Unb fjätteft iu% fo betraute e§ afö ein ©eftf)en! bon 
oben, ba8 bu mit anbeten gu teilen '.ijaft. 



.-.: ®a§ ©tubiurn ber @efäjtdjte ber SKufif, unterftüfet bom tebenbigen 
§oren ber SMftertoette ber betriebenen ©podien, wirb biet) am fcfmett? 
ften bon ©igenbünfel unb ©iteßeit teieren. — ; 



©in fä)öne§ 93udj über 9Jhtfit ift ba§ »Über «Reinheit ber SonJunft « bon 
£f)i baut. ßie§ e§ oft, roenn bu älter mirft. — 



©et)ft bu an einet ®ircf)e borbei unb ijörft Drgel barin fielen, fo 
getje rjinetn unb fjöre §u. SSirb e§ bit gat fo vooty, bid) feibft auf hk Orgel* 
banf fe|en p bürfen, fo berfucr)e beine tfeinen Ringer Unb ftaune bor 
triefer 2Wgett>aft ber SRufH. __ 

" SSerfäume feine Gelegenheit, biet) auf ber Drget §u üben; e§ gibt 
fein Snfttument, ba§ am Unreinen unb Unfauberen im £onfa£ tote im 
Spiet alfogteieb, Stacke nät)tne, afö bie Drget. — 



(Singe fleißig im ®E)or mit, namentlich 3Rittetftimmen. ®ie§ mafyt 
biet; ntufiWifcr). — 

S8a§ tjeifjt benn aber mufifalifct) fein? ®u bift e§ nid)t, toenn bu, 
bie Stugen ängfttict) auf bie Steten gerietet, beut (Stücl mür/fam 5U ©übe 
fbietft; bu bift e§ nicfjt, wenn bu (e§ ttenbet Mr jemanb etwa Sinei (Seiten 
auf einmal um) ftecten bteibft unb ni<f)t fortfannft ®u bift e§ aber, 
wenn bu bei einem neuen <Stü<f ba§, roa§ tommt, otjngefätjt arjneft, bei 



168 126. ;. SKufHaKfdje ■ $<ruS* 'unb SeBenSiegettt. 

ememÄtr Betonten; awitbeiibig weißt, — mit einem SSörte, menn bu 
ajlufif nicfjt allein in ben gingern, fonbern aiicE) im f oöf unb bergen 
^aft. — 

- '"•'■ 28ie wirb man aber muftfafi'ftf)?' BiebeS ttnb, bie §au£tfacf)e, ein 
fä)arfe§ öjr, fdmelle StuffaffungSftaft, fcmmt, ttie in alten ©ingerij 
bpn oben.„ Slber eAläßt.ficE) bie Anlage büben unb erfreu, ®u, wirft 
ei, mä)t babuxä), baf? bu bic£) einfiebXertf d) tagelang abffjerrft unb me* 
ä>anifc£)e ^tubien treibft, fönbern baburd), ba% bu biet) in lebenbigem^ 
bielfeitig-mufiiaßf^em SSerIet)r ertjctltft, namentlid) baburtf), baß bu biet 
mit ©tpr unb Drtfjefter bertef)rft. — : ;:. ;■ 



äftatfje' biet) über ben Umfang ber menf^Iidjen : (Stimme in if>renbter 
^au^tarten .frü^eitig, öar; belaufte fie namentlich/ im ©fjor, forfcE)e 
nad), in wetzen ftuterballen tfjre tjöcrjfte teft liegt, in tneldjen anbern 
fie ftcE) §um Seidjen unb garten berwenben taffen. — 

£öre fleißig auf alle aSoIMieberJfie finb eine gunbgrube ber fcrjönften 
9Mobien unb öffnen bir ben 23ticf in ben ©t)arälter ber tierfdjiebenen 
Nationen. — 

ftbe bidj frü^eitig im. Sefen.. ber alten @cr)lüffel. -Siele ©cE)ä|e ber 
SSergangen|eit bleiben bir fünft berfcfjlöffen. — ,:,._. 



Sfttjte ftfjon frü^eitig auf Son unb ©fjaratter ber berf ergebenen J3n= 
ftrumente; fudje tr)re eigentümliche Klangfarbe beinern' Dr)r einp- 
prägen.— -'•■'■-■ • .'.■,.,-■■.-:■.■-,■ 

©ute Dtoern §u f)ören berfäume nie. — 



@f)re btö Sitte b,o<i), bringe aber auct) bem Sfteuen ein toqrmeg §er§ 
entgegen. (Segen bir unbelannte tarnen fjege lein Vorurteil. — 



Urteile nicEjt naä) bem (SrfteranatEjöreu über eine Sotnbofititm; toaZ 
bir im : erften Stugenbtii! gefällt, ift nictjt immer ba§ »efte.-äßeifter Wolfen 
ftubiert fein. SSietel toirb bir erft impften SÜter flar werben. ■"-< J 



m 



126. aJtuftMtfdje §ohS< unb SeBenSregeln. 169 

Bei Beurteilung bon tompofitionen unterfctjetbe, ob fie bem Shtnft* 
fad) angehören ober nur bilettanttfdje Unterhaltung begweclen. gut 
bie ber erften 2lrt ftefje ein; wegen ber anbeten erzürne biet) rtiefjt! — 



„9Mobie" ift ba§ gelbgefcfjrei ber Dilettanten, unb gewifs, eine 
3Jlufit ot}ne SMobie ift gar leine. Berftetje aber wot)t, Wa§ Jene barunter 
meinen; eine leicrjtfapdje, r^rjtfmtifcb/gef affige gilt Ü)nen atiein bafür. 
(£§ gibt aber and) anbere anberen @cb,lage§, unb wo bu ^Saty, äftojart, 
33eett)oöen auffcb,tagft, Mieten fie bid) in taufenb berfcMebenen SSeifen 
an: beS bürftigen ©inerlefö namentlich neuerer itatienifcrjer Dpern* 
melobien wirft bu tjoff entlief) balb uberbrüffig. — 



©ucfjft bu bir. am f tabier Heine 3Jcelobien jufantmen, fd ift. ba§ 
wot)t Ijübfcb,; !ommen fie bir aber einmal bon felbft, nicfjt am tta* 
bier, bann freue biet) noct) met)r, bann regt fieb, in bir ber innere !£on= 
finn.. .— ®ie Ringer muffen maerjen, wa§ ber Sbtof will, nidjt umge* 
Idjtt. — .■■.'.'• ___ 

. gängft bu au.p. tomponieren, fo maerje atte§ im topf, ©rft wenn 
bu ein ©tuet gang fertig tjaft, probiere e§ cati gnftrumente. tarn bir beine 
3Jlufif au§ bem Innern, empfanbeft bu fie, fo wirb fie, auerj fo auf anbere 
Wirten. — 

Werftet) bir ber £immel eine rege $t)antafie, fo wirft bu in einfamen 
©tunben wol)l oft wie feftgebannt am ^litgel fi&en, in Harmonien bein 
3nnere§ augfpreetjen wollen, unb um fo gerjeimniäboller wirft bu biet) 
wie in magifcb,e Greife gebogen füllen, je untlarer bir bielleicfjt ba§ £>a» 
ntonienreieb, noct) ift. ®er gugenb glücflict)fte ©tunben finb biefe, §üte 
biet) inbeffen, bier) ju oft einem Satente ijinjugeben, ba§ Straft unb Qeit 
gteierjfam an ©cfjattenbilber ju berf^wenben biet) berteitet. ®ie 93e= 
tjerrfdmng ber gorm, bie traft tiarer ©eftattung gewinnft bu nur 
buret) ba§ fefte Seiten ber ©cfjrift. Schreibe alfo mefyx, all bu .btjan* 
tafierft* 98 . 

SSerfcfjaffe bir frufr^eittg tenntni^bom Dirigieren, fiel) bir gute ©irt* 
1 genten oft an; felbft im füllen mit p birigieren fei bir unberwet)rt. 
®ie§ bringt tlartjeit in biet). — 



170 126, 9Kuft|Q|tfc§e §au§i uttb Se6en|reg.eltt, 

©iefy bidj .'tft$tig im Beben um, wie ctucb, in anbereuJMnften unb 
SSiffenfdjaftett 499 . — 



S)ie @efe|e ber SOloral ftnb auä) bie ber ®unft. — 



®urä) gfeifj unb febauer wirft bu e§ immer f)öl)er bringen. 



lu§ einem 5ßfunb @ifen, btä wenig ©rofdjen loftet, laffen ficr) triefe 
taufenb ttfjrfebem machen, bereu Söert in bie §unberttaufenb geljt. 
£>a§ Sßfunb, ba§ bu öon ©ott erhalten, nüje e§ treuttd}. — 



; Df)ne (£ntf)ufiagmu§ toiib tttcE)t§ 'StedjteS in ber tunft juwege ge= 
bradit. — 

, ®ie Ihmft. ift nidjt ba, um 9teid)tümer §u erwerben. SBerbe nur. ein 
immer größerer Mnftter; alfe§ anbere fällt bir bon fetbft p. — 



"' gfjur erft,' wenn bir bie gorm gang Kar ift, wirb bir ber ©eift Mar 
Werben. — ' 



Sßiefleidjt berftefjt nur ber @eniu§ ben @eniu§ gang. — 



(£§ meinte jentanb, ein bottfommener attufife muffe imftanbe fein, 
ein pm erftenmat gehörte!, aud) fombtiäiertere§ DrdjefterWeri 1 wie in 
leibhaftiger Partitur bor ftcE) p fernen. ®a§ ift baä -§öd)fte, tvtö gebaut 
Werben !ann. — • 

" • - ® ift be§ £emen§ Jein fönbe 500 . — 






s r 



9ladjtrag. 



1. ^ugenbcwffätje 501 . 
ÜUv bie innige ^ettocmbtfdjaft ber tyotfu unb Sonfttnft. 

(Stebe.) , 

C*errlid) unb torangenb in ü)rer fünften Söläte fielen fie ba bor un§, 
V bie fünften alter fünfte, bie ©tdjtfimft unb bie Sonfunft: toafjrenb 
bort hinter ungegirfelten, ungeregelten äJlauem bie Baufunft, toeinenb 
tt)ren großen galt l)erborfcE)aut: toätjrenb bor gefdintadtofen unebten 
©tarnen bie SSitbtjauerlunft ltagen.b ü)r f)ot)e§ Stntufc berbirgt: tbärjrenb 
bie Sanglunft jebe ©ragie, bie jtdj einft in ben tteblicE»ffcett formen um 
ben tßrber manb: bie SMerei entfeelt unb entblättert, bie Zeitigen 
fftectjte, bie ü)r ber 9Jlenfd) gegeben rjatte, abtreten, mufj: ftetten biefe 
beiben fünfte fiä) attein unberborben unb berebeft unfern 3lugen bar. 
Unb tbat)rli(^, e§ finb un§ nidjt bie fdjteäjteften ber finber geblieben, 
nein, bie fünften finb e§, bie bie ©rbe beut §immet entriffen fyat. Sie? 
gibt e§ wofjl ettt>a§ (Schöneres, atö mit ben geffeln ber f amöne ba§ lalte, 
bebad)tige Sßori §ü umfd^iefjen, frei auf ben freien" @d)te>tngen ber 
®iä)terlraft alte Stemme p burdjfegetn, mit bem gfengentofen ©ebiet 
ber ^antafie alte§, tt>a§ tief im Verborgenen ber 9fotur fdjafft, p enfe 
f crjleiem unb gu entfiegeln, ober mie bon iljr ein grofjer ©ic£)ter ]pxiä)U 

aWid) ijatt lein Sßanb, ntttf) feffett feine ©Ironie, 
£5rei, f Urning' iäj tnidj burdj alte IRäutne fort, . 

SKein unermefstttfi 3todj ift ber ©ebanle, 
Unb mein geflügelt SBerfjeug ift ba? SBort ' 

Ober gibt e§ ettoa§ §errlic£)ere6, at§ mit, bem fdjmetgenben Strome 
ber Harmonien, mit ber SRad)t ber %öne, bie üebliä) au§. ben ©aiten 
rjerborquiltt,. bie f<ä)önfteu ©efür/le bem bergen gu entlüden; ober gibt 
e§ eine größere traft, i>cß menfcpi|e £er^ in allen Stiftungen gu be= 



174 .,......,. r , 3t- 1. Sttgenbauffct&e, 

biegen, : at§ ,e3 je|t bon ben emfien Sönen be§ (Sb>rafö jur tfnf dE)utb; unb 
(Sinfalt, bon g*rot)fmn unb £eiterfeit gut ©djinermut unb junt Sieffinn, 
bon ©efälligfeit unb SJhrije ju ©toll unb Unluft, bon beut Son ber Siebe, 
ber 2mbacf)t, be§ traulidjen ©eföräcfjg mit ©ott junt finftem £>tnbrüten, 
gut Seit^enMage unb 3ammergeäd)ge, bon ber fcf)tt>argefien SBergmeiflung 
gu ben fragen Stangen be§ £riumül)e§ abguftimmen? unb toafyM), 
bie§ alte§ berntag bie Soutotft: aber nicr)t üjr allein ift e§ gegeben, bie 
Sinne mit tplbent gauber gu umgauMn, nid)t it)r allein gum Ijödjften 
(Schönen ben Kßenfcrjen fjütaufgutragen — nriffet, auct) bie $oefie ber* 
mag foIctjeS ©rofteS: fie: nur bermag bie Seele liebtid) gu umftricfen, 
fie f)at e§ bermodjt, bafj fie gange Völler ftaunenb anbauten. 

£> iljr fd)önften,it)r t)erriiä)ften. ©aben, ü)r aller Mnfte fdjönfie 
fünfte, bie ü)r ben ©irnmel entgöttert unb bie förbe gum §immel t)inauf= 
tragt, ü)r ftreitet auct) je|t in unfertn beutfäjen SSaterlanbe um ben et)ren= 
ben Sorbeetrrang: id) nrill ntcEjt fagen, bafj einer bon euä) Beibett ber 
Vorrang gebührt, icfj toill feine bon ben I)immlifct)en ättufen beteibigen; ", 
aber fene SBorte unfrei grofjen ©filier mill icb, mieberrjolen: 

„©rofjeS toirlet ib> Streit, ©röftereS mirfet il)r 93unb" : — ja, ©rö|ere§ 
roirlet it)r S3unb: ©röfiereS unb Schöneres, toenn ber einfache £on burct) 
bie geflügelte «Silbe, ober ba§ fcb>ebenbe SSort burcij bie metobifcfje 
SBoge beB ttangeg ert)öl)t toirb, toenn ber leiste 9ft)r)tt)mu3 be§ SSerfe3 
mit bem georbneten Wlcfyt be§ 2alte§ fanft fictj bereint unb lieblich) ab> 
toecfjfelt, roenn fie §anb in §anb ü)re ^immtifch>n «ßfabe toanbeln. Stber 
nicf)t nur biefe ^Bereinigung be§ 3Sot)ItIange§ feffelt beibe aneinanber, 
nein, fie toerben noct) brach, anbere unb gartere SSanben gufammenge* 
leitet, unb biefe finb, bafj fie beibe gleiten Urffjrung, beibe gleite 
SBtrlung l)aben. 

SSeit babon entfernt, in bie Qafy ber ®iä)ter auch) jene ©elegenh>it&= 
bidjter, 9teimfchmiebe, Sonettenfräufjler, 9Jlabrigatfch)ni|er unb Srioleti* 
btecrjfler, jene Seute, bie ben $er§ nach) ben gingern meffen unb, £>aben 
fie bann nach) bielem Wü)en unb Sopfgerbrecrjen einen gangen [fehlt] 
guftanbe gebraut, fich) beglich) freuen, bafj fie auä) bich>n lönnen: 
ober toeit entfernt, unter bie 3feih>n ber SonHmftler jene gierlicEien 
gigurantenffinftler, Srillerfc^Iäger, 9Jotengä^Ier, SSaljerberfertiger ufto. 
gu fe^en, meine ic£) jene, bie, borau§gefe|t, ba% fid) iljnen ber $Reim lieb* 
licfj in ben 3Ser§ fugt, ba% nic^t ber SSer§ bem Sßorte, fonbern btö SBort 
bem SSerfe gebiete, borau§gefe|t, ba^ jeber Son mit bem anbern fanft 
ubereiufomme, ba§ fic^ bie S^ote um ben Salt, nic£)t ber Saft um bie 



SR. i. gugenbaufiä&e»' 175 

Sßote fdjftttgt, meine icb jene, bie burcb bct§ t)öcE»fte ©ctjöne begeiftert audj 
Söegeifterung ertoeäen. ®enn nur 33egeifterung ift e§, bte be§ @änger§ 
Sieb gu ben SBoIfen ergebt, nur 'SSegeifterung ift.eg, bie be§ §.arfner§ 
3Mfterf)anb Harmonien säubern letjrt. Itnb bie SSegetfterung, fie ift 
ernärjrt unb erzeugt burä) ba§ ©effitjl für ba§ ©ctjöne, für ba§ ©ute 
unb für ba§ ©rrjabene. £>omer fang bie ©öttertaten mächtiger Kämpfer, 
begeiftert burcb, ba§ @rt)abene berfelben, sßinbaroS ürie§ int erhabenen 
£>t)mno3 bie (Sänger unb bie SSettfämöfer, felbft entgücft über bie @röf$e 
feiner SJlittoett . . . Unb immer mar beut ©änger bie Saute nid)t fern. 
Sßie fein Sieb fict) auä) au§f preisen modjte, ob im Sone be§ leisten 
©djerjeg SCnafteonS ober im <Scrjmerggefüf)fe ber gelben be§ <3oüt)o* 
He§, ob in Striftofrfiane^ geifjelnber 9>tebe ober in ber lieblichen Sbrjue 
be§ jöjeofrit: glöte, Saute unb §oboerof)r waren u)re treuen Segleiter. 
Unb betrachten roir erft bie §öt)e, auf tüetcrje bie 6öt)ne unfrer Sage bie 
Sonlunft ergeben, bann muf3 e§ um fo beutlidjer einleuchten, bafj bie 
®id)tlunft unb Sonlunft au§ einer Duelle entfpringen. £>ber meinft 
bu, baJ3 ein ©filier, ein ©oettje, ein Mobftoct unb bie ganje ©djar f)err= 
ttdjer ©änger be§ beutfctjen SSoIleS nict)t au§ bemfetben tjeiügen 33ome 
ber 33egeifterung ü)re Sieber gefcfjöpft, au§ roetctjem ein SJcosart, ein 
§arjbn, ein §immel ifjre Harmonien rjerborriefen .. . 

§a, toatjrlid) fcfjön ift'S, mit ben 93anben ber Nomonen, 

Qu fetten be3 entpfinbungStofe Sort : ' 

®er Sinter trägt ben SKenfdjen ä« bem Ijodjften ©djönen, 

£üfi,n fdjtriingt er fidE» burdj alle $onen fort; 

®en ;pttnmüfcE)en tonn nur ber §immel frönen, 

®en ©öttern ift bie @rbe ja fein Ort. 

%id)t§ tiat bie SBelt, ben ®id)ter 3U Belohnen, 

®er §immel gibt tijnt feine fdjönften Kronen. 

®odj froher i\V§, wenn i>aä ©efäut ber ©atte 

SertyerrticB^nb be3. Sidjterä Sieb ergebt : 

SSenn gart be3 SSerfeS rt)t)t!§mifc()e3 ©ebäube 

2)e3 SafteS gepljirtöoge ü&erfä)tt>e6t. 

Kon fätnfjft mit Kon, SSort ringt mit SBort im Streite,, 

©er Son empfinbet, unb bie ©ilbe Bebt, 

a3tä enblidj in ber Harmonien garten 3Ka£en 

©td) oeibe Kämpfer liebeöoH umfaffen. 



176 5R-1- S«9e«*>ouP6e. 

Mn bie SttfiUttßMt mtb 9Hd)ttg«eit be§ 9tad)tul>itt§. 

Sief in jebe§ 3Rettfä)en Stuft Ijat bie Statut ben Stieb, ft$ bot feinen 
9ßebenmenfä)en au§suäeitf)nen, eingeklagt, unb gettriffe .(gefügte ftüftetn 
jebem p: £>iet fannft bu biet) bor jenem ijetbottun, f)ier fannfi bu i^n 
übertreffen. £elbenmüttge Säten eine§ gelbtjettn fbotnen ben anbern 
an, tjetbenmütigere p boÜMngen. ®a§ ©jemtoel jene§ "madjt biefen 
tütm: er f<i)eut feine Arbeit, leine 9Jliü)e, gönnt fidj nidjt et)er 3tot) unb 
«ftaft, atö bi§ et feinen 3n>ed etreiäjt! ®ie aufgehellten Sa|e eine§ P)ib> 
fotogen treiben ben anbern an, neuere unb beffete ju etfinben: be§ Sünft» 
Ier§ §öä)fte§ ift, bie SSetle bet Sunft naä^uatjmen unb fie %u übettteffen: 
lutj, jebet.Stanb, bet f)ßä)fte töte bet niebtigfte, beftätigt biefen Safc. 
®iefe§ «erlangen nun Reifet, toenn e§ gemäßigt ift, ©jtltebe: ift e§ aber 
heftig, unmäßig, fo Reifet e§ ©jrfudjt, ©tjtgeiä. Sene £anblungen, bie 
nut bie reine Siebe f)erbotbtingt, finb bie ebelften, tugenbfyafteften, unb 
bet efytliebenbe Staatäbütget lennt leine anbete Stiebfebet aß bie Siebe 
pr Sugenb: et betabf^eut lebe niebtige (Seele, bie au§ Mosern ©igen* 
nu|e unb gtöbetem Qntereffe tjanbeft. SSüt man nun eintoenben, bafe 
biefeS (Streben eine ©attung bon @igennu| fei, fo mufj man bebenlen, 
bafe biefer ©igennu| ber menfdjfidjen ©efeltfäjaft mäjt nur imfääbKdj, 
fonbern auö) fet)r pfcägßdj fei unb htm SSorteüe anberer am toenigften 
entgegenftetyt. ®iefe3 Streben aber toirb burtf) etbrag ungemein geftätlt 
unb bureb, ben Mftigften Stoorn nod) mebr angeregt: e§ ift bet ©e* 
banle an ifta^xu^m, ba§ fünfte SSitb, ba3.fi$ bet Teufel) bon fief, 
felbft f Raffen, ber fyettMifte Sraum, ben er erträumen, bie mäö)tigfte 
Stiebfebet, bie ftatlfte Sinterung/ bie üjtt gu guten unb eblen Säten 
anfeuetn lann. Statb SeonibaS eingig unb altein nut megen be§ Batet* 
!anbe§? St)emifto!te§, iämbfte er feine Seiten nur für ©tie^enlanb? 
fuä)te £>otatiu§ ©ode3 einzig belegen ben Sob in ben SSelten, um 
fein SSatetlanb %vl retten? ©urtiuS, ftütgte et fief) nut füt 3fom in ben 
Sd)Iunb? nein, bet 9totf)tut)m ift% bet jene felbft baZ »üb be§ Sobe§ 
nierjt freuen unb afle§, alte§ untet bem f^einbaten ©e&nantel bet 
aSatetIanb§tiebe auf bem §etbe be§ 3Satettanbe§ niebetfe|en liefe; — 
obet fang dornet feine Siebet nut füt fein gatjtfmnbett? wufete §oraj 
nidjt, bafe aud) bie 9tod)tt>e!t feine Sänge nod) lefen wutbe? fditieb Dbib 
feine ftagenben »tiefe nut, um %u fdjreiben? 3SirgÜtu§ t)ätte füt 9fom 
allein fein ©too§ gebietet? — ®et fd)öne ©ebanle an ^adnufjm, ba§ 
^immlifsije SSetoufetfein, einftenS fott im SJhmbe bet 5Rac^toeIt gu leben 



51. 1, 3ugenbauffä|e. ^77 

— ba% war'§, wa§ üjre SCbern fpringen unb it)ren@efüt)IenäBorte geben 
ließ — unb watjrücfj! fie b,aben ftd) nid)t getäufdjt: ein unbergcmgtic£)e§ 
©enftnat ftetjt ümen mit forangenben ©djriftjügen in ben Stnnaten ber 
©efcfjicfjte ber Söett, unb bie £rän§e, bie Ü)re Qeitgenoffen einftens! um 
üjre ©ctjtäfe wanben,- ber^errlitfjt bie -Kadjwett mit bem fdjönften 2m= 
ben!en an foldjer Männer Säten, an fotdjer ©änge. ©3 fdjetnt mithin 
etwa§ 58teibenbe§ unb S5eftet)enbe§ ju fein, aber um mtdj ber SBorte 
6. @c£)utäen§ ju bebienen: 

„Unb ber 8htf)ttt, cmdj er ift niäjttg: 
Qpinft berpttt er feine Stirn, 
ttnb wie jcEiöne SEräume nichtig 
<3ah ein teer ©eftnnft ba§ §irn." 

unb fo Sräfttg er aud) auf bie Oemüter eingewirtt I)at unb nocb, immer 
einwirft, fo jufäötg unb nidjtig ift er: btefeS nun ju untetfudjen unb ju 
begtünben, fotl ber gtoed biefe§ 2tuffa|e§ fein. 

©fie tt»ir nun weiter getjen, wollen wir erft ben begriff be§ S^act)* 
rufmt§ befimeren. 

@§ gibt jwei berfd)iebene 2trten üon 9fodiruf)m: bie eine ift ber ©taube 
einzelner grtbüribuen, ber ifjnen im Söewußtfein tfjrer Säten, itjrer §>anb= 
lungen fagt, baß er etnften§ noc£) 9ftd)m, ^ad)rut)m Ijaben werbe: unb 
biefe würbe man beffer bte SSorfteltung, ©ebanfe, ©tauben eine! ein» 
gelnen gnbibibuumS an 9<kd)ruf)m nennen; bie anbiete 2Irt aber ift ber 
3tiu)m, ben bie 9tad)Wett in ber 9lnerlennung ber Säten unb Jganbmngen 
einlernen Qnbibibuen erteilt rjat, ben tegtere folglich fetbft nidjt genießen 
lönnen. (Srfterer atfo befielt in ber SSorfteßung altein, letzterer in ber 
Ungenießbaren 3Birltic£)!eit. 33etbe nun, bon welker ©eite man fie aüäj 
betrautet, finb meiftenS nichtig unb zufällig, unb bom etfteren ober 
bon bem, ber in ber Sßorftellung allein befielt, glaube id) e§ mit biefen 
©rünben behaupten p lönnen: 

I. weit er einzig unb allein in ber SSorfteÜung befielt. 

SSeim 9tad)rub,m tommt alte§ auf bie 2mfid)ten unb 2Sorftettungs>= 
weifen ber ÜDtenfdien an: ob biefe eine ipanbtung, eine aüSgegeidmete 
Sat be§ 3^act)tub,m§ wert batten, ob e§ mit bem Greife itjrer $been fid) 
üereinbart, ba§ 2mben!en an biefe§ ober jene§ große SSerf auf bie Sftacrj* 
Welt fortzupflanzen. 

S)ie 2Sorftettung§weife ber ÜKenfäjen ift gteict)fam ber größte ©erid)t3= 
Jof, bor bem baZ Urteil über bie ©röße unb Meintjeit ber Säten, ob fie 

8io6ett SäjitmcrnttS fjef. Scöiifien. II. 12 



178 



31. 1. ' Qugenbauffci^e. 



be§ 9laü)tv>i)m§> teert finb ober nid)t, auggefbroerjen wirb. Stuf immer ift 
alte Hoffnung be§ 9ta.d)rut)mg baijin, wenn man bie Neigung biefeS 
aufterorbentltdien Sttditerg nict)t gewinnen fann, urtb ein ewigeg ®unfet 
berbreitet fein SJcifjfatlen oft über bie tidjtbotlften ©rfcrjeinungen im Greife 
menfcfjtidiex Säten. 33etrad>tet man nun bie SSefdjaffenbeit ber menfd)* 
liefen SSorftettung, Wie fie oft fo berieft, oft fo mangelhaft, nid)t in jroei 
gnbibibuen ganj biefetbe ift, roie fie taufenb SSeränberungen, taufenb 
Stbroegen unb SSerirrungen auggefe|t ift, fo tauu e§ nid)t festen, bafj ber 
9laü)tut)m, ber in ben ©innen einzelner gnbibibuen borgefteltte 9^act)» 
ruf)m nichtig fein mu|. Unb wenn man ba§ gange gelb ber ©efd)id)te 
forgfamen 23ticfeg burdjwanbert: roenn man borgügtid) bie Strt unb SSeife 
betrautet, nad) wetdjer Sßacrjrufjm unb SSergeffenfyeit, oft ganätietje SSer* 
geffenfjett auggeteilt würbe, fo ertjätt ber @a| feine bottfte 33eftätigung. 
(gg !>at bietteid)t feine grofje £anbtung gegeben, bie nidrt aud/ bon bieten 
atg Hein, ja aß f d)ted)t unb be§ 9foä)rut)m§ unwert genannt rourbe, je nach/ 
bem bie 2lnfid)ten unb äMnungen ber 9Jcenfd)en befetjaffen waren. ®ie 
größten Scanner ber SSorgeit unb ber ©egenroart, ob fie nun auf bem 
gelbe beg f rtegeg ttjte Säten berricfjteten ober in ben fünften beg grie* 
ben§ jtet) augjeidmeten, roaren bem @d)idfate unterworfen, feineg Watt)* 
rüt)mg geroürbigt gu werben, weit fie ntdjt glüdtid) genug waren, mit bem 
©ewinnen ber @d)tacrjten, mit bem SSottenben großer SSerte in ber 
geit beg grieben§ aud) ben SSeifatt ber menfipcrjen Sßorftettunggweife 
p gewinnen, eg batjin gu bringen, ber menfd)ticfjen SSorftettung ttjre 
Irrtümer, ü)re SSeränberlidjfeit, ifire (S(^wää)e §u nehmen. ®er in ben 
(Sinnen eingetner ^nbibibuen borgeftetlte 9lad)rubm ift atfo nicfjtig, weit 
er attein in ber SSorftettung befielt, bie nid)ig gefteg, nidjtg SSteibenbeg in 
fid) enttjäft. 

IL aber, weit weniger guten §anbtungen öfters 3laä)xui)m, anbern 
Weit beffern tnngegen geringer guten" wirb. 

Sßiebiet fd)öne unb gro^e §anbtungen ber SSorwett mögen auf ung 
nid)t gelommen fein, inbem wir anberen, weit geringeren, ben Sorbeer 
auffegten. ®ie ©efd)id)te geigt ung bie mannigfadjften Söeipele: in 
ttre fteben aufgegeid)net tönige, bie mit geuer unb <Sd)Wert Sänbet ber» 
wüfteten, äJlenfcfjen t)inmorbeten unb, finb fie anberg aud) tabfer unb 
!üb,n gewefen, ibr Seben in <3d)tad)ten gelebt baben, inbeg bon anberen 
gürften, bie ifjren (Staat friebtid) regierten, beren böcbfter Sßunfd) war, 
üjt Sanb auggübilben, nid)t einmal für gut eradjtet worben ift, Ü)re 
otogen tarnen ber 9<cad)Wett §u überliefern: S^emiftofteg ftet)t gtängenb 



91. 1. ^ugenbauffä|e. - 179 

bct al§ Sieger bon Salamis, roätjrenb ber unterbrücfte, gerechtere StoftibeS, 
ber, auf bie fftatfctiläge jenes auS [einem SSatertanbe berbannt, noct; bie 
©ötter um ©lud für bte Slttjenienfer auflegt, itjm taurn an bie Seite 
geftellt inirb; Kolumbus muß fein Seben im Werter enben, inbeS man 
feine entbectten Sauber nact) bem tarnen eines Abenteurers „Amerifo" 
nennt: — aufgegeidjnet finb in ber ©efäjidjte Siebter, bie "faum ber 
(Srroät)nung inert finb, nmrjrenb anbere, bie jenen SSorbitber unb ^beale 
toaren, in bem Sunlel ber Unbefannttieit unb SSergeffenfjeit berborgen 
liegen. — §ierju ift aueb, noct) §u fügen, ba% maxist gar leinen 9?act)rut)m 
erhalten tjaben, bie Ü)n root)t berbient tjätten; fo rennen getoi§ roenige 
nur bie gttei ©efätjrten jenes £>oratiuS (SocIeS, ben @b. ©urtiuS unb 
®ec. öerenniuS, ttetct)en unteren, obglera) fie ebenben §elbenmut be» 
triefen Ratten, bie Saune ber SKenfdjen boeb, nict)t ben *ßreis erteilte, 
ben fie bem ©ocleS gegeben f»at; unb bon jenen 300 ©toartanern, bie 
mit SeonibaS bei ben Stjermobrjten fielen, fennt man bon biefen einen 
m>4 als tt)ren Anführer? 3öot)I Ratten fie ebenfogut roie jener ben 
9fad)nu)m ber ganzen SBelt berbient. 

III. aber audj beSroegen, roeit er öfters bon äußeren Umftänben 
ubtjängt. 

Stemmen mir tjier nur baS ©djicffal Slle^anberS beS ©roßen. 3Mt= 
belannt unb tt>eltberüt)mt ift ja?« fein Staue: Ätaufenbe tjaben fein 
Smbenfen nidjt auslösen lönnen. Aber tote biete gibt es audj, bie tijtt 
biefeS t)ob,en «Ruljmeg tttdjt teert achten, toeldje garten Urteile' ergeben 
bon bieten über feine §anblungen. (Sin äußerer Umftanb toar bie Ut- 
fadje, baß in feiner £eit !ein Statu lebte, ber mit bem ©eferjenf ber 
9Kufen feine Säten autf) gefdmtücft l)ätte. @r, ber bie göttKdjen ©efänge 
Römers iu golbenem haften mit jtdj rjerumtrug, er, ber £etb, f,atte feinen 
öomer, feine unterblieben Säten ju befingen. Söie ganj anberS ift eS 
bagegen mit ben gelben, bie £omer in feinen ©ebitfjten feiert: Unfterb* 
lieber Sti^m toirb alten gute«, baS Meinfte felbft unb Unbebeutenbfte 
toirb als IjerrUdj gebriefen. Ungeteilt ftimmt bie SBett ein in bie 3M)m* 
tüürbigfeit ber gelben beS £>omer, oft nietjt üjrer Säten roegen, nein — 
§u @f,ren beS tjerrlic^en Siebes, baS fie §um §tmmet ergebt unb ben 
unfterbtietjen ©öttern gfetdjmadjt. 28er roeiß, ob je, toenn fein £>omer 
gelebt, bie §etben beS SroerMegeS fo ergaben unS bargeftettt toorben 
mären, als eS nun ber galt ift, ba §omer feine göttliche Seier p ifjrem 
Sobe gerührt, ga, bie Überzeugung ber 9feu)mtoürbigfeit ber gelben 
beS Corner geljt fo toeit, baß felbft bie toafjrrjeitSboÜen gorfdjungen ber 

12* 



180 ■ - & !• 8ugettbmtp|e. 

etftenSefc^tditSfäiteiBet, bafrü)re einfiäjtSbotten SSuSfffrttd^e, bie®ürftig= 
Seit beS ganzen UnternebmenS gegen Sroja barftellenb, ba% bieS atleS 
% aud) nid)t baS geringfie entgiebt. Dbgteid) gtoar toabrbaft fdjöne unb 
grofje £aten nie ööttig untergeben fönnen, fo Hegt eS bocb, in ber 3Jtod)t , 
äußerer ttmftänbe, ba% fte bon ber 9tod)toett gefeiert toerben, baft fie 
einen @)renpfa| in bem Semmel beS 9tod)rubmS finben. SStet- aber aud) 
lommt auf ben ©tanbbunft an,.ben einer r)at, ob er inettetdjt auf got* 
benem S^rone ft|e ober in ber £ütte beS SettlerS mobne, ob er beeren 
gebiete ober felbft bem ©ebote eines $iu)rerg geborte. Qene fielen auf 
einem Berge, ber big in bie Sßotfen reicht, unb alte SSelt fiebt tb,re £anb= 
tungen, alte äSelt ftimmt ein in baS Sob berfetben; biefe finb im buniten 
• Säle ber 9ttebrig¥eit berbo.rgen, feiten nur.fd)toeift ein SSlicf an itjnen bor* 
über, niemanb adjtet auf ü)re Säten, unb nur- 3uf all ift eS, feltener Qu? 
fall, toerat aus btefer Maffe einem 9foä)tuf gutett Wirb. @o ift enbttd) 
bie SBabrbeit, baf? ber in ben ©innen einzelner ^nbtbibuen borgefteltte 
Woäpüpa nichtig unb zufällig fei, aud) baburd) beftätigt, bafe er öfters 
bon äußeren Umftänben abbängt. . 

■®ie folgen nun, bie bierauS fbringen, finb, ba% toir unfern 9<cad)rm)m 
niemals auf foldje ®inge gu begrtinben fudjett, bie betgängtiä) finb unb 
nid)t fortbauern lönnen; ftreben toir'aber, ibn in fotcrjen @ad)en, dm in 
folgen SSerlen gu erlangen, bie baS ^ntereffe alter 9Jtenfd)en auf fid) 
Rieben, ber gangen äftenfdföett nü|en unb fie gieren, brabrttd), bann toirb er 
nid)t untergeben. $aS Anbeuten an fotcbe 9Mnner, tote fie ®eutfd)tanb 
an Sutber, 9Mand)tbon, etoinbarb,. ©(bitter, ®oett)e, SBielanb, SHob* 
ftod, Seibni|, (guter, taut, griebrid) bem @ro£en, SO^gart, Wie fie 
grantreid) in geneton, SSottaire, 9toäne, ©erneute, Rotiere, JRouffeau, 
Söatjcttb, Snrenne, 9fotooteon, ©auffure, Saboifter, ©otbert, @u% toie 
fie Statten in ötoffaet, ©orreggio, 2lriofto, Petrarca, £affo, Statte, toie 
fie ©ngtanb in ©bateftoeare, ©baucer, ^8i)Xon f Scott, «ßttt, ©afttereagb, 
granftin, ©rate, Sfetoton, toie fie Spanien in ©erbautes, Portugal in 
©amoenS, ©djtoeig in Seit, tote mit einem SSorte iebeS Sanb ungäbtige 
£eroen ber 3Renfd}beit 501a in neuerer £eit befafj unb nod) befi|t — baS 
Anbeuten an fotcbe SRänner, frage id), baS lönnte bermifdjt toerben? — 






31.1, §ugettbcutf.ja$e, 181 

$a§ Sefcett &e§ 2>idjtet§. 

(Eftebe.) . ' ' , '. 

SJcatter unb matter toelfen bie Iftofen im Sßeften bafjin — bie gturen 
fdjtummem Ü)ren Blumenfcljtaf — tote jürnenbe £itanenfyäubter fteigen 
■bte' ©.Ratten ber Berge au§ bertjütttent ^orijonte, unb ernft toanbetn bte 
©terne Ijerauf an ben .blauen Stljer, unb bte grüljtingStbolfe jiet)t über' 
ba§ erhabene Stau, unb Mar unb rein ■•jtefyt bie ©temennadjt herauf unb 
toiegt bie fcfjlummernbe SBelt in £räume — nur bie Stact)tbi)aläne I)ängt' 
an ben SRofenfnofben, unb bie StacI)tigaIIen plagen in ben Bäumen 
fct)tt>ellenbe 2IHorbe, fanft ttte bie fterbenben §auc§e ber $oI§l)arfe . . . 
Stber Har unb Reitet ftfjtoelgt ba§ 91uge be§ SDidjterg in ber ©ternennadjt 
.ber Statur unb blicft p ben ©ternen hinauf unb bliclt $u ben Blumen 
herunter,: unb bte güge berftären fiel), unb bal.Stuge' lädjelt, unb e§ lebt 
in tijnt ber grofje ©ebanfe: ©ott unb Statur, unb ber ©ebanfe wirb ©ebet 
unb baSöefüljl ©brache: 

„SSanbetn möefjf icb, mit euä), ü)r ©terne, bie ü)r oben im einigen 
Sauf getjt, gießen . möcEjt' icb, mit bir, o grütilingiotüolfe, bie über bem 
©Plummer ber SSelt batnnjieljt; aber mein 9tuge l)ängt an ben Blumen 
ber 'Statur unb trinlt SBorine au§ iljren BlütenMefjett; toanbelt unb %i€i)i 
nur fort — tnanbelf icb, mit euer), ol)ne ®uft unb Blüten gingen mir bief e 
Blumen borüber, jög' icE) mit bir, mein Sluge f äb,e, tner bie Statur nierjt 
mit ü)ren 3fofen unb grütjlingen: auef). mein Seben! iftfcf)ßn unb einig." 

@o fbricfjt er, unb bie §änbe falten fiel) pm ©ebete) unb er banft 
ber ©Ortzeit, ha*® er ein SJcenfcb, ift. Slber bunfler nurb'3 unb fc^toeigenber 
um ilm: bie Pjaläne faltet bie glüget pfammen, unb bie 9taä)tigalt 
berftummt. ©elig unb entpeft legt fiel) ber®icr)ter in ben Blumenogean/ 
unb bie ötofen buften über iljnt, unb bie Statur r)üllt ü)ren fctjtummernbeü 
Siebling in ü)re Blüten. 

©o lebt ber Siebter ein glüäliclieS Seben: bunlel unb blöbe mirb 
fein Stuge im @eräufcb,e be§ SngeS, aber Har unb Reiter toacfjt e§ auf 
in ber (£infam!eit ber Statur. ®a§ Seben be§ ©icf)ter§ fetjeink noct) ba§ 
Ie|te ftberbteibfel aü§ jenen glücflicljen ar!abifc!)en Reiten, p fein, ttö 
ba§ ®inbt)eit§alter ber SJcenf^ett noeb, am ©ängelbanbe ber Statur 
ging. S)er trete bon ben BIument)öt)eu be§ $arnaffu§ ijerab, ben biefe 
SJcutter TttcEjt in bie fdjaffenbe SBelt einführte; er trete bon feinen §öl)en 
ab, ioelcljer nidjt bureb, biefen Borljof in ben Semtoel ber $oefie einbrang* 
,®ie Ißoefie ift bie Sonnenblume, : bte altein an bem @onnenftral)te ber 
Statur fyängt unb bertbellt, . menn bief er ©trat)I .' oerlöf ci)t. Sticht im be* 



182 % 1. 8Mg«tbauffä|e. 

täuBenben Särm bei S8ett, nt^t im toBenben ©eroürjle be§ regellofen 
2111tag3teben§ lann bie Slume bet $oefie fiel) fcrjön unb frei entfalten: 
ftill im Verborgenen leimt unb buftet fie. So lebt ber ®iä)ter ba§ SeB en 
mit ber Statur. 

28er je ba§ tjeilige SeBen gefütjtt l)at, ba§ au§ ber Statur nieberftieftt 
in bie 33ruft be§ SterBlicfjen, teer je bie frommen Sftuttertöne rjörte, 
bie roie S3alfam§trotofen auf bie (Seele beg SKenfctjen fallen — er ruft 
mit mir au§: @§ fcrjlagt ein großes £er§ im S3ufen ber Statur. Um roie* 
biet mer/c mu| ber ©icfjter in ü)r embfinben, ben fie bon feinem erften 
©rroaetjen roie eine jroeite äJftttter anläeljelte, bie mit ifmt aufrouctjS 
unb feine flammenben ©efütjle mit it)m teilte? ®ie Sieber be§ SictjterS 
finb nur ba§ (Sctjo ber Slumenfbractje ber Statur: fie ift bie ^armonita, 
beren Saften, Bene|t bon bem Xau ber ©efütjte, £öne unb Sieber in 
bie berlangenbe SSruft ftrömte. 

ÜDcufj ber ®ictjter nidjt, roenn er burd) ifjre SMunten fliegt, fein Seben 
ein gIütJXicr)e§ nennen; mufs er ttid»t, roenn am heitren 2tbenb bie Sonne 
hinter bie Serge finft unb, roie ein ^eiliger (Sctjauer ber @otti)eit, bie 
Stbenbfterne herauf jiefjen, Begeiftert unb entjücft tyrnftürgen in it)re 23tu= 
men unb ber Statur unb ber ©otttjett banlen, bafj fie ein t)ßt)ere3 Seben 
in itm fenlten? Unb ift nidjt ba$ gange Seben be§ ®id)ter§ ein glücflicrjereS, 
ein reineres, ein geiftigereS, ein fjöfjereä? <So lebt benn ber Siebter in 
bem Sctpfje ber Statur ein glücfticrjeg Seben, aber er lebt auet) in il)r 
jene§ reinere. 

21uf ber Slumenleiter ber Sftatur nähert fic£> bie Seele be» ®ictjter§ 
immer leifer unb leifer bem Silbe ber ©otttjeit. 2tu3 itrrem Sluge lächelt 
if)n ba3 grofje SSaterauge an, auf beffen SSinle einft bie Sonnenmaffen 
gufammenrollten unb SBeltenBälle au§ bem 9ciä)t§ fbrangen: au§ ifjrem 
Sembel, ber, ein feierlicher £>euge ber ©ottrjeit, bafterjt, füt)lt er juerft ben 
fcfjaffenben llrgefft, ber im StunbenleBen ber ©fernere roie in ber 
(Seele be§ SJcenfcrjen roirlt unb lebt: in ü)rem 23Iüt)en unb SSellen arjnbet 
fein ©eift ben großen ©ebaufen ber Sctjöpfung, mag fie Blüt)enb, roie 
ein erroaetjenber (Säugling, im Slumengeroanbe be§ jungen Senge§ 
ober roie ein Betenber SilBergrei§ im SterBefteibe be§ 28inter§ bor ii)m 
liegen. Steljt benn ber ®ictjter fo ba, roie in jener Sternennactjt, ober 
fter)t er ba im Sraufen be§ ©erbittert, too bie Gräfte ber Statur fiel) feinb* 
lidj Befämbfen, muffen ba nicfjt in ber (Seele be§ ®icijter§ bie errjaßenften 
©ebanfen an bie Unenblicrjleit, titelt in u)m bie ©ebanlen erroaetjen an 
jene Minute, bie ju faffen bie irbiferje SSruft BeBt, bie au§äufbrecrjen bie 



"*" 



M. 1. Sugenbauffö#e. 183 

fterblidje Sippe fdjaubert- — jene 9Jtinute, roo bie ©otttjeit ben erfreu 
©ebanlen %ux Sctjötofung faftte, tt>o ttodj crjaotifcije §infterni§ über ba§ 
(£rfc£)affen lag, jene äRinute, roo Sonnen in bem bunlten $ttl)et ju 
roanbeln anfingen, SSelten, unselige SSelten äufammengurotlen unb 
flammenbe ©eftirne imfammenäuftrömen begannen? Unb meiere (Seele 
almet biefe ©ebanfen reinet unb heiliget at§ bie be§ ®id)ter§? roelcEjer 
Söufen füfjlt inniger unb roarmer bie ttnenblidjfeit be§ §ßä)ften? 33er 
fap aber aud) ben Sinn unferer frönen. ©texbücJjfeit fetjöner unb tiefer 
atö et? . . . 2>a§ §et§ be§ S)iä)ter3 ifi bie Ijeilige Dbferflanrate, bie bie 
Statut unb bie ©otttjeit f fürten: aber fie glütjt ber Statur unb ber ©ott= 
Ijeit unb befeügt bie SSiuft be§ Sdenfcrjen. 

So berbinbet fiä) in ber Seele be§ 3)iä)ter§ ba% gtücftiä)f'te mit beut 
reinften Beben; aber mit biefen berbinbet er and) baZ rjödjfte Seben. 
®er ©ictjter lebt in ber ibealifä)en SSelt unb arbeitet für bie 
roirfttdje. 

Reiter roie ber flatternbe (Schmetterling fliegt ber Sfrtabe burd) bie 

©efilbe: aüe§ um ifm atmet greunbferjaft unb Siebe, läct)etnb erroadrt 

er am borgen, wenn bie Sonne fteigt, läifjelnb fd)Iummert er am 2tbenb 

ein, roenn bie Sonne finlt; aber fter)e! fdjon roinbet fid) mit leifem glügel* 

fcfjlage ber ©eniuS ber ®iä)trunft au§ ber §üfte tjerbor — unb ba§ erfte 

Söeroufjtfein roirb roaä). 3ßa§ fonft in feelentofen, fd)teierr)aften Umriffen 

bor ben finblidjen Singen lag, roirb jettf ein tiefereg (^innbilb be§ Sebeng; 

roo er fonft nur tote färben unb ftumme formen fdjaute, füfjlt er }e|t 

al§ inniger mit feinem ©efüfjle, mit feiner Seele berroebt — unb ba§ 

©efüt)l roirb Sprache, unb bie Seele roirb ©ebiä)t. — Slber bpie fterjt 

je|t bie SSelt bor ü)tn ba, roie fter)t fie ba mit it)rer lalten ^onbenienj, 

mit üjren !leinlid)en hänfen, mit tfjren niebrigen Kabalen. ®a fieljt er 

leinen bon feinen erf etmten träumen erfüllt: ba erblicft er nidjt§ §ö^ere§, 

ntä)t§ ©eifrigeres: ba fietjt er, roie fie im Sdjlamme be§ nieberen Sebeng 

rjerumroütjlt; aber ob fie tiefer unb tiefer am 23oben foteetje, ergaben 

über fie fdjnringt er fid) bon itjr tjinroeg: 

Qur ©onne mujs ber SIbter bringen, 
ttnb am S3oben friert bie Solange nur, 

unb ferne bon oem Särm ber ganfenben SBelt baut er fid) in frotjer ©in* 
famfeit feine ibeaüfdje Sd)ötofuug unb fd)müc!t fie mit allen Sötumen 
ber Sßtjantafie. Sßle §eroen einer feiigen, rjingefdjiebenen SSorroelt 
fielen berounbert, bergöttert bor tfjm: bie erfte Sflmbung bom eignen 
gbeal bli|t in ü)m auf — ba§ SDrama beg Seben§ feü)ft nimmt er in fein 



184 3?. i. gugenbaufjä^e. 

©emälbe auf, bafj ba§ Qbeal nur nocb, fdjöner unb fjerrliäfjer fti*at)Ie, unb 
entjMt, roie ein glüfyenber *ßromett)eu§, ba er ben toten £on befeelte, 
ftetjt er bor bem (eignen) ©ötterbitbe be§ felbftgefctjaffenen gbeatl.' Stuf 
ben ^ügeln ber 33egeifterung fctjroingt er fiä) burctj bie Zäunte unb 
fcrjaut tüte ein gürnenber ©otterfofm in baZ treiben ber SOxenfdjen in 
bem Särm ber SSelt, unb e§ täfelt fein Stuge bei bem ©ebanfen, bafj 
fein Seben ein glücfticrjereS, reineres unb r)öf)ere3 fei. 

<Bo lebt benn ber Siebter in ber ibeaüfetjen SSelt: aber er roirlt unb 
arbeitet auä) für bie roirftierje. — ®er fünfte ©djmuc! eines SSolfeS 
finb feine ©efänge: roie eroige ©onnen ftrafilen fie über ba$ Seben tjin 
unb ftrßmen ba% geiftige fRofenlicfjt über bie krümmer beS untergegan» 
genen Staates. ®eS ift unS baS gro^e^eÜaS $euge: f e w e Staaten gingen 
unter — bie Sieber ftarben nidjt: feine SSöBer gingen unter — unb bie 
Sieber ftarben nidjt. ®ie 3ßoefie ift ber tjelle JMftafi, in bem fiel) btö 
geiftige Seben ber ©efctjleäjter rein unb Itar abriegelt, ba§ glänjenbe 
^riSma, baS alle färben in einem ferneren, reineren Sictjte bergeiftert 
roiebergibt. gürnen roir nietjt, roenn bielleicfjt bem S)icrjter bie ÜMtroelt, 
für bie er roirfte unb arbeitete, nietjt ben ®anf joltte, aber tr)n bie 9<cacfj* 
roelt bergötternb barbringt: §ürnen roir nietjt, roenn Jene irjm nierjt metjt 
bie tränke auf fein £aupt fettf, bie einft ©optjofleS bon einem füfjlenben 
©efcrjlectjte emöfing. Ser Siebter bebarf feineS SotmeS, !ommt er auef) 
öfters mit ber SSelt nicfjt fo leicht auS roie fie mit Ü)m — bie ^oefie ift 
itjr eigener Sofm, unb barum ja ift baS ganje SBefen beS ®ictjterS ein er» 
rjöfjteS, »eil fie fiä) felbft am fünften lotjnt. SBer biefen Solm nietjt 
fütjlt, ber mag' eS nierjt, ben lädjelnben iOcufen bie §anb pr greunb» 
ftfjaft anzubieten. Stile SSefen ber 9fotur fdjeinen irjren $Iuä) §u tragen,, 
im Säcfjeln ber ©eburt, rote im leisten ©eufjer irjreS ferjeinbaren £obe§; 
nur bie ^ßoefie gebärt ifjre Sinber ofjne SBerjen: fie gebärt in ©ntjücfun» 
gen, ja, ©ntjütfungen finb ifjre äBetjen. 

Stein roie ber grüfjIingStau beS §immels ift aber auetj bie £räne 
be§ SDiärterS: elegifctje SSerjmut rutjt auf feiner betränten SBimtoer, unb 
bie Xräne unb bie Söerjmut löft fict) liebliä) in bem 3MIattorbe feiner 
Sieber auf, unb bie Kantone fügt mit itjren äSorten, mit irjren Sßnen 
tt)tn bon ben SBangen bie .gätjren Innmeg, unb roie ein fütjler grüf)iing§» 
regen auf bie bürftenben gturen falten bie Mffe unb bie SBorte unb 
bie Söne auf bie matter fctjlagenben 5ßulfe feines SebenS. @iet)e! ba 
ftieg ftilt unb tjeiter, mie bie I)ingeroeIfte 9tofe au§ bem §orijonte ber 
untergefunlenen (Sonne, bie S3Iume ber ©rinnerung au§ bem ©rabe 



Sfl. 1. 3ugeftbcmff%, 185 

ber ©orgenjeit auf, unb it)r g-Iötencf)or Ijallt noäj einmal' mit ' feinen 
©übertönen, mit feinen ©ilberaSorben in bie Sfoäjt feiner, toeinenben 
©eele toieber. güfjlenb unb lädjelnb, roie ein ©ngel be§ §immetö, fterji 
bie Samßne bor einer feiigen SSergangenrjeit, bor einer trüben (Segen* 
wart unb bor einer nätfjilitfjen gulunft: 2lber ber ®iä)ter ftürjt in Ü)re 
21rme, unb bie SSergangenfjeit unb bie Erinnerung Jeimt blüfjertb roieber, 
unb bie ©egenftart lääjelt, unb bie gulunft roirb t)eiter. @o gteftt bie 
2Jhtfe ett)ig in bie SSunben ü)re3 Sieblings» ü)ren linbernben SSalfam unb 
ftetjt befämienb roie ein Cmgel mit bem$tammenfcr)roerte bor bem 5ßara» 
biefe be§ jungen ©btterfot)ne§. (Sie ift fein Sioft, roenn trüb unb finfter 
bie tränen be§ 8eben§ buxä) feine flammenben ^ulfe fcfjleidijen; fie rietet 
ba%, erftorbene Seben empor, roenn bie ©terne be3 Seben§ erblaffen unb 
berlöfdjen unb e§ bunM roirb um bie ©egentoart.unb um bie gulunft.' 

®enn büfter unb ernft ftetjt fjinter ber trügerifct)en Sarbe [,?] be8 ©lücfö 
ba§ bertntllte ©crjicffal — unb bie äJcaSfe fällt, unb bie ©ebilbe entfjülten 
fict), unb bieSofe liegen. £>a ftetjt berSJlenfd) fdjtoanlenb bor ber falten 
SSir!lid)leit, bor feinen unerfüllten träumen. Slber ob alle ©eufjer, 
bie fiä) au§ bem ©cfiofte be§ ©cfjicffatö lo§roinben, ob alle tränen in fein 
Seben nieberfinlen, ob ba, toerat bie menfä)Iic£)e ©eele jitternb bor bem 
Sßinfe be§ @d)icffafö fiel):, ob ba t roenn e§ Ijereinbricrjt mit feinen ©djnter? 
gen unb feinen ©eufjern, ba, roenn ba§ irre gafjrgeug gefcfcjeitert unb ge* 
borften auf ben SSegen be§ SebenS tjierrjin unb bafin gefäjteubert — 
ob ba auiJ) alle§ ftürgte, alle§ in ben ©türmen unterginge — — ba§ 
31uge be§ ®ic£)ter3 roeint tränen be§'©dnneräe§, aber feine ©eele jürnt 
nic£)t. ©ie, bie freunblid) bie rtnnenbe Kräne auf ber SSimper trocfnet, 
bie, roenn ba§ Seben roeint unb ba§> ©cijicffal §ürnt, läcfjelnb Ijinter ben 
: ©eufjern be§ SKenfdjen tritt unb in Ü)re 33Iüten unb Joannen bie ©eufger 
unb bie Kränen einfüllt, fie, bie bem ©terblicrjen, baljerfliegenb auf 
^ofenbalbacrjinen bon blüt)enben gelingen, itjren Fimmel bon S3Iumen 
auf f äfftest, foll icb, fie nennen? — S)ie Statur, bie: l)ot)e Kröfterin ber 
1Dtenfd)l)eit, nimmt liebenb ben ©ofjn in it)re SOlutterarme auf unb fötjnt 
ilm au§ mit bem äftenfdjjen, mit ber SBelt unb mit bem ©ctjicffat. 

®er S)i(t)ter f±er)t tjötjer al§ fein Ort: er fttjaut ferjnfuttjtäbolt nac£) 
ber fernen Seudjte ber ©terne unb fd)tägt bie ^lügel feiner ©eele auf; 
unb roenn bie fiebrig Minuten, bie roir $af)xe. uennen, au§gef djlagen 
t)aben, fo entfjebt er ficrj unb entjünbet fttt) fteigenb, roie ein 5ßi)öni£, 
unb bie Stfdje feines ©efieberS fällt §urücl, unb bie enäjültte ©eele lommt 
allein otjne (Srbe (?) unb rein toie ein Son in ber §öi)e an. §ier aber ftetjt 



186 3L 1. Sugenbaufjäfce. 

er mitten im berbunfelten Seben bie ©ebirge bex fiinftigen SBelt im 
Morgenröte einer Sonne fielen, bie fjernieben nic§t aufgebt. So erblich 
ber (Simool)ner am Sforbbote in ber langen Sftadjt, roo leine Sonne metjr 
auffteigt, um SMtternad)t. ein bergülbenbe§ Morgenrot an ben t)öci)ften J 
Söergen, unb er beult an feinen langen Sommer, roo fie niemals 
untergeht. ((Mjalten am 12. September 1827.) 



finffofe ber (Sittfatttleit auf bie SSUbttttg be§ ©eifteS wtb 
bie SBerebelung be§ £eräen§. 

3)ie gütige Siatur fc6,on t)at e§ bem Sttenfäjen eingepflanzt, ftcE) feinen 
bertoanbten äMtgefcrjöpfen §u nähern unb anpfä)Iie^en: fo tjübft ber 
flüchtige Sfttabe mit feinen trauten ©eftoieten über bie b,eimatlid)ett 
SBiefen, fo feffett ber feurige Jüngling einen SreiS bon greunben um 
fid), fo tierbinbet ber ernfte SRann fitä) mit ®ef äfften, , fo roanft ber 
jitternbe @rei§ burd) bie Stiele ber lebensluftigen $ugenb. Unb roenn 
eg auf ber einen Seite voafyx ift, baf;. ba§ intereffantefte Stubiunt be§ 
3ftenfd)en ber äftenfcb, felbft fei, auf ber anbern Seite .unfre i)eitigfie 
$fliä)t ift, un§ freunbfdjaftliä) mit unfern TOtmenfäien gu berbinben, 
fo !ann nid)t geleugnet roerben, roie gro| ber SSorteil ift, ber einem 
gnbibibuum au§ ber ©egenroirlung ber Gräfte be§ anbern erftoriefjt, 
unb roie feljr burö) bie gegenfeitige 2Iu§taufdmng unferer ©efürjle unb 
gbeen, burd) bie freunblidje äJätteitung unfrer Sdjmergen unb greuben 
ba§ Seben um fo mef)r erleiä)tert roirb, je mei)r roir e§ fügten, gteid)* 
bertoanbte Seelen ju befi|en, bie mit unfern tränen roeinen unb unfre 
greuben mitemtofinben. 

®ie Vorteile bat)er, bie un§ aus ber SSerbinbung mit unfern 9?eben= 
menfäjen erzeugt roerben, finb teil? unfrer Statut, bie in un§ ben £rieb, 
menfäjüöje . ©efetlfäjaft ju fudjen, gelegt b,at, t|öcE)ft erfbriepcE), teitö 
auf unfre eigne ©jiftenj, infofern fie in ber SSerbinbung mit ber menf §* 
ticken ©efetlfäjaft erfreulicher unb errjeiternber roirb, angenehm ein* 
roirlenb. „Sein Si^rour", fagt ein feiner 9ftenfä)enlenner in einem feiner 
geiftreidjen ©ebanfen, „lein Scrjtour lann grapdjer fein al§ ber: roerbe 
ein 3Jlenfcf)enfeinb." Unb fo roenig idj roeber ben Stttjener Simon, noä) 
ben großen Sänger be§ »©tjilbe §aro!b« berbammen mag, fo roage icb, 
bennod) %u beraubten, bafj ber roilb fein müfjte, ber bie menfcpcrje ©e= 
feXIfcEjaft gän^tiä) berabf treuen roollte. ^a, e§ quillt au§ htm Umgange 
mit unfern SJiitgefä)ötofen ein foIdjeS reigenbeS Vergnügen, baf} e§ felbft 



in 



ffl. 1. Sugenbauffä^e. 187 

ber Jjartnacftgfte -iötenfdjenfeinb, ber ftcf) ben Slugen feiner -äJittgefdjöpfe 
berbirgt, füllen ntufs, toetcE) eine Seltgfeit in bem gegenseitigen 3tuS= 
brucle ber ©mpfinbungen, in bem 2luStaufd)e unferer begriffe liege. 

SBie groft aber auä). bie SSorteite fein mögen — eS brängt.fid) nid)t&* 
beftotoeniger in ber (Seele bie grage auf, ob uns ntdjt gerabe biefe $8er= 
binbungen gum Sßacfjteil gereichen, unb ob biefe SSorteile baS 9?acE)teilige 
übertoiegen. gebet ntdjt gang unberftänbige topf — ba id) feft über* 
geugt bin, bafj ber größere Seil ber gemeinen (Seelen biefe le|te %ia%e 
mit einem ftäftigen „9fein" beantworten toirb — fturb bei biefer $rage 
länger fterjen bleiben, unb er toirb fie beftimmt mit einem „$a" beant* 
»orten. SBenn toir in bie S3et>auptung biefer Söejalmng tiefer einbringen 
toollen, fo toitb eS gubörberft nötig fein, gu erflären, toa§ eigentlid) 
unter „©efellfdjaft" gu oerfteljen fei. 

Unter einem gefeltfdjaftlidjen Seben ift im roeiteftett Sinn alles gu 
berfterjen, toorin roir auf irgenbeine Söeife mit einer SSerbinbung öon 
ÜDfenfäjen lleinerer ober größerer 2lngat)l beriefen; e§ finb bat)er eben* 
forootj! burd) engere greunbföjaft berbunbene, als irgenb burd) ein un= 
gefaxtes gufammentreffen fid) ncu)ernbe gnbibibuen hierfür gu rennen: 
eS ift ein Sid)*gufammen=befinben mit irgenbeinem ober mehreren $n= 
bibibuen. — ©er fdjäblidje ©influfj, ben biefe SSerbinbungen auf uns 
äußern, entfbringt borgügtid) barauS, baf3 bie 33egierbe, mit feineSgleidjen 
gu leben, ben Sftenfdjen oft fo fetjr bon fid) felbft entfernt, bafs er babei 
ben Umgang mit ficE) felbft bergifjt. ®ie ©ntfernung bon ber 2Mt fdjeint 
ü)m eine Entfernung bon allen ©enüffen unb Vergnügungen, fobalb er 
foldje nur aujjer fiel) gu finben tjofft, bafs burd) ben äöunfä), ber SBelt 
gu gefallen, in einem Greife bon 35eluftigungen ber ©ebanfe, in fid) 
felbft gu feb,r unb in jenes gettridttige: yvwdt asuvrbv tiefer einzubringen, 
bernidjtet unb fo jener Sprue!) beftätigt toirb, baf3 roir über bie Splitter, 
bie roir in anbrer Stugen feljen, unfere eigenen fallen bergeffen. (Sin 
anberer Sßadjteil, ber un§ burd) ben Umgang mit anbern erzeugt toirb, 
möd)te barin gu fudjen fein, bafj burdj ben legieren unfer inneres, 
reineres ©efüljl nidjt nur abgeftumbft, fonbern faft gänglid) gerfiört roirb. 
©3 müfjte benn einer glauben, bafj eS unferem inneren 3Jlenfd)en, um 
mid) ber Sßorte ber ^eiligen Schrift gu bebienen, guträglid)er fei, bon 
greube gu g-reuben, bon ©efellfdjaft gu ©efellfdjaft, bon Spieltifd) gu 
Spieltifä), bon einem SMIe gu bem anbern gefdjleubert, als „Har mit fid) 
unb einig mit ber SSelt" gu toerben: e§ müf3te einer glauben, bafc eS 
fd)öner fei, in faben ©efellfdjaften 9tätfel gu löfen, als fein inneres 



188 •$».'! 3«geniiauffä|e. 

(Setbff jü enträtfetn. Sßottoenbig mufj un§ rjier in bie Slugen {bringen, 
bafj alle biefe 9lad)teile, bte bte ©infamfeit nidjt nur nidjt t)at, fonbern baft 
aud) alle jene Vorteile, bie au§ bem Umgang mit unfein 3Jtttgefd)ö;bfen 
erfbriefjen, ber Umgang mit un§ reidjlid) eifert. 

Um ber S3el>aubtung unfre§ Z^tmai nätjeräutommen, glauben 
roir erft ben begriff ber ©infamfett nätjer entziffern ~%u muffen. ®ie ©in» 
famleit ift ber Umgang mit un§ felbft, fie ift ein ©ntrücftfein bon allen 
äußern ©inbrücfen, bie bie äSelt auf un§ äußert, fie ift eine ttrirfenbe, 
benfenbe, fcrjaffenbe 9hu)e: man lann fie ben aftiben Seetenjuftanbber 
Ißaffibität be§ ®örf3er§ nennen. Sie roirb batjer im toeiteften (Sinne 
eigentlich nidjt burd) bie äußeren Umgebungen, burd) irgenbeine Sola» 
lität beftimmt; bie, tote ber granjofe äftontaigne fagt, gerabe bie größeren 
©eifter in ber ©efellfdjaft fic£) am meiften einfam unb in ber .©infamfeit 
fid) am meiften befd)äftigt füllen, fonbern fie roirb in unferem innerften 
<Selbft erzeugt, beffen Umgang roir freilid) in ber ©ntfernung- bon bem 
©eraufd) ber SSelt am fcfjönften genießen tonnen. Unb eine folcfje ©in» 
famteit roirft nun borjüglid) in groeierlei .'ginfidjten auf ben ÜDtetfdjen 
-f)öd)ft borteilfjaft ein: '■■-.' 

I. ift fie bie S3ilbnerin beg ©eiftes. 

2Ille§, toa§ je ©rof;e§ gebacrjt, alles, roa§ je §errlid)e§ in ber SBelt 
bollbradjt toarb, leimte nur in ber Sdmte ber ©infamfeit auf. 3n it)r 
roerben bie Seelenlräfte am meiften erweitert, aufgeregt, ba% geiftige 
Vermögen meljr ert)öt)t unb gefdjärft. 3)at)er lommt e§, bafc alte fid) 
nur über baZ geroörjnlidje 2ttltag§leben f)inau§fd)roingenbe Seelen, bafc 
. alle tiefen ®enler, alle ^ilofoütjen bie ©infamfeit fudjten unb liebten, 
grei bon ben äußeren ©inbrücfen, ungeftört in feinen ©ebanlen unter» 
fucbt fjier ber ^ilofoüt) genauer bie Quellen ber SSiffenfdjaften, in it)r> 
enträifett ber Stftronom bie (Sonnenfrjfteme, roenner, gefdneben tum ber 
lärmenben 28elt, nacti ben Sternen fdjaut, in ibr burcfjbacbten gelben 
bie 5ßläne ju Scbtad)ten, bie nur einmal gefegtagen rouxben. 

®a§ begeifternbe Verlangen, bie Siebe, bie greunbfdjaft unb ben 
Söeifall be§ aufgellärten Seiles ber ÜDcenfd)f)eit §u erroerben, reifet jeben 
geuerfotof in bie ©infamfeit. ' SMn Ort, roie ärmlid) er aud) fei, leine 
Klarier, roie brüäenb fie aud) roerbe, nmd)t biefe glübenbften 2Bünfd>e 
aud) nur im geringften erf alten, ©in Jüngling meint mit bem ©eifte 
eine§ ©äfarg unter einem, armfeligen @trot)bad)e: bie SBelt, bie er biet» 
leidjt äfö ^dUjtxt bedungen, bie er bielteicfjt afö SJconardj %u einem 



31.1. SugenbauPke. . 189 

3ßarabie§ umgefcfiaffen Ijätte, ift ein Ü)m gang frember ©d)aubla|: aber 
— unterwirft er fiel) auä) fein SSeltatI, begwingt et fici» auä) fein ®önig» 
reicb, — er mad)t fiel) ba% £R;etcE) ber SBafyrljett Untertan. 

2lber audj) bie freunbtidien ©änger, bie ©öt)ne ber ®id)tung, feiern 
in ben ©Irjfien ber ©infantfeit bie entfcf)teierten Söitbungen ber ©cfjön* 
fjeit: fte fingen, gewiegt an ü)ren ^eiligen prüften, bie frommen ©aben 
ber Statur. @o entgog fiä) einft ber fjeilige 90taro bent geräufctjbotlen 
Seben eine§ 2tuguftifä)en §ofe§, um in feiner geliebten §öl)le bei ^5oft= 
lipöo ba$ länbliccje Seben gu befingen: fo fämf einft ber SSenufinifdje 
(Sänger in ben Säiern be§ btütenreicfjen £ibur§, an ben ©überfluten be§ 
2tnio, auf bem Keinen ©abinergütcf)en bie unterblieben Sieber: fo ber* 
wanbelte bie ©infamfetf in bem blüfjenben %alt bon SSanclufe bem 
©änger ber Saura Sxänen in füf)lenbe Sßorte: fo aucb, l)atte btö altge* 
meine Sob üon 9tom unb ber tägXidje ©enufj eine§ fetter errungenen 
SSerbienfteS für ben rut)mfücf)tigen ©icero bei weitem bie tReige nictjt, 
at§ wenn er in Su§fulum§ ©Ratten mit feinem 2Itticu§ wanbeln fonnte. 
Unb fo beftätigt e§ jeber grofte SJtann in ber ©efdjidjte, bafj fie — bie 
(Sinfamfeit — bie 'ämme alter großen ©eifter, bie SJlutter ber £eroen, 
bie ©efbielin be§ ®tef)ter§ unb bie greunbin ber tunft ift. 

®ie (Sinfamleit ift aber nicb,t nur bie SSilbnetin be§ ®eifte§: fie ift 

e§- aucb, 

IL bie ba$ §erg berebelt, ■>■ 

@c£)on in ber (Einleitung bemerlten Wir, welchen fortblieben (Sinfluft 
baZ ewige herumtreiben- unter ©efellfdiaften auf bie ©elbfterfenntni§, 
auf bie ©elbfiörüfung äufjert. gn ber (Sinfamfett gelangen wir nun am 
erften gur wahren Erfüllung be§ belülifc^en ©;bruci)3: wir lernen in ü)r 
unfre Mängel fennen: fie tei)rt e§ un§, bie Borgüge ber SJcitgefctptofe gu 
Würbigen ober grunblofe ©brenbejeugungen gu beradjten. SBenn wir 
boltenbS nbeb erwägen, wie fefjr gerabe in ©efeltfcrjaften bon faben, 
be§ ebleren SUenfäien unwürbigen ®mgen geffDto^en Wirb, fo wirft 
bie ©infamfeit wieberum infofern botteitf)aft auf bie SSerebelung be§ 
§ergeng, inwiefern fie bie finnliclien Steige berminbert, unb f o. bte ©eele 
immer met)t gu bem 33efferen, (Sbleren geriffen wirb. @ie malt un§ ba§ 
gange Seben mit allen feinen £>ö!)en unb'^iefeu; fie borgüglicb, bewirft, 
bafi wir ernftere Betrachtungen über unfer Seben aufteilen,, unb bafc 
bie böfen Beifbiele anbrer. feinen fctjäblictjen ©influft auf un§ f)aben. 
Unb — ba| wir aueb, bie§ nictjt bergeffen, fie let)rt un§ beten, fie leljrt 
un§ an ©ott.benfen. inniger falten wir bie §änbe, wenn wir ungetjört 



190 91. 1. Sugenbauffäle. — 9J. 2. Sugenbgebtdjte. 

unb ungefetjen, unter @otte§ freiem Fimmel' beten fönnen: fettiger 
ftürjen bie tränen au§ bent fterbttctjen 2tuge, toenn bie Söruft erweiterter 
unb befeligter in ü)ren SIrmen fäjlagenb bent ewigen Schöpf er be§ 
SBeltaltö banft. Unb Wer wollte auctj f)ier leugnen, bafc bie ©infamfeit,' 
bie ©crjWefter ber £ugenb, bie ©efbieftn ber Unfdmlb, bie ©crjöüferin ber 
reinften ©mtofinbungen ijt? 



2. 3ugenbgebtä)te 502 - 

@ebid)t jttr §o^äett§fetet: be§ $8ruber§ ©buarb 
mit Sljetefe Semmel. 

17. geßruar 1825. 
gerbet §unt frorjtidien §o<ä)äeit§tag, 

SBir lomnten, wir fommen bon ferne. 
Qu §ümen§ rjeil'gem geftgelag 

£>inwaltt ^eilna^nte fo gerne, 
®amit für ber $ufunft bämmernbe Sage 
Se3 bollen £>erjen§ Söünfcrje fie fage. 

®iä) grüfjt, be§ Sruber§ liebliche SSraut, 

^uerft ber ©efcrjioifter ©egen. 
®en Sruber fütjreft bu, liebenb unb traut, 

®em §öcrjften im ßeben entgegen. 
28a§ wär'§, ba§> bem §er§en p. wünftfien notf) bliebe, 
£>at'3 gefunben ba§ f)immtif(i)e ©lud ber Siebe? 

©ie ift bie ©onne, bor beren ©etoaft 

Stil Salte§ unb £ote§ berfcrjWinbet; 
S8o nur bie rjeilige ©öttin wallt, 

^arabiefe Ü)r gauberfiab grünbet, 
Unb alle SSefen mit ©eef unb §erjen 
28aflfaf)rten ju ü)re§ 2fltare§ Serben. 

tomm §u un§ in§ liebltäje ERuIbentat! 

'SAü) erwartet bort (Slternliebe, 
Siä) treue ©efcrjwifter, atljumal 

S3efeelt bom ^erjinnigen triebe, 
Qn bein un§ allen fo teueres Seben 
Sie Blumen ber greube, be§ ©tüäeS ju weben. 



9J. 2. Sugenbgebtdjte. 191 

§eit, ääruber, bon beinett @ef<ä)roifiem £>eü, 

$u ber §oc§jeit rofigem Sage! 
©§ toerbe ba§ reinfte ©lud: bir gitteü, 

SSie'S nur lieget auf irbifdjer SSage. 
. %laü) be§ SageroerB Sorgen unb äRütien uub Saften 
SRagft feiig im State ber Siebe bu raften. 

SSoljI betn, bem am eignen füllen §erb, 

äöonadj ftc£) fetmt baZ Verlangen, 
®e§ SebenS Meinob, baS ©lucf, ift befeuert, 

®a taufä)t fiä) ©eben, empfangen, 
Stet), brausen nur SSecrjfelgeftalten glangen, 
®a§ SSteibenbe rootjnt in be§ £>aufe§ ©renken. 

So füfjre btcE), teures, geliebtes $aar, 

®er £>immel auf ebenen SSegen. . 
@§ rett)e fiä) frörjtiä) an Qaljre ba§ Saljr, 

@tet§ befranset mit Rieben unb (Segen! — 
Sfod) ein SBunfcr), ber unferem ^erjen bliebe? — 
(Spaltet unS treue ©efcrjttrifterliebe! 



SantgeMdjt. 

(§umoriftifcf).) 

Sin ©emoifetle Sfofalie in Sdmeeberg! 

giuiefau, am 9ten Styril [18]27. 
§ier fi|' ict) nun in meinem füllen Kämmerlein 
llnb fcfjenfe mir mit launigem Stellagen 
6in Snfjcrjen fdiroarjen 9Jlorgenfaffee ein — 
®a ftür^et SMicrjen* wie eine Sfofenbe herein, 
£ann !aum ein SBort bor SBonne fagen ' 

llnb l)ält mit trunfenem ©ntjücfen 
©in göttliches ,8igarrentäfc!)ä)en bor ben Soliden — 
Set) iuerbe ttrifblicl), werbe ftumm, 
SJlir bünft'S, icE) färje ein ßlrjfmm: 



* Wallen, eine SSe!amtte ber ©äumtannfdjen ganttlie. 



192: SB. 2; Sug«tb9ebic()te. 

33on roem? SSon roem? ruf ic6> im ©ötterroat)n 

Unb fctjau' mit unbertoanbtem SSIicf ba§ SÄfdjel an — 

®odj feine 2mtroort fbrtd)t §u meinen fragen — 

Qd^ folt bie ©öttlidje mir fetber fagen. 

Jöatb bränget fid), bor SSonne ftumm, 

®a§ ategenfentendjor ber ©djüler 

lim meinen ©efretär rjerum. 

Unb fäjroüter roirb e§ jeglidjem unb fdjroiiler — 

®a gei)t e§ an ein greifen, an ein Sofien — 

2)er eine fbrid)t: „®a§ fticftett fie bort oben", 

SDer anbere mit ftürmifdjem ©ntjücten: 

„@o t)errticl) lann man im Dlbmb nicfjt ftiden", 

®er britte: „Stein! ®a§ ift für eine SBelt ju fdjßn", 

®er bierte roill bor $ reuoe öalb bergeb/u — 

Ifhtrg — alte fttmmen barin überein: 

■®a§ tonnte nur bott einer ©ötttn fein. 

Söatb fät)rt man fort: „£>! ®iefe ffnofbenrofe, 

@ie blüt)t fo fdjön, afö inär' fie au§ betn ©djofje 

SDe§ jungen Senje§ eben aufgeblüht, 

Unb biefe SStumen t)ier unb biefe blauen SBinben, 

Um bie fid) grüne ©feuranfen roinben, 

Unb biefer ^ßabagei, ber burcr) bie QvotiQt fiebt — 

Unb bies entgüdenbe S5ergi^meinniä)t, 

£>a§ burdj 33ioIenftengel 

®ie himmelblauen SiebeSblüten flidjt — 

Stein! -=- <3old)e 2Berfe gaubexn nur bie ©ngel, 

SDieS jeugten 3Jlenfä)eni)änbe nid)t." 

torj, jeber tat fein mögtid)fte§ je|t roieberum, 

Safj er ba§ Shmfiroerf roürbiglid) ergebe. 

3d) aber fiün' micfj Iar)m unb Irumm, 

SBer bieg bergüclenbe ©efd)enf mir gäbe. 

$ä) benfe t)er, icE» beule t)in — : 

®a fät)rt'§ mir roie ein S3Ii|ftraf)t burd) ben Sinn: 

,,3d) t)ab'§, td) t)ab'§", ruf id) begeiftert — 

„Sie? 28a§?" fdjret'n alle auf einmal — 

3d) aber, roie gebürgemeiftert, .' ' .' ', 

ÜDttt einer ^elbenmiene alljumal, 

SBenn er bon feinem J?onfoIftut)I Silentium befahl .— 



St 2. Sugenboufiä-Je. 193 

Qctj fettere, fort: ,,©o rüifjt, 

Sa| bieg @eftf)enf bon einer ©b'ttin ift, . ■ 

Safj biefe ©öttin aud) ein ©nget ift, 

Safj biefe§ (Sngelcfyen • (rrier fingt ba§ Dfjr, 

Sa§ ftumme 3fe§enfentencf)or, 

ttnb alte§ Ijordjt mit ftaunenben (Sebärben 

Ser Singe, bie ba fommen foerben) — 

Safc biefe§ ©ngetäjen ein 3Mbdjen ift, 

Saf; biefeS SJläbcbjen and) ein SMutdjen ift, 

Saft biefeg Sräutdjen meine ©cr)tt>äg'rin ift, 

Saft biefe ©djroägerin" — „9ton! Söer benn ift?" 

Dttef jetst mit Ungebulb ber ©crjroarnt ber ©djüfer, 

Unb allen roirb e§ fcfjroül unb fdjroüter — 

„©itentium!" ruf idj — „Saft biefe ©cfjtoägerin 

Sa» S3räutä)en meines 23ruber§ ift — 

Saft Su, 9?ofafie, meine ©d)roäg'rin bift." 

SWmm benn ben Sanf, geliebte Äünftlerin 

9Hrron it)n für ©eine Sfteifterroerfe Irin. 

SBa§ gart bie nrieber lebenben ©efilbe 

$m aufgeleimten Senge giert, 

Sie fungen Humen, bie mit SDtottermilbe 

Sie freunbliäje Statur un§ rjergefüfjrt, ' 

Su t)aud)teft mit ben ©tilgen Seiner Stobel 

^n fie ber ero'gen £Rei§e fctjönften Stbel. 

Saft Su boä) amJ) ba§ gartere Siebenten, 

Sa§ freunblid) au§ bem SButmenreicfje fpridjt, 

Sie SÖIumenfbractje, bie burcfj ferne $eiten 

Sen .Sauber ff)^* ero'gen ©c£>önt)eit flicht, 

D baft Su in Jber SBIumen garbenf {riete, 

Sa§ fdjöpferifcrj au§ beinen §änben quoll, 

Sa§ tiefre Seben aucb, ertennft: — e§ ift ber Siebe Qött, 

@§ finb ber greunbfc^aft Zeitige ©efü^Ie, 

Sie füft berborgen nn§ bie SSIumenfpradje lieb, — 

Gs§ ift bie garte ©eelentjarmonie, 

Sie Seine fet)tnefterltct)e Siebe, füft unb Iei§ 

Qu ba§ befeelte garbentteib gu pllen roeift. 

Sein bietgeliebter ©cb,roager Stöbert. 



HioSert SäfumamtS Qej. ©cEirtften. II. 13 



194 91- 2 - Sugenbgebtdjte. 

3ur §0djäeit be§ 95tubct§ ^orl mit üiofatte SlUttg. 

22. Sfyxil 1827, 

(gitt tjeitrer Sag tft un§ erf dienen; 
grot) toanbelt an ber 5Rofent)anb ' 
®er roonnefüßen SImormen 
©in Sßaar in £t)men§ geenlanb: 
Unb, rjexxlicr) in bem Sftrjxtenfxange, 
®er fdjtäjtent buxd) bie Soden ftfjaut, 
gttegt fie batjex int §o^geit§tan§e, 
®ie füfce, jugenbliäje 33xant. 

®ie gotbne 8 e ü ber SMbdjenföiele, 
®e§ 3üngling§aftex§ flüdjt'get ©inn, 
®ie freien, fcrjwäxmenben ©efürjte 
®er $ugenbtxäume finb bafyin. 
®ie ernftern geffetn klingt bie SRtjtie, 
Unb au§ bem rjotf^eitiidjen trang 
(Entfaltet fid) bie 3Jhittetttrifcbe, 
Sex rjeifge (Sxnft be§ !üt)nen 9Jlarat§. 

Sßo butd) bie xafcrjen Qugenbtxitte 
gexftörenb einft bet £eicf)tfinn fbrang, 
®a feffelt jefet bet ©attitt SBitte, 
®er füfjen ©rje frommer Qroang. 
©ie rjüllt in ifjten SSmmenf dreier 
®ie tnübe Unbefonnenf)eit, 
Unb ba§ entflammte güngtingäfeuex 
füf)lt bie Bexebte SBeibltäjleit. 

Sßenn ring§ bie SebenSftürme brotjten, 
®a tröftet ü)n ber ©attin SSoxt: 
Unb ben gefdjeitexten Quoten 
Senlt fie an ben erfet)nten 5ßoxt! 
Unb fielen büftrex nod) bie Sofe, 
gn itjren Straten fcrjläft er füfs: 
©ie fdjtingt um tf)n bie fjeitre Sftofe, 
SSenn ü)n fein @eniu§ »erlieft. 



9?. 2. .gijgettbgebtdjie. 195 

@o mögt %t)i burdj btö Seben tuanbem, 
©in ©eiffc im Sßort unb in ber £at, 
Sm ®enfen ein§ unb ein§ im §anbeln, 
23i§ fanft ber gacfeljungting natjt. 
Unb !ommen bann audj trübe ©tunben ~ 
©etroft! ber @cE)mer§ toirb balb bergelm: 
S8a§ ®u aB Sränen fjier embfunben, 
®u ttrirft e§ bort afö fronen jefjn. 



mit dntilte Sorenj. 

Styrtl 1828. 

SBIüten in ben jungen Rauben, 
Stofen in bem Socfenf)aar, 
bringt ber grüfjting feine ©penben, 
©eine 23tumen lädjemb bar: 
(Sanft legt er bie 33Iumenbürbe 
®er erfragten Steifheit rjin — 
®od) im orange ftrap bie äJtyrte 
2tfö ber SÖIunten Königin. 

Stuf ber 9Krjrte fd)Iummern Sichten, ; " 
Stuf ber 3fttiite glänzt bie Suft, 
Unb ba§ äartoer^üttte @et)nen 
23rtct)t entfeffelt au§ ber ©ruft. 
Säcfiemb ift ber ©crjmerj Vergangen, 
Unb ber Siebe ©eniu§ 
2)rücft auf ©ure gngenbmangen 
greunbliä) feinen geuerfufj. 

SSa§ @uct) etnft in frönen ©tunben, 
3n ber Sräume gugeublanb 
gart gefügt unb füfj emtofunben, 
2tt)nenb bor ber ©eele ftanb, 
©bringt i)erbor in§ laute Seben, 
Unb e§ fd&toeißi be§ 33ufen§ ©treit, 
Unb bie !üt)nen Sräume fcfjtteben 
geffetloS gur SSirllic^leit. 

13* 



196 9^2. Sugenbgebicljte. 

äRctg fo fdjött, tote in ben Sanben 

©djötoferifäjer «ßBantafien . J 

(Sinft bie Sage bor -eutf) ftanben, -§| 

(Sud) bie golbne gufunft BIüBn, 

28ie bei SJtenfcE) aud) »ünfcß/ unb tt>äf)fe, 

SSa§ ber Sraum un§ ©ct)öne§ Beut, 

f$Iiet)t mit Bremen au§ ber ©ee'te, 

Unb e§ gilt bie 3Birftiä)feit. 

©eib benn gtMtid)! mit ben Hüten, 

$)te bie äR^rte (Sud) gebraut, 

9?al)t be§ £eben§ ©türm unb ^rieben, 

Unb ber innre' 9Jlenfd) ertoad)t. 

SBic ber SJcenfd) fiä) fdjtmd) aud) bräune, 

<Mü(fiid) fann er immer fein; 

Slber aud) bie fanfte £räne 

@eBt berllärt junt £>immel ein. 

3Bg' bie ©otßjetf nieberfd)tt>eBen, 
SSenn ber greunbfdjaft (Snget fliegt 
Unb ber ftumme ©d)merg im Seben 
gotternb burd) bie ©eele giet)t. 
DB um ©ud) bie ©türme Wüten, 
ßernt (Sud) felbft genug ju fein; 
6ure§ ^er^enS fcfjßnften ^rieben 
©udjt im traulichen SSerein. 



$ofytIftiI)fnett. 

®ie §armonila. 
©ü£e £öne! Bimmlifdje «Hänge ou§ ben ©raBern einer entfallenen 
©eligleit, faget, o faget mir, warum »ein' id), wenn id) eud) Bore? ®a 
antworteten bie Söne: SBir finb »orboten einer SMt, nad) ber bu btcb, 

f<$nft, ber bu entgegenweinft, bie bu Bner nimmer finbeft — wtr 

fommen bom Senfeits. 



SB. 2. ■^ugenbgebi^te. . 197 

®er fterbenbe ©djttxrn. . 

(Siegel ermattet liegt et am Ufer unb almt ben fommenben £ob; 
aber er fdpgt feine gtügel empor, unb £ßne fenfen, ein ©eufjet bom 
QenfeitS, ficb, tjernieber, unb ergaben fingt er unb — ftirbt. 

9Iäj! tcenn roir ben £ob almen unb ermübet an ben Ufern be§ ®ie§= 
feit§ liegen, fo fragen audj mir bie gtügel unferer ©eele auf — bie Sie* 
ber gittern bon SMnen nad) oben — aber bie (Seele bergest unter ben 
Sönen. 

$rin§ Soui§. 

®u bift ©filier, unb beine gange überirbifct)e Xontodt finb bie . . . 

@d)illerfä)en Qbeale; aber ben.SSein unb bie , bie fijnter euren 

. Sichtungen , mag iä) nictjt gälten. 

<S|)ot)r. 

SBenn Blumen unb Sau . . . reben fönnten, fo müfjten fie eg, roie 
bu bictjteft; bu bift bie betaute Stbenbbiole, aber roenn beine SBonner 
reben, SSeettjoben, ba gittert bie fc£)üct)terne Stbenbbtume unb fcpefjt 
tfjte fMdje p. 

giartj ©djubert. 

Unb bu, frühzeitig Heimgegangener, bu r)immIifcE}er ©djubert — 
tjätten ©efbenfter unb Soptoetgänger SBorte, fie formten; aber toenn 
bie ©ngel unb bie ©enien bie 2Mt fc£)on einmal anrebeten, fie fprädjen 
aucr) toie bu; bu bift ber überirbifcfc)e, ftörenbe ©eift, ben feine $rüpng§* 
blumen bertjütlen. 

S3eetf)oben, (Schubert unb ©üotjr. 

St)re beiben erften §eroen unb bie leiste §eroine! — — 
S)u Ie|te, bu bift ia§ ^immetöauge, ba§ toeint; aber Ü)r beiben erften 
ba§ 2luge, ba3 bie Sränen unterbrMt. Unb beibeB ift fdjön; toie i>a& 
le^te übermenftf)Iict), baä erfte nur menfcEjücb, ift. 

®ie Snffonangen unb ©äjmergen, 

©iffonanjen geben ber SRufil ben fd)önften "Steig-, toie ©ctmtergen 
beut Seben; — aber mir bedangen nacf) Stuflöfung — — — 



198 



9?; 2. $ugeitbgebtä)te.. 
®te ©locfe unter bem ©rbbeben. 



r. ®ie ©rbe rutjt unb ba§ ÜKeer — unb linbe Süfte fahren über ba§ 
Sfteer — ba bröfjnt e§ in ben 33ergen, unb ba§ (Srbreiä) erbebt — unb., 
bie ©benen berften — unb bie bieget ber Sßeft jerfbringen. Unb Fjord)! 
— ba tönen ring§ bte ^eiligen ©locfen bon felbft — fie tönen baZ Sob 
ber ©otttjett unb rufen bte fterbenben ÜDfenfctjen noct) einmal jum S3eteu. 

®ie geit. 

SBenn ftrir bom feften Sanbe in ben ©trom feljen, fo fangen roir 
ftromaufroärt§ §u fahren an, unb e3 fd)tbinbeft uns 1 bei ber gütdjt. $ürä)* 
terüctje Seit, ba8 bift bu — fie matjnt un§, bafj fie einig forteilt, unb bafj 
roir mit jeber Minute eine Minute rüdwftrts' getjen, unb bafj jebe SJlinute 
ftcb, felbft morbet — unb nur f^roinbeln bor bem flietjenben unb formnen» 
ben garjrtaufenben. 



. (©elBft ttorgetrageit Bei ber ©ntlaffiutgSfeter öftern 1828.) 

Sämmernb rut)te ber Sag, unb in bie berfitberten 
Stbenbinolfen entflog lädjelnb ber £immeföfcb,roan. 

Unb bie Sieben am genfter 

SBebten leife, toie ©eiftertjaud) — 
Stuf *ßetrarca§ ©tatue büfter in ben 9fcm gelernt 
SStidt er ftarr in bie Stockt, unb au§ bem beleuchteten 

Smtlits fturgen bie ordnen 

Stuf baZ fcrjmmmernbe SRarmorbilb — 
„SKann, biet) Irönte bie SBeft, flocht um bie ©idjterftiru 
®ir ben Sorbeer be§ 3M)m§: aber mein §aubt ergraut, 
Unb ba§ fttberne igaar feänjt 
®eine SSutme, ftrie beinesV' 

Stöj! ba brauen fie ja, brachen fie alle auf, 
Stile äSunben, bte if)m f^merglicrj ba» Seben fdjtug. 
Unb bie juccenben Sippen 
brannten auf bem entfeelten S8tlb ... 
©tilter toarb e§, unb Iei3 ftoielte baZ Nebenblatt: 
®urcb, ba§> ©ilbergetoöll ftfjroamm ber beilegte SKonb. . 



Tc.2. gugenbgebidjte. 199 

Unb §efperien§ flöten : 

klangen fierbenb im ©ctjo nac£). 
§orcrj! ba tönt e§ bon fem: SStumige ©enien 
©cfjtoebten läcrjetnb im gfug burct) bal ©emacfj, unb fanft 

trugen ©ngel bon ^enfett§ 

®a§ »befreite Qetuj'alem« — 
Suffo, Snffo, bu lebft — alfo erflang'3: e§ barg 
©cfjeu ber SKonb fid), unb entptcö wiegten avS> SBoHen fiel) 
• ©eraplj§föpfe, unb ferne 

Warfen fäufeften fctjröärmenb mit. 
„£>immefötöne, tt)r rieft, rieft miö) empor: boeb, adj)! 
©infam mein' icf/, unb fern fragen bie §erjen mir, 

Unb bie Sräne ber 9^act)roelt 

©ucfjt bergeben§ ben Sorbeerftans — " 
2IIfo feufjt er: berfiärt über ben Sternen flog 
®a§ äti)erifc£)e Sieb: £>arfengeüfpet quoll 

©anft tjerab, unb bie SBöIfen 

gogen ernft bureb, ben Dgean — 
„Sfämm ben §immtifcrjen", fc|oifö ; über bie SBoHen t)in. 
©onnen flogen borbei, SSetten im Djean. 

„Saffo" Hang e§ in jeber, 

Unb bie ©roigleit t)allt e§ nad). : ; 

„©oll icl)?" rief er, unb roarm fturjten bie SMnen f)in 
Stuf bie ®icf)terftatue: „©oll id)? ®er §intntel frönt 

SRit bem Sorbeer bie ©ctjläfe — 

9ta bie (Srbe berftanb- mid) nie, , : . 

üßiemaB: unter ba§ ©rab finf icl), unb ungelannt 
©tirbt mein SSufen, unb !ein ©eufjer, lein 2tuge roeint 

SReiner rut)enben Stfcrje 

©tumme Satiren be§ ©d)merjes> nad). . — " 
SMnenb ftarb ber ©efang tröftenber Seraphim: - 
2ln bie !äJtermorftatue ftürgte ber 'Siebter: ftumm 

SBarb bie Sippe, unb träume 

füllten fanft ba§ geüebte igaupt ■ — 

Sädjemb au§ bem ©eroöl! ftieg ber berflarte Sag, 
Unb bie Junge Statut roanb fiefi, ent^üdi empor. . • .. . 
, Unb am genfter be§.®iä)ter§ 

S8rad)en fcrjud)teru'bie Inofpen nuf, 



200 9t. 2. ^ltgenbgebicfite. — 9t. 3. ginige Btogr. 2tri a. b. ©ameniortöerf attonStestlott. 

£rüb ergebt et ba§ £auüt: „Sin id): nod) immet?"/ feufjt 
£ief bet 23ufen — „tdE> bin§, bin e§" — unb joemenb finlt 

®t an§ Söilb, unb nad) ©(Mummet : 
.•..'Sediat ba§ ttauetnbe §et§ umfonft 
§otd>! ®a brauft e§ bon fetn: jubetnbe ©crjteärme narjn — 
„©dlläfft bu, Saffo? o i)eb ba§ £aufrt empor!. 

&änjt tfm.l" rufen bie ©djaren. 

Unb e§ rufen'3 bie Serge nad). 
Saffo t)ört e§, unb r)odj fdjtctgt tt)m ber Jöufen auf — . 
gteubig natjt ftd) ber Qua,: §u ©abitole tüälgt 

©td) bie: ftiitmifdje ÜKaffe, 

Unb ben ©idjter empfängt, ber Sfjron — 
„®er bir, ©änger, gebührt, bet in 3ßettatca§ ©titn 
©traMte, nimm ifjn, ben Stanj — " unb um be§ ®id)tet§ Qaupt 

■äStii bet ^tieftet ü)n fcrjlingeu — 

©ie! — ba mault et unb fällt — unb fd)toeigt — ; 
„fJHmm ben £immlifdjen'', fd)oIP§ ü)m burcrj bie ©eele nad; — 
„3e|o?" ruft er unb finft ttrieber — toirb ftumm unb Meid) — 

Unb bie. gadet bet Stauen 

©enlte lädiefab ber ©eniu§ . . . 



B. ' -■ 

3. (Einige Biograp^tf^c Stitilel aus beut 
DantenloitoerfationsIeHfort 503 . 

%aä), bie beriujmtefte beutfdje. Sonlünfttetfamüie. ®et ©ramm* 
batet, Sofjann 2*mbtpfiu§, ;ging bet fMigion ttegen au§ feinet £eimat 
Ungarn fort, um ftct» im proteftantifcfjen ®eutfcr)Ianb eine anbete ju 
fucrjen. Sodann ©ebafüan ttmrbe 1685 gu igifenad) geboren,,berlpr aber 
fd)on atö Snabe bon 10 3af)ren feine ©Item. «Bereits im 19.,3at)r ertjielt 
et bie Drganiftenfteüe in^rnftabt. Um biefe Seit toat e§, too er uner* 
mübet nad) bem Siel ju ringen begann, baä tf)m fein, ©eniü§: beutlicE) 
gezeigt. ftfadjbem er 1707. biefe§ 2lmt mit einem äfmttdjen; in 3Mb> 
Raufen, fpäter mit bet ton§ertmeiftetfteue in SSeimat öettaufdit, roarb 
er 1717 tapelmteifter in töifjen. 23on ba au§ berief. dm bet äftagiftrat 



3t 3. (gütige &tograpf)ti<f)e SIrtiM au£ öem Samenfonöerfationätejtfon. ■ 201 

ju Seidig.' ©r ftarb aß JJJlufifbireftor unb fantor an ber S^omaSfcrjute, 
bie Ü)ren 3fhüjm auf Jemen tarnen grünbet, am 28. guli .1750. $er= 
gebend fudjt man nacfj einem SDenfntal; ,nid)t einmal eine ©pur bon fei» 
nem ©rabe ift §u treffen. 38ie grofä unb reiß) fiaä) fein inneres Seben 
gegen ba§> äußere abl Sfäcfjt allein gleifs mar e§, ber ü)n IjinauSbob über 
alle ©cfjttuerigieiten ber mufifalifdjen Kombinationen, fonbern ange* 
ftatnmteS ©enie be§ ©ct)arffinne§. SöaS ttrir Sfaä)lömmlinge für Sföunber» 
bares? in ber SSerflect)tung ber £öne gefunben §u tjaben meinen, liegt 
fcfjon in Ü)m angefbonnen unb oft auggemicMt. $u biefer bolllommenen 
Sefjerrfdjung be3 ^büfifcljen fommt nun autf) ber ©ebanfe, ber ©etft, 
ber feinen SBerfen innesnofjnt. ®iefer. mar burct) unb burct) SFcann. £)a* 
Ijer finden nnr in u)m nictjtS £albe§, fonbern alles gang, für einige Reiten 
gefcfjrieben. ®iefer ©eift fctjuf aber auö) nidE)t einfeitig, fonbern reict), 
ja üböig. SBie b0 t)b't)ere ©enie meiftenS auct) ba§> fruchtbarere ift, fo 
fyat er un§ eine (Sammlung bon Kunftroerfeu fjinterlaffen, beren blofj 
äußerer timfang in (Srftaunen fe|t. (Sr fctuieb faft für alle guftrumente 
unb in allen ©attungen, unter jenen am meiften für Orgel unb Mabier, 
auf toeldjen er ber größte SSirtuoS feiner $eit ttmr, in biefen am f)äufigften 
für bie Kirct)e. 2Sadj Innterliefj 20 Kinber, unter benen fiel) 11 ©ötjne 
al§ ÜKufifer au§geict)neten. ®er ättefte, griebemann, foll feinen SSater 
al§ Drgelibieler erreicht, ja übertroffen fjaben. $t)ili,bb ©manuel 
lebte in glüc!tict)en SSerb.ältniffen afö SammermufifuS griebricrjS be§ 
©rofjen. 2fl§ Slabierfomtoonifi begeiäntet er eine ©poctie, ba feine SBerfe 
wegen Ü)re§ freiem torjantaftiferjen ©crjttmngeS, bem freilief) bie §öt)e be§ 
baterlicfjen fetjtt, aU erfte in biefer Schreibart ber £>at)bn»ä>togartfcfjen 
*ßeriobe bertoanbte angufeben, finb. ©urefj feine Schrift »Über biefe 
tnatjre 2lrt, btö Klabier gu fbielen«, in meiner namentlicl) ber ©aumen, 
erft bon Qot)ann ©ebaftian frei auf Dbertaften gebraucht, al§ bie SDceäjanif 
erroeiternb unb erleicbternb bargeftellt ift, bereitete er bie Üunft be£ 
SHabierfbietenS bor, bie fict) nact) unb naä) in folctjer gölje auSgebilbet. 
^ettini, SBingeng, ©igümner, 1808 geboren, Kabettmeifter am £t)ea» 
ter genice in SSenebig. ®urct) feine Dpev. »S)er prat«, bie er 1828 
perft für äßaüanb gefccjrieben, nmrbe er un§ guerft belannt. @§ liefj 
fiel) nid)t borauSfefjen, ba$ biefem, in 8toffinifcl)er 2lrt gehaltenen SBer!e 
in lurjem bebeutenbere unb felbftänbigere folgten, bie .Ü)n jum ßiebling 
feiner SanbSleute unb eine§ großen Seifö anberer Nationen gemacht. 
Sie ^ei^en »Bianca unb gerranbo«, »La straniera«, »Capuleti e Mon^ 
teochi «, » S^orma «. ®urcl) bie gro^iünftIerifc§e Sarftellung ber @cl)r ob er* 



202 91. 3. einige Btogra|rf>tf<$e SCrttM auä bem ©amenfonserfattoitSlejifon. 

®ebrtent in ber Statte be§ 3tameo roirb fid) namentlich bie borte|te 
Ober auä) im refleftierenben Sftorbbeutfclilanb einfjeintifctj machen. 3Ba3 
bie.2Sorgüge 23ellini§ anlangt, atö: leisten glu§ ber ©efangfthnmen, 
©efclttnacl unb S3rilliantierung ber ^tftrumentation, füblitfjeS fiebern' 
ber Harmonie unb SMobie, fo teilt er fie mit feinem Vorläufer fRoffint, 
geitfjnet ftcfc) aber burcb, SSefonnenrjeit unb äSarjxrjeit in ber bramatifciien 
^ombofition bor bem gtüfflidjen *ßefarofä)tt>an au§. SBenn man bon ; 
SDtagart fagt, bafj er ein in ®eutfctjtanb feftgeimtrjelter 23Iütenftamnt 
fei, beffen &one ftdj etroaS bem figilianifctjen £>immel guneige, fo tiefte 
fiel) rjiex bielleiäjt ba§ Umgefefjrte annehmen, 63 ift möglict) unb tofin* 
fäjenSmert, ba$ SSeltini, toenn er fict) burcb, ben glängenben guruf ber 
Sftaffe nitfjt bom ernften ©tubium beutfcijer SMfter abgalten laffen 
rooltte, ber flauen, roeidjtiäjen SJlufifroeife ber neueren italienifcrjen 
©crjule über frag ober lang ein ®nb^ machen toirb 50 *. 

SBtft^etf«, Seobolbine. (Sine ausgezeichnete ItebenSfoürbige $iano» 
fortebirtuofin, au§ Ungarn ftammenb, um§ gafjr 1811 geboren. $ß)x 
Stuf berbreitete \\§ bon SBien au§, ber fiä) namentlich auf bie gute ©ä)ute 
bon.^ummel unb 3Rofct)ete3 grünbete, ©ct)on in ber früljeften Qugenb 
machte fie funflxeifen buxctj ®eutfcb,lanb, ©nglanb unb ^ranfceictj, 
reelle glücflicfje Stafuttate gaben. $n biefem .Stugenblid fjätt fie fid) in 
SSien auf, $fyx ©biet ift- ein edjt roeibtufjeS, nictjt t)ocrj genial, aber gart, 
befonnen unb ausgearbeitet. Qu ber fombofition geigt fie ficfj latent» 
boller als bie SSeltebitte, t»ät)renb bie le|te atö SSirtuofin bei roeitem 
tjörjexguftetlen ift. 

SSoitbiett, Stbrian, gu Stauen geboren 1774, ging um fein 20. 8at)r 
afö ttabierfbieler unb Serjxer natf> $ari§, fontboniexte nebenbei Sta* 
mannen, bie 33eifatt fanben, ton 1803, nacrjbem er bie ^rofefforftette 
am tonferbatorium niebergetegt, nact) Petersburg, an ©artig ©teile, 
bon roo er 1811 gurücffefjrte. ©bäter. lebte er längere Seit inbürftigen 
Umftänben, fjat- aber gegenwärtig bie frühere ©teile am $arifer ton« 
ferbatorium mit beträdjttidjem ©etjatt roiebereri)aIten. S)urcf/ feine 
Opern »Salif bon SSagbab«, »gotjann bon ^ßaxtg « machte er fiel) ftfjon 
frü|er einen Tanten, ben er ber Jlatüilicrjfeit, Siebliö)!eit feiner 9Mo* 
bie unb ber größeren biamatifcrjen äöarjxtjeit falber, bie ber fxangöfifctien 
©dmle oft : abgefjt, roürbig berbient, 6r roarb fd)on al§ eine Slntile be*. 
trautet, al§ er bor etroa 8 galten mit gioei neuen Dbern, ber belannten, 
»SBei^en 'Same« unb fbäter^in mit ben >> Reiben 5Räd)ten« feinen 8tuf 
erneuerte. ®iefe liebenSroürbige Wlu\it teilt bei größerer Stlter§reife bie 



5ß. 3. ©intge Kogrctpijifcfie SlritM avt§ bem 'StemettfonöerfattonSiejttim.' 2Ö3 

SBorjüge feinet älteren Dbern. ©eine übrigen Snftrutnentalfätse, S^Iobiex» 
fombofitionen ufro. Mafien geringeren SBert. 

Kfjctuömt, Suigi, ber grofje -Sonbic^ter, je|t ein @reig bon 74 
^arjten, ber mie ein Sfttefe in unfre Seit tjeteinragt aug jener alten, in 
roeldjer. er neuen feinen Snnftbrübem SDtojart, §at)bn wnb SSeetfjoben 
roirtte unb fdmf. gn glorenj mar er geboren unter Orangenbäumen 
unb ©ötterftatuen. ©in inniger SMnftler fdjreibt irgenbroo: „Sagt ü)r 
öieIXeic£)t in einer SBiege, 58eetf)oben unb ©fjerübini, tote eucfj benn aud) 
euer SSornante gemein ift, unb gab bielleidjt bie SJhttter bem italienifä)en 
IHnbe ein paar füblid)e S51umen mef/t?" — Suigi begann unter ben ge* 
lehrten geücig, SSatet unb ©ofjn, feine ©tubien, bie er fcfjon gang friü) 
in Somtoofitionen berarbeitete. ®er ©rgtjerjog bon Sogcana roarb auf 
Ü)n auf merlf am unb braute ü)n nad) SSotogna, reo er ©artig ©djület 
unb Siebüng rourbe. %m äroangigfien 3af)te folgten fdjon Dpern, roetdje 
bie Italiener nur %u ernft unb geteert fanben. ©ein Stuf roirb größer, 
er gefyt nad) ©nglanb unb ein 3at)r fbäter nad) $arig. ®a rjört er £>arjbng 
©infonien — jitternb unb entjüdt. SBon nun an roenbet er fidj ganj 
ber beutfctjen, ebtern Sücufe §u unb bleibt üjr treu. »$bt)igenia« unb »®e= 
mobfjon« roaren bie nädjften SSerfe, »Soboigfa«, »IStifa«, »SDcebea« 
folgten. 

®eutfd)Ianb, obfdjon beroegt bon ben neueften ©djßtofungen Dlo» 
gartg, Jgatjbng unb beg jungen aufbraufenben Seejrjoben, fängt an, 
feinen tarnen öfter §u nennen. »®er SSaff erträger « gibt Ü)m nod) metjr 
Smfbrud) auf beutfdjeg (£i)renbütgetred)t. ©r toirb 1805 nad) SBien be* 
rufen; bie f)ot)e » ganigla « roar t)ier fein erfteg SSerl. S^ati» einer fdjroeren 
tranltjeit roirft er feine gan^e Sraft auf SKrdjenmufii unb t)at eg mit 
menigen gerftreuungen burd) Heinere fomifctje Dbern unb burd) einzelne 
größere (»SCbenceragen«, »9tli $8aba«) big %n biefem 2lugenblide getan, 
roo er rjodjgerjalten bem Snftitut beg ^ßarifer Äonferbatoriuntg borftetjt. 

Sßie fetjr feine JJirdjenfombofitionen ju fdjä|en finb, fietjt man bar» 
aug, baf=j S3eett)oben wenig Qatjre bor feinem (Snbe freubig geäußert: 
aug, ©tjerubinig Requiem roerbe er .fidj bieleg ad notam nehmen. 
äRandje ftelten fogar. biefe Seiftungen über feine bramatifdjen; eg tbirb 
aber burd) foldjeg SBergleidjen nidjtg erreicht, unb mir ftimmen, um ein 
©nburteil $u geben, htm oben angeführten SHinftler bei, roetdjer fdjrieb: 
„©aburdj, ba§ er jene berüdjtigte italiettifdje@nbfitbe femem^beal opferte, 
ift er, ber er ift — ber btofje fdjlante ©Ijerub, ben ©ort auf tjofjex ©tirn 
unb im 3luge 505 ." 



204 % 4. einige tmtftftljeo.rettfdje SCrtiJel au§ Öem Satttenfonberjatton^Iejtfon. 

4 (Einige mu[iftI)eoretifäje Slrtilel aus bem 
Xtemenfortoetfatiortsleadfott. 

2(t»«tgw Gebeutet in ber Sftufif ben tangfamen S3ewegung§grab eine§ J 
2ftufiffat$e§, beffen ©Ijarafter meifien§ fanft unb fetter ift. Seetfioben, 
feltener Sftojart, fdjrieb e§ aud) über ernfte unb feierliche S&mfHicfe. 
$n Sinfonien, (Sonaten, Sonderten erfcrjeint e§ oft aß Einleitung, öfter, 
afö tierbinbenber SJttttetfa^. ^n Wirflid) fcljöner ^ontbofition ift e§ tote 
bie Sonne, bon ber bie früheren ober festeren ©ebanten afö Strahlen 
au^ugeljen f (feinen. — ®ie Semerfung, betontem ben ©rab ber 9lu§= 
bilbung be§ SSirtuofen ober Somboniften nad) feinem Vortrag unb Sats 
be§ Stbagio beurteilen tonne, ift nur put £eü watjr. (S§ fdjeint aud) eine 
gewiffe, fonft beliebte, breite unb langweilige SCrt bon 21bagio3 nad) unb. 
nad) au§ ber SRufil ju berf d)winben, wie benn übertäubt alle Bewegungen 
rafd)er geworben fein mögen. 9fod) l)öt)ere ©rabe ber langfamen Saft* 
Bewegung finb: Adagio. assai ober molto, adagio adagio, adagissimo. 

3lgttot0, bewegt, aufgeregt. 6§ ftefit t)äufig gu SInfang ber f om* 
öofition, Wie allegro agitato. Uommt e3 in ber SDtitte be§ StüdeS 
bor, fo brücft e§ aud) (berbietetbie§ fbäter eine anbere SSortrag§begeid)= 
mtng nid)t) ein willfürlid)e3 ©iten, §afd)en nad) bem Sd)Iuffe gu au§. 

fCWotttJwgttieretu . Begleitung ber ^autotfiimme burd) Sieben* 
ftimmen« ©§ füfyrt im gangen ben fjarmonifdjen Sau fort, wätjrenb bie, 
Soloftimme mit ber SMobie barüberfd)webt. ®ie Segleitung tragt, 
im altgemeinen einen teifen ©Ijarafter. Um fd)ön gu alfompagnieren, 
ift eine borb,erget)enbe SSerftänbigung gwifd)en ben SSortragenben nötig, 
bamit bie Schattierungen feiner gegeidmet unb bie SSerrjältniffe richtig 
getroffen werben. S)a§ Sßrimabiftafbiet bon einer ober ber anberen Seite 
bleibt l)ier fetjr gefäßrlid). 

Uvia. $n weiterm Sinne ©efang, SSeife übertäubt. Sdjon früfjer 
gab fie einer gewiffen ©attung bon Dbernfätsen ben tarnen. S>ie erfte 
erfd)eint um 1600 in einer Ober bon Duagliati, ber mit 5 Sängern in 
ben Strafen bon9tom tjerumgog. üftad) unb nad) I)at fiel) bie gorm fetjr 
beränbert, wie fie benn jeijt gang loder geworben ift. 2Tm meiften tommt 
fie in neuerer $eit mit einer Sgene berbunben bor (Soena et Aria); 
bann ift fie ba§ Zentrum ber Dpex, ber SRittelbunlt ber Seibenfdjaft, 
inbem ber Sänger bie gange 3Jfad)t feiner Sunft ausüben !ann. 2lfö 
äRufter in biefer ©attung gelten bie berfdjiebenen in SJlogari.3 Dbern, 
— Aria parlante gehört in bie fomifd)e Dtoer unb unterfd)eibei fid) bon 



9f. 4. ©tntge muftlt^corettf^e Strittet au§ beut SJamenfonöerfätiottMerüoii. 205 

fftegttatib burct) fortgetjenbe gleite Snttbetoegung. — 2lrtette ift burctjtoeg 
naiber imb fallt in ba§ gaä) ber Soubrette. — ©o ©ttfanna -in »gigaro«. 

ffawfö, al§ $öitrog§begetcf)ramg tjeißt e§ im toeiteften ©iune gefang* 
reicr). ®er Sombonift rottt audi oft bamit auf (Smfadjtieit m StuSbrucf unb 
SBegtaffen aller freiereu Sanieren, SSergierungeu aufmerlfam machen. 

Wttftöfittttg, mufttalifcfje, nennt man ben Übertritt eineg ober metjre* 
rer biffonierenben guterballe junt lonfonierenben SHforb. Qn ber IReget 
Werben bie burcij große ober übermäßige ©rufen entftet)enben Siffon* 
naugen aufwärts (in bie ißölje), bie burä) Seine ober berminberte ab» 
toärt§ (in bie Siefe) aufgelöft. ®oc£) tjat fid) bie neuere geit auctj tjier 
oon ben altängfilicfjen formen, nad) benen bie einzelnen ®iffonanjen 
regelmäßig borbereitet unb aufgelöft rourben, Io§gemad)t. ©ie tjat nictjt 
unredjt baran. ®ie Siuftöfung ift bem 3ftufi!er, toa§ bem SJMerbte §Ser= 
föjmeljung be§ @ä)atten§ in§ Siäjt — bie ÜKitteliinte. 

Sombofition otjne SDiffonanjen, mittjin olme enbliäje 9luflöfung, 
toäre ba% üä)te reijlofe ©emälbe, rote umgetefjrt ein forttoätjrenb biffo* 
nierenbeS SonftM ein grau in grau gemaltes SBilb. 0b aber ber SMer 
biefe ober jene SJtttteltinte toäfjlen foll, bartber lann bie Stjeorie bortoeg 
lein allgemeingültiges ©efets aufftelten. 

MnZhvuü ttt ber äWuftt ®ie 3ieben§art „mit StuSbruä Rieten" 
Ijeißt gemeintjin nidjt met)r als gefürjlboll (espressiyo) ftoielen. gm toei» 
teren ©inne ift er baS beftimmte £>erbortreten ber ©ebanlen, (3efüt)le, 
Seibenfcfjaften burd) Söue, liegt bieS nun in 3ff)t)tl)muS, SMobie, §ar» 
monie ber Sompofition, in ber ®arfteltuttg§roeife beS Sßortragenben, 
im befonberen Sonctjaratter beS gnftrumentS ober in SSermifcrjitng 
biefer. — ©in guter SSirtuoS roirb ein feilte» SSert burä) fcfjone 83e= 
tjanblunggüm (fctjeinbar) erhabenen berebeln lönnen, roie ficf) umgeferjrt 
ein Sunfitoert- unter ber §anb beS ©tümperS %um gemeinen berflactjt. 
9tur roenn alles — Sombonifi, Virtuos tote ^nftrument — in fctjöner 
Äraft tjarmonifctj jwfammentoirlt, toie ettoa, ba bie ©gümanotoSla 
ba§ §ummelfcr)e £>moli=fonäert auf einem glügel bon ©tein bor» 
trug, ertenni ber gebübete £örer ba§ $beal be§ mufifatifcrjen 3tu§brucfS. 

?itt§tt>eldjtttt9, mufitalifcrje, baS ift baS Übergeben bon einer %on* 
ort in bie anbere, gibt ben mufitalifctjen SSerten 9Mj unb äJcannigfattig» 
feit, roenn fie mäßig unb finnig angetoanbt toirb. ®ie Sitten lannten bei 
ber Enbott!omment)eit Ü)rer Tonleiter nod) leine. 9taä) unb nad) unb 
iu allen üuuftebocrjen ^at fiel) baS eben jüugfte $robu!t tjäufigere unb 
; für)nere 2tbfd)toeifungen erlaubt. ®ie gemetnfte 2trt be§ 2lu§toeicl)en§ 



206 91. 4. einige mufifßjeorettjdje StrtiM avtä bem ©atttettJcmtoerfationStejiJon. 

bon einer ©urtonart bleibt bet ©ang in ben fünften £on (Quinte) 
auf» ober abwärts (öon ©» nad) @* ober g»bur), ber in ben wetdjen ®rei» 
Hang auf ber großen f elften ©rufe aufwärts (bon ©» nad) 2I»motI) u. a. 
(fiefje SSerwanbtfdiaft ber Tonarten). — ©S berfteljt fidj, bafs, wie" 
tieftigere Seibenfd)aften fid) burd) ftedjenbere färben auSbrüden folten, 
fanftere (Smbfinbungen weniger auffattenber 31uSweid)itngen in anbere 
Tonarten bebürfen. SSie bie neuefte Seit luerin oft irre, faft inS ppdje 
gegangen ift, gehört nidjt biertier. 

SSetoegung in hvc Mufti ift im eigentlichen «Sinne ba§ gort- 
fdjreiten einer ©timme bon einem Sone §um anbern ober bie 2ftt nnb 
SSSeife, wie fie fid) auf- unb abwärts fpringenb ober getjenb fdmetl ober 
tangfam fortbewegt. — ©ie ift ber £ebel ber SKufif, wie ber Saft baS 
©efäfj, wetdjeS fie etnfc^Xte^t. — Sftan unterfdjeibet eine gerabe, wo 
berfd)iebene Stimmen gugteid) falten ober fteigen, eine entgegengefe|te, 
wo bie eine finlt, wärjrenb bie anbere fid) fjebt, unb eine ©eitenbewegung, 
wo bie eine rm)t, wcu)renb bie anbere fid) auf» ober abbewegt. 

Cadenz 506 , cadenza, cadence, begeidjnet in ber mufifalifd)en fünft* 
ftorad)e ben ober bie 2Ifforbe, welche ben 9M)ebunä eines SKufifftüdeS 
ober eine§ längern, fürgern 2tbfdmitteS barin borbereiten. Sie ftü|t 
fid) auf bie Harmonien ber berwanbten Tonarten, gunädjft alfo auf bie 
ber fünften ©tufe (Quinte, Dominante), auf» ober abwärts. — ®er 
SSirtuoS, Witt er gefatlen, wirb nad) bem £onfd)Iuf3 gu nod) einmal feine 
gange gertigfeit unb SKetjlerfdjaft geigen. ®a jeber SSirtuofe gewiffe 
@d)Wierigieiten borgugSweife bet)errfd)t, fo war eS gut, bafj man in ben 
borigen ^atirgetmten biefe ©nbbrabourfä^e nid)t auSfd)rieb unb fie ber 
^antafie beS SSortragenben überlief woburd) biefem bie Reffet ge» 
nommen wirb, bie ber frentbe ©eift fo oft um unS fcpefät. — Oft braucht 
man ba§ SBort Sabeng für irgenbeine brillante $affage. 

Canon 50 «», ein fd)Wtexiger Seit ber f ombofitionSlebre, oer ttamentitdj 
in ber älteren Seit bis gur Übertriebentjeit ausgebaut, für baS ©tubium 
beS Sonfa^eS aber bon S8id)tigleit ift. ®r bebeutet bie ftrenge ©tufen» 
folge betriebener Stimmen in berfänebenen geiteinftiinitten. Sie 
Sitten liefen biefe ©timmeneintritte oft fudjen, batjer er ber ©runb beS 
mufi!atifd)en «RätfelfbieiS. Sfon Ijat welche bis gu taufenb unb metjt 
Stimmen t)erauSgebrad)t. (Sr fdjeint fid) nad) unb nad) gu bertieren; 
unb ba bie ©rfabrung gelehrt tjat, baf? gu einer freien poettfcrjen SSetoe» 
gung in biefer ©attung ein ©tubium bon langer Seit erforberlid) wäre, 
baS fid) nur feiten belohnte, fo tjat bie jüngere Seit gerabegu gefagt, 



91. 4. gütige ttutftfßjeoretififie Strtifel aus bem ®cmtenfcmtoexjatiott3leji!on. 207 

e§ fei nidjt fo biet an ber ©actje, tote bie Sitten barau§ gemacht. 3)a3 
tjaben bie 2nten übelgenommen. , 

(Efyaxaitev, mufttalifdjen, tjat eine Sotnbofition, toenn fiel) eine ©e= 
finnung bortjerrfctjenb au§fbrict)t, fidj fo aufbrängt, bajj leine anbere 
2lü§legung möglict) ift. @o in ber r)eroifct)en ©infonie bon SSeettjoben 
unb in ber mititärifcrjen bon Jpaijbn. ^m I)öf)eren ©inne ift er fogar ber 
moratifctie §intergrunb be§ Sunfitoerfö; benn roenn autf) bie 3Rufif 
ot)ne SSorte niä)t§ 23öfe§ ifinftelten lann, fo tjängt boct) ber moralifcrje 
SKenfä) mit bem äfttjetifcrjen, btö fittlicrje SSefen mit bem fünfilerifccjen 
bergeftatt §uf rannten, baf3 btö, tt>a§ in unfitttidjer Seibenfctjaft erzeugt 
ift, aucfj im Shmfttoerf feinen Itrfbrung nictjt berbergen !ann. ©tjaraf* 
teriftifäje SKuft! unterf Reibet fict) bon ber malerifdjen (.bittoregfen), ba^ 
fie bie ©eelenguftänbe, ttätjrenb bie anbere SebenSjuftänbe barftellt; 
meiftenS finben mir beibe§ bermif^t. 

Capriccio 506 , caprioe, ber ©eure ber äftufif, meiner fiel) bomSftiebrig* 
fomifdjien ber 3Surte§Ie burcb, bie SBerfcrjutelgung be§ Sentimentalen 
mit bem 3ßi|igen unterfcrjeibet. Nebenbei beseelt fie oft etoaS (Stuben* 
artige§. Strenge ©Symmetrie ber $orm ift, ioie natürlich), in biefer ©attung 
nicrjt fo notroenbig ttie in ber größeren, ebteren ber ©onate uftt>., eine 
•ut ängftlict)e märe fogar ein get)ler. Sßiebiet ber £umor immer metjr 
Eigentum be§ männlichen ©elftes geblieben, fo t)at \iä) boctj bie Junge 
SSirtuofin, bie JHara SBiecf, mit bielem ©IM aucft/nn biefer ©attung 
berfudjt. 

<&l)av<iUcvi)ttt i>er Sonteiiern unb Sonaxten 5 ° 7 . 33ereit§ 
im borigen 3at)rt)unberte I)at man angefangen, ben einzelnen £om 
arten (Sntbfinbung, ©tjarafter ufto, beizulegen. ®er ®tdjtet ©t). ®. 
©djubart namentlich tjat eine ©tjoraftexiftif berfelben geliefert, toetcrje 
unleugbar biet garte§ unb $oetifcfje§ entl)ätt, jebenfalB aber über bie 
Söal)rfct)eintiä)!eit t)inau3gef)t. @r fagt §. 33., (femoll repräfentiere ein 
toei|ge!leibete§ aMbdjen mit einer tftofafcfjteife am 33ufen; @=mott fei 
bie ©möfinbung be§ ÜKif3bergnügen§, ber 1lnbet)aglict)feit, ber 3$er» 
ftimmung. 33er gleiche man nun bie 3Jlo jartfct)e ©=moII»@infonie (biefe 
griecb^fcrHcbtoebenbe, tnenn aucf) etsna§ blaffe ©rajie) ober ba§ ©=moll* 
fonjert bon SKofctjeteS mit biefer Slngabe, fo ift btö Unhaltbare ber* 
felben einleuc£)tenb. 9ftct)t %n leugnen ift, bafj burct) 33erfeimng ber ur= 
fbrünglicrjen £onart einer Sompofition in eine anbere eine berfcb^iebene , 
SBirfung erreicht iuirb, unb bafj barau§ eine SSerfdjiebentjeit be§ ©t)a= 
ralter§ ber Tonarten Ijerborgeljt. Wlan ftiiete j. 35. ben » ©et|itfucl)t§» 



208 3J- 4. einige TtmftHfjeorettfdje Strttfel ans beut SJamenfonöerfattonSlesiion. 

tualget« in §= ober ben »^ungferndjor« in 2l=bttr, unb matt mirb Mb 
fütjlen, ba£ ftcE) bie Sötte gteiäjfam in einem fremben Greife bemegen. 
®er 5ßro§e§, meiner bem Sonbidjter btefe obet jene ©tunbfarbe gur 2lu§» 
fbracfje feiner (Smbfinbungen an bte £anb gab, ift unertlärbar, mie.bet 
ftfjaffenbe @eniu§ felbft, ber mit bem ©ebanfen sugteid) bie gorm, ba§ 
©efafj gibt, ba§ jenen fielet: einfdjliefst. S>er mafjre Somponift trifft 
baf)er bon felbft ba§ 9fed]te, mie ber roat)re SMet feine garbert. ®er 
Unterfdjieb gtt)ifd)en ®ur unb Wlolt vxufc unftreitbar ^gegeben merben. 
Qene§ ift btö Ijanbetnbe männtidje ^rinji^, biefe§ btö Seibenbe, SKeib» 
fttfje. ©infamere (Srfinbungen i)aben einfachere Tonarten; §ufammem 
gefegte bemegen fic£> lieber in einer fremben Legion, unb finb be§t)alb 
für Tonarten, meldje ha§ £)r)t feltener bernommen t)at. 

<&f)0tai, ber einfache SMrdjengefang, ber feinen ttrfbrung bon ben 
älteften Reiten ber crjriftlicfjen Religion herleitet. SBie Sftufif bie I)öt)ere 
©bract)e ift, mit ber mir ba§ ^eilige berefjren, anreben bärfen, fo Ijat 
fie bie fdjöne (Sitte unferer SSäter autf) §ur Begleitung ber Stnbadjt be= 
fiimmt. ®in ©ebraud), ber nur mit bem aSerfdjminben be§ ©briftentum§ 
felbft aufhören mirb. (Sr ift formt ot)ne SRüäfidjt auf beftimmten Saft 
ober 2tu§brucf einer bereinäelten ©efinnung ba§ laute ©ebet ber ©e* 
meinbe unb f freitet am mürbigften in ©reiftängen fort, bie auf jeber 
einzelnen ©übe au§rut)en. §itariu§,,$8ifcrjof bon $oitier§, folt bie 
erften ©tjoräle fomboniert tjaben. Unter ben Steueren bemerlen wir 
Ritter, ©djidjt, SSerner u. a. 

&)Ot in ber SJhtfif brtteft bie ©tnf3finbungen ber Stoffe au§, mät)renb 
bie Strie einzelne, ba§ ®uett, Sergett ufw. berfdjiebene au§fbtid)t. ®a 
■bieäRenge, miirfie fiel) geltenb madjen, bie einzelnen Sntereffen hinten* 
anfe|en, fidj lonjentrieren vm% fo bebarf fie, um gu mirlen, einfacherer, 
allgemeinerer SOlittel. £>änbel berftanb ben ©tjor am fraftigften gu be» 
Ijanbem. 2Bie in ben gried)ifd)en Sragöbien finbet man audj in Dra* 
torien unb Dpern ®o,b.belcrjöre, ©efprädje im großen smifdjen §mei 
^arteten. ®afä man unter ©tjor aud) ©efettfdjaften bon HKufüern ber« 
ftet)t, ift belannt. §8ei ben ©xiedjen mar ber ©tjor ein herein bon San» 
gern unb ©ängern, um öffentliche unb religiöfe gefte gu bertjerrtidjen. 
©toäter marb er ba§ borgug§roeife (Sigentum ber bramatifdjen $oefie, 
befä)äftigte fidj aber in ber Sragöbie ntdjt unmittelbar mit htm .^m 
Mte be§ S)rama, fonbem mar bielmerjr ber ^efsräfentant be§ ©efüB,fö, 
meldjeS ber ©ialog auf bie Qutjöxet bemirtt ^atte. ©djiHet in feiner 
»«Braut bon SKeffina« mac^t un§ ben Kf)or ber Sitten anfcEjauIid). 



ü ?s "* 



31. 5. Stug: tritijdje «Bü^er ber ©cttribSbiinbler (Sfuff. 3. II). 209 

Mrttnev, ba§ roeitberbreitete Safteninftrument, nieläjegin alter geit 
erfunben, ber Drget nadigebilbet ju fein fdjeint. @eine§ großen ttm= 
fange§ unb ber be§balb möglichen $ietftimmiglett falber erfjob e§ fid) 
balb §um §aubtinftrument tinb roarb immer merjr berboütommnei, bi§ 
e3 felbft ftneber burd) ba§ gortepiano unb ben gtügel berbrängt unb ber* 
geffen toorben ift. 2)od) fjat man namenttid) in 28ort§ufammenfei3ungen 
ben tarnen be§ ©tamminftrumentg beibehalten unb rjört batjer oft 
„SIabierbirtuo§", „SHabierfonate" ufto. gm borigen Qafjrtjunberte galten 
bie ©ilbermannfctjen flabiere für bie beften, fbäter lamen bie SSiener 
gnftrumente in 9htf unb finb e§ geblieben. ®ie älteren SMfter, toie 
Stein, Sauterer, finb je|t ben neuern S£onrab @raf, Stfannette 
(Streicher, Sßacfe, SJleljer, granj 33at)er u.a. getoidjen. — ®ie 
Auäbtlbung unb SSerbottfommnung be§ QnftruntentS burd) SSirtuofen, 
ift äufjerft fdmell borgerücft, fo bafj foft in jebem ^afjrjelmt neue ©djuten 
erfcrjienen. ®en Anleitungen bon Qf. ©• 39 ad) unb feinem ©ofnt 
(Smanuel folgten bie belannten bonSIementi, ©ramer, 21. @. 3MI» 
1er; in neuerer Qeit bie bon Rummel, üaübrenner, unb eben ar« 
beitet 3Jlofd)ete§ an einer. 2tn einer geiftreicrjen, ben trocfnen ©toff 
belebenben Sarftellung unb einer bon ^ebanterie freien SMIjobe fefjlt 
eg aud) fjier nod). Mabierau§jug (Arrangement) rjeifjt eine urftorünglid) 
für anbere Qnftrumente ober ©ingftimnten gefdjriebene, hem Mabierfa| 
angepaßte ®ompofition. — 



3u ben 5luf ffttjett ber ©ef. Sdjriftett gehörige 3t&fdjnitte. 

5. 2tus: 3lus bm frittfdjen 33iic|ern ber Dambsßüttbler 
(3Iuff. 3. II). 

Sottölttutcn. 
3.* 

SRit ber Tonmalerei ift'g ein rounberlid) ®ing: Sie einen bergeffen 
über beut 5ßinfel bie t&aifye, bie anbern umgelerjrt. SBäre §err Jgeinrid) 
®orn (ber jetrt in fRiga lebenSlänglid) afö Somorganift angeftellt ift) 
nicfjt t)inlängltd) burd) früflre tüd)tige Arbeiten befannt, fo mürben roir 



* S3b. I, @. 14, ©djtujj beS Sluffa&eg. 
SftoSett ©Sumatras gef. ©Stiften. II. 14 



210 



% 5. SfaS: Srütfdse $Bitcf)er ber SaötbSMttbler (Stuff. 3. II). 



bunter biefem fogenannten SBlumenftraufj fabe beliebte IsHmgeleien er= 
toartet Ijabett, an benett (tote teiber in getoiffen Reiten fo oft) ba§ Söefte 
bie Sitelbignette bräre. ®em ift aber burcfjau§ niäjt fo. Slbgefefyen bom 
Sßert ober Untoert be§ 3Men§ mit £önen überhaupt tragen biefe lurjen 
abgeriffenen ©ä|e (e§ finb beren brei) ba§ ©epräge einer fct)Iagenben 
(Sfjarafteriftif. Überzeuge ficE) ber gefragte Sefer unb (Spieler fetbft 
babon. ^ 

Sfa. 1. La naroisse. Allegretto (33*bur y^Staft) beginnt mit einem 
gut erfunbenen, frifdjiräftigen Sijema, ba§, im Smfang f)in= unb t)er= 
iüogenb, enblid) ber !goi)t guftrebt unb bann toieber f)erabfinlt. @§ gefyt 
ganj gut fort bi§ gum feiten Seil. §ier fällt eine fpringenbe, gigur 
(obtt)of)I nictjt unjufammenfiängenb mit bem borigen) unbequem auf. ®ie 
folgenbe au§ bem erften %f)tma genommene Söetoegung (obtoofjl auf 
toeniger tonreidjen Snftrumenten bie SSäffe etoa§ unbeutlict) murmeln 
motten), ba% -mm "^oüe fieg fteigernbe ©refcenbo, bie gortiffimoftellen 
mit eingefcfjalteten panofeufsern bi§ §u ben feb,r gesagten Sprüngen 
— (man fetje nur 



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1) 



— afle§ reü)t ficb, fctjon cmemanber. ®er erfte s Jtbt)tt)inu3 madjt fidj 
toieber bemerltiä). §ier lommt eine ©teile, bie toir fdjarf in§ 9luge 
faxten: 




©enau betrachtet finb e§ meiter nichts afö erft bon oben unb bann bon 
unten umgangene ©ejtenalforbe, afö 



76 
3- 



56 



76 
3— 

S 



5 6 



ufw. 



■!ß. 5. Stu§: triitfdje S3ütf)er ber SSabibSMnbler (Stuff. 3. II;. 211 

SBir fragen, tt>a§ tcirb avS> bem e, bem d? unb inarum finb bie fe|ten 
§tt>ei Saite mit ber erftett ^eriobe nidjt lonform gearbeitet? ®ennod) 
Hingt bie ©teile naä) etn>a§ unb ttrirb ü)re (mir motten fie nid)t Begeiämen) 
£iebt)aber finben. äöoljl bem, ber bie fotgenben Regimen nidjt allein 
greifen, fonbem, mie ficb/3 gehört, aushalten fann, obmotj! bie €>ä)mierig= 
leiten (mie überhaupt burd)gängig) feinelmegS eingefdmeit finb, fon* 
bern au§ ber (3ad)e fetbft entfpringen. ®ie SiücHefjr nact) ber ©runbton» 
art (93*bur) ift übrigeng, biefe ©prunggriffe abgeregnet, einfach unb 
beutlicE), ber erfte Seil auf tjerfömmüctie SSeife transponiert. ©et)r iüotjl 
tönt bie neue Safjbegleitung in gehaltenen, tro|ig in bie Siefe manbeln» 
ben ®reibiertel=9foten heraus, gleid)fam ba§> naf)e @nbe borfjerfagenb. 
®as> ©anje enbigt mit einem Überfdjlagen ber rechten §anb über bie 
Knie nicfjt gang fo, mie man bermutet tjatte. 

Stfr. 2.. La Violette. Andantino (9t*bur 2 /V£aft) ufm. 

®ie§ mären im furgen, mie e§ ber Sftaum biefer SSIätter geftattet, 
unfere ungefähren SSemerlungen. Stuct) bürfen mir bem geehrten ^om= 
.boniften ba§ Zeugnis wdjt berfagen, bafj er fid) burd) älmlicfje ©tücfe 
balb gutritt in bie ©atonS berfdjaffen »erbe, b. I). in fotcrje, in benen 
man lieber f)ört al§.fbricrjt. 

®ie 2tu3gabe ift gut, ber ©tid) fcrjarf, ba§ Rapier Iobert§mert. Unter 
ben £)rudf erlern r)eben mir bie bebeutenbften berau§: @. 3, S. 9, Saft 4 
ftatt e, g. @. 11, S. 1, £. 5 x bor Ijf . @. 11, S. 13, S. 1 c ftatt t>. @. 12, 
S. 9, S. 4 eine Dftabe I)öf)er gu ftoielen. @. 13, S. 8, £.3 h ftatt b. Ru- 
bere finb mit Iraker äftübe Ieid)t §u berbeffern. IRotjr. 

guf a| b. 8teb. — ®er Site! be§ Befbrod)enen SSerB tjeifjt: H. Dorn, 
bouquet musical, Eecueil de pieces detachees p. Piano. Oeuv. 10. 6§ 
Bebarf mofjl laum ber 23emerfung, bafj mir üftr. 3 für eine gloreftanfdje 
^erfiflage auf bie Sfegenfion be§ @ufebiu§ galten 508 . 



14* 



212 9t 6- 9(u3: Sinfonie öott Sßerttoj (Stuf?. 14). 

6. 2Ius: Sinfonie oott Serlioj (2Iuff. 14). 
„9&t§ bem SeBen etne§ SHinftletS." 

«pijantaftifc&e Sinfonie in 5 Abteilungen oon §eöor 93etlio3 * 509 . 

1. 

Sttdjt mit müftem ©efdjret, tote unfre attbeutfdjen SJorfara-en, lafjt, 
un§ in bie ©djladjt gießen, fonbem tote bie„@bartaner unter luftigen 
flöten. groar ßraudjt ber, bem biefe geilen getotbmet finb, Seinen 
©cEjiXbtxäflet unb roirb hoffentlich btt§ Sßiberffnel be§ t)omerifä)en £>eftor, 
ber btö gerftöxte Sroja ber alten Beit enbtid) fiegenb fjinter fiä) ^etgte^t 
afö befangene, — aber toenn feine fünft ba§ ftamntenbe ©djinert ift, 
fo fei bie§ SSort bie bertoatjrenbe ©treibe. 

SBunberfam toar mix zumute, tttie id) ben erften Solid in bie ©in» 
fonie roarf. 9tt§ f inb fd)on legt' id) oft Sfotenftüde berfefjrt auf ba§ 
$uft, um midj (tote fbäter an ben im SBaffer umgeftürsten $aläfien 
$enebig§) an ben fonberßar berfdjtungenen Sftotengeßäuben %u ergö|en. 
®ie ©infonie fiefjt aufredjtftetjenb einer foldjen umgeftürjten SJlufii 
äbmlidj. ©obann fielen bem ©djreiber biefer geilen anbre ©genen au§ 
feiner frütjeften f inbfjeit ein, g. 25. at§ er ficE) um ©tocttmitternadjt, ioo 
fdjon alte§ im §aufe fdjtief, im Sraum unb mit oerfäjloffenen Slugen an 
fein atte§, fegt gerbrodjeneg f tabier gefdjlidjen unb Söforbe angefangen 
unb biet ba%u gemeint. Sßie man e§ itjm am borgen barauf erjäpe, 
fo erinnerte er ftct) nur eines feltfam Hingenben £raume§ unb bieler 
fremben Singe, bie er gehört unb gefeiten, unb er unterfdjteb beutlicrj 
brei mädjtige tarnen, einen im ©üben, einen im Dften unb ben le|ten 
im SBeften — $aganini, ©fjopin, SSerttoj. — SJltt mterfraft unb ©ämellig- 
Jett matten fid) bie beiben erften Sßfofc; fie Ratten teidjter ©biet, ba fie 
in ü)rer Sßerfon ®id)ter unb ©djaufbieler jufammen bereinten. SJlit 
bem Drdjefterbirtuofen SSerlioj toirb e§ fernerer Ratten unb Wärtern 
f ambf geben, aber bielteidjt audj bollere ©iegeSfränje. Safst un§ ben 
lugenblid ber (gntfdjeibung befdjteunigen! ®ie Seiten fließen immer 
unb etoig: bem Urteile ber fünftigen fei e§ üßerlaffen, ob bor- ober 
rüctoärt§, oß gut ober übet. ®a§ leitete mit 33eftimmtt)eit bon unferer 
©egenttart borau§jufagen t)at inbeS für mid) nod) niemanb bermod)t. 

9fod)bem id) bie Serlioäfdje ©infonie unjä^ligemal burdjgegangen, 
erft berbtüfft, bann entfe|t unb anlegt erftaunenb unb benmnbernb, »erbe 

* 33b. I, ©. 69, Slnfcmg be3 Stuffa|e§. 



9t 6. ■äuS: Sinfonie bon SSerlioj (Stuff. 14). 213 

iä) e§ berfuäjen, fie mit lurgen Striaen naä]su§eiä)nen. SBte idj ben 
tomponiften fennen gelernt r)abe, roiH tdj ü)n barftelfen, in feinen 
S^roMien unb SAtgenben, in feiner ©emeinfjeit unb ©etjie§r)or)eit, 
in feinem gerftörungSingrimm unb in feiner Siebe. ®erat iä) toeifj, 
baf$ ba§, roa§ er gegeben t)at, lein Shmfttoerf §u nennen ift, ebenforoenig 
roie bie grofje 9fatur otjne SSereblung buräj 9Jcenfä)enf)anb, ebenforoenig 
roie bie Seibenfcrjaft otjne ben Qügel ber tjörjera moralifäjen traft. 

SBenn fict) beim alten §arjbn ©b>rafter unb Talent, Religion unb 
tunft gleidjmäfng berebelten, roenn bei äJcojart bie ibealtfctje Jftmft» 
natur ficE) felbftänbig neben feinem finnticfcjen SJtenfdjen entfaltete, roenn 
bei anbem ®iä)tergetftem ber äufjere SebenSroanbel unb bie lünftlerifcEje 
^robuftion fogar eine böHig entgegengefe|te 3fliäjtung nahmen (roie 
l. 23. bei bem au§fcb>eifenben ®ic£)tet £>eibenreitf), ber ba% beräefjrenbfte 
©ebictjt gegen bie SBolIuft fäjrieb), fo getjört Serliog mef/c p ben 23eetb> 
benföjen ©b>ralteren, beren tunftbitbung mit i^rer Seüerßgefäjitfjte 
genau §ufammenpngt, roo mit jebem beränberten Moment in biefer ein 
anberer Stugenblid in jener auf* unb niebergetjt. ., SSie eine SaofoonS* 
fäjlange tjaftet bie SJhtftI SSerlioj an ben Sohlen, er fann leinen Schritt 
ob>e fie forttommen;.fo roä%t er ficE) mit irjr im. ©taube, fo trinft fie mit 
ü)tn bon ber Sonne; fetbft roenn er fie megroürfe, mürbe er e§ noct) mufi* 
fatifdj augfbrectjen muffen, unb ftirbt er, fo töft fidfj bießeiäj't fein (Seift 
in jene SDlufil auf, bie roir fo oft in ber IßanS* ober 3Jlittag§ftunbe am 
fernen §origonte r)erumfcr)roetfen t)ören. 

©otct) ein mufifalifäjer 3Ketifc6), !aum neungefjn garjre alt, fran* 
Söfiftfjen S3Iut§, ftro|enb bolt traft, überbieS im Lavapi mit ber Qufunft 
unb bielleicrjt mit anbern heftigen Seibenfcfjaften, roirb §um erftenmal 
bom ©ott ber Siebe gefaxt, aber nidjt bon jener fc£)ücf)ternen (Smbfin* 
bung, bie fiä) am liebften bem SJlonbe bertraut, fonbern bon ber bunleln 
©tut, bie man nadjt§ au§ bem Stna h>rborf plagen fier)t .... ®a fierjt 
er fie. $crj benle mir bie§ roeiblidje SBefen roie. ben £aubtgebanfen ber 
ganzen Sinfonie, blafs, liüenfcfjianf, berfcrjleiert, frilt, beinahe iatt; — — 
— aber ba§> SSort get)t föjläfrig, unb feine Söne brennen bi§ in§ (Singe* 
roeibe, — lefet e§ in ber Sinfonie felbft, roie er ü)r entgegenftürjt unb fie 
mit alten (Seelenarmen umfctjlingen roilt, unb roie er atemur prücl* 
bebt bor ber falte ber23ritin 510 , unb roie er roieber bemütig ben Saum 
if)rer Sd)lef)pe tragen unb lüffen möchte unb fiä) bann fto% aufrichtet 
unb Siebe forbert, roeit er — fie fo ungeheuer liebt; — lefet e§ naä), 
mit Blutstropfen ftetjt bie§ altes im erften Sa|e gefäjrieben. 



214 5ß- 6. 2fo§: ©infonie bon SBerüoa (Stuff. 14). 

SSofjl ktm bie erfte Siebe au3 einem geigling einen gelbfierrn machen, 
aber „einem £ero§ fdjabet eine £eroine fer)t" ftet)i im Sean $aut. Über 
fur§ nnb lang werfen feurige Jünglinge, beren Siebe unerroibert bleibt, 
ben innern «ßfoto über ben Raufen nnb opfern garjltog auf epifuräifcfien " 
Satären. Stber SSerlioj ift feine ®on guan^atur. SDWt @Ia§augen 
fttjt er unter ben teuften ©efellen, mit iebem föringenben (Sfjampagner* 
ftötfel bringt inftenbig eine (Saite! ®ie alte geliebte, ©eftalt tcäcEjft 
ü)m, roie bei gieberfranfen, überall au§ ber SBanb entgegen unb legt 
fidj beflemmenb über ba$ §e% unb er ftöfjt fie fort, unb eine tont 
lacfjenbe ®irne mirft fict) ifjm in ben @c£)of$ unb fragt, roa§ iftm fet)Xe. 

©eniu§ ber fünft, ba retteft bu beinen Siebling, unb er berftet)t ba§ 
pcfenbe Säcgetn um beine Stippen gar tootjl. 38elct)e SQfhtfil. im brüten 
@a|! ®iefe Snnigleit, biefe.töeue, biefe ©tut! ®a§ 23ilb be§ StüfatmenS 
ber 9fatur nadj einem ©etoitter ift ein oft gebrauchtet; aber icf) teufte 
lein fcrjönereS unb paffenbereg. ®ie Schöpfung gittert noctj bon ber 
§immeföumarmung unb tauet über au§ taufenb SCugen, unb bie furcb> 
famen SSiumen ersten ftd) bon bem fremben ©aft, ber fid) ptoeilen 
bonnernb umfielt. 

Unb rüer roar bie ©teile, teo einer, ber ficb, ben Stauen eine§ „fünft* 
ler§" üerbienen rooltte, abgefct)Ioff en unb ben ©ieg ber fünft über baZ 
Seben gefeiert tjätte. Stber fie, aber fie! Saffo fam barüber in ba§ 
Qrrenr)au§. Stber in 23erlü>5 roatfit bie alte $ernid)tung§ft>ut boppelt 
auf, unb er fdpgt mit roabren Sitanenfauften um fict), unb roie er fid) 
ben 33eft| ber ©eliebten lünftlid) borffnegeft unb bie Slutomatenfigur 
-Jjeifj umarmt, fo Hämmert fid) aud) bie 3JlufiI t)äpd> unb gemein um 
feine Sräume unb um ben üerfucgten ©elbftmorb. ®ie ©locfen läuten 
bap, unb ©erippe fielen auf ber Drgel %um §od)äeit§tan§ auf... 
§ier roenbet ficE) ber @eniu§ roeinenb bon ü)m. 

Qft mir'§ aber bod), aU bort' id) aud) in biefem @a|e manchmal, 

aber furchtbar leife, Slnflänge au§ jenem ©ebidjt bon grang bon ©onnen* 

berg 510a , beffen ©runbton ber ber gangen Sinfonie ift: 

Sit Bift'S! — unb Bift ba3 glüf)enb erfefyttte §er§, 
Surd) ftumme äJtittemädjte fo fjeifj erfeljnf 



®u Bift'S, bie eittft füfjfdjauernb am S3ufen mir 
Qn langem Xiefberftummen, in BeBenben 
©eBrodnten 2ld)'3, Bertoirrt, mit Ijotbem 
^ungfraunerröten tn§ §erj mir Kföett: 



9f. 6. Stug: Sinfonie Bon SBerlioj (Stuf f. 14). 215 

„$c6, Bin bog Sldj, bog. ewig bie 33ru[t bir eng 
„gufommentrompft' unb wieber sunt SSeltraum IjoB." 



„Sein erfter ©eufeer rief fd&on unwiffenb midj: 
„Sit jeber Wilb auflobernben Stebacfjtgglut 
„SSar idj'g in bir, bem bu bie giänbe 
„gfatteteft — — — ___« 

„gn offem idj, Wonacfi, bu im SeBen nur 

„33et Ijoljer 33ruft bie Strm' augeinanber Worfft." 



©u warft, bu Bift bog grofje UnnennBare, 
SSonaü) in ©ötterftunben mein §erj ficfj ^eBt, 
©idj IjeBt, o Wenn bie gan^e SWenfdjtjeit 
Sin midi) ju brücfen idj wottuftBeBe. 

(Sinanber f offen! — jweite UnfterBKdjleit ! 
®eg 3Sonnefd)auerg aller 9Jotur in mir! 
®eg StugeuBIicteg, §erlla, Wenn Wir 
gitternb unb ftumm nun einanber f offen! 

gtoreftan. 



SDWt Stufntertfamfeit ^ab' idj bie äöorte gloreftang über bie @in= 
fonie unb biefe fetbft burd)getefen, toa§ fag' idj, bi§ auf bie Iteinfte 9fote 
unterfudjt. 3)od) büntt mir, ber id) übrigeng jenem erften Urteile jiem* 
fidj burdjaug beipflichte, baf; biefe pfüdjologifdje Sfct toott tritifdjer S8e* 
i)anblung bei bem SSerle eine3 nur bem Tanten nad> belannten üom= 
Jioniften, über ben nod) bap bie itriberftiredjenbften Meinungen au§= 
geffnodjen würben, ntdjt böffig ausreicht, unb bafj jene§ für S3erIio§ 
günftig ftimmenbe Urteil burdj atterrjanb gmeifel, bie btö gänjlidie 
Übergeben ber eigentlichen muftfatifdjen fotupofition erregen mödjte, 
teidjt berbädjtigt »erben Hmnte. 

©eb/ idj nun gar toof)I ein, tote ein metjr afö altein poetifdjer topf 
bap getjM, biefem merftoürbigen Söerle fdjon jefet feine richtige ©teile 
in ber Shmftgefdjidjte anpmeifen, — b. t). ein Sftann, ber nidjt altein 
^ilofofrfjifd) gebilbeter SKufiter, fonbern ein öertrauter tenner fetbft 
ber ©efdjidjte ber anbern fünfte, ber über bie SSebeutfamleit unb $er* 
iettung u)rer ©rfdjemüngen unb ben Steffinn ü)rer $otge nadjgebadjt, — 
fr> mödjten and) bie SSorte eines SJlufifetö angehört »erben, ber, toenn 



216 9t. 6. Stu§: ©inf. ö. Serltog (Stuf). 14). — 9t. 7. SIuS: tiirj. u. 3Jß)atf. (Muff. 20), 

ex aud) afö einzelner probuftto bie 3üd)tung ber neuen (Generation ber» 
folgt unb, wa§ §ofje§ in üjt liegt, mit £eib unb Seele berteibigt, fid) ba= 
burd) nid)t abgalten lafjen totrb, im 2tngefid)t be§ ©efe|e§ ben ©tab 
über ba§ §aitpt feine§ Siebling§ %u bredjen, bem er unter bier 9Iugen biet* 
kicfjt gern behielte. gxetücE) finb bieSmat metjr £orbeeren ju bred)en 
afö Stäbe*. _^____ 

7. 2tus: M^etes unb Sffljapfobtfdjes für ^3tanofotte 
(Stuff. 20)**. 

SSei ben Eeveries befinb' id) mid) in einer 23ertegent)eit wegen mei- 
ner frühem 9*esenfion über £iuer§ (Stuben. ®ort nämlid) förad) id) e§ 
uod) gar nidjt fo benimmt au§, für wa§ id) fein latent, foweit eS mir 
befannt, im ©runb gehalten ^aU, b. i. für bie geifireid)fie SSerftellung 
unb £>eud)etei, bie fid) je hinter 2öne öerfteett; id) ftimmte fogar gtoreftan 
bei, ber einmal meinte, bafs fcerj, t)ätte er fo biet wie pter ftubiert, 
üietleid)t ba§felbe geteiftet tjaben würbe. ®enn e§ fehlte mir immer 
ba§ lefcte baran, für baS id) fo eigentlich gar leinen tarnen finben lann: 
id)betaftete, id)b,örte, füpe, fat) alte§ bor mir, alle geiftigen Gräfte waren 
in Stnforudj genommen, nur nidjt jener tmtftiaKfdje ©eelennerb, ben er 
fo oft rühren möd)te. Sie lefcte biefer «Reberien beftimmt mid), ü)n für 
meinen Serbaäjt teilweife um SSergeitiung ju bitten; id) fetje in tf)r fo 
bielS3al)ri)eit unb äßirftiäjfeit, unb nod) baju ert)i>t)te, ibealifierte, baf3 wir 
un§ ju fünftigen, biefer Seiftung an @infadjt)eit unb Offenheit StjnKdjen 
Sompofitionen aufrichtig ©lue! wünfd)en wollen. Rubere SSorjüge biefer 
3teberien erwähne id) gar nidjt, ba fie febem bon felbft entgegenbringen 
werben, unb ift aud) ber (gmftojj ber ©l)ofnnfd)en Umgebung tjier unb 
ba nidjt %u berlennen, fo bleibt bie ©adje intereffant unb geiftreid) unb 
ber befonbern Stufmerffamleit alier Sd)üter ju empfehlen 5 ^. 

Über bie folgenbeu «ßapittonS. ufw. barf id) ber 23lut3berwanbtfd)aft 
be§ ß om|)oniften mit ber geitfdjrift falber nid)t§ fagen, aß baf? fie ba finb 
unb SKenf ä)en fud)en wie ®iogene§. SBir berweifen ban!bar auf ba§, tva$ 
bie »SUigemeine 3RufiIaüfd)e gedung«, ©ottfrieb SSeber inber »ßäcitia«, 
ber » Sßiener feiger «, Sftettfrab in ber » 3ri§ «, bie erftern met)r ober min» 
ber übereinftimmenb, ber le|tere berwerfenb barüber geurteilt fjaben"" 

* gortfe|ung: Sluff. 14 b. gef. ©Triften, 33b. I, ©. 69. 
** 58b. I, ©. 110, o. Sor: fehler, Smprompti«. 



512 



3i. 8. StoS: trttijctie Utnfdjau (Stoff. 30. II). 217 

8. 2Ius: ftrtttfdje ■ Utnfdjau (2Iuf[. 30). 
Sponserte für ^iattoforte mtb Ördjefter. 

Ä. fiafeff, ÄoTiäertmo mit Seglettung oon 3toet 93tolmen, SBtotoncello, 
Äontrabafe unb glöte. SBeri 10*. 

(S§ if± eine ©rfaljrung, bafj toir ba§, toa§ niäjt unfere§ 3Imte§ unb 
gacE)e§, meiften§ mit einer grifdje unb Suft Betreiben, bon ber bie Seute 
bon ^rofeffion gar nidjt§ ttriffen, unb ber Dilettantismus f)at fidj oft 
mit biefen SSorten gegen bie Sünftter getoaffnet. ÜRoct) et)er nun, afö 
icr/S toufjte, tiermutete tdj, bafj unfer üon§ertino bon einem Dilettanten 
gefdjrieben fein müfjte unb gtuar bon einem fo talentbolten, ber 2tn= 
ftirüdje bes> „Anch'io" matten iönnte, - berjtdjtete er nidjt augenblictticf) 
freitoiltig auf ben 9M)tn, etlnaS gu fein, toa§ er nur fdjeint. SSon ben 
fdjmergbollen Sßeljen mancher SMnftler lennt er leine, aber fetbft ein 
bebeutenberer !önnte laum leichter unb fröljlicEjer fdjaffen tote er. ^m 
tiielfadjen S3er!et)r mit ben beften bilbeten fidj feine Anlagen, tiielleidjt 
unbewußt, IjerauS, unb fo lernte er fixeres SSenefjmen, getoätjlten 9ln§= 
brucf, Son. Driginalibeen t)at er leine, aber toettmännifäjen S31i<J unb 
@eift genug, %umbeS auf juf äffen unb in eigener SBeife toieber jugeben; 
ba§u toill er gar nicEjt aU gelehrt unb tieffinnig glänzen, unb toanbelte 
ifpt |a bie Suft an, fo toürbe er bon felbft innehalten unb ba§ ©eftirädj 
auf bie Dinge bringen, bie er tierfteljt. SDWt einem SBort ift er mir lieber 
afö bie manchen SKinftler, bie über fein Sondert, tiomeljm toegfeljn. 

Sondert aber muffen nur e§ beSfjalb ^ei^en, toeil e§ au§ brei burä) 
2Ibfämitte getrennten ©ä£en befielt; finb biefe eben fur§, fo befugen fie 
einen SSorjug met)r, ja e3 fcfietnt mir biefe ©eftalt biet fünftlerifdjer al§ 
bie getoßlmlicfje ber SSon§ertino§, toelcfje au§ üerfd)iebenen ineinanber 
übergeljenben ©tücfen in toecfyfelnbem .geitmafje §ufammengefet}t finb 
unb nteiftenS ein äftl)etif(J)e3 SJJaU)eur abgeben, ober ift e§ ettoaS anbereS, 
toenn naö) bem ©äjtufj eines MegroS ein ferner $aufentoirbel anfängt, 
barauf ein Iangtoeilige§ Stnbante unb nadj) eubtofen 9ütarbanbo3 eine 
^ßolonafe! — Um totebiet beffer gelingt e§ unferm Dilettanten, ber lieber 
3 Heine, aber aufgeführte Silber gibt, ftatt eines! großen, too überall bie 
SKaljt berborfiebt. — Dafj bei foldjer ®ebrängtb,eit ber !>Dtttteifa|, toorin 
im größeren fonjerte bie meifte Sorgfalt gelegt, toegbteiben muffte 
unb Ijier burtfi ein fleineS Sutti tiertreten ttrirb, ift ganj natürlich, toie 
e§ gemacht ift, gut unb fogar pr Sfoäjacrjtung empfohlen. 

* S3b. I, @. 149, ttt. S3or: ®öf)Ier, fo^ert. 



218 9J. 8. Stu§: fritijdje Umfäau (Stuft. 80. II). 

©ntftmdjt biefe§ axtige SJcufifßücf alfo in ben £>guötfaä)en ber inneren 
unb äufjeren SSebingungen felbft ßrengeren Stnförüdjen, fo bemadpffigt 
e§ auä) bie Sfebenfaäjen feine3roeg§. SSon ben naiben Harmonien, mit 
benen un§ SDilettanten oft überrafdjen, finben mir feine ©pur; bie meto* 
bifäjen Süßten ftetjen gefämtacfboit am .baffenben Orte, bie ^affagen 
Rinnen fiä) rafä) unb runb ab, unb ba§ Heine Dräjeßer greift beba'äjtig 
unb oft intereffant ein. ®ur§, beim beften SBiflen tarn man bem ®om= 
toonißen niäjt§ antjaben, atö bafj er nur um bie Shmft rjerumflattert, bie 
er mit allen @eiße§Mften umfaffen fjätte muffen. — 

SSenn roir fäjliepä) auf ben tarnen ber Süettantin, ber baZ Son* 
gert zugeeignet iß, aufmerlfam maäjen, fo gefäjiefß e§ au§ bem ftoteten» 
ben ©runbe, ben man leiäß erraten roirb. — 

g. $iller, Äott3ert (&moll). 3BerI 5*. 

§itler§ berroitMten ©fjaralter rjaben roir fäjon bei äSefüredjung 
feiner ©tüben, eine§ jebenfalfö fbäter atö ba$ obige gefäjriebenen 2Ber!§ 
§u fänlbern gefugt. S^ocE) rjeute möäßen roir lein SBort bon bamalZ 
miffen; biefelben ®ebred)en, biefelben SSorjüge, angeborene roie er* 
roorbene, bie mir bort naäjjeigten, finben roir auä) in biefet jüngeren 
Arbeit — roomögüäj nur nocfj unflarer unb roirrer buräieinanber. äöatjr* 
rjaftig, roir füräjten, fein Sulent roirb nie ju einer natürliäjen ©ntroiäe* 
lung gelangen; er fjat ju früfj in fiä) rjineingeßört, um alle§ roiebergut* 
maäjen §u lönnen. S3ielleiä)t reut e§ ibn jettf felbft, bafc er bie§ Sftmjert 
beröffentliäjt, ineläjeg, rote e§ aHerbing§ auä) ©touren eine§ füfmen ©eiße§ 
an fiä) trägt, ba§ forcierte ber grüfjgeburt nirgenb§ berleugnen lann, 
— bielleidjt fümmert e§ Um auä) nidjt, fonft fjätte er ja fbäter burä) 
bie Zat beroeifen !önnen, bafj er bon feiner geroaltfamen 3trt, fiä) 
berühmt §u magert, gurüägefommen fei. — S UTl e fomponißen 
muffen roir aber bor biefem „Keinen SSeetfjoüen", roie ibn ipeine 
ironifä) genug genannt, gang befonber§ roarnen. Qß e§ auä) nidjt bent* 
bar, bafj Ritter jemaß eine größere Partei für fiä) geroinnen roirb, ba ü)m, 
um eine innigere greunbfäjaft ju fdjttefcen, gerabe bie ^aubtfadje feijft, 
ba$ ©ernüt, fo roeif} er un§ boä) mit alterbanb rounberlidjen @efct)ic£)tert 
gu unterhalten, roeläje Unerfahrene leiäjt für Söar)rl)ett nehmen unb gut 
ober fä)leä)t roeiterer§ät)Ien mödjten. Unb roie un§ im Seben mandje 
äJfenfdjen burä) ü)re ©onberbarleiten, felbft ©c£)roffbeiten unb Unarten 



S3b. I, ©. 150, it. »or: §artJnodE), Äonjert.. 



ps- 



St 8. SluS: Äritif^e ttmfcfiau (Stuff. 30. II). 219 

eine Seitlang intereffieren lönnen, fo auä) in ber ®unft; man gewöhnt 
\xä) enbüdj baran unb fc^Ienbert wohlgemut Stat in Slrm eine ©trecfe 
mit Ümen, bi§ man pm ©IM auf einen Vernünftigen trifft, ber un§ bie 
Singen öffnet unb bie ©efatjr geigt. Sßerfäunte man jebocb, bzSt)a\h feinet 
weg§, bie Söetanntfcrjaft ber tonttoofttionen £iller§ p machen, unb neunte 
nur, um %um Urteile p lommen, barauf pr regten Seit etwas aner* 
!annt @efunbe§, ©olbgebiegeneS (wie bon S3eetl)oben ober SfRenbefö» 
fot)n) pr §anb, unb wer bann nodj pieifelt, b>t freilief) feinen Stbfctjieb 
bon ber ®unft fo gut wie in ber Safere. 

Um nun etwas über ba§ Bongert felbft p fagen, fo fällt bor allem 
unb nodj meljr afö in feinen (Stuben, Wo er ftä) fjinter giguren berfteden 
tonnte, bie Statut an JSantüene auf. 6§ gibt ein Sßürfelfbiel, naä) bem 
man ftdj SSatger unb Strien p S)u|enben pfammenfe|en lann; fie Min» 
gen auet) wofjl äufjerlicr), aber leblos pm (Sterben. 35te §i!lerfcE)en @e= 
fangftellen erinnern mtet) beiläufig baran. ©r Wirb e§ gewifj am beften 
Wiffen, tute ü)m ©teilen Wie ©. 3, ©tift. 4, £, 2 unb ff., @. 4, ©tjft. 4, X. 2 
unb ff., @. 5, @t)ft. 4, 2. 3 unb ff., @. 8, X. 2 unb ff., ba$ gange Slbagio 
ufw. fauer geworben; Wir würben Ü)m auä) gerne ben Mangel an ber 
©öttergabe be§ ©efange§ nactjfe'tm, wenn er fie nur nidjt affeltieren 
wollte, «^»iexgu lömmt noef), bafj er, wa§ ü)m bei feinen Senntniffen gar 
nidjt fcE)ttJer fallen tonnte, feine SMobienleere nietjt einmal buret; bie 
Harmonie irgenb p t)eben fuetjt. SJlit einem geberftrict)e waren fo fäkale 
S3äffe Wie g. S3. ©. 3, ©tjft. 5, @. 5, ©oft. 5 p 6, fo wiberwärtige S3er* 
boübelungen Wie ©.3, X.l (fonberbarerweife biefelbe £erg ©, bie Wir 
bei ben (Stuben rügten) wegpbringen ober p beffern. SSarum fcfjreibt er 
aber fdjledjter, afö er !ann? SBarum fragt er ntctjt anbere, wenn er feinem 
£>l)xe nicfjt met)r traut? Peifter !önnen wir nidjt alle fein, aber mufilalifet) 
unb äJhtfiter, baZ wirb berlangt. 

SBie gefagt, e§ ift traurig, wie neben fo bielem Wirllicr) ©eiftbollen 
unb einzelnem 3feigenben in biefem ^ongerte fo biel %abt$ unb §äpcrje§ 
ftet)t; leine SRinute Ijält er au§, leine t)atbe,@eite bleibt er ftcE) gleiä); 
wo man au§rul)en will, ftöfjt er ah, wo er fortreiten follte, tritt er einem 
entgegen, unb fo gef)t e§ bi§ pm ©crjlufj, wo man berbriefjlict) wie naä) 
einer burö)f erwärmten Stockt aufwart unb nur ba§ eingige tröftet, ba% 
e§ laum fä)Iimmer lommen lann. SBenn Wir aber fdjliepd) auf bie 
trefflichen (Singelt)eiten, Wie auf ba§ fet)r garte, grapife £f)ema be§ 9ton* 
bo§, in ba§ er immer fo glücflict) einlenlt, auf ben ^ausgebauten be3 
erften ©a|e§, wenn er auä) etwa§ fonberbar auftritt, wie auf ba§ 



220 3f. 8. SlitS: trttifcfje Utnfd&cm "(Stuff. 30. III). 

begleitenbe Drdjefter aufmerffam machen, fo erfudjen mir gugteid) alle, 
bie fid) für biefcn iünfiler intereffieren, ba§ Sondert felbft nadjtefen 
unb unfer Urteil mit bem irrigen bergteidjen %u toollen. 

Ober ein foeben erfdjieneneS £rio bon 3. geüj ®obrättn§ti* 
tann ic6> leiber nidjt fo au§füt)rlidj fbredjen, afö ba§ SBerl berbient, ba 
man fid) nadj bem bloßen mitkamen SSergleidjen ber bertoicfeiten. 
(Stimmen tt>ol)t über bie §aubtfadjen, aber ttic£)t über iljre SSerbinbung 
ein Urteil gutrauen barf; auf ba§ ungemiffe einer 21uffüt)rung l)in aber 
toollte idj, einmal bon ben. neuen £rio§ fpredjenb, am menigften biefe§ 
übergeben, ba3 fidjertidj überall glei|, i?raft unb Siebe §ur SSunft berrät. 

©§ ift bem efirtüürbigen Rummel getnibmet unb erinnert biet an 
beffen (Stil. Serne ber junge üünftler bor allem bag äußere SRajj treffen; 
ba§ £rio, um ein drittel fürger, muffte energifdjer roir!en,.toäl)renb in 
ber borliegenben ©eftalt baZ »ärmere gntereffe, ba& fdjon erregt toar, 
oft toieber erialtet. SSSie biele junge üomboniften, bie e§ etjrlid) meinen, 
befaßt er fid) nod) gubiel mit Sfebeubingen, arbeitet er %n ängfitid), fudjt 
er eine fleinlidje gigur eingufdjieben, too e§ nur gelten ttritl, u. bgl. Stttrant 
man berlei nad) SSoItenbung ber ganzen Arbeit bor, fo läfjt fid) ba bietet 
pm SSortetl beränbern. ©rubelt ber Sombonift aber beim erften ©rgufj 
jubiel an SHeinigteiten, fo roirb ba§ allen Stuffdjttmng Ijemmen. 28o 
freitiä) finbet man ben, atö in ben feltenften SMfterroerfen; inbe§ lä^t 
fidj tt>enigften§ toarnen, bafc man fid) nidjt mit eigner §anb an bie 
(Srbe feftfdjmiebe. gmmerlnn fei ba§ £rio in ©jren gehalten unb ber 
tomponift gebeten, feinen fidjern SBeg orme Seitenblid fortzugeben. 

äßeldjem bon ben bier (Sagen ein SSorrang . gebühre, entfdjeibe id) 
nidjt; fie galten fid) btelleidjt auf gteidjerßinie, obwohl mid) am meiften 
ba§ ©djergo unb glnar feiner Mx%t falber angietjt. ®er ©ebaüfe, ber 
ba§ £rio anfängt, marfiert fiel), oljne inbe§ fdjön gu fein. SSom ©djluf? 
be§ 5. St)ftem§ an ttmnfdjte id), bafs, otjne baZ matte ©=bur ju berütiren, 
gleid) in baZ angenehme Söjema in (Rmr Ijin mobuliert Wäre, jenem 
"Sfytma felbft aber anbere SSäffe, bie mir übertäubt nod) nidjt frei unb 
lebenbig genug einljerfdjreiten. $m jtoeiten Safte biefeS @ebanlen§ 
nämlidj roürbe (5 beffer liegen bleiben unb jum erften falben bie Qn* 
terballe i , §um anbern tjalben bie Qnterballe 4 ebler Hingen. SMnblid) 

* S9b. I, ©. 174, 0. m$ „teueres manchmal". 



5R. 8. StitS: Ärütfiije Itotfdjau (Stoff. 30. III;. 221 

läfjt fic6> über berartige§ biet f^ted^en, too§ gebrutft langweilig für ben 
Sefer werben müfjte. Sittig ift, ba$ btö 9fonbo ba§felbe %fytma in © in. 
anbetet, Kittetet ©eftalt ttuebetbolt. ®ie brillanten ©teilen ergeben ftd) 
niä)t über gett)öt)nlid)e £Iabier,baffagen; auä) luer futfje ber SSerfaffer beffer 
ju ioätjlen unb mefjr %u fingen. ®en ©crjlufj be§ erften @a|e§ münfdjte id) 
butdjauS in 3MI; bie anbete 2Itt ift bie bet Stnfänger, aber feiten an ber 
rechten ©teile unb gettrifj audj) p berbraudjt. 23om ©d^erjo in SknoII 
f^tracE) iä) fä)on; fein Anfang erinnert in ber ©efüfjföteeife an ba§ bon 
©joptn im %x\o in @»moII, bal freilief) unenbliä) tiefer ^erauggeljolt ift. 

®a§ 2Ibagio, mit bem Seifais „Fantastico", mufj matt boren, toe§I)aIb 
ict) miä) be§ Urteifö begebe. ®er f labierfbieler mag feine taufenb fieinen 
9foten nur fo leictjt unb fo leife toie möglieb, t)int)auc(jen; fonft toirb eine 
unfelige Srillerei barau§ toerben. 2)a3 9fonbo fiet)t unb ift gang ttue ein 
§ummelfct)e§, ber S>ättelfa| unb ba§ £>intt>enben auf einem 9fat)ebaf3 in 
ba$ £t)ema borsügliii) gut, ber ©clilufs ebel unb berut)igenb abfctjliefjenb. 

©omit fei ber junge Sünftler empfohlen. 

3. g$. ^Pists, £rio für Pano, SStoIme unb 33ioIonceIIo in Entölt*. 
Ober ba% neue £rio bon $i£t§, ber in berfelben gufammeufieltung 
eine feiner glücKictjfien Sombofitionen, ba§ in §=moII, geliefert, rann iä) 
niä)t fo au§fiu)rliä) urteilen, ba iä) e§ nict)t bon ben Driginalinftrumenten 
gehört unb mit einem SSe&nnten miferabel genug mir .auf bem Slabiet 
pfammenfud)te, bat)et iä) gleiä) gefiele, ba% iä) moI)I bie einzelnen @ä|e, 
aber nidjt im geringften ttjten .gufammenb/ang betftefje. Dber follte e§ 
ber ®omponift in berfäjiebeuen Seiten gefäjrieben b^aben, toie e§ mit 
be§©tüctoeifen mancher ^erioben toegen fc^eint? Dber fudjte iä) ötelleicEjt 
metjr, afö ber tomponift felbft hineingelegt Ijaben toill. gm brüten @a|e 
überrafäjt einen nämliä) bie ÜBerfcEjrift: „©jene au§ ber Dper »23ibiana« 
bon 3. 5ß. p£i§." S8er bie Dper lennt, toirb bielleiä)t ba§ bramattfct)e 
33anb, ba§> alle Seile in einem £rto äufammentjalten foll, eljer b^etau§= 
finben; toet abet nidjt, ttirb \iä) über ba§ unerwartete 9Inbante in (R>ur, 
btö ganj fremb gtoifcEjen einem @a| au§ @=moII unb einem au§ ©»rnoll 
ftebt unb meber borget noct) na^et rl)t)tl)mif(ii ober melobifc^ angebeutet 
totrb, nur betuiunbetn muffen. ®aju futjtt baZ «Ronbo ben 33eifa| „ttn= 
garifd)". gft Sibiaua ein SigeunermäbiJjen, ba§ bom Sorben aaact) bem 
©üben betfdjlagen mitb? Sutj, iä) füt)Ie ben bramatifä)en gaben niä)t 
b,erau§ unb toünfdite boc^ einen barin. ®al)er nur über bie einzelnen 

* »b. I, <B. 178, u. Waty: „Harmonie loBen". 



222 91- 8. Stug: Äritifdje Utrtfdjau (3tuff. 30. V). 

©äfce, bafe-fte an ficb, geiftöoll, fefjx d)araIteriftif^bonemanbex abt»eid)en, 
mit abet Bei weitem ni<f)t fo au§ bem ®u|3 öollenbet fdjeinen, aß e§ §. SB. 
ba§ Sxio in frwoH ift. $ex erfte @a| fjäft ficE), bietleic^t fjie unb J>a mit 
einiger 3Mu>, auf ber £>ßf)e be§ 2tnfang3, bei öoxttefflid), me^x lodert* 
unb finfonieartig ift, baJjer ba§ jroeite Stjema ettoa§ matt unb gemalt 
abfliegt; aucb, erwartete man fcrjon bortjer nacb, ben Hugen, fxagenben 
Dftabenfbrüngen bex ©aiteninftrumente ließer eine bebeutenbe 9tnt-, 
»ort, einen beftimmten (gebauten, aß eine tlabierfmffage. gm übrigen 
ift bei <3a£ retäj an fleinen «ßttanterien unb in bex Sötitte, roenn aucb/ 
tridjt fdjt funftreiä), bocf) gtänjenb geinebt. ®a§ ©crjergo roecfjfeft leb« 
fjaft im 8ft>ei* unb ©xeitalt; taxä) üjm »ftnfdjte id) einen angemeffenen 
©egenfafc; fo axtig unb ftfjön ba$ ®-mo«, fo geroötinlicf; btö ©*bur. 
Sßon bex bramatifäjen @§ene fagte iä). bereiß, baf? id) fie nidjt ju beuten 
itmftte. $a§ Sfonbo ift fet)t nett unb fliegt rafd) borüber. ®a§ @-but J . 
»ritt mix abet nitfjt au§ bem Dt)x unb Hingt gxeutid) in ba§ S-moIl t)inein 
— barjer §um brillanten ©djtuft in 6»bux ©. 23. 

§. 5)obt3t)nsIi, Fantaisie quasi fugue, sur un Mazurka favori (D-maj.) 
[für pcmoforte]. - Oeuv.10. - [3 SRotturnos, SB. 21.]* 
©exfelbe Somtoonifi, bex einen Seil an bex SBieuex ©infonie^xeiS- 
aufgäbe gewonnen, ©age man übeiljaubt gegen ifbtftterifdje SBctt- 
fämbfe, roa§ man roolte, fo ftooxnen fie ftdjer, namentlich) fdjfidjterne 
Talente, pr 2txbeit an, unb bex ©ebante an ben £ xanj belebt tüorjl and) 
einen altern SKeiftei. SBiebiel f^atte biefex junge tünfilei nocb, fdjteiben 
muffen, efje fein Stone, beffen SSexbxeitung ot)nebie§ fo f)arte ffionfo- 
nanteu entgegenftef)en, über feine £eimat b.inauSgebrungen. 3to|e er 
nur ben gliicfftdjen Steffel, b. I). bringe er lauter (gdjteä unb SRecbieS; ber 
Stugenbticf ift foftbax unb entfctjeibenb. Ob aber fein latent neben fo 
bieten SJlitxingenben ber 2Iu§§eid)nung »ext mar, I&jjt ficb, nad) bem 
obigen Hebten unb anfpxudjgtofen ©tücf .nidjt angeben, ©egen anbere 
gehalten ift eS gut, bor altem natürlich fieunblid), toüräig, nid)t eben 
mit 9JleifterIict)Ieit bottenbet, aber auf Um SSege. baJjtn. 3m ganzen 
öermiffe id) gute Sßpofition ber Seile, ©egenfctfee unb Steigerung, 
bie in biefex goxm fo teidjt %u erreichen war; auct> buxdpuft er ttodj 
gubiel unb rafcb, bie Ouinteuäirtet ber Dominante. SÖSix roünfcb^en feinen 

SSeftxebungen äu^exn @onnenfct)ein unb innexe SÖIüte 513 . — 

* m. I, ©. 187, o. S5or: StjalBerg, Kaprice. 



9?. 9. SIu§: monboi («uff. 36). - K. 10. Stug: ftomMltimtaf<$au(«uff. 47. 1). 223 

9. Slus: SRonbos für Sptanoforte (5luff. 36), 
3f. *. (Slftofttal, 

Stnlettung unb Konbo (»Les Charmes de Magdebourg« ). äß er j 27*. 

2>ie ffi omjwftttotten beg £rn. e^tootal finb fcE)on öfters atg rafftet) 
für üjren Sroect au§ge§etc§net roorben. (Sie finb meifteng au§ einer 
leisten gierlidjen geber geffoffen unb t)aben ttofcbem etroag gfjrlicrjeg, 
®eutfcb,eg an ftdj, fo aucb, ba§ 3tonbo. Server mögen eg if)ren ©djfiiem 
aeben. 



10. 2lus: Äompofttiortsfdjau (Stoff. 47). 
Sponserte. 

Äarl fiaffetl, brillantes Äon 3 ertino für «Ptanoforte, mit «Begleitung oon 
2 SBtolinen, 9tlt, Sioloncello, glitte, Ätarinette unb gagott (d=bur)**. 

(Sine Seine 6r,arafterifüf biefeg talentbegabten Dilettanten, ber fidj 
abermaß in feinen Tanten eingefdjleiert t)at, fteljt fctjon im'l m. b. 
8tfd)r.*** Sag bor ung aufgeflogene tonjertino beroegt fict, genau in 
bemfelben Greife ioie jeneg öftere in ^moll, nur baf? bag neue nocf) freunb» 
lieber unb flüchtiger borübergleitet. Stucb, ift bie nämltt&e gorm beibe* 
galten, bie mir bamalg eine ßöldEßdje nannten, unb bie bor bem ©äjmtt 
anberer Äonsertinog ben »orpg üerbient. Smt beften toiti mir ber erfte 
@a£ gefallen. 2m gmei ©teilen finbet man bie SSemerfung „ä la S^ol*- 
berg". ©oft bag ein SBini für ben »ortrag fein, fo laffen toir'g gelten; 
tooOte man eg aber aU befcf,eibene§ ©elbftgeftänbnig be§ tomtooniften 
gegen ben anbern nehmen, fo müßte erft erörtert toerben, ob £t)alberg 
ber (Srfinber fötaler ©änge ift, ma§ mir berneinen. SBaren übrigeng 
alte ^omponiften fo offen rote unfer Dilettant, fo mürbe man über bie 
tneten k k'g erfcfjrecten. ®er gtüette @a£ ift leicht unb melobifcf,. ®en 
brei Sfjemag beS legten fefjlt aber offenbar ber antraft unb bie ®ruitb- 
ibee überbot, bie ©rfinbung. (£ine tut)ne aber gute £armonieroenbung 
ftet)t ©.21 bon Satt 3 p 4, bie ftcf» @. 25 gan ä unten toieberrjoft. S)ie 
»eglettung ber ^nftrumente ift einfach unb artig. 

* S3b. I, @. 242, o. S?or: Stefan fetter, «Ronbo. 
** m. I, <B. 283, m. f8ov: §erä, 3. Sondert. 
*** f. ©. 217. 



224 91. 10. StuS: tomt)ofitiongf(%au (Stufj. 47. I). - 

£>ct wir bei bett neuften tongerteu fielen, fo wäre J>ier ; alter bingS 
ber Drt, aucb/.über etnibet £aSlinger erfdjieneneSjfogenannteS 
Concert sans Orchestre 

%u berieten, baS baS ©djetmeubaar gloreftan unb (SufebiuS unter 
bem tarnen beS Unterzeichneten IjerauSgegeben. ©träfe td) fie für 
biefen 9tamenraub, U% id) felbft teine ©übe über u)r SSeri 14 ber» 
rate. SnbeS fäjeinen mir einige SBorte auS bem SSriefe eines geliebten 
SJleifierS (beSfelben, bem eS zugeeignet ift) 514 zu bebeutenb, als bafs id) 
fie ganz unterbrüdeu tonnte. ®arin Reifst eS nämlid) unter anberem: 
„Sn SKotibierung beS SitelS tiefte fidj einiget einwenben. ®aS Sßerf 
Ijat weniger bie ©rforberniffe eines StonzerteS unb metjr bie djaraiterifti» 
fdjen ©igenrjeiten einer großen (Sonate, wie mir einige bon S3eetfioben 
unb SSeber lennen. gn Sonderten ift man (leiber) gewohnt, neben ber 
(Sintjeit im ©tite einige 3tttdfid)ten auf glänzenbe 23rabour ober fofettie* 
renbe ©leganz beS ©bieteS genommen zu feljen, reelle inwiefern SSerte 
leinen $la£ finben fonnten, oljne eS bon bem ©tanbtounfte zu entfernen, 
ben üjm gfjre «ßjjantafie eingeräumt Ijat. 2>er förnft unb bie Seibenfdjaft, 
bie im ©anzen Ijerrfdjen, fielen fet)r im ©egenfafc mit bem, was ein 
£on§ert=2M>itorium unferer Seit erwartet. (SS roilt einesteils ntcfjt 
tief erfdjüttert werben, unb anbernteilS feljlt eS ü)m an ben gäfjtgfeiten 
unb ber mufifatifäjen SBeitje, foldje Harmonien unb geniale 3Ser= 
fdjlingungen zu berfteljen unb auf juf äffen, wie eS nur b eueren unb bem 
©emüte möglidj ift, wetd)e§ bewanbert ift in ber beeren ©Jrcadje ber 
Heroen ber fünft. 3n manchen §armoniefüi)rungen finb ©iffonangen 
gebraust, bereu fotgenbe Sluftöfung nur einem erfahrenen Dtjre bie 
fcfate ttjreS (SinbruäS mitbern. ®ie Sorbette unb ©uSüenfionen, bereu 
(Sntwicfelung zuweilen erft im zweiten unb brüten Satte fidj erflärt, 
finb oft ijerbe, obfdjon geredjtfertigt. Um baburd) nidjt gefrört ober 
beteibigt %n werben, muft man ein erfahrener 9Jlufiter fein, ber im borauS 
errat uub erwartet, wie fidj alle Sßiberfbrüäje töfen, wie id) mir einen 
©taatSminifter benle, ber mitten im tobenben ©ewimmel eines §of* 
ballS fein 9tuge unb Dljr überall %u feffetn fdjetnt unb bod) eS einigen 
borzugSweife leüjt, bie er biütomatifä) %u erforfdjen ftrebt.ufwj" 

* @o ift eS. SRadjt eud) aber, gloreftan unb (Sufefi, eines fo Wob> 
wollenben Urteils baburd) würbig, baft itjr aud) fünftigrjin fo ftreng gegen 
eud) felbft feib wie fo manchmal gegen anbere. 

«Robert ©djumannj 



«ß. 10. StuS : tompofttionSfcI)au (Stuff. 47. V). — 31. 11. 3ln3: ©üben (SCiiff. 60). 225 

&<tyrtcen. 

3- ^8. ^ßtsis, grofce bramattfdje ftaprice über 33>emos oott SöletjerBeer 
3u4§änben. äBerf 131*. 

©eitbem §etr $irj§ feine tenntniffe tute (Srfafyrimgen faft gänglid) 
ber Gürjierjung eine§ frönen !Eafents> getoibmet, rjat ü)m leine Sombo* 
fition fo wie früher gelingen roolten, unb fo fommt bort ber SBett auf 
anbere SBeife §ugute, roa§ tfjr tner berforen gegangen fdjeint. Qu ftren» 
geten arbeiten, bie eine Überlegung motten, fet)ft e3 itmt tt>ot)I an SKufje, 
unb fo gibt et feit lange nur SSariationen über eben neue Söjemag, immer 
mobern unb nadj beut neuften 3ufäjnttt, ober 5ßt)antafien au§ locfer 
aneinanber gefdjürgten Dpernfägen, ober beibe§ in fogenannten Sa* 
.bricen, bie inbe§ oft ntdjt metjr atö ^otbourriS. Sin bier^änbtgen ©rüden 
ferjlt e§ überbie§; fo greife man toenigften§ naä) bem S3eften ber Salon» 
lombofitionen, roenn e§ einmal fein muf?. 



11. Slus: «tflben für ^ianofotte (Stuft 60). 
§. (»djtttttt, ©titbeit fitt ^Sianoforte**. 

SBerf 275. 

Sie ©tüben nennen fidj auf bem Stiel melodiques et caracteristiques 
unb finb e§, obtool)! alte§ in leidjtefter SSeife; man muf3 fie burä)au§ 
loben in ü)rem Qtoeä, ber offenbar auf Söilbung unb SSergnügung j,ün* 
gerer Spieler get)t, fo roof)t liegen fie in ben gingern, einer fo anmutigen 
Pjantafie finb fie entfbrungen. ©türme, ©eefäjladjten, Sftfanfcf)e§ fin* 
bet man alfo in ü)nen ntdjt, tootjl aber, tote in einer Camera obscura, 
bie inneren (Srfdjeinungen in nieblidjen abgetrieften gönnen nadjge* 
fbtegeft, tt>ie e§ ein Inabenauge am tetdjteften $u faffen berftefjt. $m 
übrigen fjaben bie ©rüde biet $fjnndjleit mit ben 9ttorj3 ©djmittfdjen 
(Stuben, an ©emütlidjleit fogar bor Üjnen borau§; auf @rfinbung 
machen fie leine Stnfbrüdje. 



* SSb.I, ©. 303, u. 3Jatf): SSeBer, ^tjantofie. 
** 33b. I, ©. 358, it. Vlaü): Stllan, ©tiiben. 



8toBert.@c^umann8 ßef. ©Stiften. Et, 15 



226 31- 12..9tuS: ^antafien. u'nb . ffapricen (Sluff, 62, 3). 

12. 2Ius: p&antaften unb Kapricen für pottofotte 

. (Stuft.. 62, 3), 
§eitmdj eromet, Stn^row^ttt üfier ein Driginclt^cwa*. 

.SBerl-8. 

"'■' (£8 fjält fd^toer, übet biefe üteinigfeit ettt>a§ ©ntfcbjiebeneS %u- fagen> 
einesteils ift fie eben fo fittj unb innetliä) leiefjt, ba£ e§ tierfef)rt tofire, 
ifjr ein grofjeS ©etoicEjt beilegen p motten; anbernteifö bttctt 'aber tuet 
Unb ba einige ©rfinbung unb ein ©rab bon SSilbung buret), bie aucf) mit 
bem. heften be3 neueren Mabierffriefö bettraut fdjeint. Wan möchte 
e§ für ein ©tuet au§ ,$erbinanb £>iuer§ jüngfter Seit galten, tpic benn 
ber Sotttponift nodj ein fet)r junger fct)eint. ®ie erfte £>ätfte be§ Dri= 
ginaltt)ema§ mag f)inget)en trofe feines ©etjäferbaffeS, bie gtoeite ift aber 
burctjauS matt; ba§ ©anje roeber fctjön nocf) unfctjön, fonbern eben 
tjatb, unttar gebaut, nicfjt bon äJceiftettjanb. ®er darrte biefeS ffiomjw» 
niften lommt übrigen? t)eute §um erftenmat in biefen blättern bor; 
gern fjätten mir mef)r berietet, blatte er mer)t gegeben. 

■.:»;■■».■ ippt|i^ »toetttWenient**.- 

2Ber? 26. 
®a§ ©tuet tjeifjt »Souvenir de Salzbrunn« unb gehört ganj in ba§ 
%aä) ber ®elegent)eit§= unb SSabemuftf. ®ie ©inleitung ift tjübfct). 2>a§ 
§auptttjema be3 9tonbo t)at in £on* unb Sattart, gigur unb ©tjarafter 
alles bon einem betannten £ummelfcb,en; in ber «Kitte erfcfjeint ein be- 
tarnte» tuffifct)e§ SSolfötieb, f^äter in bie tinfe §anb bettegt; baZ groeite 
•■SJjenta .fdjeint eine a&ftt^tticE)e ^emini§senä an Söettint. ©omit bleibt 
freilief) rpenig @igene§. . %a§ ©tue! maerjt auf leinen Shmftoert 2lnftoruct) 
unb fjat auet) feinen. 

d. S- 9U<*)tet f Sdjerso. 

' ; .' SBerf 6. 

;■■: :;©ine^opie nacr^ffltotbeföfotm, alfo. nact) gutem 3DZufter gearbeitet 
unb toorjl geraten. $n ber gorm tjätte ber Jfemponift bei einiger tnbe* 
rung etroaS ®igene§ bringen tonnen, »erat er nämlict) ben Sftittetgefang, 
ber freilief) auetj burä)au§ SJcenbelSformfcr;, bor ber «paupttoiebertjofung 

* 33b. I, ©. 369, o. S8or: tittl, gbijUcn. 
** S3b. I, <S. 370, o. Sßor: Saroni, 3. f ajmce. 



3^. 12. SfaS: Sßfjatttafien unb Kapricen (Stuf j. 62, 3). 227 

be§ SCnfangS, aber in (SiS-morC ober @«bur gebracht rjätte, fo bafj Anfang 
unb ©nbe beS findigen ©cfjergoS bie fanfte tantüene tote in ber SJUtte 
eingefcEjIoffen gelten. ®od) eS ift and), toie e§ baftefjt, nicEjt ungefcrjicft 
unb unftimmetrifcEj, unb baZ ©anje f)at einen leisten natürttcEjen glufj. 
£a£ ©tücl, fo Kein e§ ift, läßt auf ein glütfüdjeg Talent fließen, ba§ 
mit ber geit, burcf) ©tubiunt unb ©elbftfritif, fidE) öielletcEjt aucE) felbftän* 
bigen SBeg brechen roirb. 



Ä. 9Jlai)et, ©rofee ^^antofie*. 

SSerf 54. 

@§ ift lange tjer, baß bie geitfcfjrift etoaS über biefen tontponiften 
gentelbet, unb nocEj länger, als icE) ttacEj febem neuen SBerfe feines 9tamen§ 
toie nacE) einem gurücf gehaltenen <3c£)a|e fuljr. (Sine Beittang Riefte 
unb bariationierte er un§ auctj jubiel: um fo erfreulicher tut fiel) nun 
einmal ein größeres felbftänbigeg SBerl, obige ^antafie, Ijerbor, bie unS 
feinen fetteren Haren ©inn roieber lebhaft in§ ©ebacfitniS ruft; benn 
roo fte fidE) aucE) ernfttjafter aufteilt, ift e§ eben nicEjt merjr afö leiste WaStt, 
tjinter ber ber gufriebene SRann nocEj beutlicEj genug p erlennen. Reiter = 
leit ift ein £>aufrtgug feines ©tjarafterS, unb fo toirb ficEj bie ^antafie 
banfbare Spieler ertoerben. <ScE)tr>ierige Stuf gaben bringt fie in leiner 
^inficEjt, bie ginger finben feiert unb fcEjnelt, tva§ ber 2tutor tottl, eS fingt 
alles roofjf unb angenehm, reibet fieb) alfeS natürltcb, unb fließenb an= 
einanber. ®er S3eifa| „dramatique" auf bem Site! ift ein 3ftobefcE)ilb, 
hinter htm man nichts SiefereS p fucEjen Ijat: b,ier finb es öier lofe ber* 
bunbene @ä|e berf ergebenen (SEjarafterS, bereu jeber aüäE) für ficEj ge- 
baut »erben lönnte: eine ©Weitung, ein Uantabüe, ein SJtafcb, unb ein 
©dEjtu^Megro; mufilalifcE) gut aneinanbergereifyt, ttrie fcEjon gefagt, 
fielen fie fonft in feiner poetif eueren SÖeäiefnmg pemanber. 2>er Stnfang 
ber Einleitung erinnert fetjr an einen bekannten ®Iabierfa| in 6=moIt 
bon SKogart, baS ®ange an eine fcEjßne $f)antafie au§ §ummefö ^ugenb* 
geit, ber Qpu3%ät)l entfinne icEj mieb, nicEjt. ®a über bie DtatierS, SMterS 
ufiu. ein eroiger 3tt>ieft>a!t in ber SSeft t)errfa)t, fo ttrirb bemerft, baß 
obiger ber Petersburger unb ber befte unter feinen fürbaS Mabier forn* 
ponierenben 9tamen3bettern. $ie ^fjantafie gibt gugteictj eine 5ßrobe 
bon Petersburger 2tuSftattung, bie ber unfrigen in feiner 9lrt naä)ftef)t. 

* m. I, @. 370. Ilad): aSaroni, 3. taprtee. 

15* 



228 9i. 13. -SfuS: «Sonaten für fftoöier (Stuff. 68). 

8. 9Ro^eIe§, ^mrtalie.*. 

SBerf 94b. 

3. SS. (tarnet:, $!) atttafie.; 

SB«! '87. 

33eibe ftontpolittoncn finb bem Slnbenfen ber Sötatibran gewibmet; 
U§ wir fie jefct nodj angeigen, wag ein geugniS für il)ren SSert fein nnb- 
Wie weit fie fi$ über gewöhnliche (MegentjeitStomtoofitionen ergeben. 
(SS gilt bieS namentlich bon ber elfteren, einer fetjr intereffanten, mit 
großem gleifc ausgeführten Arbeit, bie man inbeS öfters behauen 
mu% fie ber gangen Sbee nacb, toie in ber SluSfütjrung ber etngetnen 
Seite richtig gu faffen unb gu würbigen; id) möchte fie einem SRonument 
bergteicb,ett, btö auf ben begebenen glasen uns ©genen aus bem 
geben ber geriebenen ffiünfHerin bringt, baS (Sauge bon einem ®eniuS 
beS SobeS überwacht, toie it)n bie bilbenben Stapler über, baS Srauer* 
benrmat angeleimt oft barftetten. ®a§ einzelne wollen wirnic&,tgu beuten 
fudjen; man betraute eS füll unb teitnerpnenb unb je langer je beffer; 
ber SRante beS SMfterS bürgt bafür, bafc es ein ber t)of)en grau würbiges 
Slnbenlen ift. ®te ^antafie bon ©ramer folgt einer giemlid) abmühen 
Qbee; eS ftttb ebenfalls Heine boneinanber gefonberte Silber, ein 2tbagto, 
ein anbaute mit ber Überfcraift »La Speranza«, eine ^regfcjiera unb gum 
®$h% ein tafdj« Safe, baS ©äuge aber bei weitem tofer, einfacher, 
beinahe bürftig b,intereinanber aufgeftetlt. ®er Unterfc^ieb, wie fiä) gwei 
begebene SJMfter bei gleicher @etegent)eit auSfbred)en, ber eme aus 
alter, ber anbere aus jüngerer Seit, wirb aus einer SSergteic^ung betber 
@ä|e beutliä) genug r)erborgerjen. — 



13. 9tus: Sonaten für ftlatrier (9foff. 68)**. 

®ie (Sonate bon Selbe fottöjt für ben gleifc unb ben guten SSilten 
beS Somponiften. SBie immer, geigt fiö) aud) in i^r im Slbagio Me .@t- 
finbungSf c^Wääie am füb,lbarften. Slnftänge fehlen ebenfalls nicf)t, unb 
Wie ber Somtoonift be.m Slnfang ber »^ubetoubertüre« bon SBeber noeb, 
fo forgfältig auSguWeic^en fud)t, fo fällt er ü)m, weun auä) erft im Slbagto, 
im bollenbeten @*bur mit ganger Sörtoerf ebnere in bie Statte; ebenfo 

* S8b. I, @. 371. SSor: ©äußert, SmprotnptuS. 
** Söb. I, ©.395, u. 9fad: „tior mir". 



fJJ. 14. 3lu§: «pfjantaften unb tapricen für fianoforte (Stuff. 71). 229 

ift ba§ Sfjema be§ testen @a|e§ eine 3Serfe§ung be§ erften au§ 33eetf)oben§ 
©-mou^onjert unb bergt. met>r. 8m übrigen ftcebt er nad) guter gorm 
unb reiner Harmonie; mit einem SSorte, rjat man bie erfte Seite ge- 
hört, fo fann man Bei einigem mufimlifdjen ©djarffinn ba§ golgenbe 
erraten. 



14. 5lus: gMjantaftett unb Kapricen für panoforte (3luff. 71). 

3. Saboliiti, gtofeet SSoIser*. 
«tag. ®erfe, 12 SdjetjoS obet 9Rasiwel§. 

SBerf 24. 

SSeibe £an$efte fo leicht gebaut unb gemacht, bafj fie leine tief- 
finnigen- ©ebanlen p. frieden bermögen unb aud) nidjt foÄen; gefbielt 
unb bergeffen »erben ift Ü)r £o§. ®er SMjer bon Saboftni Jjat Drdjefter- 
djarafter unb Ijört fid) gut an aud) au^ertjalb be§ Skflfaafö. ®em stoeit* 
genannten ^omboniften fdjeint bie tiefere SSebeutung ber SSRajurfe, 
Wie fie un§ ©fyobin erfdjlofj, beim ©djreiben feiner ©tfitfe nod» un- 
befannt getoefen p- fein. — 

21. DriotoSfl), 5 tajmcett in SSalsetforitt. 

SBer! 18. 

®te-17 borangegangenen -SBerle lernt' id) nidjt; bä§ bortiegenbe möchte 
auf einen Dilettanten fdjliefjen laffen, ber feurig borpfbielen berftefyt 
ju einem gelegentlichen £ang; ein toaar Quinten toerben ba leidet über- 
tjört. Die £än§e jeidmen fid) burd) lebhafte 3üjt)tf)men au§; aud) eine 
fet)r anmutige frifdje 3Mobie finbet fid) im £rio bon Str. 4. ©ine p §i!fe 
gezogene SOhtfiferfjanb toürbe biele§ mit letzter SJäUje beffer t)erau§gebu|t 
fjaben. 

griebtidj 2l£e, Plegie auf ^tttttittel 

©ine Meine, aber too^Igeratene Slrbeit, bie ben Sinn ber ttberfdjrift 
rechtfertigt; ein Srauermarfd), nidjt gerabe grojj erfunben ime ein grang 
(Sdjubertfdjer, aber ungefudjt unb anfbrudj§Io§. S)er 9tome be§ tom- 
poniften ift uns» borbem nod) ntdjt borgelommen; er rjat fid). ioürbig 
eingeführt unb madjt Hoffnung, bafj er mit nodj 33ebeutenberem 
gurüdfjält. — 



* S3b. I, ©. 408, o. S?or: $. <5ä)mitt, Sßljantafte. 



230 S^- 14. SfaS: ^otttofien unb tapricert für panoforte (Stoff. 71). 

@. 91. SS^oöt, 3 mijaWobten für üßianoforte*. 

SBerf 2. 

SCbermafö einhole, ber ber „Sfralotoiäl" ju »erben berfbridjt, toa§ 
täfyopm ber „ÜDtagurta". ®ie tomtoofition entfjaTt biete Satentjüge unb 
reigt aud) in ifyren Unarten; ber ftarle nationale Söeigef d/mad madjt fte 
nur intereffanter. gn $oten mufj bergteiäjen ÜDluftt am beften berftanben 
»erben. (Set ®ombonift tämpfte — Beiläufig gejagt — in ber Stebo» 
lution mit; fori fogar einmal einem anbem Mabierftoieter; ber' in beri 
tuffifdjen Steigen fodjt, gegenüber ■%n fielen gelommen fein.) Seit einiger 
Seit tjat er fid) in ®eutfd)Ianb afö 33irtuo§ betanntgemadjt. (Sr geljt 
einen anbern SSeg atö ©fjotoin unb möge auf b^m eigenen berfjarren. 

©. 6, @t)ft. 2, jtoifdjen bem 4. unb 5. Salt fefylt offenbar ein Salt. 
©.'4, Stift. 4, Salt 1 folt mtjl o fjeifsen, toa§ ^ilant genug unb burd) 
ein Duabrat beuttidjer gu machen toäre. — 

2. Singer, <©ed)§ <©tüäe, 

Bert 1. 
SDie ©tüde triften »Pieces melodieuses«, tooburd) ü)r gntjatt auf ba§ 
Befte angegeben ift. 2fl§ tüdjtigen ©Bieter ermähnte bie geitfcEtrift ben 
jungen SHmftter Bei berfdjtebenen (Gelegenheiten, aud) al§ Sfemtooniften 
mufj fie ü)m Beifall f dientet. (Sr lennt ficE) unb toUT ntdi't meto - gelten, 
aß> er ift. @o gibt er fid) einfad}, fdjlidjt unb trauttd), otjne be§t)atb ettoa§ 
*J$u| p berfdmuujen, afö ging' e§ ©onntag§ pr JHrdje.. ©inmat nur, im 
brüten ©tüd, berfudjt er .fid) audj im §eroifdjeren unb nid)t mit Un= 
glüd, fallt aBer batb toieber in bä§ anfbrudjtofe Söefen prüd, ba§ it)m 
metjr bergen gewinnen wirb afö feine tülmeren (SroBerungSpIäne. §ün= 
gern Spielern nütsen bie Meinen ©lüde im Befonbern burd) ben llabier* 
gerechten @a|, ber überall ben gut unb grünblid) geBitbeten Spieler Be* 
lunbet; pm ©tubium fd) Gierigerer ©ä|e afmtidjer 2trt (tote ettoa ber 
Ü0tenbet§fot)nfd)en »Sieber otjne äöorte«) mögen biefe fetteren äftetobien 
am Beften borBilben unb berbienen in biefem ©inn altgemeiner Belannt 
p toerben. 

"'**»$!} SKatfjan, 3 djaraiteriftiidje Stütfe**. 

'..'"".'■'..' Bert 1. ; 
®a§ erfte ift matt, : ba§ anbere IeBr)after, ba§ Ie|te ba§ djaratteriftif djfte. 
3tm fdmtafot ©inbrud be§ erfteren Ijat toot)t aud) bie 3temini§äenj an 

* 33b. I, ©. 413, u. 9laä): ©edjter, ©tobten. 
** 33b. I, ©. 414, m. SKadj: §artmarat, ©tMe. ■ 



91. 15. Slit§: tü^ere ©tftcfe für Sßtanoforte (Stuff. 86;. 231. 

@ä)ubert§>>©rlfönig<< fdmtb; e§ Wäre Beffer nngebrudft; bie anbern ber= 
bienett merjr -2tu§geidmung; botf) tft e§ überatf, at§ tyätte man alt ba§ 
fctjon irgenbroo getjört, mithin niä)t§ @tgene§ barin. ®er junge tom* 
ponift, beftfjeiben wtb fleißig, wirb ftdj mit ber Seit in bie £>öt)e ar= 
Seiten.' 

'■"».«. WMHi, 4 „ 
^. SSefier, 4 ■„ 

S- ®^witt, «agateHctt in aKajurfettforn. 

33iet burct) ©t)obin t)erborgerufene 3Jlagurfent)efte, übet bie fid^ tttcEjt 
biet fagen täfst; wer ba§ Original fennt, mag ficE) bie 9tacb>t)mung rat* 
gefäfjr bentat lönnen. 2tm gefcE)tdteften ift fie g.-Säjmitt gelungen., 
(S.SSebet übertreibt unb öerfifet fid) oft uuftar, obroot)t ein t)öt)ere§: 
©treben in feiner ©abe nid)t p berfennen ift. S5. ©. pitiüp, be* 
roegt fiel} mit giemticf,er Sei<f)tigfeit, berfäitt aber oft in Sribiatität. 9tm 
fintbelften geriert fiä) ber SomboniftbeS erftgenannten §efte§ unb geigt 
biet guten SSilten bei biet Ungeübtt)eit. ®ie ©ragie, bie »ebeutung 
unb nationette ®ä)tt)eit be§ Original get)t, wie 8 otoien immer, auc| biefen 
SSerfuäjert all. . . , 

: .äSerI.24. .','''"''' 

(Sie bewegen fid) im hergebrachten: in ber Dberftimme eine Jfteü> 
bie, im SSafj ein SHIombagnemettt in £rioten u. bgt. get)ntaufenb unferer. 
Mabietfpietet mürben e§ nictjt beffer, auct) nictjt fc£)tecf)ter machen lönnen. 
@ie finb für.ben ©cratlbebarf bon einem gut füietenben Setter ge= 
f ^rieben. (Sigentümti^e§ unb ®rfunbene§ tjaben fie gar nicrjt an fic§. 



15. 2tus: ftütsere Stütfe für qjianoforte (Stuff. 86). 
9t. b. §erpetg, 3toet ®^crso§ '*'. 

SBerl 10. 

$on fo Meinen ©rüden bedang' id) bor altem, bafj fie mögtidjft reigenb 

unb frilant feien. S)ie erfte ©genfct)aft fefjlt ben obigen @ct)ergo§ merjr 

at§ bie gweite. Sie finb augenfcfjeintict) bon einem guten ©toietet, Kabier- 

mäfjig unb big auf gang wenige^ Jorreft unb remticb; gefäjrieben; boä) 



. I, ©. 471. SSor: ©c£)neiber> 9JattuntoS.: 



232 91 15. 9Iit§: türäere ©lüde für pcmoforte («uff. 86). 

mangelt ilmen eben ber feinere ©ctmtetg, bie ©eele. gm ©crjuialle ätjn= 
tictjer ^ompofitionen möctjf ict) fie immerhin als bebeutenber begeidmen, 
toelcrjen SluSfpruct) bei junge tafentbolle tomponift burct) größere fol= 
genbe SSerle noct) met)r betätige. 

S§wor SBteganb, @edj§ Sonpde in Siebfowt. 

393er£ 3. 1. §eft. 

®er Stiel ift etttxä fteif, ber gnljatt ntdjt unerfreulich ®ie befte »e*- 
geidmung für folctje ©rüde bleibt immer bie bon 50tenbel§fot)n für ätm= 
lict)e gebrauste; eS finb » ßteber ot)ne Sßorte «, roenn ntcr)t bem Original 
gU bergleictjen, fo .bocfj auct) nidjt fHabifdje, jebenfaltö befcr)eibene Sofien. 
®ie gorm fctjeint ben jungen ^omponiften noct) gu quälen, ber übrigens 
fein S3efteS unb QnnerfteS auSfprectjen möcfjte. erinnert, mie gefagt, 
bie ©atttmg ber ©tücfe an 30lenbel§fot)n, fo ber ©tjarafter eingelner 
an ©porjr. ©otdje SBorbilber motten toir aber nirgenbs tabetn, unb 
fo fct)reite ber tomponift rüftig roeiter unb fcf/teife ab, mag t)ier unb ha 
nöct) edig. 

tarl Gngel, ^Ijantaftepöe öfter bie «o«§lteber „Seine Siefce gu 
erlangen" nnb „Unter allen agtyfeln ift Stm)'"*. 

SSerf 7. 1. §eft. 

Ebenfalls ein früher in ber geitfdjrift noct) nidjt genannter 9fatme. 
Ser Stiel ber Äompofition läßt ©igentümlictjeS erroarten; bie ®otupofition 
felbft aber ift getoöijnXicr), bie gorm bariationSmäfjig gufammengeftidt, 
bie Verarbeitung ber StjemaS oberftädjitct), bie StjemaS felbft, bie SSolfö» 
lieber fein foltert, toenig bebeutenb. 2tu§ bem f labierfa| an fiel) blidt 
ein fertiger unb bem 3^e«en bertrauter Spieler, unb liegt alles bequem 
für bie ginger. äJcet)r lägt fiel) über bie junge Arbeit faunt fagen. — 

Stofiert Stötfljarbt, 2^rtfdje§ Stütf. 

2lud) biefen tarnen eines in Petersburg tebenben geachteten S)ilet= 
tanten fütjren mir gum erftenmat in ber geitfctjrift an. ©ein ©tuet ift 
eine §ulbigung bei itjm bertrauten £>enfelt unb biefem gugeeignet. Uxv 
geübte »erben gu tun tjaben, e§ gu beroättigen unb ben gaben t)erauS= 
gufinben, ber eS burctjgietjt, $t ber Anlage tjat eS bie gorm beS Notturno; 

* SBb. I, ©. 473, nt. *Rad): ©oetfie, Slttegro. 



3?. 16. SIul: äÄufiflefien in Seidig 1839/40 (Stoff. 93). (guterpetonjerte. 233 

fjmter aber, toie e§ Dilettanten toot)l gefdjieljt, ift ettoa§ anbetet barau§ 
getoorben; e§ folgt ein ettoal frember äJHttelfag unb bann eine SBariation 
be§ erften 2J>enta§, ba§ jum ©crjluf3 toieber einfacher antönt. $ont 
©tjarafter ift bie tomjwfüion tto| ü)te§ finftern 2tnfet)en3 toeici) nnb 
freunblicf). SSolIgriffigfeit, toeitefte Spannungen, getoiffe Harmonie» 
gänge ufto. erinnern an £enfett§ SSeife. ©tnige gärten mären mit leid)* 
ter SJHHje ju beränbern getoefen. ©ut gezielt, toirb ba§ (Stücf ge= 
fallen. — 

dbuarb SRarjfen, »Sieb oJjne SSorte«. 

SBerl 37. 

SSie bag borige ©ffitf eine gmtbigung £enfett§, fo biefe§ eine £t)at= 
berg§. ®er ®om{>onift Ijat e§ mit einer D{m§sat)l bejeiä)net, toa§ toir 
ü)m beinahe berbenien. @§ fc^eint mir gar ju findet, fogar troden unb 
nid)t einmal in ber gorm meiftert)aft. Sßirfung, in feinem trüben i>in* 
unb §erfd)toanfen gtoi|ä)ett 3MI unb ®ur, mad)t e§ gar feine, toenn 
nicijt eine unbetjagtidje. ®er SJomponift, fonft folib gebilbet, toobon er 
fdjon oft groben gegeben, fdjeint in jenen Keinen ^ompofitionSformen, 
too bor allen bie ©rajie »alten fotl, ofme ©unft ju arbeiten. SSir toollen 
un§ gern geirrt tjaben, toenn er un§ in fpätetn »Siebern ormeSBorte« 
toiberlegt. ©teilen fie aber biefem, fo toirb fid) §u ilnten fdjtoerlidj ein 
Sinter finben, unb ebenfotoenig, toie gu einem trodnen ©ebidtt ein 
3Jhtfifer. — i 



16, 9lus: SKRuftHeBen in -ßeipsig 1839—1840 (Sluff. 93)*. 

®a§ jtoeite bebeutenbe gnftitut für tonsertmufif in unferer ©tabt 
ift bie ©efellfdjaft »@uter£e«, ein in feiner (Sntftet)ung, ©nttoidelung 
unb je|igen SSerfaffung bielteid)t einzig bafterjenber herein, bem toir 
ben toopätigften ginflufc auf ben SJhtfilgefdjmacf, namentlich ber 
mittleren <5timbe, pfdireiben muffen 615 . (Sr verfällt in jtoei ©eitionen. 
®ie erfte beftefjt au§ gegen 40 ffltttgtiebem — nur SRufifern, bie,pr 3Rtt- 
toirlung an ben alle 14 Sage ftattfirtbenben Herten ficE) beruflichen;: 
bie anbere au§ brbentlicfjen SOlttgliebertt, benen aud; Md)t*3Kufifer bei* 
treten bürfen, unb au§ (Stjrenmitgliebern, auStoartigen toie einrjeimifdien, 
bie bie erfte ©eition im engeren SluSfdjuB aIIjät;rKcfi toäp. Sie erfte 

* m. I, @. 510, m. Waä): „aufgenommen «erben". 



234 31. 16. Stu§: 9KuPe6en in Seidig 1839/40 (Stuft. 93). ®ute^e!on ä erte. 

©eftion gab im begangenen SBintex S efm Sbnjerte im S^engtale ber 
«ucfMnblexböxfe. ®ie SDWttet bex (5x.tfien ä fielet bex ©efeltf^aft ba§ 
ieicb mftxßmenbe, wenn au<$ geringe 2lbonnement; int übxtgen, mufs 
man anexlennen, fiefjt bie Stufobfexung an Seit unb 3Rür,e, bte bte £ex* 
fteuung bex tonjexte ben »liebem be§ 2Sexein§ toftet, mit bexten 
©ntfcbäbigung in einem «attniS, ba% roix ü)rer Siebe ä ux ©aftent^t 
genug Sob fbenben bürfem (Sbenfo uneigennützig wirrten mejexe^an, 
gerinnen mit, unter biefen namentlich bie Beliebte jugenbticrje grt. Sutfe 
©bieget, bie grRSlugufie^nb ®mma SSernex, rote benn bor* 
s ügticb bei ©ixigent beS mufifatifc^en Seite, &r. g. 3. §. SetW, 
wie bie be§ met)i gef^äftticfjen, <px. SCbbofot <gexm§borf nnb §x. ©enfal 
©cbüV ibxen SBeijtanb aus roafjxem ^unfiintexeffe unb mit »atmet §tn* 
aebung itjiex guten ©acfje angebeir,en taffen. @o r,at fiel) bex «crem m 
jetnex atlmät)iicl)en Entfaltung SU einem . Siebling§inftitute bex .©tabt 
cmboxgetjoben, unb aucr, orme mancfje gufäffige »numftänbe, bte ttmt 
bie 2eiinat)me be§ 9ßublifum3 gefid)ext, roüxbe ba§ ©txeben, ba§ ex muft* 
Mifdjerfeitg belunbet, ba3 gntereffc bex gebilbeten tunftfxeunbe tri 
StnfwuÄ nehmen muffen. ®ie 2tuffül)rung bex DxcfjeftexftMe gibt bex im 
@eroanbt,au§faate an »e nicfjtS ruufc bie f&m Ü* W* * 3« l ebem 
Sortierte lommen regelmäßig eine Sinfonie unb groet Duöextuxen box, 
awiicbenbux^ ©oloborträge bon ©ängerinnen tote ben obengenannten, 
bon iitgtiebern bex OJefeHföaft tote bon anbern »tuftlem. «uffujxung 
gxö|exex ©nfembleftücfe toie <geibei ä ielutng auStoäxtigex SMnftter liegen 
au^ex ben 8»ecfen be§ 33erein§. 

®ie im legten SSintex aufgeführten Somboftttonen roaxen faft ol)ne 
au§nar.mebeUtf^e. ^ Ijiex ift SSeetltoben bex mit Jöoxliebe gegebene 
keiftet; bon .ilnn touxben fünf ©infonien gezielt, bon SJ^axt unb 
fiohbn je- eine,: bon taltitooba §toei (bie gtoeite wä^xenb bcS i Stufend 
batt§ be§ tom^oniflen in Seidig). ®in neue ©infome braute £exi 
Dbexoxganift Stbot^^effe au§ SSxeStau mit unb bixtgtexte fte felbft; 
fie ift bie fünfte feinei*beit,.unb ein abWli^e§So§ringen bon feinem 
gjleiftex unb SSoxbitb {©tool)r) baxin unbexlennbar, beften ©tnfiufc jtct) 
in ben frieren tom^ofitionen £xn. M* namentlicb, in bex «gaxmonte* 
füt)xung unb SSe^felung äugelte. 8m übiigen 0<* ™$ btefe ©infome 
bon bex tücfjtigen »ilbung be§ tomboniften 3eugm§, tnsbefonbae 
toa§ goxmenabxunbung, fontrafmnltif^e Arbeit unb reiä)Ilingenbe 
Snftrumentierung anlangt; fie erlernt in toenigen SSodien tm ®xuc!, 
unb toix roexben fie fbäter ausführlicher bef brechen. 



91.16. StuS: äRuftf leben in Seidig 1839/40 (Stuff. 93). ©uterpefonäerte. 235. 

SSon Dubertüren braute bie »©uterpe« in meift guter 2tu3füt)rung 
aufjer befannten äMftertoerfen bon jDtogart, 23eetl)oben, äöeber, 
3Kenbetöfot)n u. u. aud) bte unberbient toeniger befannte git »@t)afe' 
fbeare« Don tutjlau, bte un§ ein in bollfter Blüte ber ®raft gefccjriebeneS 
SSerf, ttenn autfj eines türtftlerS bom fetten 9totge, §u fein ft^eint, 
eine fction "früher gehörte bon Berrjutft (9fr. 3) unb bann biet neue,' 
nämlid) bon SSefJioj §u »Sßaberletj«, bon (Sm&adj, einem f)oMnbif^en 
fomboniften, äSolbemar geller au§ ®re§ben unb (S.Seonljarb 
au§ Seibjig, bort benen bie bon Serlios (bereits gebrutft) in ber geit* 
fdjrift afö ein biet tfjmttajitfdjeS,. feltfam inftrumentierteS ©f arafterftüä 
ftfjon früfjer ermähnt würbe unb großes gntereffe erregte. ®ie bon ©m= 
bacf/ berriet nic£)t§ ©enialiftfieS, fonft aber £üd)ttgfeit unb Routine in 
9mtoenbung gefälliger Mittel, üjt cu)nliä) bie bon SS. geller gefunbe 
9tatürlidjleit unb freunbliäjen ©inn, ioät)renb bie beS jungen Seidiger 
Sotntooniften ttaö) äjarafteriftif euerer Bebeutung auf Beeti)obenfc£)ejn 
2Bege ftrebte, too ttut bie ©ragien ausgeblieben waren, bie im %üumpfy 
pge 23eett)obenfcf)er ©ebanfentoeife bötf) nie ganj fehlen, ©S rurat.nacc) 
einmaligem £>ören nur bon &otaIeinbrücfen bie jRebe fein, wie mir fie 
l)ter einfach auSgefbrodjen b>ben. .-..'' 

®er 9Äufif biref tor beS Vereins gab uns in ben ^on§erten ber » enterbe « 
felbft nichts Sfeues, wor,I aber in feinem SSenefelonjert, bon beut tote 
fcEjon früher berichteten, ba% es eine Seünaljme: fanb .berart; ba| fiel) 
bie ©efellfcliaft pm Sefi&biefeS lebenbigen, umfingen/ mteilSgefuttben 
jungen fünftlerl nur ©lud wünfetjen lann unb ilm fo lange tote möglich 
fef%ul)alten fidj angelegen fein laffe. 

Sn freunblic^fter SBeife unterftüfeten, wie fdion erwätutt, bie brei. 
jungen Sängerinnen, bort benen notfj feine btö 20. Qaljr überfdjritten, 
metjrfacf) bie ®ongerte, aufserbem in me^r ober minber bebeutenber 
SSeife bie §§. Utyxiü), als Ijöcljft fertiger, reiner, fräftiger unb gefdmtad* 
boller SSioImftoieler begannt, ber audt) noö) immer fortfdjreitet, — bie 
£>§. ©rabau unb SSint er,. beibe SSioIoncellftoieler, S. Singer unb 211= 
freb Sörffel, flabierftoieler, SSeiffenborn, gagottift, ©ofebruä), 
glötift, Qnten, «iolinift, $ein§e jun., tlarinettift, gaufmann, 
£oboebIäfer, unb ber betonte alte ijarfenftoieler ^ßrinj, beffen befrei« 
bener, bielfadg intereffanter fünftlerdgarafter unter ben £änben eines 
£offmann ober Sied? eine anjietienbe ^obellenfigur abgebett muffte. 



236 9t 17- «"* ©* übelt M' 96 '- _ ^ 18 - Äua: tür * ere @tütIe (Äuff ' 98) ' 

17. 2Ius: (Stfiben für bas panoforte (Slvtff. 96). 
S. ft. jQitimttg f Stubien für ba§ ^ianofotte*. 

aBerl-lO. 

$er 3tame biefe§ SSomponiften ift in tiefen Startern unb un§ über* 
fjaupt nocf, ntty üorgetommen. ©erabe auf ©tübenrjefieu aber rotrten 
frembe tarnen nur roenig. 28a§ rjat ber SJtann geleiftet, fragt man ftcr,, 
baft er ficfj un§ gteicb, atö Sekret unb SJceifter anttnbigt unb aufbringen 
Dritt, teuerer Seit inbe§ fcfjeint ber begriff be§ SSorteS „©tubte" ftcf, 
me^r unb mer,r beut ju nähern, ben es in ber 3Merfpracb,e fjat. ©n 
fcfcjärferer SBtid in bie Somtoofition überzeugte micf, ju meiner greube 
aber batb, ba£ atterbingä aucf, anbere bie (Stuben mit 9lu£en früheren 
lönnen. ®ie ®aU ift beweiben, beinahe fcptfjt; bo^ lommt fte au§ 
befähigter £anb unb berrat einen acrjtungSroerten Seiner unb SRuftier. 
3um grölen Seit ficb, ber (Sramerf^en SBeife näfjernb, in gerat, <S$a- 
ratter unb Haltung nocrj anfprucplofer afö jene, mögen biefe ©tüben 
mit Vorteil benu|t werben unb ©Gütern unb Sehern %w mrüecfjfeiung 
empfohlen fein. 3tameniß$ erfreut an ibnen bie torrelt^eit unb 3xetn* 
t,eit ber Harmonie, etroa§, roa§ fict) an ©tüben bon fetbft berftef)en mußte, 
roa§ fiä) aber leiber ni^t immer antrifft, ©trage, obgleich bie roentgften, 
ergeben ficf, aucf) über bie $rofa be§ SJiec^anif^en gu feinerm 2Iu§brucf, 
fo bie 2. in @*moti, bie 9. in gi§*bur. Sfat fc£)roäcf;ften ift roofjt bte erfte 
in ©*bur unb ro<# nur beSfydb getrieben, weit ©tübentontöoniften immer 
mit biefer Souart anfangen %u muffen glauben, roop fie inbe§ uiemanb 
fingen rann. 9?irgenb§ aber treffen roirauf gerabeju 21bftc#nbe§ 
•ober ©enteine§, wegfjaSb roir berat nochmals ba§ berbienftboüe SSerl 
jur ®urd)fi^t unb grau ©urcfjfüieien benen, bie e§ angebt, anemtofefjten 
wollen. — 

18. 2Ius: Äußere Stüde für panoforte (Stuf f. 98). 
ft. SSil^eltn, Stcmoto für U% ^ittnofotte**. 

• SSerf 5. 

®a§ Heine, anfprucpfe BM wäre räum einer befonberen Stufige 
wert, wenn e§ nitfjt abermals §um SSeWeife biente, wie bie SHabierfüieler 
neuerer Seit bie -©ffeäe anberer gnftrümente auf beut irrigen nac^u* 

* ©. 15. SBor: tullol, ©üben. ** ©.20. SSor: ©pon^otä, ^antaftebitber. 



3t. 18. 2Ut3: türjere ©tütfe für ponoforte (Stuff. 98). 237 

bilben fid) bemübten, obfdjon ber ©ffelt be§ Tremolo ouf bem ®labiere 
ein f djon Icmgft gelaunter ift. ®a& bortiegenbe fdjeint burd) 33eriot§ 
©tücf gleiten 9<tomen§ rjerborgerufen, tft jebodj faum meljr afö eine 
grübe, bie fid) ein firebfamer ©djüter gu feiner eigenen Übung gefdjrieben. 
®er ®ombonift nennt fid) auf beut Site! einen ©djüter bon 31. ©djmttt, 
bem er aud) fein ©tüd gennbmet. Silbe er fid) unter biefer foliben Sei» 
tung tneiter unb gebe balb größere groben feiner ©tubien. 

3S. $. SSeit, 3 9tuttimto§*. 

Sßerf 18. 

3tud) biefer Sombonift ift SSöfjme unb afö einer Ü)ret tatentboEften 
SDtufiler fdjon öfters bon genannt toorben. SSon Stabierlompofitionen 
Ijat er nur erft toenige beröffentlidjt. SSiet lieber fdjeint er fidj auf 
bem ©ebiete be§ Quartetts gu belegen unb für f labier nur gelegentlid) 
unb metjr gut Unterhaltung, eigener toie anberer, gu fdjreiben. 2luf 
StnerJennung tiefen, eigentümlichen ®unftgeljalt§ madjen benn auä) 
obige Notturnos leinen Smfmitd); burdjroeg merlt man aber aud) üjnen 
bie gtüdlidje, natürtidjeStnlage, bie grünblidje Söilbung an, bie feine große* 
ren Strbeiten in nod) t)öt)erem @rabe betunben. ©r ineiß gu fingen: 
baburdj finb jene Notturnos am beften djaralterifiert. gur Bierat t)at 
er ü)nen audj 3Mto§ bon ©oe.tfje, £eine, SJiofen borgefe^t unb 
mit ©efdnnad getoätjtt. Slmmeiften fagtun§unb toirb it>ol)t ben meiften 
ba§ erfte »2m ben Sttonb« gufagen mit bem buftigen $e.r§ ©oetljeg: 

pttteft tuieber 23ujd) unb Xol . . 
©tili mit SteMglaitj ufto. 

§. (Starner**, 

>Le desir«, Pensee romantique. Oe. 14. — >Les Regrets«, Pensee 
sentimentale. Oe. 16. 

SDttt- einem ©oljne ©r]ren*6ramer§ f)aben mir e§ tjier rool)t'md)t 
gu tun; ber roürbe ben ©tüden tt>ob,I gar bcß Imprimatur b'ertoeigert 
laben. 28ir joüßten an ilmenlaum ettt>a3 t)erborgut)eben, afö Ü)re giem* 
lidj leidjte ©eftaltung; t»a§ fid) ber f ombonift im übrigen unter Vornan* 
til borftellen mag, toiffen bie ©ötter. gm ©runbe t)at er mit feinen SSer* 
len 14 uttb 16 nidjtö afö groei toalgerartige ©tüde gegeben, über bie 



* ©. 21 u. 9Jad) : Sit«, ©djeräo. 
** ©. 24. SSor: te&ler, SBaläer:. 



238 SR: 18. SfaS: Süßere ©tücfe für SBtcmoforte (Stuf f. 98). 

man ficE) Weber ütet erbofen nod) erfreuen tann; fie getjen ben SBeg, 
ben fäjoh taufenbe berfelben SCrt gegangen, unb fyaben ü)re Senbung 
erreicht, tuenn fie bemerlt unb oergeffen »erben. - 

St aKontdg, $ret ^Motten*. 

sjger! 4 516 . : 

(S§ »erraten biefe ©tMe ein bebeutenbeS (Streben, ba§ aucf) im 
Keinen SBoÜlommeneS unb ÄunftoürbigeS geben möchte. »Sieber 
of)ne SSorte« ftnb e§ nidjt, toie mancher bem Site! nad) öermuten lönnte, 
boä) aud) leine Melodies (baZ Ie|te etroa ausgenommen), fonbern etjer 
SmtoromptuS tierfdjiebenen ©fjaralterS. £a§ lfte fct)eint mir gu fürs ge= 
raten unb toilt beStjato leine roarme Setmafjme ertoeden; e§ liegt toorjl 
aucrj an ber etttaS monotonen melobifdien Hauptfigur, auf bie ba§ 
gange ©tüd aufgebaut ift. Surd) einen ©egenfa^ in einer SMttonart 
ober ein £rio in einer bertoanbten roürbe eS bielleicrjt getoonnen tjaben. 
®a§ 2te ©tüdE ift ein eigentliches ^mtoromütu unb mit gleifj, faftetroaS 
ängftlid) betjanbeft; im */ 8 *%cät gef ^rieben mürbe eS fid) !t>ot)t uud) 
natürlicher ausgenommen t)aben. ®aS le|te ber ©rüde t)at einen »armen 
Son unb fagt un§ aucf; als ©angeS am meiften gu; bie Steigerung bor 
bem SMdgang ttirft beim erftenmal §ören etroaS rjerb, was ftc£> burd) 
öfteres inbeS mtlbert. äöir tjaben ber Stufige biefer Keinen Stüde 
meru* $Ia| eingeräumt ime getoörmlici), roeil fte, roie gefagt, ein rjödjfi 
ud)tungStoerteS Streben bezeugen, ba% mit ber Seit ficrjer immer fernere 
grüd)te tragen mufj. (SS geigt ficE) Jenes Streben in anbern foeben er- 
fdjienenen tombofitionen beS Jungen SünftterS, in (Stuben unb Siebern, 
nod) beutlidjer; inir toerben unter ben befonberen 3M>rifen, bie bie 
„(Stube" unb baS „Sieb" in ber Beitfdnift erhalten, barauf gurüätommen. 

$. 2$. WiatMl, mex (^atafterptfe **. 

28erf 2. 

©tjaralterftüde in ber £at tro£ beS fentimentaten Mottos: „Unb 
toaS umfonft bie SBorte motten fagen, ba§ bürfen Söne auSgufpredjen 
magern" Söir tjaben fie mit greube gelefen unb getjört ; eS finb gefunbe, 
^offnungSbolle teime, unb ber totubontft geigt §erg unb 2Serftanb. 

* @. 24, u. iRacfj: fe&ter, SBu^er. 
** ©. 26, m. $or: Söbenffiolb, 8tn)mrat{>tiig. 



7" 



3J. 18. 3tu§ : Äußere ©tücfe für Sßtanoforte (Stuff. 98). 239 

3Ba3.m ber gorm nocr) mangelhaft, toirb bie gett bringen; toir finben 
bie§ 3ttangetl)aftere namentlich im erften ©tüd, too e§ gegen ba$ (Snbe 
t)in tolöpcrj .nacr) ©-moll fiel) toenbet, bann im stoeiten, too ber gautot- 
gefang (erft in S=bur) nidjt fdjßn in ©»bur ficE) toiebertjolt. ®er fom- 
fionift, ber überall ©efdjmatf unb Sitbung betrat, toirb uns berftetjen, 
toenn toir nur anbeuten. ®er ©runbton ber ©lüde ift bagegen in allen 
ein fo ftäftiger unb erfreulicher, toie man e§ in gtoeiten SBerfen nur feiten 
antrifft. ®a§ . originellfte fctjeint un§ btö gleite mit ber ballabenälm» 
liefen SMobie in ber tinfen §anb; in ben anberen finbet man tjier unb 
ba 2tnftänge an 9Kenbet§for,n, toot)I audj §enfelt, bodj nirgend, bafs e§ 
wie matte tobie auSfätje. S8ir tjoffen bem Ifrmtboniften balb triebet 
p begegnen; er berbient £eimar)me unb 2lug3eic()nung. 

®. ©. Siäl, »©afteitter »roten«, $e$n m^atfobun. 

äSerf 59. 

©ie »3fcr)ler Silber« besfelben tomtoonifien tjaben im $ublifum 
.rote, hei ber tritt!, fo freunblicfje 9lufnat)me gefunben, bafj er itmen eine 
töJTtlidje atettje Sonftücfe folgen lägt, benen toir gleichfalls Seitnafime 
berfbtedjen bürfen. 3Sie bie gfdjfer Silber, fo t)aben auet) biefe Sonftücfe 
Überf Triften unb 3ttotto§; bte-3Jhtftf an fict) bebürfte- fie laum, bodj t)at 
ber tomüonift mit Sinn. unb ©efermtaef getollt. ®ie rjerborftecljenbe 
garbe ber ganzen (Sammlung ift übertäubt ein gemütticr)e£ Stau; nur 
feiten nimmt er eine grellere, grauere p feinen ©ctjilberungen. (£t)a- 
rafterifieren toir fie burä) SJcttteilung ber Überf Triften, bie bie 10 ber* 
fcf)iebenen Hummern tragen, no et) genauer, — fie fjeifjen: »2>ie ©ctjtoer* 
mut«, »®er 9taberfcrjlag«, »2)a§ 9ßact)finnen«, »SSaff erringe«, »®rei= 
fattigfettsbiümc!)en«, »2Iuf bem 9tagfeß>«, »Stuf bem grieMjof p @t. 
Nicola«, »llfjenrofen«, »Sei ber Sennin«,. »2ln ber ©afteiner Slcf)e«. 
Sin 2lbtoecf)femng fep eS mithin nidjt im &efd)eibenen Slütenfrans, unb 
erhalten toir nicfjt immer Originales unb SiefeS, fo bodj grpunblidjeS, 
SBot)t!lingenbe§; toir möchten biefe Seiftungen mit benen einiger öfter- 
reicrjifcEier ®id)ter (@eibl, Sogl) in Sergteicb, (teilen. $n mufüalifcfjem 
Setractjt erinnern fie pnäd)ft an bie @ct)uBext-Stfätfd)ett ©tücfe, tote toir 
fdjon an ben »Sfc^ter Silbern« bemertten.. Um ©n^lneS Ijerborpfjeben, 
fo finben toir gtetet) bie (Sinteitung pr ganzen Sammlung fet)r artig 
unb toie eine SSibmung §art unb auf ba% golgenbe t)inbeutenb, tro£ 
einer ftatfen «Rentmiäjenaf-cm bie ©=molt=SalIabe bon (^ofnn; aud) 



240 $1- 18. Sfa§: f üräere ©tflde für pcmoforte (Stuf f. 98). 

bie erfte Stonmer (»Schwermut«) b>t einen ©tjofunfcrjen Smftrid). gn 
ber jweiten !ann fid) ber fombonift nid>t bon einer Harmonie trennen, 
ber aud) mir fer>x botb finb; fie erf Geeint inbe§ wobi ju oft*. ®a§ ©tüd 
feilst: »®er 9tnberfd)Iag« unb fteflt fid) atö d)arafteriftifd) ' fdjott bem 
2ütge bar. Sfod) bietet Hefte fid) über bie einzelnen .©rüde fagen; fummie* 
ren mir unfer Urteil in ba§ ©eftänbni§, baft biefe tombofitionen %u ben 
bemerienäwerteften gehören, bie un§ bie f aiferftabt in neufter Seit ge= 
brad)t, unb I)ängt and) it)nen nod) toleX SSirtuofifäjeS an, fo überwiegt 
bodj ber gute ©efdmmd bei weitem, unb e§ ift §u I)offen, ber fo 
wadere f ombonift läutere fid) immer mefjr unb mefjr. ©d)reibe er bod) 
aud) für ©efang; feine iilabierfontbofitionen »erraten and) r)tergu glüd< 
Iid)e S3efät)igung. 

atofiert WtnlUt, Poesies musicales. Oe. 5. 

©obiet mir roiffen, ift ber fombonift ein ©djotte, trb| feinet ed)t 
beutfdjen 9lamen§. ©eine ©tüde berraten inbe§ nid)t§ bon feiner au§= 
länbifdjen mftammung; nad) «men p urteilen ift er mit Seib unb ©eete 
ein Stjatbergianer unb SSeffini fein sftebengott. Huftier toiffen fonad), 
ma§ fie bon ben fompofitionen 5 U erwarten tjaben: ein ©emifä) bon 
Sentimentalität unb Mabtetbaffage, toie e§ namentlid) in @aton§ ge- 
fd)ä£t toirb. XXn§ besagt bergteidjen inbe§ nur wenig, unb man weife 
erft, mag man an 2J)alberg unb SSettini i)at, wenn man d)re @d)üter 
banebenf)ätt. SBie mattt>ergig ba% atte§ ift; man begreift nid)t, wie e§ 
bem tompomften nur felbft gefallen mag. ®ie Überfduiften, bie bie 
©tüdetjaben, machen bie ©adje nid)t beffer. ®a§ erfte »La cloche de soir« 
Jönnte ebenfogut » 2>ie SJtorgengtode « fjeiften, ba§ jweite » L'adieu « ebenf o 
gut » Le retour «, wie ba§ britte » Le retour « fid) bom » L'adieu « nur blut= 
wenig unterfd>eibet. 9M)r bermögen wir leiber au§ ben ©rüden nid)t 
l)erau§äufinben. Ser fombonift fd}eint fertiger flabierffneler; berwenbe 
er feinen gleiß auf ba3 ^nftrument; at§ fombonift wirb er fd)Wertid) 
reüffieren. 




<£ü>. 



<£a. 



SR. 18. SfoS: fürjere Stüde für Sßtanoforte (Stuf f. 98). 241 

»La Romaiiesea«, fameux air de danse de flu du XVI Siecle, 
arrange p. 1. Pfte. par L. Farrene. 

(Sin !ieme§, ^öcE)ft febenbige§ unb angietjenbeS SRufüftüd, ba§ wir 
allen greunben nationelter SMobien embfefjlen. ®§ ift perft wieber 
in $art§ aufgetaucht unb, tute ber Stiel fagt, bon Stfet unb (Sr)o{nn in 
^onjerten gezielt Worben. 2>et tomtoonift fetbft tft unbefannt. Sas 
Arrangement ber 5Kab. gatrenc berbient wegen feiner Seicfjttgfett unb 
feinet SSot)ffiange§ befonbereS £ob. gfodfjmäfö fei barauf aufmerffam 
gemacht; man witb fid) baran erfrtfcrjen. 

®. SBofc, »Ne m'oubliez pas« Rhapsodie p. Pfte. Oe. 36. 

®ie DbuSjat)! überraf(J)te un§; bei siemtidjer »efatmtfdjaft mit beti 
erfcEjeinenbeu Sombofitionen gefteljenwif, ba% üttö'bcr 9tame pnt erften* 
mal borgefommen. ®afj mir inbe§ gu letbenfcb/af titlet , ©eljnfudjt .'nadj 
ben bottjergeljenben 35 Herten burcr, bie «Rijapfobte angeregt worben 
Wären, müßten mir falfcb, belennen; att tombofition Ijat fie nur wenig 
SSert, afö (Stube bielleicf)t meijr, bocb, finbet man mit äfmlidien gittert/ 
iionen welche p ®u|enben in anbeten heften. Studj fjier befaßt bog 
SJtotto leiber gar nichts, wie benn tomboniften fo!cf)e S3onbon*®ebifen 
ein für allemal aufgeben füllten. — ' 

Sßatter tum @oet!je, R6veries. Oe.4. 

Sfodj- ein berühmter 9tame, audj Mottos; e§ bücft eine gewiffe fetjn- 
fücpge ©cfjaffenSfufi au§ btefen ©tücfen, babei ein fdjltd&teg, fanfte§ 
SBefen, baS un§ für ben ffiomponjlcn einnimmt, freutet) ftetjt er not!) 
tridjt auf feften %ü$en; eine überwiegenbe SSorttebe für italienifcr)e 
SRelobif Witt un§ feine gftdjtuug fogar etwa§ berbäci)tig machen. '3nbe8, 
er ift jung, tragt einen N gemeinten tarnen; mir Wollen ba§ S5efte bort 
feinen Seftrebungen erwarten. Qu einem ber ©tücfe fel)it un§ übrigen! 
ber ©bluffet; e§ Reifet »Staoul«. SKa§ foll bog fein? m gefällt un§ ubri* 
gen§ am beften. " , • ' 

%$. milaf, »Reve«, Piece de Salon p. Pfte. Oe. 4. 

©benfaltö ein fentimentateS ©afonftücl, ba§ inbe§ ©efäjid unb Salent, 
jebenfalfö einen guten Mabierfötefer betrat. ®er atte'SBadj würbe Wot)t 
geftu|t tjaben bei einem anfange wie. btefem: . . 

8Jo6ert ©jjumannä gef. ©Triften. II. -.g 



242 



9J. 18. 9Iu§: Äfirjere ©tMe für pattofort? (Slufj. 98). 




3nbe§ Hingt er gut, unb bie golge ift ntc£)t fdjlimmer, baS> Stnbante fogar 
einnetjmenb für bett J?otnüoniften, 2tuf grauenbeifall fdjetnt er e§ 
pnädjft abgefetjen ju Ijabert, unb er lann ber jarten IHeinigfeit aud) 
nid)t ausbleiben, gmmertim betjerjige ber : junge SStrtuo», tt>a§ it)m bie 
3eitfd)rift bei einer früheren S3efpred)ung einer feiner Sotnüofitionen 
an§ §er§ legte: fud)' er ftcfj aud) Bei Scannern in Sfefbeft ju fe|en! . 

§. 2>ejfttuer, »Le Salon«. Suite de morceaux pour Chant, 
Piano et Violon. Oe. 30*. 

®ie Beiben erften Hummern biefer Sammlung enthalten jtoet £ a* 
pricen für ^ßianoforte, bie erften SHabierlontbofittonen, bie un§ bort 
biefem al§ @efang§fom»onift befannteren äRufifer %u ©eficfjt lommen. 
6r ift offenbar aud) auf bem ^iauoforte Ijetmtfd) unb geigt fid) felbft ben 
neuern 3üd)tungen bertrauter, afö mau fonft bon ©efang§* unb Düern* 
lomponiften getoofmt ift, beuen ba<3 Matrier meift nid)t metjr gilt aU ein 
ßeierlaften, um ü)re SMobien p begleiten. Qnt übrigen belunben bie 
Keinen ©tücfe eine leiste unb au§gefd)riebene $anb, nrie e§ bon einem 
Siotuboniften, ber fd)on fo biet gefdjaffen, nid)t anber§ ju ertoarten it>ar. 
S8a§ mir gegen bie mufifaüfdje 9%d)tung im ganzen, bie ber tomponift 
aud) in feinen f labierfomtoofitionen gu Verfolgen fdjeint, etttm eingu» 
menben Ratten, muffen mir, too er felbft burd) bie 2öat)t be§ Sitetö fd)on 
auf 2tnertenntni§ beeren tunftttierte§ SSer^icEit teiftet, unbecüf)ü laffen. 
6r tüollte für ben ©alon fd)reiben, er befi|t bie $ät)igleiten ba%u; eine 
ftrengere SMtif märe ba ppifterljaft. ®ie ©tütfe finb mefobii>§, nid)t 
ofyne (Sfbrit; fie ioerben fid) alfo 2Beg mad)en. 

31. ^enfjelt, »Air russe« de N. Naroff , transcrit pour le 
Piano. Oe. 13**. 

®af$ biei Keine ©tüd eine DpuS^! belommen, geföjab, toot)t otnte 
§eufelt§ ©dmlb. §n feinem gälte ift feine au§fd)müdenbe §anb baran 

* ©.27. $or: S^atterg, ®ct)erso u\to. ** ©.30. 58or: £cm6ett, »Kajabe« ujtt). 



31. 18. %uS: fingere ©tiide (Stoff. 98). - 3f. 19. 2t u §: gtiiben (Stoff. 102). 243 

gu benennen; eg fann aI3 ein SJhtfter bon Bearbeitung gelten, tote tote 
beren mefjr gu Befifcen toünfcf,ten. ©fette e§ ben Somboniften nicrjt gu 
fefjr bont eigenen sßrobugieren ab, fo toürben toir ü)n bitten, eine gange 
Sammlung «oIMieber in biefer SBeife gu übertragen, fie mußte große 
£eimat)me finben. Stber jeneg gefjt-bor, unb ber tombonift b>t fäjon 
SU lange gefcfjtoiegen, afö baß toir auf mef)re bergfetdjen fefunbare 8b> 
betten; bringen motten. @ebe er benn au§ balb (SigeneS; einfttoeüen 
ergöfce man ficf) an bem Keinen, aber reigenben Stücf, ba3 un3 ben tont* 
poniften in feiner gangen too^Ituenben ©gentüntlidjieit bergegen* 
toärtigt. — 

$. 3Rcr^net, £toet (SljaraWerjiitde*. 

SBerf 105. 

8toei SHeinigleiten, bie ber bereite ^ombonifi bielleic^t aus feinen 
älteren gieren I)erborgegogen unb, fie je|t gunt 3)rucf gebenb nur 
mtt Übertritten beseitet; fcfetere Reißen: »Stabile äßonbfäem* 
naö)t« unb »gtatterfinn unb Übermut« unb treffen ben (Sinn ber 3)htfif 
Sn ber erften Kummer toirb mancher an bie »@ommerna<^tStraum«» 
Dubertüre, and) an einen ©fior in»Dberon« erinnert toerben; bie9?enti= 
ntegeng baran läßt ficf» laum abtoeifen. ®ie gtoeite erinnert un§ an 
äfrttlicrje ©tiicfe bon Sftarfcrjner felbft; fie ift munter unb lebhaft, toenn 
auä) im gangen getoöb>Iic^. ®aß man nad) ben. Keinen Stücfen auf 
ben 93übung§gang be3 tomboniften übertäubt fließe, toirb er felbft 
ber erfte fein abgulefmen; fie finb toie Sinkflüge auf ein ©eitenterrain 
gu betrauten, auf bem er in feiner Qugenb r,eimifcf, ^ toieber einmaI 
umgufe^en angeregt tourbe. — 



19. 2tus: mbm für bas Panoforte (Sluff. 102). 
t. (£tiet§, ®rofee (Stäbe**. 

WS, getiefter Mabierfbieler ift ber »erfaffer ber ®tübe in ber Seit» 
fdjrift fcfjon öfter ertoettmt toorben, aß ^ontbonift, fobiel i% miäj er* 
innere, noef) triebt. ®aß er mef,r gleiß auf baS ^nfirument aß auf bie tont* 
bofttton bertoanbt, geigt and) feine (Stube beutlid); fie fbiett fict} gut unb 
Hmgt im gangen; ein tieferer ©er,att fefjlt u)r aber, fie ift fogar in ber 
fform mang elhaft unb unflar. ®aß eine (Stube bon biergelm (Seiten 

* S. 31. g$or: gfjofim, 2 SKottiraioS ufto. 
**©. 66. S5or: <5})onI)oIä, ©üben. 

16* 



244 3t 19. Slu§ ; : &üben für US «ßtanofotte (Stuff. 102). : 

feine im gewörmliägen ©trate fein tann, in ber eine Hauptfigur feji« 
gehalten wirb ufw., berftefjt ft# bon felbft; fie befielt bietmer,r au§ ber* 
fctjiebenen ©lüden unb ift Wo£j! übertäubt au§ betriebenen gu ber* 
fägiebenen Seiten entfianbenen ©ebanien jufammengeföjmotjen. @o 
fängt fie benn in 2Wmr an unb fdjttejjt in 3>moII, gft nun ba§ ©an§e 
eben lein SMftetftüä:, fo geigt eS bodg bon gabigfeit, ber freiücb, nodg biet 
&u tun übrigbleibt. ®er SSerf affer ift bietteidgt f ctjon im 2tugenbü<f weiter 
oorgefdgritten unb bie ©tübe ein ©tuet au3 früherer 8eit. Sßir bermutett 
ba§, ba Wir anbere fleinigfeiien bon it)m lennen, bie un§ reifer unb 
felbftanbiger fdgeinen. — 

d. §afcet:&iet, 

»Coeur insense sois calme on brise toi.« Etüde p. le Pfte. — »Le Ruisseau«, 

Etüde p. le Pfte. ' 

3Mt ber feiten ©übe finb mir einberftanben, wenigften§ §um Seit: 
mit ber erften wenig ober gar niä)t. SBarum auä) fo ein fjer§brecS)enbe§ 
SDtotto boran, mit bem e§ bem f omtooniften unmöglich (Srnft gewefen 
fein fann? ©§ mu| eine SRufit fet)t bebeutenb fein, folt ein fottf)e§ 9tu§* 
x)ängefd)itb nierjt lädgerliä) wirfen. ®ie tombofitton ift nun aber wirttiä) 
beffer afö ba§ SJtotto unb berrat einen warmen teibenfetjaftudgett SJhtfit» 
finn, ber für feinen 3tu§bmd bie§mat freilieft, leine ferjöne %a\\m$, Mm 
föjöne gorm p finben bermodgte. ®a§ te|tere fdgon bei weitem met)t 
in ber anberen ©tübe, »Le Buisseau« genannt, obwotjt mir auü) biefe 
»ejeidgnung rädjt ' gtttäfidj gewägt fäjeint. 3m übrigen enttjält fie 
aber einige fcrjßne Partien unb namentlich) einen gefangbotten SJttttet* 
fa|, wie benn ba§ gange ©tue! bon einem befonberen SSobHIang befeett 
ift, wie Wir ibn in tompofitionen junger tünfiter nur feiten antreffen. 
Db bie tombofition, felbft fdgön getieft, eine Sotatwirfung madgt, be= 
jweifetn wir; fie fdgeint un§ %u lang; ba§ einzelne fann aber, wie gefagt, 
ben ©ffelt mdjt berfebfen. 28ir wünfegen bem ^omboniften ®\U jur 
Saufbatjn, auf ber wir ibm Bleute gutn erftenmat begegnet. — 

(Sbuewb ^wWjett, 2Utbattte unb iiübe*. 

Bert 1. 

©in tonjert* unb ©alonftüd, ba§ ber tomponift, ein auSgeäeicbmeter 
©vieler, gunäcfjft für ft^ gef ^rieben. Sie gorm erinnert an £enfett§ 
gleichnamige tombofition, bie 2lu§füb,rung an Sfjatberg. SPtan wirb 

*©. 66. Vlaä): <£>pOTÜ)ol%, &übm. 



3t 20. m$: Steberfdiau (Stuff. 107). 245 

fomit auf bie Itompofitiott fcf)Ite§en tonnen, unb bafc fie bor allem ge« 
fallen will, ©elbftanbig geigt ficb, ber $ ombonift nocb, nic£)t. SBir muffen 
alfo bie Qufunft nocb, abwarten. 

tarf SStttwatttt, <©etf)§ (Stuben*. 

SBerf 6. 

®ie Stugftattung ift prächtig, bei <5üä) borgügtict), — aber bie fom* 
^ofition! @ie rürjrt too£)I bon einem Dilettanten t)er, einem SJhtfifer 
»äre fie laum gugutrauen, nocrj weniger gu bergeben. In gewiffe gärten 
unb offenbare <Scb,ni|er, wie fie bag Söerf geigt, mürben mir un§ am 
enbe noct) weniger ftoften afö an bie gange fetale 3üc£)tung, bie eg gebjt, 
jeneg füpctie, fentimentate SSefen, bag italienifcb, fein will, jeneg bir= 
tuoftfetje fofettieren, bag nur auf ben SöetfatI berliebter grauen aug* 
gef)t. Per, wie gefagt, wir bermuten einen Dilettanten fjinter bem $Ser= 
faffer, einen bon jenen bieten, bie „£f)alberg" fielen lönnen unb SWogart 
beraltet nennen. Slber er taffe baS komponieren. <Sg gibt 10 000 beffere 
Äom^ofitionen in ®eutfcb,Ianb atg bie feinigen — bte bodj niä)t gebrueft 
gu werben berbienen. 28ogu nocrj bie SMuIatur bermef>ren? 



20. 2lus: £teöerfd)au (Sluff. 10.7). 
& $. i. ^ortntatttt, ©edj§ Siebet mit ^Begleitung be§ Sßfte.** 

SBerf 35. 
®iefe Sieber berbienen eine lobenbe 2tu§geict)nung. ®er treffliche 
Huftier f^ricEjt au§ jebem eingelnen, wenn Wir auetj mit ber Stuffaffung 
einiger nföjt gang übereinftimmen. ®iefe guerft gu lernten: eg finb bog 
»pttcfjen« bon ©leim, bag unS in Tonart unb §armonifierung gum 
festen Sejt gu gefugt, nict)t einfact) genug fetjeint, obwobj eg ficb, atö 
SRufüftüt! an ficb, runbet unb aBfdjttefjt. ®ag »9tbenblieb« trifft bielteic^t 
ber entgegengefe|te Vorwurf; bieg, wie eg ung büntt, ift für baS nadj 
jRub,e bertangenbe §erg, bag ficE) f)ier augftmd&t, gu rufng unb monoton 
gehalten. Söenn ttid&t berfetjü, fo boeb, aueb, nic^t getroffen ift bag ,£>eine= 
fdje »SKein Siebten, wir fafeen beifammen«:(mit bem fomifdjen ®rud= 
fester am «Sdjlttfj: „wir aber fdj Wammen borüber troftlog auf meinem 
Wien", ftatt „weitem"). ®ag ®ämmrige, garte b'eS ©ebiebteg wirb bier 
bureb, bie .SKufi! nicb,t nähergebracht. Ser Übergang nacb, gig-mofl in 



** 



* ©.67. 9?arf|: Wlontag, ©üben. 

' @.85. 9Ja^: Sötoer, »SieBeäfröpng«. 



246 9?- 20. STu§: Sieberfcfjctu (StufJ. 107). 

bet SJUtte Besagt un§ nid)t einmal im mufifatifdjen 23etrad)t, mo fonft 
bem tomponiften ntä)t§ angaben ift. gut eine nidjt leiste 91uf gäbe 
für ^ompofitton galten mir ba§ Sßacfernagelfctje ©ebid)t »®er Stopfen << 
e§ ftotid)t in an fid) gelungener ®id)termeife eine Sftorat in einem SSer* 
gleite au§; beibeg, moraliftif dje unb Mbftdje Senbenjen, liegen ber 
SJhtfil fein. S)abon abgefetjen rjat fiel) ber f omponift bemüht, ben ©tan 
be§ besieg bi§ auf ba§ einzelne Sßort genau in ber ERufif au^ubrägen, 
unb e§ ift it)m gelungen, menn aud) bet ©efang eine entfäjiebene Mx> 
fung nid)t madjt. Überhaupt ift fäjon bie prjigieit be§ Mnftterä, ben 
@inn eine§ ©ebicl)te§ §u faffen, e§ jit teljettfdjen, bet 3febe mett in einet 
Seit, mo im Siebermefen fo titet l)öä)fi Mittelmäßiges erfdjeint, mo bie 
meiften felbft beliebteren ^omponifien tfjre ©ebidite gar nid)t burcb/ 
gelefen p l)aben fdieinen, in foldj berlefjttem SScr^äftniS ftet)t ü)re SKufif 
oft jum ©ebidjt, unb meifteng taugt jene aud) an fid) nut menig. @otd)e§ 
fä)ütert)afte ©eftantmle berat in ben ©artmannfäjen Siebern niäjt anju- 
'treffen bürfen mir berfidjem, unb mir muffen nod) ber §mei gelungenften 
ber Sammlung gebenlen, bie mir abfidjtlid) bi§ jum @ä)luß aufwarten: 
fie finb btö erfte unb lefete, ba§ orginelle ©ebidjt bon SJlörife »Sägerlieb« 
mit. bem Slnfang: „Siertid) ift be§ SSogefö £ritt im ©dntee", einfad), 
aber lebenbig unb originell aud) bom tomboniften gefaßt, unb baZ 
fefcte »®ie Ijeiligen brei tönige« bon §eine, bie§ fonberbare ©ebidjt, 
l)umoriftifd)»!ird)lid), menn man fo fagen barf, in ber äRufit miebergege* 
ben, in ber mir nur bietteidjt eine feinere §erbort)ebung be§ »@terne§« 
münf djten, auf ben im ©ebidjt alle§ anfotnmt. 

SSir t)aben ben tomponiften nad) bleiern äftaßftabe gemeffen, ba 
er auf 9fod)fid)t 2tnf»rud) %u r,aben ein biet ju meit borgerütfter unb 
gebiegener tünftlet ift. SBergleidjen mir biefe neueren tom^ofitionen 
mit früheren bon u)m, fo ergibt fiä) attßerbem ein großer gortfcr/ritf, 
namentlich ma§ ©efd>mad in bet Harmonie unb tantabilität anlangt, gn 
jener tat er früher jubtet, in biefer jumenig. Sie SMfterfdjaff ift it)m bei 
meitem nätjergerücft; mir bürfen immer reifere unb fd)önete ©aben bon 
itjm ermarten. 

Maxi SSnntf, »aRarietttteber«. 

»SBatlfctljrt jur fettigen SKabomta«, gebietet öon £). S. S3. SSolff, für eine ©mgftitrone 
mit Begleitung be3 panoforte. SBerS 39. 

SSir gefielen, bon £rn. S3and§ Siebern bor biefen nur menige 
gerannt, in bem guten ©lauben an itm afö einen trefflichen ©efang§- 
lomfjontften gelebt gu l)aben, ba§ le|tere, ba mit biel in öffentlichen 



9*. 20. 2tu3: Steberfc^QU (Stuf}. 107). 247 

Blattern barüber gelefett ttttb mer)r, als matt fonft über Sieberfombo* 
fittonen gebrucft ftttbet. SUlit ben befien ©ebanfen gingen nur benn an 
biefe »Sftarienlieber«. Strjon baS etfte Sieb madjte uns ftutng; ba inbeS 
bie (Saäje nidjt beffer rourbe, bon Seite §u (Seite, nacE) unferm begriff 
roenigftenS, SKittetmäfjigfeit unb Blafiertrjeit fidj ju fteigern fd)ienen, fo 
legten roir bie Siebet ttrieber betfeite, in bei Meinung, bafj mir fetbft 
biefteid)t bei ungünftiger Stimmung, unter ber roir ben Somjwniften 
ntcrjt leiben laffen rooltten. Sßir nahmen fie benn, beS frühem GsnnbrudS 
beinahe nidjt metjr gebenfenb, fpäter roieber bor; bie Sieber famen uns 
immer feister unb fd)ülert)after, in SBetrad^t pr £>öfje beS (Stoffes (Sie= 
ber an bie ^eilige Jungfrau) gerabegu fdjledjt üor. (§3 mag fein, in 
Italien fingt man ©ort unb bie ^eiligen in oft rounberltäjen SSeifen 
an, unb man r)ört ba in isüircrjen, bei ^ßrojeffionen gange Belünifcrje (Stücfe 
ufro., roie betont ift. Stuf biefen Stanbfmnlt mufi fidj ber Sombonift 
berfetst fyaben, als er feine »ÜKarienlieber« fctjrieb. gn SDeutfdjtob aber 
.madjt man anbere Stnfprüdje; rietet bodj febeS Sanb naä) feinen Sitten 
— roarum niä)t audj baS, in beut Bact), Beettjoben unb anbere lebten! 
Bon biefem Stobfmntt aus muffen mir benn biefe Sieber als fo bott* 
lommen mcEittg begeit^nen, roie roir'S mit gutem ©eroiffen feit lange 
nidjt fonnten. ®a£ baS Sieb, rote jebe fotubofition, eine Shmftform 
Ijaben, bafc e§ im Meinen ein ©angeS barftelten muffe in finnigen, roo* 
mßglicf) immer neuen Berpltniffen, bafj eS eben eine fcjßrjere %oxm. btß 
Siebes gibt, babon muffen roir fürs erfte bei Beurteilung biefer gang 
abfegen. 2Sir motten fie Sunglieber nennen; fie toinben fict) bon 8 §u 
8 Saften roeiter mit ben betonten 9Jcobulationen, nrie fie feit Straufj 
unb Sanner nichts SßeueS metjr finb; bie jroeiten Berfefinb meift roört* 
XitfEje Sßiebert)ohtngen ter erften mit ganj unbebeutenben Varianten in 
ber Begleitung, unb fo ift benn ein Bogen balb boügefcijrteben. Slber 
bie gemeine .bfyitifterrjafte gorm, in ber fiä) famtüdje Sieber egal bewegen, 
möchten roir noä) t)innef)men, roenn roenigftenS t)ier unb ba .ein echter 
mufilalifäjer ©etjalt auS.ilmen rjerborbtidte, ja roenn fie nur einen über* 
Ijaubt geroanbten Sedmiter berrieten. 28a§ nun Jenen, ben ©erjatt, be* 
trifft, unb roaS tfm bebingt: ©tjaralter, Stuffaffung beS ©icrjterS, tjötjerer 
beltamatorifctier StuSbrucf ufro., fo ift tom barüber ein SBort gu berlieren. 
Qroax bie ©ebiäjte finb, obrooljl Ietct)t unb ffiefjenb gemacht, of)ne tiefere 
Bebeutung; aber ber tomponift tjat fie roomögticl) nodj tribiatifiert, 
fo bafj uns ber fctjöne Warne »Sßarienlieber« nur bauert, ben eine gänj= 
ücb, gemüt» unb ineitjelofe SJlufi! an ber Stirn trägt. ®aS finb ®att)arinen=, 



248 % 20. §to£: Sieberfdja« (Stoff. 107). 

Suifen» unb alleg anbere afö äRarienlieber. D ja — mir lieben aud) bie 
ttalienifdjen äKabonnenbitber, bie 3toff.aelfd)en = §umal, unb and) mie 
man fie mit Humen fdjmüdt an feftlicEjen Sagen, aber nidjt jene mädj« 
fernen, an benen man bequem güfse unb Sfeme abnehmen unb mieber 
•anfeilen mnn, nidjt jenen falfdjen ©ö|en= unb §eüigenbienft in iUnft 
unb Seben. darüber ladjle, wer müt. ÜTOt tjeudjlertfdier Hnplängudj» 
leit mirb nid)t§ erlaugt, äßir müfjteu Sieb für Sieb buräjgeljen, mag 
33ogeu füllen mürbe, molften mir ein bollftanbigeg SSitb aller SSIöfjen geben, 
bie t)ier aufjubeden mären. Somit mürben mir aber beut Djm§ eine 
SSebeutung jugefteljen, bie e§ fidjerftdj nidjt f)at, bie Ü)m ber itomponijt 
bielleidjt felbft gar s nidjt beimißt. %a, biefe mofjlfeile .üftädjfidjt gegen fid) 
felbft, biefe§ ©idj*$8erufen auf ba§ ^td)t»beffer»madjen»monen, biefe 
SJertröftung auf baZ einfüge Keffer »madjen^to erben, ba3 iff§ eben, 
mag nidjt weiterbringt, unb lommt ba§u eine ©efaüfudjt, bie fid) ent* 
fdjäbigt glaubt, memt.fie menigfteng bei ^Dilettanten unb §arfenmäbd)en 
burdjbringt, fo ift'ä bolfenbg au§. SBir begeidjneu bamit nidjt §rn. 33and, 
afö [btetmetjr] eine gan§e Maffe Sieberfomponiften, über bie unter SHinft» 
lern fdjon läugft ber (Stab gebrochen ift. SSer für Jparfenmäbdjen fdjreibt, 
mirb §ule|t bon iJmen berfüfjrt. S)ie§ ift ber @ang in ®unft unb Sßeft 
unb bie falfdje Popularität. 

SBir fyaben nun nodj ben Sedjniler ju betrachten, bon htm mir gmei» 
feiten, ob er ein gemaubter fei. ©emif3, mir maren'g borijer überzeugt; 
aber mir fönnen aud) Iner !eiu Sob ftoenben. SSon ber bequemen, menig 
Senntnig bon ben borljanbenen Sieberfdjä|en anberer SMfter tierraten» 
ben (Soupletform ber Sieber [pracfjen mir fdjon. ©g gerät §rn. 33aud* 
aber ntdjt einmal biefe immer, ©o fetjlt Ü)m %. S3. öfter eine ©übe, 
unb nun nimmt er p jenem faft fomifdjen glitte feine gufludjt, fo 
im erften Siebe: „3)urdj ber ferneren SBoIIe ©djauer bridjft bu, Ijeifjet 
Siebegftraf)!, Qa!", ober im bierten: „@o mie ein ©ternbilb t)elt uub rein, 
ja b^eKunb rein", ober (befonberg fomifdj) in ebenbemfetben: „®en 
redjten 3lu§brud finb' idj nie, ja finb' idj nie". SReiftern, bie bie gorm 
beijerrfdjen, paffiert bag nidjt. 

(Sin guter Sedjnifer äeidjnetfid) bann aus burdj gute 93äffe, gute 
SRittelftimmeu, überhaupt lorrelte Harmonie. 2lud) Jjtet feljlt gur Sfleifter* 
fdjaft bie gute ,<ptfte. ®ie SSäffe liegen meifteng träumerifd) auf einem 
£one bradj, ober eg lommt ein ©ang mie biefer im erften Siebe: 



dl. 20. 3fo§: Steberfdjau (Stuff. 107). 



249 



rinf%. 



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, legato I ^ I 



etc. 



ober tote im fedjften: 

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ge « lo » Bet.foUft bu fein! 

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etc. 



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pi? -j ■ ■ ■ 

Stuf STattelfümmen t)at e§ ber ®omüonift offenbar gar nidjt abgefetjen ; 
fie toürben ber Popularität nur (gintrag tun, toir tonnen fie übergeben. 
SSa§ bie Uorrettrjeit ber Harmonie überhaupt anbetrifft, fo ift e§ eine 
gur '.STiotburft; aber freilief) üerfteigt 'fie ftdj auä) ntctjt über alltäglich 
ju £örenbe3, unb too ber tomtooraft, toie in obigen 23a£jbetft>iefet, 
DrigineHe§ geben möchte, berläftt ü)n audj jene mufifalifä) fommune 
©icrjertjeit. 

©ine eigentümlicrje Qugabe §u biefen Siebern unb, toie toir t)ören, 
§u allen anberu beg §rn. Wand auä) ift bie ungeheure SSerfdjtoenbung 
bon ttaftentfct)en $ortrag§beseid)nungen. ®§ finbet fief) in tt)nen faft 
lein Saft, ber nietjt feinen ©a!en, fein ©tidjtoort, feinen Kommentar ptte. 
Oft trifft bieg bie unfcfjulbigften SBorte: fo ftet)t auf einem bemütig fein 
fottenben „idj" im jtoeiten Siebe ein f, ein rfz unb ein oon afflizione auf 
einmal, fo im brüten auf einem gang beüoten „bitte für xmi" auf bem 
un§ ein rffz; ein tenuto unb ein =-. ®iefer SSortbaltaft tjat un§ immer 
ein fcrjlimme§ Seiten gef ebenen, ©etoifj, jeber f omöonift muf? toün» 
f ctjen, bafj man feine ©aetjen gut unb in feinem ©inne borträgt, äöoflte 
aber ein ®ict)ter, §. 35. in bramatiferjen ©ebidjten, jebeS getoöl)nlicf)e 
„©Uten Sag" unb „©uten 2lbenb" mit einem „im fanften Sone" ufto. 
begleiten, fo erlernt ba§ prätentiös, ba§ tyeifjt bie 3Jcenfcrjb,eit toie Heine 



250 ' ft. 20. SluS: Steberfdjau (Sruff.1071. 

finber bebanbeln. ®er Kombonift mufs totffen, tt>a§ er gibt. §>tn. 
SBandfö Sieber bebürfen für SKufilalifcrje roenigftenS gar ieinet 33or= 
traggbeäeiäntung; fie »ürben babutäj, nadj unferer Smfitfjt, fogar ge» 
»innen. S)enn I)ielte fidj ein ©änger buc6)ftäbltc£) an feine Söefer)Ie, e§ 
muffte ein fc>ar)re§ ®et)eute l)erau§fommen. 

SSiel t)aben ttir nun in ben bieten SSeriöften, bie über §rn. SSartcB 
Sieber namentlicb, §u einer Seit einmal erfciftenen, bon bem befonbern 
gtetj gelefen, ber feinen SRetobien intooljne, unb bafj £>err 33awf Ion» 
gere geit in Italien gelebt, tno er bie menfcrjtidje ©timme genau ftubiert 
§abe. §at er bie grüßte biefer ©tubien bielleiäft in früheren SBerfen 
niebergelegt, ttrir ftnffen'3 nict)t; in ben »3Jlarienliebern«, ttrir geftetjen es> 
ungern, tonnten ttrir nidft§ babon entbeden. 3ft ba§ SMobie, fo i)at 
%. 33. 93e£tt)Oben, 3Jlenbeföfot)n leine. 3fein, ba§ finb melobifdie ®ange, 
©efangbroden, §u einzelnen SSorten einzelne aufgelefene Sftoten, bie fid) 
leicbft fingen, üofy aud) gefallen lönnen; aber au§ ber SMfierbtuft quellen» 
•ber ©efang Hingt anber§. SBo finb fie r)m, bie äMobien Jener gefeierten 
itatienifcfjen SMfter bi§ iftoffini, bie nod) ba%u an Sftmntniffen unb 
©enie allen je|t lebenben überlegen ttmren? Sftöcfftet üjr fie eintaufdjen 
gegen beutfdje, gegen Posartfcrje, 93eett)obenfd)e, bie jefct erft reäft 
aufzublühen anfangen, bie freittd) aud) in tieferen ©egenben eutftanben 
afö in ber ©timmri|e, b. b. in ber mufilalifdjen S3ruft eine§ beutfdjen 
©eniu§, roo alle§ SDtofif ift! Unb ü>x fpredft noä) immer bon Stalten, 
bon 33ellini unb bem Sanbe be§ ©efange§? SSann enbüd) ttrirb jener 
Köhlerglaube aufhören, mir lönnten im ©efange bon bortrjer lernen? 
9tfö ob ©efang unb SfJhtfil ^eiertet roäre? Stfö ob fdftedfte SRufil burd) 
guten ©efang bergeffen gemacht toerben !öunte? 2113 ob man be§ @e= 
fanget megen erft ein fä)led)ter SJlufiler toerben muffte? Wm, nein! 
ba§, lönnen mir näber ünb beffer tjaben. 2tud) tfter trifft e§ ein, ba§ alte 
SSort: „51u§3f{omlommtniä)t§@uteg." Unb noä) einmal: nidjt alles, tt>a§ 
fid) leidft fingt, ift äMobie; e§ ift ein Unterfcbieb gttrifd)en 9Mobie unb 
SMobien. 2Ber äMobie Ijat, fjat SMobien; roer aber SfMobien, nidjt 
immer jene; ba§> SHnb fingt fiäj ftfjon feine SKeiobien, SRelobie aber 
enttoicfelt fidj erft ff^äter. Qu ben gtoct erften 21Itorben j. 93. ber »beroiföjen 
©infonie« liegt metjr SKelobie al§ in yä)n SSellinifdjen Sdelobien. ®en 
mufilalifdjen Ultramontanen ift ba§ freiließ ntdjt begreifliifi §u maä)en. 
Sur @acl)e alfo äurüägulommen: §rn. 33and§ Sieber fingen fiä) leicEjt; 
e§ ift offenbar fein ^aubtbeftreben, munbgeredjt p rjei^en. ®amit ift 
aber in melobifäjem 93e^ug aud) alles gefagt. 



SR. 20. SteS: Sieberfctmu (SCuff. 107). — SR. 21. Slug: panofortetnufit («uff. 111). 251 

,®ie§ maren bie Stefultate, bie mir au§ einer für un§ fo gut tote neuen 
SManntfcrjaft gebogen, auf bie mir un§ gefreut Ratten. (£§ ift fein gmeifel, 
trüge ba$ Dbu§ bie gab,! 1 ober 2, ftüube auf bent Sitel ber 9fome eines 
gättglicb unbefannten, mir mürben fäjnelter barüberlnngegangen fein, 
öietteic£)t milber geurteitt fjaben. @o aber galt e§ bie 33eleud)tung eine? 
burcb, auffallenb reicb, gefbenbeteS öffentliches Sob titer unb ba berannt 
gemorbenen ®omboniften, in bent mir un§ auf ba$ boüfommenfte unb 
fo fetjr getäufctjt tjaben, bafs mir nidjtS berfcrjmeigen, ntcrjtS bemänteln 
moltten. SBir finb auf SSiberftorucb, gefaxt, merben aber nicfjt eb,er artt* 
morten, als Bis §err Söancf fein latent unb feinen 2mfbruc£) auf eine mit 
auSfütjrlictjen belegen, ju unterfttnjenbe fünftterifcb,e SBürbigung burcb, 
fcbjönere, reinere groben betätigt t)at. @§ märe ©ünbe, über SJcittelmäfng* 
Jett fo biet Söorte §u machen, mo fo biete leudjtenbe 33eftrebungen einer 
fjelfenben Mtifctjen §anb bebürfen, mo eine neue junge Ötra ber Sftüftf 
in SDeutfctftanb ju bämmern beginnt, bereu Sofung jene brei SBorte finb, 
bon benen in ben »SJcarienliebern« faum eine leife ©bur anzutreffen ift: 
®raft, Statur, SSar)tt)ett. 



21. 3Ius: panofortemuftl (2luff. 111)* 

Sßon ^erbinanb SRöbring, beffen Streben ift biefen blättern 
gleichfalls fctjon Stnerlennung fanb, liegen un§ jmei §efte bor: 5 (Sfja* 
ratterftücfe unb 3 StotturnoS. Originelles bieten fie nicljts, einzelnes er* 
innert faft bucfjftäblicr) an 9JcenbeI§fot)nS >> Sieber otme SSorte«, unb an= 
bereS berfucrjt ficE) in ber galanten (Saümmanier SJjalbergS, bie be.m 
im ©runbe foliben unb ehrbaren ©tjarafter beS jungen f omboniften noctj 
meuiger anfielt. -JttrgenbS ift aber beStjalb latent ju berf ernten, unb mir 
fjßren gern p, mo eS fiel) einfacb, unb natürtieb, äußert. Unangenehm 
berühren unS einige ©emeinftellen, fo %. 33. ber gange @a| in SRmr in 
•Kr. 5 ber ©fjarafterftücfe, ber gerabe in biefer origineller erfunbenen 
Kummer beleibigt. . ' • 

gn fünf Pieoes lyriques bon Otto Siebfen begegnen mir bietem 
Stnfbrecrjenben. ©feieb, baS erfte ©tuet nimmt für ben f omboniften ein, 
es febeint uns baS glüctlicbfte im gangen §eft. ®em gmeiten munfctjten 
mir einen längern ©crjtufj in GPmotl; ©=bur märe beffer gar nietjt p. be* 
rühren gemefen. 3)aS britte ift in ber neumobifeben SSeife, bie febon 

* ©.117, o. S?or: 3?otteBot)nt, »8lotnane§to«. 



252 



3*. 21. 3tu§: Sßiattofortemuftf (Sluff. 111). 



attmobifd) ju werben anfängt: 3Mobie in ber .ant-lftegton, mit SSegleitung 
oben unb unten. Sfa. 4 ift ein fompletteg »Sieb ol)ne SSorte«. &er ®om» 
ponift t)at im ganzen manct)eg mit bem borget (Genannten gemein, 
Anlage, bereits erfreuliche gertigfeit im £ed)nifd)en, Streben nadj.aug» 
brudgbollem ©efang. Slber and) it)m get)t nod) bie . ©elbftänbigfeit ab, 
bie freiließ oft erft bie grudjt ftiäterer ^airre unb unermübticfjer Strbett; 
nod) biet öfter gar nidjt %u erringen ift. 

ßouig SBolf, ber SRannr^eimer ^reigfomfwnift, rjat ein Presto agi- 
tato unb 3 Notturnos erfreuten laffen unb geigt fidE) aud) in biefen ®om= 
pofttionen tatent* unb fenntnigbolt. Sßeueg unb 23efonbereg berntag aud) 
er nod) nietjt %u geben, unb bag meifte, mag er fagt, täjjt fidj im boraug er- 
raten. ®er äiemlidj tebenbige glufj beg ©angen aber, im fbegiellen bag 
unberlennbare ©treben nacb, gefunber ftäftiger Harmonie, finb lobens- 
werte (Sigenfdjaften audj biefer Jürgen ©tüde. Qm Presto fjätte man 
nadj ber geiftbölten fteigernben (Stelle auf Anfang ber 6. ©eite etwag 
©ci)önere§ erwartet als bie tribial geworbene (Sefanggflogfel ©oft. 3, 
Ie|ter Salt. Öbertjaubt fällt ber @d)tuB gegen ben Anfang ab unb ift 
gu lurj geraten. SSon ben 3<cotturnog fünbigt fid) bag britte als bag eigen» 
tümlidjfte an; aud) bie jweite äMobie ift innig. 2)ag ©anje berliert aber 
ebenfallg pm ©ctjtu^ an Qntereffe. ■..'.'-, 

Sn 6 ©tüben bon 21. bon Sontgii, bie gum Seil wob,I im Wüft» 
romantifdjen $arig entftanben fein mögen, gefällt ung ebenbegfjalb ein 
oft burd)bt;ed)enber gug bon ©olibität, bie fidj and) im Streben nadj 
guter gorm erfreulich äußert. 91ugwüä)fe finben fidE) bemungeadjtet nod) 
biele, unb ©teilen Wie biefe (junt ©djlnf; eineg ©tüdeg au§ ©ig*moII): 



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■rönnen roofjl nur in $arig gefdjrieben unb goutiert werben. S)ie (Stuben 
fdieinen nberljaubt in fet)r berfdjiebenen Seiten fomboniert; eg Wäre 
fonft nidjt gu begreifen, roie neben mandjent Steiferen unb (Gelungeneren 
fo biet röirlliä) ttngeniefjbareg fteljen lönnte. Qu ben ©tüden ber erften 
Slaffe gäfjlen Wir ot)ne weitereg bag mit ber Überfdjrift:. >>Le trille du 



ffl. 22. 8TuS: Äottäertoubertüren (Stuf f. 113). 253 

diable«, eine fefc intereffante Srilteretübe, bie auf eine gefunb ^arntoni* 
fterte Gelobte gebaut bon bortrefflidier Sßirfung fein ntu^. @d)abe um 
ben ©d&fog, tt)o bte ttiötole 33a£figur ä la S§alberg ben guten ©inbrud 
frört. Sn natürlicher SBeife betoegen ftdj aud) bie Ammern »La bavarde « 
unb »L'obstinfe«, bagegen bie übrigen mißraten finb, in eingelnen Saften 
gerabep £äpdje8 enthalten. 



22. SIus: 5lort3crtout)ertürert (2Iuff. 113). 
Soij. gt. mm*, 

ftonaertouöeröre für baS große ßrt&ejter, für bo§ 5f5tanoforte }u 4 $änben 
eingerichtet. äBerf 22. 

Sag Salent be§ tomüoniften tft in biefen Blättern fd)on öfter' d&araJ. 
tertfiert morben, unb mir miffen, ba bie Dubertüre gerabe leinen gort* 
fdptt tu feiner ©ntmicMung bekämet, früher ©efagtem nid)t§ ^inpp* 
fugen. @ie ift ein SBerf ber leidjtern Strt, Kar, melobiög unb effeftbolt 
für ba§ ^ubtifum, mie e§ fid) am beften pr Eröffnung eine§ Weiteren 
S^eaterfrüdeS fdjiden mag. Ser gtu£ be§ ©an^en, ber nur einmal 
bor b<>m anfange be§ 2ÖIegro^ema§ (S.,12 u. 13, in feiner Seicfjtigleit 
unterbrochen mirb, ift borpgtid) P rühmen. Sie §au£tfentitene fyü 
etmaS 2tbamfcl)e§, mobei niemanb an unfern alter Urbater benfen mag 
fonbern an ben be§ »$oftitIon§« unb »S3rauer§«.. Safj biefe Zuneigung 
mef,r eine pfättige aß eine fünftlerifäge fein möge, finb mir übergeugt 
@me Heine ^armonifd)e ©teifigfeit ift un§ ©. 2, Stift. 3 bom 11. pm 
12. Saft aufgefallen, bie einige im ganzen £)pm, ba§, mie gefaßt, teidit 
unb fttefcenb ^armonifiert ift. @. 14, Salt 3-6 fielen 6 gi§ pbiet bie 
ber ®orreftor p berantmorten fjat. ' 

Sie Dubertüre, eben toeil fie teid)t' ausführbar unb effeftbolt, mirb 
gern getieft unb fidler met>r pr Verbreitung be§ Samens be§ »er* 
faffers unter ber SJJaffe beitragen als etwa eine tieffinnge, momit mir 
naturltd) nid)t fagen motten, e§ möge bieS ben »erfaffer p bieten ä^n* 
Itdjen 5ßrobuttionen anfeuern; mir fürchten bie§ and) nidjt, fo'meit mir 
fem (Streben bi§ je|t lennen gelernt tjaben, bon bem meft p berieten 
ferne ersten s erfdgeinenbe 2. Sinfonie (Gelegenheit geben mirb. — 

* @. 125. Kac§: Smbpamtner »SuBelouö.« 



254 9J- 23. Stu§: Steine Sompo|tttonen für *pianoforte (Stuff. 120). 

23. fe: kleine ftompojtttoneTt für «ptcmofoik (Sfaff. 120) 
d. SKat^en, Stehen «oriotionen ii»er ein tttffifdjeS petita 



®ie SRubrtI »»ariationen« nimmt in ben neuften 2Jcufiffatatogen 
laum ben fünften Seit ü)rer früheren Sänge ein; ba§ gange ©enre 
war in »erruf getommen. ®ie§mal aber, ermatten wir ein faßbares 
©eft, auf ba§ mir mit Vergnügen aufmerffam machen. ®a§ £b,enta tft 
ein originelles, fecrjStaltig unb fet>r gur »ariation geeignet. 3n ben »a- 
xiationen fetbft geigt fieb, eine fünftterifcb,e <ganb, bie ibr S^ema feftgu- 
galten unb iutereffant gu machen berfteb,t; eS finb leine ^ßaffagenftMe, 
fonbern faubere SJtmiaturen, im (S^araiter be§ 3^cma8 m metft angte- 
b/nber Söeife ausgeführt. Stuf grofee Originalität ma$t bte Strbett 
leinen Stnfetu$; bie Seiftung ift bennoeb/ eine lomptette unb fagt unS 
met)r gu aß manches anbere bon bemfelben tomboniften, wo er ber 
brillant mobernen Stiftung neuerer »irtuofen, wie mir glauben gegen 
feine beffere Sßatur, gu tjulbigen fönen- 

SSalter bon ©oettje**, 

SBier Stnpront^tuS. 23er! 6. — Poesie. Oe. 8. 

»on ben arbeiten be§ iungen ©oettje, eines ®nfetS beS großen, 
b,aben wir bereit? früher in ber Beitf^rift angegeigt. Sin bie üorliegen- 
ben bürfen wir alterbingS aueb, noct) nicb,t baS ftrengfte 3tt$tma& an- 
legen. ®er Sbntbonift ift noeb, jung, ftyocmft offenbar noeb, gwtfcb,en ber- 
febiebenen Sbealen, unb unfähig, ob er gur beutfcb,en ober ttaltcmfjcn.. 
Stofine febwören fotl, fc^eint er fieb, nun willenlos ben erften beften Um- 
gebungen begeben, fo bafj freitieb, ttidjt überall »ollfommeneS guftanbe 
fommen lann. Sn (Srfinbung leichter. meIobifcb,er @ä|e geigt er ftcb, am 
gewanbteften; wo eS aber auf Ausarbeitung, auf $urcb,füt)rung an- 
lommt, bertäfct ib,n Suft unb traft, unb fo t)aben benn bie metften ber 
©tücfe ein meb,r bitettantifcb,eS ©epräge. Stm beften b,at uns baS freunb- 
liebe SJcotib beS bierten gmfjromptuS gugefagt; ber »erlauf beS ©tucfeS 
entfettet inbeS bent erften ©inbruete nict)t. 9cocb, würben wir bem iungen 
Sonfefcer gurufen, fieb, nic§t gu feb,r im Meinen gu gerfplittern, wenn mebt 
bie f unbe ginge, bafs er fiel) aueb, mit größeren bramatif^en Strbetten 

* ©. 148. SSor: Jßrodje, SSariat. 
** @. 149. $or: fetter, $i)cmtafte ujtt). 



w 



SR. 23. atug: Kleine tom^oftttotten für panoforte (Stuf f. 120j. 255 

befcbäftige. SKtt »erlangen feben tote ben leiteten entgegen; an allem, 
roa3 an einen großen Wlamt erinnert, nimmt ja bie Seit boppdteZ ^n* 
tereffe; unb fo fei un3 ber gefeierte 9tene eine gute Sotbebeütmtg fetne§ 
!ünftigen @d)affen§ unb Sirfeng. 

€. & W. 2>iitf4 4 ^arafteriftt^e Sottftütfe. 

SBerf 1. 

S)ie »orbilber bei jungen ftomponiften fdjeirten §enfelt unb Stfenbefö* 
fof)n p fein; roenigftenS galten ficb, bie obigen ©tücfe pifäjen (Stube 
unb » Sieb obne Sorte «. Sir erbalten im fceft bmd&auS niö)t§ XtngetDÖb,n» 
Iid)e§; bie StotoH^Icit, ba§ Streben na<b guter gorm unb »o^fflingm- 
- ber Harmonie, ba§ ficb überall barin auSferid&t, mac^t e§ un§ aber an» 
genehm, £u bitten bat ficb ber fomtoontft bei 9tbfaffung folget Keinen 
@tüde bor § u Ian Ser gortfübrung ftereot^er giguren, toie e§ ficb im 1. 
unb 3. ©tücfe geigt: e§ ermübet bie§ &örer unb Spieler. %m übrigen 
fcbreibt er forreft unb flar, ba$ man lanm etroaS p tabeln berauSfinbet 
®a§ SXtett ift eine Stopfe be§ 3KenbeIgfobnfd)en im Sfö; einem älteren 
Somtooniften mürben mir ben ®rucf laum »ergeben, beim jüngeren er* 
freut aucb bie gelungene f ojrie. 9focb gei^nen ficb bie ©tücfe baburcb 
au§, baft nirgenb§ eine $ortrag§beäeiämung angegeben ift, bie fie in 
ü)rer SHarbeit autf) taum bebürfen. 

®. treM, ®rofee ^antafte üUx 3^eroa§ ou§ »£««esia SBorgta« 

tiott ^ottijettt. 

SS'erf 121. 

®er Äomtoonift fcbeint ßifet unb 33)alberg ben Uteng ablaufen p 
roolten mtt feiner 5ßbantafie, naä) unferer Sötfity obne ba§ minbefte 
©efcbicf bap; e§ bat un§ lange nicfjt etioaS in feiner @cbau)eit fo ab* 
gefroren als bieS Dpm. SBeldEje ©ecfenbaftigfeit, toeK&e ©efareigt* 
beit unb ©elbftgefältigfeit überall! ®a finb uns bie Duinten unb ßftaoen 
eines fleißigen <ScE)üIer§ lieber afö folc^e Routine, bie feine ©<bni|er 
matbt, aber ©cbttmmereS als baS, gemeine SKufil. SaS Stfet im Äonffift 
mtt ficb unb ber Seit, roaS Sbaffierg im ©alon unb unter grauen ge* 
lernt, baS teil! bier ein JHeinftäbter nacbmacben, unb fiebt bei jenen über* 
all bie groBe SSirtuofitat in Söeberrfcbung beS SnftrumentS $erau8, fo 
arbettet ftcb bier einer mübfelig auf ben Saften ab unb bringt nichts als 
Wtfterci. Strb aber ber Meinftäbter genial, fo treibt er ©ackert tote: 



256 St- 23. StuS: f (eine f otnpofitionen für panoforte (Stuf j. 120). 

3=4 »r= ü= » 5 g-^h x=§ — 3» g ^ K 



+ 



^^E^=^EE^EE^ pEEpg^= 



4 — ^=^=^ — -^ir-Hfe 



^r^T ^^^^^B^^ 



im übrigen altes toüft unb leer, gort mit foldjer f ombofttion! 



2S«*jefot trüget, 3 SSRelobicn*. 

Sßerf 5. 

®rei artige tteinigfeiten, bie inbe§ met)r einen SHabierfbieter afö 
einen f omtooniften bon gaö) »erraten. ®ie Begleitung *jat überall nocb, 
bie Dfierf)anb über bie SMobie, unb weift ift iene intereffanter al§ biefe. 
Sfet weiften Ijat un§ ba§ erfte ©tüci sugefagt; in ber gorm nicf)t meifter* 
. Itdj, fbritf)t e§ eine wärmere (Smtofinbung au§ unb an. ©tage trirtuoftfdje 
Weiterungen, bie fäjon altmobtfcb, ftnb, ibünfcfjten mir aucf) au§ it)tn 
gebannt. S)a§ 2. unb 3. ©tüä finb weniger gegtücit unb Weber me= 
Xobtfcf» noct) l)armonifä) angiet)enb; bie Begleitung fbielt in itmen bie 
^anbtrolle. — 

S. 5p. H.$axtmamt, 8 ©Kijcn. 

Ber! 31. 

®er SStet ijt twrfjl gemäht. SJlau erhält in bem #efte bier ct)aral* 
teriftifäje ©tücfe, bon benen namentlich ba§ erfte gelungen fdjeint; e§ 
iommt un§ tote eine gemütliche gamitienfäene bor. 3m ^weiten ©tücfe, 
»Canzonetta religiosa«, bermiffen mir mufifatifäjen glufj; bie lanouifc^en 
©teilen barin bunten un§ etwa§ fteif. ®a§ britte ©tuet, eine Wa%mia, 
ftammt wotjl au§ einer früheren Seit; fie ift Bei weitem gat)mer at§ 
etwa eine bon ©ijotoin unb Ijat bom 2. Seil an bielme^r einen SMger* 
äjaralter. gn-bei legten ©ti^ge fdjetnt bem tomboniften ein befiimmte§ 
Bilb borgeftf)Webt %u t»aben; manches berührt un§ faft tronifet). darüber 
lönnte natürlich nur ber Sonfe^er 3tu§funft geben. — 



* ©. 149. 3tadj: fetter, Sartat. 



9i. 23. 2lu3: Äleitte totnpoftttonen für panof orte : (Sluff. 120). 257 

s.g. mm, 

SRomcmje. SBerf 10. — 3 SmprotttptuS. srg erf 17- 

SDiefe Heineren arbeiten be§ fdjon öfter in ber .geüfdjrift erroät)nten 
®omboniften finb roorji bor längerer 3eit gef djrieben; tbir Ijaben toenig» 
ften§ fdjon bei toeitem 23effere3 unb 3fteiftertict)e§ bon tyvx lernten gelernt, 
gn ber gtomanje bermiffen roir ©ufj unb gtufj; einiget, %. 33. gleich 
bie ^armoniefolge ber erften beiben Saite, berührt un§ fogar bitettan= 
teranäfjig; fo ettoa§, glauben tbir feft, fdjreibt je|t ber ®ombonift nidjt 
met)r. ®er SKittelfa^ t)at Seben: er f;ängt o&tx mit htm Stnfang unb 
@nbe fo toenig pfammen, bafj ttrir ü)n iaum %u beuten toiffen. ®a§ 
©nbe nimmt beu Smfang in reifer Begleitung tbieber auf, bie un§ 
inbe§ ben urfbrüngtidjen tbeicfjen (£|arafter be§ erften £f)ema§ gan^Iid) 
aufgeben fdEjeint. ®a§ ©ange gibt ben (Sinbrud eine§ nidjt geglüdten 
9mlauf§. — 33on ben Qmbrombtuä finben roir ba§ erfte anmutig unb 
etubfinbungSboIt; nur im 8. Salt frört un§ baS ^inlenbe ber SMobie. 
®em jtoeiten gmbrombtu tbiffen tbir Weniger ©efdjmad abjugerbinnen; 
e§ ift troefen, unb bie burd>§ ganje ©tüd fortgefettfen Dftabengänge ber 
Knien £>anb, benen fid) f^äter audj bie recfjte beigefeltt, machen eine 
fonberbar fteife SBirfung, bafj man frotj tbirb, p. (Snbe §u lommen. 

SBie gefagt, mögen aber biefe §roei Heineren arbeiten leinen Sftafj» 
ftab für bie je|ige 33itbung§ftufe be§ ®omtooniften abgeben unb nur 
afö Qugenbberfudje gelten, burd) bie f)inburd) er fidj bereits ju größerer 
U ünftlerfdjaft gefdjlagen, tbie e§ namenttidj feine jtbei (Sinfonien, unb 
bon biefen ttrieber bie 2te, auf ba% erfreulidjfte beroeifen. — 

2t. §efte, 2>rttte§ 9tottbo *. 

SSerf 68. 

SJcit Vergnügen tjaben toir ba§ ©tüd gefbielt, ba§ fid), tbenn mc£)t 
burd) mobiftfjften ©dmitt, fo burd) ©otibität bor f)unbert anbern ber 
SHaffe auszeichnet. ®er brabe Drgetmeifter, unb toie er nod) ganj in 
©•borjr lebt, berleugnet fid) auetj in biefer IHeinigfeit nidjt; mir finben 
ba§ ©an§e meiftertiä) gerunbet unb überbieg bon einem §aüä) garterer 
(Smbfinbungen ubergoffen, tt>a§ e§ un§ befonber§ anjietjenb erfti)einen 
.läjjjt, 3 m übrigen gel)t ba$ S^onbo einen bef)agtitfien ^3oIonäfenfä)ritt, 
tbie if)n aud) ©Bieter mittlerer gertigleit einhalten lönnen, benen, tbie 
auü) anbern, tbir e§ mit Überzeugung embfeb,Ien. — 

* <&. 150. SSor: grtebburg, taprice. 
Stoßert ©cfiumannä gef. ©Triften. II. 17 



258 3?- 23. 3tuä: f leine f wipofitionen für «ßtonoforte : (2tuff.,120;. 

St ®. Stfll, 6 dlegtett. 

SBer? 63. 

SBa§ bei Sftel berftoricrjt, erfüllt bie tomtoofition, Staürlicf) folt man; 
bie \t&ß ©tücfe mcE)t l)intereinanber fielen, wo itjr feutimentater £on 
Mb ermüben müfjte.. $n ©rfinbung unb 21u§füt)rung fielen fie'-fidj 
fonft äiemltd) gleich, unb Bringen fie ntä)t§ 5Iu|ergeroöfjnüc£)e§, fo boct) 
SBof)tIlingenbe§ unb (SmöfunbeneS unb immer ecfjt SHabierntä£ige§. 
®er @a| ift bi§ auf §rnei ©teilen, bie. un§ aufgefallen (in 9to. 3 ©.'5,. 
©oft. 4, Salt 2, unb 3?r. 6 ©. 7, @t)ft. 2 §u 3) natürtiä) unb ftie|enb. 
Stßit Vergnügen bermiffen mir aufy in biefen ©tegien bie üieten SSortragg* 
bejeiäjnungeu, bie röte in früheren fotubofitionen begfelben Somtoo= 
niften bemertten, unb bie auf eine SSortiebe für outrierten Vortrag 
fcrjliefjen liefen, ©inen ebenfalls früher fäpn auSgeftorocrjenen SBunfci), 
bafj er aucfy für ©efang ^reiben möchte, mieberrjolen mir aucb, bie§mat,. 



. ■ 28erf 9. 

®er SSerfaffer t)at fict) al§ ©pieler einen guten Stauen gemalt, 
meniger al§ tombonift. Sfaxcr) bem, ma§ mir frütjer unb je|t bon u)m 
rennen gelernt, motten. mir ifm nicrjt fomofjl talentlog, afö ungebilbet 
nennen; offenbar r)af er überhaupt nur menig noct) gef daneben unb 
bie Seit merjr am ^nftrument al§ am ©crjreibtifä) pgebrac&t. ®a§ 
©djerso fängt tecEjt lebenbig, etmag Sßeberifcr) an; aber fcfjon im erften 
£rio in g»bur roirb ba§ gntereffe an ber Sotubofition fcrjmäcrjer (aucb, 
fjier ein Slnftang an 28ebet§ »2Iufforberung §um Sans«, unb mie bann 
naä) ber SBiebertjoIung be§ lten @a|e§ au§ (£*bur urblöpd) ein 2te3 Srio 
in 93=bur fommt, fcfjeint bon einem SJhtfifer unbegreiflich ©emifj ift 
baä ©äjerab auch, ni^t in biefer SSeife •: entftanben, fonbern ber 93*bur= 
©a| p. anberer geit getrieben unb bom Sombonifien fer)t untoaffenb 
t)ier mit angebracht morben. iKatürlicl), bafj aucf) ber atücfgang bon ©=bur 
nacrj S5fbur neue Mufft macfjen muffte; ba§ ©tücl fängt fcrpn an, gänslicb, 
au§einanber§ufalten, bi§ ber Sbtubonift gtücfücrjermeife nocrj ben Storni* 
nanteuallorb bon ©*bur ermifcrjt unb brillant fdjliefjt. 9StelIetct)t bereut 
er ftoäter felbft, ba§ @ct)erjo bem ®ructe übergeben ju tjaben. — 



3J. 23. Sto: Meine fompoftttonen für «ßianoforte (3tuff. 120). 259 

gtebt. 9lieft, Elegie et dolce Scherzando p. 1. Pfte. Oe. 4. 

Sßir geben ben Stiel frangöfifd), ba er, an fid^ faradmnricbjtig, audj 
nid)t gu überfe|en. 33a§ tünter bem dolee Seherzando fteät, totrb gtoar 
jebermann mit Oftdjtigfeit bermuten; e§ ift ein Stttegretto unb ftetjt in 
einem guten fontraft mit bem ettoaS fentimerttalen elegifdjen @a|, 
ber gang ben ©jarafter eineg 9fottürno Ijat. (gütige Heine $nforreft' 
Reiten abgeregnet (fo im 14. unb 22. Saft be§ 9Wegretto) mad)t inbe§ 
bie fompofition einen angenehmen (Sinbrud unb geugt, roenn aud) bon 
feinem gropinftlerifdjen latent, bod) bon einer anmutigen Begabung, 
©emoljnteS unb Gelauntes gu berfnübfen, SSir toünfd)en bem ®om* 
poniften, bem mir i)eute gum erftenmal begegnen, traft unb Stuäbauer. 
p ferneren ©tubien. 2tu§ bem Sarjemlanb fommt un§ überbieg fo 
menig Sftufif, baf? mir mit Vergnügen auf jebe Regung bort adjteu. — 

(Sbitarb müü*, 

tantaSiTe. SBerf 4. — ©djeräo. SBerf ö/ 

®er Sbmponift fdjeint ein SSirtuoS ber befferen £fttct)tuftg, b. r). er 
r)at über bem ©lang ber 9Keä)anit\ nidjt bie (Seele be§ ^nftruntenteS 
außer ad)t geläffen, bebenft nictjt bie ginger allein, fonbern aud) ba$ 
§>erg. £ief unb neu mirft !eine ber beiben tomtoofitionen, bie§ ift aber 
aud) nid)t..iebermann§ @ad)e, unb glatte ' «ßro'fa toenigften3 ebenfobiet 
mert atö tjotyrid)te ^oefie. ®a§ tantabite finben mir befonberg fließenb, 
nur in ber ©mpfinbung etma§ meid)lid); gmar in.berMtte milt e<? einen 
Iräftigeren 9luffd)mung berfud)en, finft aber balb (in ben italienifd)en 
Sergengängen @. 7 gum ©djtofi) um fo fcr,mäcpd)er gnfammen. S)er 
IMdEgang inS.tantabile erfdjeint gelungener. — £>a§ ©ctjergo fängt redjt 
fmmoriftifd). an;, im Srio regt fid) aber fdmell mieber ber ©atonbirtuofe, 
ber gu beleibigen glaubt burd) gu großen £umor; eg ift, als. menn ein 
fröpd)e§ ®efid)t pVMßä) umfdjtüge gu {>at|etifci)er SSorne^mtuerei. gum 
©djlufj biefelbe ©teile nod) einmal, ©o mirft benn btö @d)ergo gmie» 
faltig; man münfdjte: mer)r §umor bon ber.©ad)e gehabt- gu laben. 
Sn jebem galt aber gehört ber ®om{>onift gu ben. befferen unter ben 
Sßirtuofen unb mürbe Bei fleißiger gortbilbung nod) 23ebeutenbere3 gu 
leiften imftanbe fein. '. — 

* S.150. Maä): griebburg. 



17* 



2go «R. 24. ®er ®aöibsbünbler. I. 

D. 
Stuffafce. Stilen, ttunftbemerlungen. 

24. 2>er DambsMttbler 517 . 

äJHtgeteilt »ort @. 

Setyjiget »ttfttW&ett 618 . 

(£rjter Strtilel. 
©in genfter warb übet mit fjafttg ^geworfen, Ijinter bem ict) im 
«palbf chatten einen fct)arfen, fctjiefnaftgen @ct)Webentopf ernannte. 9tt§ t$ 
eben auffat), flog unb Riefte mir etwas Wie feinbuftenbeS Sölatterlaub 
um bie ©cPfe: i)eruntergeworfene3 $a*>iergefctmt£et war'§. 2iber wte 
angewur S ett lag ict) S u Saufe auf einem in ftärtereä Rapier gewtcMten 

SBfotte folgenbeS: • , ' _ 

Unjere itaüenifctjen «Mcfjte währen fort, 3>er §tmmeföfturmer tffo- 

reftan ift feit einiger Seit ftitter berat je unb fäehtt etwas rat @wj« 

baben. ©ufeMuS lief; aber neuiicb, ein paar SSorte fallen, bte ben Sitten 

wieber in Ümt wecften. Sener fagte nämlict) nacl) Sefung etner ^ctS- 

nummer*": ®r malt'S aber p arg. - SBie? SBaS? @ufebtu§, fur,r 

fiter gforeftan auf, Sdellftab machte e§ gu arg? ©oü" berat btefe ber* 

bammte beutle ©öflM^ctt »wtberte fortbauern? SMfirenb bte 

ttterarifc^en Parteien fic3& offen gegenüberfiefien unb befefibeu, fierr^t 

in ber 8 ratftrrittf ein gtcfifetäuäen, ein Surücfbdten, UZ weber begriffen 

noct) genug getabett werben fann. Sßarunt bie Satenttofen ntcbt gerabep 

prüctweifen? SSarum bie glasen unb <galbgefunbeu ntcbt au§ ben 

©cfiranfen werfen famt ben 9mmafsenben? SBarum nicfit 3Barramg§* 

tafeln bor SSerfen, bie ba aufhören, wo bte tritt! anfängt? Sßarum 

fcbreiben bte Tutoren nid)t eine eigene Seitung gegen bie ffirtttfer unb 

forbern fie auf, gröber ä u fein gegen bte SSerle? §at nur einer ange« 

fangen emgufctjtagen unb p bestatteten, fo feib tar au&er euer). Sft berat 

bie Sßaffe, mit ber iener ©firenfefte angreift, ber ©bort, ber nur. berwura 

bet, nict;t tötet, nict)t noef) gilt genug für eine SHaffe, bie tritt Stumpf 

unb (Stiel ausgerottet werben mu£? ©tnb benn überhaupt eblere Stere 

nietet leichter S u bertitgen afö genteine - id) bitte biefi, ®ufebtn§! fc 

nun wirb e§ einmal Seit, auf ä ufter>rt gegen ba§ Sdmtinmb £rutibmtbnt§, 

ba§ bte ©emeinfieit mit bem Ecofce gefebtoffen fiat, efie e§ über un§ w 



31. 24. 3>er ©aütbSBiinbter. I. 261 

fammenwätfjft unb bem ^a^wier gar lein (£nbe ab-mfe^en ift. SIber 
tca§ meint ü)r, SMfter 9>kro? 

®u lennft StaroS greifenben ©ptadjfttt, buxd) ben itatienifdjen Stfjent 
nodj frember gemacht, wie er orbentlicb, fugenartig ©a| an ©aiä reü)t, 
auäeinanberlegt, wieber- berfdjränft, nocf) enger fütjrt, am ©cfyütffe nodj) 
einmal alle§ äufammenfafjt unb ju fagen fcfyeint: ba§ wollt' ictj. 

gloreftan, erwiberte ber Sfteifter, ü)r fbretfjt wab,r, obgleich idj eure 
,2hi§bruclgweife nidjt billige, gießet bie Wc&tt ab, wo e§ auf bie rjötfjften 
(Mter unb gäfjigteiten be§ @eifte§ anlommt! Sdj nefjme bie einzelnen 
§ol)en au§ — fie wiffen öielleiäjt niä)t einmal, baf? ft.c gemeint finb. 
21ber welche geit! Steigt ba§ Stotürftdje nod)? ift'3 nitfjt ber *ßu|, ba§ 
SSerljülIte? Siürjrt ba§ ©rofje nocti? mufj e§ nidjt ,brctc£)tig fein? bleibt 
ttiä)t ba§ ©tubiunt auf falbem SSege ftetjen, um gteiä) nadj bem Seiten 
ju greifen? ©ibt fic£) nic£)t eine @et)eimni§tuerei ben ©tfjein be§ — . 
§ier war ba$ SBIatt abgeriffen; auf ber Ütücffeite ftanb aber; 

ginber! Qu ©utem unb ©rofsem bift bu erloren! ®abib§bünbler 
foßft bu werben, bie ©efyeimniffe be§ 93unbe§ ber SSett überfein, b. t. 
be§ 33unbe§, ber ba totftfjlagen foll bie Pjilifter, muftfalifdje unb fonftige! 
£>ier weifst bu alle§ — fjanble nun! Drbne jebocrj leme§t»eg§ fTeittftäbtifd), 
fonbern gib'§rec()t frau§ unb oerrücft! 

SJteifter Staro, gloreftan, ©ufebiuS, griebritf), 95g., @t., §f.> 
tnif, Balfentreter an @t. ©eorg 520 . > 

©öttlict)! tt)ar meine gange innere Smtwort, entgücft, bafj itf) in frembe 
tarnen getoidelt meine eignen fjerrlidjen ©ebanfen guMid) einfdjmuggem 
lonnte. %ä) lonnte mic§ taum enthalten, weiter %u sieben: 

38fte ©i^ung be§ 3)qmb§bunbe3. — ©djon bie Qeitnafje beiber ®on= 
jerte 521 bringt auf SSergleidje, bie intereffant auffallen könnten, ba 
beibe benfelben SKufiIfa| beSfelben Sombontften, ber aud) fein ©frieler 
War, gewählt Ratten, Wäre nidjt manchem ©Ijarafter jebe§ ©udjen ber 
^nlidjfeit ober Unäf)nli(f)feit guwiber. ©elten unb glüdtid) ba§ iugenb* 
XtcEje Talent, an ba% fäjon nidjt metjr ber SJtafjftab be§ 2ßter3, fonbern 
ber ber Seiftung gelegt ju werben braucht, wenn fiti) aud) bielleidjt 
über bie Ihtoftoe met)r fagen läfßt afö über bie 5ötüte, über baZ ©trebenbe 
met>r atö über ba$ SSoIlenbete (gibt e§ überb,au^)t eine§ in ber Sunft), 
ba jene§ nodi bie Hoffnung ber gutoft einf^Iiep. Sadjerlicb, aber Wäre 
e§, an $irtuofen wie an talfbrenner ober SHara SBied etwa§ ausfegen 
ju wollen, erften§ weil e§ niemanb glauben würbe, §umal in Seiüjig, 
ba§ woI)t berühmte tarnen berühmter madjt, unberü^mte jeboä) tiefer 



262 .SR.. 24 ®er StaöibS&fin&Ier. I. 

eingräbt afö gfiufjlanb feine Mnftter (muftMfdje \ovooty afö bemagogifdje), 
fobann »eil nidjfö auSgufeJen ift, obgleid) e§ Unvernünftige genug gibt, 
bie bon 3Jlofd)ete§ etroä forbern, er möge bod) merfen laffen, bafs er and] 
§ummelfä)e, gietbfä)e Spielart lenne, ober bon SMfbrenner meinen, 
er teifte atlerbing§ 9#enfd)enmögliä)e3, aber e§ berlange einen einmal 
nad) alter, ed)ter Soft, nad) £änbelfd)en, S3ad)ifä)en SHabierlongerten 
u. bgt. '•<£ 

Unb bann (tt>a3 au§ bem borigen folgt) ergreife nur ber 9ttenfd) 
etrr>a§ redjt unb lange, einen einigen Seit ber Shtttft ober einen ber 
SSiffenfc^aft fetbft bei ©efatjr ber ©nfeittgfeit (tiefe unb gtad^eit finbet 
man fetten beifammen) unb bilbe, »erarbeite, bereble, birtuofiere 
biefen einen, fo ift er be§ ©iege§ geroiffer afö ber UnglücKidie, ber bei 
bieüeid)t t)öt)erem ©enüfö unter toloffen ungelannt gufammenftürät. 

. ..:... ■'.' st. 

84 mag ben 3Kenftf)en niäjt, beffen Seben mit feinen 38er!en .'ntcrjt 
im einltang ftetjt. .. . %• 

JMn Sftenfdj fonn ben eignen in feinen SSerten treuer logieren afö 
talfbrenner. @o fein, ungegtöUngen, geiftreid), ueben3roürbig, nrie er 
fid) im Umgang gibt, seidmet er aud) feine Sonbilber; felbft bie traft- 
ftetlen in feinen totubofitionen toie in feinem (Stiele finb faum met)r 
afö gtjaritinnen in £>elm ,unb ganger. ®ennod) ift im allgemeinen nid)t 
angunetjmen, bafj ber fombonift, felbft afö' berühmter SSirtuofe, feine 
SBerle aud) am fä)önften unb intereffanteften barftellen muffe, nament* 
lid) bie neuften, gute^t gefdjaffenen, bie er noä) nid)t objefttb bet)errfd)t. 
@o trugen (nad) bem Urteil ber tunfirenner) g. 33. bie ©gtjmanonföfa 
ba§ ^mott^ongert bongmmmet, bie SSellebilte bie S3rabourbariätionen 
bon £>erg, f lara SSieä ba§ Bongert bon $iri3 bei »eitern bebeutenber bor, 
afö man fie bon^ummet, £erg, ^ßijfö gu tjören getoofynt roar. ©. 

®enn ber Sßenfd), bem bie .eigne prjtjfifäje ©eftatt entgegenftetjt, 
erhält Ieid)t im anbern £ergen bie ibeatifdje. SSotlte iä) mid) batjer auf 
.SSergteicrje eintaffen, tüte ja fd)on ber £ageblatt=9tegenfent bag.tatf- 
brennerfdje ©f)ieternftb,aft. genug mit ber ^ulirebolution, feine Sriolen 
aber mit leidster taballerie bergtid), fo mürbe mir beim Dtann ba§ Sfteer 
einfallen, ba§ alle Weitere unb büftere ©eftalten be§ pnmefö treu gurü* 
Riegelt, beim 3Mbd)en (Maxa) bie 8ri§, bie über bem ruhigen SSaffer* 
fall auggefpannt and) rut)ig in färben ftrielt, aber ftarl gittert, roenn jener 
Bewegt wirb, . . %l- 



•5ß.-24. ©er ©aöiblBiinfafer. I. 263 

$ä) lobe bidj, gtoreftan, ba£ bu oft ftatt eine§ ttrteifö ein S3ilb gibft, 
butdj'wetöjeS ba§ VerftänbniS letzter erreicht wirb als burd} Statik 
fbrad)au§britcc e, bie bem ttngebitbeteren unberftanblicij bleiben. äöenn 
bu bafjer einmal bon einem $i£i§fd)ett SHabierlongert fagteft, e§ Wäre 
gum Drangenfttaufj in SHaraS §anb geworben, ober bon 2JtofcrjeIe§, er 
teile reiche, orientalifc^e $erlenfc()nüre aus, ober bon talfbrenner, bau 
Ißabitlonen bon ben Saften aufflögen, Ijod), -fpü) in! Haue, fo fdjä$' 
tä) ba§ fo fefjr, atö wenn ber anbere meint: ber fefjr prägife 2tnftf)lag be§ 
©ajuS, burct) fdmlgerecrjte Unabpngigfeit ber £anbmu§fetn bon benen 
beS SCrmeS (c8 gibt trtöjtö ©räpdjereS als fteifeS 2trmabf,obeln) I)erbor* 
gebracht, gibt un§ ben eigentlichen gömbalton, ber p ©lementiS Betten 
ufto. ; 3t v 

®ie SMtbrennerfäjen (Stäben- bon u)m felbft borgetragen waren 
SReifterftMe en miniature (9JUgnongefic£)ter, burct)ft(f)tig bis auf bie 
feinfte, berfötfungenfte Stber). 3)aS gange «ßublifum fct)ien f)ier ein 
@d)üler, ber febem Saut beS SMfterS aufmerifam unb gefbannt gu« 
^rcf)t. , e> 

SJtag baS Vorfielen bon fürgern, rt)af3fobifcE)en @ä|en'im Bongert 
.'ntdjt ofme 9?ad)at)mer bleiben. (®S gehört weiter nichts als ein berühmter 
Sftame bagu. gl.) ©er SSirtuofe femt ba auf bie fdjnetlfte SSeife feinen 
©eift in allen $8reä)ungen fbielen laffen. 8t 

S)ie »®on %uan«* Variationen bon ©Ijotoin lönnen wottffaum boll* 
enbeter gebaut werben, als fie flara fbiette, fo gart, gewägt unb be» 
beutungSbott war ba ba§ SMorit unb fo girfetrunb baS ®ange. SSare man 
ein 9tegenfent, foliefte \iä) met)r barüber fagen. ®oct) barf bie tebenbige 
traft, mit ber fie jebeS ©tue! b'om leifen Quäen ber ©mbfinbung an 
bis gur auSfct)Iagenben Seibenfctiaft, immer brärtgenb unb fteigenb, 
bis gum ©cb,Iu| ausführt, niä)t unerwähnt bleiben. Senn bie «Summe 
altes beffen, was SMtbrenner fbielte, gab faum meb,r als gwei ©rittet im 
Verhältnis gum gagit ber bon SHara gefbielten ©rüde, bie noeb, bei 
Weitem fct)Wieriger in ficc» Waren 622 . (§_ 

(Set) finbe, bafs ©ufebiuS febjr langweilig fct)retbtl) StbroboS, wer ift 
berat baS anonyme @cb,af, baS über bie .©)öfnnfä)en Variationen in 
einem früheren Satjrgange ber »aJhtfifatifcrjen Leitung« geblölt tjett^ 23 , 



2ß4 9J- 24. ©er ©atribSbünbler. I. 

obgleiä) ©ä)[umann] in ber boranftetjenben g^enfion bie 2)abib§bünbler, 
otme gu fragen, mit figurieren liefe, toa§ üjm einen SSerwete bom SJceifter 
pjog? 3ft iene§ übet bie 3Jcagurfen, bie grüben, über ba§ £rio, über 
ba§ Sondert niä)t bor ©äjred umgefallen? <%i 

Sft'3 aber nicr)t gerabegu gemein, au§ einem 28er!, ba§ al§ bielber* 
fpred)enb (©tjopin f,at gehalten) bon fflfeiftern 524 anerlannt worben ift, 
Heine SMnget, bie man t)ö<ä)ften§ am SMfter rügen müfste, einzeln tjer- 
borgut)eben unb gteiä) grofjmaulig fjinguf ^reiben: ©ebt! ba§ ift bie neue 
Seit! ©erjt benn fo ein tritiftjanbwerfer jemals in ba§ ©ange? ®enlt 
er je baran, bafe aufeer Sorrefttjeit unb @ti! be§ Shmftwerfö noef) etwas 
bonnöten ift, wie etwa SebenSbrang, Sfotwenbigfeit, bagufein? 33e= 
müt)t er ftei) je, auf ba§ mögtid)e fpätere SBirten iunger Mnftter auf- 
merlfam gu machen, biefeS borgubereiten unb Ü)re Seiftungen mit SSärme 
gu förbern? ©egiert er ni^t ©eifter wie Sei^name, um ©attenftein- 
fammlungen angutegen, wäfjrenb er ©eift unb ^antafie, bie ja ber 
^ugenb innewohnen, geftiffentti^ bereitet? gf. 

%mmli\ä) ift'S gu lefen, mit welker Salbung ber Stopf bon Stegen* 
fent fäjtiefjt. ^actjbem er fiel) bortjer gwei Seiten lang Unbänbig getobt, 
einen gu großen ©riff aB gu grofe, ein paar ®ur^gangnoten (transitum 
irregulärem) al§ ©ur^gangnoten gerügt ^at, meint er: „Waty einer 
Einleitung, bie in ber ^ringtpalftimme fünf gottofeiten einnimmt (fiargo 
33»bur, fbäterrjin ein Hein wenig bewegter), folgen ba§ £f;ema, biefem 
bier SSariationen in rafetjem geitmafee, eine Variation (Slbagio, 3S=motI) 
unb enbliä) gum ©errufe ein alla polacca auf act)t Seiten in 23»bur. gn 
begug (fätjrt er au3t)otenb fort) auf bie äufeere 9lu§ftattung biefeS bie 
27. Lieferung be§ »Dbeon« auSmaäjenben $arabewerf§ brauet etwas 
Sobenbe§ niä)t nod) gefagt gu werben. ®er ^aSltngerfdje »erlag geiä)- 
riet fieb, ftetö bureb, beuilidje Schrift, guten ®ru<f unb f^ncS Rapier 
au§. Stuffalienbe ©rucfferjler, bereu SSerbefferung mä)t fogleid) in bie 
Saugen falten (tjter t)at fict) eine ©pracb,quinte eingefunden), finb bem 
gtegenfenten niä)t botgetommen. ®ocb, iann er metjt für bie Drdjefter» 
ftimmen fielen, ha er btö 2Serfd)enmit bem Dräjefter niä)t gehört b,at." 
fiaäje, Sftegenfententopf, über ben ©djweife unb bie Seit, bie mitf) ba% 
Stbfdjreiben lüftete. 2tber bu bift warjrlicb, berfelbe, ber, wenn er ber* 
götternb t)inf treibt: D bu einiger SeetfjOben! fc^nelt bie $arentf)efe 
anfängt: (geboren gu SSonn 1770). %l. 



5R. 24. ©er SatnbäBiinbler. I. 265 

3teä)t I)abt Ü)r, gtoreftan! 2>ie Sftegenfion ift äSeibergeroäfd), 2Iber 
grob blattet iljr fein folten, nicEit roi|ig. (Srfreultd) tft e§, bafj bie ber= 
etjrte 3febaftion Ü)r Unredjt ber ftufnalmte jener <sMttt burd) eine 
bortreffttdje 3ie§enfion be§ (£t)o,binfcr;en %x\o$ eingeftanben f)at. 

3mro. 

>>@ommernad)t§traum<< 525 , träumerifd)e§, fpted)enbe§ S3üb, ba§ fid) 
über bie gemeine Sonmaleret ergebt, ttie etwa ein ©ommernadjtstraum 
über einen nüchternen, bumüfen 9fodmtittag§fd)Iaf — fielen möchte 
id) mit bir unb etwa beinern Siäjter bie §anb brüden, aber roenig fbredjen 
afö mit ben Singen! 28ie burften ungemeine £änbe bid) beflatfdjen, 
bein SSilb gleid)fam begreifen unb bid) ungefdjidt im träumen frören, 
ttie anbre im 9tad)träumen? gft benn ein t)öd)fte3 Sob (toie ber bitterfte 
Subel) etroa au§§uf;bred)en? (£. 

®a ärgere id) mid) ftetS bei einer ©teile im Slbagto ber at»bm>©infonie 
(e§ gibt nur eine), roo bie äMobie in roeidjen, faft ©botjrfdjen SSor* 
galten auf* unb nieberfduoebt, roa§ bem geinb alles 28eid)tid)en unb 
Sßeibifdjen betanntlid) ganj guroiberjft. %ä) ioette and), Söeettjoben 
fd)rieb e§ ironifd) Ijin, fdjon ber balb eintretenben fdjarfen 33äffe roegen. 
S)a fteljt nun einer neben mir unb ftöt)nt einmal über ba§ anbere: D, bu 
einziger S3eetf)oben! — £), e§ ift fd)recflid)! %t. 

SSerad)ten ber materiellen Mittel entfernt bom' tunftibeal. S)ie 
Aufgabe ift, ben Stoff fo §u bergeiftigen, bafj altes äRaterielle barüber 
bergeffen nrirb 526 . 

SSarum bewegen fid) aber mand)e ©fiaraftere erft felbftänbig, toenn 
fie fid) an ein anbereS gd) geleimt b>ben, toie etroa ©fjateftoeare felbft, 
ber belanntlid) alte SljemaS ju feinen Srauerfbieten au§ älteren ober 
au3 hobelten u. bgl. I)ernatmt? @. 

(SufebiuS ftorid)t toatjr. 3ttand)e ©eifter toitfen erft, roenn fie fid) be= 
bingt fügten, frei; umgeletjrt würben fie im Unenbltdjen gerflattern unb 
berfdjtoimmen. % 

SBürbe orme @f>a!efbeare biefer llingenbe 9fod)ttraum geboren toor= 
ben fein, obgleid) 23eetb>ben manche (nur otjne Stiel) gefdnieben f)at 
(f^moÜ=@onate)? ®er ©ebanle lann mid) traurig machen. gl. 

Über ben @mfoniefa| bon ©[dmmann] 527 r.ab' id) fd)toerlid) ein 
Urteil Qft er benn nid)t mein ältefter SSruber unb ©otobelgänger, unb 
toud)§ ba§ SBer! nid)t unter meinen Singen auf?. £)b bie Unruhe. im 



266 STi., 24. ®er ©abtbS&flnbler. I. 

SBerie beut Drdjefter, bag bei ber ©cfywierigfeit beg ©a|eg . bteHeidjt 
nid)t fieser genug fbielte, audj notfj nitfjt bie rechten, garteften SMen 
fanb, gugufcrjreiben, ob bag SSerf fo geboren ift (bag ift meine Meinung), 
übet ob ber ®eutftfje, bet nitfjt gleicf) umflutet fein rotll bom Megrb, 
bietleitfjt eine (Sinleitung (bie SSeettjoben fo fdjön »erfifliert in ber 9Wur», 
Wie bie ©djlüffe in ber g*bur*@infonie) bennutet Ijatte, entfcfyeibe tcb, 
nitfjt. ©ef)r ^a^te tä) auf bie feitifierenbe 9tatfjbarfcrjaft. ®er tiebeng* 
Würbtge, edjt ntufiMifc^e ©tegmatyer meinte, 9touttne unb SSietftfjreiben 
Würben tjalt ©icfjerrjeit unb Seicpgfeit in bteSuftrumentierung bringen, 
bie gu !o!oriert fei. getjlertjaft aber ift'g gewifj überhaupt, fiel ber 
geiftreiefr, .braitiftfje §ofmetfter ein, einen erften ©a| fbielen gu laffen, 
gleitfjfamben erften 9Ht gu geben; ba fei notf) nitfjtg in ber @ntwi<Mung, 
fonbern erft im SRoment be§ SSerbeng, ber ®icrjter oft notfj nitfjt aufg 
reine u. bgl. (Sä) Witt nur geftefjen, ba% bie gange $eriobe gar nid)t 
bon ben ®abibgbünblern ift, fonbern bon mir fetbft, barf aber eineiöe« 
merlung 9tarog nietjt Übergeben:) 

Verlangt nitfjt bom Staune bie ©crjWärmerei. be§ Sünglingg, bon 
btefem bie 9hu)e jeneg; bewerft eg fogar! Qu großer Srnft mifpüt am 
^ünglinggWerfe, Wie umgelegt ein tangenber SSiergiger. 

(Sibta ©ertjarbt im äßieäftfjen tongert.) &§(&£ war' eg unb unber» 
antWortliä), wenn biefeg liebliche Salent nid)t rütjig genug entwitfett 
Würbe. Wtit ber ätberiftfjen ©timme mufj garter berfal)ren werben alg 
mit ber 2tu§bübung ber £>anb, unb bag Subiet tft .bort ebenfo fc^Iimm 
alg bag Zuwenig t)ier. aSieiteitfjt täufctjte icf» midj and); aber mir fc£)ien 
bei fonft borgefäjrittener Söitbung bie ©timme etwag an griffe unb ©lang 
berloren gu t)aben. - ©• 

Sein wahrer ©abibgbünbler bift bü, (Sufebiug, fonbern ein retfiter 
leberner $t)itifter mit tauben Dtjren. @g gab. ein ©efe| ber ©rieben, 
fäjöne ©tatuen föjweigenb angufdjauen, nun bottenbg eine atmenbe 
unb tönenbe. ©in rechter $t)itifter bift bu, (Sufebiug. : %l 

" tritifer fottten fid) aber nic£)t berlieben, obftfjon eg ber graneiüa* 
Sritifer, bem übrigeng (wenn er aucrj anerlannte Autoritäten gum <5ä)a* 
ben anreif enber Sulente gu oft gittert) ein warmer, nitfjtg ftfjeuenber ©inn 
fürg (£c£)te gugeftoroä^en werben mufj, neuliä) felber getan, inbem er 
bon berfetben (fretftet) entgücfenben) ©ängerin auf berfelben ©eite fagt: 
baf? fie 1. obgleich noä) Anfängerin, eine ber erften Sängerinnen unferer 
Seit gu werben berfbrädje, bafj fie 2. balb alg ©tern erfter ©röfse. am 



fft. 24. ©er Sabibs&itnbler. I. 267 

mufiMifdien ^origont erglänzen ttmrbe, bafsfie 3. in fblcrjer SMtenbung 
aufgetreten wäre, baf? man fie mit Sftecfcjt unter bie erften (Sängerinnen 
gälten lönne, ba| fie 4. obgleich fecr^et)n 3at)re alt, getoifj eine ber erften 
Sängerinnen inürbe, bajj fie 5. eine ber erften Sängerinnen unb aufjer» 
orbentüctje ©rfcrjeinung fei, fo bafj alle ijtet in Seidig lebenben San* 
gerinnen (bie§ unterftriäjen) atö sßügmäen baftänben, bajj 6. ufto. 

Saffe biä) baburcfj ntdjt irre machen, fcfjöner Sc&inan! (tSuItan§= 
fprücrje toirlen in ber tunfifritil niä)t§) — unb fjüte btcE), fotcfje Silta, 
finb fie niä)t im 3ufammenf)ang unterftü|t unb in ©rünben entttricfelt, 
für mefjr gu nermten afö für einfalle, niöjt für jRefultate tiefen gor- 
fcfjenf! . , %t 

SSer^eimtic£)e ber tritil nicp ! 9fflerbing§ ift aue§ tunftftreben appxo& 
matiü, lein tunftroerl burcrjauB ünberbefferlict) — lein %on ber Stimme, 
lein Saut ber Spraye, leine Söemegung be§ förperS, leine Sinie be§ 
SMer§. SBirb bieg pgeftanben, mag aber nidjt öergeffen toerben, ba% 
oft SSirtuofität in ber einen Seiftung 3möoten§ in ber anbern erfe^t, 
unb bafj ein Söerl fogar Itoffifct) genannt werben fann, ift fonft bie SKanier 
lomblett unb eigentümuct). 9toro. 

®arjer tut bie tritil unrecht,, ba§ gefjlen einselner @igenfctjaften, 
bie man bom Sunfttoerl forbert, tabemb p bemerlen;'.boc& fei ifjr ba§ 
erlaubt, roenn anbere @eifte3Mfte ficfi in ü)m fo ftarl äugern, bafj not* 
ttenbige bermijjt »erben. So febjt bem ©efang ber ©rabau geroifj ber 
irjrifcrje Stufflug be§ granctlla^irtöfcr/en; aber e§ finb bafür anbere 
Seiten (Üteintjeit unb 28at)rt)ett in Stimme unb 2tu§brucl) fo lomjrfett 
anggebilbet, bafj jener gar nicfit bermifjt röirb. 9L 

Qe gereifter ba§ Urteil, befto einfacher unb befdjeibener inirb e§ fict) 
augfbrectjen. 9tor mer burä) jet)nfaä) roieberfiotteS; Semen, burö) ge= 
iüiffenrjafteg SSergleidjen in lang fortgefe^ter Setbftberleugnung ben 
©rf Meinungen nachgegangen, toeifs, roie fbärüdj unfer SBiffen ficrj meiert, 
toie tangfam unfer Urteil ficfj reinigt, unb tnte tote bemnact) borfictjtig in 
unfern Shtöfbrüdjen fein muffen. „öjne bie mannigfafttgften ©rfqtjrun- 
gen unb Seitlenntniffe finb mir htm. tunftmerl gegenüber mit offenen 
Stugen Minb", ta§ tctj irgenbtoo. . 'St. 



268 SR- 24. ®et SobtbäBunbler. II. 

(So weit war id) im kopieren, afö ein fdjWarggelodter, fdjöner S3ube 528 
eintrat unb mir ftroratt einen 33rief tjinretcrjte. .— 2Ber bift bu? — §inau§ 
futjr er gm Sure. 2lber mag ftanb im SBrief? gd) WÜT3 bir in§ Db,r 
jagen — §aft bu gehört? 

3toeiter 9trtiIeI529. 

®a§ Ie|te ®u war an bie fdjöne Seferin gerietet. Übertäubt mag 
fid) ba3 ^ublifum, bem je^t afte§ fo bequem unb engtjKopabifd) ein- 
gegeben Wirb, nur ®tüd wünfdjen gur Sonfufion, bie weniger in b^xt 
SabibSbünblem atö in ü)rer SSunbeSlabe (fie befielt au§ bem S3ud)e) 
merllid) botf)errfd)t, wobei id) einen gfotefianfdjen Ißatoierfdmi^et nid^ 
überfein barf, ber meint: „23et @ott, ift benn bie SBelt eine glätfje? 
unb finb nidjt Stilen barauf unb (Ströme unb betriebene äftenfdjen? 
unb ift benn baZ Seben ein (Softem? — unb ift e3 nidjt au§ einzelnen 
tjalbgerriffenen blättern gufammengeljeftet, bott bon tinbergefri|el, 
3ugenbföj>fen, umgefüllten ©rabfdjriften, weisen genfurlüden be§ 
Sdjidfafö? — %fy behaupte ba§ leitete. 3a, e§ biirfte gar nid)t oi)ne 
gntereffe fein, btö Seben einmal wirtlid) fo abzumalen, Wie e§ leibt unb 
lebt, unb feinen 9loman in 9tbfjori3men %u fdjreiben, wie fdjon afmftd) 
^latner unb ^acobi gange üb / iIofo,bt)ifd)e ©rjfteme gaben." So un* 
fünftlerifd) ber ©ebanle gu nennen, fo bettele id) nid)t, bafj mid) 
Store getröfiet mit guritnftiget logifdjet Drbnung, mit gleidjfdjwebenber 
Semberatur ber angefangenen Sonart, fttrg mit SlufMarung über bie 
im einzelnen nid)t gu berfennenbe ©djreibmanier eine§ „unenbliä) ge* 
liebten" beutfdjen @d)riftftetier§ 530 , mit welcher ber Stotfd) gufrieben 
fein würbe. 

®ie§ alte§ I)ab' id) au§ bem Briefe, ben mir ber fdjöne itatienifdje 
Sftiabe famt bebeutenben Mutagen überbradjte. $d) Ijatte mid) gewun* 
bert, unter feinem ber borigen sßabierfdjniijet bie Stauen be§ S3alfen= 
treter§ unb griebrid)3 angutreffen, finbe aber auäreidjenben ©runb im 
folgenben Sörief: 

©uer ^odjebelgeboren, 

©ben ljunbemübe bon einer gufjreife nadj SSenebig 531 gurüdge!ei)rt, 
bie id) bat)in in ©efdjäften be§ 3Mfter§ mit bem tauben 9Mer %x\§ 
griebrid) madjte, bitte id), bie türge gu entfd)iübigen, ba mir (mit ©icero 
gu reben) Qeit fehlte, ben S3rtef lürger gu madjen. gm auftrage be§ 
S)abib§bunbe§ $aht gu melben, baf? er nadj genauer eingebogenen Stodj* 



SR. 24. Ser StotribSBfinbler. II. 269 

richten über ba§ fcitifdje Safent @to. £>oct)ebeIgeborett mit ber getroffenen 
3Sat)t nur aufrieben fein lann. Smbei folgt met)r SJlaterial, .toorau§ man 
eiferen möchte, wie fet)t e§ ©eftreben be§ 33unbe§ ift, ßidjt übet feine 
§ßert)ältniffe ^t)nen tote bem ^ubltfump betfäiaffen. 
@uer ^oäjebelgeboren 

getjorfamer ®iener 
Ifttif, SMfentretet (ricfitiget SMIgetreter). 

gm ©rief lagen aufjer bei gortfetmng ber fritifcrjen bon f nif proto* 
fottierten Zotigen (bie idj jeboct) nur fet)r getoäb/(t mitteilen barf, toeil 
gloreftan oft grob ausfällt) bie Porträts jtoeier 3ungfrauenfö.bfe, benen 
iä) feine tarnen geben toül afö üjre eigenen: gitta, ©iuttetta 532 , eine§ 
be§ itatienifctjen Knaben mit ber Xtnterfcfjtift: ipettbr, ein ©rief au§ SSe= 
nebig bon $it\a, einer IftaroS an mict) mit ber ©itte, über alle ©er)eim» 
niffe borbertjanb ©ti'ßfcrjtoeigen ju beobadjtem könnte idj fagen, toa§ 
tdj toüfste, obtootjt biele§ fjalb! Surfte iä) reben übet gilia, gtoteftau — 
toie ber ©unb fein untetirbifcr)e§, fci)tetcf)enbe§ gemgeridjt unb ber 
!ritifö)e ©lumenftaub nur ein teifer Stbfalt bon einem ganzen ®ünftler= 
toonneleben, unb toer ber 3Mfter tft, ben roir alte fdjon fennen — man 
toürbe mebr erftaunen, atö toenn man bei einem geograplüfcfjen $ro= 
feffor einfdjttefe unb ettoa unter Drangenbtüten in Statten aufmalte, 
©infttoeiten muffen aber bie taufenb SSRittionen gekannter Sftenfcrjen mit 
bem foitifcljen Seit bortteb nehmen. -•; 

Qu großer greube entbecfte icb, eben bie gortfe|ung be§ abgeriffenen 
9krofct)en @a|e§ im erften Strtifet, ber einem ©riefe an eine ungenannte 
Sßerfon entlehnt ju fein fdjeint. yiaä) 3toro§ SBorten: „®ibt fict) tttcE)t eine 
©e^eitttniStuerei ben (Schein be3" get)t e§ fort: „liefen — nid)t§ @anje§, 
nur gerriffeneS — feine SSürbe, tautet Seidjtfinn." 

@precf)t ü)r bom ©angen, toarf tuet gloteftan ein, ber niemanben, 
toenn er feiner Meinung toar, gern augfptecrjen tief;, fo ftimm' iä) euer) 
bei, SMfter. 2mber§ aber afö bie, bie immer übet ©eniatitätöfrecrjijeit, 
SSeradjtung atter geachteten formen, neuromantifdjeg 3folanb§toüten 
f freien, finbe ic^ in ber neuen SJhtftf efyer ettoaS ©ebrüctteS, ©dmter^ 
rjafteS, ^albtoatyreS, ba§ ber alten freutet) fremb toar. 2tutf) iä) meine 
btö, futjt 3fctto fort, icb bin übrigens lein Smbetet be§ oXLfti SCntiten; 
im ©egenteit fajjj iä) biefe antebilubianifcfjeu Enterfudjungen. toot)t afö 
rjiftortftfje Siebtjaberei gelten, Ijafte fie aber für toenig emftufjreicr) auf 
unfere tunftbübung. $t)t toifit aber auct), toie nacrjbrücHici) iä) eud) 
gum ©tubium ber Sßten angefjalten. ®enn toie ber SKalermeifter feinen 



270 9J- 24 - ® er ®abib§Bünbter'. II. 

@d)üter nadj £>erfutanum fdndt, ntdjt ba§ er jeben einzelnen Sorfo jeidme, 
fonbern baft er/erfiatfe an bet Haltung unb Sßürbe be3 ©angen, e§ auf 
edjtem SSoben anbaue, genieße, nadjbilbe, fo leitete audj id) eueb, in 
bem Sinne, nidjt .bafs it)r über;jebe§ einzelne jebe§ emgelnen in ein 
geteiltes Staunen geraten mottet, fonbern bie nun erweiterten fünft- 
mittel auf itjte 5ßtin#ien prüdfütn-en unb beten befonnene Stnwenbung 
auffinben lernt. 

• ®?r Reiftet lam hierauf auf baS gu fpredjen, tt>a§ bie (Segenwart 
djarafterifiere, auf bie Matteten, al§ — fntf mit griebrtd) eintrat, aus 
SSenebig gurüäfet)renb. Über bie atigemeine greube fag' id) nid)t§ 533 . 
28i|linge liefen ftd) bertauten, bafc man pr @inweü)ung be§ neuen 
@aale§ 53 * lieber ben Marcia funebre au§ ber »^eroifdjen «Sinfonie« aU 
ben griedjifdHdjwebenben Subetdjor au§ ben »Ruinen bon 9Itl)en<< ptte 
weiten folten; "ja, man fonnte noeb, ftärfere Sadjen tjören. SMner 3M S 
nung nad) füllte man ba§ SSetfetjen nidjt ber ©heiton pr Saft legen, 
biegewift:ba§ SSefte gewünfdjt unb gewollt t>at. ©nbtidj follten nidjt 
feöj^unbert 3Kenfd)en benfelben f üdjenwi| wiebertjolen, fonbern einen 
neuen machen, greitiä) t)at 9ßobaIi§ redjt (Wollte man nidjt ba§ iftaffi- 
nierte im (gebauten rügen, ba man am @nbe gar nodj alle fünfte auf 
einmal p genießen berlangte), wenn er fagt, man follte SRufü'nur in 
fdjön beforierten Sälen t)ören, jrtafttfdj'e Sßerle nur unter Begleitung 
bon SJhtfif anfdiauen. . . ®- 

31n unb für fid) Wäre beine SSerteibigung redjt gut, liebenäwürbiger 
@ufebiu§! 2lbet bem ^ilifter bie Unbeljaglidjfeit im ungewohnten 
Sotat p bertreiben t)ätte man fid) nid)t fo gar anfbannenber.äJUttet b> 
bienen, nid)t nad/bem gubeldjor eine » gubeloubertüre «, nad) biefet wie- 
bet eine»&iumfH)»l)antafie« bonPxiS (wenigftenS war fie e§ für ftara 
Sßied) fe|en, ben Subel einem rjodjlßbtidjen .^blifum orbentlid) ein- 
bleuen follen. ' ■' ?$•■ 

8m gubetdjor feib ja auf bie tofüd)otogifä)e SSa^eit brinnen red)t 
aufnterlfam! ®enn wie namentlich bei öffentlichen geften eine butd)- 
wet)enbe .(Sm»fänglid)feit, ein bellet 2lbft>iegeln ber Suft im Stuge be§ 
anbetn bortjer fidjtbar fein muf?, unb Wie ben SturmeSfreifen be§ $ubet§ 
erft bie SBellenlinien ber greube boranptjen, fo beginnt S3eett)0ben 
erft mit unfdwlbigen flöten unb &oboen. '^un pafct auf, wie et bei 
aller 9fotürlidjfeit ber gmbfinbung immer. l)ßl)er gel)t, wie er bon Salt 
gu Salt bie Waffen ma^fen Ia|t, unb toie fie fid; berfdjmeläen bi§ gum 



9<J. 24. ®er SaöibSBifobler. II. 



271 



Ie|ten, ftärffien ©reitlang. SSäljrenb in ber »Subeloubertüre« ein ein» 
äiger meiere 3Sünfcfi,e «u3ft>tid&t (ben ber 5ßreBfxeü)eit glaube icb, in 
ben t)ot)en «iojonceffö ftarf p fetjen, faltete gloreftan ein), bereinigen 
\xä) bei S3eett)oben alle ju einem unb bemfelben. Sc!) fjdte aber ben Unter» 
fd)ieb für bebeutenb 53 5. <g_ 

man mußte e§ ein offenbaret @e6,eimni§ nennen, baß ber bilbfame, 
tieffinnige 2)eutfcb,e, ber, pm Seil in Haffifde»er Seit ertoacbjen unb er' 
Sogen, fo leicht unb gern ba§ @djte bom ©djetn unterfcb,eibet, feine bater» . 
Iänbifä)en Saleute erft aug beut, 2tu§taube fotnmentiert unb befternt 
^erfiott, nimmt man nic£)t an, ba% e§ auä) Ijier ba§ Sweater ber tot)bfifd)en 
Entfernung ift, toelä)e§ btenbenb ibealifiert unb ibm berleitet, auSlänbifcfje 
(Materien für ©iamanten p galten, greitid) trägt am ©lenbe nie» 
tnaub fcrjulb aß alte, tomboniften tote SSirtuofen, Verleger toie fäufer, 
am meiften aber bie, toelä)e ben birelteften Einfluß auf bie @efä)macf§» 
btlbung be§ Stoßes äußern fönnen — Sweater unb ßetjrer. Unb t)ier 
brängen fiel) fo biete trübe ©ebanfen auf, toie auf ber einen Seite ber 
®taat eine Jhmft, ben fjöcpm ebenbürtig, fo toenig förbert, auf ber an» 
bern, toie für bie gfficffiäjfte Qbee oft erft bie geber gefuäjt »erben muß, 
bie fie auf f treibt, ba% man -redjt gemannt toirb, ber. in bie SRenge ein» 
reißenben glaa)t)eit in möglicbji bereinter föaft entgegenptoirfen 536 . 

e. 

gloreftan treibt fiä) feit einiger Seit in ben etenbeften 35ier» unb Söein» 
fellern f>erunt, einen SJteßbioIinfüieler &u b,ören, ber tt)n, toie er meint, 
orbentltd) aufgerüttelt unb aufgetoärmt; benn (fufjr er fort) Biotin» 
fbieler b,öre man toof)I, aber SSioline toenig, 28a§ feine Segelt ber SSogen» 
fü^rung unb gefunb genialifäje 9luffaffung bis in bie «einften frangöfi» 
fä)en SlirS berab anlangte, fo fucb,e ber Mann feineSgteictien, ber fiä) bei» 
laufig ©roßmann nenne unb bielmal beffer ftoiele, als er fid> einbübe. 
2>a if)m bei feinen Talenten 9lner!ennung I)öcf)fter ®rttif nic£)t fehlen 
Ibnne, fo ließe fdjon ber Umftanb, baß er baS t)erumäieb,enbe, boetifd)e 
Sroubabourleben be.m bornetimen Sabeltenfiedjtum borgtelje, baS SSefte 
Ijoffen. Qa (fcf/oß gtoreftan), göttlich benf ict) eS mir, SabibSbünbler, 
toenn icb, fo in SBolffg heiler fbielte unb etm ^aganini bereinträte; 
bte miferabelften 9taifd)er toürbe icb, im Anfang awfttfcEjen — 5ßaganini 
Jjotdje faum t)in ; baS ärgere miß), unb icb, braute Sachen aus » Son Suan « 
unb langen, ferneren ©efang — ba finge er an ju fluten; aber mit bm 
unfctiulbigften ©efic^t bon ber SBelt, als ob icb, ben SKarat !aum fenne, 



272 sß. 24. ®er .®aöib§Mnbkr. II. — 3J. 25. spro^ettug. 

würbe id) weiterftoieten unb etwa in eine toon ü)m gefegte f aprice 
jalten — unb ba erfaßte mid) ber ©ebanfe ber 9ftu)e be§ ©rofjen, unb .tdj 
würbe anfangen ju »einen, ju fodjen, §u braufett, p beten, alle§ ber* 
geffenb unb fortgeriffen com ©ntjücfenl Unb wenn er bann gu mir träte 
— unb mir bie §anb gäbe! — • ^ortfe^ung folgt)»*'. 



25. «profpeftas. 

«Reite Sei^siget $eit^tift fät 991«?«. 

herausgegeben burä) einen SBeretn bon fünftlern unb Sunftfreuttben»^. 

@ie wirb enthalten: 

S^eoretifäje unb toraftifcfje Auffäfee (fimpfäetifäe, gramma* 
tifäe, päbagogifdje, biograf#fcr,e, afuftifcb/), «Mrologe, Beiträge pa 
93tlbung§gefc£)iä)te berühmter Huftier, SSeurteilungen auägegeitfmeter 
»trtuofetttetftungen, Dpembarftellungen; unter ber Stoff $rtft: Seit* 
genoffen ©fi^en mefyc ober weniger berühmter fünftter; unter ber 
gftubrif: goutturiföau 3fad)rid)ten über btö SBirfen anberer fritifäier 
Blatter, «öemeriungen über 3desenfiotten in unten, ^ufammenftettung 
oetfcrjiebener ^Beurteilungen über biefetbe <3acf,e, eigne ülefuftate barüber, 
autfj Stntifritifen ber fünftler felbft, fobann Stu^üge au§ au§länbifd)en, 
3nteteffante§ au§ älteren mufitaüfäjen geitungen. 

•SeHetTtftiföeS, iürgere mufitalifd)e ©r^ungen, ^antafieftMe, 
@ 5 enen au§ bem Seben, £>umoriftifcr;e§, ©ebic£)te, bie fitfj oorgugsweife 
jur tompofition eignen. 

tritiien über @eifte3erjeugmffe ber Gegenwart mit borgugliäier 
S3erüctfid)tigung ber fompofitionen für oa§ «ßianoforte. Stuf frühere 
fdjäfcbare, übergangene ober bergeffene Sßerle wirb aufmer!fam gemalt, 
wie autfj auf eingefanbte SJlanuffriüte tateutbollet unbetonter ffiotn- 
poniften, bie Aufmunterung berbienen 539 . 3" berfelben ©attung ge* 
tjörige tompofitionen merben öfter §ufammengeftetlt, gegeneinanber 
bergigen, befonber§ intereffante boütoett beurteilt, gut ^Beurteilung . 
eingefanbte Sßerle werben butä) eine öortäufige Anzeige befanntge* 
ntacfjt; bocb, beftimmt nidjt ba§ Alter ber ©infenbung bie frühere S3e= 
fpredjung, fonbern bie »otjttgßdjiett ber Seifrung. 

3Jtt§ ä elten, rur ä e§ SKufitbe S ügßd)e§, Sbte&otifäeS, tunftbemer* 
lungen, äitufilaKfäeg au§ ©oetrje, gean $aul, §einfe, £offmann, 9fo> 
baiig, 3tod)li| u. a. m. 



3<J. 25. sßrofoeftuä. 273 

Sorrefüonben§artiieI nur bann, toenn fie eigentüdjfteS SKufif» 
leben abfdjitbem. äBir-ftetjenin SSerbinbung mit «ßari§, Sonbon, SBien, 
Setiin, «Petersburg, Neapel, granffurt, Hamburg, Uttga, SÜindjen, 
®re§ben, Stuttgart u. a. — Sfeferierenbe StrtiM falten in bie folgenbe 
^Abteilung. 

©tjronil, «JDtofifauffüfjrungen, fonäertanjeigen, Reifen, Stufenttjaft 
hex Sunftler, ^Beförderungen, SSorfäHe int Seben. (53 toirb teine 3Jtiit)e 
gef djeut, biefe ©jronti boltftanbig %a machen, um bie Tanten ber ^ünftfer 
fo oft nrie mögliä) in Erinnerung §u bringen. 

9loä) ntadjen mir borläufig belannt, bafs, roenn fid) bie geitfdjtift 
balb einer allgemeinen £eiuuu)me erfreuen fottte, ber SSerteger fiel) er* 
boten fjat, einen $rei§ auf bie befte eingefanbte itontbofition, für§ erfte 
auf bie boräügtidjfte panofortefonate, §u fe|en, morüber ba§ -Kapere 
feinerjett berichtet toirb. 



Über bie (Stellung, bie biefe neue geitfdjrift unter ben. fdjon er» 
fdjeinenben eingunerjnten gebeult, roerben fiefj bie erften Sötätter tatfätfjtid) 
am beuttidjften au§fbredjen. 

28er ben üMnftler erforfdjen toitt, befuge üjn in fetner SSerlftatt. 
<£§ fdjien notroenbig, and) ümt ein Organ p betfdjaffen, i>a% Ü)n anregte, 
aufjer burä) feinen biretten ©influfj uod) burdj SBort unb ©dnift %u 
mirlen 540 , einen öffentlichen Drt, in bem er baä SSefte bon bem, toa§ 
tx fetbft gefefjen im eignen Stuge, felbft erfahren im eignen ©eift, nieber» 
legen, eben eine $eitfd)rift, in ber er fid) gegen einfeitige ober untoatjre 
Stritte berteibigen tonne, foiwit ftcE) bc& mit ©eredjtigfeit unb Unbartei* 
Itdjteit überrjaubt berträgt. . . 

28te follten bie §erau§geber bie 23oräüge ber beftetjenben, Jjöäjft 
adjtbaren Organe, bie fid) augfdjtiefjliä) mit mufitaüfdjer Jßiteratur be= 
fdjäftigen, nidjt anerlennen motten! SSeit entfernt, bie ettoaigen SOcänget 
ber Unbefanntfdjaft mit ben gorberungen, bie je|t ber SMnftler an ben 
Uritifer maerjen barf, ober ement abnetjmenben £hmftenti)ufia3mu§ p= 
pfdjreiben, finben fie e§ auf ber einen Seite unmöglid), bafj ba§ (gebiet 
ber SJlufit, tt>eldje§ quantitatib fid) fo au3gebet)nt, bon einem einjetneu 
big in§ einzelne burdjbrungen toerben tonne, auf ber anbern .naturltd), 
ba% beim Bufammennrirten mehrerer, bon toetdjen fid) im SSerlauf ber 
Seit biete auSfdjeiben, an beren ©teile SmberSgefinnte eintreten, ber :erfte 
?ßlan bergeffen mirb, bi§ er enbtid) im Sodern unb allgemeinen bergest. 

8Io6ert ©djumannS gei. ©Triften. II. 18 



274 91- 25. 5ßroftieftu§. — 9t 26. Seitgenoffen. 

fünftler finb toit betin unb funftfreunbe, jüngere tote ältere, bie 
nur, burd) jahrelanges SSeifammenteben miteinanber tiertraut unb int 
roefenttidjen berfelben Stnfidjt pgetan, un§ §ur Verausgabe btefer SSlätter 
toerbunben. ©an§ burdjbrungen öon ber Söebeutung unfer§ SBortjabenS,, 
legen roir mit greube unb (Stfer §anb an ba§ neue Söerl, ja, mit bem 
©tots ber Hoffnung, ba% e§ afö im reinen ©tun unb im ^ntereffe ber 
fünft tion SJMnnern begonnen, bereu £eben§beruf fie ift, günftig auf* 
genommen roerbe. Sitte- aber, bie e§ toot)lmeinen mit ber fdjöneu fünft 
ber pjcmtafie, bitten mir, ba§ junge Itntemebmen mit IRat unb %at 
mofytroottenb §u förbern unb p fdjü^en! 

■ Seibgig, am 16. Wäx% 1834. . Sie Herausgeber 541 .. 



26. 3ßttgeno[fen. 

(S8on einem alten SRuftfer.) 

^Inna Caroline »on SScHebiUe 542 , 

eröffne bu bie SSÜberreitje, jugenbliäje SReifterin, bie meinen alten 
Sagen nod) brei fd)öne gab! f önnteft bu nur fjalb fo biet, fo roürbe bid) 
ber ®eutfd)e, ber am SSirtuofen burd)au§ ©efectjte, Stttaden, lurg tamtif 
mit feinem ^nftrutnent fetjen roilt, letzter tierftanben unb fernerer naä) 
engtanb gießen getaffen tjaben, (Snglanb, baZ roie immer bie f ünftter 
tier gräbt unb jugrunbe richtet. 

SSerftanb ict) fie anber§ redjt, fo ift fie (tior etlidjen ätoanätg Sauren) 
ju StugSburg geboren, tion frangöftf djem ©tamtn. grffl) an§ Reifen ge* 
roßlmt, ft>rid)t fie naä) tängerm Stufentfjalt in (Sngtanb, granfretd), irre 
id) niäjt, autfj in Stauen, biefe ©brauen, bie tf)ren beutfdjen Streut 
geläutert unb roeidjer getnacrjt tjaben. gm (äefbräd) mit einzelnen gibt 
fie fidj offen unb gutrautid), -obroob,! ü)re Überzeugung in St unftanfidjten 
tiertetbigenb; in größeren QirMn fott fie etroaS botn einfitbigen fimftler* 
fto% annehmen, ber am redjten Drt gar nidjt §u tabeln ift. — $t Sßien 
toarb fie namentlich burd) ©gernr; fortgebilbet; ber alte 2mbrea§ ©treidjer 
fjatf naä). @o trat fie in bolter funftblüte in Setbgig auf. — Db franjöfif d) 
unb englifd) 33lut §ufammenbaffen, roeift iä) niä)t. ©ie tieref,elid)te fid) 
fbäter mit einem englifdjen SSiolinfbieter Durt), mit bem fie eben auf 
einer funftreife burd) Urlaub begriffen roar. 



9f.- 26. Bettgenoffen. — Sß. 27. 3ln bie Sefer. 275 

®en Stopf ein toenig fenfenb, rooran Äurjfidjtigfeit fcEjuIb ift, unb 
bie fein gebauten §änbe, toeifj tote ba% (Slfenbein ber Saften, ettoaS 
fjoä) über bie SHabiatur battenb, ijerrfctjt fie mit Seicrjtigföt unb ©rajie 
über bie fbielenben Söne. gr)r Maöierf^tel ift, toaä e3 fein fott, ein ©fielen 
mit bem gnftrument. Sie äftaffe berfteljt bie§ ©eljeimm§ ntdjt. £$e 
Jraffer bie Pfoten, je Weiterer btö ©efidjt; je. toller bie ©torünge, je fixerer 
ber 2lnfä)tag. 3m aufgearbeiteten, SCbgerunbeten, bom einfachen Son 
an bi§ gu gegeneinanber roßenben, blitse§fdmetlen ©optoetgriffen, fterjt 
fie anbern Stteiftern gteid}. 2tn ©tct>ert)eit ber SBolubilität übertrifft fie 
bielleictjt alte. Sunftfenner erflären ben Vortrag be§ ©*bur=^on§ert§ 
bon 5ßiji§ für Ü)re SMfterteiftung, ben be§ £ummelfä)en in 2t»motl für 
bie fdjtoädtfte. 3Zur btö erfte 'toetfj tdj. ^f)r ©igentümIicE)»SSoHenbete§ ift 
ber abnetjmenbe Triller, ber |ute|t ftne mit bem SÄtfjer jmfammenfliefjt. 
®en getjler, baf? bie linfe £>anb ber reäjten an gertigleit unb ©efang 
im 2tnfct)lag bei toeitem nicf)t gteicrjfommt, ttrirb fie bielteicrjt burd) 
rec§te§ ©tubium unb buxä) ben gletfj, ber it)r bor alten SSirtuofinnen 
eigen ift, befeitigt tjaben. S8ie tonnte aber ©infeitigleit unb Vorliebe 
für eigne SÖiettjobe einen fonft auggegeidfmeten Mnftler fo berblenben, 
bafj er ü)r ©dmle unb Stnfcrjlag abftorad)? — $n ber fomtoofition gudt 
überall ba§ äBeibticrje tjerau§ — .batljetifdje Anfänge, Unfidjerrjeit in 
ber gorm unb im §armontfd)en, fentimentale (Sfnfoben in ber SJtttte, 
fcrjnelle§ SCbbrec^en ber ©ebanfen. — Sftun, mir fennen eudj, liebend 
würbige, trctumerifct)e SBefen! 



27. 2In bie ßefer ber neuen 3eüfc(jrift. 

gn fttrjer £eit ift un§ bon alten ©eiten foldje £eilnat)me gemorben, 
freitoillige toie nacrjgefudjte, bafj xvk ertennen, e§ t)at nidjt an Männern, 
bie mit ganzem ©eift für ba§ (Sdjte ttirten »ollen, toöbjl aber an @e= 
legenljeit gefehlt, biefen SSillen oft %u betätigen 543 . Ser Anfang ift 
gemacht. Von ber 9lu§bauer roirb ba§ Vollbringen abhängen. 

Vei (Gelegenheit be§ @ct.luffe§ bom ®oett)e»3elterfcl)en Vrief* 
ioecrjfet 544 in biefem Vlatt bemerten mir, bafj e§ ntdjt Sföftdjt ift, unfere 
®unftgenoffen nur buxä) ba§, toa§ fie unmittelbar buxä) Sftuftf berühre, 
anzuregen, fonbern bafj mir fie auä) mit anberm, roa§ fie at§ tmtft* 
mengen übertäubt intereffteren Knute, erfreuen, geiftig nätjren möchten. 

18* 



276 31. 27. Sin bie Sefer. — 31. 28. SMtere Äunft&emerfuttgeit. 

SSir meinen, bafj ber SMer au§ ber S3eett)0benfdj)en ©infonie ebenfogut 
lernen Jönne Wie ber 9Jiufifer anbere§ bon einem ©oettjefdjen f unftwerf. 

©djiwer erlernt e§ allerbing§, bie bieten äKaterialien in [richtigen] 
SBerfjättniffen bor-mfüfjren, ba§> Sßefentticiie auSjufdietben, jebem wie im 
©taat feine Jleinere ober größere ©teile ansuweifen. ®a| aber beim 
beginnen eine§ gnftttuts n ^t a ^ en 2Mnfct)en ber 2trt nadjgefommen 
werben lann, Wirb un§ wotjl jeber SSilligforbernbe pgefterjen. 

©§ barf un§ nidjt flimmern, ob unfere Stnfidjten, wie fie ficb, in ben 
erfctjienenert SSlctttern, wenn aucr) nidjt botlftänbig, lunbgeben, bon 
alten gebilligt werben motten. SBir Wünfcfyen faum bon iebem ein @ut» 
fjeifsen 545 . ©ilt e§ ftcfjer audj Unerfreulichem, gjartnäcligem p begegnen, 
fo entfct)äbigt anbrerfeitg bie Sätigfeit ber neuen ©eifter, bie nur tton 
weitem geleitet %u werben brauet, um ber fünft neue greube, neue 
Sßürbe ju berfctjaffen. 

3Jcöct)ten biefe Sötätter wie erfte Snutrotofen eines SJtorgenä gelten, 
beffen 3tnfang§ftunbe Wir, wenn auä) nictjt feftftellen, bodj borläufig 
afö eine Weitere gulunft beglüäwünfccjen wollen. Stilen, welche biefe 
Qeit befcrjleunigenb un§ fo freubig ptm SSerein entgegengekommen finb, 
unfern ®anf unb ©ruf) 546 . 

S[eif»ätg], am 1. 9M. ®ie |>erau§geb"er. 



28. SBcitcre 5luttftBemerfungen 547 . Regeln. 

®er gemeine ©ebante, wirb er waljr unb einfach au§gef proben, 
beleibigt an fiel) nictjt — aber ber berbtiimte, jugeftufete, ber met)r unb 
Ijeitiger fein will. Söo man nichts ju fagen weif}, fagt $ean $aul, ift ber i 
3feid)§tag* unb 3ieid)3an§eiger=@ttl biel beffer, weil er wenigften§ in 
feinen ©elbftfjarletin um^ubenten ift, afö ber prunfenbe, gelbau§wer= 
fenbe, ber bor fid) tjer aufrufen täfjt: er lommt. 



®ie größte fünft in ber fünft ift, ben ©toff ju bergeiftigen, baf$ atle§ 
SRaterielle beSfetben bergeffen wirb. — 9Hd)t aber ein SSernacrjläffigen, 
SBetacljten be§felben füfyrt §um Sbealen, benn bei einem folgen SSer= 
fahren bricht ba§ Sftaterielle bod) auf einer ©eite burdj, fonbern ir)t ^öredjen 
unb SSerfdnneljen. 



9i. 28. äBettere Shmpemerfitngen. 277 

S8er einem großen SMfter mit ©ruft unb ©tubium nadjftrebt, toirb 
fein fobift, unb feine (Sigentümlidjfeit toirb ftetS" burdjbrecijen; benn 
lein ($eift gleist htm anbern, urib jeber nafjrt ftd6> au§ einem anbern 
9>taturleben unb ^unfielement. ga, fein recrjt £üd)tiger bermag auf einen 
einzigen SMfter p fcb>ören., 

®ie iljr eud) fo gern in ba§ 9mbenren b'er alten guten geit berfenlt, 
benft ü)r gar nicrjt baran, bajj biefe geit nottoenbig immer toeiter prücf* 
f djreiten wirb, baft bollenbg alle alten $erren balb ben fdjon SSorange» 
gangenen folgen, unb bafj bann nottoenbig bie jüngeren allein ba$ 
2Sort führen toerben, toeil fie allein nodj übrig finb? ®iefe 23etra<f)tung 
mufj aber bat)in führen, p überlegen, toeldje Üüdjtung bie neue ©ene= 
ration nehmen lann unb nehmen toirb. 2)ann aber bünft e§ rmdj ungleich 
toidjtiger, bafj ber Iritiler mit Äraft unb Umfielt in bie neue Sätigleit 
ber neuen ©eifter eingreift, al§ bafj er ftet) tanbetnb mit ben 9teli* 
quien alter Siebfcrjaften befestige. S)a§ borneljme gurüifpljen ober baä 
.bebantifä)e gehalten am alten gobf ober ba% 8urücfträumen in bie 
Qugenbliebe taugt unb nü|t ba mä)t§. S)ie $eit geljt fort, unb man 
mufi mit ibr fortgeben. 

* 

SSofür jemanb leinen rechten ©inn b>t, ba§ nrirb er falfcE) beur= 

teilen, unb je geifireietjer er fonft ift, befto gefab>Iidjer'unb berfüljrerifd)er 

toirb fein grrtum fein, unb l)abe er ba§ SSefen bom Orient, bon ©rieben» 

lanb unb 9tom in fiä) aufgenommen, fo toirb feine Ungeredjtigfeit gegen 

bie bon tf)m bekannte funftfeite nur um fo qualifizierter fein; benn er 

toirb all fein ®enlen al§ SBaffe gegen fie brausen, um ü)t ben Kaum 

unb bie SBirffamfeit ftreitig p mad)en, bie fie im Greife ber übrigen 

fünfte einnehmen foll. 

* * 

®a§ geiüöf)nftcr)e ^ubliium l)at lein !ritif(i)e§ Urteil; bod) toilt ber 
Äünftler ben ©inbrud ioaljrnermten unb merlen, ob er bolfStümlid) ift. 
©efallen ift füfj; mißfallen maerjt bie Ihmftleiftung berbäd)tig. (Sinen 
^aubtanftoft geben ift ein falber «öemeiS gegen ben Mnftler, Beifall 
be§ großen $ublifum§ ein falber für it)n — mei)r nietjt; aber toäljrenb 
ber Waxlt* unb 3Jlef3toarenl)änbIer ficE) mit Ie|terem Begnügt, traut fict) 
ber toaljre p, ben anbern falben in feinem ©elbfibetoufstfein afö geftellt 
borau§net)men p bürfen. 



278 SU- 28. SBeitere ÄunftBemerfimgen. 

äftifjtang ein SSerf in beinen Rauben, 
üöhtfjt bu bid) ftarf %u feuern toenben: 
®ie Sut nur fcitifiert bie %at, 
®a§ Urteil ift ein fünftes 3M>. 



®er grvujling regenfiert ben Söhtter, 
33}ttt folgt ber (Sommer auf ber ©put, 
23o jener enbet, ba Beginnt er: 
3)a§ fjei^t fritif in ber Statur. 



„@c^er§enb bieten roir euü) bie naäenb berte|enbe SScuirfjeit. 
SBemteucb, beriefet ber (Srnft, fjeiF euä) ergö|enb ber ©djerg." 



©.pigramm auf Sttojart. 
,,©o!ä)' ein ®eniu§, foXcE) ein ®inb?" — D rüafjrtid), iä) fag' eucf), 
SBerbet ü)r fo nidjt, Ü)r lommt nie in ben £immet ber fünft. 



§att§= unb SeöenStegeftt 548 . 

$eber $eit gerechte SSürbigung! 2tud) bie neuere r)at ©längenbeä 
errungen. K 

©d)ärfe beine (Sinbitbung§rtaft fo, ba% bu nidjt allein bie 3Mobie 
unb Sontpofition, fonbern aud) bje bap gehörige Harmonie im @ebää)tni§ 
feftjuljalten bermagft. 

©§ b,at §u aßen Seiten fctjleäjte fomponiften gegeben unb Darren, 
bie fie gebriefen f)aben. 

©ottft bu jemanbem borfpieten, fo giere bidjnidjt; fonbern tu'§ 
gteid) ober gar niäjt. 

®u mufjt aber nidjt nur einen SMfier liebbaben. (£§ tjat beren 
biet gegeben. 

©taube ttidjt, bafe bie atte SRufil beraftet fei. SSie ein fcb,öne§ 
toarjteS SBort nie beralten lann, ebenfomenig eine fäjöne ttatjre SJlufif. 



SR. 29. SBeitere ©djtoärmBriefe. 279 

29. SBcitcrc S^rDärmbrtefe 549 . 

(2.) 
m dufe&iu§ 550 . 

äfteine SJMfe bocrjen in fieberhafter ©rregung, unb gelicitaS 

fcrjrüermütige Söne raupen noctj in meinem gratern. 3)aS toar ntdjt 
Beifall eines entjütfien $|M>lilumS, fonbern gaudjgen unb £oben einet 
entfeffelten Stenge; ber £ärm eines (Surer norbifctjen SJhtfilfefte Hingt 
roie baS fromme Satten eines „Dona nobis paoem" gegen biefen Sötttt* 
cfyor ber begeifterten SMIäuber. ®ie Männer gebärbeten fiä) ttrie getenfe 
<Meber.buto,ben unb fcfjtugen itjr 2tu|er*fidHein recfjt au§ mit §änberi 
unb $üf3en, bie ©amen nafnnen bie buftenben Blumenfträufje unb 
toarfen fie %u §unberten gu ®eSbemona§ güfjen, ber tontrabafj legte ben 
Bogen beifeit unb Hatfdjte ben SSafs gum 9focr;tutti, unb ber fauler 
imbrobifierte, roo er eigentlich) gar nichts gu tun, einen roütenben SBirbeL 
SSir roaren niö)t müfng; felbft Sibia fctjien ficb, auf einige Shtgenblicte [gu] 
bergeffen. — ®er 3Karct)efe bot feiner füfjen ©ulberin ben 2trm, unb iä) 
mufjte folgen. 

(Sben taS unb t)örte iä) ©einen 93rief gu 6nbe. _ ©eine $been bon 
ber Drcfyefterrebublif berftet)e icb, recbjt rootjt; jenes SJieifterabagio in ber 
» aJceereSftilte « !ann icb, mir nidjt anberS benten, als bafs jebeS ^nftrument, 
bor allem ber 33af3, immer roie bon ungefähr t)iuein!ommt, roie aus 
beut Dgean immer eine roeite Unenbtietjleit nact) ber anbern auftauet. 
%uä) gri| griebricb, teilte iä) Seine :2mfiä)t mit, — baS fei rootjl febjr 
fdjön, meinte er, aber um in ber 2ftt g. 33. biefe Dubertitre rect)t mit gei» 
ftiger SSar)rt)eit gu ftoielen, müfjteft ®u erft baS girtenger Drctjefter gur 
©ee f fielen. — »2ßi 23aba« berftetje ict) nierjt, t)abe ®ir aber fetjon frütjet 
belannt, roeterjen Öberbrufs icb, gehabt, als iä) ü)u in ^ßariS getjört; unb 
babei fällt mir gtoreftanS lalonifc^eS SSort ein. „(Srgätjlt ein großer 
Sidjter im fct)ioact)en 2ttter lange 2tmmenmärcr)en, fo ift baS natürlict) 

— fiel)t man aber blauen £immet, roo'S regnet, fo ift baS unnatürtief)." 

— 9tot aber noebj bon geligttaS; bieS SSeib tft roatjrtjaft unbegreiflich, 
fo liebenSroürbig roie aufjerorbenttict); fie lub uns gu einer *ßrobe, unb mir 
ftab,Ien unS roeg bom SOlarcrjefe. Su tjätteft ferjen folten, roie bieS SSefen 
nicb,t nur ein auSgegeitfmeteS ©lieb, fonbern redjt bie belebenbe ©eele 
ber gangen SSüIme ift unb rjterin gang ber @cr)röber gleicht. @o, orbnet 



280 31. 29. Weitere ©djwärmBrtefe. 

fie btö &pn, bie (Stellung be§ ©)or§, berbeffert bie Stttion ber Söttt- 
fbielenben, gibt bem Drcfjefier feine £embo§ unb imbrobifiert faft im 
gleichen Stugenblid bie gragtöfeften SBergierungen Ü)rer SCrie. -Dirne 
©efang roäre fie bie erfte Scfjaufbielerin unb olme Sbtacrje bie erfte Sttinte 
beg ga^tt)unbett§. Unb Bei biefem feffetlofen ®enie beftätigt fidE» roieber 
rectjt Reiftet 9toro§ 2tu§fbrucfj, „Jenes muffe oft mit ©eroalt gewedtt 
unb mit pebantififjer Strenge bi§ %u einem geroiffen ©rab emborgebilbet 
roerben", benn gelicita t)atte an üjrem SSater einen fetjr ftrengen Setyrer, 
ber ü)ren fdjon bortref flicken ^ugenbleiftungen faft immer unjufriebenen 
gäbet unb tjörjete Stnforberungen entgegenfe|te. %a, ™ Sferorjort, roo 
fie afö ®e§bemona, er atö Dttjello auftrat, brotjte er, fie in SBtxittäjfeü 
gu erboldjjen, roenn fie nidjt mefyr 2tu3brucf in Spiel unb ©efang ent» 
roicöe; unb biefe S)rot)ung eines fo garten Se^rerS roirtte mit fotdjet 
äSatrcijeit auf ba§ fect)§et)njär)rige 3Mbd)en, bafj ber SSater ü)r nadj ber 
SBorftellung freubetrunten ib,re fünftige ©rö|e toxototjeäeite. So t)örte idj 
fie felbft mit ®anl gegen bie beffere bäterlicrje (Sinfidjt ersten, unb roenn 
®u bie§ Reiftet fftaxo mitteilft, fo ferje icrj, roie er bieg Statt mit triunv 
btjierenbem Sätteln einer ©eroiffen jum Sefen reierjt 

Sibia tetmt fic£> über meine ScfjUlter unb möchte SMIanb bom %ovn 
au§ in ber 3JconbbeIeuc£)tung fet)en. Wxt greuben roillfa^re icf) ü)r. ®u 
aber lebe root)t! 

Dft Hingen, roie bon ©eiftertjanb berührt, be§ 9cact)tg Saiten an, 
bann benie, bafj idj an %\§ beute. 

Unfere nädjften ^Briefe bon SSenebig. 

Srjiara. 

3ltt dljiata. 

- ®a§ erfte, roa§ roir Irrten, flog roie ein junger $t)öni£ 

bor un§ auf, ber nadj oben flatterte. SBetjje fetmenbe 9fofen unb bertenbe 
Sitienlel^e neigten tjinüber, unb brüben nieften Drangeblüten unb 2ftür= 
ten, unb baäroifd)enftre(ften(Menunb Srauerroeiben it)re melandjoufdjen 
Schatten au£: mitten brin aber roogte ein ftrat)tenbe§ 3RctbdjenantIt| unb 
fudjte fieb, SSIumen sunt ®ranj. 3d) fat) oft Mfme füfjn über ben SSetten 
fdjroeben, unb nur ein SJceiftergriff am Steuer, ein ftraffge§ogene§ Segel 
fehlte, bafj fie fo fiegenb unb f ebnet! atö fietjet bie Sßogen burcbj'crmitten: 
fo fjört' iä) tjier ©ebanlen, bie oft nicEjt bie regten £>oImetfcb,er geroäljft 
Ratten, um in ü)rer gangen Scfjöne §u glänzen, aber ber feurige ©eift, 



Sß. 29. Weitere ©djtoärmBrtefe. 281 

ber fie trieb, unb bie ©er)nfucr)t, bie fie fteuerte, ftrömte fie enbticb, fidjer 
pm $iel. SKun gog ein junget ©aragenentjelb fjeran tote eine Driftamme, 
mit Sänge unb ©ci)tt>ert, unb turnierte, bafj e§ eine Suft mar, unb 
guletst Rupfte ein frangöfifdjet (gfegant ferbei, unb bie §ergen fingen 
an . 

@o meit ©ufeb. $ä) fanb ü)n gefiern abenb mit bem Sopfe auf biefem 
Statte liegen unb feft fdjlafen; gum 2Men unb Mffen fat) er, afö 
träumte et QiüaS Bongert, bon bem er ©udj fdjteiöeri geroottt, noti) 
einmal nad). SBir fdjiäen ©udi ben gangen fettet mit. Sacfjt nur nicfjt 
beim Bongert für brei £ labiere bom alten ©ebaftian, ba% Qxlia mit bem 
SOleritig unb bem fanften 2>abib§bünblet Sßalt gezielt, fonbern feib toie 
gloreftan, ber bagu meinte: ba toirb e§ einem redjt Har, roeldier Smnp 
man ift 551 . 

SSie unfer gett>öl)nlid)e3 girlenger Bongert, baS mit tt>ot)Ituenber 
©id)ert)eit roöäjentlid) röteberfetjrt, einmal gang gefäfyrlid) geftört mürbe, 
öerbient allerbmgS berichtet gu toerben. ©leid) nacb, ber Sinfonie ent* 
ftanb nämttd) geuerlärm, ©.brisen raffelten, ©locfen fällten, ein Drfan 
bon Unrüfje roef)te burd) ben (Saal; biete Ratten itjre ®öpfe unterm Strm; 
ein Heiner ©änger, ber nur mit einem gradftügel (ber anbere ftmr im 
Sumult abgeriffen) über bie 83änte tootlte, um ba§ Söeite gu gewinnen, 
fab, erbärmlid) genug [au§], ebenfo bie Sängerin, bie bor bem bieten 
fauler auf ben tnien tag, um Rettung it)n anfingenb'in toenig itatieni» 
fct)er äMrpbe ... 2>a tjätteft ®u Seine SabibSbünbter fetjen fotlen! 
Sie Reifen ftanben fie unb berlangten, auf itjre ©ntreetarte poäjenb, 
tüfyig nad) SDlufif ; auetj 9Keriti§ fcfjofj SBlige unb fd)toang ben £altf gelter 
t)oö) über alter topfe; ja, ein Trompeter, ber ©ourage blatte, blie§ fogar 
feine Stimme ©olo ab . . . aber ba rjalf nid)t§. (Snotid) tief atle§ au§» 
einanber. (Sin Sactjfeft roar'3, al§ man am anbern borgen Ijörte, bafj 
man einem eingefdjtafenen ©tabtfolbaten ba§ @d)ilberl)au§ über bem 
üopfe angefteeft rjabe. 

Söeim nädjften forf d)te goreftan genau, ob ©efarjr bortjanben, benn 
auf bem fettet ftanb eine SBett bon ÜDhtfit, unb er roottte ficE) teinen £on 
nehmen laffen; aber SCugen günben nod) fdjneller afö gtammen: er lam 
im ©aal neben gtoei fdjroarge, unb fein §:erg, bon ib,nen getroffen, pofyte 
feuriger atö %. !äßeriti§ Sattierftab — motjer eg benn aud) tommen modjte, 
bafj er faft alte Xempi ber »§eroifd)en ©infonie« (gloreftan nennt fie bie 
»römifdje«, feie bie bierte in 33 bie » griedjif dje «) gu tangfam unb fteif 
fanb, „unb td) fdjroör'S bem Süeriti§" (fagte er auf ber ©trafte), „getjt 



282 9i- 29. SSeitere ©djmärmteefe. 

ba§ fo fort, fo neunte itf), roerbe idj einmal Stofübtteftor, [eine £iebling§= 
oubertüre nie anber§ afö fo: 



II, i I I i i 

^ * * i ± = * -±^ 



=i= 



(Sine SSrabourarie mit obligater Biotine bon $aer trug metrc 9teifrod! 
unb ©djtebbe afö jugenbUdje Sßangen. „38ie gefällt S^nen unfere neue 
©ängerin?" fragte mein Stacrjbar, — „©teganj in ber SJcettjobe, reine gn= 
tonation unb ein gefjorfanteg mezza voce finb biet in unferer armen $eit, 
unb icfr, glaube" — 

„2tbrotoo§, tjaben @ie fcf)on gehört", fiel ber gur Stufen ein, „bafj 
ein herein beutftfjer (Sängerinnen gufammengetreten, um bie Preisfrage 
au§gufe£en, roie man mit gesoffenem Sftunb unb of)ne SSorte au§p= 
ftoredjen boct) gang boulommen fingen lönne?" — 

(Sben mar ein gtötenfongert beenbet. „%$ roimf(£)te ferjr", meinte 
ber gur Rekten, „bie giöte tjätte öorf)in SSioline gefbielt." — „Sie 
Mafien reä)t" (ber Sinle), „icrj t)öre gern glöte, aber befonberS pffolo< 
bie fdmeibet einem fo red)t roor/ftuenb in§'' — ®abei fdmitt ber »£itu§«* 
d)or fo in mein Dfrr — wir fafäen gang biä)t hei ben jungen Römern — 
bafc tdj-bte SSorte be§ (Smbfinbfamen bertor. %ty fanb roieber, roie fdjroer 
bie gute §erfteüung eineg DtoemenfembleS im tongertfaal ift, fofetjr 
iä) mit ber 28ar>t be§ heutigen einberftanben mar, ba§> bom Repertoire 
ber SMÜrrte faft berfcEjrounben. ®er fanget ber ©generie, ber eignen 
SSero.egung in ber ^anblung, r)at einen !aum gu entäu^ernben (Sinfutfj 
auf bie geiftige SBarme unb Harmonie im Vortrage, unb baburd) erhält 
auct) leidit ber ted£)mfcr)e etroaS grlatjmenbeä, Söanfenbe§. 

(Snblicf) ift $rancüla angekommen, iueldje burä) bie Sunft mit ®ir 
unb Sibia fo eng bereinigt ift. ©eine Söorte bon 9Mnctjen au§ lebten 
in unferm ©ebäc£)tni§. ®u ^aft reä)t, ba§ ift ein ®emant bom reinften 
geuer, ber günbet, roie er leuchtet, übexgef är)rlicfc) ; eine §immetöftürmerin, 
bie mit Jedem ©cfnitte grabe auf§ §öii)fte Io§get)t. ^n ifrrem fongert 
rjatte i»a% gange 5ßuBIifum nur ein @efici)t, ein im eckten SSoltgenufj 
frrat)tenbe§ — unb roie fie alte mit gurüägepr entern Sttem lautlos r)orcfj* 
ten, afö rooltten fie bie ©irenentöne bon ü)ren Sippen fcpirfen, festen 
mir'3, afö rjörte idj ben %ifc%aä ber £ergen unb falj rjeimiidje ©eufger 
unb fetige§ Sää)etn über bie ©eelen f ergeben, — unb ein alter Skonto* 



5R. 29. SBeitere ©^wärmBrtefe. 283 

mann, ber tüte ein junger Kaufbolb hinter mir im 33eifalföfturme Io§* 
brad), tjatte tt>ot)I ©runb baju, benn er füllte ftcE) feit ätoanjig gafjren 
tjeute pro erftenmal tofeber an jene ftmrme gugenbjett öoll glüdftdjer 
SiebeSfdjmergen erinnert, unb e§ toat bieöeidjt bie leiste poetifdje ©tropf) e 
in feinem engen Seben. 2H3 mir heimgingen, fagte Karo, er möchte fjeuf 
um feinen Sßreig eine ©ängerin fein, bie jugetjört; ^onattjan finbet an 
tfjr biet Stmftdjeä mit ber 9Mibran; gloreftan fdjimpfte toieber einmal 
auf ba§ Sermoniefl, „bafä man nidjt gteid^ mir nid)t3 bir nid)t§ um ben 
£>afö fallen bürfe" ufm; (Sufebiug meinte fefjr einfältig, bafj e§ bodj 
©djulbigfeit wäre, ü)r otjne weiteres ba§ 2)abib§bünbterbipIom §ugu= 
fdjiden; — bon mir lann id) ®ir nur melben, baf3 id) am. anbern borgen, 
afö id) -ju if)r ging, noct) nidjt wußte, Wal tdj fagen folfte, unb aud) nidjt 
weiß, toa§ idj gefagt, e§ müßte benn in meinen Stugen %u lefen gewefen, 
baf3 ©djweigen aud) eine ©pradje. furg, im Stugenbtide benetbe id) 
®id) faum um Stein SSenebig mit feinen teudjtenben fluten, mit feinen 
grauen unb 9CßarmorpaIäften, — (obwotjt Sßenebig um ®id)). 

Serpentin 552 . 

Sir nod) etwas m§ Ojr, et/ gloreftan föntmt. 3fod) bent fongerte 
ier granciüa tjörte id), wie gonatfjan §u jenem fagte: „grr' ictj nidjt, 
£>err gloreftan, fo fat) id) nad) ber Strie bon Sonijetti auf euern 33aden 
etwas fetjr üßaffe§." „SSotjI möglid)", erwiberte ber,,. „aber ©cljweiß* 
tropfen waren'3." 2Ct§ wir aber ju §aufe, tjörte id) gtoreftan Wütenb 
auf feiner ©tube auf unb ab getjen, „o ewige ©djanbe" (bie§ fprad) 
er in abgeriffenen Venoben), „o gloreftan, bift bu bei ©innen, tjaft bU 
be§t)alb ben SKarpurg ftubiert, begfjalb ba§ temperierte SHabier feiert, 
lannft bu beSfjalb ben S&aä) unb SJeettjoben au§wenbig, um bei einer 
miferabten Strie bon Stonijetti nadj bieten gatyren fo etwas Wie ju toei* 
nen? Unb biefer gonatljan fietjt'g obenein! §ätt' id) biefe Sränen, 
§u nid)t§ wollt' id) fie jerrratjen mit ber gauft." Unb tjier fettfe er fid) 
Unter fdjredlidjem Samentieren an§ Mabter unb fpiette jene 2lrie fo 
wirtgtjaushnäßig, fo lädjerlid) unb fratzenhaft, baf3 er enblid) gang beru= 
tjigt §u fid) fagte: „Sßatjrfjaftig, nur ber £on itjrer ©timme war'S, oer 
mir fo in§ §erj ging!" — (Srmiß aber barau§ bie göttlidje fünft ber 
granciüa! 



284 SR- 30 - 3 ' iote11 - 

30. Sftotett. 

„Sage mit, too bu tooljnft, |o »iE iäj 
bir fagen, Wie bu fotnpomerft." 

gtoreftanifdj. 

Unter biefer Sluffctjrift beabftct)tigen roir bon jefct an ^ottsen übet 
Seben unb Stieben Sebenber toie Verdorbener einguftreuen, unb gttjat 
immer, nact)bem fürs bortjer eine§ ü)rer ©rjeugniffe burct) biefe glätter 
bem Sefer borgefteltt rourbe. 9M>r att fonft muffen mir aber für biefe 
3M>rif ©eftattung leicfjtefier rt)a{)fobifcr;er Slbfaffung borau§nef,men. 
f ann man boct) laum mit alt bem getftigen 9Jlenfd)en (Stritt Ratten, 
gefdjroeige wenn man fiel) and) nocb, ben leiblict)en aufbütbet. SBit tun 
e§ aber gern, unb ben Sefer fott e§ unterhatten. ©rroarte man aber, roir 
bitten nocfjmafö, leine gelehrten ®urd)füt)rangen unb gugen, fonbern eben 
nur 9lnmerfungen, -SRot'en; bietteicfjt »erben fie t)ier unb ba p f längen. 

1. 

g. 35. ©ramer mag ein ©eckiger unb lann laum jemanb berüt)mt?r 
fein att er; benn roer t)ätte nictjt bie meltbiftorifctje ©tübe in © gezielt, 
unb mir bünlten un§ alte biet, at§ roir fie tonnten. — ©ein Seben geicf)net 
nicE)t§ 23efonbere3 au§ unb ift fpffentlict) eine fo treffliche ©tubie für 
ba3 ptünftige, att er un§ fo biele in ber fünft gefcrjenli. ®ocb; barf id) 
eine ©rfatjrung nidjt bert)eimlid)en, bie id) fogar an guten Söffen ge* 
mactjt, bafj %u bietet ©tubieren feiner ©tüben ängftticb, unb befangen 
macfjt. ©einen anbren tombofitionen getjt ba§ ab, roa§ jur SSorgügticb/ 
feit einer Stube nidjt roefenttid) erforbert wirb, äMobie unb ©djroung ber 
^fjantafie. — Saft ©lementi fein Setjrer unb greunb, ift befannt. $t 
frütjeften Qaljren roaf)lte er für; Sonbon jum 2Bot)nort unb fotl, toie id) 
t)öre, feine 9Jhttterfbrad)e, nur nid)t in ber Söhtftf, gänjticf) bergeffen fjaben. 
(Seit einem Qatjre lebt er als Rentier in Sftündjen; er !önnte getroft eine 
Sunftreif e burct) ®eutf djlanb roagen, unb ftünbe bie ©»(Stube altein auf bem 
fettet, baSfcauS mürbe bolt. — 2Iuf bie 2lrt feines Slabierfaiefö läfjt.fidj 
fict)er au§ feinen ©lüden fcpefjen; boef) folt aud) er jenes ©etjeimnte ber 
originellen SSirtuofitat befi|en, bafj er nämlid) etroaS an fid) fjat, roa§ it)m 
nientanb nadjmadjen unb man aud) nid)t beim Söort benennen fann; e§ 
finb bie§ oft letfefte ©djattierungen, ^Beübungen, aber man Ijört fie burct» 
Suren tjinburd). — ©ramer geniest mie 3ftofd)ele§, fein Ü)n t)od)et)renber 
greunb, allgemeinfte §od)aä)tung in ©ngtanb, unb roo in engtifdjen 
Journalen bon SKufit bie 9lebe ift, roirb gestuft einer bon beiben giriert. 



9J. 30. «Roten. 285 

®ie girma 3. «8. Gramer afö 3Jlufiir)anbIung fjat guten tiang: 
bem gälte, bafj Tief» ältere SSirtuofen mit 3#ufifgefct)äften befaffen, be» 
gegnen tüte in erft begangener ^eit feljr pufig. 



Ober tjatbe ober gar leine tomponiften giiaben p fc£)reiben toäre 

toötft überflüffig. STJotift rjebt alfo bon ben 9fonböfct)reibern nur bie an* 

fetntlicrjeren rjerau§ unb bon biefen loieberum nur bie, bon benen er »eifj. 

Über 8-SSenebift enthält btö Uniberfaltepfon bon ©eping 2tu§= 

füljtlxdjeg. 2tm ©tjriftabenb 1804 gn Stuttgart geboren; ©djüler bon 

f arl SJlaria SSeber. ©ä)on im 19. Igat)re tabettmeifter in SSien. Sanger 

Stuf enthalt in Stalten, f omboniert bie Dper : » Portugiesen in ©oa «. S)er 

Strtifel im Serifon f^xidEjt u. a. „©eine SMobien finb reid) unb füefjenb, 

mie fie nur au§ einer italienifct)en Quelle Verborgenen Jßnnen: feine 

9Jcobutationen fetcfjt, oft angenehm überrafdjenb ufm"; fo richtig ber 

Strt. in ber §autotfad)e trifft, fo lonnte man an biefer ©teile mit gutem 

©etbiffen bor ben fämtttdjen @^itl)eten lauter „nic^t" einfe^ieben. ®odj 

ba§ gehört in bie tritt! unb ftet)t nur bjer, roeil eg gu grell bem 2tu§ft>rucfe, 

biefer geitfefnift roiberf^xictit. — ^n Neapel ging $8. biet mit bem großen 

SSioiinfpieter 83eriot um, mit bem gufammen er an einer Dber für bie 

HMibran fct)rteb, bon ber noä) nicfjtg 9Jcä)ere§ betannt. 9tod) bor einigen 

2öoc£)en enthielten bie beutfä)en Leitungen aufterorbentliäje Beriete über 

baZ 2luffef>en, ba§ er in $ari§ unb Sonbon afö Mabierfbieler errege, 

al§ melier er naci) |ebermann§ 2tu§fpruä)e äSortrefflidjeä teiften folt — 

§r. @ncft)aufen ift @ä)Iof5organift in §aunober unb am ©oettjefcljen 

©eburt§tag, aber erft 99 geboren. ®a§ Uniberfaliejifon gibt einen fetjr 

au§§eiä>nenben SSetidEjt mit 'Setam. (£r nrirb afö tüchtiger burc^gebitbeter 

äJhtfifer unb Sefyrer gerühmt. 

£>r. ®arl §a§Iinger in Söien ift ber einzige @ot)n be§ teettbefannten 
§rn. £obia§ unb ebenfo (Srbe eines Reitern glüfficrjen tomüofitionS* 
talenteS. ©etotf? mufc man bebauern, bafj ber reiäje mufiMifä)e SKann 
ber KRufe nur ben £>of mad)t, b. t). af§ lünftiger 23efi|er etneg. großen 
©efct)äft3 Dilettant bleiben muf$ unb tritt, — ba in ibm toatjre füuftter* 
leime %u liegen freuten. @r mag fefir gut SHabier fielen. 

Über §rn. f. SS. ©r eulict) bermag ber SfottftnidjtS mitzuteilen, afö ba% 
er gröfstenteifö in Berlin unb ebemaB biet um Sogier gelebt. S3emerlen§= 
toert ber gbee tjalber finb feine fötüben für bie linie §anb allein. 8ft e§ 
auef) niä)t fo fäjlimm, atö toenn man auf einem gufc tan%en lernen tooltte, 



286 3?- 3°- 9?oten. 

fo fjat eg immer ettoaS tomifdjeg unb fogufagen ©infältigeg, »erat bie 
rechte £anb müjjig §ufet)en mufj unb gleictifam ju fagen fctjeirtt: „3$ 
brauste nur t)in§utip,ben, unb bu braucfjteft biet) nicfjt fo abzumartern." 
3)oct) tarn bie gbee augnafjmgtoeife in ©dm| genommen toerben. Qabzv 
fällt mir ber ©ebanfe eineg bebeutenben tomtooniften ein, ber meinte, 
„bafj eg it)tn immer ftiaf$aft borgelommen, roenn fiel) $iolinbirtuofen 
gtoei* unb breiftimmig abplagten, roäljrenb bie Drctjeftranten, bie Violine 
in ben pnben, rut)ig baftänben". 9<htr ift'g (unb nicrjt allein im Mang) 
ein ebenfo großer Unterfctjieb, roenn einer bopüelftimmtg fpielt, afö 
toenn jtnei einftimmig. 

§r. £). ©erle ift äJhtfifbireitor in «ßaberborn, 23ioIinfd)üter bon 
©potjr, iomboniert aber auct) für flaüier. grre iä) nict)t, fo zeichnete 
er ficb/ fctjon afö fnabe aug unb roar früt) auf Shtnftreifen. (§r mag noct) 
nicrjt 30 8<tt)re fein. 2llg Siolinffneler ift er einer bon ben bieten Outen, 
an benen man inbeg noct) nid)tg eigentümlich) SBoIIenbeteg getoatjrt. 33or 
turpem erfäjien ein §eft SSiolinetüben feiner ^otubofition. 

§r. gaqueg ©crjmitt fomponiert fo^ufagen in bie äJtitlionen, unb 
eg fliefst ifjm gut, ba§ Urteil bort ift bem Slottften aug ber (Seele gefctjrie* 
ben. ©ein Seben folt nictjt otnte ^ntereffe fein, toa§ lünftige ®efct)ict)tg= 
f dir eiber enthüllen mögen. 9ltö SJlufif leerer roirb er surgeit afö erfter 
in Hamburg genannt, gefuctjt unb überaus gefcrjätst. 

§rn. 31. (Schmitt t)örte 9?otift 1829 in einem ^onjert, roag ^aganini 
in granifurt gab: man fann fiel) iaum größere ©jtreme benlen. ©icfjer 
fbielt er meifterlidj, aber überall gueft ber Mann ber ©tübe buret), wäfjrenb 
in $aganinig §anb bie troefenfien Übunggformem %u ^btfjiaf prüfen 
aufflammen, ©.lebt in günftigften SSerb/ältniffen unb meifteng am 
attjein. 8nt legten ^af-re reifte er lange in £>ollanb unb warb feinem 
SSerbienfte nact) allerroärtg aufgenommen. $on ber Ober »SSaleria« ift 
bem Stiften noct) niccjtg p @efict)t gekommen. 

Äart SDtaber lebt al§ eine erfte mufifalifct)e Stabilität unb SJlufit* 
leerer in @t. Petersburg, ©ein Vortrag 2)uffeifct)er unb gietbfcr>er 
Somtoofitionen foll entpefenb fein. ginn borpgliet) fctjreibt man bie 
©rfinbung ober toenigfteng l)äufige SCnroenbung unb treffliche 2lug* 
fütjrung beg bebenben Song p, ben man buret) fctjnell auf ber Safte 
toect)felnbe ginger erhält, ©eine Soflata in @*bur, bie atö ©tubie biefer 
ferjönen neu gefunbenen ©igentümlict)leit be§ ^ianoforteg bient, ift 
überbieg ein lieblicher ©rgufs eineg gemüt* unb geiftreietjen ®ünftterg. 
©r l)at fiel) lein enormeg giel gefteeft, eg l)ängt aber bolt Humen. 



m. 31. 33iogropljifd)e 3Joti§ über Ätara . SBiecf. 287 

31. iBtogtap^if^ß Woü?, fiöer ftlara SBied 553 . 

tlara SBied tourbe am 13. September 1819 %u Seidig geboren unb 
erhielt bon ü)rem Batet, bem bortigen SHabierIef)rer grtebridj' SBiecE, 
eine forgfättige mufifattfdje Erdung, nacb; einer toenigften§ an Ü)r 
felbft atö bortrefflicb, bemalten 3Jtetf)obe unb mit fteter Berüäfidjtigung 
ber mächtigen gottfcEjritte be§ Stabietffriefö in neueftet Seit. Öfjne bafj 
ü)t friu) fid) entoicfefobeg Salent burdj unmäßige Smftrengungen über« 
zeitigt ober Ü)r ebenfo §arte§ afö Iebenbige§ ©efütjl burdj Ermübung 
abgeftumpft ttorben toäre, fpielte fie bennoct) fctjon in ü)rem neunten 
^atjre mehrere tonjerte bon äftogart unb ba$ 9t»moIt»tongert bon 
Rummel mit Drcb,efterbegteitung, aber nic^t öffentlich, fonbem nur bor 
au§er »äfften Sennern unb teimefjmenben greunben — unb jtnar au3= 
toenbig. Ein 3ab,r ftoäter, in tteldjem Zeiträume ü)re mufüalifc^e 9lu3* 
bitbung in tf)eoretifc£)er toie in tedjnifdjer £infiä)t fitf)tbate gortfct)ritte 
gemalt Ijatte, begann fie in ü)rer Junft afö @elbftfct)ö|)ferin ftdE) ju ber* 
jucken, fie £b,antafierte oft, ja täglicf), unb fing an, bie Eingebungen 
ü)re§ ©eniug feftgufjalten unb fünftlerifct) aufarbeiten. äRe^rere biefer 
Erftlinggfombofitionen erregten bie Stufmer!famleit $aganini§, ber 
bamafö Sonderte in Seitogig gab unb bem tägliä) reifer aufbuu)enben 
Talente be§ begabten Mnbe§ feine gange Seimaljme fctjenlte. ®ie be= 
glüäte Scpterin mar faft immer in ber Begleitung be3 betounberten 
SMfterS, fie toot)nte allen feinen f on§erten bei unb übte Ü)r Talent 
mit fo raftlofem Eifer unb fo fteigenbem Erfolge, bafj ^ßaganini fct)on 
bamafö unb toieberb/olt in üjr bie au§ge§eiif)nete unb eigentümliche 
JHabierbirtuofin berfünbete. ®em $lane ü)rer Ergielrnng nacb, trat Slara 
SESiedE bamafö nid)t öffentlich auf; erft füäter in ü)rem elften 3at)re sefd)at) 
bieg unb eigentlich mel)t berfu<f)§n>etfe p Seitojig, 28eimar, Gaffel unb 
granlfurt a. 9Jc., an toeldjen Drten fie, aufcer größeren SSerfen bon 5ßiji§ 
unb 3ftofcf)eleg, aucb, fompofitionen bon Etjoüin öffentlich bortrug unb 
ü)nen bort fctinellen Eingang berfdjaffte. 3m 12.8al)re befugte fie 
^ari§, gunääjft um Et)o{>in, Salfbrenner unb Sifet ju t)ören unb au§ 
ifjren Seiftungen neuen ©toff unb neue Anregung ju eigenem SSitfen 
ju fc£)ötofen. ©urcb, bie liebebolte unb fä)mei(i)eu)afte 2tujnal)me, mit 
ber man ü)r unb ü)ren SSerfudjen in mufi!alifct)en ^ribat^irMn ent* 
gegenlam, ermutigt, beranftattete fie am 12. Sltoril 1832 ein öffent» 
Iid)e§ tonjert, too fie bor einer ebenfo gewagten atö äa^reicljen Ber* 
fammlung unter anberen ßeiftungen autf) über gtoei ü)r aufgegebene 



288 3J. 31. Stograppctje SKotij über tlara SBied. 

£bema§ mit bem gtüdtidrften @rfotge imbrobifierte. £e|tere§ fjat fie 
fbätet - nad)bem % mufifolifd)e§ Urteil e&enfo ftreng geworben 
war afö i^r ©efdmtad ftc£> geläutert unb it)re ^unftfertigteit ftd) au8- 
gebitbet Batte, - nie met,r öf f enttid) unb feiten nur in f e^r Iteinen ^ttbat* 
gitfem, auf unerwartete 9Iufforberung, alfo im ftrengften ©tnne De§ 
SBorteS unborbeteitet getan. - ®er pWß& »™^> *« ^ oIera 
in $ari§ machte i^rem bortigen SlufentBatte ein fäneüeS (Snbe. ©te 
lehrte nad) it)rer SSaterftabt jurüd, wo fie met)xe 3at)re in ftilter Surud* 
gegogenBeit, mit eruften ©tubien, namentlid) ber Sombofttton, Befäaf- 
tigt, olme öffentliche SSirffamfeit pBrad)te unb beu bottreffttd)en Unter» 
rid)t be§ bamafö in Seidig, jcfet in 3iiga angefteltten 3Äufifbireftor3 
£einrid) ®orn genofe. (Srft in neuefter 8eü Bat fie bie öffentliche Sauf» 
BaBn Wieber Betreten, unb tt)re Sonderte 5 u Seidig, Bresben, S5ernn, 
Hamburg unb anbeten norbifd)en ©tobten, wo fie, aufcer ben SBcrfen 
älterer äJleifter, aud) bie weniger Belannten tombofitionen bon ©Bop™, 
§enfett unb Robert ©d)umann bem größeren ^ubtifum botfüBrte, 
Begrünbeten ben «Ruf ber fungen tünftlerin, ber Bier in SSien, ber mufc 
fatif cfjen §autotftabt ®eutfc^foub§, einen fo reichen guwacB§, eme fo ber» 
täpcBe SSeftätigung ehielt. - 

$ie 9MBobe, nad) ber tlara SSied bon i^em fünften ROyct an gebtl» 
bet würbe, unb welche iBr SeBrer in einem näd)ften§ %v. erfd)einenben2Serfe 
öffentlid) ber mufilalifc^en SSelt borlegen wirb, seidmet fid) unter anbern 
(Sigentümlidjleiten and) baburd) au§, baftber erfte Unterrrid)t o^ne ben 
©ebraud) ber 3foten gegeben würbe, ©rft in iBrem fiebenten %c$w, 
nad)bem fie «ine tüchtige Wefyami erlangt, ©eBör unb SaftgefüBl au§» 
gebilbet, alte Tonarten unb ©runbafforbe gelernt, Sonteitern tu alten 
5Riä)tungen geübt Batte unb über 200 Meine eigens für fie gefdpebene 
(Stuben mit tabetlofer gertigfeit unb 9ttd)tigfeit fbielen unb mit Setdjtig» 
feit in alle Tonarten transponieren tonnte, lernte fie bei folgen «orfennt» 
niffen natürlid) mit ungemeiner @d)nelligfeit bie Stoten tennen unb lefen 
unb fbiette, mit UmgeBnng alter (StementarüBung§ftüde, (Stuben bon 
Dementi, ©ramer, SRofäefeS, ©onaten bon 3Jlo ä art, bie teid)teren unb 
fapd)eren üon «SeetBoben unb anbere Sonftüde, weld)e eineStetfö bem 
©eifte unb ber <$i)anta\it eine tiefere, ernftere 3ttd)tung p geben, unb 
anbererfeitS eine natürliche, regelrechte Stbblüatur S u förbern geeignet 
waren. (Sine unau§gefefete, ja tägtid)e, aber nie bi§ ä ur ©rmübung 
ober gar ©rfd)öüfung getriebene Übung tarn biefer ftrengbeobad)teten 
Unterrid)t§metBobe p §ttfe; beibe bereint bewiriten bie, wenn aud} 



, , 91.32. 3Kojart§ Srigtnatyajititur be§ Requiem. ,289 

.fdjrieüe, bodj nidjt übereilte StuSbitbung ü)reS SafenteS, ofme bem förder- 
lichen ©ebeitjen ber jungen tünftterin entgegentreten ober ba§ beitere 
MM ü)rex gugenb burc£) übermäßige 2lnftrehgung unb 'bgrauS ent* 
f^ringenbe tränffic^feit ju trüben. — 



32. 9Jlo3arts Drtgmalportitur bcs Requiem. 

— S)ie roiäjtige SRitteitung, auf bie icf) @ie in meinem borigen S3riefe 
toorbereitete, befctjränft fiä) auf bie Satfac§e, baß ÜKbjartg eigenf)änbig 
gefäraebene Partitur beS Dtequiem bor furjem aufgefunben roorben unb 
in ben S5efi| ber biefigen faifert. Sßt&Itotc)eJ gekommen ift. gcr) i)abe 
mir noctj leine (ginfict)t bon ber Partitur berfcfjaffen !önnen, ifonüttoäarts 
eigenem <3oIm aber erfahren, ba% fie unbeftritten bon DcojartS §anb, 
burcbauS boltftänbig unb, bis auf bie unbebeutenbe $broeidnmg, eines 
SalteB, Sftote naä) 3?ote mit ber borbanbenen übereinftimmt. ®er ©ottfr. 
Söeberfctje ©treit ^erfaßt „fomit. §r. §ofrat b. SCHofet roirb übrigens 
im nacttften äftonat eine befonbere Sörofdjüre über ben .glüctüdjen gunb 
.toeröf f entließen, roorin ber Sefer baS (genauere nadjlefen tann. . . / ; 

©leicbjeitig mit biefer @aä)e ift bor einigen SSodjen f)ier etroaS @onb,er= 
bareS, auetj SKojart SetreffenbeS borgefommen,: roaS fidj ebenfalls auf» 
flären roirb.' Qcb/muß Iner etroaS roeiter ausloten: ®e'rfelbe ©raf SBalfegg 
in ©teiermarf,' ber baS Requiem bei äftojart beftellt, l)atte ftdEi früher 
bon 3tto§art auetj Quartetten f (^reiben laffen, mit ber auSbrücflictjen 93e= 
bingung, ba% ü)m, bem ©rafen, baS (%entumSrecbt berbliebe,, roie, ba$ 
t)ie ©aä)e überhaupt mßgücbjt getjeimgebatten roerbe. Sßarum er gerabe 
darauf brang, roirb leicht begreiflich, roenn man erfährt, baß ber ©raf 
ien nict)t genug anguerfennenben ©efcfmtad: fjatte, äftojartS arbeiten 
für feine eigenen auszugeben,' roie er quefj fpätermtt bem Requiem ge= 
ntadjt. Sfatctj bem Sobe beS ©rafen mag benn ber 23ebiente ober Kammer« 
Wiener, ber bie arbeiten bei äJcogartbeftelft, • roieber an bie Quartetten 
gebaut unb nadjgefucbt Ijaben.. ®ü% 'bor roenig SBodjen 'metbet fic£) 
Iner ein übrigens unbefctioItenerSRann, ber ©ebroiegerfo^n jenes Kammer* 
bienerS, unb erbietet fict), fie bor einem Ueunerfreife gu ©ebör ju bringen. 
Einige ber bortref fünften Ciuartettftoieler ber JRefibenj roerben jufammen« 
gebeten, bie Quartetten roie Heiligtümer auSgepacft;, man roar natürüdj 
im fjöcrjften ©rab gekannt. , ©in ©afe nadj, bem, anbern ..geljt, worüber. 

füahext ScfmmanttS.gef. ©Triften. II. 19 



290 9J- 32. SKojartö Drtgmalpctrt. b. 3Jequiem. — 9i. 33. Sie SBerfdjto. b. £eEer. 

@§ fdjten ben Stntoefenben in ber üfftufil felbft fein ©runb borijanben, 
fie für g^icEjt-SCRogatttftf) p Ratten. SBäfjrenb ber ganzen Seit £>atte jtdj 
aber ein älterer £>err, ein tüäjtiger 3JhtfiHenner, auffdlenb unruhig ge= 
geigt, bi§ er fict) entfernt, nadj £aufe fät)rt unb nadj toentgen 3tttnuteft 
bie eben gezielten Quartette — gebrückt zurücfbringt. 3Jcan ben!e ficE> 
bie Überrafdmng! 9htr mit SMbe unb um bie ©efetlfä)aft nictjt §u ber» 
ftimmen f)iett ber Sßirt bom §au§ ben gremben ab, ben 33efi|er ber an» 
geblichen SRogartquartette, ber übrigens über jeben ©ebanlen an eine 
abftcbtlictje £äuf äjung ergaben fein foß, zu enttäufdjen. %aaß barauf »irb 
e§ itmt inbeS bon anberer Seite beigebracht, toorauf er natürlich fefjr in 
Srauer geraten, jebod) feineStoegS bie Hoffnung aufgegeben, 3Kojart§ 
eigene §anbfcf)rift fbäter beizubringen. 

®ie Quartetten finb aber unter bem tarnen: SSirmanfon, einem 
@d)toeben/ : glaub' icb, bei S3reitro.bf unb gärtet erf cfuenen unb % fea'qbn 
zugeeignet. %ä) macfje bie Seiögiger tunftfreunbe barauf aufmerffam. 
®er §aubtbettei§ für bie ©ct)tt)eit müfjte natürlich in ber äJlufit felbft 
liegen 553 ": eine fotcfje SMfterfjanb berleugnet fid) nid)t, aucb nictjt unter < 
ben llmftanben, unter benen fie arbeitete 55381 . Söürbe nun aber ättozartS 
§anbfä)rift beigebracht, fo toäre tbbtjt fein $toeifei, oa B fte au <ä) öon ü)m 
mären. ^ebenfalls toirb ficf) ber SRann zeigen, toenn er fie gefunben fjat. 
S8te bafjin müfjte man aber ben @cb>eben für ben SSerfaffer Ratten, unb 
e§ träte tjier ber anbere galt ein, ba% man bie Arbeit eines unbefannten 
^omboniften für bie eines SDleifterS genommen fjätte, ftmfjrenb beim 
Requiem bie umge!ef)rte £äufcf)ung ftattfanb. ®er §immel betbafyre 
unS nur bor weiteren Strtümern 55 *. 

S8ien, ben 30. September 1838. 



33. Die 33erfdjtöönmg ber gellet 553 . 

JRowtcttje in sjjrofo. 

S8on gloreftan. 

35aS SSott ber EKoneten ift ein tteitfjin befannteS. ^fjre 35ebeutung 
in ber mobernen SBeft, bie mertoürbigen ©djicffale einzelner (Stämme, 
bie faum zu berfolgenben Srrfafjrten ber einzelnen, ü)re geljeimniSbou'en 
^Säuberungen bon $aläften zu Bütten, über Sanb unb @ee — »er über 
altes bieS nacfjgebacfjt, tbirb zugeben muffen, es berufne ficf) beS ©tu* 



SR. 33. Sie S3erfd)tt>önmg ber §etter. 291 

bium§ ber @efc£)tcE)te biefeS SSotfeS, feines ©rjarafterS unb bot allem 
fetner ©brache. &on ben taufenb abenteuerlidjen ©efdnctjten, bie ict) 
bon itmen roeifj, erjätjle idj tjeute nur eine: 2)ie SSerfcijroörung ber 
geller gegen bie ©otbftücfe. 

©3 roar einmal ein geller, bem roar'S nictjt recrjt, bafj er lein ©otb= 
ftücf roar. $n bem immenS bebölferten ©taat, bem er angehörte, mar 
fein geilen 0,1. SSir motten ü)n ber Stirje falber auci) fo nennen. 0,1 
roar, roie.gefagt, ein geborner gelter, ©ctjon bon früher ^ugenb roar 
e§ fein tjödrfter SSunfctj, nur einmal in bie ^alje eines guiften ju lommen. 
©innta! fcf)on gang natje baran, erlannte \l)v. ber gürft unb roarf it)n 
unroitlig roieber einem Steten in ben §ut. SSon ba an bemächtigte fiel) 
beS 0,1 ein ungemeiner §aJ3 gegen alles, roaS metjr roar benn er. §ätte 
übrigens ber gürft baS feltfame ©ebräge unferS gelben genauer betraf» 
tet, roer roeifs, ob er mögt baZ ffuriile SRonftrum in fein SKünjfabinett 
aufgenommen. S)ie SSorberfeite bon 0,1 geigte nämticrj einen 2)o,b,bet= 
lotif, bon bem ber eine genau einem S)on Ckttjote, ber anbere einem 
©tue! SSöfeftricfji äfmlict) fat). Stuf bemiReberS ftanb aber mit grofjen 
33uc^ftaben: Omnia ad majorem Dei Gloriam. S)ie Ie|te ^nfcEjxift auf 
bem Keinen ®ing nat)m ftd) aus ungefähr rote jener SRiefenorben, ben 
einmal ein launiger Sönig feinem eitlen Darren jur ©träfe umgegangen, 
unb ben er an einem grofjen über ben ganzen ®orbu§ roeggefjenben 
SJanbe nun fein Sebelang tnnter fidj tjerjujietien t)att£. 

2)aS MBIjerige ßeben bon 0,1 roar bis fyierfjet im gangen ein ein* 
fameS, tontemblatibeS. SJciemanb roufjte bon itjm. ©bäter roar er buret) 
ßufall in einen Mngetbeutet unb bon ba in bie Safctje eines ©eifttiäjen 
gefommen, mit bem er fogar einmal bie fanget betreten. ©S roar boctj 
etroaS. ®enn eine ungemeffene ©iteffeit, ein unbejroinglitijeS Verlangen, 
in bie Greife ©röterer unb 3M<i)tigerer §u gelangen, roaren, roie gefagt, 
fjerborftecEienbe ©tjarattereigenfetjaften unferS gelben. , --.:■ 

©in groiftJiettfall ftadjelte feinen 3ftut nur noefi, mef>r in bie §öt)e. 
©ine fdjöne 3)ufatin fiatte ftet) in ben @ctja| beS SiafonS berirrt; itrre 
rounberferjöne t)etle golbene Stimme machte baS gröfjte Sluffetjen, unb 
oft in Zaditen erftang fie bmä) bie ©tüte ber ^farrrootjnung unb 
entfette alte Moneten, bie ba aufgehäuft tagen, fetter fa^, f)örte, ber= 
liebte fict) in fie, unb er roarf fiel) nun eifrig auf bie SUcufif aus bobbetten 
©rünben, einmal, roeit fie gerabe äKobe in ber Nation roar, bie bon jetjet 
ein grofseS JHangtatent tjatte, bann auet), roeil er fo ber fetjönen ®ulatin 
nätjerjurücfen, tfjr fogar burdj öffentliche SobeSerfjebungen nü£en 

19* 



292 -3*. 33. Sie akrjd)Wöruttg ber §etter. 

p tonnen glaubte; berat ettea§ rratfjte er boct) jebenfattö bon ber 
4?ör)e urtb Stefe ber Sötte berftetjen, um ficij barüber auBtaffen p fönnen. 

9ttrgenb aber teiltet baä ©crjicffat teot)l grimmiger al§ in ber .Münzen» 
teett; !aum ba| fidj ein paar ^nbibibuen flüchtig fennen gelernt, reifjt 
«ine unerbittliche £>anb bie 23efreunbeten au3einanber. 3)er ©tücttictien, 
iie fetjr lange miteinanber bertetjren, beieinanber rurjen bürfen, gibt 
e§ niä)t p biete. @o tearb auct) 0,1 bon ber frönen (Sängerin batb ge= 
trennt unb lam in bie ^ribatfaffe eines fct)teäbifct)en 33ürger§manne§. 
Stber ba$ Söitb ber ©ängertn toict) nictjt au§ feinem Sotofe; er enttearf 
atterf)anb $täne, ftd£) bei Ü)r toieber in Erinnerung p bringen, unb lam 
■enbtict) auf ben fülmften, auf ein33uccj, auf ein >>Uniberfal*8entrat*,8e£tfon 
aller benfteürbigen SKüngen, ifjrer Surfe, tfjrer ©cljicffale ufte. ufto. « — 
Subfer üerfteijt p raffeln, unb 0,1 tief; e§ in ©efettfdjaft einiger anberer 
nictjt baran fehlen, fein Unternehmen in ber SSett betanntpmacfyen, 
für ba§ er auct) einige gedeutelte Staterftücfe unb ©djaumünjen p in* 
tereffieren berftanb 556 . ®a§ 83uct) fö)tooM mit ber Qtit p einem riefigen 
an, unb ba§ allgemeine Urteil lief bat)inau§, e§ bereinige fo biet ©ute§ 
unb @ct)tect)teg, bermifcrje ®umme§ unb 28ar)re3 in fo täci)etXicu)er SSeife, 
teüfjte fo teenig über ben gegenwärtigen 3# ano oe § SDttmsenteefenS, 
bafj nur unfere SKactjfommen p bebauern teären, bie folgen 33üct)em 
ettea ©tauben fcfjenften. 9tamentlicrj geidpeten fict) 0,1' eigne Strittet 
au£ burcf) eine getetjrte bunlte ©ef^reijttjeit, bie an SStjeopfjraftug $ara* 
celfu§ S3ombaftu§ ab §oi)ent)eim erinnerte, ber man el anfafj, ber SSer* 
faffer fuctje ©egenftänbe p erforfccjen, bie er nie bor Stugen gehabt. 
2tuct) unparteiifctj tear ber Foliant nictjt fottberiicf) (unb toie lonnt' er 
ba§); fo tear j. S3. ein greunb be§ fetter, auct) ein §etter, unmäfjig 
getobt, teätjrenb ber unb jene fettene Sarfö* unb 2tuguftbor au§ bem 
unb jenem. gatjre gar nicfjt genannt tear ufto. ufte. 2öa§ aber ben 
fcpmtnften ©chatten auf 0,1 tearf; tear, bafj er im 2trbett§feuer ganje 
frembe 8tuffä|e für feine eignen angefetien, mit anbern SBorten, bafj er 
tote ein dtabt tabfer pfammengeftofjlen, überallher, auct) @ctjtect)te§ 
unb !!Mtteltnä$ige§ nictjt berfctjont, um fo teidjter ber (Sntbectung p 
entgegen. 

®ie ©aäje enbtgte nictjt gut; ber Verleger be§ Sejilon§ fcrjrteb gegen 
feinen eignen 3tebafteur, bie in§ Unternehmen getollten einzelnen ©ctjau* 
unb getjenfetten Snlerftücfe pgen ficf) eingetn prücf; e§ gab Qanl über 
Qant ®ie ©enfation, bie ba§ SJucb, auf bie ©ebitbeten unb äMcrjtigen 
be§ Stbefö tjerborbringen fottte, tear auct) nidjt bie getjoffte. -ftm. 



% 33. Sie SBerfättörung ber fetter. 293 

©egenteif, man -faßte ficb, offen: ©inem geller ftebt fein Urteil über ben 
SouiSbor p. ■ 

2)ie3 brachte ben 0,1 immer mef)r gegen bie ©olbfrüäe auf, unb fä)on 
ba ftiegen in it)m atlertjanb «ßläne auf, toie fie am beften aus ber SBett 
ju Raffen feien. Aucrj ptäne anbrer Wct in 3#enge fuhren ü)m burcf) 
ben topf ; er fcfjrieb Sucher über Süctjer, machte aus bem Sertfonfoüanten 
einen Dftabbanb, aus biefem eine Safcljenausgabe, er machte Dpernterte, 
er erläuterte SSibelftetten, er roäre gern Stjeaterintenbant geroorben, er 
rooflte eine äJcufitf-anblung. errieten. 33on allen biefen gewann enblicf) 
ber bie Dberbanb, einen „herein gegen bas betteln" ju grünben; benn fo 
glaubte er am erften aus ber niebrigen ©pfjäre §u lommen, in ber er nun 
" einmal feftfaß. ®er herein mar balb tonftituiert; @t>renmttglieber mar* 
ben ernannt (forrefponbierenbe oerftanben ficb, otmeb»; eg rourbe ibuen 
erflärlidj gemacht, mie nur burcf) folcfie 9JcaJ3regeIn ein allgemeiner 28ob> 
fianb beförbert, ber @to% unb «Reichtum einiger hochmütigen gebrochen 
mürbe, 2)ie ©brenmitglieber felbft mürben e<8 nur unter ber »ebingung, 
bafj fie auf eine berauspgebenbe „Leitung" abonnieren mußten. (Sin 
mitleibiger ®ro£er lieg ficb, auf „fubmiffeftes" Anfügen bes Reiters 
fogar tjerab, felbigen bergülben §u laffeu unb ümt ben Sitel eines „ge= 
fürfteten Reiters" beizulegen 557 , fürs, SMleins jubelte. 

greuben unb Seiben meckerten je|t in bem Seben unfers gelben; 
nur babin lonnte er es tro| ber SBergülbung unb* bes Sitefö nictjt 
bringen, ba% ü)n bie (Mbftücfe für ihresgleichen genommen tjätten.-: 
§ätte ibn ein einiger einmal „trüber Souisbor" angerebet, er roäre 
ber- ©BWHidjfle geroefen; ja eine b!o£e SSerfennung tonnt' eS.üm fcfjon 
machen. 

3e fiarer balb ber eigentliche groecf bes ©rünberS bes „Söettelbereins" 
mürbe, ~~ je met»r man fab, mie eg bem geller in ber Reibung mit eblerem 
SftetalT nur um feinen eignen @Ianj, rote e§ itmt nur um @t)renmitglieber, 
b. fc.. Abonnenten feiner geitung p tun mar (am tiebften fjätte er gleich 
bie ganje SSelt jum efjrenmitglieb gemalt), — je mefjr verfiel ber herein 
in fic| felbft, unb ber gefürftete §eller befanb fict) balb mieber unter feinet 
gleiten, unb namentlict) berfct)moI§ er in greunbfe^aft mit einem .plum- 
pen groben ©reierftücl, meiern Sunbe ficb, fpäter, menn auefc. nur im ge* 
Reimen, ein au£er turs gefegter ©ulben anfctjtoß. ©erat nirgenbg in ber 
SBeft gilt ber ©prud) „©leieb, unb gleicf) gefeilt ficb, gern" meb^r als in ber 
aMünsenroett. Ober ü)r bättet nie bie Unrufje eine? Souisbors bemerft, menn 
er ficb pfäüig in niebriger ©efellfctjaft befinbet, mie er ficb balb babon» 



294 9i- 33 - ® ie Serf^ttiörung ber fetter. 

mad)t unb nidjt rutjt, Big er ftneber unter feineggleidjen unb in bie 
toräditige Umgebung getommen, bie ü)m bon §au§ au§ gebührt? Broar 
er lann aud) oft ©IM ftiften in ber ärmlichen £ütte be§ dauern* biet, 
öfter aber Unglücf. fürs „©leid) unb ©leid) gefeilt fid) gern". 

28ir muffen un§ btö ©etoräge ber anbem 33unbe§genoffen unferg 
0,1 etttmg genauer betraäjten. Stuf ber SSorberfeite be§ erftern befanb 
fidj ein ungeheurer ©oliatt)gtotof, beffen Stugbrud fid) gtorifdjen 3)umm= 
^eit unb 9tugrüeubig=geIernM)aben fd»alß)aft t)iu unb Ijer iuiegte; 
auf ber tetjrfeite ftanben bie Sßorte: ,,gd) bin mir f elbft ber §öd)fte." 
®er anbre geigte ein ganj entgegengefe|te§ ©efid)t, einen fcrjtau^dmmn* 
§elnben gefuiten auf ber SSorberfeite, auf ber tjintem einen bon einem 
ftarten SBinbe belegten Sftantel mit bem belannten: I. H. S. V. 

mx iommen jefet bem eigentlichen Beittounfte ber 23erfd)tr>örung 
immer nafjer. 2tuf ben bieten freug* unb Querfugen, bie 0,1 unb ber 
®reier im Sanbe fjerum matten, begegneten fie fid) benn einmal in 
einer Söeinftube. Sie toaren aufjer fid) bor greube; benn fie Ratten früher 
fid) nod) nidjt berfönlid) gefetjen unb rannten fid) nur auS ü)ren ©Triften, 
dreier mar nämlid) ein teibenfdjaftlidjer §tnl)änger beg alten SJlün^ 
roefen§, namentliä) be§ niebertänbifdien; ü)m mar nid)tg redjt an ber 
Sfeugeit; am liebften tjielt er fid) bei red)t beraten, laum nod) renn* 
baren alten 3Mn§en auf unb Ijatte über eine erft je£t entbecfte fogar 
ein @d)riftd)en ebiert. ®ie neuen greunbe berfd)langen fid) einanber 
beinahe bor atäjtunggbeäeugungen, obgleid> im ©runbe feiner bon bem 
anbern biet Inelt, beibe nur in ü)rem £>affe gegen btö übermütige (Mb 
§ufammentrafen. @ie maren fo gtüdlid), bie gange 9?ad)t nebenein- 
anber liegen gu bürfen, roo fid) bann ungefähr folgenbeg ©efbrad) ent* 
füann: 

Serieller: „trüber, bag rjodmtütige Sßefen einiger ©otbftüde fängt 
an, mir nad) unb nad) fürd)terltd) gu »erben." 

„Vorüber, and) mir", entgegnete ber dreier. 

0,1: ,feah' id) nid)t alteg getan, unfern ©taub gu ®t)ren gu bringen? 
$aV id) nid)t tjunbert fctjtaftofe Md)te gugebrad)t? 3ft mein »itniberfal* 
3entraI=SejiIon« nid)t bom %a\o big gur Sfetta belannt? Unb wag 
b>b' id) babon? Überall SSerfennung, nid)tg atö — ." £>ier »einte ber 
gefürftete geller einige bittere Sränen; aber fid) fdjnett in bie £öt-e rid)tenb 
fe^te er f)ingu: „trüber, eg muf} feljr auberg werben." 

®er anbere fann lange nad); in biefem ©otiatt)fobfe erfd)ieuen ©e* 
banfen nur wie Bugböget, alle 8at)re gweimat tjödjfteng. 3tm liebften 



3J. 33. Sie S5erfd§tt»örung ber fetter. 295. 

aber träumte er bort begangenen Barett unb bornierte nur guroeiten 
rote aüg bem ©ctjlafe fatjrenb einen gluct) auf bie 3e|troelt: 

®er geller fuljr teifer fort, ba ir)m jener nictjt antwortete: „Vorüber 

— eine aSerfctjroörung • ." (St flutete immer leifer ; üt) f)örte nur 

noä) bie legten SSorte: „— unb bann, roenn roir oben auf bem S^rone 
fi|en, bann folt bie§ beriete ®olb unfre güfje blant f feuern, unb roir 
roollen un§ erlaben an feiner (Srniebrigung, unb bu roirft mein erfter 
©oberetgn." 

„Stbet", entgegnete bergnügt ber anbete, „einen ®egen unb ^erücfe 
bebing' ict> mir au§, roie bei meinen geliebten nieberlänbifctjen tjoljen 
Sürrnen. Unb bann nocrj, greunb: roottten roir nid)t ben (Sr/$efuiten mit 
in ba$ ® omploit gießen ?" 

(Sr feiste bieg bem §eller genauer auSeinanber. Qener gab nur ungern 
naö), „berat ber ©ct)Iaufo,bf tonne innert leicht über itjre eigenen roacrjfen". 
<SnbIiä) aber fcblug er, fcrjlugen beibe ein. £)er *ßlan be.§ Angriffs gegen 
baä (Mb rourbe noä) erroogen, ©tunbe unb Ort beftimmt. SJcan fdfcjieb 
in ber freunbfdjaftticrjften Stufregung. 

®er gefürftete fetter machte je|t bie testen unb tjöctjften Stnftren» 
gungen unb bot alteS Ihibfer, beffen er im ßanbe anfi(i)tig rourbe, gum: 
®ambf gegen ba§ (Mb auf. Sie S3erfch>öruug fottte in — , afö bem 
oertiafjteften Orte, reo btö meifte (Mb berfammett_ roar, ausbrechen; 
man rooltte eS ba in SSKaffe angreifen, hoffte e§ bunt) bie Saft beS Tupfers 
gang ju §erbrücten, in \zbem gälte gehörig ju entftetten. 

(SineS 2tbenb3 — fo erjätjüe mir ein gütiger, fetjr reictjer Wann — 
al§ ict) micfi, taum fctjlafen gelegt, tjöre iä) in meinem tabinett, roo meine 
roenigen ^oftbarfeiten beieinanber liegen, ein fonberbareS grobes 
(Stottere, unb ätoifc§enb;inburd) frör)lict)e Stange roie bon (Mb* 
ftücten. Qct) teufte in bie ©tube unb Imbe ba einen fomifctjen Stnbtict. 

(Sin Raufen meiftenS alter aufjer Sur§ gefegter tubfermünjen roatjt 
fict) fctjreienb unb fdrimpfeub nact) einem SSranj offen baliegenber fdjöner 
(Mbftücte ju, groifttjen benen aud) einige perlen unb (Sbelfteine lagen. 
SJcir roar eS pnactjft um bie teueren ju tun, bie fiel) roeniger berteibigen, 
teietjt befcfjäbtgt werben tonnten. SJtit (Mb fyat eS fetjon roeniger (M 
faljr. Offenbar roar eg bie St&ficEjt beS groben fufcferS, meine Siebtinge 
anzugreifen, bie lact)enb bem §eerpge entgegenfahren. (SrtblidE) roirb 
mir baS Saroten unb £oben gu toll; ict) roerfe baS Subfer in feine Sifte 
unb fe|e eS in bie eine ©ctjate meiner ©elbinage unb baS (Mb in bie 
anbere. 



296 9J.33. ©ic aSerfd&tt). b. §eEer. — 9?. 34. ©ntgegn. an ©riepenferl über SSerltoj. 

„Sumpenpacf, fet)t, toa§ feibitjr?" 

®a gog ba§ roenige (Mb ba§ Jhitofer fodjenb.' unb bedentjocb in bie 
§öfie, bgf$ SBage unb SHfte ^otternb. iexunterftelett unb ba§ exfdttodene 
Stopfer ftdj unter SifcE) unb ©tübfe 'gütexnb berfroct). @S ttar ein luftiger 
2tnbücf. 

S8a§ roeiter aus ben §aupträbeföfübretn geroorben, roeifj üb, nicEjt. 
®er %@ulben foll, $Iäne brütenb, in einem ^efuitentlofter feftfifeen; 
ben bergülbeten £eller ttill man in einem Sauftaben atö Parität mitten» 
burcr) feftgenagett gefeiten baben, roie man e§ mit fatfcbem (Mbe macbt; 
ber dreier aber folt ftcrj unroeit SSerlin in ber ©anbroüfte bort bertoren 
baben. 



34. [(Entgegnung an ©tiepenlerl über 33erli03.] 

»bittet SSerlioj in Söraunfcbroeig« rjeifct ber Site! einer 83ro« 
febüre bon Sßolfg.mob. (Sriepenfert, in ber neben 33erlioä unfere 
3eitfä)rift beinahe bie §aubtrotte fbielt, bie einer Stngeftagten nämtict). 
©3 roirb il)r 3nbifferenti3mu§ gegen ben franjßfifct)en Sbmboniften, ein» 
feinen ber Mitarbeiter, bie über itm berietet, turäficbiigleit unb ^biliftro* 
fität, mir felbft aueb, fragenb borgetoorfen, roarum ict) nietjt bie geber für 
ben tu ®eutfcbfonb bielfact) Seleibigten ergriffen, darauf tafjtfict) un= 
febtoer antworten. Unfer tiebenStoürbiger SSerlioäritter, ben bie Seitfcbnft 
feit Sauren febon ju ib^en Mitarbeitern jap, fetjeint biefe bennoct) toenig 
§u lernten, ©o finben fieft (er glaube mir auf§ SBort) in ben früheren Satir- 
gängen 35erict)te au§ *ßari§ bie SJcenge über Sertioj, beSgteicrjen eine 
biete Hummern burebtaufenbe SMtif über feine erfte (Sinfonie bon mir, 
ber niemanb roenigften§ ben »ortourf ber Seitnatjmlofigleit machen 
fann, beggteieben über bie Dubertüre ju» SBaberletj «, niebt ntinber ein 
begeifterter 2trtiM bon Sobe über bie gu ben »gemriebtern«, ebenfo ein, 
ät)nliä)er über bie » 9tomeo»3uue «=@inf onie, — mit einem SSorte, über 
alles bon Sertioj biSber ©rf cbienene (bie » Sear «*Dubertüre ausgenommen, 
bie inbeS in ©eutfe^tanb menigftenS noct) niä)t gebrückt) unb über bietet 
^icb>=©rfcbienene b,at bie Beitfcbrift berietet. Söul alfo §r. ©rieben- 
fert mein Urteil erfahren, fo febfage er nur naetj. ©egen manches, ict) 
gefteb/ e§; roürbe ict) freilieft, fe|t roeit berbammenber auftreten; bie 
Qatjre macben ftrenger, unb Unfeines, toie ict) e§ root)I in ben Sugenb- 
arbeiten 33erIio§' gefunben unb, glaub' ict), auef) nacrjgemiefen, roirb mit- 



SR. 34. Entgegnung cm ©riepenferl üBer 93erIioj. 297: 

ber geit ntd)t fdjöner. ®odj audj baS Ijab' tä) gejagt; eS ruljt ein göttlicher 
gunfe in biefent SJluftfer, unb gemünfct)t, baS reifere Sllter möge Ü)n läu- 
tern unb berl)errtic!)en jurreinften flamme. Db bieg in ©rfüüung ge- 
gangen, toeif; iclj nidjt; benn iä) lernte bon ben arbeiten auS Bertioj' 
reiferem SRanneSafter nidjtS, unb eS ift nocf) nidjtS babou erfreuen. 
Unb beSt)atb, unb toeil §r. SSertioj t)ier in Setpjig nur bon feinen älteren, 
in ber 3eitfcE>rift fc£)on fo oft befbroäjenen fombofitionen aufführen liefj 
— ein Dffertorium ausgenommen, baS inbeS nur ein 33rutf)ftü<l feines- 
großen Requiem — fcb>n mir ein tüieberf)oIteS SJHtfprectjen meinerfeits 
unnötig, unb anbere motten ja auct) fpredjen, unb eine 3eitfcf)rift barf 
gar tooiil auc£) berfd)iebene 2Infict)ten bringen, ©inb aber bie Partituren 
erft ba, bie » Sftomeo-gulie «=, bie »§aroIb «»Sinfonie unb baS anbere, bon 
benen uns £>r. ©riebenlerl fo SBunberbareS erjagt, fo toirb bie geitfdjrift, 
mie fie bie erfte toar, bie Bertio^' Qugenbarbeiten in ®eutfd}Ianb belannt» 
machte, getbifc nic£)t bie Ie£te fein, bie feinen fbätern gfeidje lufmerlfam- 
leit gölten toirb. ©o biet, um ben f)öct)ft ungerechten SSortourf beS gnbif f e- 
rentiSmuS bon unS abgutoetiren, ber unS rurioS genug bon einer Seite 
lam, bon ber er am toenigften §u erwarten toar. 2ß>er ber trunfene 
@cb>ärmer forbert überall pbiet; ber leifefte QmeifeX an ber §obeit 
feines ^bealS mad)t ü)n jum ganatifer. SBir ffltofifer aber galten unS 
gubörberft an bie Sfoten, unb et)e mir fie, gum ©anjen bereinigt, für ein 
3Mftertoerf erflären, berlangen mir 9fec£)enfct)aft bon jeber einzelnen. 
®arum aud) inirb ein tambf, mie ü)n bie 33rofä)üre toünfd)t, für je|t 
unmöglich; fein, toeit uns ja alter @runb unb Jöoben febft — bie $arti» 
turen. ©inb fie aber gebruclt, fo toerben mir, toie gefagt, aucfi. mitf^rect)en, 
unb man foll uns als biefelben geinbe ber ^itiftröfität, aber auci) beS 
büettantifäjen (£ntf)ufiaSmuS finben, als bie mir uns feit ©ntfiefmng 
ber Seitfäjrift, benlen ftrir/ oft genug befannt. SJcöge übrigens bie ileine 
©cfrift gelefen toerben; fie entf)ält manct) bli|enben ©ebanfen unb 
fonnte auf fo bieteS tlnttmrbige, Qgnorantent)afte, toaS neuerbingS 
über SSerliog in S)eutf erlaub gef ebneben worben ift, gar nitf)t ausbleiben. 
®em merfftmrbigen Sünftler aber fd)iage, toaS um ibn borgest, alles 
pm SSeften auS, toie ©oeffje fagt im »Saffo«: 

„3M)m unb £abel 
SJhif? er ertragen lernen, fiel) unb anbre 
SStrb er gelungen, redjt %u fennen 558 ."- 



298 9? • 35. Shmofum. 

35. ftimofum, 
ben ettglifd)ett «RatiottaWottott: „Ion noMs Domine" fcetreffenb. 

Qn einem früheren 33anbe biefer geitfdjrift blatternb, ftief? tä) Seite 
159 be§ 3. 33anbe§ auf folgenbe ©teile in einer torrefbonbenj au§ Son* 
bon: „Sfoctj Stuftebung ber Safe!" — (e§ ift bon einem 2tbfd)teb3mat)t 
für ben bamafö au§ ©nglanb fäjeibenben (Sranter bie 9tebe) — „imtrbe 
afö Sifctjgebet „Non nobis domine" mit bielem 2tu§brucl gefungen. 
Man fingt biefen berühmten bon SSiffiam 33 1» r b e bor ungef ätjr 300 Sauren 
lombonierten itaton für 3 Stimmen bei allen öffentlichen ©aftmäfjtern. 
Sei einer bolten Scmgerjar;! ift ber (Sffeft toarjrtjaft imbofant. ©r ift fo 
lurj, ba$ iä) (Sie bitte, ü)n $)ren ßefern mitzuteilen." Stuf Seite 160 
folgt nun ein Stbbruö be§ Sanon§, unb ttrir laffen ü)n tjier unter %lx. 1 
unten noct) einmal abbruden. 

Zufällig tjatte nämtid) ©nfenber biefer geilen, furj bebor er obige 
%tiä Ia§, ba§> 16. §eft ber alten 23reitlobffä)en Sfaäg'afie bon SKogartS 
SSerfen in ben Rauben gehabt unb barin Seite 80 ben unter 9ft. 2 unten 
gleictjfalfö abgebrucften üanon gefunben. 

®iefe tanonS finb nun, teie man auf ben erften SSIidC fiet)t, bi§ auf 
ba§ in bem englifctjen (Sjemfrtar im 10. Safte — be§ in ber 2. Stimme 
folgenben c falber — hinzugefügte 9luff>ebung§äeid)en bor f — genau 
biefelben. 

SSer ift nun ber ^erfaffer be§ f anon§? 3ft bie äftbftifitatüm in (Sng* 
lanb gefd)et>en, ober, toenn ber ®anon bon SB. Jöürbe ift, I)aben bie 
Herausgeber be§ äftosartfctjen 5Rad)Iaffeg ben ®anon in einer Stbftfnift 
bon fflo%axt% £>anb ttrirflict) gefunben unb in gutem ©tauben, er fei bon 
itjm lomboniert, in bie Stuägabe aufgenommen? 

3)er Meinung be§ ©infenberS nactj lann ber ianon bon SDlojart fein, 
ja ift bietteicf)t toirflicb, bon if>m; bie melobifcfje Haltung, bie Sluffaffung 
be§ beutfetten SejteS, bie meiftertterje galtur be§ gangen StMe§ beuten 
auf SRojart. 9lber aud) ba§ ©egenteil ift benfbar. 

3unäd)ft toürben mir nun bie Ütebaftion ber engufcfjen SJlufirjoumate, 
namentüä) bie ber „musical world" nad)juff3üren erfuct)en, ob ber fanon 
fä)on bor Starts SSirlen atö tombonift, alfo bann bor bem $at)re 1765 
in (Sngtanb irgenbino gefungen ober im S)ruc! erfd)ienen ift. Wxt biefem 
S3ett>eife tjätte ©uglanb gewonnen, (Mingt itjm aber biefer niä)t, fo fei 
un§ it>enigften§ ein gtoeifet in SB. 33t)rbe§ Stutorf cEjaft erlaubt. SSir 



9J. 35. turio)imt. 



299 



ipetben, foficttb un§ öon ©ngfcmb au§ etoa§ ©enauere§ mitgeteilt ftirb, 
ben Sefetn ber gettfäirift bam&er 9te(f)enfd)aft p geBett in feinem gälte 
öexfef)Ien 559 . — 



9fc.l. 



"W. Byrde 1590. 



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sed no - mi - ni tuo- 



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9J. 35.;£uripfitm.. 



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v. Mozart. 



g=p__y. 



t=t=t 



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0! ttrattber = fd)ön ift ©ot*te§ <£r = be urtb roertbarauf, 



§fa 



M= 



D! ttmn*ber * fcfjön ift @ot4e3 Sr « be 



uttb: 



~rj-&~ 



-i&r*- 



S! 



tounberfdiönift ©otteSSr 



N.B. 



-T5>- 



ba 




t>er=gniigt p fein! 



©rumttrillidj, Big 



* 



wert ba . rauf, bcu 



* 



ber* gnügt ju fein! 



Drum 



* 



N.B. 



-*=pc 



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t=^ 



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=be 



unb wert bo=rouf, ba_ 



toer*gnügt 



5« 



3t. 35. Shtriofmtt. — 3?. 36. «Keite SBaJjiten. 



301 




=t 



Z2fc£*- 



einft St 



fäeteerbymidj bieder ©r = be freun. 



3=« 



-<s> gfr-j- 



s> sy- 

etnft St=fdje, tnid) ber 



-gi g - 



@r • be freun. 



=t 



- fg"SH 



jetn! SrinttttriHicljaud} bie 



fer @r » be micf) / freutt. 



36. Sfteue Steinen 560 . 

-■ ■ @g finb galjre berftoffen — beinahe ebenfo biete, atö idj ber frühen 
IRebaftion biefer Hättet roibmete, ncüntiä) jefm, — bafj tcE) micfi/ auf 
biefem an (Srirtuerungen fo reiben Serrain einmal fjätte bernet)men 
laffen. Oft, tro| angeftrengter probuftiber Sutigfeit, füllte icf) miä) an* 
geregt; manche neue, bebeutenbe Talente erfdjienen, eine neue traft 
ber SJhtftf festen fieb, anju!ünbtgen, rote bie§ biete ber tjoerjaufftrebenben 
Mnftler ber jüngften Seit bezeugen, roenn audj beren $robuftionen 
mefc.r einem engeren Greife befannt ftnb 561 . Qä) backte, bte 23ar)nen 
biefer 2tu§erroäf)lten mit ber größten £eitnat)me berfblgenb, e3 roürbe 
unb muffe nadj folgern Vorgang /einmal plöpdj einer erfdjeinen, ber 
ben Jjödjften Sütöbrud ber ^eit in ibealer SBeife au^ufaredjen Berufen 
wäre, einer, ber un§ bie ^iferfdjaft nierji in ftufenroetfer ©utfaltung 
brädjte, fonbern, toie SJlmerba, gteict) boülommen getoanjert au§ bem 
Raupte be§ JBronion prange. Unb er tft ge!ommen, ein junges «Blut, 
an beffen SBiege ©ra^iett unb §efben 3£acr/e gelten. (Sr Ijeijjt Sotjanneä 
33raf)mg, fam üon Hamburg, bort in bunfter ©tüte fdjaffenb, aber bon 
einem trefflichen unb begetftert ptragenben £ef)rer gebübet in ben 
fdjttriettajren <3agungen ber tunft, mir fürs bortjer bon einem bereiten 
befannten SMfter 562 empfohlen, @r trug, aucrj im tuBeren,, alte 8fa- 
■ Setzen an \iä), bie un§ anfünbigen: baä tft ein berufener. Slm SHabier 
fi|enb fing er an, rounberbare Legionen p enthüllen. SSir rourben in 
immer gauberifd)ere tretfe ^ineingeäogen. .©ap fam ein gan^ geniale^ 
(Süiel, ba§ au§ beut ttabter ein Dräjefter bon roetjHagenben unb laut» 
jubemben Stimmen machte. (S§ roaren Sonaten, met>r berfdileierte 
Sinfonien, — Steber, beren «ßoefte matt, otjne bie SSorte gu rennen, 



302 SR. 36. Keue-»o$nett. — 9*. 37. Sieb wb ®efang. 

berftetjen Würbe, obroof)! eine tiefe ©efangmefobie fiä) burd) alle f)in= 
bürdet, — einzelne f labierftMe, teitoeife b&tumifdjet Sßatur bon ber 
anmutigften gorm, — bann «Sonaten für SSioline unb SHabier, — Quar- 
tette für Saiteninftrumente, — unb jebe§ fo abtoeic£)enb bont anbeny 
baft fie jebe§ begebenen Duetten 31t entftrönten fäjienen. Unb bann 
fdjten e3, afö bereinigte er, aU Strom bafiinbraufenb, alle roie ju einem 
SBafferfaH, über bie fjinunterftüräenben SSogen ben frieblidjen Regen- 
bogen tragenb unb am Ufer bon Schmetterlingen umlieft unb bon 
Sftadjtigallenfttmmen begleitet. 

SSenn er feinen gauberftab barjtn fen!en mirb, too ü)m bie SMäüe 
ber Waffen, im ©jor unb Drcfeefter, ifire träfte teilen, fo ftetjen un§ 
noct) tounberbarere SSiicEe in bie ©eßeimniffe ber ©eiftermeft bebor. 
äRöcfite ifm ber t)öcf)fte ©eniu§ baju ftärfen, roogu bie SBorauSfiäjt ba ift, 
ba ü)m aud) ein anberer ®eniu§, ber ber 33efd)eibent)eit, innetoot)nt. 
©eine SKitgenoffen begrüben ifin bei feinem erften ©ang burd) bie 
3Mt, roo feiner bieüeid)t SBunben märten »erben, aber aud) Sorbeeren 
unb ^atnten; mir tiefen ifin roüllommen atö ftarlen (Streiter. 

@§ mattet in jeber Seit ein geheimes SSünbni§ berroanbter ©elfter. 
Sd)tie£;t, bie ifjr äufammengebört, ben trei§ fefter, ba% bie SSafirfjeit ber 
Jhtnft immer ftarer teudite, überall greube unb Segen berbreitenb! 

• fit:®.- 

E. 
äompöp™* 8 unl> »üdjerbefercedjungeit. 

37. Sieb unb ©efang. 
<SngUJdje§ 9RaicofcnIieb. („The sun sinks".) »luftf Don 

®ie eigentümliche 33ortrag§meife ber geiftreid)en Sängerin gran- 
cilla prte bat biefeS Sieb in ®eutfd)tanb berühmt unb bieten unbergefc 
Iva) gemacfit. @8 mar ber 2lbfd)ieb, ben fie fang. SJmn fdmterälidjen 
Son im Sieb mag nicp ibr Seben berühren! — 2tud) ofjne biefe Um- 
ftänbe mürbe e§ reijenb unb fdjmärmerifd) bleiben. @§ t)at fo etma§ 
SBogenbe§, (ScbtmufifaüfcijeS. Solan füp red)t beuttid) bie „wide and 
silvered sea", ben Stbenb, ber ftcf) barüber gelagert, unb ba§ martenbe 
©dfjiff mit aufgewogenen Segeln. @§ ift aber tttdjt ein grobe§ §ingematte§, 
fonbern ein Seetenbilb, btö anbere meclt. 



9t 37, Sieb unb ©ejang. 303 

§. SStcttbi, »-§eto<,. SRottobrama mit (Sprett unb ißianofotie. 

3Berf 57. 

Sßtr träumte, «ßubttfum, idj fälje auf einem luftigen Safjrmarft 31t 
(fingen jimt genfter f,inau§. glatternbe Sauber, $fefferfuä)enbuben, 
t)erau3langenbe Serfäuferinnen, Slffen auf Kamelen, Srommel unb 
^apagenopfeife — altes liefe brirr burtfieinanber. 2tm meiften befdE)äftigte 
mict) ein alter f erl mit einem großen SÖtlb auf einer ©tauge, ber bie 
Sauerjungen rjaranguierte, einen aber, ber ü)n fet)r jupfte bon hinten, 
am fragen faßte unb in Mrge burcf^rügelte. (£§ mar bie§ nur ein Sor* 
ftriel jur ©efcrjicfjte. ®enn ernfttjaft Ijofte erauS im überrfj.einifdjett 
®ialeft, ben idj betfjodjbeutfdje: „Stauet ba auf ber großen, frönen 
£afel eine fettfame Siebe§gefdE)td)te, bie fdjfedjt ablief — flauet ba bie: 
SWabemoifetle im roten füoä, geheißen £>ero, toie fie ber alte ^ßapa im 
%xaä gemaltig anfährt unb j 'djlägt unb foldje in einen £urm im Söaffer 
ftedfen toiü, weit fie liebet einen anbem, ben fie nidjt folt — altes fetjr 
gut gemalt gang nadj ber 9?atur. £ier flauet nun, toie fie fifct auf bem 
Surm im Sßaffer unb ©trumpfe jtapft, niebergefcfjtagen, ba fie raäjt 
lieben folt, ben fie troll." ©0 ging'S eintönig fort bis jum ©tf)luß, too er 
mit ettoaS Stoß auf ben grauen SSacfen fctjrie: „Sllfo finb ertrunlen §ero 
unb SeanbroS, bie ftdE» jäjr liebeten." S)er Satjrmarft toar fidjtfidj gerührt. 
91IS ictj aber aufmachte, tiatf icfi, merfoürbigertoeife bie 32. unb 
le|te Seite in ber §anb. ' 

'3f. Delfdpger, 

6 ©ejänge für ©opran, STIt, Sertor unb SaB- — 2 ©efctnge für Sopran, 8Ut, 
Senor, Sa|, mit ^Begleitung be§ ißianoforte. 

©euttictjer gefagt 663 , fcrjeint ber f omponift enttoeber ein Dilettant,, 
ber ein tücfjtiger äRufifuS »erben lönute, ober ein äftufifuS, bem nod}> 
manctieS bom früheren SitettantiSmuS anfängt. 3lber biet latent unb- 
natürliches richtig treffenbeS ©efüfc.1 ift in iebem gälte ba; inbem biet 
©efangSfinn. 2tuS biefen SSerfcfjen tann man inbeS ben Sßärmegrab 
beS Patents beS f omponiften nocr) .nidjt erfet)en. @o fommen oft mit 
ber grübjaljrSfonne einzelne ©cfjtoatben gebogen, unb bennoct) furg, 
banacb, ©cb.neefloclen ftatt ber erwarteten Slütentuft. cv for 

Woä) beutuctjer gefagt, finb bie ©efänge gerabesu p loben, alfo ju 
empfehlen. ■•■ <$ axo . 



304 91- 38 - ^H ixtS f" r panoforte. 

38. Äußeres für pdreofotte. 

SCSert 89. 

(gtne Wertbolle MeinigMt, bte ficf) (ben Stnfang ausgenommen) 
auct) anf{>ruci)§to3 gibt. @8 fccjeint bamit eine (Stube angelegt ju fein, bie 
SOtofc^eleS ffjfiter burcl) ein gntermesgo jerteitenb in bie je|ige ©eftatt gofc. 
®er unterbreche gföttelfafc ift einbringlicf), faft im (S^erubini fernen 
<Stit — baZ eigentliche Impromptu. ®en Stuftritt be§ SöaffeS t)ätten 
mir ftatt im achten Stdjtel fyiet unb ba fdjon im fiebenten mit einem A 
$ewünfc£)t, woburct) fid) ber ©egenfa| pr öberftimme nocb, lebhafter 
>au§fbrecl)en würbe. — Suräjweg erlennt man am mäßigen Slufwanb, 
an ber £>fonomie, mit ber bie Rittet .gdjanMjafci finb, bie leiste, biet» 
-geübte £anb. — Über bie burcl) Umgeben be§ Stflorbg entftetjenben 
öuintenfortfiäireitungen, wie im 4. Salt ber 5. Seite, ftnb bie. ©eldjiten 
noc§ uneinig. 9tn ber angeführten ©teile Wirb baSötjr feine§weg§ 
Meibigt. ®ocb, fällt e§ am SMfter immer auf. 

(Statt ber abgelebten 9tesenfion§enbreime über 9lu§ftattung unb 
trefflicfjeS Rapier ertauben wir un§, Verleger bbn Seit §u Seit im 
•■ganzen ju loben: §err Ätftnet berbient e§ bor§ug§weife. @r wei| 
feine SSerfe fo finnig wie bornetjm gu Iteiben, bJjtte fie gerabe bon 
Stop] bis gufc mit Blumen %u überfcfjütten, ba% wir ben Somponiften, 
bie hierin burä)au§ äMbäjen finb, orbentlict) ©lud wünfctjen, wenn fie 
fo l>oü)%tittxä) angetan in bie Bett eingeführt werben. Stm ®eutfct)en, 
ber hierin redjt eigentlich) ftet§ tjintertjer gefommen ift, ift baä um fo 
fä)ä|en§werter, ba Ü)m überbie§ ber SSorjug ber Sorreftljeit bor 2lu§= 
:länbern bleibt. aSteileiäjt unb leiber muft man einen Seit be§ SSor» 
wurf§, ben man unfrer Seit wegen SSeraacpffigung älterer SSerfe 
macit, mit auf «Rechnung ber gar unfauberen alten 2lu§gaben bringen, 
an bie baZ 2luge nicl)t mef,r gewöhnt ift. StnberfeitS fdjemt e§ er= 
freutict), ba$ bös SßuBIffum bie Unternehmungen be3 genannten SSer* 
Ieger§ fo unterftüfet, ba$ er feine, ^ructoerfe (bei nicb,t ert)öb,tem 
Ißrete) gehörig unb Würbig au§ftatten Jann. £>err fiftner t>at e3 in 
fo t)ol)em Ma% getan, ba£ wir febe au§seiclmenbe 3lnertennung gern 
nnterfdjreiben 664 . .;.;... 



31. .38. Süßeres für Sßianoforte. 305 

Nocturne pastorale pour le Piano. — Nouvelle Fantaisie p. 1. P. — 
! Exeroice nouveau p. 1. P. 

$ä) toeig nocb, tote ftcE) ein ^Rejenfent in einer alten mufifatifcrjen 
Bettung über gietb<8 erfieg SSerf luftig» unb bermactjt unb namentlid) 
bie 3)ejimenfpannungen afö unnatürlich, unausführbar berroirft. @eü> 
beut erinnere icb, nridj nie, eine Dpvßtafji auf gielbä tompofitionen, 
roobl aber unjäpge ©ejintengriffe gefunben ju fjaben. @o biel be* 
roirfen £Re§enfenten. 2ßie anber§ ift je|t aber bietet ! Über fo breite 
©rtffe rouubert \xä) fein f inb meljr, unb ba$ gielb (geroif? nicbt obne 
©runb) feine $abl mebr auf feine tompofitionen gefe|t, berf cpgt 
toollenbs nicbtö. ®enn rote bie ©^afefpearefäfen fteben fie int Greife 
tjerum; e§ ift gang pfätlig, baf? er ba§ brüte fonjert bor bent bierten 
gefcbrieben; einige Sinie roeniger ©enie, unb bie SSelt bjätte ibn ntcbt fo 
leicht burcfj bie @cbute fctjlübfen taffen. @o aber fafjen Saufenbe bent 
fctjönen grüfjling p, roie er ficfj lacfienb aul ben bürren £>ofmeifter3= 
Rauben tjerauätoinbet, unb warfen tf)m SÖIumen . nacb, bie- er nun aß 
$rän§e trägt. 

®ürff icb, fo loürbe icE) ibm einen au§ SDcofinblumen unb Slbenbbiolen 
auffe|en, benn er ift ber (Miebte ber ®äntnterung§ftunbe, toenn bie 
(Sonne hinuntergegangen unb ba§ einige §einttoefj ber, Seelen erroacfit. 
(Solltet) bie, bie Um fennen, an bie ©tunben erinnern, rbo fie nocb länger 
fjörten, aU bie SJhtfif bauerte? äßoltten fie etroaS bon biefen neuen ©e- 
bieten erfahren, folt icE) fie roiebertjolen, roa§ fie fcljon lange roiffen, 
ettoa btö uralte Sieb üont §erjen? 

©cfjlage nur eine SSettfaite an, unb fie fcbroingt unenblicEj fort. ®te 
SJttnute mufj entgücfenb fein, roo bu bir beinufjt roirft, ba% bu eine perft 
berufirft, — roo bu ettoa§ gang bein eigen nennen fannft, — biet) atö 
©rften füblft in ber neuen Schöpfung unb bein SBerf als erfteS ©e» 
fcrjöpf, ba$ biet) nun inbrünftig umarmt unb beuten tarnen trägt. SSie 
glücflict) mag er bor feinem erften Notturno geftanben baben: benn e§ 
roar gang fein, unb niemanb bor ibm r)atte etroa§ ttjulicrjeg ge'fprocfjen. 

(So fetjeint e§, aß entfcfjleiere nacb, unb nacb ber fünftter btö 33ü¥ 
fcer 3Jatur für feine Shtnft, im Keinen afö Sag, im großen afö gabr, 
im größten atö £eit unb (Srotgfeit. 2>er Mftige borgen gehört 93 a ctj 
unb § anbei an. SBa§ fictj bor ibnen geregt, roaren nur grüt)ftimmen, 
fUcorgenabnungen, unb oft recb,t falte." S)a führten ^ojart unb £>at>bn 

8io6ert ©c^umannä gef. Säiuften. II. 20 



306, 91. 38. Äürsere« ffa.panoforte. 

ben Sag t)eran unb baZ r)eiTe, lebenbtge Seben, ba§ in ber ©ternennadjt 
roieberum berftummte, tt>etd)e S3eetl)oben unb grgnj ©djubert er* 
öffneten. 9ftm finb jenen £ot)e|meftem nod) jüngere beigefelTt. gielb 
legt fein Dbfer am Stbenb auf ben Sfltar; n>a§ er fbricfjt, berftet)t nid)t j 
jeber, aber e§ frort leiner ben blaffen Jüngling, ba er betet, ^n fpäter 
©tunbe arbeitet nod) ©r)obin, rote in einer 9forbfct)einberiiarung, aber 
bie ©efpenfterjeit ffmft fdjon neben ü)m, bie 9fod)traü6bögel' finb lo§, 
unb einzelne Stbenbf alter bon frütjertjer ftürgen erfältet unb ermattet 
nieber. — '38ir toären am S-iel? — Stein! S)er gefdjloffene Sag mit 
feinen biet Kernen Reiten wirb im grojjen Umgreife nur einer be§ grüf)= 
ling§ fein, ber ioieber erft ein Seit be§ 3at)re§ ift, — unb bann gärjtt 
bie (Sefcrjicfjte ber fünfte nact) garjrrmnberten, bie nrieberum in ber 
©niigfeit afö Slugenblicfe auf« unb' niebergetjen. — (SufebiuS. 

Sßir roiffen nid)t, roie alt biefe Übung ift, ja toir mürben un§ nidjt 
einmal für il)re (Sct)tt)eit berbürgen, ba nur bie burd)au3 einfache unb 
ttare Anlage auf einen SMfter fcpeften lafjt; fie fällt un§ aber afö Übung 
im SrÜTer auf, toeil biefer nictjt bie ftärffte Seite an gielbä SSirtuofität 
fein foll. Stemeutüct) bestoeät fie bie fdmelTe Bewegung be§ brüten unb 
bierten gtnger§, biefe§ unglücfitct)en Sritletbaarg, über ba$ bie Slabier* 
fpieler fo oft in SSerjroeiflung geraten. — Subroig Söerger Ijat in feinen 
(Stuben, bie nebenbei gefagt fo biet garte mufiMtfct)e ©ebanlen enttialten, 
bafj man babei ba§ gingertoerf gang berget, eine ber äußern rote innern 
Sonart nact) afmltcrje, aber biet fünft» unb gebanfenreidjere gefd)rieben,, 
bie roir %u bergfeidjen bitten. 

S3o mag ber gielb je|t fein? — 

$. Rillet, 

»La danse des Fees« p. 1. Pfte. Oe. 9. — »La Serenade.« Prelude, romance- 
et Finale, p. 1. Pfte. Oe. 11. 

SBir tiertoeifen auf bie Dtejenfion über §üler§ (Stuben 565 . Siefe 
Heineren (Sachen befeftigen un§ in ben früher ausgekrochenen 2ln» 
ftcfjten noct) mel)r. SBir erroätmten bamafö, tote tt)m ba% geen» unb %ahel* 
t)afte borjug§roeife gelinge, unb legten Sejt unter. 2)ie§mal nennt fiel) 
bie ©ad)e beim tarnen felbft unb lönnte ol)nebie§ ntdfjt anber§ gebeutet 
merben. S)er Slnfang be§»$eentanje§«, mit rect)t leifem ©locfenan» 
fcrjlag gezielt, bringt un3 gteict) in bie SJcitte. Stuf ber .5. ©exte fbrtngen 
ein paar greufict) l)armonifct)e Uobolbe tjerein, bie ja auct) leben roollen. — 



SK. 38. türjereS für Sßtcmoforte. 307 

®te ©erenabe galten tote §ugun[ten pterS für eine Satire, toorin un£ 
nidjt allein bie Sebifation an „Madame de ... " befiärft. Sft fie aber 
emffljaft gemeint, fo toürben tote ben Romancier fdjtoerlid) pm genfter 
einfteigen laffen. 



Sei biefer (Gelegenheit erlauben tote un§, bem. Verleger im ©tetne 
bieter junger tomponiften, bie olme ©tern unb ®reuj bon tt)m in bie 
Sßelt eingeführt tourben, S)anf gu fagen. 

ßrfte tarnen in feinen Katalog p befommen r,aft nid)t fdjtoer unb 
fann toofjl erlauft toerben. SSringt e§ nun aud) nid)t immer gleid) ge* 
goffeneS ©otb, tfngefannteren Suft jur Arbeit gu machen burdj frönen 
®ru<f auf fd)öne§ $afner unb bor allem, toie tote an £>r. £ofmeifter. 
toiffen, burd) SKitteiInab,me am Streben felbft, fo toirb bod) früher ober 
fbäter eine ber jungen STbern ing feiige ©borabo führen, toogu bie, bie 
im Traume rjingufommen^glauben, feine 9tu§fid)t b,aben. Unb fonft 
ben ©Küdtounfd) bagu benen, toeldje gugleidj unfre 2Td)tung berbienen. 



©. SBonttner, jhiei Sonaten für üßtanoforte. 

®ie ©onaten berbienen 2lufmerlfam!eit, toenn tote aud) nid)t unbe- 
bingt gur Verausgabe anraten. £ier unb ba fdjeint ein getoiffer gleifj 
in ber Arbeit, eine tngftlidjfeit um ©tjmmetrie unb gorm, ber grettjeit 
im SSege gu fielen. ®a§ toteb fid> bei einer brüten unb bierten ©onate 
geben, gu benen toir ben ^omponiften freunblictj anregen. ®en erften 
@a| ber ©onate in 3fö galten tote für ben getungenften, er fd)toebt toie 
eine gee borüber, ba§ ©rag gittert faum unter bem Sritt. — 9Tm 9lbagio 
toerben bie feigen fomtooniften immer fdjeitern, folange fie toetäje 
toie 9ftogart unb §aöbnfd)reiben tooüen. Sßarum benn rüdtoärtg lom= 
bonieren? SSem bie Sßerücfe gut ftef)t, ber mag fid) eine auffegen; 
aber ftreiä)t mir bie füegenbe Sugenbfode nid)t toeg, toenn fie aud) 
etwas toilb über bie ©tten hereinfällt. Sfifo Soden, @onatenfd)reiber, 
unb leine falfdien! 



20* 



308 9J- 39. ©er trrafifalifdje £au3freimb. — 9J. 40. 2Jlamtjfripte. 

39. Der mujilalifdje £ausfreunb. 11. 3<rfjrgang. 
Sonuat. 

f alt ift ber SBinter, ber SStnter ift falt, 

guttg finb bie fRitiber, bie Odjfen finb alt. uftt>. 

®a§ £afd)enformat wirb in ber 9JhtftI roenig ©lud machen, obrool)! 
bie Snfdjenmufif. ®od) lag Bei früheren 2ttmanad)3, bie nod) et)er ftarben, 
afö fte einen tarnen befamen, ba§ Unglücf nid)t aHein am gormat, fon= 
bern am grtfjqtt fetbft. SKit Lobelien, 2mefboten, ©itarrenliebern, 
Sanstouren ift für ba§ jahrelange SBarten juroenig gefagt. Stan fönnte 
aud) an biefem Safdjenbud) tro£ feiner jetm 2tr)nen nid)t§ loben (bie 
^antafie über ba§ ©trot) au§genommen unb bie Smff>ruä)§fofigleit be§ 
übrigen), roenn nicbt mancher gar aud) ba.3 S3efte barin für ba% ©d)Ied)tefte 
hielte ober übetfd)Iüge. <S§ finb ba§ bie mufifatifdjen f atenberfprüäje 
oben, bie ©oettje in feinen jungen ^arjren gemacht tjaben lärmte, tarne 
ein mufifalifcrjer ©egengoett)e barüber, fo gäbe bieg ein luftiges Seiten» 
ftüd p ben §arjbnfd)en 3at)re§geiten, bon benen beiläufig jemanb be* 
r)auf>tete, man !önne barinnen ba% ®ra§ road)fen tjören; nur bürfte er 
fie ntcfjt roie im Safdienbud) burä)roeg fanonifd) fomponieren, fo ftmpaft 
eg in einzelnen Hingen mag. 

Sä) la§ bie SSerfe !urj bor ©djfafengerjen unb fang fte lanonifd) 
burd) im ©ebanlen. Söätjrenb ber gangen 9laä)t fjatf idj nun altertjanb 
liebliche Sräume bon SKär§beiIä)en, 9Jcartin§braten ufro. ®a§ £afd)en* 
bud) roirb alfo empforjten. 



40. äRcmuffripte. 
%t. $ . . &?d) 666 , »gteubbofl unb leibtwll«, 

Sieb bon ©oetfie, für eine ©mgftimnte mit Sßtanoforte. 

Qdj roürbe ba§ Sieb gar niä)t erroätmen unb nad) biefem (Sonnen* 
ftäubdjen bie Sonne meffen wollen (roie fid) öietteidjt ber tomponift 
augbrüdte), roenn e§ mid) ntdjt be§ it)m beigefd)loffenen Briefes l)alber 
intereffierte. £>a§ Sieb ift fo.freubüolt unb leibboll roie biete anbete 
unb roirb red)t gut Hingen, roenn man eS in ber ®ämmerung§ftunbe 
etroa bon einem 3Mbd)en unter bem genfter fingen t)ört. komponiere 
nur mein f omponift, roie er Briefe fdrceibt, b. t). tüftig unb guter Singe, 



Im: 



SR. 40. SRamtilrtpie. 309 

unb bie SBett toirb e§ tf,m banlen! $n bem Briefe lef id) fogar öon 
einer Sinfonie, bie er bor einigen Saferen gemalt. $a fjat'er gang rool)i 
getan, mit man berfudjen, ob man bemanttjattig ift, fo öerfudje unb 
fd^Ietfe man fid) an ®emant. SSirb/mir ber SSrieffteXTer feine ©rlaubntö 
naä)fd)iden, roenn iä) ü)n ben freunbltäjen Sefern mit feinen eigenen 
SBorten borftefte? 

— — „Saffen Sie nur erft unfere ttrenfel, ja (SnM auf unferen 
köpfen fielen, unb nur (id)) ro erben am ©nbe bor Sorbeeren gar niä)t 
bor un3 fet)en Kinnen! — 2>a§ ift aud) natürlid), roeil roir bann unter 
ber ®ede (nid)t Riefen, bag, meifs ©ort! fonbern furj':) finb; bjoffentlid) 
aber be^alb niä)t im ginftern tappen, roie fjier fo oft! — Sann tommt 
I)inp, bafs iä) biefe§ Stücf (bie Sinfonie). unter eigenen §Betr)ätrraffen, 
mit £ilfe eine§ alten SfrinettS (itrie ein 3tameau) fe|te, roeldjeS nod) 
obenein eine Ser j p tief ftanb. SKufee f>atte id) nur toenig, aufcer toenn 
iä), afö Kantor unb Subimagifter bon ben Barfüfiern berfdjont, Serien 
genofj ober mir, »erat id) gerabe Ijeftig freiste, einige mad)te. ®ie3 ge» 
lang ein paarmal im Sommer, roo otjnefjin roenig greaueng ftattrjatte, 
toeil mehrere meiner (Sieben fid) brausen im freien, ftatt auf bie SBiffen' 
fäjaften auf3 £eu legten unb bem pfjantaftifdjen SSoHenpge unb $ogel* 
f luge freie Deutung gaben. — tarn nun gutdltdjerroetfe btofj ein 
©ubjeö, fo fagte iä) if)m nad) pei big brei Minuten: s$> prange ü)nx toie 
mir in bie 2Iugen, baB Ijeute {ebenfalls, toie fdjon fmfftert, niemanb toeitet 
Kirne, unb e§ fönne batjer feine Sdjule gehalten roerben. — SSar biefer 
fort, fo ftellte fid) freitiä) nad) mehreren Sefunben ein gtoeiter ein. ®em 
flagte id): leiber fä)ien er bleute ber einige p bleiben unb fotfe bem» 
pfolge immer roieber gefjen! — ©ct)on Ijoffte id). - — 3)od) in turpem 
plänMte ein dritter tjeran, toeläjem id) bebeutete, bafrbaS eingeriffene 
,§inter-ber*@d)uIe=roegtaufen' ber anbern, aufier tf>m, ber gerabe p 
ungelegener Bett orbentliä) roerbe unb bumm einplumpe, miä) unb iljn 
pänge, aus ber 9fot eine Sugenb p machen unb unberrid)teter Sadje 
naä) £>aufe p get)en. — ®er Vierte, ben id), afö p faät eingetroffenen, 
naä)brücflid) abfenfterte, roar fror,, bafs er nod) mit einem blauen 2tuge 
roegfam. — Qefct fdjlofj id) bie Sure ah unb lag bloß nod) einem $aar 
Staä^ügtern (oben au§ bem genfter) berb ben £e$t! — Sie föraten 
benfen, tote tro|bem meine «ßljantafie äufserft berangiert roar burd) bie 
tribtalen SMäufe unb id) par feurig, aber gelungen unb mit un= 
günftigem ©eroiffen foröomponierte. — ©nblid) tourbe iä) bennod) 
fertig unb ffog mit Partitur unb Stimmen pm StabWlusico loci, ber 



310 SR- 40. SOfamuffripte. 

mit feinen Seuten (bteien an go^I) unb ©itettanten beteit§ betfammett 
mar. 5Raö) einem §etj unb Dt)t getteiBenben Sätmen be3 @timmen§, 
«ßaufenS, £rombeten§ unb 3an!en§ fiegte mein berjmeifetteg Ocftöjt. 
3Jkn beruhigte fiel); tdj b,ob ben ©eüobogen (»et Ijätte aufter mir (Selto 
fbieten fotten?) birigtetenb §um Sluftafte, unb baS Andante maestoso 
begann. Sßeitet lernten mit auct) in bet etften Sßrobe tridjt. ©enn.ber 
gtötift, ein ef)rtict)er ©trumpfmirter, btie§ jebeSmat beim breigeftrictjenen 
© ba§ bor ü)m ftefjenbe unb be§ vis-ä-vis=9<Jact)bar3 Sicfjt mit energifcfjem 
©tofje au§, me3t)alb mit immer mieber bon botn anfangen mußten, 
beiläufig: bet Konttabaffift (ein £üboct)onbet unb deutlet) Ijatte ine 
fonbetbare ©emot)nf)eit, nur in ganzen £önen, ot)nc 9HWftdjt auf \> unb 
% ju fbieten! @r fa$ nur auf ben ©tanb bet «Bote, ©mfl'j. 33. ein ©tuet 
au§ {&&, fo fbiette et rub,ig ftetl @, SC unb §; fotgttcE) bauten nur mancf)mat 
bie £öne: g, ©, (£, ®. — ©agen burfte man ü)m aber rridjtöl — 33ei 
bet StuSfiUjrung gerieten ttrir in ein biet be§ei^nenbete§ ,<St)ao3' al§ 
§aöbn in feinet »©ö)ö;bfung«=Dubettüre. — gdj fafe aber aU ©türm» 
b^n im äJtajHotbe biefe§ 3änfötffe§, at§ betebenbe§ ^ringib meiner 
unartiMierten ©crjaiimaffe, unb täfelte fettfam unb untet Stauen. — 
®oct)" ufm. 

Sie §anb, Subimagiftet! Sßir finb $teunbe. 

gloteftan. 

«. SHigel, 

Variat. av. Introd. et Finale p. 1. Pft. sur la Tyrolienne de l'Opera: 
»Teil« de Rossini. 

®et alte SDfojart (eben fafct' tdj bie £>anb be§ jungen pm 9tbfct)ieb) 
fctjtieb einmal an einen ©tafen, beffen tombofitionen et butä)gefet)en 
Ijatte,- „ejjeöenj möchte fidj galtet nict)t munbetn, menn ©ie je|t in 
bem Sftanuffritot metjr genfterf Reiben etbticfen afö Stoten ..." Untet 
genftetfcf^eiben betftefjt et bie gietlictjen ©ittet, meiere tomtooniften 
oft mit bem etftaunlidiften gleite bureb, bie Sftotenfnfteme gießen, wenn 
fie bet Unfterbüct)ieit etmaS entriffen tröffen motten. SÜjttfidje ©ittet 
mütbe iä) unferm giügetfombomften botfäjtagen, %. 33. gteieb, eins über 
bie gange Einleitung meg. SBarum mit einem Stjema, btö jebet tennt, 
fo biet Komplimente machen? SSM et abet butcf)au§ eine ^nttobuttion, 
matum ftatt bet fteifen ^täliminatien niäjt liebet ein paar leichte freunb» 
Iid)e Sßforbe, in benen man etma§ bon gtlben^örnern ober Sttbenrofen 
f^ürte? — ferner bleibt Ie|tere§ freitict) immet. ©obann möd)te iä) ben 



S«. 40. Sßartuftri^te. 311 

SWarfd) toeg, toeil er nid)t genug trabenb unb äjamfteriftifä) ift, fabann 
:bie 6. SBariatüm mit ber (bün!t mid)) niä)t paffenb angebrachten Sin* 
föielung auf di tanti palpiti, enbtid) einige Seile im finale. (Sine 3tu3» 
£inanberfe|ung ber Orünbe gehört tridjt fjierljer. SSaS aber nacb, jener 
SSeranberung nod) übrigbleibt, berbient Aufmunterung, einzelne eigen» 
tümtid)e $üge fogar ein auägejeidjneteg £ob. ®er tomponift lebt in 
einer Keinen <5tabt, unb tjierin fel)e idj' bie @et)utb an bem, roaS fefyft, — 
©ra^ie, Sen>eglic£)feit, feiner Salt. SSir n>ünfd)en, baf? ir)m ba§ bie 3u= 
fünft bringen möge unb if)m bie Stuften §u einer SSeränberung feines 
2Sirtung3freife3 nid)t gänglid) abgefdmitten finb. ®ann toerben toir 
mit Vergnügen ba§ «ßublif um an biefen jungen ®omponiften erinnern, 
ben mir afö ein ernfter ftrebenbeS Salent um fo ftrenger nehmen §u muffen 
glauben. 

«. SSefeer, SRottimto für 2 Sßtattoforte§ p 8 §cnben. 

(Sin „SSeber", „Mütter" braucht boppette geit, um in jene§ ^ublirum 
p bringen, btö tro£ aller 33erfid)erungen nod) immer nidjt glauben toül, 
ber »©etmfudjtSroaläer« fei triebt bon 23eett)oben. $er ßinfenber ber bor* 
liegenben f ompofition ift SSorftetjer eine§ auf Sogierfcrjen ©runbfä|en 
bafierten S«ufiiinfütut3 in ©targarb unb fann bie aä)t £>änbe letcEjt p* 
fammenbringen 56 ?. ®ie festeren fefjten un§, bafi^r tote ba2 im gietb» 
fdjen ©fjarafter gehaltene anfprud)Mofe ©tücf nur in ber p&cmtofte 
prten, ioo e§ ftdE) ganj gut aufnimmt. Sollten nidjt f»ie unb ba bie 
~""e bie äMobie berbeefen? — SSir »unfein es gebrueft jit t)ören. 



§. «Rcutttottn (itt töfo), 

erfte Sinfonie für Drdjefter. Partitur. 

bringt ba§ SBort „(Sinfonie" allein fd)on unfer »tut in SMmng, 
fo borjügtid) eine gefdjriebene fennta! in einer Seit, too über fieben* 
unbfünfsig ebenfobiet ®amotle§fd)roerter fcb>eben 568 ), — eine ge= 
fd)riebene, bon ber nod) niemanb roeif? atö ber SSater, ber fie lange im 
SSertoarjrfam gehalten, fambertmat umgetoanbt, btö e§ roie ein 33fi| 
it)m burcE) ben topf getjt, ba% man fie ja ber « geigen ober bor bie 
SSarre einer 3tebaMon [teilen fönne. mt einiger §eftig!eit bab>r fahren 
toir nad) Partituren, ba man ja nidjt miffen !ann, toeldjer bekannte, 
in irgenbeiner SMtecfe bergrabene plünftige S3eett)oben fie gemacht 
§at. — ®ie bortiegenbe rurjrt bon einem fenntni§reid)en 3ftufi?er t>er, 



312 M- 40 - aRanujWtpte. 

bem triefleidjt nur Meinung an anberen gu toünfäjen ioäre, bamit ba§ 
eigene innere mefjr gum $orfd)ein fänte. (Sr fd)reibt in Jener leisten 
Sttt be§ ©rnfte§, tote mir ü)n an ber §at)bnfd)en ©drnte ließen, babei j 
forreft, Hat, überfidjttid), mit einem SBorte einnet)ntenb; üor altem roeifc 
er gefc£»tdet unb ftimmungSbott gu inftrumentieren. ®ie erfreu Seite be§ 
@d)ergo§ fd)einen uns baZ (Sigentümticfjfte an ber Sinfonie; bie ge* 
möfmlid)e Gelobte be§ SrioS ntfljjte im »erlaufe burd) feinere Strbeit 
(ISinroebung einer 9JUtteIftimme ober eine§ fonftigen ®egenfa|e§) in* 
tereffanter gemalt toerben, toie e§ im testen ©a|e ber galt, roo bie 
Biotinen ba§ §auf)ttl)ema mit einem neuen (gebauten begleiten. ®ie 
©inteitung gum erfreu <Sa|e Hingt gu fet)r nad) »®on Suatt«, roe^atb »« 
eine anbere borfcfjtagen. — ®tc $t)antafie gu Bereitern raten roir bem 
f omponiften, bie Partituren ber legten (Sinfonien bon 33eetfjoben gu 
lefcn, roie au§ feiner ein grünbüd)e§ ©tubium ber älteren überall roatjr- 
gunet)meu ift, Sßa§ ber gleife fann, möge ber fixere SSJlut gur »töte 
Bringen. Sir tt>ünfd)ene§ bon §ergen. 

SS. Spület (in «Rttbolftabt), 

Ibagto unb SRonbo au§ einem «ßtattofortetottaert. Sßartitwt. 
Sie 2tnfid)t be§ 3Rmtuffetyte8 gibt nod) ben SSorteit, fcrjon nad) Um 
©tjarafter ber £>anbfd)xift auf ben ber 3RuJii gu fd)tie$en — unb ba§ obige 
ift fo fauber, fo ängfitid) reinlid)' unb rabiert, ba$ mir gang red)t gletd) 
im borau§ bie SJtufil bem ärmlid) tarierten. — Sa§ ftbagio berbanft 
feine (Sntftefjung, roie fo bieleg, einem gufaHe. 3™ gteien fi|enb getd)* 
nete fid) ber tomüonift Sinien in ben Sanb, au§ benen ünn enbtid) etne 
mufitalifdje gigur antad)te. Ser @a| ift in feiner ©infac^eit au§brud§* 
boll, übrigens nur bon brei Sotoncettö begleitet. 33om 9lonbo gefreut 
ber 'som^onift in einem ber Partitur beigelegten »riefe, ba% er bamit 
einen 1Rüdfd)ritt gur alten ©imbtigität begroede. Sa roirb er an bie Suren 
pod)en muffen, eingelaffen gu roerben, Sßir finb feine greunbe bon 5Rüd* 
fd)ritten unb tmtnfdjeu eine tran!i)eit lieber burd) eine ftarle 9iatur 
überwältigt atö burd) Heine rünftlid)e Mittel auf ein {mar Slugenbltde 
gehoben. 2llfo borroart§, greunbe! auf Um ©rufet motten mir un§ um* 
fet)en — et)er nid)t. ,; 12 - 



SR.- 41. Ärittfäer Slnjetger. 313 

41. ftrittfdjer Sinniger. 

<©. £ljaH>erg, Oe. 12. Fantaisie snr »Norma« ponr Piano, 
g. j^altfrennet, Oe. 123. Fantaisie sur »La straniera« p. P. 

(©oire'e Bei ber ©räfttt.) 

— ■— STttadje': 2>te gtütftidjen Saften, bie biefe ginger tragen Surfen, ©räfin! 
SBSar)rt|aftig, war' icE) ein Slaöter, mit jebetn Sone Würbe id» ber ©btelerht 
einen anbern tarnen ber ©djöttljett unb Sugenb entgegenrufeft, bei 
<£. Korimta, Bei ®, ®elbemona, Bei ©, ©leonore, Bei g, giormona -~ 
@ie erraten, worum id) Bitte? — 

9Jüt gutem ®runb ftelten roir obige fom^ojitionett juf rannten. ®er ein» 
jige Unterfd)ieb liegt in ber 3 met>r bei ber Dpu^atfl. ©§ finb liebend 
ttürbige ©rjaraltere, tt>elä)e bie grofee SSeft glatt unb blau! roie (£i§- 
geftpffen. SJtan lernt , fcr)meid)eltt, inbem einem gejd)meidjeft wirb: 
©eber unb Empfänger trinlen in gleiten gügen oom füfjen ©tft; toat)r= 

Jjaftig 

_ _ ©räfin: »®te legten Sage Bon Pompeji?« o id) HeBe biefeg S3üdj'. ®te 
SBtinbe ift göttlicti. 

tünftter: gattt Sfjnen ntdjt »Sötignon« babei ein? 

©räfin: ©eaifj, aber ob .SJulwer Seutftf) oerftefjt? 

3Kutter: $at er nidjt ben »®öfc Bon sBerlidjingen« üBerje^t? 

toa|rf)afttg, iä) beneibe biefe f&mtboniften, toie fie ftcE» mit ber reisenbften 
©efanbtin unterhalten fönnen, orjne irgenb burct) geniatifc^e Urteile §u 
berftofsen, mit welker @ra§ie fie einen £>anbfämf, aufgeben öerftefjen 
unb babei jart auf ben @dperfd)en gefaln-bolten aufbieten. Sttar tjat 
ber jüngere ber obigen nodj ju tun, big mau ü)m im ©alon bie 93ebeu= 
tung einräumt, bie fidj ber ältere feit lange gefiebert; barum gittert jener 
nodj manchmal ©oetye ober 93eett)oben, fbricrjt fogar geiftreitrjer afö 
in teeren Sirfetn erlaubt ift, tr>äf;renb biefer burä) feine alten ange* 
nehmen tabalierf einleiten fä)neller Eroberungen maetjt; inbeg ttünfäjen 
toir nidjt, bafs . ... 

Slttadje: Sie tonnen bie <St)arabe ntd>t löfen, ©näbige? 8dj ertaube mir, 

fie pi tmeberf)oten. Srei @i(Ben nenne id) gijnen. ®ie etfte ift eine 
6elannte ©rMombofition, bie ftdj" in ben gwei testen, toeldje ben DJamen 
eineg Betonten SBergeS ootBommen nad)föred)en, wäljrfdjeinKcij oft öor* 
ftnbet. 8m ©anjen lieben ©ie einen grofjen SSirtuofen ... 



314 'St. 41. f ritifdjer feiger. — 9J. 42. S3üd)er. 

(Srctfin: 3d) löfe $f)re Sfjarabe bitrdj eine anbete öon jtoet ©ilBen. Dfjne 
bie erfte gäBe e§ feine gtoette unb umgelegt. ©a§ ©anje Befi&t treibe 
SCnlagen; nur pte e3 fiel, ntcB,t baljm J« lomnten, too Beibe ©tlben 
aufhören ... 

®a fdjlägt e§ fäjon elf. 33o mag ber ©ufebiuS fteäen? 

gtoreftan. 

(Steint, xä) \al) bief) root)I buräjl genfter beim hörnet; ft|ett, toie bit 
btd) an bie ©tirne riebft unb enbtiä) nad) bent $ibibu§=S3edjer griff fr, 
fritiferje ©ebanfen anzuregen. ®a§ ift aber eine luriofe 9trt ju regen« 
fieren ... ©ufeb. 



42. 23üdjer. 

©alerte leBenber Xonbic()ter. — S5iograpI)ifc£)*tritifc6,er SBeitrag. 

SSenn jentanb, ber bor 15 ^a^ren eingefcrjtafen märe, etoa tjeute 
toieber ertoacfjte unb, fidj 3M3 §u tjolen, roa3 in ber berfdjtafenen $eit 
einftoeiten ficE) begeben, obige§ S3ud) bon 1836 in bie §anb befätne, fo 
toürbe er atlerbing§ über bie näcfyfte ©egenftmrt nidjtS unb über älteres 
©rlebteS ebenforoenig erfahren. ®a3 33ucb, bereinigt fo jiemlid) alte 
hänget, bon benen ein biograpt)if<ä)=lritifct)e§ am erften frei fein fottte. 
Unfidjer im Urteil, ununterricrjtet über ben ganzen ©tanb unb ßufammen* 
t)ang ber ©rfdjeinungen, unboltftänbig fetbft in bem, tt>a§ e§ gegeben, 
fdjtaff unb gefd>macHo3 in ber ®arftellung, toie e§ ift, lann man itjm 
nicfjt einmal feine befferen Slnfidjten junt Sobe anredmen: benn bie 
SSut gegen Betttni, Sluber, §erj, roenn fie audj) nicf)t affeltiert fetjeint, 
ftmcrjt fict) bodj fo ofmmäd)tig au§, baf? bamit ber itatienifc^»frauäöfif(ä)en 
Partei efier genügt roirb, ©benfo muffte man e3 anerfennen, baf3 ber 
SSerfaffer feinen Sanb^Ieuten, ben Söienern, anrät, fiel) entließ mit 
teueren, roie SJcenbetöfofm u. a., betanntäumadjen, toenn er nur fetbft 
ntefjr babon roüf^te. ©ine Stufgäfjtung be§ bieten ©Riefen ift t)ier gar 
nict)t nötig, ba fair bei ben meiften unfrer Sefer borau§fe|en lönnen, 
bafj fie e§ fetbft rjerauSfinben. ßuftig ift noctj bie 2trt ber ©inüeibung 
ber Biographien. SSorntoeg gerben nämttd) immer einige geilen biä)= 
terifd)er ERefte^tott mit SBorten, roie „Blumen, ©terne" ufro.; bann 



«R. 42. Sucher. 315 

fdjnapbt e§ auf einmal ab, unb in bürrfter $rofa fäfjrt bie £eben§befä)rei* 
bung Enterbtem. Q. 33. „Ser @eift be§ Sttenfcfjen ift ein ©amenfern, 
ein einfacher £id)tftraf)I, ein Heiner ©rem, unb ber menf^Iic^e ©eift ift 
Wieber ein IRiefenbaum, ein ßicB> unb geuermeer, ein unenbticEjer 
©ternenfrans; er toaäß; nur baS ©enie überbringt jene <ßeriobe 
unb ftef)t, faum geboren, in majejtätifdjer ©röfje unb gigantiftfjer 
Äroft ba." 

„Maria Subroig fart genobiuS ©afoator (Stjerubini ift p gforens 
am 8. September 1760 geb. ©eine erften £et)rer waren" ufw. 

Ober:- 
• ,ßla&) (Mb folt infofem nur be§ f ünftler§ ©orge unb ©inn frei) tenJen, 
afö er ba^felbe jum äWecfmäfjigen SebenSunter^atte berroenben Witt. 
Mit ber fünft fdjadjem erniebrigt tief, unb wenn wir autfj ben fünftter 
achten muffen, werben mir botf) nie ben SJlenfcfjen lieben fönnen. Unb 
SCcrjtuttg unb Siebe im 33unbe gieren botfj unenblict) ftfjön bie ©ctjläfe 
be§ TOcb>9nitag§menfd)en.'' 

„©fjontini (@a§toaro) ift gu (Sefi, einem Meinen ©täbtdjen im 
firtfjenftaate, 1778 geboren. 2>ie 2tnfang§grünbe ber • tt)eoretiftfjen 
SKufif ftubierte er" ufw. 

SSon etwa§ merjr Gelang finb bie 9?ad)ri(r)ten über einige Öfter- 
reifer, roie Somafcrjet 1 , ©erjfrieb, §a§Iinger, am,;beften bie über 
^aganini, aber freiliä) au3 bem fonberfation§tertfon entlehnt. @o 
ftefjt auä) @. 147 etwa§ Wörttiä) au§ §offmann, irr' itf) nid)t, au§ ben 
» Sßrjantafiefiücfen «. Unter folgen Umftänben barf e3 einen nitfjt Wunbern, 
Wenn man au§fiu)rliä)e 23iograbf)ien Unbetonter, wie STitbegit), £itl, 
Sieger finbet, bagegen f omponiften Wie DnStoW, gr. ©crjneiber, 
fatliwoba, ober S(u§Iänber roie 33i§f)oto, 33erIioj, ban S3ree, 
ober SSirtuofen roie Sifjt, SHara SSieä u. a. mit feiner ©itbe erwätrnt 
Werben. 

©cpepd) mufj man, roie gefagt, bebauerrt, bafs ein offenbar 
guter SSitte auf fo ftfjroacfjem ©runbe ftef)t. Sttödjte alfo ber 83er* 
faffer toribatim fleifng jufammentragen unb fortarbeiten, runftigrnn 
aber root)t überlegen, wag & tjeifjt, atö junger SJlann, ber nocf) nid)t§ 
geleiftet, we§f)aib ifjm auf baZ Söort ju glauben Wäre, gegenüber ber 
öffentlicrjleit über bie erften SMfter ber ©egenwart fict) eine Üüdjter* 
ftimme juptrauen. 



316 9?. 42. S3M)er. 

(Sfjrtji griebr. ^ofjle (Dr. ph. et mns.), 

über baS GEtnjIubieren ber ffiompofttionen ober Sluffdjlufj über bie ©e^eimniffe be§ 
S5ortrag§ für Sßtattofortejpieler. 

®er Stiel ift fefyr locfenb gettätjlt. Säjti nur jemanb ba§ SSort „®e* 
fjeimni§" fallen, fo brängen fic ficb, p §unberten Ijerum unb paffen auf. 
Über einen tljeoretifct) fo fd)n>ierig p betjanbelnben ©egenftanb pm 
anbern Sftale tritifct) p tljeoretifieren berlangte 9toum unb $<dt unb 
einen erfahrenen Setjrer, ber 8?ef. nidti ift. (Sei ber Sefer alfo in ^ürje 
auf ba§ 33uc£) unb feinen ^nfjalt aufmerrfam gemadti. $um SSerftef).en 
unb Söenutsen be§felben ttnrb freilief) ein tnetigebiefiener @ct)ü(er bor» 
au§gefe|t, mit beut man fidj, olme ü)n p bertoirren, fjeute über baB, 
morgen über jene§, gerabeau§ unb querfelbein befbreetjen lann. ©o 
enthält benn ba§ S5ucf) in bunter 8?eü)e afierfjanb meb,r ober toeniger 
treffenbe S3emer!ungen unb Erfahrungen über bie nötigen Sebingniffe 
pr ®rpt)ung be3 ©ct)üler3, über gute, talentbolte, faule Kleben, — 
über bie 2Irt, ttjnen ba§> Semen angenehm p machen, — S5emerfungen 
über bie eigentümliche $ortrag§ft>eife berfctjiebener SJirtuofen, über 
2tu§toat)l bon SKuftertotnbofitionen, — ein Samuel über bie Sftottoenbig* 
leit einer bielfeitigen 9lu§bübung, über inftruftibe üontpofitionen, auet) 
über gemöt)nlict)ere Sfjema§, atö Haltung be§ <SHbogen§, — über ben 
üftuijen fortgefe|ter mectjanifct)er Übungen, über Sangfantfbielen, fobann 
über 2ty)tolifatur, über genaues 2tu§pragen ber Söne, über rfjititjmifdjien 
StuBbrucf, über Saut=Saft=3ät)Ien, über SSerprungen, pm ©djlufj eine 
orbentlicfje in einem brolligen Satoni§mu§ abgefaßte ßeftion mit bem 
©cpter gafeliuB. SDieS aüe3 in einem gegriffen nidti unliebenStoürbigen 
$Iauberton borgebraefti, mit grünen StuSrutjeplägen auf ©enterijen avS> 
Quintilian, @oetb,e ufm. ©etoifj ift e§ fctjroer, einem fo iroefenen ©egen* 
ftanbe ein Säcrjem, unb märe e§ eines unter Sränen (§onter) abpge» 
toinnen, unb man mufj e§ bem 'roertgefcEjä^ten SSerf. banlen, bafc er 
toenigftenS ben Anfang gemacht unb bie getoötjnlidje pebantifctie *ßrebiger= 
letjrart p bermeiben gefudti f)at. ©o lefe man mit SSebadjt unb nü|e 
für fidj unb be§ SebenS „golbnen Söaum", toie e§ ber SSerfaffer auc§ 
getooltt. ßunt ©d)Iuf3 noeb, einige d)arafteriftifcb,e SluSpge. 

(©.78.) „grettjeit, gretfjeit, gafeliu§! ©ie fucfjen nodj p ängfttidj 
unb bringen bie ginger nidti bon ben Saften; biefe 6 Satte waren nur 
buret) .Sufall ridjtig. ©ie muffen biefe ©teile nodj öfter langfam fpielen 
unb bie Söne beffer anfragen, fonft ftnrb ber Qvfyöxa ängftlid)! §ören 
©ie e§ niäjt! S)iefer Sötorb ift p matt ufto." 



9*. 42. m$tx. , 317 

(@. 68). „@§ ift barjer.gu roünfdien, bafj JEom^oniften bie Sanieren 
au3fct).reibett, bie ©crjriftfteü'er finb ntc£)t einig, bie Sbrnbonifien in biefer 
SSegietjung aufteilen nadpffig, bie ^orenftecrjer bertoectjfem bie ßeidjen, 
unb tbeniger benfenbe ©fielet machen 5ßerfeb>tierungen ftatt SSergie» 
rungen." 

(@. 79. ©cfjtufj bei ©anjen.) „®a§ unterfct)etbet eben ben tünftler 
bon bem Dilettanten, bafj er mit erster (Sinfidjt ftubiert, baf? er leinen 
^unft überfielt, ber feinem Vortrage (Sintrag tun lönnte, ba$ er fein 
©.biet in allen SSegieljungen mit Umfidjt Iritifiert. Der fünftter ift ein 
feuriger Siebtjaber, ber fid) beftrebt, fetner (Miebten, ber Sunft, jeben 
SBunfcb, abäulaufetjen, ber unaufhörlich bemüht ift, nur für fie p roirfen 
unb p leben, ©te toirb immer reigenber, je meljr er mit ü)r bertraut iuirb, 
er lernt ü)ren fjoi/en 2Ibel lernten unb bie ©cb>ierigfeit, fie %n befi|en: 
meit fie fjöfyeren Urfbrung§ ift. gnbeS, er roirb unaufhörlich buxä) fie 
gereift; er teilt lieber untergeben al§ ifjr entfagen. 3uineifen geigt fie 
fiä) fo, bafc bie Hoffnung, fie gu befi|en, in it)nt bon neuem belebt toirb; 
feine etf)i|te (SinbitbungSfraft berfud)t auf anberen SSegen p ü)rem 
teuem S3efi| %u gelangen; er berbobpelt feine SurigMt, boct) nimmer 
gelangt er ju ü)rem bollen 93efi|e, unb barum ift feine ©etjnfuctjt nie 
befriebigt, fein Streben nie p ©nbe." 



»SBeet^obett«. Ixama in 3 Wen bon <§. äSiefie. 

93eetb,oben lebt auf einer gräflichen SSifta ju ©aft unb liebt bie Üom= 
reffe Stbelaibe. ©ie liebt itm ebenfalls. (£r fürchtet, jubtel Mnftler §u 
fein, um feine grau glüdtticr) machen gu lönnen. ©ie legt üjre gutunft 
in feine §anb. (£r tritt fie in berjtoeiftungSboIIem ©änner^ an einen 
Dritten ah. 

Slber btö ift itttfer SSeettjoben nietjt: fo fbriä)t unfer 23eett)oberi niäjt; 
fo ben!t, fo tut er nict)t. SBir roollen nierjt b>rt mit bem SSerfaffer fbreetjen, 
■getoig meinte er e§ gut, roenn er ü)m, bem £aufenbfad)*@efcf}mücften, 
■auet) einen bürgerlichen tranj pteüte.- Stber bafj er unfern Sitan ju 
einem rohtäigen 9tefignation§t)eIben einfcfjrumpft, — Um afö einen 
Cfyarafter barftellt, ber pifctien gtoei ©mpfinbmtgen, bie ber Siebe unb 
bie ber gurdjt, bie ©eliebte nid)t beglücfen gu Wunen, unangenehm fjin 
unb t)er fcb>anft, — bafj fieb, feine (Miebte, ber er nierjt fjübfct) genug 
ift, feine Sftefignation fo rutjig gefallen lägt, — gegen bie§ unb bieteS 
cnbere muffen mir un§ beteibigt auflehnen. SSet^ man noerj ba%u, bafj 



318 91- 42 - ^«^er. 

33eett)oben überhaupt nie in einem £iebe§bert)altni§ geftanben 509 , fo 
bermag bie Sichtung auä) in biefem ©inne niäjt %u intereffteren. Qu 
unterfucb,en, melden 28ert ba§ ©tücf atö ®rama an unb für ficE) I)abe, 
gehört in ein Siteraturblatt: ben ^taä)mltx be§ ©oett)efc^en »£affo « toirb 
jebermann IjerauSfinben. SnbeS enthält e§ einzelne an^ietienbe @cf)il« 
bemngen. 

»Seetyotoett«. Sine Mantaftifdje CljjwattettftW tum <£tnft Bvtlety». 

2>a§ 93ucf) fütjrt ba§ fcfjßne äftotto, mit bem mir biefe Kummer er- 
öffnet 569 a . „Unb nidjt jeber femmt bt§ jur ©pifce", I ßnnte man Innpfeten. 
Sludj null unb öetfudjt ba§ ber Sinter nidjt; toie ein SHnb bringt er unten 
an ber großen tträjtür ijerum unb fiefjt nur man^mal in bie fteiie §ölje, 
tt>enn bie ©tocfen gu ftart t)erunterf plagen. ®er Driteöüfctje » 93eett)oben« 
besagt mir biet beffer afö ber SBtefefdje. £ier tritt er fmffabel unotbetäfidj 
auf, oljne (Mb, Slblerpläne im Stopf, bei ber ©t)ambagnerftafd)e, eben- 
falfö in eine Slbelatbe berltebt, aber of)ne fentimentaleu $arfüm, iw% 
amüfant. ©afc au8 ber §eirat nichts tmrb, berftefjt fidj. „Safe Slbelaibe 
rubren", ftoriä)t »eetfjoben, „idj liebe tridjtö 3rbiftf)e§ toieber." „SBenn 
itf) an meine 2>moll=@infcmie benle, bie einmal mein Ie|te§ SSerl mer- 
ben foll, su ber ict) aber lange nod) nicrjt reif bin, ba wirb ficb/3 btofj im 
großen um einen ungeheuren §a§ unb eine ungeheure Siebe %u ber 
gangen SKenfdföett t)anbetn." 3n biefer Stit bewegt fidj ba§ erfte ©rittet 
be§ forbtalen 33üd)lein3. ®a§ jtoeite fütjrt bie £auptüberfd)rift „93 J 
neunte ©infonie", .— eine poetifdje, manct) partes unb 9ttcf)tige§ entfjat» 
tenbe gerglieberung bieje§ SBerfeS. ®er britte Seit pljcaüaftett tu luftig 
grimmiger Sßeife über ein 23eett)oben=®enrmal. 20§ fmffenbeä toirb 
jum ©djfafj borgefdjtagen: „könnte man bie neunte Sinfonie nidjt 
berförpern? ftd) foltte meinen, ba§ müfjte ein 2trd)iteft fä)on machen 
fönnen, unb ba3 befte Senfmal für Subtntg bau 33eett)oben märe 
bann gefunben." — Übrigens „lebt 23eett)oben nodj", ttie ©. 87 ftet)t. 
,ßx f treibt nur nicrjt metjr. (Sr ift e§ überbrüffig nwrben, für fo eine 
ättenge bon ©fein p fomponieren." SSraöo, ®id)ter! ®a3 ift grünblicb^ 



3?. 43. Sonaten für baä Sßtanoforte. 319 

43. Sonaten für bas Panoforte. 

g. £. Sljtoatal, 3 Sonatinen für Stnfänger. SBerf 32. 
©. SIMer, Sonate p 4 §änben. SBerf 27. 
SS. Säubert, 2 Sonaten. SBerf 21. 
§. entlaufen, Sonate. 28erf 32. 
$. ©etfer, ©rofje Sonate. 28erf 10. 

©te§ ift ber Stiel ber Sonaten, bie, feit roir pro Ie|ten 3Me (S5b. 3, 
, 3h; 52) bon ben @räeugniffen in biefer ebten SRufifgattung berichteten' 
mit (gmfdjfofj ber (Sonate bon ^loreftan unb ®ufeb feit einem $af)re 
erfdjienen finb. 

SSSie bi3f,er foll autfj fünftigljin ber Sefer gleicb/ gange ©aterien bon 
ber gorm nadj betroanbten f om^ofitionen erhalten. (S§ f)at bieg $er* 
fahren neben bem bietleiäjt Schlimmen, bafj e§ oft p »ergleiäjen ragt, 
biet für fiä). $uerft gewinnt ber Sefer einen raffen Überblick unb wirb 
in ben Stanb gefe|t, nacfj feinem Söebürfniffe p tollen. ®aju fann er 
ftdj auf mögliche bollftänbige Slufgeitfmung ber einzelnen Hummern 
ber begebenen gäcfjer berlaffen, ba ber @runbfa£ anberer, nur baZ 
anpgeigen, toa§ eingefanbt wirb, burtfjaul ntcE)t ber unfrige ift, wir un§ 
im ©egenteif baä SemerlenSWertefte, roa§ ber £>ofmeifterfct)e 3flonat&= 
beriet angibt, angeidmen unb p berfctjaffen fuctjen. Sobann tritt aber 
burct) eine folctje ßufammenfteüung ba§ SßertboHere ftfjärfer fjerbor unb 
erhält ba§ größere raumlict)e $erf)ältni3, bafj u)m bor bem minber ©uten 
gebührt, ©nbltctj macE)t ein fo nai)e§ ©egenüberftefjen begebener 
Qnbibibnen and) bie fritifctje ©arftelmng tebenbiger, unb gang ple|t 
finb un§ eine 3Renge freunblicfjer Urteileüber bieS SBerfatjren p ©efidjt 
gekommen, worin auf gortfe|ung förmlicf) gebrungen wirb. 

$ä) wünfdjte nitfjt, ba% biefe etwa§ nüchterne (Einleitung ein 9?acE»= 
b,alt ber Sonaten.wäre, bie iä) eben burtfjgefetien unb gehört, unb bennodj 
ift e§ pr £ctlfte fo. • 

Sie Sonatinen bon %. 1. ©fjwatal nämtidj finb Heine Mabierftüäfe 
für Heine Stnfänger, über bie fict) nitfjtö fagen läfjt, afö bafj fie wegen 
u)rer gapäjfeit unb be§ richtigen rjarmonifäjen Wie ginger=Sa|e§ ü)rem 
Swede entftorecrjen. SBenn iä) fie etwa§ bttujenber toünftfjte, fo ftoretf/ 
icb, bamit gewifs ben Söunfct) ber Keinen germicüjrigen ©enie3 au§, bie 
burcb, bie Sonatinen bie größten Werben mögen. 

8n bie folgenbe bierfjänbige Sonate brauet man nur einen 5ÖIicE 
p Werfen, fiä) bon ttjrer unaugfareäjliäjen Margit unb @ewörmliä)!eit 



320 91- 43. ©onaten für baä panoforte. 

ju überzeugen. Sföär' e§ nid)t ber mürbigen berühmten gorm toegen, 
in bie fic^ bie atttäutid)ften ©ebanien geftedt/fo roäre fie faum ber SSe- 
tnerfung in biefen Blättern toctt. 

®ie Anlage ber betben ©onaten bon Saubert ift eine bei weitem 
ntebere at§ bie %\n großen Sonate SSerf 20, bei bereu früheren 23e= 
fbred)ung ber bamatige «Ref., äfteifter 3taro, nad) borbergegangenem 
großen Sobe bie ffmnnenben SBorte Jjinterijetfdjidte, bafs er auf ba§, 
ma§ ifmt an biefem tomtooniften, namenttid) afö folgern für§ f labier, 
mißfiele, bei einer fünftigen (Gelegenheit prüdfornmen werbe. ®§ totrb . 
Seit, ben f omtooniften über biefen jurüdgebaltenen Sabet p beruhigen, 
pmat er fid), wag id) genau .toeifj, nur auf Stiertet, unb nod) top 
tufcereS, bejog. IRaro fanb nämltd), bafj in faft alten (Gebauten biefeä 
tomöoniften beren erfte ptftenad) ber Sominante leitet, bie gleite aber 
toieber nad) ber Sonifa prüdgebt, fobann, bafj er manchmal niebt fd)ön 
genug ftabiermäftig erfinbe unb inftrumentiere. S" beibertei finben fid) 
aud) in ben Sonaten Belege, So im erften Safe ber erften Sonate ^molt, 
im 8. Salt (S, !urj barauf 9dMgang nad) %; im feiten Sag berfetben 
m, im 8. Saft ©§, im 16.9tttdgang nad) 9fö; im SJcittetftüä beSfelben 
SageiS 8fö-moÄ; im 8. Saft @3, balb barauf Mdgang nad) 2fö; im le|ten 
Sa| g»molt, im 8. Saft ©. uftb. ga, aud) fämttid)e Sä|e ber anbern 
Sonate tjaben benfetben barmomfdjen Schnitt. ®aft aber ein fo bor* 
irefftidjer ttabierffneter oft fo fd)tbierig unb unbequem fe|t, fönnte iä) 
mir nur baburd) erltären, bafj er bielteid)t nidjt am f labier fomtoo* 
niert 570 . , 

Site Sonaten finb,,tbie gefagt, in letzterer Stimmung gebalten unb 
f bieten fid) oft fernerer afö bie fd)büerigften: bie £>änbe muffen immer 
neue Sagen annehmen, bie Ringer immer in bie 9Jtittettafien eingreifen; 
fürs, fie finb, roa§ man fagt, fritifd). SBaS 8taro8 SBunfd) einer ferneren 
gnftrumentierung anlangt, worunter er wobt fd)önere Stellungen ber 
mfforbe, tönenbere Begleitung berftel)t, fo bangt ba§ oft ju genau mit 
bem ©ebanfen felbft äufammen, al§ bafj man tuberungen borfdjtagen 
bürfte. So btel über 3Haro§ Heine 21u§fe|ungen. 3m übrigen bleibt 
natürlid) bie 21d)tung für ba§, worauf e3 anfömmt, für ba§ Salent, bie* 
felbe bol)e. 9tfö ®anje§ l)cäl' id) ben legten Sa| ber Sonate in f&tä-moU 
für ba§ bebeutenbfte; Sjier wirb e§ innerltd) wärmer unb fingt alle§, 
namenttid) in ber SRttte, wo bie SSäffe ba§ Sbema anfangen wollen; 
fo bebt fid) aud) ber lebte Seit ber anbern Sonate bor ben anbern berbor, 
bie mir fälter, obne Suft gefd)rieben borfommen. Qn biefem Ie|ten Sa|e 






Dl. 43. ©onaten für ba§ ^ianoforte. 321 

finbe id) borgüglid) ben gtoetten ©ebanfen (in Sur) gtüdtid), ja reigenb. 
Sn ber Harmonie fallen mir bet 1. Saft auf ©. 8, ©oft. 6 ber 2. Sonate, 
metir nod) ber Salt 1 auf @. 11, ©oft, 2 in ber 1. ©onate auf, ber in 
ber ©dmefligfeit überfein roorben fdjeint. SSei ber äßieberfjoumg ift 
bie Dftabe umgangen. 

2luö) Jlar, aber um bieleg grünblicfjer, gettriffenfjafter, intereffanter 
gearbeitet ift bie ©onate bon£m. ©ndljaufen. gm. erften unb gtoeiten 
@a| null fie nod) nict)t redjt au§ einem gegriffen altfränfifdjen ©ruft 
l^erau§; im brüten roirb fie aber betoegter, origineller unb beftreift met)r 
ba$ 83eetf;obenfä)e Serrain. Seiber finb mir bie SBerle biefeS ®ombo= 
niften immer in einer fo berroorrenen Djm§gaf)Ienreif)e, — fyeute einmal 
40, bann toteber 9, — p ©efidjt gefommen, bafs id) über ben je|igen 
mutmapdjen ©tanbbunft feiner Seiftungen nidjtö mitzureiten ber= 
«tag. 

■ Ser Mang mandjer tarnen erroedt oft gleid) borurjerein gute 3)cei* 
nung. ©o ber be§ folgenben tomboniften, beffen ©onate ba§ erfte, 
•toaS mir Bis je|t bon feiner §anb befannt roorben. Sa§ SBort „£>anb" 
roünfdjte id) etroa§ betont. Sie ©onate fdjeint mir nämlid) burd>au§ 
metjr ein SBerf ber £änbe, be§ SSerftanbel, al§ be3 ©eifte§, ber SBegeifte* 
rung. SBenn ict) mandje ^omboniften unb f omböfitionen einem ber» 
ftimmten, aber einem ^uftrumente bon fcfjönem Sone bergteidjen mödjte, 
fo anbere roieber einem aflgu matfjematifcf) fdjarf im einzelnen gegen* 
einanber geftimmten, roa§ be^alb toieber im gangen nidjt gufammen» 
Hingen roill. ®a§ festere begieße id) auf bie ©onate; fie ift nod) gu ängft» 
lid) abgemeffen; üjre (Sinf adrett ift nidjt bie ber ^eifterfdjaft, fonbern 
bie eine§ unntgenblidjen @etbftgroange§, ein Itbel, tooran g. 23. aüä) bie 
gange 83. Meinfdje ©dmle mef)r ober roenig leibet unb gelitten t)at. §ier 
unb ba fiet)t man root)!, roie ber tombonift fid) ber Letten entlebigen 
mödjte, unb an mannen 3temini§gengen, bafj er mit Seetb,oben ber* 
traut ift; im gangen roül fid) aber nirgenbS bie feinere ©efangeSblüte 
entfalten, bie gur roä'rmeren Seilnalmte an ba§ SSerf feffelte. ^ntmer» 
Ijin roirb el aU eine ernfte S5eftrebung ber allgemeinen 23ead;tung 
empfohlen. 



9!o6ert ©djumaitnä gef. ©Triften. II. %\ 



322 31. 44. ©djtoeiamjdje Slfyenliänge. 



571 



44. Ödjtoeiaerifc&e Sttpenflänge 

9h:. 1. Impromptu, comp. p. E. G. Kulenkamp. Oe. 47. 

9fa. 2, Improvisata, comp. p. F. Liszt. Oe. 10, Nr. 1. 

Kr. 3. Divertissement, comp. p. A. Späth. Oe. 151. 

9h;.- 4. Air suisse varie p. J. Seh ad. Oe. 3. 

9fr. .5. Introduction et Eondeau, comp, par F. Kies. Oe. 182, Nr. 1. 

9te. 6. Nocturne sur le Chant Möntagnard, comp, par F. Liszt. Oe. 10, 

Nr. 2. 

9h:. 7. Introduction et Eondeau, comp, par F. Kies. Oe. 182, Nr. 2. 

9&. 8. Eondeau Suisse, comp. p. J. Seh ad. Oe. 4. 

9te. 9. Eondeau, comp. p. F. Liszt. Oe. 10, Nr. 3. 

2Me§, roa§ auf eine fotibe 33afiiS gegrunbet mit tonfequenj burä)* 
geful)rt roirb, forbert un§ 2Iä)tung ab; unb aus biefem ©runb aueb, bie 
obige «Sammlung, gunacbjft für ba§ Sanb beftimmt, in bem fie entftanben, 
bureb, bie gjcitoirlung auStänbifc^er Somtoomften aber aueb, eine§ jeben 
Sntereffe in Stnfbrucb, net)menb. SSir münden ein fröljKdjeS @ebeit)en, 
Safc aber bie 9Kufif bon neun über fernen beweiben SMfe§ getrie- 
benen £ omtoofitionen, i)intereinanber gebaut ober gehört, ber (Sintönigieit 
öjreS ©jaraäetg roegen ettoa§ ermüben mufj, liegt in ber Statur ber 
<§a$e. ®aju ift fie aber and) nitfjt; man foll ftcb/l)eute unb morgen an 
ü)r ergö|eu, einmal bie ©rinnerungen auffrifegen, bie man bom 9ttt- 
fcfjauen ber Jjerrfidjften Statur in feine £eimat mitgebracht, ober ben 
8Rut, einmal barjin §u gelangen, — tote benn ieber SKufüer bie @c£,roei§ 
gefebjen rjaben mttfjte. 

Sie Beiträge bon Stföt berühr' tcl) nur flüchtig, ba er afö Sombonift 
in einer neuen (Sntfmbbung begriffen fcfjeint, in bie man nicbjt boreilig 
greifen barf. ®te Ijertwftedjenbften Somtoofitionen ber (Sammlung, 
toerben fie unter feinen Ringern getoifc Sßunberftüäe bon mangmalerei. 
(StfjoS, tutjglocfengelaute, jobetnbe gungenS, golbgrüne Ratten, bieg unb 
noeb, meb,r mirb un§ ber gro£e <8irtuo3 unb feine fruchtbare Pantafte tn 
ber gmfjrobifata bor bie Stegen bringen: bagegen im Notturno Tabellen* 
gtöcfc^en, 2tlbt;örner am Slbenb, nab,enben ©türm, ftürsenbe SSaffer* 
fälle unb Satomen, bi§ sute|t bie erften belannten ©lochen rufen unb 
■ ber alte %ön \iä) murrenb roieber in feine Säften berrriec^t. ©ine 
feiner beften ffi omfjofitionen übertäubt aber fdjemt mir btö 3tanbo 9te. 3, 
roelcEjeg bon @u§ unb guter gorm unb toirllitf} gebanfenboll unb fjumo* 
riftifd) ift, einige ©emetnbläfee abgerechnet, bie fiel) leiber in allen feinen 




SB. 44. ©tf)tt>eiäeri)dje SlfyettMättge. 32S 

fomtoofitionen neben ben Jiu)nften f raftfteüen finben. 2Hg ettütö (£fja= 
rafteriftifdjeg mufj man noä) bie I)öcl)ft forgfam angegebene' SSortragg» 
beseiclmung auggeidmen. — $m tontponiften bon Sfa. 4 unb 8 macfien 
itrit bie erfte Vefanntfcfjaft eineg, fcr^eint eg, jungen Satentg, auf ben 
SifetS SJälje in ©enf nidjt.ofme ©influfc gettefen p fein fdjeint. $n 
SSerf 3 gefällt mir mancrjeg; bag anbete ift bagegen faum p (Snbe p 
bringen bor lauter anfangen unb in alter ptfidjt mißraten. ®ie £ar* 
monien @. 3 jitm ©djfafj Hingen gut unb fönnen gerechtfertigt roerben, 
bagegen bie gleicE) folgenben @. 4 roar)rr;aft fürct)terlicrj unb platt oben' 
brein. ®er tomponift arbeite bennocf) fleißig fort; eg läuft eine mufi» 
falifcrje 2tber in ü)m. — 2)ie Beiträge beg £rn. 3Ueg.finb tt3at)rfctjeinKii) 
auf ben SBunfct) beg Verleger« gefdjriebene arbeiten, über bie fiäj nict)tg 
fagen ffifjt. — 2>en 8toecf ber Sammlung, ber bocf) pnädjft auf Ver- 
gnügung unb Söilbung mittlerer Spieler ausgebt, erreicht bag Impromptu 
beg §rn. SMenfamp metjr afö bie im Stnfang genannten tompofitümen, 
p benen Virtuofenf)änbe gehören. @g befterjt aug einer artigen roob> 
ffingenben (SMeitung, bon ber man lieber otjne bag unterbreche 
unb auffjaftenbe SWegro in bag £b,ema lommen möchte, bem bier leiste 
Variationen mit einem Keinen ginale folgen, ßiefere ber tomponift 
nur §errlid§fteg; nur roerben'g auerlennen unb tragen ü)m nictjtg nact). 
®ag ©ioertiffement beg £rn. Spät 6, ift gut unb ernfü)aft angelegt, 
fällt aber balb in einen pf)fegmatifcrjen ©tjarafter, aul bem einen erft 
ba§> erfte Stjenta in etmag wieber tjeraugreifjt. $ag @ange gebort einer 
bergangenen Qät an. 

^acrjträglicfj. %n ber Ie|ten Sfonbofcljau bergaf; icl) beim 3lb» 
fdireiben beg IKanuffriptg bag Btonbo bon ®. ScrjunJe p ertoälmen. 
®ag alte Vrouülon borfudjenb fanb ict) barüber: „®ag 3fonbo beg §m. 
®. S. !ann man Schülerinnen aufg befte empfehlen; eg ift über eine 
(Sacuctja aug einem neufranjöfifdien Valtett gearbeitet, nett, Ieicf)t, lieb* 
lid), bie ginger bilbenb." 



21* 



324 3t- 45. Slu§ SSeettjobenS Sßadjfofc. — 9J. 46. Variationen für panoforte. 

45. 2lus SBeetfjooens 9tad)lajr. 

»©eufeer eines Ungeliebten«, bon ©.,9t. S3ürger. — »Sie laute . Stege«, bon : 

Berber. — gtoet ©efänge für eine ©ingfiinttne mit «Begleitung be§ ißianoforte. 

3ted) 23eetl)oben§ Driginalmanuifriöt. 

©ine einfache Sitetabfc^rift genügt, auf bie beiben ©efänge auf* 
metlfam p machen. Btoeifle ict) mt$, ob fie S3eetf)ooen bei feinen Seb* 
geiten noä) beröf f entfidjt ijätte, ba nämtitf) ber erftere einet öfteren ©poc^e 
feiner fünft angehört, fo fiHjft man audj ljier an einzelnen ®ruäen bie 
3iiefenfjanb, ber nun einmal atle3 gelang. ®er »©eufjer eine§ UnglM» 
liefen« Hingt etwa§ geftfnnaättoä unb gofjfig im ®ebiä)t; in ber Sftuftf 
fällt ganj befonbetS bie %tfi$feit auf, welche bie fomponierten SBorte 
„SBß&tf idj, bafs bu mtdj lieb unb wert ein bi^en luelteft", mit ber 
£auptmelobie in 33eetf)oben§ «ßljcmtafie für Äfatrier mit ©jor unb, will 
man toeiter get)en, mit ber %um legten <3a| feiner 9. Sinfonie l)aben, 
3n allem S3epg bebeutenber ift bie »flage ber Turteltaube« unb.burdj« 
auS'Seetyoüeräfä.. 9ta gegen 2 Safte (@. 15, %. 2 bi§ 3) formte man 
$erbaä)t liegen, ob fi$ nitf)t eine Unbeutttcpit be§ 3Jlanufrript3 ein» 
gefcE)tic^en IjdSe. $nbe3 ^tafst bie etwa§ muffelige Sftobulation ber SSorte 
Wegen audj. 

3n berfelben aSerIag§b,anbIung erfdnen foeben eine neue Auflage 
bom frönen, liefen »91benblieb unterm geftirnten pnmet«, an htm 
man fid) bon neuem ergeben wolle. 



46. SSortattoneit füt Ponoforte. 

S. §orwife, ©inleitung unb SSariat. über ein £i)ema bon SSeber. SBerf 19. — 
%. §artntann, SSariat. über ein St)ema öon SRoffini. SBerl 23. — 91. $. Sabbat, 
«Brillante SSariat. über ein Xtjetna Bon Stobelli. SBer! 5. — %x. Vurgmütter, 
«Brillante SSariat. über ein Beliebtes SDjema. SBer! 33. — 3- Stnbre, SSariat. über 
ein 3$ema öon S3ettini }it 4 £änben. SBerf 25. - S. g. Kitt, SSariat. über 
»2tn Slter^ ufh>.« SBerl 25. — 3- ». SrogutSH, ^antafte unb SSariat. über 
eine Srafobienne. SBerl 1. - S. £. §enfet, 12 Variationen. — 3R. 33ernarb, 
SSariat. über ein ruffifdjeä Xtjema. — ©. ©ttäljaufen, SSariat. über ein Sfjenta 
bon ©traufs ju 4 §änben. SBerf 49. - 3?. Segranb, Einleitung unb brillante 
SSariat. über ein Originaltf)enta. SBerf 1. — S- 2luton SBeber, SSariat. über 
■ »2fa «lejtä.« SBerf 6. 

®er tieret)rte Sefer weift, wie wir fein Qntereffe an fo überfielen 
Strtileln burä) eine gewiffe gtangorbnuug ber Sonnummern %u fteigern 



9fc 46. Variationen für Sßtanoforte. 325 

Heben, fo ba& er bie beften immer ple|t gefeiert erfjält, r>ute fjaben 
unS inbeS bie SJomfconiften felbfi beS oft fd^roierigen 3tubrigierenS über- 
hoben nnb fie faft fämttid§ mit fo gleicher Vegeifterung gearbeitet, ba% 
roir nur blinb Eingreifen tonnen unb feinem Unrecrjt ju tun glauben 
burtf) .ßu-früfj-nennen. 

eröffne benn $r. £orrot| ben unfterblic§en Zeigen! ©eine Va- 
riationen finb bielleicrjt urfbrünglidj für eine glöte unb fbäter aufs ®Iabier 
übertragen; ein orbentlidier 9tegenfent r,at nichts, als fie „fetdjt, Habier- 
gemäfc, für tjäuSüdje giriel Jmffenb" p finben. §r. £artmann unter- 
treibet fidj roenig bon feinem Vorgänger, in ber 3. Variation aufge- 
nommen, bie einen Junten 9Mobie geigt unb einige ©timmenfütirung. 
Quinten finb ttidjt im SSerfe. Stnerlennung berbienen aueb, bie Ver- 
änberungen beS £rn. äapip at, eines mutmapdjen ©c^üierg bon ©gernü; 
er rootlte für Dilettanten fdjreiben, unb eS ift üjm gelungen. STucb, baS 
33. 33er! beS £rn. Vurgmüiler, ber in ©nglanb einen ftar!en JRuf 
geniest, finb Variationen unb Ijetjjt »Mon Ketour de la Suisse«. ^n ber 
©^roeig gibt'S r,orje Verge unb tiefe Safer, bon benen man lernen tann; 
fomponiften füllten nie bon bort gurü(ßef;ren. Dagegen berfe|t uns 
ba§ folgenbe auf ein VetlinifctjeS Zfyema gebaute Variation^ eft nac§ 
Stauen, roie eS ja aueb, eine ausgedrehte Zitrone tut. ©in ,®ntb,ufiaft ber- 
farad} einmal, über baS „ga" einer ©cfjaufyieierin, baS i^r in einem 
Srauerftnel befonberS gelungen, gange Vücfjer gu fdjreiben: berfuä)' er 
feine 9fteifterfd)aft an neuen Variationen, ob fie ü)n niettf beruht. Die 
fotgenben Variationen über §immelS »Stn SHejiS fenb' iäj bid)« finb 
„allen liebenSroürbigen panofortefrieterinnen b,od§acE)tungSboa" ge- 
roibmet, alfo ber größten £at)I ber ©Mieterinnen; bie Heinere tonnte man- 
ches an ifmen ausfegen, rootlte fie fid) rächen; p berroerfen finb fie inbeS 
nidjt. §r.bon trogulsfi bebütiert gang leiblid), roenn aud) in einer 
Nebenrolle; baS »9Migiofo« ©.5 erinnert an SßeberS ©djmmmerarie 
im »greif d)ü|«; fonft geb,t eS, bis auf eine paffabet W<|e Einleitung 
immer la la, li li, tu tu u. f. f. — (Snblid) flogen roir auf etroaS Originelles' 
unb ber Sefer fiefjt rafd) in bie £öf,e nacb, bem Sitet, — roenn aueb, nur 
auf einen Moniten Site!; benn ber ^nrjalt ift mötfaäfit gaf,m unb 
breit, unb ber ^omponift, 12 Variationen fjinburd), in fein £f,ema 
orbentlid) berliebt, ba% er gar nid)t laffen tann bon ber erften Harmonie 
unb ber Sintert. (Snblid) aber, im ®oba, geigt er, ba% er aud) ins geug 
gefjen lönne unb übergeben, unb nun mobutiert er in einem SÜem bon 
@-bur aus burd) gis-molt— D-bur— V-bur— (Ss-bur— V-bur— 2t-moÜ— 



326 3t 46. Variationen für pcraöf orte. 

f^bur— S-imr— @g-iwa— V<bur— 2lmtott— gi§*but— §=but— ©§=bur— 
3t§ sm0 Ii— ©t§=moII— 2)i§mtoIt unb einige anbete ©obbelfreustonarten, 
big nrir unbermutet hiebet im freunblid)en @4>ur fielen. Stuffaltenb 
ift noebj bie Vemerfung über Variat. V „ben Vtaniff.» u. gortiff.=8ug ^ 

famnten". 

®ie ttodj §u 6eft>redjenben Variationen finb mit. einiger 23ut toeniger 
anhören; bie be§ £>rn. Vernarb jroar augenfcrjeinlüb nidjt originell 
u. bgt., aber gefällig, mobifcb, mittetfcfjroet unb brillant unb nirgenb§ 
fo trofttoS platt atö bie meiften ber borigen. Qn Variat. 1, Saft 16 ftebt 
ein geilet; über bie Quinten @. 7 im lebten Salt finb feine SBorte %u 
bertieren. ®ie Variationen be§ §rn. (Sncfbaufen ergeben fitü eben» 
falls nitgenb§ §u f unftroetfen, unb ba$ ©traute %fyma ift batinernft* 
jjaft genug bearbeitet, inbeS finb fie pbfdj, folib,. meIobiö§ unb pnt 
©urdjftriektt mit ©Gütern too^I geeignet. Drbenttiä)e tonäertbariationen 
in ©gernb=St)albergfcber äöeife finbet man im erften äöert be§ £rn. Se* 
granb unb trofe mannen Vombafteg ®e\ä)maä unb (Srfinbung im 
Vaffagentoerf unb überbauet eine leicht fügenbe unb orbnenbe §anb. 
9Jlufifalifä)en eigentlichen ®e$aft baben bie smeite unb bierte Variation 
ben meiften, obtoobt ben anbern ber größere Veifatl be§ Vubtifum§ 
folgen toirb. 9to unb nict)t gut ift e§, baft Einleitung unb finale au§ %, 
toäbrenb £bema unb Variationen au§ 2l§ geben. Vei bet f crattniä,. bie 
ber Sombonift bon feinem ^nftrument befifet, unb ben Seiten bon 
Salent, bie fiä) fonft betraten,, fteben nodj funftroürbigere 9fa(fif olger ju 
erroarten. ®en bieten iombonierenben SSSebetS gefeilt ftdj. biet noebj 
ein gtiebtiä) Slnton %u, inbeffen Variationen mir einen guten 9Jhxfifet 
embfeblen Jönnert. «Sie finb nii^t etroa ungeheuer unb fotten'g auet) nidEjt 
fein, aber bem Sbema angebaut, Aar, roabt unb oft innig unb bon gartet 
©mbfinbung. 28ir fagen barüber ntc^t mebr, afö jeber, ber fie, auf* 
merlfam burebgebt, felbft fagen toitb, — bereu e§ recf)t biete geben 
möge. 22. 



3t. 47. (Megenljeitötmtfif für panoforte. 327 

47. (Eine SSifioit. 
©clegett^ettgwttfiJ für pmtoforie 572 . 

g. I. ©Ijotef, aSctriattotteit üBer ein Xljema au§ >Sucia bon Samtnermoor« bon 

Sontsetti. äBerf 24. 
§. Senebtct, Sßljantafte üBer SKotibe au§ ber Ober. »Fair Rosamond« bot! 

3f. SBarnett. SBerf 28. 
§. §erj, pantofte unb Sartat. für Sßfte. mit ^Begleitung be§ großen ördjefter ÜBer 

ein gfjenta au§ »9Jorma« bon SBettitti. 28erf 90. 
§. Sertint, ©rofje «ß^antafie üBer bie bon 3Ju6ini in bie »Straniera« eingelegte 

ftaöarme. SSerf 113. 
SerfelBe, SSriEante «ßt)antafie üBer S^emaS a. b. »SJSoftiHon bon Sonjutneau« 

bon Slbam. SBerf 116. 
8. ©djtnttt, 5ßt)antafte (ju 4 gmnben) üBer £J)ema§ au3 ben »Hugenotten« bon 

SKetjerfieer. SBerf 261. 
SerfelBe, ©ibertiffement (ju 4 §bn.) üBer SfjemaS a. b. »Soirees mus.« b. 8toffhtt. 
$. 5ß- ?tji§, *ßf)antafie unb Sartat. (ju 4 §änben) üBer ein Sttett a. b. »SIi|« 

bon §alebt|. 2Berr 133. 

■Sentnergettridjte an fo leidfite Sßare legen, »er toürbe ba§? Qnbe3 
»erlangt audj eine gute ©aton* unb (Megentieitömufit ifire Reiftet*, 
unb foltte iä) ba jemanbem ben $ret§ jugeftefien, fo mär' e§ bodj hrieber 
§. 33., ber fidj auf ba§ (Sntgüden berfteljt tüte irgenbeiner, in ber Unter* 
Haltung plöpct) toie gerftreut aBMdjt, ein Sergerol aus ber Safere jiet)t 
ftatt be§ Su(i)e§, üBer ®o£fit>et) Magt unb pfefet alfe§ in. einer ®cäoppabe 
toeg* unb niebertangt. etttaS.nteljr int §intergrunbe fte^t £. £>•, oBtoot)! 
mit beut freuj ber (Sf)renfegion gefdjmücft 573 , feine ©tirne ift feidjt um» 
mölft, fein 23Iicf milb, er Befeuert fitf) üBer UnbanIBarteit ber SSeft, 
bie ü)m fcfjon fo biet feiige «Stunben %u berban!en. „3ßa§ ftrirb ttodj au§> 
bem toerben", flüftert eine ©ante einer gleiten in§ Ojr, „er fyat orbent» 
ßdje Seiben§furd)en im .©efidjt BeSommen." „StBer, tref fünfter §err 
(&).", raunt it)m jemanb in bie Dtjren, „in meinem altmobifdjen %xaä 
erfreuten Sie!. (Suchen ©te.fortpfommen! 9111er Slugen fefc/ icfj f(f)ort - 
auf Sie gerietet." StnberS §err & 33., er möchte ftd) bor einigen Sorbg, 
mit beneu er eBen fyricEjt, gerabegu auf bie @rbe nieberfegen unb ber» 
fiebert itinen, nur Bei Ü)m fönnten fie in furger £eit 9Jhtftf unb feine 
®om£ofitionen fernen, im ©djlafe fetire er ümen alfel. Sie £orb§ jagen 
freunblicE) p. gtt einer Mt fifct §err ©., fimpel, oBnio^l anftanbig ge* 
Heibet, ber 33efte bon alten. „3feffmi ift ein ©enie", meint er, „feine 
(Soireen ein 9tulBunb bon Ste&enStüürbigMt." gufe|t tritt %. ein. 
„(Sin guter SOhtfifer", ftüftert man firf) ju. StucE) bu, mein 33rutu3? „®ie 



328 9i- 47. <Megettf)ett§imtftf für «ßimtoforte. - 3t 48. 3«6um für «ßtcmoforte. 

Verleger toolten'S nun einmal fo." — (Snblid) pü)t X. ein aStatt au§ 
ber Safere: „®a§ finb roieber einmal 3fe§enfionen in ber bleuen." — 
„Sßat)rr;aftig, Rängen foltte man fie", meinte ein anbetet roitb. Qum 
Sdjlufj rourbe biet getanjt. 

48. Album du Pianiste. 

®a§ ©ute unb Serjone rotegt in biefem 9Itbum über; e§ unbebingt 
empfehlen p fönnen, münzte id) nur bie Variationen bon Qacqueä 
§ers f)erau§, bie, roie ba$ 3Jkd)roerf immer, neben SluSgejeicrjnetem 
fic^ nun erft reetjt elenb ausnehmen. So get)t e3 un§ ®eutfd)en aber, 
bie roir in folctje Sammlungen gern bon allem etroa§ f)ineinpaclen möchten, 
SotibeS, £eid)te3, Sd)roere§, 3Jlobifd)e§ unb nun auefi, etroa§ für bie 
SHimperer. SSie leid)t liefse fiä) in einer Stabt roie Berlin ein ge= 
roanbter Sünftter finben, ber eine foldje Sammlung anporbnen, bie 
23tumen finnboll p einem frattg p berbinben roüfjte, fo aber fann 
einem eine Verunzierung, roie bie QacqueS £er§fd)e, gleid) bie ptfte 
be§ übrigen berleiben, unb mufj man e§ obenbrein nod) bellen. 

3Ba§ bem Sttbum bie meiften Säufer berfdjaffen roirb, ift rool)t nament* 
lid) ba§ burd) Slara SSied berr,errtid)te Stnbante mit (Stube in £*bur 
bon 2tboItol) £enfett. ®em anbaute roüfcte id) nid)t§ at§ eines jener 
fä)önften Sonetten bon Petrarca, ba$ fid) mit ben SBorten „benedetto sial 
giorno" ufro. anfängt, an bie Seite p fe|en; e§ fud)t feine§gteid)en. 
®ie (Stube, p anberer Stunbe erfunben unb in leiner tieferen S3e§ie= 
Ijung pm Slnbante gebaut, bringt e§ aber beim Sufprer au§ bem ^er^en 
in bie §änbe, unb it)re SSirluug ift roie belannt bie altgemeinfte, bafs 
altes burd)einanber ftoridjt borgreube. ®er tombonift roar lange im 
Sroeifet, ob er bie 2Mobie ber (Stube bor jener gro|roogigen Begleitung 
nid)t erft in einfacherer borfülrten foltte, roobon id) üjm befdjeibenttid) 
abriet, au§ mehren ©rünben, bon benen ber eine, bafj bie (Stube bann 
eine metrr bariatu>n§ät)nlid)e SBirfung b,erborbräd)te, itmt am meiften 
p gefallen fdjien. Seiber muft man ba§ Stücl je|t in allen mögtidjen 
©efellfd)aften p fjören belommen, roie benn neulid) ein armes gräulein 
an itmt roie an einem fetteren eifernen Mafien fd)ob, ber mdjt bon ber 
Stelle roollte. 

SouiS Verger b,at mit brei furzen (Stjaralterftüden: »L'inno- 
cenza«, »il Cordoglio « unb »Rondo capriccioso« beigefteuert, bie 
bietfeid)t fdjon bor längerer Seit gefcljrteben fein mögen. ®a§ peite, 



31. 48. StlBum für pmtoforte. 329 

»il Cordoglio«, »ba§ £>ergeleib«, roecft ju innigem SInteil; ba§ 9?onbo 
fängt etroa3 alimobifcf) an, nimmt jebocb/ fjmter ein eigene^ Sßefen an, 
ba§ big §um ©ctjluf? feffett unb bie Übetfäjtift rechtfertigt. 

SSon (£r)ofnn enthält ba§ 2tlbum ein Notturno, ben Siebter in 
ben erften Saften üerratenb. S)er ©efang be3 erften 23erfe§ (man fann 
eg fo Reißen) ift mögticrjft jart unb roor)iIautenb; mattet bagegen, wie 
©rjofrinä jroeite ©rfinbung fo rjäufig, ber jroeite. £>en ©crjluft fjalte idj 
für fbäter angefe|t. 

®ie Variationen über »Kule Britannia« üonSJcofcrjeleg, Kramer, 
Rummel unb Äaltbrenner geroinnen gntereffe burcfj gufatnmen» 
ftellung unb fprectjen für tfjre üomponiften. ®a§ Sfjema ift aber feine§ 
breimatigen StnfangS im §auptton roegen eines ber unglücflicr)ften jum 
bariieren. 

Einer Einleitung mit ^olonäfe bon ®alf brennet Jann icf; 
nur roenig ©efcrjmacf abgewinnen; e§ fliegt, lann aber raunt enben. 

©in Heiner ©crjerjo bon SJcenbeBforju, fctjon früher al§ Beilage 
gut „berliner SKtg.SUuf. Leitung" abgebrucft, mact)t fitfj trot} feiner JfMrje 
ober bielmefjr wegen ü)r geltenb. (£3 lägt fidj faum geiftreicrjer fein in 
fo roenig ©etunben. 

Ebenfalls Jener Sdtoß entlehnt ift eine »Üxrjatofobie djatubetre« 
bon 3Jiofct)eIe§, bereu Sljaraftet mir inbeg etroa§ au|er ber ©pfjäre be§ 
f omboniften ju liegen fdjeint. Qmmerrjin läfjt \iä) aucfj an ü)r, namentiicr) 
an güfrmng ber SSäffe, be§ SJceiftetS Slrt erfennen. '■ 

S)a§ ©djergo bon Seidiger ift artig unb r)äft fidj auf anmutiger 
Oberfläche. 

Sunt ©crjlug, ba bie 3teü)enfotge ber ©iücte alf)t)abetifcf) nact) bm 
tarnen ber ^omboniften, folgt ein Capriccio bon Saubert, ba§ an 
p großer Sänge unb, roitl e§ mir fctjeinen, an einer geroiffen ^ßrofa leibet, 
fo treffliche ©teilen unb einzelnes ©ä)ön»Überrafcl)enbe e§ anberfeitg 
aud) t)at. Studj roäre ber Vorwurf gu grofjer @d)roierigfeit bei geringer 
©antbarteit, ben ü)m SSirtuofen bielteic£)t machen, lein gang unbegrünbeter. 

9113 Zugabe folgen lomf3ofition§*gac» ©imiliaS bon .©fwntini, 
SJceberbeer, 3)lofcrjeie§, §ummel unb ©ramer unb gule|}t einfet»r in= 
tereffanteS luftige^ Sableau bon bieten ^unbert 'StonenSgügen lebenber 
ober geftorbener, befannter ober uubefannter ftomponiften. SSon erfteren 
getctjnet ftct) ber $aganini§ al§ roarjtfjaft btaBoItfct) au§, roär)renb ba3 
Stuge mit Vergnügen auf $. ©. VÖaäiS. „@onntag§t)aub", rote geltet; 
fagt, unb ber genialifcrj gezogenen be§ ^ringen £oufö bon Sßreufjen ber» 



330 9f- 48. Wbum für 5ßtattoforte — 9£. 49. Qu ben ntufifal. »«lagen. 

ioeilt. SJterfroürbig mit ifjren gtoie§fen Sergierungen unb bon anbeten 
Mannten betrieben ift auct) bie bon Seetfjoben mitgeteilte. 'Stö-Za* 
bleau gemäht einen artigen geitbertreib, pmat bie §anbfcf)riften richtig 
unb treu nacrjgegeicrmei Jinb, roie Referent mit ©Freden an feiner eige- 
nen roa^rnimmt, bie it)m rjöcr]ften§ ein ©rjamboltüm 575 ober eine (Me= 
liebte t>eran§finbet. ■ 9t @. 



49. 3u ben ntufifoltföeit Beilagen betreuen 3ettf<3jttft 

fürSRuftf. 

3lǤ bet fittlabuttg. 

£auptfacr)tict) fjoffen mir, buret) ba% Unternehmen jungen ialent» 
bollen Somboniften, benen ber S8eg pt Öffentlicfjfeit meiften§ fo fet)r 
berföerrt ift, nü|lid) p. roerben; muf? fä)on bie gjufnatjme ifjrer tont» 
pofitionen an ficE) afö eine 31u3seict)nung betrautet »erben, fo lann e§ 
auct) geroifj !aum ein raf ct)ere§ unb ficb,erere3 bittet pr S3ef anntntadmng 
ü)re§ ^amen§ geben aß eine bon Saufenben gelefene geitfcrjrift. %üx 
ben Sefer, für ben jungen Sünftter roie für un§ tjaben Settagen aber noeb, 
einen £aubtborteiI. ©erabe itjnen roerben roir bie ftrengfte fritiferje 2tuf= 
mettfamfeit roibmen, ©crjöntjeiten unb Mängel, foroeit ficE» bie§ buret) 
SSorte tun läfjt, gerabe tjier nactjroeifen, roo ber Sefer, bie üom|)ofitionen 
neben fiel), (Stritt bor «Schritt nachfolgen fann unb ben ©egenftanb be§ 
Urteifö bor 9lugen ftefjen rjat. ®a§ Urteil bielfeitiger unb fefter p freuen,, 
roerben roir batjer aud) oft bie bon un§ pr Slufnarjme in bie .geitfcrjrift 
beftimmten tomüofitionen bortjer mehreren unferer fätjigften Mitarbeiter 
mitteilen unb berfcrjiebene SReinungen mit 9camen§unterfcrjrift neben» 
einanber abbruefen laffen. ©o b,aben roir aueb, im «Sinne, afö pette 
Seilage ein £>eft tomfjofitionen beSfelben ©ebict)te§, btö feinergett 
in biefen blättern abgebrueft roerben foll, beizugeben unb bte Sieber 
ftufenroeife bom mangelhaften bfö gum gelungenen übereinanber p 
ftellen. <S3 lann niä)t fehlen, bafc bieg jung unb alt pr £eitnat)me an= 
regen, überall nü|en unb intereffieren roirb. SIber auct) ber alten Seit 
foll gebaut roerben. 9camentticr) liegt un§ an Verbreitung bieler noct) 
ungebruefter tomüofitionen bon 3. @. Sact), bereu fiel) bereit? einige 
ber t)errtid)ften in unferm Sefi| befinben. Über manche anbere parte, 
bie roir mit biefen Seilagen in SSerbinbung p bringen gebenlen, roerben 
roir fbäter nodj au3füfjrlict)er fbredjen 576 .! 



$i. 49. Qu ben muftfalifd&en SBetfogeit. 331 

#eft II. 

ÜRenbelSfo^n, »ptgenlieb.« — £>. Sorenj, »2Rignoh§ Sieb«. — ©t. geller,. 

Seutfdje Sän^e für panoforte. — §. SS. Steffel, .»©eiftltdjeg Sieb« unb »<Sr-- 

tmmterung«, ©ejänge für 4 SKcmnerftramten. — SR. ©äjutnann, gntertneääo 

für panoforte. 

gürS erfie botieren mir bem Verleger einen ®anf für ba§ artige . 
Titelblatt im ^ofofügefdmtacf, ber ebenbeSttalb neu. Sin. Stotterig* 
getutet !ann fiä) tiefe gmeite Beilage mit ber erften freutet) ntdjt meffen, 
unb e§ ift ja eben 83eftimmung biefer ^Beilagen, auf Unbefanntere auf* 
merlfam ju matten. ®oct) fiebt, auetj auf bem Stiel, ein befannter unb 
tpdjbereijrter Stone über bie anbern tjerbor. SDa§»$agenIieb« galten 
mir für fetjr tieben§mürbig in feiner ©rajie, feinem leictjtfecfen Son; 
man fiebt ben SSurfcfyen tuftmanbetn, unb e§ mit! iljnt gar nicfjt au§ bem 
©ebanlen: „SBenn bie- Sonne lieblicb, fdjiene tüte in äBelfdjfanb lau unb 
blau ufto.". Um fo ernfter nimmt fic§ bagegen 9JUgnon3 tiefe @elm= 
fuct)t nadj bem ©üben au§; ein QufaU lieft bie beiben Sieber au§ gleicher 
Sonart get)en. @§ tjat un§ an ber SJontbofition biefeg fo oft unb oft un* 
gmctlict) in SJhtfit gefegten Siebes au§ »SBiujelm äMfter« bie einfache, 
ber Situation- entfprectjenbe Stuffaffung febr jufagen motten, toenn un§ 
auet) bie 9Mobie f)iex unb ba nicfyt ganj frei unb fojufagen bon ber 
©timme geboten erfdjemt, in meinem Sejug moljt bie 23eetbobenfci)e 
■tompofition afö SKufter aufstellen ift. ®er 9tone ,be§ befct)eibenen 
fenntni§reict)en ®omboniften toirb bem. Sefer au§ manchem 2tuffa| ber 
Seitfdjrift belannt fein. 

gn ben »®eutf dien Sängen« bon (Stehen geller treffen mir fietjer 
auf nicfjtg 2luf3ergetüöf)nli(i)e§; fie finb eben, ma§ fie fein toolten, natbe 
leitete Sanptelobien, toie fie fiel) ettoa $. ^aufö SSalt bor beginn be§ 
SarbentanjeS (in ben »glegetjat)ren« ) borfang. ©o fei auet) ber Vortrag 
biefer Sanbler (bieg finb menigften§ bie §mei Ie|ten) leife, gart, nactj 
innen gerietet. ®er fom|)onift tjat moi)t ©röfjereg unb SSebeutenbereg 
febon berborgebractit, bon. bem aueb, in ber $eitfd)rift bereits bie 9tebe 
toar; leiber fompouiert er aber überhaupt §u menig in Söetradjt feiner 
fdjnetten .brobuftiben Straft. SSon feinen Seben§umftanben miffen mir 
fo biet, bafs er ein geborner Ungar, bon ünbrjeit pro SMfter be= 
ftimmt unb fetjon in frühem gabren in mehreren beutfetjen ©tobten 
öffentlich aufgetreten, §ur§eit lebt er in SlugSburg. 

®er Uomfmnift ber beiben ©efänge »©eiftlic^eS Sieb« unb »Gür* 
munterung« ift Drgantft in Flensburg unb aU ©rjielier einer talent* 



332 91. 49. Sit bett tmtfiMtiffjett SBeitogen. 

bolten Softer audj in biefen blättern Bereite ermahnt, ©eine SSeiträge 
forecfjen einen biebern, beutfdtjen unb eigentümlichen ©jaraftet au§. gm 
»geiftticejen Sieb« gefällt un§ weniger bie SMobie an fid), afö bie retigiöfe 
Haftung beg ©angen; ba^xi entftitidjt bie djarafteriftifcfje 33etoegung beut 
Sinn ber Söorte; eS iffc offenbar für eine tiefe SSafpmtne. £>er bier* 
ftimmige ©efang fdjeint un§ frifcb, unb toxämoßüoü; fdjim eigentümtict) 
nrirb er erft in ber §tt»eiten §älfte; ^Beübungen in ben legten fedjS Saften 
finb überrafdjenb, babei natürlich. 

®en testen Beitrag erftart unb entfc£)ulbigt ba§ SJcotto au§'»S0lac* 
betb,« in einiger §inficE)t ; e§ ift ein 33rucl)ftü<I au§ einem größeren @a|, 
too er noeb, mein* al§ Ijter ben ©inbruef eines nutben pjjantafttf djen ©djatten« 
ftriefö t)intertaffen mag 577 . Ser tomfoonift ttünfdjte nid)t, baß man 
bie SRufif für eine Unterlage be§ angeführten 3Jtotto§ hielte, e§ ift 
umgeletirt, er fanb erft fbäter jene bem Sinne ber 3Jlufif naljelommenben 
Sßorte. 

©djliepd) laben mir nodmtal§ nalje unb ferne tunftgenoffen ju 
ßinfenbung bon Beiträgen freunblid) ein; bie greube über ein neu ent* 
bedteä Salent, ba$ toir auf biefem SSege rafdjer als fonft in bie Offent» 
Iid)Ieit einzuführen meinen, §ät)ten mir §u unfern liebften, 

Sie Sftebaftion. 

§eftIII. 

.$. ©areta, »Sie SapeUe.« — 3. <ffl.att)iiui, »SrmHteb.« — St. §enfelt, 
Stttt-rontpüt. — S. Serger, »§ofer«, Sieb, einftimmig unb toierftimmig. 

SSietleidjt banft un§ ber Sefer, tt>a§ mir ifnn im britten ©eft unferer 
Beilagen äufammengeftellt, Sonftüde ber berfdjiebenften Sttt in gorm 
unb ©jarafter, barunter Sinei mit froeiblidjen tarnen, bie in neuefter 
£eit bie 2tufmerrfamfeit ber mufifatifdjen SSelt in l)ol)em ©rabe auf ftdj 
geteuft. Ober ^ßauline ©arcia t)aben biefe Blatter jdjon an mehren 
Drten berietet. 2113 ©angerin ü)rer berühmten ®d)tt>efter nadjftrebenb, 
in ber tombofition Ü)r bielleidjt überlegen, fdjeint fie aud) bent le|tern 
unb fi^em Sulent bie größere Sorgfalt pptbenben. S)a§ Sieb ift 
mertwürbig, atö ein beutfd)e§ Sieb bon einer Spanierin lomboniert, 
bann burd) ftcE» felbft in feiner ©eftattung unb Stbrunbung. ®ie gjhtftlerm 
Ijat baS SSilb be§ ®id)ter§ big in§ gartefte ausgemalt unb (Signet ijinsu* 
getan, inbem fie ben §irtenfttaben im Anfang fingenb einführt. ®a§ 
leitete mag bielleid)t etn>a§ fbietenb erfd)einen; im ©egenfa| aber 
pr ru^enben Sanbfdjaft, bie ber ®id)ter bor un§ ausgebreitet, treten 



mm 



3t. 49. Qu ben tnuftMifdjen SSetfagen. 333 

bie ®ontrafte nun um fo febenbiger bor. jftadj bem ©cfilufj Ijitt berfdjtoinbet 
ber ©efang be§ §irtenfnaben aügemad) unb Hingt tote ein ©c£)0 nur in 
bei Begleitung t)ter unb ba; es ift, als ob bas ©IMIein feinen ©efang 
immer met)r übertöne, ©in Bortrag, toie er ber tombonifttn eigen, 
eine (Stimme, toie tt)re aus bem Qnnerften Jommenb, toerben bem Sieb 
bie rechte gärbung unb Bebeutung geben 578 . 

@e£jr berfctneben bon btm Beitrag biefer reiä)begabten Mnftterin 
ift ber einer anbern, ein Srinllieb, unb noö) met>r eines in ®möii. 
Steint mir biefe bunflere, faft toilb auftretenbe Sonart audj nidjt bom 
.©ebtcfjt geboten, bas Reiter unb fcrjönfinnig pr SBerttjaftung unferer 
teuerften (Mter aufforbert, fo mag bie Sluffaffung ber tomponifün afö 
ein geilen ber $eit angefetjen unb ötelletcEjt aus jener roetblidjen ®idjter= 
fdjufe hergeleitet toerben, bie toir aus IRa^etö unb Bettinas ©Triften 
fennen. 38er bie tomtooniftin, ü)re mufiMifdje, burtfjaus toeiblicfje 
9?atur genauer fdjägen fernen toilt, mag es aus ü)ren bor turpem er* 
fcfjienenen Sieberf)eften, bie ber innigften Slnerfennung toiirbig, toie fie 
fie bereits überall gefunben tjaben. 

(Sin Meines <5tM bon §enf elt ruft tt)n uns in feiner gangen Siebend 
toürbigfett ins ©ebädjtntl; e§ ift boIMiebmafug unb ffmcrjt ficrj bolt* 
lommen aus in ben toenigen Saiten, (£r folfte fcEjtoäcfjern unb Ifemern 
£>änben mefjr bergfeidjen geben. 

®es te|tern Beitrages notf) ju ertoäbnen, fo fbricfjt er für ftdj burcfj 
ben tarnen feine§ SMfters; uns toiegt fo ein Sieb in feiner ttrfprüng* 
Itcrjteit, feiner tjerrlicfi, tiefen 3teüu)eit gange Dbern auf, tote fie uns aus" 
bem 2tuslanb lommen. %n ber erften ©rfinbung föieint bas Sieb für eine 
Stimme gebaut; bie reifere bierftimmige f ofne r)ebt aber bie äßirfurtg 
um ein bebeutenbes. (Sine toomögticrj febenbige SSergfetcfjung ber beiben 
Bearbeitungen muf3 SJfufiffreunben bon großem Qntereffe fein. 

$eft IV. 

SSegque bon Tuttlingen, »Sie ©etfterinfel« Bon £. $eme für 1 ©ingftttnme 
mit Sßtonoforte. — Seobolb ©djefer, »©eneralbeitfjte« Don ©oetfie für 
3 ©thronen. - Sofe.bJ) eigner, »Xrauermarfclj« aug beffen neuefter SßaffionS- 
ntuftf für bog Sßianoforte eingerichtet. — gofepljine Song, »Sag SroumBilb« 
bon §. $eim für 1 ©tngftintjne mit panoforte. 

S)er erfte Beitrag rüijrt bon einem Dilettanten !)er, einem r)oä)= 
gefreuten Beamten in SSien, ber fid) nod) unlängft auf ber bortigen erften 
Büfjne aucfj in ber Dpex berfudjt. Ober feine Seiftungen im Sieberfadje 



334 91- 49. gu ben muftMifdjett Setlagen. 

tjat bie Beitfc^rtft bereitg früher bettetet, granj ©Rubelt fcrjeint ntdjt 
or)ne (Sinflufj auf ben tomponiften geroefen p fein, tüte anbererfeitg feine 
BMobte oft an itatienifcrje erinnert; eine a3emertung, bie man an meieren 
fübbeutfctjen Somboniften, tote Sahnet, Stjalberg, $xoä) u. a. machen 
tann. ®em (Sinne be§ «peinefcrjen ©ebicrjteg enifprecrjenb ift e§ ber 
graue, trübe £on ber SJcufit, ber bie SBirlung ber ^ompofition mctcfjt; 
bon ben SBorten entfleibet, erfäjiene fie allerbingS etroag einförmig, unb 
rjarmoniearm. 

®er 9?ame be§ SBerfafferg beg gleiten Beitrages ift root)I ein all- 
belannter; gern f)ätten roir bem Sefer eine größere *ßrobe feiner gele- 
genen mufilafifc£)en Silbung gegeben, roenn eg ber ffmrfam pgemeffene 
9?aum unferer Beilagen geftattet rjätte. erfreue man fiä) aucb, bet Meinen 
®c&e beg SKdjtetSl ®ie ttberfcfjrift „mit $atf)o3" roar nötig; fie be* 
jeidmet Wla$ unb 9Iu§brucE, in bem ber ©efang borptragen, auf ba§> 
beftimmtefte. Sluffaltenb erfctjeint eg, ba$ er nur für brei Stimmen 
gefegt ift. ■■ . " 

SSon ^ofefDt) eigner ift nur roenig befannt; roir geben rjier einen: 
StuSjug aug einem größeren Söerte, über bag unfer SBarf^auer torrefpon* 
bent in 9?r. 27 b. SSanbeg bag 2tugfüb,rtid)ere mit roarmer Seünarjme 
berietet. Sag Arrangement Ratten mir reicher unb bollfthnmiger 
geroünfc^t. 

®ag Sieb bon ^ofepfjine Sang ift ein feineg, äufjerft jarteg ©e* 
roäcrjg, ba§ roir ber aufmerffamen S5etrad)tung beg-Seferg anempfehlen; 
eg gefällt ung burct)au3 in feiner gnnigfeit, namentüdj ba, ioo eg in§ 
e=bur augroeictjt, roie benn bag ©an§e feljr augbrucEgboit befiamiert ift. 
2ÖIeg SSorjüge, bie man in einem bor furjem bei £aglinger erfcE)ienenen 
Siebente nocb, garjlreicEjer antreffen roirb; bagfelbe §eft enthält aucb, 
eine üompofition beg bon bem äftaratfieimer SJlufif bereut au§gefd)rie= 
benen $reiggebic£)tg, bie mir gteidtfaü'g unter allen mir gugelommenen 
afö bie am innigften unb eigentümli^ften aufgefaßte erf<ä)ienen. ®ie SSer- 
fafferin, nocf) feljr jung, lebt meifteng in Sluggburg 579 . 



3?. 50. Sinfonien. 335 

50. Sinfonien 580 . 

Stuf bem ©ebiete bei; Sinfonie begegnen mir juerft einem feljr ac£)t» 
baten ©rftlingSmerfe eine§ jungen berliner Somponiften, Sftßljring. SSon 
feiner Sinfonie mar e§ namentlich ber erfte Sa|, ber fitf» bmä) gorm» 
nnb Stoffbeljerrfcliung unb mirlfame Drctjefterbefjanblung augjeicrjnefe, 
mir galten u)n für ben gelungensten Seil be§ 3Berf§; ba§ Slbagto ift fetjr 
fletjjjig gearbeitet, boä) erfct)ienen bie SKotibe, namentlich ba§ 2,§ur 
Verarbeitung benutze, für eine auSgebelmtere ®urtf)für)rung nicfjt in» 
tereffant genug; ber Sa| madjte inbe§ immer einen mol)lgef alligen ©in» 
brucf. ®a§ Scrjerjo mar etma§ fteif ausgefallen. 9tad) be§ Somponifien 
SSerfictjerung unb unferm eigenen @efür)l mar eg auf ein fcrjnellere§ 
Seitmafj berechnet, bocb, möchten mir, aucb, biefe§ borauSgefettf, ü)m grofje 
S3ebeutfam!eit nic§t juerlennen. S)em ginale fef)It e§ nic£)t an üern 
unb innerem Seben; eine iontraftierenbere SJJaffen» unb Sidjtberteilung 
mürbe tijm, eben atö Sdjtufjfal, unb fomit ber gangen Sinfonie, mobjL 
eine fctjlagenbere SBirfung bereitet tiaben. Sie Sinfonie fanb unb ber» 
biente SBeifall. ©S mirb bem Somponiften bei erlangter größerer grei» 
l;eit unb Seidjtigfett in §anbt)abung ber gorm autrj über einen größeren 
DMcfjtum ber ©rfinbung %u gebieten gelingen. 

(Sine neue Sinfonie bon Sadjner, bie 6., tritt un§ bemnädjft ent» 
gegen. SBir erinnern un§ bon ben 5 aubern be§ Äomponiften nur noct) 2 
gehört gu Reiben: aufjer ber $rei§finfonie eine frühere, irren mir nicfjt, 
in S)»bur, meldte festere mir für bie tücrjtigfte galten. ®er ermahnten 
neuen fjört ficf> bie ©eläufigfeit ber Sonfpraclie, bie ®ereiftfjeit ber 
©ebanfenfütjrung, bie ©emanbtrjeit in §anbt)abung ber DrcrjefterMfte 
unb ©ffeftmittel eines gebilbeten, erfahrenen Sonfe|er3 halb an. ©ine 
gemiffe fidEj getjenlaffenbe breite aber, ein mir mßdjten fagen ju be» 
quemeB $u§pnnen ber ©ebanlen, ba§ mit bem ©ehalte unb ©emidjte 
bei berarbeiteteu Stoffel nietjt gang im richtigen, mol)lberectmeten SSer» 
I)ältni§ fxäf» finbet, fteljt ber ©ntfaltung jener SSorgüge p. freierer, un» 
bebingter Söirtung im Sßege. ©ine formelle Ungemanbtt)eit im leisten 
©a| befrembete un§ gerabe bei einem fo gemanbten Sonfeiser. @g 
fcpep biefer Sats feiner 2. £ätfte einmal fo bollftänbig befriebtgenb, 
felbft raufofjenb ab, bafj bie SBerfammtung pm großen Seil bereits gum 
Stufbrucb, fid) aufhielte. §ätte bie Sinfonie mirfTtct) fyier gefctjtoffen, 
bielleicEjt, baf$ bie SSirfuug eine entfcfjiebenere gemefen märe. &a§ SBerl 
mar nierjt feljr marm, bocEi.auerlennenb aufgenommen 580a l 



336 ^ öl. SfaS grctns ©djubertS 9JacE)Iafs. 

51. 2fos gron3 SdjuBetts «Ra^Iafe. 

$ie §rn. ©iabeffi u. Somtt. in Sßien baben tüieber einige bebeutenbe 
^ombofitionen au§ ©ßubertS gtaßlafc 581 beröffentlißt, auf bie roir 
namentliß ©efangbereine ufto. aufmertfam machen. ©§ fmb: 

Ol). 134: »9lact)tf|elte« öon S- ®- @«M, für Senorfolo unb öierftimmigen 

9Mroterd)or mit ißtanoforte. 
£>p. 135: >'@tfinb4en« öon ©rittparjer, für -SOtfoto unb öierftimtmgen 

grauendjor mit $ianoforte. 
Dö. 136: »Söürjamg ©iegeSgefang« öon . ©rütparjer, für ©oöranfolo unb 

©Ijor mit SBegleitung be§ Sßianofort'e. 
Oö. 139: »@ebet« öon be lo SKotte gouque für ©oörcm, Sfit, Senor unb 

SBafj mit «Begleitung be§ ^tanoforte. 

®ie beiben erften muffen reigenb träfen; fie finb äufeerft gart unb 
ßarafteriftifß. $a§ einförmige SMorit gu beben, in baS ber tein bier* 
ftintmige 3Mnnergefang tt>ot,I ober Übel oft berfaift, bat (Säubert tyn 
«ine ©otoftimme eingeflößten unb baS ttattier gut Begleitung bei* 
gegeben. ®ie Qbee ift gmcfliß, roenn baburß freffiß ben 9Mnnergefang» 
quartetten, bie lein gnjteümeni in ber 3ftfi$e baben, bie 2tu3fübrung 
unmögftß gemalt ift; benn bat «Mattier ift feefenttiß unb barf ntßt 
festen. ®ann aber, im herein aller, toirb auß ber ©enujj cm botobefter 
fein ®a§ »©tänbßen« bat eine gleiße gorm toie bie »gteßßeue«, nur 
t.aB e§ für grauenftimmen gefßrieben ift; bon fßönen Stimmen bor« 
getragen unb gut einftubiert muB e§ bon rounberbotter SBirfung fem, 
toenn auß ein bon grauen gebraßte? ©tänbßen in ber Sßirfbßfett 
jßtoernß borfommen mößte^i. % n $ \ m »©tänbßen« ift ba§ SMabter 
toefentfiß unb trägt bie «parmonie. ©ßubertS bekannte Lanier, erneu 
mb^tbmu§, eine 23egleitung§figur tton Anfang bis gum ©ßmfc feft* 
Ratten, trifft man auß in biefen ©efängen roieber. ®a| fie fßön für 
bie Stimme gefßrieben finb, barf man glauben, auß finb fte ntrgenbS 
terfängtiß fßroer. — »SJliriamS ©iegeSgefang« ift eine tomtiofttton 
größeren Umf ang§, eine Art tantate, bie wotyt urfttrüügtiß mit SSeglextung 
t>eS DrßefterS gefßrieben ift; ift baS fefete ber galt, toie nur bemab 
überzeugt finb, fo bebauern roir, fie nur im Arrangement rennen lernen 
.gu lönnen. 3)oß berteugnet bie tomttofition auß in ber borliegenben 
<Seftaft ßre SBirfung nißt; ber ©runbton ift eigen attertümtiß, alt 
religiös, faft biblifß. 9luS anberen ^ombofitionen ©ßubertS toetf^ man, 
mit toie gtMIißer ^otttajte er bie frembartigften Stoffe gu beberrfßen 
toerftebt. ®er gorm naß altertümtiß gu fßreiben lann man lernen; 



SR. 51. StuS grcmj ©äjubertö SRadjlufc. — SR. 52. sßreiSlrio. 337 

aber ben (Seift alter $eit wie in leibhafter ®Iart)ett Jjeraufeubefdjtoören, 
ba-m gehört ein ©itfjter. Söir treffen übrigens fogar auf eine ^UQt; 
fie ift geiftreict) genug. 3)a3 ©anje fcfjliefjt, roie e§ begonnen t)at, Reiter 
unb glänjenb. $m »@ebet« nun fbricrjt ftct) ber moberne gläubige ©tjrift 
au§ unb t)ier mit ganger Qnnigfeit unb traft; bie§ finb unfere «ßafeftrina* 
gefänge, fo fprtdjt fic6> bie neue Shmft im ©ebet au§, bulbenb unb t>er= 
trauenb, aber auctj tatkräftig unb §um §anbeln bereit. HJton roirb ben 
©efang nicrjt olme innigen Slnteit t)ören föraten. 

@o blür)t benn ber Sorbeerfeanj um ©tfjubertS ©tirn immer boller. 
SBer tjätte bon bem Sieberfomboniften gebactjt, bafj er nocfc) folgen 
3teiö)tum in fiä) barg, toie e3 je|t immer flarer ttrirb. Sftöcfjten fitf) 
bod) auä) freunbliäje §änbe halb %m §erau§gabe feiner anberen 
©efangStoerfe, ber Dpern unb ber großen Neffen, berbinben. SBien 
Ijat noä) im Slugenblid feine größeren mufiMifdjen @cf)ä|e im S3efi£ 
afö biefe. 



52. petstrto (£*tnoIl) 
fiit Sßtanofotte, «ioline unb «tohmceWo Don & & Sotu§ SBoIf. 

Referent f)at obige§ £rio nur einmal gehört: e§ ift inbe§ fo ffar unb 
einfad), bafj ein einmaliges 9lnt)ören fdjon fjingureicfien fctjeint, über bie 
totubofition ein Urteil pt fällen. 

®er Kamen ber §rn. ^reiSridjter erinnere id) midj nidjt metjr ge= 
nau 583 ; jebenfalls aber rjaben fie ein Talent auSgefbärjt, baS Stuf» 
munterung berbient unb, glaubt e§ fid) nictjt etroa fdjon fertig, gerotfj 
noct) Söebeutenbes zutage bringen wirb. Safür fbridjt bie erfreuliche 
9üd)tung, bie fid) im allgemeinen im £rio geigt, bie ungelünftelte Strt 
beS 3lu§brud§, bie bereits erlangte gertigfeit in §anbl>abung ber $orm. 
$erbiente fo ber talentbolle SHinftter ein Sob, fo bod) !aum einen $rei§. 
@§ roäre fdjlimm, wenn unter ben jur 9Kannr)eimer $rei§au3fd)reibung 
eingefanbten SrioS nidjt toenigftenS ein günftelbem 2. SSoIffct)en gleich» 
padjtenber ©tüde fiel) gefunben l)ätte, — ober bie (Sinfenber müßten alle 
einen fonberbaren begriff bon preiStoürbigen SrioS B,aben, — unb fo 
arm finb mir in Seutfdjlanb no.d) nidjt, bafj mir bem erften beften ben 
Sorbeer nadjäuiragen brauchten. 3)od) ftreiten wir nict)t um ba$ ©lud, 
ba% ber gefrönte fomponift gehabt; aud) ©lud gehört §ur tunft, unb 
boppelt beneibenSroert ber SMnftler, bem e3 fdjon im anfange feiner 

9{oBert ©c^utttann§ gef. ©djriftett. II. 22 



338 fit. -62. Sßteiätrio. —■31.03. Sa§ 3Rojartal6i«rt. . 

Saufbar)n lächelt, aber and) botopelt beranttoortlid), toenn er bett liebe» 
bollert (Srtoartungen, bie man bon üjm gehegt, nidjt äöort l)ätt, toenn er, 
eitel geworben burd) ben augenblidlidjen (Srfolg, fid) gar bertoirft. ®ie 
9ßerfon beS fomtooniften ift mir übrigen? nidjt belannt; idj toeift nidjt, 
ift er jung ober alt, 9?orb= ober ©üblänber. (SineS aber, tote gefagt, gel)t 
an§ feinem Srio t)erbor, ba§ er fdjöne träfte junt SBettfrreit mitgebracht, 
unb ba§ bie Surunft auf üjn als auf einen rüftigen ® ämpfer äffljfen barf. 
SBir fügen nod) einige? über bie tompofition fetbft bei, bamit mau toiffe, 
toaS man bon tt)r ungefähr p ertoarten Ijat. 2>ie gorm ift bie getDiHjn* 
ttdje im ®anjen tote in ben einzelnen ©äfcen, bie Anlage mittlerer ©rö^e; 
i-a ben fogenannten „großen" SrioS gehört bie ®omtoofttion nidjt. ©ine 
entfdjiebene ©igentümlidjfeit faridjt fid) ebenfo wenig aus toie eine Vor* 
liebe für ben ober jenen SKeifter, toenn nidjt ettoa für S. SW. b. SSeber. 
®er @a£ ift rein, mobern=einfadj, bie SluSfübrung nidjt fäjtoierig. einen 
toirflicb, bebeutenben (SJjijrafter t)at feiner ber «Säfce, tootjt aber alle eine 
anmutige ptjfiognomie. 91m toenigften ..besagte mir baS Slnbante mit 
feineu altmobifdjen Variationen, am metften baS ©crjergo. ®er fefete 
@a| b,at ein gar ju too^tfeileS £t)ema; ber jwctte ©efang ift mufifatifdjer. 
9?eueS, geineS in ber Harmonie, im ^affagentoerf ufto. enthält baS Srio 
toenig ober gar nichts, bagegen audj nichts gerabep SribialeS. ®iefe 
einzelnen 8üge mögen bem Sefer einen Xtmri| bon ber fom^ofition 
geben, ©rfreulid) ift eS nodj p bemerfen, ba% ein in biefer Seitfdjrift 
früher aufgeftellter SluSfürudj, „ba$ öei funftlerifdjen Sßettfämpfen 
meiftenS einrjetmifdje ßfinfHer ben 9ßreiS babontrügett", auf biefe $reiS* 
lomtoofitton nidjt ansutoenben, ba ber ©ieger, toie toir Ijören, in SSien 
lebt, toetdje ©tobt, toie bieleS Unfeaut bodj audj toudjern mag, unS beuu 
bodj bon Seit p Seit auct) ein gutes Talent fenbet, als baS toir ben tom= 
tooniften nochmals be§eidjnen muffen. 



53. £>as 9Jto3attaIButn, 

an beffen Verausgabe |>r. Sabellmeifter «Pott«" in ölbenburg feit 
2 bis 3 3ab,ren arbeitete, ift bor tur§em erfäjienen, unb toir beeilen unS, 
bie intereffante (Merie ber in üjm sufammengeftellteu tomtoofitionen 
ettoaS närjer p beleuchten. 

SaS Sllbum verfällt in brei Abteilungen, in Somtoofitiouen für 
mehrere Stimmen, in Sieber für eine Stimme mit ^ianoforte unb in 



3J. 53. ®a§ Woiaxtalbum. 339 

panofortetwutoofttttmen. »oran fte# eine Stt^gra^ie ber . ätejart- 
ftatue, auf einem gtoeiten »latt eine Slbbilbung ber anbeten bilbtic^en »er» 
gterungen beg Sßiebeftafö, bie toofir bie £)£er, bie tird§enmufit, bie ©in» 
fönte unb bie tammermufit berfinnlici)en follen. ©er jebeSmaligen 
Abteilung finb bie gaffimifeg ber Itombontfien, bie beigefteuert boran» 
gefegt. Siefe festeren finb: 

(1. Sffit.) Swns Sa^ttet; Ser »134. »famt« für jn>ei ©pre* tote 
a«e3 bon ber £anb biefeS Jbmponiften getoanbt unb iüor,ItIingenb ge* 
fe|t, aucfi, im ©angen lixä)liä) ttmrbig, bocb, obme befonbere (Stgentümucfi* 
Itd&feit unb jebenfalfö jener 2trt fübbeutfc^er taöjolifcijer Mrc^enmufi! 
pfallenb, bte ficr, jur ftreng *>roteftantifci)en, burcö, 3. S. »actt, beitrete* 
neu, lote itatienifcfje p beutfcfjer SKufif behält. 

^Sin^ftintnet: »Sa§ beutfcr,e Sanb« für . 4 äßännerftimmen 
©fetd&Talfö Olpe t)erborftecf,enbe @igentümlic§feit, fo baß man auf Bun» 
bert »erfaffer freuen formte, bocb, bon guter SSirtung. Sie übermämae 
•Sefunbe: Mö 




gel * tung thront 
toar reicht toegjubringen. 

t,@. SKei&ijjei:: »SaS »ergi£meinnid§t« für 4^ännerfttmmen 
gart, anfered&ettb, äierliii) abgerunbet. Statt- be8 ff auf bem SBort »er' 
gtftmeinniäjt" fiätten toir lieber nur ein / gefegt. 

%x. @djneti>er: »>@et)rtfuct)t« für 4 äMnnerftimmen. ®a3 ©ebicbt 
an fi^ften ©rabe fubjeltib, $ätte \iä) tvoty beffer p emftfmmiger W 
tianblung gefegt. Socö, mirbeS auc£) in biefer ©eftalt (Sänger unb 
greunbe finben. ®a§ 2. ge§ im 1. Salt bei 1. »affeS unb ba§ 2 b im 
5. Salt be§ 2. SenorS finb toof)I Sructfebjer. 

&%. £. 9üntf: »%rie« für gangen (SSpt mit Drget, Mar, einfa& 
toürbig. ' " 

SS. 3E. Sonwf $e«: '» ERtd&' ergreift, id& meift nidEjt nüe « bon ©oetfie 
für Senor mit ©r,or mit »ianoforte, frifcf, unb berb, im (Sinne be§ @e' 
btd)t§. »et fiterer Sifdjgefeipaft bon ber regten SSirlung. 

«. ftatofte »Sautet bem §erm« für 4 Männerftimmen. ®er tont* 
Jwtttfl mar un§ bi^er nur bem tarnen nac| belannt. Sem.erfiej? mag 
totr fennen lernen, berrät eine n>o^au§gefd)riebene Sganb, ein Kares 
Ofo boänujne fibbere Stileigentümlicrjfeit p entfalten. 

22* 



340 3t- 53 - ® a§ SKoäortalbum. 

ft.8. ^äfett »Sroft in Statten«, fünfftimmig. aSortreffttcb, im @a| 
mie im©)ataftet, befonberS gart unb innig, mdjtim getoö^ntiäjen 4ftim* 
migen <S(*)Ienbrian. Sie§ Sieb ift un<B eine§ bet liebften im 9öbutn. 

*>♦ Segnete »G^ot alla Capeila %vx jmefterfidjen SSenebiftion«, twrfjl 
leine feinet bebeutenbften tom^ofitionen, bod) überall ben tecfrttifdjen 
Reiftet befttnbenb. 

mvvlacfyit »Salve Regina« für ®)ox. tirdjenmufii ganj in ber 
SBeife be3 gefundenen italienifd)en ©efäjmacfS, bet niä)t bet unfrige. 

%, SIRefljfeffefc »3n bet grembe« für 4 ^ännerftimmen. ®ut fem* 
kontert, ettoaä fentimentaH>rofaifd). 

$. @fcw#: »Sob be§ SBafferS« unb »Set befte ©tunb«, jtbci 4fiim= 
mige tanonS leitetet SCtt, leitet p löfen toie %u fingen. 

£,$wdj: »Seben§lieb« füt 4 SRannetftimmen. Sie 2 etften Safte 
finb ganj 3Jtenbeßfotyt8 : „SBer $at biet), bu fechtet SBalb", ba§ ber 
fombonift inbe§ üietleid)t gar nid)t gerannt. Sa§ Sieb f,at glufe unb 
Seben wenn aud) feine Siefe, bie ba§ ©ebid)t fogar ablehnt. Ste 
Dftaüe @. 47, Saft 1 steifäen 2. Senor unb 2. S3a& toor letcf)t p 
rabieren. 

JB.*.Vttttty: »Sater, in beine pnbe« füt ©optan, Senot unb 
%a% ®8 r,at biefe 21tt be§ bteifthnmigen @afee§ il)t @^roierige§; roir 
roiffen aud) nidjt, warum fid) bet tomponift bet öotteilfjafteten SBirfung 
be§ 4ftitnmigen bon felbft begeben f,at. (Sin #npgefefcter 2ttt »tobe 
ba§ @tM in febem gälte roobjttingenbet machen. 

§0^» ©t*<rofe: »Sott biefer Sag mein legtet fein« füt ©£.or.,. Ser 
SBerfaffet ift tridjf bet belannte Sienet, fonbetn bet babenfdje tapell* 
meiftet, fein ©tücf aber ein roettbofleS, ba§ ben guten Söhtfiler namentttd) 
in ber Witte butcb, feine imitatorifdje 33eb,anbwng berrät. 

S.8f*8WH)lUfr »Seichter ©inn« füt 4 3Jlännetftimmen. Site! be§ 
@ebid)te§, Stfame be§ SwfafferS toie bie SJhtfil fttmmen gut jufammen, 

$. Sttt&jNttntnei: gibt nod) ein sroeiteä Sieb füt pännerftimmen: 
»SKatia, ©nabenmutter«, ba§ eine anbete unb etnftete ©aite anfragt 
atö baä etfterrüärjnte. 

Sie jtoette Abteilung be§ TOum beginnt 

^jwtftrt mit einem Sieb »Sie «turnen«, beffen fdjroetfättig teftef* 
tietenbet »tt fid) nicbjt gut gut mufitaiifd)en 33er,anbtung eignet. 
Sie§ b,atte auf bie äRufil ©tnftuB, Wc etoa§ Steinernes, Enbeb,tifitäje§ 



3i. 53. Sag SKojartattum.. 



341: 



an ' ftdj fjat. Sfadj .fdjeint ba§ Mattier nttf)t ba§ gnftrument be§ 
tomponiften gu fem: e§ Hingt affel arrangierter £)rd)eftetfa|. (Sine 
Mannte Qutntenfolge berbecft ©pontini im 1. Serfe folgendermaßen: 



^ 



* 



fe=£ 



gm 2. SSetfe fäjretbt er aber bennoct): 



i 



03 



-584 a 



t*" 



a^ 



äöir . führen bie ©teile nur . pm 23erpei3 be§ Qtoief^alteS an, in bem 
fitf) aufteilen fetbft ein fo alter 3Mfter befinben lann. 

.&»ettebtcfc »grüpngStlagen«. ®en trüben ©djmfj ertoartet 
man nafybem SSortjergegangenen ntdjt; mir finben btö .'©ebidjt fdjon.' 
bon borntoein ju leidjt, ju Reiter aufgefaßt, gm übrigen geigt ber 
üomponift toie immer ©efcrjicf unb Routine. 

& 2S. Jtoltitoofca gibt ba§ Senaufcrje » gn ber ©diente, am gab,re§= 
tag ber unglücKäjen $oten*3teboIution«, roeStjatb, roie roir tjb'ren, bem 
gangen Stlbum ber (gingang, in bie öfterreiäjifctje äftonarcbje unterfagt 
fein foll. SCn ber SCTtufif tjaben toir un§ erfreut; fie muß, bon einem, 
ecfjten beutfc^en S5aß gefungen, bon frappanter Sirfung fein. 

£♦ <5$o%Vi »ItntertoegS«. (Sin §arte§ @ebi<ä)t, eine nocb, jartere 
tompofitton; bielfeicr)t,bie fdjönfte im Sßbum. 

2( t gh>ifc »SSiegenlieb« mit ^iolonceüobegleitung, aber fein ge- 
toiHjnfidjeS, fonbern für ein gürftenfinb eines. ®ie a?htftf ift leicht 
unb gefällig. 

%x. (Sttrfdjmrttttt: »S)ie 3Jofe«. ®er Slnfang erinnert an baä »9lm 
dtyexn, ba »acfifen unfre «Reben«. ®a§ ©ange in feiner mefobifcrjen 
2mmut läßt un§ ben frühen SBertuft be§ jungen MnftlerS roiebetf)oIt 
bebauern. 

' 9t ©djttmjtrou »SMMiebcrjen«. (SBenn idj ftüb, in ben ©arten 
gel)) @r# 4, Statt 3 ift ein 2)rucEfet)Ier; ftatt be§ 1. Giertet muß ein 
9ttf)tet unb ftatt ber 2 ©edjsdjttteüe groei Ictjtel fielen. 



342 



9J. 53. 3>ct§ SKojartalbum. 



3. 9i<tftt:etttt »®er SSanberer«. Sine roeit auSgefüonnene ®ombo* 
fition, bie bielartige (Stntofinbungen in ein ©anje§ §u bereinigen ftrebt. 
®er Anfang be§ ©efange3: 



I 



Se 



S 



3e 



^= 



* 



3?m 



SSol 



be wirb e§ re * ger 



erinnert feljr an SJlarf cetera: »Sm^erbft, ba mufs man trinlen« (obroof/l 
bieg triebet; an ba§ Sdjerjo ber 8. Sinfonie bon 33eett)oben). gm ein» 
feinen treffen roir auf biete§@utemtofunbene; ba$ ©ange totll ftdE) aber, 
roie gefagt, nicfjt runben. SJKdjt fdjön für bie ©ingftimme gef ^rieben ift: 



i 



442= 



£ 



mein 



oft ge * täufcfj = teS §erj. 



Sn ber SMttc biefe§ Siebes finbet fid) übrigens ein £>rucfoerfet)ett. 
®ie SSorte <3. 84: „3ßo finb' idj beinen Segen ufro." f ollen boä) tootjt 
nidjt noä) einmal n>ieberi)olt roerben. Seiber ift ba§ gange Stlbum fetjr 
inlorreft unb faft feine Seite üon bebeutenben gestern frei. 

OSlftV ÄMMjmttJ iMW @<$toei>em »Chanson des Pirates« üon 
58. §>ugo. Sa§ erftemal, bafj wir eine f ornftofition be§ fjof)en $erfaffer§ 
%u ©efidjt belontnten. @3 gleist einem roilben SeeftM unb ift un§ tro| 
feiner @retu)eit lieber afö mand)e§ ®ofengefid)t mancher beutfäjen tont* 
pontften. 

-&®«tttf: »Um SJlittemacE)t« roirb üon einer roorjHungenben 25eglei= 
tung getragen unb runbet fidj gut ab. ®ie üielen aSieberb.olungen ber 
Sßorte „Um 3Ritternadjt".finb tootjl 8ufä|e be§ tomtooniften; gerabep 
falfcl) feinen fie un§ am Sct)luf3. ®er ®icE)ter fingt nämlicb: 

tttn 3Jtitternac()t Ijab' iä) bie Wlatyt 

$n beine §anb gegeben ; — 

§err über 5Cob unb Sebett, ' 

®u f)ättft bie 5ESact)t. 

®arau§ maä)t aber ber tomtoonift jum Sd)luB: „Um SJlitternadit pltft 
bu bie Sßaäjt", gang gegen ben tiefen Sinn be§ ScrjluffeS be§ ®ebidjte§. 
%.%vn$nt »Sieb« üon t.lReintjolb. tlein, aber innig unb au& 
brucföboÜ', roirb üiel unb gern gefnngen roerben. 



9t. 53. S)a§ aRojartattum. 343 

Soij. ^ettouti»; »S)ie flage am ©tranbe«. ©in fonberbateS ©tüdE, 
baS roir ntdjt berftetjen. ®ie Überfe|ung (baS ©ebtcEjt tft ein fdjroebifdjeS) 
mag fdntlb baran fein. 2)er ©djlufj lautet: 

SSielleidjt in einem Stegengufj 
§dj falle, §o!be, bir jn gufj. 

SSit roiffen ntdjt, ift'S Qronie, ift'S (S^ott. Swt übrigen betrat bie 9Jhtfif, 
beren SSerfaffer mir jitm erftenmat begegnen, einen bielerfatjrenen, 
einen eckten SJhtfiter. 

$. Äreu^e*: »Jägers Seib« unb »QägerS Suft«, jroei Sieber ber 
9lrt, tote fie ein routinierter S?ombonift fc^oömeife machen tann, [(feinen 
unS eine§ ÜHtojart^ttbumS ntdjt toürbig. 

28ir !ommen %ux Heinften, pr britten Abteilung, (Solo* 
fompofitionen für baS panoforte, bie tum 

& a»öf(^ete§ mit einer 33aIIabe eröffnet toirb. ®aS Söort »S3auabe« 
trug tool)I perft ©fjofrin in bie SRufil über. Übrigens fdjeint unS nur baS 
SBort neu, bie Sadje !ann man fdjon in SSeetljoben unb (Sdjubert finben. 
2>aS (StücE bon ÜKofcfjeleS toitt toofjl ben (Sinbrucf, ben eS madjt, einen 
finftern, nebeftjaften, ber itnS an bie lüften (SdjottlanbS gemannt; bie 
Tonart betoegt fidj in lUmott unb bertoanbten; p (Spielern betlangt 
eS IHmftler erften langes.. 

&3f»&iii(: »^omanje«. ®er erfte Seit füpdj/ber pleite Iräftig 
marüerter. ®aS ©ange fdieint unS p anfbrudjSboII p feiner SHemtjett. 

2Ö. $. SSett: "»Dt^ctpfobte«. (Sin auSgegeicfmeteS, fünftterifd) abge* 
runbeteS <Stücf mit fdjönem SSorber* unb §intergrunb. äReiftertjaft ift 
ber Sfricfgang nadj &mt>U pm (Sdjlufs bon @. 120. Stet SSombonift 
berbient bie bollfte Smetfennung für feine fääbe. 

iy. s Mcut>ci^oi)n^(ixii}i>itii): »Stet ^ölumenlrang«. Seine Dti* 
ginatfom.bofttion, fonbern ein bon Ä. (Sjernrj übertragenes Sieb, baS 
unS toeit beffer als fotcrjeS gefallen. 

<§♦ SfyalbevQt »Notturno« gang in feiner SBeife. 3Mo bie oben ober 
in ber SKitte, um unb barum §arpeggien: gut gefbieft bon einfdjmeidjem» 
ber SSirfwtg. 

ßnbe gut, alles gut. Bir fjätten baS SSeitfdje ©tttff jum ©djfajj 
gefegt. Slnftatt beffen erhalten toir eine Melodie sentimentale et Cadence 
agitee bon S. ©jerntj (Oeuv. 688). Stet tombonift, ber un§ fo biele 



344 SR. 53. ®aä 2Koäartctl6um. — . 91. 54.. »Sftofeg«. 

S3eroeife feinet ©cbjreibf eltgleit, getnif^ aud) eineg SatenteS gegeben, ift 
befannt. Sßir totffen roenigftenä nid)t metjr über ibn p fagen. 

®urd)blätterte nun SJJogatt ba§ 2llbum mit feinem Haren, atle§ er* 
gtünbenben23ticf, ober tut er'3 in jenen lichteren Legionen, roo er thronen 
mag, fo möchten roir toiffen, roem er am innigften für feine ©a&e bie 
£anb brüdte. ®af3 ifjm bie §ulbigung fo bieler ausgezeichneter SMnner 
ein beglü'cttel Säbeln abgeroöhne, roer mächte baran gtoetfeln. Unb fo 
' tjaben mir nidjtS p tun, afö nocb, bem p banfen, ber biefeg Siebe§roerl 
beranlafjte, unb ntdjtö p roünfcrjen, aß bafj e§ ben ebten Stoeä einer 
Seifteuer pm 33b§artbenfmale im boltften SWafje erreichen möge! — 



54. »9Kofes«, .Oratorium uoit 3J. 93. 9Jlat3c. 

@§ ift un§ ber SHabierau§pg biefeS 3Ser!e§ bon ber 3ftebaltion p= 
gefreut roorben, ber toir unfere Strtftdjt barüber mitzuteilen fd)on bor 
bem grfcrjeinen be§ »äJtofeS« pgefagt Ratten. 9^ur ungern erfüllen roir 
ba§ 3Serft>rod)ene je|t, roo roir ba% Dratorium näfjer lernten gelernt; 
e§ t)at ung lange nicp fo abgeflogen al§ biefe äRufil, unb eS tut un§ 
bie§ ©eftänbniS leib um be§ SSerfafferS toillen, beffen fdjriftftellerifdieä 
Salent bon niemanbem r)ör)er geftellt roerben lann al§ bon un§. 8um 
Sontbonifien fel)It ü)tn unferer Meinung nad) faft alles. SSetäjer gleifs, 
roeläjer parle Söille ba%u gehören mag, otjne fd)ö.bferifd)e Sraft bennocb, 
ein fo umfangreich ©tüä pftanbe p bringen, roir muffen e§ beroun» 
bern, aber e§ erfüllt un§ aucb, mit Trauer, ben Sßann, ber für anbere fo 
gut feljen lann, in feiner eigenen ©adje für ganj berblenbet erllaren p 
muffen. SBir et)ren ben Selber, ber aucb, fcSiaffert roill, fterjt e§ nur nid)t 
in gar p'fdjtimmem $"ert)ältni3 mit bem, roa§ erlebt, f ann man fdjöner 
unb ergreifenber über ©ebaftian SSacf) fäjreiben, al§ SRarr, getan? Kütjrt 
e§ nicEjt, roenn er, bei S5eetrjoben berroeitenb, faft fdjrcärmerifd) roirb? 
Sann man mit fcprferer, bli|enberer SBaffe gegen einen geinb pt)en 
afö er? Unb lerjrt er bie gugettb, lann man e§ grünblid)er, tjingebenber 
tun? Unb nun er, burcrj 93ud)ftaben p toirlen berfd)mät)enb, felbft reben 
möchte burd) bie geliebten @d)riftäeid)ett ber Sonlunft — roaS gibt er? 
3ft bal bie SRelobie, bie er lehren roill? 3fr baS bie faubere Harmonie, 
über bie er ganje SSüdjer, bie beften in it)rer 2lrt, gefcbrieben? 3ft oa§ 
bie SMfterfäjaft in allen formen, auf bie er überall bringt? Sft ba§ 



9t 54. >5KofeS«. . . 345 

bie urfet)ö|)ferifcE)eih:aft bertSrfinbung, tote er fie an^act), SKojart, S3eett)o= 
ben erlannt? Sßte toollen nidjt batauf anttoorten;" tote müßten barauf 
überall baSfelbe fagen, — bafj tote auf ; baS bitterfte getäufcrjt toorben 
finb, bafs tote fetbft bei ben einzelnen ©teilen, too tote anfingen p t)o f f en, 
Mb toteber auf unfer (Snburteil prücBamen, eS fetjle Ijier alle ©eftal- 
tungSfraft, aller ©crjönfyeitSfinn., ©ine einzige, toenigftenS' befonbere 
Sbee fiel unS auf: bie „(Stimme beS £errn" im meiftenS adjtftimmigen 
e^or p betjanbeln. Jhtrj unb gut angebracht, Ijätte fte tool)l toirfungS» 
boll ausfallen tonnen; .adjtsefyt ©eiten beS MabierauSpgS aber auS* 
gebebt, ber ©djlufjfal beS peiten £etlS fogar in einen Slnlauf p einem 
gugato enbigenb, toill es unS, toenn tote unS fo auSbrüden bürfen, ein 
$erftofs gegen bie Statur beS (SegenftanbeS bünfen. ©idEjtltcEjen gleifs 
l)at ber fomtoonift auf bie ©tjarafteriftif ber einzelnen ^erfonen, tote ber 
gegenfäpc^en (£r)öre ber Qfraeliten unb $ gtjbter bertoanbt; toaS l)ilft 
baS alles, too baS 33efte fetjlt — ©c§bnf)eit beS mufifatifctjen 2tuSbrucfS. 
(Sin glücflitfjeS Statte fällt unS auf im erften Seil p ben Söorten: „unb 
bein grimmiger gorn" — aber ber Verlauf beS @a|eS?. Qft baS ®urcb/= 
fürjrung? (£S ift nicEjf pbiel gefagt, es finbet ficfj im ganzen »ffltafeS« nid)t 
einmal nur ein in ber $orm geglüefteS, toteflicc) abgerunbeteS Staftf» 
ftücf. Unb bann, toelc^e ®eflamation, toie bon aller Statur berlaffen! 
SSetcrje Harmonien — Sttpänge näntlict)! SBünfdjt eS bie 3tei?aftion, 
fo follen üjr bie Belege fdjriftlict) borgelegt toerben. (£S fctjtett unS nichts 
p fruchten, ben 3taum bafür in Slnfbruct) p nehmen. 

Sßocf) eine Öffnung fragen tote: bafj uns eine balbige SSorfüfjrung beS 
SBerfeS manches in einem günftigeren Sichte fet)en laffe. SSieiretcEjt finbet 
fiä) balb (Gelegenheit, ba ein tjiefiger SSerein, toie tote Ijören, mit bem 
©inftubieren beS. übrigens äufjerft fctjtoeren SBetfeS befcpftigt ift. (So ift 
es recrjt, man foll fiel) mit allem betanntmacrjen, tnbert fiel) bann unfer 
Urteil, fo berlaffe fict) ber Som^onift barauf, tote toiberrnfen feierliegft. 
§eute aber lonnten tote mä)t anberS 585 . '. 



346 9?- 65. Äompoftttonen. für pattoforte. 

55. 5loTnpr»[iüoTien für ^tmtoforte, 
mxl dbet§, Dritte Sonate ($=mon). 

SSerf 22. 

<£§ ift eine bebenHiäje ®B6e in ber Siteratur ber Mabiermufit einge* 
treten, namentlid) in Soloftüden für baZ ^nftrument, toeäfjalb rote immer 
mit Seitnafjme nad) ^omtoofitionen greifen, bie menigftenS u)rem Site! 
nad) auf ein ernfteS lünftlerifd)e3 Streben fd)Iie|en laffen. grten inir 
nid)t, fo tourbe ber tombonift obiger Sonate in SSiener flattern fogar 
als eine Slrt Seftaurateur be§ guten ©efd)macf§ unb ^roar feiner SSe- 
ftrebungen im Sonatenf ad)e roegen bejeidntet: ein Urteil, ba§ nad) unferer 
Meinung inbeS außerorbentlid) eingufdjranlen ift. SBir lernten bie frü* 
fjeren Sonaten be§ §errn (Sber§ niä)t; ftetjen fie aber nad) $orm unb ©e= 
tjalt nid)t Ijörjer atö bie borliegenbe, fo finb fie eben SSerfudje toie biefe; 
fid) in ftaffifdjen formen p berfudjen mad)t aber nod) lange leine 
Maffijität. SSie bem fei, bie Sonate reicht bolltommen tjin, fid) ein 
Urteil über baä Salent unb Streben be§ SBomboniften ju bilben. Sft 
fdjpn jeber SSerfud), fid) in größeren formen p belegen, fie bel)errfä)en 
§u lernen, ein löblidjer, fo bürfen mir biefe SCnerlennung aud) &errn 
gberS ntdjt borentijalten; anbererfetts treten freiließ Ungefd)id unb man* 
gelijafte «Übung nie ftctrfer tjerbor, aß too fie fidj an größere formen 
roageu, unb e§ lann einem tatentreidjen Dilettanten ein HeineS Sieb 
gelingen, roät)renb er bei bem SSerfud) einer Sonate bietteid)t nidjt über 
bie äftobulation nad) ber Dominante t)inau§lommt. SSor allem alfo üer= 
miffen mir in ber. Sonate bie 3#eifterfd)aft in £anbl)abung ber gorm. 
SSie ber tombonift auf S. 4 fdjon nad) g-bur mobuliert, roieber abläßt, 
nod) einmal nad) g-bur mobuliert, bann muffelig nad) SOmotl lommt 
ufro. nfro., — gefd)iet)t nod) alles ungefdjidt, faft fdjfifetfjaft. 9hm lann 
ein SSerl tro| formeller Sd)toäd)en d)araiteriftifd)e SSorjüge unb Sd)ön= 
beiten befugen; aber aud) in biefem SSejug treffen mir nur auf roenig 9lu§= 
ge§eid)nete§. Da£ jeber Salt Sftufif fei, bie gorberung bürfen ttrir frei* 
lid) nur an ben 3Mfter ftellen; mir bedangen meniger bon §erm (SberS, 
bod) aud) mefjr al§ foldje bürre, llabtoernbe ^affagen roie Seite 6 unb 7. 
®a§ ift bie leibige £mmmetfd)e Lanier, bie beult, nad) ber gehörigen 
gftujrung muffe nun aud) bem 3uf)örer imponiert roerben, burd) ginger» 
fertigtet. Dafs gum Sdjfafj be§ Sa|e§ biefelben ^affagen unb bann in 
ber Sonifa borlommen, berfte^t ftdj. Dem erften Sa| folgt ein 91bagio 



c 



5J. 55. tompofitionen für pattoforte. 347 

in gi§*bur, ein giemti^ gef<^ma<ffofe§ ©tücf, §aih Qopl Ijalb moberne 
©üpcrjfeit; e§ märe beffer ungebrucft geblieben. ®a§ Söefte in ber ©0* 
nate ferjeint un§ ba§ £r)ema be§ legten ©a|e3, e§ Ijat ©cb>ung unb 
Seben; mag bann folgt, ift faft nur $affagengefcb,nörM, ber eintretenbe 
Sftarfä) Jöellinifä) genug, ©tatt be§ erwarteten fraftfäjluffeS berläuft 
jtdj ber @a| plöpdj) tute in ben ©anb unb in ein breifadje§ p. @o fcpefji 
bie ©onate; möge fte ber Shmtbonift felbft afö eine ©tnbie betrauten 
unb fpäter bie Sfteifterroerfe nachfolgen laffen; borberfjanb märe nur 
ber gute äöilte anjuerfennen. ' 



Soaefjiitt 0iaff, 3 Pieces caracteristiques. Oe. 2. 

©in genta neuer tomponiftenname, ein Dpvß 2, ba§ SBertrautf/eit 
mit ber neuften ©frielweife, Hjiet unb ba maljrljafr mufifalifcrje $üge 
berrät — !ur§ eine Überrafdmng. ®a§ £>eft enthält §mei mit »Prelude« 
übertriebene ©tücfe unb einen SSaljer. ®en legten münfctjten mir 
unterbrücft, er Hingt roie ein leichtfertiger SSi| naä) einer Siebe§erJu> 
rung. Sin ben anbern Hummern gefällt un§ bie bei allem ©rufte boeb, 
jugenblicrje ©mbfinbung; ein (Stroa§, btö auf eine gulunft tjinbeutet. 
9loä) liegt ber ^omjjonift unter ben S3anben moberner SSirtuofität; 
meifj er ju miberftel)en, mir bürfen bteltetdjt ©djcneS bon üjm ermarten; 
an Begabung fäjeint e§ ifjm nietjt ju fehlen. ' 

«t §t\Ux, 

Improvisata sur une Melodie de H. Reber. Op. 18. — Caprice sur un motiv 
de l'Opera de Monsigny: »Le Deserteur«. Op. 41. 

Söenn jemanb ein 9tect)t Ijat, feine Bearbeitungen frember 9Jfo= 
tibe mit einer Dpu^ai)! ju be^ei^nen, fo ift e§ ber obige SBomtoonift. 
®ie ^eitfcEirift f)at^ ferjon öfters auf bie eigentümlicrje, geiftreietje SSeife 
aufmerlfam gemacht, mit ber ©t. geller anbrer ©ebanfen umpmüngen 
roeif?, bafj fieb, bie Originale bafür nur §u bebanfen tjaben. ®abei fctjreiBt 
er fo bortreffücrj für fein Qnftrument, meifj oft mit menigen Mitteln fo 
fcfjöne Söirluugeu fjerborgubringen mie !aum ein anberer ©atouEombo* 
nift. ttnb ma§ bie§ alleä übermiegt, eine blütenreicb,e ^fjantafie ffrielt 
in feinen ©ebitben; fo fiö)rt er un§ in ber tajrace über ein £t)ema bon 
SRonfignt) roie buret) Räuberei in eine alte berllungene Seit, jo gibt er 
in ber ^mprobifita über eine länblictje 9Mobie bon 3teber eine gange 



348 3J- 55. ^otnpoftttonen für ponoforte. 

Heine ®orf gef c£>tcJ)te ; er "rjctft un§ feft tote mit fbielenben gingem, unb 
roir Iaffen'3 un§ gern gefallen. ®ie ©eutfäjen fangen an, biefen fd)aH* 
fiaften ©eifi ju begreifen; mödjte ifim geit unb 9fMje §u größeren unb 
Driginalarbeiten fommen! ®ie§ eine roünfctien mir 586 . 

$. aStdjmatt«, 

Sonate (®=moH). SBert 1. — ®ret ©tüde für panoforte. Sßofturno. itübe. . 

«Kosurte. SBerf 2. 

©ine Sonate atö DpuS 1 b>t jroiefatfien Sfnfprucr) auf unfre Seil* 
nannte; roenn fcbon ba§ feltne fongentrieren ber fäjaffenben traft ju 
©rjeugung größerer !nn[ttt)ürbiger ©ebilbe atö bie ^fjantafien, Ober« 
tragungen, berem £>etborbringung fjeute in boppeltem ©mne feine 
tunft mef)r ift, jebenfalfö S3ead)tung fjeifcöt, fo ift bie§ um fo mehr ber 
galt, roenn ein tünftler, ftatt einige entlehnte ©ebanfen in einer faulen, 
ausgetretenen gorm mit einem ^affagenfc^roall §u übergießen, fid) in 
bie £)ffentliet)feit mit einem SBerle einführt, ba$ bie 2Iu§fbrüc()e eigner 
©ebanlen in einer gebilbeten, ebten gorm unb bagu gleite äMcbtigfeit 
be§ ©treben§ ftrie ber lünftlerifdjen 33ilbung bebingt. ©in borficr>tige§ 
Urteil ift t)ier bügelt $flicfjt. ©efteben mir bon bornberein, ba$ mit; 
mand)e§ unb §autotfä'cf)Iicrje§ an ber ©onate au§jufe|en rjaben, bafc. 
roir un§ namentliäj gegen Stuffaffung unb ©til be§ ©an^en erHaren 
muffen, ©rößere, bebeutfamere formen erf orbern aucfj einen Iräf tigeren 
glügelfcrjlag ber ^h>ntafie; roeiclje, Iteblidt)e SMobien, furjgefcrjürgte 
^erioben, leiä)tgerunbeter, einfacher ^ormenbau reiben nicrjt allein 
au§. (§3 bebarf ba Ira'ftiger, fübner ©ebanfen, einer fcfiroungrjaften 2lu§* 
fübrung. SRicbt bloß bie £ieb£§Hagen ber Hirtenflöte, aucfj ber SSogen= 
fcfilag ber Seibenfcrjaft foll ba feine ©.öracfje finben. Qn allen bier @a|en 
biefer ©onate fließt altes fo roeict) unb fanft babin, nirgenbS ein SCnfioß, 
eine S3ranbung; überall berfelbe glatte ©Riegel. @g fehlen bie Iräftigen 
@egenfä|e, bem Sichte ber ©Ratten. S3a§ aber ba§ ^nftrumentale 
anbelangt, fo geroäfjrt bie ©onate im allgemeinen ungefähr ben Stnblicf 
einer §at)bnfcben. Sarin liegt freilief) ein harter SSorrourf, toir lönnen 
ilm aber bem tomboniften niäjt erfparen. £>at er, roa§ roir ü)m nicfjt ab* 
fpredjen, ein gefunbeS Talent, ein roabrt)aft ernfteS Streben, fo muß, 
fo roirb er balb bon felbft böbern glug nebmen. Qu jebem gall ift eine 
©nttäufdmng je früher, befto roeniger fcfjmerälicl). SBäre Rummel, 
SRofdjeleg, roäre 23eeit)oben nicfjt für il)rt bageroefen — beffen, roa§ bie 
neufte $eit für bie Secrjnif be§ $ianoforteftnel§ tat, gar nietjt p ermahnen 






Stf. 55. tompoponen für pcmoforte. — «U. 56. Slug SHarfl SBtecte Äonaert«t. 349 

— fo toäre gar nichts meiter p fagen. £at er fid) aber abfidjtlid) t)erbei= 
gefaffen, ettoa§ £ei$te§ p liefern, fo.ift btö toenigftenS unöug. SBei 
einem erften SSerfe, ptna! einer «Sonate, ertoartet man, bafj ber Mnftfer 
fein $ödjfte§ unb SSefteg gebe, 

Qu Slnna^nte eines folcEjen abfidjtßdjen £erabfßmmen§ berechtigt 
manches fctjon in ber (Sonate, mebr aber nocE) in ben 3 Stüäen be§ Dp. 2. 
©a§ Sftolturno ift ein einfaches ßeberartigel ©tücf, ganj in ber meinen, 
iräumerifcben SBeife, bie biefer ©attung unb, toie e§ fdieint, bem ®om» 
poniften befonberS gugefagt; ganjäbnßdj bie Wla$uxia, bie jebocb, burcß 
ben Starrt) t)tbmu§ einen lebhaften Sßtfiricb, erhält. 3>ie (Btübe bringt 
für bie Secbnü nichts 9?eue§, aber bie Haftung unb Slunbung be§ ©anjen, 
ber lebhafte, ungeftörte ging, ber männlichere (Sbarafter be§ (StMe§ 
erregt bie Vermutung, bafj ber tomponift toobl nur weniger einer ein* 
feitigen Hinneigung p. tt>eicE)Iic^er (Sentimentalität nachzugeben, feinem 
Talente einen freieren, rücfficbMofem Scbtnung p geftatten brause, 
um SSebeutenbeS p leiften. 



V. 
Äonsertbefptre^ttttgen unb »attfünbigungenS 87 . 

56. 9?ßtnims3ett3ert aus 5tfara SBiecfe legten Köderten 
in £etp3tg 588 . 

®a§ Itngetoßbnßctje fe|t un§ in ©rftaunen, toenn toir ibm nafiefteben, 
allein bie ©etoalt be3 2tugenbß(f§ binbert un§ immer, bie Urfadie öon 
ber SSirlung p unterf Reiben. Sftit ber gerne l ebrt bc& Söeitmfttfein 
prücf. SBie inbeffen ber (Sonnenftrabt ungefdjtoäcbt an traft, p ben 
entlegenen *ßoten eilt unb ber berminberte ©lang ber befrucbtenben 
SSärme leinen (Sintrag tut, fo tann e§ beut toabren JMnftler ebenfo* 
teenig Sfocbteü bringen, tnenn mir aufsaß) ber Sßerfftätte feiner <Scbö> 
fungen mit ü)m in SSerfebr treten unb auf ben SSrennffneget ber @m;j> 
finbung bie 9tefle£e be§ äußeren £eben§ fallen taffen., 

®a§ richtige Urteit f)at bie ®rfab,rung pr äRutter, unb parteüofe 
SSergfeicbe führen p einer Haren Sßtfctjauung, 9H§ icb, baber ffora 
gehört 589 unb mir 9tecb,enfä)aft geben motlte bon ifjren Seiftungen, 
trat icb, mit ü)r in btö Sfteßer ber SSeftebiße. 



350 9?. 56. ms tlara lESiedES. Konjerten. 

Sie finb berfdjtebene ÜKeifter aus t>etfti)iebenen Sdmlen; gueinanber 
geftellt, gehört jene ber beutfcrjen, biefe ber frangßfifctjen an.. 2)a§ Spiel 
ber SSellebille ift bei toeitem tedmifcHcfjöner; Bei itjr erfiijeint jebe Sßaffage 
als ein Sunfitoerf auS bem ©angen, Bis ins feinfie ausgearbeitet, bei 
Slara als eine öerfdjlungene SIrabeSfe, aber metjr fre5ie.Il ober djarar* 
■texiftifdE). Sagegen fehlen jener bielleicr)t bie gauBerifdjen SRittettinten 
ber SfeBenftimmen. ®enn tote bie SBäffe bie tragenben SSurgeln fein 
[ollen, bon ben anbern (Stimmen burä)fic£)tig überfjangen, nidjt ber* 
becft — fo bergtoeigen fie fid) bei SHara burcE) baS ©ange. ®er S£on 
ber ^ellebille fcf/rneicrjelt bem Dtjre, or)ne merjr in Stnfbrud) gu nehmen, 
ber ber Mara fenft fid) inS §erg nnb fbrictjt pm ©emüt. Qene ift biet)» 
tenb, biefe baS ©ebtc6>t. ®ie @d)ranlen, toeld)e fid) erftere einmal gefegt, 
barf fie niemals überf djreiten ot)ne ben SSertuft beS SSeifatlS, ben baS 
latent ftetS fid)ert; aufjertjalB itjxer ©rengen toürbe ber Sfrtnftabtoarat feine 
SBirlnng berfetjlen. ®em ©ente fiet)en gretfjeiten gu, toeld)e man bem. 
latent bertoeigert. — 9<htr um bie 5ßerte gu getoinnen fud)t man bie ge= 
fafjrbollen liefen beS SReereS auf. ®aS ift eben ber glud) beS Patents, bafj 
eS, oBgleid) fixerer nnb antjaltenber fid) fortarbeitenb nnb bitbenb, enbtid) 
an bem ©rengftein feines QieU fterjen bleiben mufs, toätjrenb ba3 ©enie 
Ieid)t auf ber @bi|e beS QbealS fd)toebt unb fid) oben Iäd)etnb umfielt. 

®aS Sd)öne in einer gangen SSürbe unb §errlid)!eit auftreten gu 
fetjen, toelcije günftigen Umftänbe muffen fid) babei bereinigen! SBir 
forbertt bagu grojäe, tiefe Intention, Qbealität eines SfttnfitoerlS, ©nt* 
rjufiaSmuS beS ®arftellenben, SStxtuofttät ber Seiftung, tjarmonifttjeS 
.Qufammentoirfen toie auS einer Seele, inneres Verlangen unb 33e= 
bürfniS beS ©eniefsenben, momentan günftige Stimmung beS ©ebenben 
unb ©mbfangenben, glücftid)e SJonftellation ber 3 e überrjältniffe unb 
Qntereffe im allgemeinen fotoie beS [bereiteren 2lugenbticfS, ber räum* 
Iid)en unb anbern ^ebenumftänbe, Sßitteilung beS ©inbrucfS, ber ©e= 
fütjle, 2Infiä)ten ufto. — SBiberftoiegetung ber Jfrmftfreube im Stuge beS 
anbern. $ft ein fo!d)eS gufantmentreffen nid)t ein SBurf mit fed)S 38ür= 
fein bon fed)SmaI fed)S? 

®aS Songert bon 5ßi£iS toar ein Drangenftraufj m SHaraS §anb. 
3M>. g . . . fagte ; gum Dr. § . . . mit einer Sftofe, lEIara mad)e in ben 
fiergfcfjen SSariationen gubiel SSergierungen, bie ja niä)t einmal bort 
ftanben. — „3Bie toenig berfc^Iägt'S", anttoortete biefer, „ob bie SJofette 
eine 23Iume metjr ober toeniger empfängt" — unb fatj babei 3M>. %. 
f(t)arf an, bie gang in toten Blumen fa^. • 



fit. 56. 2lu§ tlara SBiedä ftonserten. 351 

£err (£..., ein greunb bon bunHen Partien, meinte: ®ie Sinfonie 
bon ©effe t)ätte pbiel lichte. Lanier mißfiele fcfjon am Original (©forjr), 
gefcfjtoeige bie nämliche am topierenben, bennoct) toäre fcfjöne Sfttorbnung 
be§ ©anjen unb gefunbe StuSfüljnmg ber Seife fetjr p toben. 28ag ©tjo* 
fing Variationen anlange, fo feien biefelben ein nidjt olme ©enie ge= 
[c§riebene§ SBerf, bag aber immerbar 9Jcannegff eife bleiben muffe, bon 
SSeibern toeber pbereitet nocb, genoffen toerben lönne unb batjer' bom 
^ubüfum aud) nur äu^etlidt) begriffen toorben toäre. — „®er gemeine 
©ebanfe, toirb er toab,r unb einfach ausgeflogen, befeibigt an ficft, 
nicb,t, aber ber berblümte, pgeftu^te, ber meljr unb Seifiger fein tüül 590 ." 
®ag Ie|te fotlte ttobj auf bie ^erp^en StbagioS ge^en? 

®a§ Unglücf beg 9tacf)afjmerg ift, bafj er nur baS ^erborftecrjenbe 
beg Driginafö fidj anzueignen, bag (Sigentlicb-Scbone aber na^pbitben 
aus natürlicher ©c£)eu ftdtj nidjt getraut. Stuf Marag Vübung ift ein (Sin* 
flufj öon ^aganinig ®unftanfid)t ntdjt p berfennen, unb jene gefährliche 
©teile bon üjrem Setirer ober au§ eigenem triebe glüctucb, bermieben 
iüorben. © ift gemift ftfjtoer, jebe (Srfdfjeiramg an ü)re ©teile p fe|en 
nnb fetber unberrücft p bleiben. — (Sine @efcb,icb,te ib,rer 83itbung müßte 
intereffant unb bon 9?u|en für 3Jcufiffef)rer fein. Dljne' fie genauer p 
lernen, motten toir nacb/ bem fRefuttate ben @ct)tuB gießen: Äfemttdj- 
leit unb 3Jcect)anigmug ber ©efinnung finb §emmfdjidje auf ebenem 
SSege. Qu jebem Sinbe liegt eine munberbare Siefe; trübe unb ber» 
flacije man nur biefe ntcEjt. ®em Demant öergeiEjt man gern feine ©bi|en; 
eg ift aber feb,r foftbar, fie abprunben. — Marn 30g frü^gcittg -bcn 8fiS= 
fdjfeier ah; bag finb fiet)t ruf)ig in ba§ ©irabjenmeer, ber altere ERenfcb, 
mürbe am ©tan^e erblinben. 

©ott «tieft, baS mufifatifd)e Shmfttoerr' beliebigen, fo forbere tdj ein 
@efüt)I jenem gleich, toenn man in ein neueg, ^ob^eg, frembeg £auS tritt 
— mit gtanjenben ©tatuen im Vorfaat — alleg toie noeft/ nicfjt gefefjen 
unb boeft, betannt unb toie feijon frütjer geabnet. 

3Kan meint ©oeüjefäje Sentenzen aucr, machen p fonnen, allein 
ber Ungebitbete ttrirb bureb, bie nur bem ©enie eigene Seictjtigfeit an ber 
@röße beg SBerteg irre, gg gibt inbeffen aueft, ©enieg ber ©ebtoere mach 
'Äfapßodf). 

®ag S)ebüt ber Sängerin Sibia ©erwarbt in JHarag erftem f onjerte 
barf ict) nid)t übergeben. Singer bem frönen, natürlichen Vortrage unb 
ber feietjt anffrectienben Stimme (toie man bon ber §armoni!a fagt, baft 
fie anffridit) mar ein rechter gteiB unb ein getoiffeg toarmeg, auf ben 



352 3t 56. 9tuä fflaxa SBiectö folgerten. 

gutjotex übergefyenbeg $ntereffe für bie erroäf)Ite Shtnft fidjtbar. Sftöcijten 
boä) alle Sängerinnen burcb, bie ©djute be§ beutfctjen Siebes in bie 
italjenifäje ubergefjen. — Sei folgen tünftlerinnen, roelctje auStoanber* 
tert, el»e fie in bem SSatertanbe einijeimifä) getoorben, mar mir'g oft, 
aß fyörte id) ©änger in ©tiefe! unb ©.boren, ftatt Sängerinnen. 

Statt Sßieä tjat binnen brei Sßoctjen ein f on§ert bon SßipS, bie 
»2>on Quan «Variationen bon ©t)o^tn, S3rabourbariationen bon §erj, 
Dp. 20, bie ©entinelte bon Rummel, Dp. 51, ®uo bon 23eriot unb £e% 
bie ^otonäfe au§ bem l£3*bur=®on§ert bon SKofcEjefeS unb §erj Dp. 48 
öffentlich) gezielt. 

äftetjr ober weniger errang fie fict) in jeber biefer fieiftungen einen 
berbientenSöeifatt, unb toenn Ü)rem@fnele nifyt altein meäjanifdje Jfhtnft* 
fertigfeit §um ©runbe liegt, fonbern ü)r eigener @eniu§ felbftgetriebene 
Blüten barüber ftreut, fo berbient bie§ unb bie (Sigentümliccjfeit, alle§ 
frei au3 bem ©ebäctjtniffe %u Rieten, um fo mef)r Stnerfennung unb S3e= 
roünberung. 

S8ie 2f)ibaut ^ateftrina ben föngel unter ben £onrunftlem nennt, 
fo ift e§ unter ben f abierfonäerten ba§> gietbf ct)e in 2fö=bur — bie idj über» 
tjaupt bie Eftonbfcrjeintonart nennen möchte. Stber ber äftenfct) f)at uicEjt 
alle Sage traft jum 9tbfbiegeln unb Stuffaffen be3 Slu^ergeroötjuliccien 
(baran ertennt man e§ eben), etjer §um DberfIäd)Hct)en, roie g. 23. §er» 
jifdjer Sbmpofitionen, benen nichts fet)lt afö baZ gleiche SSort 591 , unb e§ 
bürfte biefe§ SJhtfifftüd tlara Söiecf am toenigften gelungen fein. 

®er ffnetenbe Sufall roolfte, baf3 alte tomüofitionen be§ jweiten 
Songertö bon nocfj lebenben tomboniften roaren — gielb, ©toofjr, £mm» 
mel, 3Kofc£jefe3, S)orn, %. Dtto, ©icctfer, £erj. 

®ie fomifdien Quartette bom fünften unb ein ernfteS bom ©elften 
finb fidjer augpgeictmen. SSom ©edjften rounbert'3 mid), bafj er nidjt an 
etroal get)t, btö bie träfte merjr berfudjt unb erfyötjt. Sßie bie SDMer* 
fdjule ben SanbfdjaftSmatem nidjt ein rect)te§ ^Bürgerrecht einräumen 
roill, fo bürfen toir e§ ben ©efangSfomponiften, roenn fie nur biefe§ finb, 
ebenforoenig. %ü) bin roeit entfernt, bie Sinfonie unter bie Dber ju 
ftetten. Unb bann ift'3 nicrjt gut, roenn ber 3ftenfd) in einer ©adie gu* 
biet Seiä)tig!eit erlangt b,at. 

®a§ ®ibertiffement öon (Sictjler mar meljr afö biefeS unb ein rechter 
SSoIlgenu^. 9töe§ mar meifierlict), mutig unb belebt. gj. gg. 



3t 57. %h\ü)kbätonjtxt Sttria ©erfjarbfö. — 31. 58. StpinSft. 353 

57. Stöfdjtebslonaeri-bes gfräulctns fifoia ©erjjorbt 

e§ gibt un§ ein fcb,öne§ SSorrecbt be§ SSobJtoolteng unb ber Siebe 
für fiirtftfenfdje {grfäjeinungen, wenn nur fie au§ unfrer Seilte erfteljett 
unb bor unfern Singen emporfireben unb U§ ju einem getoiffen ©rabe 
ber SSoÜenbnng reifen feigen. Sibia ©ertjarbt geniest bieg, unb alle 
fdjenlen e§ ibr gerne: Üjr latent überflügelte bie Seit, ü)r SMfe Ü)re 
traft. SJföge nun, too mir fie ftfjeiben laffen, nadjbem mir un§ ber 
jugenbliäjen Slüte erfreut, baä tebbaftefte ^ntereffe an jenen «b- 
fcbjebSabenb, ben bie Mnftlerin un§ toibmet, geigen, tote fef)r mir ü)r 
Streben anerkannten, unb Wie unfre geilnabme tljr audj in ber gerne 
treu bleiben wirb . . . . S92 . 

* * * 
[Seliger Sägeblatt 0. 24. 9Äai.] 



58. £tpmsft 



äipinäix ift ba. ®iefe brei SBorte reiben für ben Sflufiffreunb 
botüommen f)in, um alle feine 5ßulfe in SJetoegung p fe|en; fügen mir 
aber nocb, binju: Sitoiniti toirb ein fonjert geben, fo jubelt fein 
£erj bor greube, unb er fe|t fidj fofort in »etoegung, um fidj in ben 
33efi| be§ ©djütffefö p biefem ^odjgenuft »u fe|en.'"S8ir werben un§ 
toobt büten, irgenbein anbereS SSort %m @mbfebtung be§ großen tünftlerä 
%u gebrauchen afö feinen tarnen. 23er biefen nicrjt lennt, ber mag ju ber 
©träfe üexbammt fein, ben anbern ^aganini ntä>t gehört %n baben. 



„^immtifcb, bat er geftoiett." 

@ä)toerIicE) b,at jentanb länger über 5ßaganini geurteitt atö 33brae 
mit ben bier SBorten oben. 2tud) wir miffen über Stptttöfi nicbtö p fagen, 
jumal bie äFcenfcljen nocb, eben au§ bem tonjert fommen unb biet mü> 
einanber reben unb unfer Mut metjr afö getoblmticb pulfiert Unb rollt. 
@o biet ift getoils, f)ätie ü)n ^aganini, ber bi§ je|t bie §errfcb,erinfignien 
atlefamt getragen, b,ätte er ü)n bleute gehört, er würbe üjm ba§ Bester 
(toenigftenS) in bie §anb gebrücft fjaben. Unb fo tafjt uns baSfelbe tun! 
2M>r barüber bietleicbt nad) bem jtneiten Sonjert. 

Stnt 4. Sunt. 

* * 

»Sofiett <3d)umann$ gel. ©äjriften. II. 23 



354 5».58. SipinSK. — -91. 59. ffiarlS'oetoe. 

Sipin!ii toirb, tote ben Sefern Bereit! au! ben $nfünbigungen Betont 
ift, ein jmeite! ®on§ert geBen. %üx biejenigen, bie baZ erfte gu Ijören ©e» 
legen^eit Blatten, bebarf e! feiner Stufforberung met)r, fidj einen ©enuß 
ju berfcfyaffen, ber §u ben feltenften unb erfjebenbften gehört, bie un! bie 
Sonrimft barBieten ton. Sto biejenigen, ioeld^e e! Bi! jettf berfäumten, 
ben mächtigen SSefierrfc^er ber ©eige [p tiören], toeWjer auf feinem 
Qnftrumente bieten Bi! bafjin gang unBetonte Legionen ber (Smbfin* 
bung #u erfcpefjen berftetjt, machen toir anf eine ©elegeüfjeit aufmert» 
fam, ficB, einen Sftmftgenuß ju Bereiten, toettfjer tijnen in biefer Sttt ntdEjt 
letdEjt toieber pteit merben niötfite. greiftet) entführt bie in üjrem fctißnften 
Samuele .brangenbe 'Statut ben gälten ber fhmft eine große Qai)l ber 
©afte. S)0(J) finb biefe ©enüffe nic£)t an bie !ur§e Sauer eines Sage! 
geBunben. unb Bieten ficfi, un! ^öffentlich, noct» tvofyew unb monatelang 
bar, ben Mnftler aBer entführt un! ,ba! neibifdje Scfyicffal fdjnetl. §ier 
mül ber StugenBIicf Beratet fein, ba§ SSerfäumte läßt fic£) md£)t naä)* 
fjoten. ®e!balB geifern tt)ir nict)t, ba% auct» trots ber frönen Sage, 
toetdje ein freunblicijer §immel un! fdjenft, fiel) ber Mnftter eine! fo 
gaf)Ireiä)en 33efuct)e! %u erfreuen Baben inirb, afö fein großartige! Satent 
e! berbiente 593 . 



59. SKaxl -ßoetoe. 

§err aftufifbireftor Dr. S?arl Soeme au! Stettin, beffen SSauaben bon 
taufenb beutfcljen (Stimmen mit Siebe unb SSegeifterung nadjgefungen 
toerben, gibt morgen aBenb eine mufifafifcEie Unterhaltung im §otel be 
fotogne. (Sollten mir irgenbeinen lebenben ®omboniften Begeic§nen, ber 
bom SSeginn feiner funftlerifctien SaufBaB^n Bi! pm jetzigen 9IugenBIicfe 
beutfctien ©eift unb beutfctje! ©emüt belunbet unb e! im $arteften tote im 
äSilbeften, in ber Sprache ber erften Siebe toie im 2lu!Bru(i)e be! tiefften 
gerne! ausgebrochen . Blatte, fo müßten mir Soeme nennen. §ierp 
lommt noct) ba§ fettene SBünbnü, ba§> t)ier I)ombonifi, Sänger unb SSir= 
tuo! in einer *ßerfon gef Stoffen f)aBen. (Sin bramatifetjer Mnftler, ber 
un! ettoa ben Saffo m.iiöc^fter 3Mfterfci)aft barftellte, mürbe un! !aum 
ba§ $ntereffe einflößen al! ©oetfje felbft, ioenn er um borläfe; mir B,ören 
f)ier bie Söne bon bem, in beffen 83ruft fie perft entftanben, ber fie p* 



3J. 59. f arl Söwe. — 5J. 60. SInMnbigung eine« maxa 3Bte*tottäerte§. 355 

erft embfunben, orme ben fie gar nict)t erfrieren mürben, ^e feltener 
unS ein foMjer ©enuB geboten toerben famt, je ftfnteuer fottten toir 
feinen Stugenbticf ergreifen. ttnb bann berfe|en mir un§ ja gern in jenes 
alte Seitalter ber »arben unb SSotfSfänger, beten Sieber toie bie 2tu§= 
ftorucfje eines ©ottbegeifierten bemommen unb bereit tourben. ©oftten 
h)ir fälter unb unempfänglicher getoorben fein? SSir greifen unferer 
grage mit feiner Stnttoort bor; aber mir fer)en mit greube bem morgen* 
ben Ibenbe entgegen, ber unS ©elegenfjeit gibt, einem baterlänbifcfjen 
ffiflnjHer bic'^rcn p befugen, toeläge fein fjorjeS Talent in fo fjofjem 
iKafte berbient 594 . 



60. Stnlärtbigung eines Rontfxksvon Rlaxa 2Bte<t 

@3 gibt gtoei ©toracfjen ber ®unfi A bie gemeine irbifetje, toelcije bie 
äßeljtjaljl ber ®unftjünger bei %ki% unb gutem SBitlen in ber ©djufe 
f^recE)ett lernt, unb bie fjörjere, bie überirbifcfje, bie be£ eifernften <5tu* 
biumS Rottet, unb bie bem äftenfcfjen angeboren fein mufj. ®te niebere 
©toracfje ift ein ©anal, ber gerabeauS einen geregelten, ja nur ergtüun« 
genen Sauf berfotgt; bie fixere ift ein Söalbftrom, 'ber Braufenb au§ ber 
9?ä6,e ber SBolfen ftürgt, man toetft nic£)t »ob/er? unb toobjn? ber fiiep, toie 
mp\ioü fagt, „ftarf unb gebanfenboll". Sie «ßro^eten rebeten biefe 
©Jreacfje, unb fie ift au<§ bfe' ©ptadje- ber tunftter; beun bie fünftter 
finb 5ßrotob,eten. 2>ie goägter -beS §tmmefö legt einen SBert auf bie 35or= 
güge ir)rer irbifcfjen ©tfgtoefter, auf einen roobjgeorbneten Stnjug, auf 
eine gemiffe ©emeffenfjett in ©ang unb Haltung; aber me^r gelten ü)r 
Stnmut, ©ra 5 ie, ja felbft JHtrm^eit, bie fiofi, bis jum ^eiligen 88a$njtrat 
fteigert, in meinem fie bie Socfen löft, bie Stoßen rollt, göttlich UM unb 
fiammelt unb bie ©rammatif be§ butgären guten £on§ jerreißt, fo ba§ 
il)r, mie einer toeisfagenben ©ibblte, bie tiom ©türm getriebenen Stätter 
um ba§ %aupt herumfliegen. 2Iber jebeS ber jerriffenen »Bittet enthält 
einen ©rafetfprucEj. 

Su ben roenigen, toeldjen jene ludere ©prad^c ber Shmft augeboren 
ift, gehört audj unfere junge Sßeifterin, maxa SBiecf, eine fünft- 
torobfjetin, beren 2merfennung fetbft im »aterlanbe ba§, getoötmlidje 
©{mcfjtoort Sügen ftrafte. ®ie in raftlofem Sßeiterftreben begriffene 

23* 



356 3t 60. atttBinbigimg eines f lata SStecNionäerteS. 

Sünftterin roirb, nadjbem fie fett länger aB Safjregfrift tri Seibjig nierjt auf* 
getreten, borü)rer nädjftenShmftretfe (nad) S)re3ben, BreMau, Berlin ufro.) 
ben 9. Sßobember [1836] im ©aale be§ ©eroanbtjaufeg ein grofse§ Sfrm§ert 
geben, toeldjeS bei ber Söafjl bon lauter rjier nocb, niä)t öffentlich gehörten 
iHabierfornbofitionen bie 2Iufmerffamfeit aller SJlufiffreunbe im I)öcr)ften 
©rabe auf fiä) teufen muf3. @ie fbiett barin ein Capriccio brillant mit 
Drdjefter bon g. äftenbeI§for)n=Bartt)oIbt), reict) an tunftgerjalt unb 
originellen ©ebanfen, ein grofte§ Bongert bon eigner SSom,bofition, 
ein SSerl, ba§ uu§ ben Blicf in ü)re tieffte ©eele erf cpefjt, unb rjöetjft 
fdjroterige unb brillante Variationen bon §er§, Dp.- 36, für $ianoforte 
©olo über ben ©rietfjendjor au§ ber >> Belagerung bon SSorintb, << . Sturer* 
beut trjttb ba$ Bongert für brei SHabtere bon $of). @eb. Badj unter 
SDfttroirfung unfere§ genialen 3Jcenbel3fot)n»Bartr;oIbt) unb be§ §errn 
3?a!emann aul Bremen %ux Aufführung lommen. @§ mufj ben Be= 
roobnem Seib§ig§ eine intereffante unb merftoürbige (Srfdjeinung fein, 
roenn ber ©eift ü)re§ ehemaligen SKitbürgerS, be§ alten 25a er), in 
feiner ganzen tief=ernften, gutmütig*Iatorijiöfeu, fauertö^fifetjen Siebend» 
iüürbigfeit einmal in ibre SJHtte tritt, grüfjenb, matmenb unb rbie im 
berben Sone fragenb: „SBie fter)t e§ je|t in eurer fhmftroelt? <3et)t, ba§ 
roar icrj! " 

S^ocfc) roirb §err ©uftab Sßauenburg, ber gegenwärtig in §aHe 
lebt unb fict) bei mehreren äJlüfitfeften, roie auet) bor §roei Sauren in 
Berlin afö Baritouift in mehreren Sonderten mit aufjerorbentüctjem . 
Beifall tjören liefs, unter anberem eine ber beliebteften Baüaben bon 
Soeroe bortragen. %laü) ben großen SMftem, bie un§ tu biefen Sagen 
entjücTten, bie jüngere f tara SBiecf eben je|t in rafdjer golge in ben ber* 
fccjiebenartigften ©pielroetfen §u t)ören, mufj für ba§ mufittiebenbe 5ßu» 
btilum fo intereffant al§ genufsreicrj fein, btö geroifs nict)t ermangeln roirb, 
feineu ©inn für bie $u ertoartenben au§gegeicr)neten ^unftleiftungen 
burdj bie Iebt)aftefte JEeimatmte an bem Sponserte §u betätigen 595 . 



■ 91. 61. gfjrenaeugtttS für äBtlnterS. — 91. 62. Die Sittt. 357 

61. S^ren3eugms für SRuboIpI) 2Bilmers 596 . 

SSie gern roiItfat)r' idj bem SBunfctie beg §errn SBillm'erg au§ lEopen» 
fjagen, ein paar SBorte über feinen bier§elmiärjrigen ©ot)n Stubolüb, 
au§ beu SSüdjern ber ®abib§bünbter abjufctireiben! 

„— 33ei toeitem erftaunticrjer atö im Vortrage ber fJompofitionen, bie 
er bei Rummel einftubiert, trat fein mufifatifcljeg latent im freien $f)an= 
tafieren fyerbor. (Sufeb gab ü)m bag £>omtr)ema aug bem erften @a| ber 
(£»moIt»©infonie. (Srft ftu|te ber ®nabe unb tappte, ba er nid)t roufjte, 
ob eg nacr) 33=bur ober ©g gehört, fo liebengroürbig öerlegen in ben 
Harmonien rjerum, baf3 eg eine greube toar. Waü) unb nactj aber etfcrjlojj 
fid§ ü)nt bie S3ebeutung ber öier £öne, unb nun frrömten orbentlicfj 
33Iumen, S3It|e unb perlen unter feinen gingern fjerbor, fo ba§ mir 
einen Süngling %u tjören meinten. 9luf ben gebt acrjt, fagte SReifter 
ötaro nad) bem ©d§Iuf3, ber toirb euä) einmal mag ergäben." 

©0 ftetjt im 20ften 83uct) ber S)abibgbünbler. 

gloreftan. 



62. DJeSBuII. 

(totretyottbettsöeridji au§ SStett 1839.) 

Die 3MI gab Big je^t §tüet tongerte; bag erft£ mar bag glangenbfte 
im gangen äömter, ber grofje 3?eboutenfaaI faft brücfenb gefüllt, bag 
Drdjefter btö befte, bie (Srroartung bie gefpanntefte. @r fpielte toie Die 
2MI. Wie S5ergietct)e fcrjeitem. @r bringt faft lauter Sßeueg, unb ift eg 
nict)t immer fä)ön, fo bocrj intereffant. 9lfö 83eb>rrfcfjer feineg ^nfW 
menteg al§ gnftrument ftet)t er meiner äMnung nacr) aber iuenigfteng 
$aganini gleich;. 2tl§ Somponift erfcrjeint er fcrjröäcb>r, mact)t manches, 
wag ein ®reifjiger fctjon rjinter fiä) b,aben follte; iä) muffte nur roieber» 
fjoten, mag bie £>£. ®orn unb £rm)n geiftboll in biefer geitfcEjrift bar* 
über gefc^rieben. gut bie Söiener pafjt er nicf)t; fängt er an p ergreifen, 
bafj man atemlog, fo fpringt er ptöpcb, in bie §öf)e mit einem 9ttf3 über 
bie ©aiten roeg; ba fcrjütteft ber SBiener ben topf unb tüetfs niä)t, mag 
er babon beulen foll. ^aganini tat . bag autf), aber al§ Italiener unb 
lacfjenb; bei Die SSuII ift eg frampfartig. @r fofettiert ettoag mit feinem 
fflüififfcrrtnerg. ©eine gulunft liegt iljm bielteicb,t felbft im SunMn. Über 
bie bielen lahmen Urteile linlg unb recfjtg tann er ficb, aber getroft rjinroeg» 
fe|en. (Sr ift unb bleibt neben ^aganini ber ßrfte. 



358 % 62. Die S3uE. — 9J. 63. äßidjettä. 

.(ftimsett <<rat 30. «Rotjcmfier 1840 in Seidig.) 

Unter ftürmifdjem 33eifafl gab §r. Die SöuII geftern abenb fjiet ein 
^onaert. 2fl§ SSiitnoS mochte er nacf; ^aganinig Eingang unbejioeifelt 
afö ber (Srfte angufefien fein; einzelnes, tote baä bielfttmmige Spiel, gehört 
ü)m gang eigentümlicfj. SSie er mit bent ©c£)tt)tertgften nur fbiett, fo 
toeifj er bocrjaucrjbie tieferen ©aiten be§ ^erjenä jn treffen; fo im Stbagio 
bon Sflojart, ba§ er bi§ auf weniges ungefcrjmMt, einfach unb beutfdj 
innig bortrug, ^amentlicrj biefem ©tücfe folgte ber feurigfte SSeifall. 
gur botlfommenen SSürbigung feiner aufserorbentlidjen SSirtuofennatur 
gehört merjrmaligeg £ören, p b^m un§ auf btö ertoünfdjtefte burcb; be§ 
JEünftter3 Stuftreten im fjiefigen Sweater ©elegentiett gegeben ift, 



63. 9Kt(|eu3. 

ästen. 1839. 



Wliä)eu% r)at gefbielt unb ift teüweife leibet au§getocr)t worben. 
Slber äfticrjeus lann met>r afö ^ünbert attbere, felbft berürjmte f labier» 
ftoieter in Söien,; unb eSift fc£>abe Um benäJJann.^^ble man ü)n, pnge 
iljnt einen Drben an, fd)icfe ü)n naä) *ßari§ unb ßonbon, nnb ber Sftann 
wirb mit Sorbeeren unb ©erjagen betoben prücßommen; aber er b,at 
bon Qugenb auf. mit ber bitterften Strmut lämüfen muffen, l)at bett SJtrm 
groeintat gebrochen, furj, ift nie au§ bem©tenbfyerau§gefümmen. Piöjeus 
r)atte.e§ freiließ gleich bon borUfjerein' mit feinem Sondert berborben 
— buräj feinen ellenlangen ^ongertjettel unb ber Slnfönbigung feinet 
„Non plus ultra"*. Unb ba§ mar ber %efyex; man betjanbelte ifm wie 
einen £albberrü(ften, unb,r)ätte er noiärijimmlifcrjer gefbielt, e3 würbe 
Üjttt tttc^tg geholfen f)aben. ©äjabe um ba§ auSgegeicrrttete Talent! Qn* 
beffen tröfte er fiel) über ba§ 8ifä>en vm.b Sachen. JKan tjat t)ier fetjon 
»effereg an^gegif^t unb ©d)ie^tere§ befiatfdit 597 . 

* „(Sine luräe ^fyantafie in bret* unb inerljctnbigetn @a|e, lomponuxt, in einer 
noefj nie gehörten 3Ranier feiner eignen ©rfinbung Borgetragen unb aüen Stabier» 
birtuofen all ein mufi!alifc£)e§ ©ouüenir gereibmet" war baS fnriofutn Bejeitf)net. 



' 



. 9J. 64. SKettbetefofttS ©Ijrtmg. — 9f. 65. @d|f öber=®ebrtent. 359 

64 SJlenbelsjoIjns Sprung unb Sluffüljruttg bes » -ßo&gefmtg«. 

3. ©ejetjtber 1840. 

©leid) beim beginne be3 Iftmgerfö, nadjbem ber gefeierte ÜJMfter 
an ba§ mit Blumen beirängte *ßuft getreten, toarb er bon feiten be§ 
galjlreicb, berfammeften $ubftfum3 mit ftürmifdjem 33eifatföruf Begrübt 
unb bon folgern auäj btö Drcfjefter mit fortgeriffen. Sei ber 9tuffiu)rung 
felbft mürbe au§ toa^rtjafter SJegeifterung gezielt unb gefungen, unb 
btö 9tefultat begfetben toar eine fo boflenbete Seiftung, tote man ficb/beren 
toob,I feiten erinnern mag. yia§ bem tongert nmrbe SJcenbeI§fof)n= 
Söartfjolbtj bor feiner SBoImung bon ettoa 60—70 (Sängern, bie gum großen 
Seil im Stongert mitgetoirft Ratten, ein Stänbctjen gebraut, unb afö 
berfelbe, um bafür gu banfen, mitten unter ben (Sängern erfdjieu, ertönte 
„bem SReifier ber 3Mfter, ber toie fdjon oft, fo auct) Ijeute burd) bie 
38af>rljett unb ©etoalt feiner trefflichen Söerie btö ^nnerfte unferer Seele 
erfcptterte, bem großen ffi ünftler, beffen SBoMen, beffen SSiffen unb beffen 
tonnen gleich mächtig finb, bem funbigen unb treuen güb/rer im 9?eict)e 
ber £öne, bem Stotg unb ber gierbe unferer Stabt, unferm gelir. Sftenbefö* 
fol^n-Bartf)otbtj au§ tief belegter, banlerfüliter S3rufi ein breifact)e§ 
feurige? SebefiocE)'' 5 9 s. 



65. Sc^röber-Deortent. 

.... Sag geftrige [18.' 2Mrg 1841] tongert tourbe bureb, bie 3SM)I, 
bie meiftertjafte Stugfüljrung ber Stücfe, tote bureb, bie SRittoirtung bon 
äRabame Sct)röber»®ebrient gu einem ber glängenbften btefeS SBin* 
ter§ 699 . ®a§ ^ublitum mochte bieg borau§gefef)en t)aben; ber Saal 
lonnte laum bie §örer faffen. $n ifjrer gangen genialen traft geigte 
fitf) bie gefeierte üünftterin namentlich) in ben Siebern, bie fie mit f labier* 
begleitung fang. Sie fdjfofj mit SRenbeföfot)n§ innigem SMMebe ba§ 
mit ben SBorten „9luf SSieberfefjen" enbigt.. 3)ie§ fjoffen mir bbn Ü)r, ttrie 
bom ffltofier, ber es felbft begleitete. Mab; Stfiröber*®ebrient gef)t balb 
nact) Sonbon, um bort auf bem beutfetjen Sweater ©aftroüen gu geben. 
£r. SKufifbir. 3ftenbeföfot)n toirb ben Sommer in ber Sct)tt>eig gu» 
bringen. . . . . 



360 5J. 66. 2ßatfljäitg*5ßafftott öon S3acE). — 31. 67. Stfät^onjert. 

66. tLUx bie Stuffü^ruttg ber aJiattpus^affiott tum 23acf). 

1841. 

2tm $atmfonntage roarb tjier in ber £t)oma§fircr)e unter Sötenbefö* 
fofjn=33artfi,oIbt)§ ßeitung @eb. 33aif)3 *ßaffion§mufif nari} bem (£ban= 
gelium be§ 3Jtottr)äu§ aufgeführt, nadj metjr atö einem gatjrtmnbert 
jum erften 3Me roieber in berfetben SKröge, in ber e§ (1729) feine erfte 
Stuffüljrung erlebte. 2tffe Stimmen öon ben Drten tjet, too ba$ SSer! 
feit feiner Sßieberbelebung in Berlin aufgeführt mar, Ratten längft ba§ 
lebtjaftefte Verlangen nadj bemfetben rjeröorgerufen, ba§ audj burcr) 
biefe Sluffü^rung bie bofifte Befriebigung erhielt. Sie bett>unberung§= 
roürbige tjarmonifcfje Shmft in ben ©tjören bei <3eb. 93adj atö fiä) bon 
felbft berftefjenb borau§gefe|t, fo roirfen bie großartige ©infad^eit ber 
Stuffaffung, bie gemütreicrje ^nnigfeit ber ttjrifcrjen Momente, roelä)e 
ben ejrifi^beftamatorifdjen $lufj be§ (Sangen burdjbredjen, bie fromme 
Sßaiöität ber (Sräätjumg mit fixerer Sftatfgt auf ba§ ©emüt be§ §örer§. 
S)er religiöfe, ünbtict) fromme (Sinn, ben man gern atö ba§ borjug§roeife, 
reo nic£)t auSftfgliepcrje Eigentum einer frühem ^eriobe fird)Iict)er Son» 
fünft bejeidjnet, roie über§eugenb unb rüfyrenb fbrictjt er oft au§ bem 
©efange ber ©injelftimmen unb au§ ben Chorälen, roie ergreifenb roirlt 
namentlich ber eine otme Begleitung gefungen burct) feine rounberbar 
fä)öne Harmonie, möge immer ein Seit biefer SSirfung ber SRacfjt ber 
menfcpögen ©timme beijureclmen fein, ©in ^unftgenuf? nidjt altein, 
eine geier ift bie 9tuffüt)rung be§ S8er!e§, auci) roo fie, otme einem litur* 
giften groecl %u bienen, fetbftänbig auftritt. @t)re alfo bem SMfter, 
bem mir, toie bie Sßieberaufnafnne be§ 3Berfe§ übertäubt, fo biefe Stuf» 
für)rung inSbefonbere berbanfen. 3)o|)belten SDanf aber ü)m, ber feine 
aufobfembe Uneigennü|igleit foroie ba% bon üjm im borigen ©ommer 
gegebene Drgetfongert §ur (Srricrjtung eines S)en!ftein§ für @eb. Bacf; 
beftimmt f)at 600 . 

67. £i[3t^ott3ett. 

13. SeäemBer 1841. 

Stm ÜDtontag gab g. Sifet im ©eroanb^augfaat ein ^on^ert, in toeldjem 
auä) bie Mnftterin [Mara ©dmmann], in beren neulict) gegebenem Stongert 
er eine glänjenbe ©aftrotle gab, nidjt minber gtängenb gaftierte. ®afj beibe 
®on§erte, einanber fo nafje gerücft, außer iljrer eigentümlicr)en 93ebeut= 



SR. 67. Sifgyhmjert. 361 

famleit eine bergteidjenbe 2Infd)auung jiüctet fünftterinbibibuatitäten, 
Beibe ben ©rften ber $eit gugetjßrenb, Beibe SKeifter beSfelBen 3nftrn= 
meniS, unb bocf) ft> biametral berfäjieben Betbe, foit>of)t in ifjren eignen 
©paaren barBoten, aß gu einer ©efamttmrfung bereint, bie fo feiten. 
al§ Ijinrei^enb mar, fteigerte ben ©enujä in rjotjem ©rabe. Beibe ftrieber» 
polten ba§ im ©dramannfcrjen Sonderte gezielte §erameron. 'Stufjerbem 
fbielte Stföt ba§ gmmmelfdje ©ebtett, »Slbelaibe« unb ben »(Srlfönig« in 
feiner Söeife unb namentlich btö erftere treffticrj, ber ©tbfetbunft aBer be§ 
SIBenbS war bie pjantafie über Sternen au§ » ®on $uan << . ®a§ ®uett be§ 
®on Suan mit Merline, üon §rn. Stfjt mit einer bramatifcfjen Sßat>rf)eit 
ber 9Iuffaffung, mit einer treffenben Sreue be§ bialogifctjen ®etaitö bor= 
getragen, bafj bie £öne blaftifctie ©eftaltung getoinnen p. tootlen fdjienen, 
unb bie (Sfyambagnerarie, entflammt unb entflammenb in Sbmbofition 
unb SSorirag, Buben bie £>aubtBeftanbtei!e berfelBen. Sie Stmttoofitttm 
ift, fotneit ein einmaliges §ören unb ber feffetnbe, beftecfcjenbe Vortrag 
be§ SJleifterS ein Urteil plaffen, in ©rfinbung unb formeller 9IuSBitbung 
eine ber gerunbetften, aBgefcfjIoffenften Sif§t§ ... 



^£2£? 



Stnmerlungeit. 



SSorbemcifungen. 



»et ieber SCnmerJung fteijt hinter itjrer laufenben Plummer in fllammer bie ©eitettjaJjt 
ber SejtfieHe, $u Wetter fie geljürt. »on 3fr. 456 an gehören bie Stnmerfungen ju »b. II. 
Sbn ben Sefonber§ umfangreichen Stnmerfungen ftnb jur leichteren Ütjerftcljt in ecftgerÄtatnmer 
@tictjtt>Brter fiSer ben Sintjatt gegeben. 
SCBlüxäungen: 

Urfbr. = ttrforüngltäje gaffung be§ ©afceS, SBorteS. 

©eftr. = ®tefe Stelle war bon ©ctjumann Set ber fftebaltion feiner Schriften ge= 

firictjen Worben. 
3t. ober 9t Qt. 4, 16 = 3ceue 3eitfc§rift für 3Jtuftr. »anb 4, Seite 16. 
Säjr. 1 = 1. Stuftage ber ©efanrmetten Schriften. 
3g6r. = SfugenbBriefe, ütoBert Säjumann, rjerau§g. b. Mara Schümann. 3. Stuft. 

äpi. 1898. »reittobf & gärtet. , 

3c. g. = 3to5ert Schumanns »riefe. 3ceue gotge, JjerauSg. b.*@S.3anfen. 2. Stuft. 

Sp3. 1904. »reitlobf & gärtet. 
<S. I. II = f. ffirter, 9to6ert Schümanns Seben in »riefen, »erlin. 1887. Stieg 

n. ®rter. »b. 1 u. 2. 
3c. 36 = 9c-act)trag, Stuffafc 3fr. 36. 
16. 4. 33 (Sei »riefbaten 5. ».) = 16. SCbrit 1833. 
»b. I., 16 = »b. I ber borttegenben Auflage, Seite 16. 
0, tn, u = oben, SJUtte, unten ber Betreffenb angegebenen ©eite. 
5£itel ftnb aucfj Itjter mit » «^eingefafjt; gitate mit „ ". 



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Strnnetfungett. 

l(©.5,o.). [»orgefc£)t^tebteJe§l.a:uffa|e§]:®ieferexffe9tuffa|@(i)umann§, 
ber nact) ber 2trt ber bamaligen fettif unb bem Stlter be§ ©ctyreiberg angemeffen eine 
füfjne £at war, erfcfjien 1831 Sejembet in ber »SECg. SRufifalifctjengeitung« in Seiüjig, 
bie bon ginf rebtgiert würbe, ©djumann f)atte ba§ » SBerf 2 «, bie Variationen ©jajring 
über „3teid/ mir bie §cmb, mein Seien", aucb, Ut% (H)0,bing »®on guan«» Variationen 
genannt, bereits int Safjre 1830 lennen gelernt unö mit Vegeifferung gezielt, Wie biete 
eintrage in fein Sagebucb, bezeugen. Vermuflid) War er auct) burcE) SRettffabg nüchterne 
SBefpredjimg (»$rig« b. 5. 11. 30) unb burcb, ginfg boIlfommeneS ©c£)Weigen ju feiner 
begeiffertenf unbgebung beranlagt worben. <£r fanbte am 27. 9. 31 (3gbr. @. 154) ben 
Sluffafc, ber „nidjt ttyeoretifä) einbringe, fonbern nur einen erfien ©inbrucf Wiebergeben 
folle, ben ein geniales Dbug ber neueffen Qeit auf üjn machte", an @. 38. %M, ben 
Oxebalteur ber Seibjiger »SÜIgem. 3Jtufitalifcf)en Leitung«. 3ta mit einigem SBiber» 
ffreben fdjetnt ber ^antaffif^e ©rgufs aufgenommen ju fein. ®ag gefjt einerfeifg auS 
bem belagerten Stbbrucfe begfetben (7. 12. 31), anbererfeitg aug ber ©egenrejenfion 
fjerbor, weldje ginl bem ©cJ)umannfc£)en SOtffa| unmittelbar folgen lieg, um (Wie er 
in einer Vorbemerkung fagte) nacb, bem „Sögttng ber neueffen Seit" e,inen „angefetjenen 
unb würbigen Dteprafentanten ber älteren ©cfmle", einen „burcrjauS tücpgen, bot!» 
geübt unb JenntnigreicS)en SKann" fiel) augfbreäjen ^u laffen. ®iefer StambmuS finbet 
in bem (nadj ©dmmanng Stugbruct) genialen Düng nur „Vrabour» unb gigurenweri". 
©iner 9?ad)bemertung ginfg jufolge mufjte eine britte, bon %. SBiecr „im ©inne beg 
§m. ©cfmmann" berfafjte atejenfion ber Variationen aug Mangel an 9taum surü* 
gelegt werben. (@ie iff in ber ^ßarifer »Revue mus.« nnb in ber »Käcitia« bon 1831 
fowie im »Someten« bon 1832 erfctjienen.) ®er Slbbrucf bon ©äjumanng 2luffa| war 
nicfjt forreft, and) tiatte %vd bie llnterfdnift „guliug" geffricfjen unb ffatt beffen unter 
bie Übergriff „Von f. [mit biefem ©rudfetiler] Schümann" gefe|t. Witt „Qutiug" 
iff ©dmmanng greunb Qufiug $ norr gemeint, ber bie Variationen am 27. 10.31 
im ©ewanbtyauStonjert gefbielt tyatte nnb fomit ber erffe gewefen iff, ber ©f)oöin in 
ben f onjertfaal einführte — wenn man bon bem tombonifien fetter abfiefjt, ber bie 
Variationen bereitg am 11. 8. 29 in SBien öffentlich) borgetragen fjatte. ' 

©iefer 9luffa| follte ben Stnfang einer Sfteilje bon Sritifen bilben, allein Weitere 
Sufenbungen an gin! unterblieben ober würben bielteicfjt and) nict)t angenommen, 
benn bie burefjaug neue, bon allem §ergebract)ten abweietjenbe Strt ©äjumannS War 
jebenfallg bebeutenb aufgefallen unb fjatte ginf Wot)I manetje öerwunberte anfrage 
gebracht. Studj KafteEi in SBien, 3tebafteur beg » SSiener OTg. 3Kuf . Slnjeigerg « lefjnte 
©ctjumanng Slngebot % Satyr fbater ab, ben Stuffa| noefj einmal abpbrnetett unb bie 
„ungebrudt gebliebene Raffte" bajnäunefimen (Vrief b. 28. 4. 32, 3r. g. ©. 35). 



366 9Inmerfungeu p 33b. I, Sluff. 1. 

SBie Sdmmann „mit Segeiftexung" „täglicB. 3 ©traben" biefe SBaxiationen- ge= 
fbielt, fo entfielt mit berfelben Segeiftexung bex $Ian, fidEj öffentlich übex baS 2Serf 
p äufjern. <Sr nimmt eS bamit feljt emff. gm ©ept. fjat er ben Stuffa| an ginf ab» 
gefcfjidt, fctjon im guli Reifst e£, inbem et feine Stnfidbten über baä SBerf in fein Sagebucfi, 
nieberfcijreibt: „Stbex ba§ Qbeal, baS icb, p feiner [l£h,o{>in§] ©arflellung in mir trage, 
fann icb, nic^t fobalb exxeicfjen." SSon feinex ffrengen ©elbftMtif legt auctj bie ©teile 
geugniS ab: „©djxetbe einfacB, unb natüxlicf;, ©oetfje toirb immer ein fdjöneS Sgorbilb 
bleiben, ©etoöfme biet) an Mx^e unb Kontinuität im SCuSbxucI. ©udje fo lange, Big 
b« baS S3ort finbeft, ba§ ben ©um aufs Sjaupt trifft." 

ÜbexglücflicB, mufj er getoefen fein, aß biefer exfte für bie Sffentlicpeit Beftimmte 
fcfjxiftftellerifdje äkrfucfi. nad) unb nacft, bie ©effalt annahm, beren SBitb er in ficfi, trug. 
9lm 21. 9. 31 f treibt er an bie SKutter: „SBüfjtefi bu nur, toaS baS für greuben finb, 
bie erffen ©cfiriftffelterfreuben; laum toirb ber SSrautffanb iljm ettoaS nachgeben. — ©o 
ffolj toie bex Soge Bon Senebig mit bem SJJeer, Dermale icß, micb, jum erften SÖcale mit 
ber großen 38elt", unb unter bem 13. 10. 31 Reifst es im » SebenSbuct) «-: „®ie SRe^enfion 
fjaBe icfi. toäfjrenbbeffen fortgefctiicft, fo fctieint mir aucfj ber ©cf/tiftfiellerfjimmel auf» 
pflacfexn" unb: „9Ö3 pan für bie Bufunft: ©äciliane mit einpfc£)iebenben ®ebi<f)ten 
im neuen gloreffanfctien ©enre". 3Bie fctjon oben Bemexft, toirb ginf ftcß, toeitexen 
gufenbungen gegenüber ableljnenb behalten unb bamit ber Stnfdjaurag eines grofjen 
KeileS feiner Sefertoelt SRecfMrag getragen Ijaben. ißerfßnlicö, ijatte er ficE) jebenfatlS 
anfangs tootjltoollenb bem jungen pantaffen unb ©cljtoärmer gegenüber gejeigt. 
„äRein guter ©eniuS", Jjeifjt es unter bem 6. 11. 31, alfo in ber Seit, aß gin! ben 
9luffa| nodj nicfjt aufgenommen Ijatte, „führte mid) etiegeffern im' tonjert mit 
©. 3K. ginf pfammen. @r fagte, 1 ©Iwbin [ber Sfuffa| gemeint] toäre neu unb genial. 
@r [gini] ift ein fanfter, frommer SKann, otjne ©uctjt unb ©lan^." 

2 (©.5, o.). Urfbr.: „fcljon toie lange borfjer gealmtfjaBen; baS ©eltfante ift itjnen 
im anbern StugenMicte nicljt feltfam meljt; baS Ungetoöfjnlicrje toirb im SRoment tJjr 
Eigentum. ©ufebiuS hingegen, fo fcfjtoärmerifcB, als gelaffen, jiejjt SÖIüte nadj SSIüte 
aug; er fafjt fct)toerer, aber fixerer an, geniest feltener, aber langfamer unb länger; 
bann ift auc§ fein ©tubium ffrenger unb fein Vortrag im Äabiexf|)iele befonuener, 
aber aucb, garter unb med^anifcB, botlenbeter afö ber gloreftanS." 

3 (@. 5, m.). ©effr.: „lactienb ju @ufebiu§, ,aötr toollen bir bie Dljren unb un§ 
bie SCugen platten.' " 

4 (©. 6, o.). llxfbx.: „D»ug". — ©cB^umann B,at faff burcB.gängig in ben ©e» 
fammetten ©cbriften „SBerf" für „Qptä" gefe|t, nur Bei ben franpfifcB, toieberge» 
gebenen Sitein ba§ „Oeuwe" gelaffen. 

5 (©.6, m.). ©eftr.: „obgleich icB, *paganinifc§en Vortrag unb gieIbfcB,en Sin» 
fdjlag in ®ufebiu§' ©üiel bermifjt Ija&e;" 

6 (©.7, o.). ©eftr.: „(®a§ ©an^e gel)t au§ eB,ambagner)". 

7 (@. 7, o.). Urfbr.: „SBenn nämltcfj an fc^önen Xagen bie Slbenbfonne bis an bie 
©Ietfcljerfbi|en rot unb rofa IjinaufHimme, bann jerflattere unb jerfliege, fo läge über 
alle Serge unb MIer ein leifex ®uft, aber ber ©letfcEier ftänbe rul)ig, !alt unb feft, 
toie ein SKtane ba, toie aus SCräumen ertoac^t..— " 

8 (©-. 7, m.). llrftir.: „ba fie bunt finb; aber fo fuBieltib fie bennocfi, bleiben unb". : 



Stronerfuttgen 51t 33b. I, Sluff. 3. 367 

9 (@. 7, m.). Ui\px. : „feinem feffen ©treben, feinem gfeifje unb feiner Sßfjantafie." 
10(@.9,o.). [Über ben ®abib3bunb]: 3nbergugnoteber3t.:b>rzuftob a!3Sfo= 
merftmg: „Seiber Jönnen soir über bie 8tuffd£)tift ,®abib3bünbler' nodj feine öollfton- 
bige SCufHärung geben. ®er geexte Sefex ton fie ober batb ertoarten, ba un§ bie 
unbetonte §anb, btefette, bie fdjon in ben borigen ^Blättern bie ©Ziffern ©ufebiuS, 
5— n, gtoreffan unterzeichnete, baju mef)r aß §offnung macfjt. ®. Eteb." — (ginige 
28ocr)en fpäter bradjte bie Qt folgenbe 

©rflärung. 

@§ gefjen mannigfache ©erüdjte über bie unterzeichnete S3ünblerfcf)aft. Sa roir 
leiber mit ben ©rünben unfxer SSerfcfjIeierung nod) jurücl^aüen muffen, fo erfudjen 
toir §errn (Schumann (follte biefer einer bereljrttcfjett Kebaftion betont fein), un§ 
in gälten mit feinem 9lamen bertreten zu toollen. ®ie ©abibgbünbler. 

3c§ tu'§ mit greuben. 3J. ©djumann. 

3tad)bem gtoreftan, (SufebiuS unb 3taro fdjon in bem <Eb>to*3trtiM bon 1831 
rebenb eingeführt tooxben finb, treten fie unb tfjre ©enoffen nunmehr als Sabib3= 
bünbler auf. Qu näherer ©rftärung be3 geljeimnigbollen SSunbe« erfährt man aber 
toeiter nicf)t§, afö mag bie latonifdje Stufforberung be§ SfeifferS unb feiner jünger 
aribeutet, unb tnaS weiterhin au§ ben, aucf) nur brucfiffüctoetfe mitgeteilten sßrotoMIen 
ber (felbftberffänblicf) fingierten) a3unbeäfi|ungen p entnehmen ift. SBa§ bie fjter 
genannten ®abib§bünblet betrifft, fo finb bie Urbilber berfetben unter ©cfmmarptS 
greunben ju fudjen, roietoof)! tfmen boct) immer nur einzelne Qüge entlefmt finb. 
Qux ©rllärung ber Kamen unb zur ©fjarafterifftf ber 5ßerföntic£)feiten biene folgen» 
be§. Steifter SRaro fofl griebrict) SBiect fein. ©Ieicb>of)l finb bie mit Staro unter» 
Zeichneten Stu3fj>rüd)e Sied nictjt zuzufdjreiben. gn einem einzelnen gälte mag ©ctju» 
mann immerhin einen fremben ©ebanfen feff gehalten unb geformt fjaben — im übrigen 
toar e§ nidjt feine ©actje, Slnlettfen bei anberen zu machen. 3JJan ton furz fagen: 
©djumann toar ber SSunb ganz allein; feine SSortiebe für ba§ @ef)eimni§botte, 
5Serfcf)teierte lief? ifjn berfdjiebenartige funffdjarattere erfinben, burct) beren SKunb er 
bie ifm betoegenben ©ebanJen auSfbracfj. — SStetf toar au§ einem f anbibaten ber 
Geologie Qnfrrumenten» unb 3RuftfaIient)änbter geworben. Suff unb Siebe zur 2Kuftt* 
batten ifm nod) in reiferem Sttter zu umfaffenben ©tubien über Sedrmr be3 Ätbierg 
unb Sfjeorie beS SDmfatjeg angetrieben. Sßon feiner ungeroöljnftdjett Sefjrgabe zeugten 
bie aujjerorbentlidjen Seiffungen feiner Softer f lara, bie er auf eine ffaunen3toerte 
|>öf)e ber birtuofen SluSbübung gebraut blatte, ofme felbff ftabierfpieler zu fein. ©f). g. 
ißoljle fagt barüber meinem 3luffa| über fflara (»Seibziger Sägeblatt« bom 1. 5. 33): 
,,©ie t)at einen $8ater, ber bie ©teile eines 28e|ffein§ bertritt, toie e§ im £oratiu3: 
»de arte poetica« ijeifjt, ber felbff nictjt fctjneibet, aber ba§ ®ifen in ben ©tanb fe|t, z« 
fcfjneiben, ber, of)ne fetbff tec£jnifc£) au^gebilbeter Sünftler zu fein, anbere z'u Mnftlern 
bilben ton." meä$ ^unffricb;tung fu§te auf ben faff allgemein aß ricfjtig ertonten 
Stnfictjten ber älteren ©cf)ule. ©eine 'lu3f£rücf>e unb Urteile berrieten ein ffarfeg 
©elbffgefüf)! unb Ratten t)äufig ettoaS ®erbeg/ SRücfficf)t§Iofe«, ©rote§fe§ (bgt. ®orn,, 
»2tu3 meinem Seben«, 2. ©ammt., ©. 118, unb » Dftrazigmug «, 1875, ©. 78). ©dju- 
mann mar Söiecfö SHabierfctjüter, z«erff 1828 aß ©tubent, tjernacf; 1830, nactjbem er 
bie SKufif zum SebenSberuf ertoä^It t)atte unb ficE) zum SStrtuofen auäbilben toollte, 
©ctjon balb naä) bem beginn biefe§ legten llnterrict)t§ fafjte er ben ©ebanfen, feine 



368 SInmerlungen ju Sab. I, Stuff. 3. 

Stubien unter §ummel§ Seitung %u bollenben. ,,3d) Warf neulid) (fo fduieb er am 
17. 12. 30 fetner SRutter) bei SSiecE ben «plan wegen Rummel leicht unb forgfo§ fjin — . 
er nafjm'g aber übel unb fragte, ob id) äJttjjttauen in tfjn fe|e ober wer? unb ob er 
überhaupt ntdjt ber erffe fieser wäre? 3d) erfdjra! ftd)tbar über feinen übereilten , 
ßottt, aber wir finb Wieber freunblid), unb er befjanbelt mtd) lieb wie fein £ inb. SBon 
feinem geuer, feinem Urteil unb feiner £unftanfid)t ijaft bu faum einen Segriff, aber 
föridjt er in feinem ober £ tara§ gntereffe, fo wirb er Wüb Wie ein Sauer." Schümann 
Stielt feinen Pan, ben llnterrid)t bei SSied bemnäd)ff ju beenben, aufregt. „3u Dffern 
gel)' id) nad) Weimar gu Rummel", fdjrteb er am 11. 1. 31 an feinen £eibelberger 
greunb Semfe. Stber erff im Sluguff beweiben ^afjreS tnüüfte er mit £ummel an, 
bod) fam e§ ebenfowenig ju biefem Unterricht wie im folgenben Saf/te ju ben beab» 
fid)tigten Stubien in SBien, ba er fid) injwifdten burdj übertriebene gingergtjmnaffif 
eine Säfjmung beä Zeigefingers ber rechten £anb jugejogen Jjatte unb bafjer bie SSir» 
tuofenlaufbarm aufgeben mußte. <So baufbar Scfmmann feinem ehemaligen Server 
gefinnt war, fo freunbfdjaftlid) er ju itjm ffanb, fo berbarg er feiner «Kutter bod) nid)i, 
baß er „Wenig 3tu8fid}t 1)aU, mit Sffiied je in feiner £unffanfid)t jufammenjutreffen". 
(«Brief bom 28. 6. 33.) ®§ gel)t fdjon IjierauS fjerbor, baß man SBied nur mit @in* 
fdjrantungen al§ „SMfter 8laro" gelten laffen barf. SBa§ in ber St. unter 8taro§ 
Warnen ffef)t, gehört ausnahmslos Schümann an. SBietfS SKitarbeit War unertjebltd). 
<Sr felbff gibt barüber SluStunft in einem (bisher ungebrudten) Briefe (Hamburg b. 
28. 3. 35) an Sftieffel: „Sefen Sie nid)t im §olfteinifd)en bie »Jceue Seidiger Settfdjiift 
für SKufit«, herausgegeben bon (meinem Sd)üler) «Robert Schümann, unferm beutfdjen 
gbobin unb SBad), Wie fd)on feine Soffata, gmbromötuS ufto. anbeuten? SMlen 
(Sie fid) nid)t für biefe fd)öne geitfdjrift, weldje ber tjeiHofen Juste-Mlieu-SBirtfdjaft ein 
®nb e mad)t unb f efa* billig iff , bamit f ie aud) bie Sdjüler fid) anfdjaf f en fönnen, interef fie* 
ren? ®aS «ßäbagogifdje barin, %. S3. ,Über ben ©anbleiter' [unterzeichnet: ,®er alte 
Älaoierfdjulmeifter'], Soffata Dp. 92 [,4.'] unb ÜbungSftüde Dp. 239 [,14.'] bon ©jetnt) 
über baS »®Bc!d)en«»9tonbo Dp. 120 [,— ng— '] bon «pi£i§, iff bon mir." SßietfS «Kit» 
arbeit fdjeint fid) auf biefe bier im Scrfjtgang 1834 erfdnenenen Strtifel befdjränft ju 
fjaben, wenigfienS tjabe id) leine weiteren IjerauSfinben fönnen. SSiedS Seitraujme 
für ©djumann unb feine 3t. nafjm fd)on in ben nadjffen Satjren ab, berfefjrte fid) 
aber in§ gerabe (Stegenteil, als er erfahren mußte, baß feine Sturmläufe gegen baS bon 
Scfmmann unb £Iara gefdjloffene SBerlöbntS boIHommen frud)tto3 Waren. fRatoS 
SRame wirb junt Ie|tenmal am 24. 6. 36 in bergt, genannt. ®ie beranberte Stellung 
<5d)umann3 ju SEßied fennjeidjnet fid) aud) baburd), ba| bie Smtorombtui, toeldje 
@d)umann 1833 feinem Sct)ter-m Sanfbarfeit gewibmet blatte, in ber jwetten, 1843 
erfdiienenen 9Iu§gabe biefe SSibmung ntdjt ' meljt auf weifen. 1840 berlegte 38ied 
feinen 3Bormfi| nad) ©regben. ®ie 1843 bon it)m bewirfte SCu8fßb,nung mit ©djumann 
war metjr eine äufier(id)e unb ftellte ein Wirllid) fjerjtidieS SSertjättnig jwifdien beiben 
nid)t toieber t)er. 

Qn „gloreftan" unb „©ufebiug" finb bie berfd)iebenen Seiten bon SdmmannS 
„®ob|)eInatur" berKrüert. gloreftan ift ber braufenbe, übermütige Stürmer, geinb 
aller ^tnliffrofität, — grunbetjrtid), aber oftmals ben feüfamften ©rillen Eingegeben; 
bagegen iff ®ufebiu§ ber jartbefaitete, befd)eibene, immer milb urteüenbe Jüngling, 
ber Vertreter ber ©efelmäßigleit in ber £unft. ®iefe !urje, nur anbeutenbe ©f)araf= 
teriftil ber beiben §aubtbabib3bünbfer mag b,ier genügen; bie SSegeiäjnungen treffen 



Sfatnerfrotgen ju 33b. I, Stuf}. 3. 3g9 

olle ettoog bon ©djumannS SSefen, oljne e§ fretttcE» ju erfdEiöpfen. SSeitereg über 
einzelne ®abib§bünbler %u bgl. Siran. 517 („©er ©abibäbünbler"). . 

11 (©. 9, m.). Urfpr.: „SUüfje, ©ragie, Qbealität, bie tenngetctjen". Stwd^ biefer 
Sluffa| ift für bie Sammlung ber ©Triften intjalüicb, unb fftliftifcrj oon ©djranann recfjt 
bielfaä) geänbert toorben, e£ tonnten aucb, liier nur bie ^auptfädjltöjften Slnberungen 
angegeben toerbcn. 

12 (@. 10, o.). ©eftr.: „©er erfahrene refteftierenbe SDMffer fdjreibt anbere 
©tubien aß ber junge, »Jjantafierenbe. gener !ennt bie £ reifte, bie er $u büben fjat, 
Smfang unb ©nbe if)rer Mittel unb £toecle, jiet)t ftd) feine Greife unb überfefireitet 
bie Sirne -ntdjt. ©iefer fe|t ©tfief auf <5tM, Wirft Reifen über gjelfen, big er felbff nur 
mit Seben§gefat)r über ben §erMe§bau !ommen fann. 

§alte i<% aucb, bie bon ^ranntet barm für einfeitig, baß fie namentlich nur geffigreit 
in feinem ©til bejtoeden, anberS toie %. $8. bie be§ SKofc£|ete§, in benen Bei burc^gefienber 
®infi,eit ber @igentümIicE)Ieit bie mannigfaltigften unb beeren Strien ber ©arftellung 
berührt finb, ofme bajj barüber bie tedjnifoEie «Übung berfäumt toäre, fo tff ja eben 
biefeS lange auggebilbete ©ine, ©innige, toa§ ben ©d)üler feff madjt, i£)m ben 2Beg 
barmt, ben er bann felbffänbig weiterführen unb mit anbern burc^Ireujen laffen tonn. 
3(udj ben »ortourf, ben icf, auf beinen Stäben fdjtoeben fefje, gloreffan, bafj nämlict) im 
SSerf nidjts SKeue§ öorgufinben toäre, befeitige tdj bamtt, baß biefe ©tobten eine »brfdjule 
fein follen, bie bu, ber bu bie SReift'erarbeiten rennff unb lannff, tridtjt meljr braucbjf." 

13 (@. 10, m.). ©effr.: „^ur beeren boetifdjen greüjeit". 

14(©.10,u.). ©effr.: „(£§iftfo. »erat bie ©onne über unferm §aubt ftefjt, fjoef, 
unb Ieud)tenb, fo toagen mir ntdjt, if)r ins ©efidjt ju fefjen. SBtr erlügen un§ aber 
beffen, toenn fie bem Untergange nafje iff, ba ber ©lang un§ nicf)t tnef)r blenbet. Slucft, 
icf] fjabe ba§ getan, aber nicE)t, ofjne ba§ luge mit ber §anb ju überbeccen: berat idE) feti) 
fjunbert ©onnen ringsum, bie mic^ an ben erlöfdjenben Sag erinnerten unb an bie 
fommenbe 9laä)t." 

15 (©. 11, o.). Sogier toar ber ©rfinber beä ©fjirobfaften, einer medjanifdjen 
Vorrichtung an ber flabiatur %va ©rlangung einer feffen unb fixeren §anbf|attung; 
er unterrichtete immer mehrere Ätbierfcpler gleichzeitig. 

16 (©. 11, u.). ©eftr.: „fei'3 $f)t)fifcf)e3, fei'* «ßftic&ifctjeS, fei'S gertigfett, fet'S 
Stuäbrucf". 

17 (©. 11, u.). Qu bgl. bierju ber um biefelbe geit getriebene StrtiM ,,93ad)" 
im ©amentejilon. @. 3c. 4. 

18 (@.12,o.). ©effr.: „ba§ erffe ©lement aller tunft". 

19 (©. 12, u.). ©eftr.: ,,— nur bu, fcpner gufebiug!" 

20 (©. 12, u.). „geftaltet" toar aß ©rutffetjler ber Qt. aucEj in bie ©ct)r. 1 über- 
gegangen. , 

21 (@. 13, o.). ©eftr.: „benn au§ ben Sränen toerben fenfeitg perlen". 

22 (©. 14, o.). ©orn toar betenntlicb, 1831/32 ©djumannS Setjrer in ber 2f)eorie. 

23 (@. 14, o.). „©ine mufilalifd)e581umenff)rari)e toar eine meiner früfyeffengbeen", 
trug ©cl)umann in fein SEagebucb. ein, afö ü}m ©orn einft biefe feine »Sonbmmen« 
gejeigt unb jum Keil borgefrielt r,atte. m Reifst ba.j. S. toeiter: „®ie »^arjiffe« ]>ielte 
er mir bor, mir gefiel traft unb Sünbigleit im ©til, §erj unb SMobie bermi^' ict) 
bennoc!) bei iijm." 

MoBert ©c^umann» gef. Steiften. II. 24 



370 Sinmerfungen ju S3b. I, Stoff. 3-6. 

24 (@. 14, m). SKit folgen @d)tad)tenmalereien machten bte SHabierfbieter früherer 
Seit btel ©lud, namentlich ©teibett mit feinet »Bataille de Jemappes«, »Bataille de 
Neerwinde«, »L'incendie de Moscou«. Stber and) bie ©d)tad)len bon Stofter% Qena, 
SKarengo, Bagram, Seidig ufto. würben mufilalifd) betwertet. 18eetb>benS »@d)tad)t , 
bon «itioria« b>t fie freffid) alle überlebt. „Vivat Genius unb b>I' ber Teufel alle 
Srittl!" rief gelter in lautem ©ntf)ufia§mu§, aß er fie gehört. 

25 (@. 14, m.). 3n ber 3t. lautet e§ umgefe^rt „tote Sßoräetlanbütmen bon leben* 
ben". ©djumann t)at baS aber ftiäter ebenfalls in ber 3t. berid)tigt, er wollte bod) 
nidjt tabeln. - ' -.' ; 

26 (©. 14, nt,). ®er nun nod) f otgenbe 3. 2tuffa| über bie » Sonblumen «, ber für 
bie ©d)t. 1. geftrid)en würbe, iff im Sßad)ttag (f. SR. 5) enthalten. 

27 (@. 15,' u.)- ©effr.: „SSenn man batjer bie erfte Stet ber SBittuofität mit ber 
gigur zw«, bie gtoette mit <§), bie brttte mit< auSbrüden tonnte, fo Wählte icb, für 
bie§ Ie|te ba$ 3eid)en beS f teiSbogenS am Hebften. ®aS finb fo meine gtoreftanfd)en 
©ebanfen, obwotjt etwas fonberbar." 

28 (@. 15, u.). Urför.: „»biertiufaren". 

29 (©.15, u.). ©S war ber 1. ©a| beS £ummelfd)en Son^eriS. 

30 (©. 15, u.). „Ma Fanehette est charmante." 

31 (@. 16, o.). ©effr.: „— Sßun, was tulft alles Sieben. ®ie f ünffleranlagen finb 
bei beiben borfjanben. Sag gilt altes." 

. 32 (@.17,o.). Über bie angewenbeten taten Staro, gloreftan, ©ufebtuS gibt bie 
Slnm.10 luffdjlufj. ' 

33 (©. 17, o.). SCn ber §anb bon ©djumannS SCagebud) („SebenSbud)"), in bem 
biete biefer ©ebanten ^uerff niebexgelegt würben, »nnte bei einer ganzen 3teü|e bie 
unmittelbare SSeranlaffung (@efbräd)e, SBefucr)e, empfangene »riefe, f on§ertbefud)e) 
angegeben werben. SKan errennt ben ungemein bielfeiüg gebilbeten, fd)arf beobad)= 
tenben unb nad) fid)erem StuSbrucE fetner-Stoffaffung ftrebenben funftbpofobfcjen. — 
SBeitere Slbt|ori§menfammtungen bringen bie 9tuffä|e 21, 26, 121, teils and) SR. 24. 
§ierju ju rechnen finb aud) bie SebenSregetn Stoff. 126. 

34 (©. 17, m.). Saufm.SarlSßoigt, ber ©atte ber£enrtette Soigt (bgt Stoff. 77), 
ber langjährige greunb ©cfiumannS, erHärte biefen StoSfptud) für ©d)umannS ©igen- 
tum. ©r erjagte, bafs. er nad) jebeSmaliget Stoffüt)rung ber ®-moH-©infonie ein 
©efdjenl bon 100 Salem anonym an baS Drdjeffer gefanbt h>be, utfbrüngftd) in ber 
Slbfid)t, eine öftere 3Biebert)oIung beS SSerteS ^ü bewirten, WaS ü)m aud) gelungen 
fei. SHS er einftmaß nad) einer Sßrobe ber Sinfonie ©d)umann beim StoSgange beS 
©aateS angetroffen unb begeiftert ausgerufen b>be, bafs er „baS göttticb> SSerün feinem 
Seftament bebenfen Wolle", ba f|abe @d)umann biefe Stufjerung freiüd) nur .mit einem 
innigen §anbebrucE gelohnt, bielleidjt aber ben fyemad) niebergefd)riebenen boetifd)en 
Borten beSWegen feinen Stauen untergefe^t. (®er ©ireltion ber ©ewanbtiauSlon» 
jerte finb nad) Voigts Ie|twiIIiger »effimmung 6000 SKarr überwiefen worben mit 
ber SÖebingung, bie 9. ©infonie alljätjrtid) ober KngftenS alte jwei 3at)re aufäufü^ren 
unb bie Sinfen be§ tapitaß aisbann an bie Drdjefrermitgtieber %n berteiten.) 

35 (©.18,o.). SBgtben©d)Iuf3ber58ef|irecb:ungbon©d|unfeS@onate. Stuff.11,4. 
©. 64 u. 



Stnmerfungen ju S3b. I, Stuff. 6. 371 

36 (©. 18,u.). ®iefer äftb,ettfcrjen.@runbanfd)auung ©djumannS, bafj bie 
äßuftffüngenbeä Seben fein muffe, unb bafj barum ber tomponift mit .allen SKittetn 
bafur fotgen muffe, feine «pijantafie, „biefe gnmmeßgabe", biefen Urquell alle? @d)affen3 
mit mertbotlem, bielfeitigem £eben§gef|alte %u füllen, begegnet man in jaljlreidien 
2lugfbrüd)en immer wieber. Sgl. j. 33. „Überall bermifjt man W' (SCuff. 36, @. 241 o.); 
„SMre e§ — tyabe" (Stuff. 46, ©. 276 u.); ' „®er ©runb — gelben" (Stuff. 60, 
©. 355 m.); „Sefe bod) — lernen" (Stuff. 73, Sadmer, ©. 430, o.); „StuS bem D|)ern» 
lomfwniften — Steife" (Stuff. 110, S3b. II, @. 99, u.); „28er ©fjafefaeare — fünftlerg" 
(Stuff. 111, S5b. II, ©. 115, m.) unb „Sieb, btd) — SffiiffehfcEiaften" (Stuff. 125, SSb. II, 
©. 170, o.). ®er angeftrebte SinHang jwifd)en £ unffwerl unb SebenSintyalt get)t aud) 
fyerbor au£ bem Bekannten SSorte: „@3 affigiert midi alles, wa§ in berSBelt borgest, 
^otitif, Stteratur, 2Kenfd)en; über alte§ beute iäE» in meiner SBeife nad), tt)a§ fid) bann 
burd) bie -Kufit Suft machen, einen StuSteeg fudjen Wut" (©d). an £t. 13. 4. 38. Qgbr. 
282m.). 3Jät|ere§ hierüber in: £. ®re|fd)mar, 3t ©djumann alg $ftt)etifer, 
(£. f. ©efammette Stuffä|e II,.©. 294 ff., Seidig, S3reit!o|)f & §ärtet, 1911) Wof]I 
ba3 SSefte, Wa3 über ©dmmanng ©djaffenSWeife US je|t gefdjrieben tobrben ift. 

37 (©. 19, m.). Kad) einem alten 33raud)e bex Slttjener Heg ber ben &ieg ertlärenbe 
£>eroIb ein Samm über bie ©renken be3 feinbtidien ©ebteteg laufen, um biefe§ afö 
fünftigeS SBeibetanb für bie ©roberer ju bejetctinen, 

38 (©. 20 o.). SMara SSied war bamaB gwar bereite 14 Satyr alt, allein fdjon in 
ttyrem 9. Qatjre War fie mit grofjem ©rfotge im ©ewanbtjaufe ju Seipjig afö 5ßianiffin 
aufgetreten. 

39 (©. 23, m.). ©djeint ein wenig ©pott jufein, benn baSSSud) wirb bonQanfen 
at§ ein „red)t IjarmlofeS" bejeidjnet; wftfjrenb bod) bie ©d)xöber«®ebrient eine beben» 
tenbe ©röfje war. 7 Satyre fpäter tyat aber ©djumann ©ottmid pr SKitarbeit an ber gt. 
aufgeforbert. • 

40 (©. 24, u.). ERan mufj bie erftauntictye @tct)errjeit unb Steife be§ Urteils bewun» 
bern, mit ber ber bamalS laum 22jät|rige @d). tyier altes augff)rid)t, toa§ bie ®ar* 
ftellung eines 3Kufirffüde§ bebingt. 

41 (©. 25, o.). @S ift tjier bie brüte gemeint, bie beiben erffen würben erft fpäter 
belannt. Sgl. fiierp and) Stuff. 83, 105 unb in 93 ©. 504, u. 

42 (@. 25, m.). Surfte gr. 9<toljr gemeint fein, bon bem am 24, 10. 33 im £ei{>= 
jtger ©etoanbtjaufe eine ©infonie gezielt Würbe. 

43 (@. 29, o.). [geberftieg jtoifdiengtn! unb ©diumann.] %om%af)xe 1835 an bis 
ju %inU Südtritt bon ber 9tebaftion (1841) bradjte bie »Stllg. SRufifat. gtg. « febeSmal 
0ur Eröffnung be§ 3atyrgange§ fotd)e Seitartilel, beren ©fji|e fid) gegen bie »9J. 3t.« 
ridjtete, otyne bafä biefe jebod) genannt worben Wäre. ®ie neue ®unffricr)tung war 
ginr burdjauä unft)m|)attyifd). §atte er ©ctjumannS erffen Serfen (1833) nod) 
eine wotylwollenb gehaltene SSef^redjung gewibmet, fo Würbigte er nad) ber %tit ben 
£omöoniften ©d;umann Mner ©rwä^nung metjr. ®iefe ©egnerfdjaft fam ©d)umann 
nitfjt unerwartet. „TOt ginl wirb e§ fctytimm", fctyrieb er feiner 3Rutter am 9. 4. 34, 
(8gbr. 237, m.) „ber ift fdjon je|t Wütenb unb Will nidjt§ aufser fid) leiben. ©S bauert 
mid), bafs ein alter, fonft fd)ä|barer SRann fid) fo gemein tyerunterjietyt. Qebeufalfö 
Wirb in ber golge tampf, fo würbig aud) ber 2on im gangen fein foK. SSerlafj ®itf) 
barauf,.baf3 id) ba§ unterffridiene äBort fjalte. ©oEte e2 einmal geiftige ©teine regnen, 

24* 



372 3tanerfungen ju Söb. I, Stuff. 6. 

fo galten fünf 33udel bod) immer metjr aug, ^untat ba Sugettb barunter ftecit, aß ein 
alter, fdjon fetjr gebüdter." Sie Haltung bex SR. St. roax bementfpxed)enb xü£)ig unb 
facpd). SBentgex tufjig traten anbete glättet auf, fo baß ginfö gleid) anfangs fjetbox* 
tietenbe ©exeistljett gegen bie neue 3ettfd)xtft roo£.l etfläxlid) tft. Säexgen f)atte im, 
» tometen« (1. 11. 33) einen biffigen Slxtifel gegen ginf gebraut; ebenfo l)eiaugfoibeinb 
lünbigte (10. 4. 34) ber «Berliner »freimütige« (38. §äxing) bag ©rfdjeinen ber ©dm» 
maunfdjen 3eitfd)rift an. ®ie Injeige fdjloß: „®ex «pxofpeöug läßt biet ©uteg ex» 
toaxten. Qm Saufe biefeg Satrreg Wirb eg fid) rool)l entfdjeiben, ob bag früher fo roürbig 
beftanbene ältere gnftitut [bie »»llgem. SKuf. 8*9-«] neuen 9luffd|Sourtg neunten ober 
altergfdiroad), ben Slnfoxbexungen ber Seit nid)t meijr genügenb, einfdjlafen toirb." 
ginfö ©rtoibexung baxauf (» StIIß. SKuf. gtg. « 1834, @. 178) tft im ©egenfag j« feinen 
fbätexen, borfid)ttg»möfferißfen Slnfbielungen fetrc juberftcrjttidj. „SSünbler red)tg, 

SBünbter linfg, gtgaro t)ier, gtgaro ba", meint er, „ big je|t aber finb roir nod) 

auf bem «ßla|e unb Ijaben Suft, ein 28örtd)en mitjureben, uttb jwar oxbentlid)." ®te 
8t. fagt in einex „gouxnalfdjau" (1834) bon ber » OTgememen «, baß beren fxttil „bag 
8ügeftanbnt§ beg ©eifrxeidjen, ©eniaten, fomte ben offenen f ambf gegen bag «Kittet» 
mäßige, Salentlofe mit gteidjex «BoxficEjt umgebt. $t)re Senbenj tft bie r)öc^fie Solexanä, 
gteidjroeit entfernt bom Sob ber «Begeiferung unb bom Säbel ber «Bexroexfung; iljr 
SSatjrfaxud): „leben unb leben laffen". (©enau fo urteilte «KenbeBfofm. „gintroußte 
immer am »oitxeffttdjen eine mangelhafte «Seite Ijeraugjufeljrett unb bag ©tümber» 
tiofte rndjt ganj ofme SSerbienff ju finben", fdjrieb er am 15. 2. 44.) ©oldje Urteile 
erboffen %M r batjer feine tjeraugforbemben Strtt&l, bie ©ctmmann aber faum um bie 
gute Saune brauten. 8lfö girrt roieber einmal, aber mit borfidjtiger SSerfdjtoeigung 
aller Kamen, auf bag bermeintttdje foterieroefen in ber »K. 8*- « anfbielte, bemerlte 
©djumann ba^u lur^: „Sag große «ßrebigertum ber «Büffe fjat etroag de amicitia ge» 
f ^rieben. «Uten toirb bemSSefen eb,effen§ bie tutte übex bie Dtjren äufammenäietjen." 
(1836, S5b.5, 9.) SSenn bie feittf in ber »Slitg. Stg. « einmal bon itjrer äaljmen 
Soleranj abließ unb eine entfdjiebenere ©|>rad)e %ti reben roagte, fo gewann bag ©d)u» 
mann fd)on einen ermuntexnben 8u™f ab: „Kr. 9 ber »Sßlg. «Kuf. 3tg. « bringt ganj 
gegen it)t (Stiftern eine fetjr f(i)arfe «Rejenfion ber » ©ftl) er « bon Soeroe. Kur meljr bex» 
gleiten!" (1837, SSb. 6, 90.) gittl blieb big jule|t i)öct)ff exbittext auf ©ermann unb 
feine 8eitfci)iift. 211g er ©nbe 1841 feinen KMtritt öon ber [Rebaltion anzeigte, f(b,rieb 
©dmmann: „%m Dr. %M, ber fonft immex leife auftxitt, nimmt einen jiemlicl) pottein» 
ben 3lbfcl)ieb bon ber Kebaftion ber »Sltlg. SKuf. 8tg. « SKan lefe üjn. ®x fbxic^t aufy 
bon geinben, bie er ficE) ,bexbient', unb jielt beutlitb, auf biefe «Blätter, ©r irrt. Söix 
b,aben un§ nie öiel um Qn geflimmert unb toexben'g auä) lünftig niä)t." (1842, 58b. 6, 
8.) Saß aucE) bie »exleger ber »90lg. gtg,.«, »reitlopf & §ärtel, mit ginig Kebaf* 
tiongfütjrung nitf)t aufrieben ioaren, gel)t barang Ijeröor, baß fie toiebertjott einen anberen 
«Rebatteur ju geniinnen fucl)ten. 3Karfci)ner fcfjrieb untexm 11. 12. 33 an %. &of* 
meiftex: „Sexgeng Angriff auf ginf l)at ung biel ©üaß gemalt, einegteit? bex ©aetje 
felbft roegen, anbexnteilg, roeil iä) batjintex Sffiied fbulen faf). Kun, Seigen unb Söiecf 
b,aben xed)t, unb iä) toünfctjte, fte grobf adelten nicljt nur fürber, fonbern fie bedien 
all bie arrogante ®umml)eitber »> allgemeinen « red)t grünblid) auf unb ben SRebalteur 
l u. Übrigeng fefeinen ©artete bie ©adje aud) fatt ju l)aben. ©ie frugen fogar mid), 
ob id) rebigieren rootle, allein mein »ieberfinn regte fiefj, unb idj leljnte ben ©paß ab." 



■: 

m 



Sftmterfmtgett 31t 33b. I, Stoff. 6. 373 

Se^gleidjen fdjrieb äßenbeBfoljn an SJtofdjeleS (7.2.35): „Sfeulicb, frug eine 
aKufifljanblung mid), ob idE) nid)t eine SÖcufiläeitung tebigiexen roofie; tdj fjätle bie 
£>anbümg gern tjerauggeforbert." ®a§ ift too^I nur auf £ärtefö ju begießen, benn mit 
ben Verlegern ber anberen SRufirjeitungen fjatte 3RenbeI§form gar leine 33erbtnbung. 

44 (@. 29, u.). 9Jajrf)aeI @eorg f teferoetter galt fägon bamaB roegen feiner 
preiggefrönten ©äjrift: „SDte SSerbienfte ber 3tteberlänber um bie SEonfunff" unb 
berfägiebener mufilgefc^iiijtliiijex Stbrjanbtungen (grojjtenteilg in ber » Seipjiger 81%. 
SKufil. Stg.«) aß Slutoriiät in ber äRufifgefdjtdjie. 

45 (©.30, gfufjnote). 83erli05 fam im gebruar 1843 nati) Seipjtg unb .führte 
bort mehrere öon feinen Äombofitionen auf, bie aber nur toenig SBetfaH fanben. $n 
ber » 91. gt. « berichteten §irfd)badj unb g. (£>einrid) ©ctjmitt) barüber, erfterer mit 
»armer Keimarjme, offne freutet) feine SSebenlen ju berbergen (ben ©cfymfifaf ber 
» «pfjant. Sinfonie « nannte er gerabeju eine „2Hbemf)eit"), festerer füfjl unb burcf)tt>eg 
bertnerfenb. ©r fprad) ironifcf) bon Serlioj' „großem ©enie", toag ©ämmann (lote er 
in einer gufjnote bemerlte) bem „jebenfaflg bebeutenben Wanne gegenüber" unpaffenb 
fanb; S3erüoj gelte in $arig für ben erften franäöfifcrjen Qnffrumentalfomponiften, 
„ber er auef) fei". — SRünblicE) rühmte ©djumann bag Dffertorium gegen 33erüoj, ber 
barüber an 3- b'Drtigue in *ßarig berichtete: „©cfmmann, ber fcr)toeigfame ©cfjumann, 
ift ganj elettrifiert oon bem Dffertorium meinegSRequiemg; Sngg nadj ber Stuf füfjrung 
t)at er ben SJhmb geöffnet — jum grofjen ©rffaunen feiner S3eiannten — um mtdj 
bei ber £anb ju nehmen unb mir ju fagen: ®iefe§ Dffertorium gefjt über alteg." — 
33a ©cfmmann ntd)t felbff über SSertioj' Stuftreten in Seidig gefajrieben blatte, fo lag 
ifjm 8i ©rie,benlerl in einer Keinen ©cfjrift »3ütter Serlios in S3raunfdjroetg « etioag 
ben SEert. ©arauf ertoiberte ©cfjumann itjtn in ber »gt. « SJgf. 9c. 34, 83b. II, S. 296. 

46 (©. 31, m.). Sieg ift bag „SRacfjtoort" ju einem 8luffa| SSebeß: »©pracfje 
ber SLonlunft« (3t. 5, 11), ber gegen ben©ebtaucJ) ber grembtoörter in ber SKufif 
eiferte, guccafmaglio, ein ©eutfdjer mit Seib unb ©eele, ging in feinem berbienff» 
iicfjen 33effreben, bie beutfcfje ©freadje bon allem gremblänbifctjen ju reinigen, infofern 
jutoeit, aß er auef) biejenigen Sunffaugbrücle befeitigt toiffen roolüe, bie überall feff 
eingebürgert unb fcrjtoerlicb burci) beutfcfje öejeicfmungen jit erfe|en finb. ©r felbff 
bebiente ficE) grunbfä|licr) niematö eineg grembtoortg, roieroobl feine SBerbe'utfcfiungen 
mancfjmal reetjt ungefügig unb gelungen waren (bgl. auef) Sfnm. 185). ®arin liegt 
roor)I auefj ber ÖSrunb, bafj feine SKitarbeiterfcijaft an ber gt., für bie er eine anfefjn» 
licfje gaiß meift freier Stuffätse fcrjrieb, bie berbiente SBürbigung — • menigfteng in tbeite» 
ren freifen — nic^t gefunben l)at. Su cca taaglio fö^rieb %. 33. SEonfpiel ober S3ar= 
biet ftatt ©infonie, SEonjeugfiatt ^nftrument, ^onbü^ne ftatt Drdjeffer, Oebreie, 
©ebiere ffatt Xrio, Duartett, Älangftüd ftatt ©onate, Saife ftatt ©tjoral, fommet 
ftatt gagott, Sinle ffatt Marinette, 8tuf)IIang unb Unruljtlang ffatt Äonfonanj 
unb ®iffonanj, lieblicb ffatt Itjrifci), büljnticfi ffatt bramatifdj ufto. 

47 (@.31,m.). @g müfjte auffallen, baf^Sdiumannfitfjfjierfoentfdjiebenfürbie 
@infüb,rung beutfetjer Xitel augfpricxjt unb boer) noefj brei eigene SBerle mit fran» 
jöfifcijer Sluf ftfjrif t erfcfjeinen Kefs, inenn e§ nietjt am SEage läge, bafj er barin ben 
Verlegern fjatte ju SSüIen fein muffen. S m Steril 1836 fünbigte er in ber gt. aB 
bemnac§ff erfctjeinenb an: »gafc|ing. ©cfjtoänfe auf 4 SBoten für 5pianoforte bon 
gloreffan, Db. 12 «, — ba§ SBerl erfc£)ien im Sfuguff 1837 unter bem Xitel: » Carneval. 



374 Stmnerfungen ju 33b. I, Stuff. 611.7. 

Scenes mignonnes etc. Oe. 9 «. gm SDM 1836 toar angezeigt: » X (Stuben im Drtfjeffer* 
äjaralter für 5|Jianoforte bon gloreffan unb ©ufebiug, Dp. 13 «, — fte erfäjienen im @eb* 
tember 1836 afö »Etudes symphoniques « unb unter ©djumanng tarnen, gleichzeitig 
audj bag » Concert sans Orohestre, Oe. 14 «. £e|tereg toar urfbrünglid) atg ©onate 
bejeidjnet. ®a ober ber Verleger einer „©onate" feine fonberttdje guglraft ptrauen 
modjte, fo torabe bag 38er!, nadj Slugfctyeibung ber beiben ©djerjog, in ein „Sondert" 
umgetoanbelt. Qn einer jtoeiten 2luggabe (1853) tourbe bie erffe SSejeidjnung toteber 
tjergeffeüt. gm guni 1836 toar bie f^tS-mott-Sonate unter bem Xitel: »^tanoforte» 
fonate, Akra zugeeignet bon g-Ioreftan unb (Sufebiug « erfäjienen. ©djumanng Sßunfcb, 
(S3rief bom 7. 2. 38, 31. g. ©. 422), eine neue Stuggabe unter btm Xitel: »lffe ©onate 
für ^ianoforte bon 3tob. ©cfjumann « tjeräuffeüen, erfüllte ber SSerleger nid)*. @rff 
2 gar/re fbäter ersten eine neue Xitelauggabe, aber mit franjöftfdjer Stuffdjrift 
— fdjtoerüd) mit guffimmung beg SJerfafferg. — SSon 1837 an bebiente fid) 
@d)umann nur beutfd) er Xitel. 

48 (©.31,u.). UrfarüngL lautete biefe§ 9tod)to. (3t. .5, 13): Unfer tiebtoerter, 
rpcbjt finniger äSebel !ann glauben, bafs über ben ©egenffanb bon fämtticfjen ®abib§« 
bünblern biet nadjgefonnen, unb bajj man in ber £>aubtfad)e feb,r feiner SOJeinung ift. 
©0 gibt bie SRebattion bie Xitel ber Sombofitionen fo beutfd) toie möglid); man toirb 
fid) nad) unb nad) baran gewönnen unb jule&t finben, bafj ein „mit inniger ©mbfinbung" 
ebenfo toirlt afä ein con gran espressione. Stuf jeber Seite fofl eg aber übertäubt 
nidjt ftet)en. 

Db SSebet aber mit S$erbeutfd)ung fo gar geliebter SBörter, atö „©t)tnbl)ome", 
burdjbrtngen toerbe, jtoeifern S)abibgbünbler unb mßd)ten e§ aud) nidjt; unfer „Sieb" 
nimmt uns niemanb; aber „fRonbeau, &fOtai ufto." tootten toir ba taffen, too fie perft 
ing Seben getreten. Söfo nid)t jubtet, aber nur fort mit ben „composS et dedie etc.". — 
©tatt ber 33ortraggbezeid)nung burd) SBorte lieber 3eid)en einzuführen, fd)etnt am 
angemeffenffen; toie fdjneß fafjt bag STuge %. 33. bag -= ffatt crescendo; ja in biefen 
berfd)tungenen SSögen, Äreujen, ©frij;t)ä!en liegt ein befonberer 3fet$ unb eine ztoeite 
Äombofition; toie benn übertäubt bag berfdjiebene S&erfatjren, tote ®omboniffen 
if)re SBerfe bezeichnen, mefjr alg bie Xöne fetbff bon ifjrer ganzen SSilbung 3e«gntö 
geben möchten. 

49 (©. 34, m.). Sie SIbfaffung biefe§ Sabriccio fallt in ben 3eitraum bon 1839 bis 
1842, ber bie £eben§bauer ber ©d)ittingfd)en »gat)rbüd)er für SKufit« unb itjre 2Biffen= 
fd)aft umfafjt. Stuf eine SJerfbottung beg bon ©d)itting gegrünbeten »®eutfd)en 
Srationatbereing für SOJufil« ift eS ob,ne grage abgefeb,en, — bie Überfd)rift, ber mit 
„©.©." (©uffab @d)ilüng) unterjetdinete Aufruf, bag „^roteltorat" be§ S3ürger» 
meifferg fotoie bie „!orrefüonbierenben unb ©Jjrenmitglieber" beuten barauf fjin. 
©efd)ilbert toirb ein gufammettfiofs ber Slnpnger beg „Sfeuen" unb beg „Söten", 
ber ©d)au»Ia| ift eine „berühmte SKufifffabt" — offenbar Seibjig: ®gfj mit ben fingier« 
ten Sternen auf beftimmte SKufifer angefbielt wirb, ift getoifj; toer aber getroffen toerben 
fottte, ift uid)t mit ©td)ert|eit ju fagen. ®ag urbitb beg „fniff" ift am. leid)teffen er» 
fennbar: — gin!. 

50 (©. 37, 0.). ®er b,ier in ©d)r. 1 febjenbe 9tbfd)nitt jäb,tt bie bebeutenbften 
Sluffä^e auf. 



I 



Slnmertungen p »b. I, Stuff. 7-9, 375: 

51 (©.38, it.). Utftn.: „Ttan follte ni(f)t fo f eberlekfjt mit ben ©tunben fielen, 
fonff werben e2 biefe juleft mit un§." 
- ' 52 (@.39,m.). Itrfpr.: „SSerfe — baJ SSort jagt pbiel". 

53 (@. 39, m.)'. ©effr,: „Db «nfet SSetf afjren bie «Billigung ber fomponiffen er» 
galten Werbe, wiffen Wir niäjt. Sollten fie barin bielteuf)t etwas ftnben, Wa§ ber frönen 
©praä)e be3 SBof)lWollen§ entgegenffänbe, mit ber man, wie mir früher fagten, über 
unfre bälige Stoff reben muffe, fo motten fie aud) nitfjt zweifeln, bafj Wir, auf ba3 
SSofjt ber eblern tunftfünger bebaut, nur bann, wenn toir un§ felbff für befiegt er» 
Hären, bie fdrcectbaft überfjanbnetimenbe SKittelmäfiigfeit ju befämüfen aufhören 
werben." 

54 (©. 39, u.). ®§ iff , ber Stuffa| »®er ®abib3bünbler« gemeint, ber ficfj im 
mfytxaq afö 9ta.24 finbet. 

55 (©.40, o.). $er Suftfcljiffer ©ianno^o im »fomifdjenSMiange pmSitan«. 

56 (©.40, m.). Sine (Sinriii)tung an beu. früheren flabieren. 

57 (©. 40, u.). SOjeoretiter älterer Seit. (£3 bebarf Jaum ber «Bemerfung, ; bafj. 
e§ einen „19. Seil" gar nic£)t gibt. 

58 (©. 41, u.). ©effr.: „tjöre nur, gforeftan: a3»e»e»M)»o»b»e»n — ". 

59 (©.42, o.). ttrfbr.: „auf ©te%en machen". . 

60 (@.42,o.). ©effr.: „unfertige £eben3berfd)Wenber, für bie bte 9KufiI ber 
®etimantel iljrer gefjeimften ©efüpfünben iff". 

61 (@. 42, m.). ©effr.: „auffüllen, erbitte icb, mir nocfi, bon ©wv 28. 1 (Site 
Quartetten, . y 4 beSgl. gugen im breiten gormat, bann %. beggl ©onaten «nb 
Variationen". 

62 (©. 42, m.). Stefer «Brief iff }ebenfaH§einerbkE)teter, fonff Würbe ifm Schumann 
nidjt abgeänbert t)aben. »orfjer ffanb noä) ber ©a|: „3t)r fetjt mid) ffaunenb an unb 
fcE)Weigt; icf) bin öerffanben, wenn itjr mid) nitf)t berffanben fjabt." 

63 (@. 42, m.). ®ie «Rebe rietet ficfj ^auptfäipd) gegen- bie #tf)treic£)en W^" 
}o|)f)en, bie fid) abfällig über *8eett)0ben3 »Neunte« tjatten bernef)men laffen. 

64 (©. 42, u. ). ©effr. : „ba fie mit ber SBttbung unb bem ©eiffe, ber it)r Wie allen 
©rfcfjeinungen eigen ift, SM&igung unb Stiftung bor bem SSeffetjenben berbtnbet,". 

65 (©.42,u.). ©eftr.: „SOJanfönnte ifm lieben, wenn er nid)t Wollte, bafj man ifjn 
Raffen f olle ; Wie einen @cl)üler Würbe idj ttjn einfberren f imnen unb bann rutjig äufefjen, 
roie er fonnenan f^toebt al§ Slbler: icfj würbe ifjn einen SWeiffer nennen, wenn er ein 
©cpler fein wollte. ©r Will bicf) berfüfrcen, bafj bu ifjn für einen ©entuS fjalteft, ge» 
ffeb,t aber im Slugenblicf barauf felbff, baf§ er ein unau3ffe:pcf)er $f)iltffer fei; wenn 
bu ju it)tn fagteff, er fei eine fdjwebenbe SStume, fo würbe er afö ©cf)metterling au£» 
rufjen, bamit bu beibe berwecfjfeleff. ©o wenig ffet)en feine Äräfte mit feinem SBttlen 
im Verhältnis, fo wenig burcEjbrtngeu fie ficf). 38iberff)rücf)e finb e§, bie er nieberfcE)rieb, 
unb bie icb, abf^reibe. ®ie Sliatur Jjat ifjn auägeffattet Wie einen i|rer teuerffen Sieb» 
tinge, unb bie Qeit f)at ifjn gefangen genommen Wie einen SKiffetäter." . 

SJf enbelSfofjn, ber im 3uli 1836 einige 2Soc£)ert in granf fürt lebte, fäjrieb über 
filier: „®ann iff^UIer fjier, ber mir §u allen Seiten eine liebe ©rfifjeinung war, unb 
Wir fjaben bon je^er biet unb gntereffanteS miteinanber ju berfjanbeln gefjabt. @r ift 
mir nur — Wie fottic£)'§ nennen — nid)t einfeitig genug. SSon Katur liebt er S3acb. 
unb «eetfjoben bor allen unb fcfrfüge fi^ baf)er am liebffen ganj auf bie ernffe ©eite. 



376 Slnmerfungen gu 33b. I, Sluff. 9—11. 

SCber nun gefallen ifjtn Stoffint, luber, Fellini ufw. aud), unb mit ber Siielfeitigfeit 
fommt fein SKenfcb, xed^t weiter. ®a§ macE)t nun ben ©tof f aller unferer Unterhaltungen, 
fobalb wir ung fefyen, unb fo iff tnir'g boppdt lieb, gerabe je|t einige Seit mit if)m %u* 
fammenjutreffen unb Womöglich, in meinem ©inn auf ifm einjutoirfen." $m befon» 
beren über §üler3 ©tüben fcfrcieb er (25.3.35) an SKoft^eleS: ,,%ä) tjabe neufidj " 
©tüben bon£ifter gefetjett, bie mir audE| gar nicrjt gefallen fjaben, unb bag tut mir leib, 
Weif ic£) itjm gut bin unb glaube, bafj er Talent Ija't; aber *j3artg iff gewifj ein fester . 
»oben." n $ä) gebe bie §offnung nidjt auf, if)n au§ ber ^arifer ©fjren» unb $tofter= 
atmofpJjctre in bie Slrbeitgftube prüd %u perfuabieren." (33rtef b. 23. 3. 35 an feinen 
SBater.) 

66 (©. 43, m.). 3Iu§ 3ean «ßaufg »SEitan«, im 99. StifeL 

67 (©. 43, m.). ©eftr.: „SSir fprecfjen nidjfg Weiter über ben jungen SEonbidjter, 
ber bie SBeranfaffung ju biefen ȟbern gab, benen nur ber Stammen feb,It. Stber eine? 
rufen Wir ben Sünglingen ju: ©f)ret eure 8Mcf>ter — feib aber ju ffolj, um mit ©dpefc 
fnedjten %u reben. ©teilt fiefj eueb, ber alte geinb gegenüber, fo befiegt t§n, fernlagt itjn 
aber nic£)t, ober wollet ii)tt gar treten! . . . Unb jegt an bie Arbeit!" 

68 (©.43, m.). Qn ben »©d)r. 1« fjat 5ßr. 1 biefer beiben Stegenfionen bie 
Unterfäjrtft gloreftan ermatten, in ber St. finb beibe mit „2" unterzeichnet. Sn einer 
Stnmerfung fagt bie Otebaftion: „bafj nur bie mit Safjlen unterzeichneten tritifen 
unb Slnjeigen bie ©efamtmeimmg ber §erauggeber bertreten, bafj aber bie anbern 
©Ziffern befonberen SDlitarbeitem gehören. ®ocf) Werben Wir eS borgen, bei S3e* 
f precbmng bon SBerlen, bie ungewöf)ri(ic&/ gelobt ober gefabelt werben, ben Tanten beg 
SSeurteiferg %u nennen". 

69(@.47,u.). ©eftr.: „gefäjmacffog unb". 

70 (@.47,u.). Urffir.: „bie innere SKufif". 

71 (@. 48, o.). gier waren noefj in einigen 93eifpielen au? Sßr. 1, 13, 14 unb 19 
unreine Harmonien unb ortf>ogra,f>f}ifc&,e geiler naa^gewiefen. 

72 (©. 50, m.). Urfpr.: „gemacht, tot, tro| aller SCnfrrengung". 

73 (©. 51, m.). ©eftr.: „9Jun will er aber burefjaug nicfjt werfen faffen, baß eg 
etwag Sit)itltcr)e§ gäbe, wirb auf einmal järtlicE), Wag man gar nicfjt an ifjnt gewohnt iff; 
aber fo [preisen leine ©eelen — Kanonen fönnten faum burcp geü." 

74 (@. 51, m.). »egietjt fidj auf ben geffrietjenen ©atj borljer, fjätte affo mit 
biefem geffricfjen Werben muffen. 

75 (©.53,o.). ©effr.: „SBerirrungen". 

76 (©. 53, u.). ©effr.: „im Slugenblicf, wo ein Stopfen über bie Stugen Will, 
jueft um bie Zippe ein £äcf)em". 

77 (©. 54, u.). ©eftr.: „wenn auef) bielleictjt irrt ©jtrem ftdj entgegenfe|enb, 
ju befdjetben finb, barum nadjäufudjen, obwotjl.fie eg forbern fönnten". 

78 (©. 54, u.). ©er SIuffa| iff bei feiner SHufnafjme in ben»©ef. ©djriften« bon 
©(fjumann befonberg ffarf ftüiffifcf) beränbert werben, eg fönnten nur einige ©frei* 
djungen unb S«fö|e ^ier angebeutet werben. 

79 (©. 55, m.). Sfnfpielung auf bie beiben Fontane ber grau ö. ©tae'I: »©orinna« 
unb » ®el|>f)ine <?. 

80 (©. 58, m.). ©eftr.: „ic^ glaube, er finbet bag meiffe ofjne gnffrumente". 

81 (@. 60, m). ®a§ 4pnbige ®uo (luff. 16). 



Sfamerfimgen $a SSb. I, Sluff. 11—14. 377 

82 (©.62,o.). ©effr.: „toaS mir fonff an bem jungen Sünffler, befonberS aß 
fomfwniff für fflabier, mifjfäHt, barüber gibt e§ flötet einmal 3eit jw reben". 

83 (@. 62, 0.). ©djumann wollte burd) biefen Sluff. feinem greunbe ein Senfmal 
in ber 3t. fe|en — einer ber greunbe Ijatte e§ fdjon burd) ben SSeridjt über bie »e* 
erbigung {Qt. 2. Söb.l, 289) getan. — @r madjt in mehreren »rief en borget auf biefen 
„Sratfjruf " aufmerffam. 8u bgl. %. fö. »rief an Söpfen, 6. 2. 35 (3J. 5. 62), an tariert, 
24. 1. 35 (@. I, 62). Sin «ßanoffa fdnieb @ci)umann am 11. 12. 34: „©djenfe mir ber 
§immel Sroft, ba§ ©enfmal, ioa3 id) ifjm in unferer geitfdjrift fegen möd)te, toürbig 
au^ufül)ren." (Unberöff. »rief.) 

84 (©. 62, m.). JtamfeS Seiler in ber tatrjartnenffrafje gemeint. 

85 (@. 62, u.). ©päter ttmrbe ©d)umann burd) ßtfetö @rfd)eimmg lebtjaft an 
Sdjunfe erinnert. Sgl. Sluff. 87, II. 

86 (©. 63, p.). Sdjumann fjatte im Dftober 1833 feine Sd)roägerin SRofalie, im 
Stfobember feinen »ruber $ulüt3 burd) ben £ob berloren. 

87 (©. 64, m.). ©effr.: „33enn aber in biefer SKinute ber eblen greunbin, bie ttjm 
bag Sluge fdjtofj, ber Mnftlerfrau, bie ifjre ©aben ^ftidjten nannte unb ifjre aufo^fernbe 
©iite ben Tribut, ben man bem Talente fd)ulbe, toemt tfjr je|t IjoIbfeKge SEraumgemen 
um bie ©inne fielen, fo benfe fie, bafj e§ bie äßünfdje ber greunbe finb, in beren 
|»er^en ba§ »üb beg berHärten Jünglings unjertrennlid) bon ifjrem feftffef)t. ®ie aber, 
weld)e i£jr äljnlid) rjanbem, lagt m§ nie anber§ feigen aß Henriette'!" [grau §en» 
riette »oigt]. 

88 (@. 64, m.). Sie ©onate iff ©djumann getoibmet. 

89 (@. 64, u. ). ©effr. : „Unb OS id) jugaufe nod) einmal ben eilig äiefjenbenSBoIfen 

nad)faf|, rief unter bengenffern eine frembe, aber roopuenbe Stimme: Subloig 

Subroig . ®g mochte ein grember fein, ber nid)t§ ttmfjte bon bem, roa§ gefd)ef)en. 

3d) aber brüdte fdjnell bag genffer ju unb ba§ Stuge in tiefe, liefe 3?ad)t. SJraugen 
fiel ein leifer Siegen bom frimmel, aß wenn er fid) red)t auSroeinen roollte." 

90 (©. 65, 0.). ®iefer ffmtere 3ufa| ©d)umanng iff nid)t genau. Sie Sinfonie 
roar fd)on am 11. 12. 34 pr 1. Sluffüfrrung gelangt. ©d)umann mar ju biefer geit 
in 3toitfau. ' 

91 (©. 65, 0.). ®ie Sinfonie follte eine muftfalifcrje 9tad)bid)tung ju bem ©ebid)t 
bon Pfeiffer fein. Siefe ®id)tung roollte Spofjr aud) bei ber Sütffürjrung borgetragen 
fjaben. 

92 (©. 66, 0.). ©effr. : „SSir laffen unentfdjieben, roieroeit ber mufilalifd)e 
»gfauft« ben ©oetf)ifd)en erreid)t." 

93 (S. 66, 0.). ©effr. : „unb §eine, in beren ®id)terfälen, toie in SlteKerg, ©ötferg« 
ffatuen atmen unb reben". 

94 (S. 66, m.). Urfpr.: „biefem §od)meiffer". . ' . 

95 (S. 69, gufjnote). 3u bgl. fjierju ©djtoärmbrief 3. Sluff. 24. 

96 (©. 69, u.). ®er Ijier in ber 3f. öorangefjenbe Slbfd)nüt roie aud) ein ganzer 
„1." Sirtitel über biefe ©infonie rourbe bon Schumann für bie »Sd)r. 1« geftridjen. 
»eibe§ finbet fid) SU. 6 (»b. II, S. 212 ff.). 

97 (S. 70, 0.). 3ur »ergegentoärtigung be§ (SinbruieS, ben Sdjumann bon 
»erlief Sinfonie empfangen Ijatte, mögen einige bon ben 9Kotto3 btenen, mit 



378 Stntnerfungen ju Sb. I, Sluff. 14. 

benett bie Kümmern ber 31. St., weM)e bie 83e?pred)ung berfelben cntiiteltett, eröffnet 
Waren: 

„®er feltne Sttartn Witt felteneS Vertrauen; 

©ebt «jm ben 3taum, bag Siel Wirb er fiel) fe|en." 

SgaUenftetn. 
„Sie bermebrte f unftbübung lann jtnar im betreff ber «ßofitur biet berbeffem: 
aber Was man Äraft unb «Saft nennt, bag emittt immer attS bem eignen ffteic|tum beg 
@eniug,.unb gewöfmlicb, äußert fieb, bte traft, wenn ü)r eine gewiffe «Politur fet.lt, 
mit einer ©ebiegentjeit unb Stetbität, welche bie bottenbetffe tunffbilbung nicf)t geben 
aber fe^r Ieict).t unterbrüden fann." Xfjtbaut. 

„Seber ©eniug muf5 nur nacb, bem, wag er felbft miß, ffubiert werben." 

§einfe. 

98 (@.70,o.). ©eftr.: „®ie 3tiefentbee wollte einen 3tiefeniörper, ber ©ott eine 
Söelt pitt SBirfen. Stber bie tunff fjat ü)te ©renjen. ®er Slöotlo bon SBetoebere, 
etliche @dmf) f)öf)er, würbe beleibigen. 2>ie ffwteren ©infoniefomponiffen merften 
bag, unb einige flutteten fogar juben »o:bmli$en£at)bn»$reoäartfcr/en formen pruef." 

99 (©. 70, m.). ©effr.: „Dngfow, ber bei übrigeng unleugbarem latent pr 
Qnffrumentatton bie SBuräetn ber bier §auötftimmen nic£)t gefept genug jü ber* 
betfen berftdnb". 

100 (©. 70, u.). »3Beü)e ber Smte«. 

101 (@. 70, u.). Erfbr.: „wollte man rndjt etwa ir,m bon ber erften Dubertüre 
jut »Seonore« borgebrodjen nennen". 

102 (©. 71, o.). ®artn irrte (Schumann. ®ie Sinfonie würbe 1829 tomponiert 
unb 1830 jum erften SKafe moorig aufgeführt. «Beetfjobeng »Neunte « iff im SM 1824 
jttm erften 2RaIe aufgeführt worben. 

• 103 (©. 71, m. ). ©eftr; : „Sßir fjaben oft bon jenen altfct)ottifcE)en @cf)Iöffern. Wie 
fie unS englifdje ©cfjriftfteuer mit fo biet Xreue nacEjäeicEjnen, gelefen unb uns im ©eiff 
ergö|t an ben Wie wiülürltd) eingebrochenen genffern unb fetffdiauenben Sürmen. 
ffmucJ) fiefjt unfere Sinfonie: Wollet mir je|t burd) bie pfjantaftifcb, bedungenen 
treujgänge folgen!" . , 

104 (@.74,o.). ©eftr.: „SBennmitSec§tbie©oett)e-aKoäartfct|efunffberiobeafö 
bie t)öct>ffe be^ett^net Wirb, wo bie «pfjantafie bie geffeln beg 9tt)t)«)mug fo götterleictjt 
Wie SBtumenlronen trug, fo fd)emt eg". 

105 (@. 74, m.). ©eftr.: „©o'flte biefer StugenbKc! mit ber Sinfonie bon SSerlioj 
beginnen?" 

106 (©.74, u.). Urftor.: „bewunbern". 

107 (©.75,o.). [ge'tig über Serlioj.] ©djumann bruette ge'tig' in ber »Revue 
mus.« erfäjieneuen „fulminanten, übrigeng f offbar getriebenen" 3luffa| überSerüoa' 
fompofitionen in ber gt. ab (1835, $b. 2, 197), nadjbem er ficE» bie Sinfonie au§ 
S|?arig betrieben fjatte. Über btefe fogt er in einer Sorbemerfung: „SDltt @ntfe|en 
far,en unb fbietten Wir. %tc&, unb nad) ffeltte fiel) unf er Urteil feft unb bem beg §rn. 
getig im ®urd)fc£>nitt fo fjart gegenüber, ba£ Wir, teils um bie 2Iufmertfamieit ber 
®eutfd)en bobpelt auf biefen geiftreid)en.3iebuMifaner jit jiefjen, teifg um manetjem 
®elegent)eit §u eigenem »erglei^en %u berfi^affen, bie getigfcfje «Reäenfion !urj unb 
frei überfe|t unfern Sefern. boraulegen befcf)Ioffen." 



Slnmertatgen jit 58b. I, Stoff. 14. 379 

gre'tiS' Stoffati lautet mit einigen Sürjungen: 

,,3fd) erinnere mid), bag einmal bor ungefähr jtoölf Qa^ren, aß td) TOitglieb ber 
3urt> über bie tombofttionSftaffe am tonferbatorütm ber SKufi! toar, fid) unter ben 
Qögtmgen, bie ifyre Prüfungsarbeiten beibrachten, ein junger SJcenfd) befanb, ben bie 
©t|ung fetjr gu ennüöieren fd)ien. *£r legte mir, id) toeig nid)t mer)r toaS für'ein Un* 
bing bor, baS er für bereiten tontrabunft ausgab, baS jebod) nichts als ein ©etoebe 
t)armouifd)er ©reuet war. Qd) forrigierte einiges baran unb fe|te bem jungen IRanne 
bie ©rünbe baju auSeinanber. ©tatt aller Stotoort fagte er, er fjabe ben größten Slb» 
fd)eu bor alten ©tubien unb glaube, bag fie einem 3Kenfd)en bon ©enie gar nichts 
nü|ten. Über btefeS ©laubenSbefenntniS gerieten ber Sireftor am f onferbatorium 
[©tjerubrai] unb einige meiner f ottegen in großen Born; id) für meine Werfen nafim 
bie @ad)e ntcrjt fo ffreng, fagte bem jungen 5Kenftf)en, baß baS ©tubium in ber SJhijtt 
nur benen ettoaS b,ülfe, toeld)e benSJhujen unb (Snbäioecf babon einfallen, unb riet bem 
jungen tontrabunIttotfd)Bger, fid) mit Singen, bie er fo toenig artete, gar nid)t 
abzugeben unb fid) frei feinem ©enie ju übertaffen, falls er toetd)eS Ijätte. (Sr folgte 
mir, berließ baS tonferbatorium unb fing bon ba an, feine SMte als Reformator ber 
SKuf« §u fbielen. Siefer junge Stetfd) toar §err SBerltoj ;.-. 

©nbtid) bor ungefähr ad)t galjren lam ber Sag, too §err Serlioj ein tonjert gab, 
um uns feine tombofitionen tjören ju laffen; baS Heine «ßuMifum beffanb faff bloß 
aus feinen greunben unb ©äffen. §ier f)örte man §um erffen 9Me feine »*ßf>an= 
taftifdje ©tnfonie «. Man glaubte babei ben SCIb §u betommen; bod) bemerlte man 
ben Marche du supplice roegen ber Steufjeit einiger ©ffefte unb ftatfdjte. JSon biefem 
SKoment an bitbete fid) meine Meinung über §errn SSerlioj; id) fatj, baß -er reinen ©inn 
für SKetobie, taum einen begriff bon 9tt)t|tt)mu§ tjatte; baf§ feine Harmonie, aus meiftenS 
monfrröfen Mumben bon 9Joten jufammengefe|t, nid)tSbeffotoeniger .btatt unb mono« 
ton toar; mit einem äBorte, id) fanb, bafj es iljm an mefobifc|)en unb I)armonifd)eh 
Qbeen fetjtte, unb urteilte, bafj fid) fein barbarifd)er ©tit nie Mttbieren toerbe. Sod) 
bemerlte id) QnffatmentationSmftinit an itjm unb meinte, baf3 er fein Salent für manetje 
fombinationen, bie bann anbere beffer als er antoenben Mnnten, auSbilbem toerbe. 

£ro|bem, bag §err Sertioj meine SKeinung über feine SBerfe tarnte, tjatte er 
bod) Zutrauen ju mir unb toanbte fid) mehrmals an mid), toeil er mid) für einen Wann 
I)ielt, ber ben f ünffler gern aufmunterte unb getoäfjren lieg 

Sie Sage ber Singe tjat fid) fetjr geänbert. Sie $eit iff borbei, too id) §errn 
^Serlioj gegen bie JBerad)tung einer ganzen berühmten ©d)ule, gegen baS «ßublilum 
tto| meiner eignen SGmeigung in @d)u| nab.m; jetjt gebärbet fid) §err Serlioj aß 
ein teuerer, ber über feine ©egner trium#>iert tjabe ... SRan fieb,t ein, bag 3?ad)= 
fid)t gegen einen fo!d)en S>cen}d)ett übel angebracht toäre, er toürbe fid) baburd) fogar 
beleibigt fütjlen ... 

3mmer ijdbe id) getoünfdjt, bag bie SSerle beS |ierrn SÖerlioj in baS 5ßubtifum 
gelangen möd)ten, b. t). nid)t in einS aus lauter greunben, fonbern inbaS aufgellärte, 
mit gefunbem 2Kenfd)enberftanb urteilenbe ipublilum. Sie ^ubliration, ber große 
Sag ber ^ubtüation erfd)ien mir burd)auS als nötig, um alten SiSbutationen unb 
f oterien ein @nbe ju mad)en. SSie biete boreitige Serütimttjeiten fiub jufd)anben 
geworben, toenn fie an bie ©onne ber SSelt traten. Kit Serlioj, meint' id), toürbe 
es nid)t biet anberS fein. ... 



380 Slnmerlungen ju 58b. I, Stuff. 14. 

®er ©infonie ift ein Programm über ben gntjatt jebeS ber fünf Seile, au§ benen 
fie Befielt, angebogen. 3dj fjabe fäjon mehrmals batauf. aufmerffam gemacEJt, bofj 
foIcEie Programme bet befdjräntteften 3bee, bie man fid^ öon ber SKufif machen lann, 
angehören, benn bie 3Kad)t biefer Sunff liegt eben in ifjrer UnenbKdjfeit. Set) werbe 
baljet nidjt unterfudjen, ob jeber öon ben Slbfämitten bem Pane entfprtdgt, ben ber 
Somöoniff in feinem Programme borgejeidmet ijat, weil tdj weift, bafs bie SRuft! baS, 
wag er forbert, nidjt auSbrüccen lann unb fdjon biefer SCnforberungen falber berun* 
gtücto mufjte." — 

[9rad) einer furzen ©äjitberung ber einzelnen @ä|e Reifst eS:] 

„3n einem lur^ttä) publizierten Prüfet berfidjert £>err Beriioj, bafj ein Sag fottt- 
men Werbe, wo man ben fünftter nicrjt mefjr in Betreff ber Stnwenbung feiner gbeen 
unb ber %wc S8erfinnlic£)ung feiner ©ebanlen gebrauchten EJHttel quälen werbe. ®iefer 
Sag ift gelommen, §err Söexltoj! äBagen ©ie atteS, wenn @te bie 5catur ju einem 
SKufiler gefccjaffen Ijat, wenn ©ie Wahres <ScE)önf)ettggefür)X in ftct) tragen, wenn eS 
garten nict)t an Pjantafte fefytt; aber bleiben ©ie, ber ©ie alle erbenfüdjen SKittet 
aufbieten, tiidjt fjinter Stiren Prätentionen prücc, unb berraten ©ie gtjre ©djwädje 
unb Dtmmaäjt ntdjt!. £aben ©ie mit einem SSorte baS, was SJmen bor allem gebridjt, 
WatjreS fcfw-bferifctjeS ©eme, unb Wir wollen Sfynen alles erlauben, — bie bleute als 
33jre Sicgter bafferen, foltert fortan gijre Bewunberer werben! Bis batjin aber taffen 
©ie ftdj eS gefagt fein: ©ie mögen ficb, gebärben, Wie ©ie wotten, beStjalb Wirb baS, was 
©ie bis je|t fomüoniert Jjaben, nocb, lange nidjt jutn Stotffwerf I" — 

Sie fjeti?, fo urteilte aud) SDrenbelSfofjn fetjr ungünftig über Beriioj. ^n 
einem Briefe an SJto.fdjeleS (SlbriI1834) fagt er über feine gnffrumentierung : ,,©ie ift 
fo entfepd) fd)mu|ig unb burdjetnanber gefdjmiert, bafj man ftdj bie ginger Wafdjen 
mufj, wenn man mal eine Partitur bon itjm in ber fianb getjabt tjat. Bubem ift es bodj 
audg fd)änbtic£), feine SRufil auS lauter 33rorb unb Kot unb Sammer äufammenäufe|en; 
benn fetbft, wenn'S gut Wäre, fäme nidjtS anbereS barin bor als bergteidjen atrocites. 
©r ljat midj eigenttid) juatlererff xedjt metandjotifd) gemalt, weil er fo Kug Unb lalt 
unb .baffenb über alte anberen urteilt, fo gän^Iid) bernünftig ift, unb fo grenzenlos 
unbernünftigeS geug bei fid) gar nid)t bemerft." 8n ber ©infonie lommt üjm bie 
ganze SJhtftl „fo fdgrecIKcJ) tangweitig" bor, „unb baS ift baS ©djlimmffe. Sott unb 
unberfdjämt unb fred) unb ungefdndt !ann bod) juweilen nocb, luftig amüfant fein, 
aber bieg ift fo f abe unb unlebenbig" (25. 3. 35). TOenbeßfotjn blatte, aß er bie§ fccirieb, 
bereits feine bier fonjertoubertüren, baS @»mott»tottäert, ba§ Dftett, bie 2l»bur»©in= 
fonie, ben größten Seit be§ »^autuS« ufw. fomponiert. — 

108 (@. 75, m.). SSerttpä War bereits 26 Qafjre alt, als er bie ©infonie fccjrieb. 

109 (@. 76, m.). ©effr.: „ebenfowenig Wie baS Qatirtjunbert, baS SöudHic^te unb 
SJerrüdte für StpoÜoS unb Sante an ©c£)önb,eit unb SSerftänb erltärte". 

110 (@.79,o.). ttrfpr.: „wie ein SReiffer". 

111 (@. 79, u., 84, o.). Über bieS „treffen" fpracb, fidt) ©c^umann fcb,on, bebor er 
bie ©infonie lennen gelernt Ijatte, au§. Sr brucEte (3t. 1835, <8b. 2, 102) baS Urteil 
Börnes über bie ©infonie aus beffen »Briefen aus IßariS« (3rr. 16, b. 8. 12. 30) ab. 
Börne fd)rieb: „©onntag b,abe icb, einem Sonderte im Conservatoire beigewohnt. 
@in junger SEomponift namens Bertioj, lief? bon feinen ^omüofitionen aufführen;," 
baS ift ein 3tomanti!er. ©in ganzer Beettjoben ffedt in biefem granjofen. Stber toll 



SInmerlmtgen ju 33b. I, Sluff. 14 u. 15. 381 

jum Stnbinben. SJtir §at atleg fefjr gefallen. Sine merf Würbige ©infonie, eine bra* 
matifdje in fünf SHten, natürlicfj blofj ^nffeumentalmufil; aber bafj man fie berftelje, 
Itefj er wie %u einer Sfcer einen bie §anblung erflärenben 5£eri bracfen. ©g ift bie 
augfcEjtoetfenbfte Qronie, tote fie nocb, lein Sidjter in SBorten auggebrütft, unb alleg 
gottlog. ®er ®om»oniff erjä^It barin feine eigene Qugenbgefdjtclite. ©r bergiftet 
fidj mit Dbium, unb ba träumt tljm, er f)ätte bie (Mießte ermorbet unb Werbe jum 
£obe berurteilt. ©r wolmt feiner eigenen §inridjtung bei. ®a tjört man einen unber« 
gletcpäjen SJlarfcc), Wie tdj nodj nie einen gehört. 3m legten Seile ffellt er ben SBIotfg* 
berg bor, ganj Wie im »gauft«, unb eg ift alleg mit §änben ju greifen, ©eine 
(geliebte, bie ftdj feiner unwürbig geigte, erfdjeint aud) in ber SMburgignadjt; aber 

nidjt wie ®retd)en im »gauff «, fonbern frech, Ijejenmäpg " Qu ben gefberrt ge» 

brucften SBorten bemertte Schumann in einer gufjnote: „®ag fürchten mit eben." 

112 (@. 80, u.). Sag in ©«moll war bamalg erft befannt. 

113 (@. 81, m.). Urffn.: „Segeifterung unb @enie". 

114 (©,81, u.). unter bem SHtel: »Lelio, ou le retour ä la vie, Monodrame 
lyrique«. Op. 14 b. 

115 (©. 81, u.). @eftr.: „®enen, bie ftd) mit ber feltenen Shtnff beg finfoniftifcEjen 
SSortragg bertraut machen Wollen, mufs biefeg Ätbierwerf alg einzig genannt unb 
embfoljlen Werben, wie Wir t)ier in wärmffer ätnerrennung beg SSerbienffeg, bag ficb, 
Sifjt baburd) erworben, augjufbredjen ung berpflictjtet furjlen. 

^Beiläufig' mufs nod) bie Ieid)tfinnige örtrjograbijie beg fflabieraugjugg erwärjnt 
Werben.. ®ie reizbare SMtif fudjt atleg auf, um eg alg äBaffe gegen ungetoöljnlitfie 
©rfcrjeinungen %u gebrauchen unb fo aud) tjier; einem Sötoen mit Stabein beijufommen 
ift fdjwer; inbeffen Wirb er wenigfteng ftugig gemadjt." 

116 (©.84, u.). SKenbelgfoting » ©ommernac£)tgtraUm «. 

117 (@. 85, m.). ©effr.: „\mb bafj yicE) etnffweiten bie wilben Xränen p perlen 
umgewanbelt Ijaben.. . ■ : 

Stod) bor turpem fprad) Dbillon SJanot ein SBort aug, bag unfere Qugenb an ber 
Sebengwurjel bacit, eg Reifst: Dans notre epoque, je ne sais, qui s'est immagine, que 
tout ee qui est dans ia nature est beau, qu'il y a une certaine poesie dans le crime, 
bag im milbeffen®eutfd): „§ütet euä), günglinge, öon ber Statur unb £eibenfd)aft eudj 
jum S8erbred)en Einreißen ju laffen, folgt bem IRufe ber Statur, fpredjt fo innig itir 
fönnt eg aug, wie i^r liebt, unb wem itir jürnt! Slber bewahrt eud), Wag bie Statur 
erft liebengwürbig macfjt, bie ltnfd)ulb, bie wot)I fefjlt, aber nidjt fünbigt, — entjüdt, 
aber nidjt berjetjrt." 

118 (©. 85, u.). §angltc! in feinem SCuffa|e »,§ettor SSerlioj in feinen ^Briefen 
unb SJtemoiren 1881«: „SR. <&ä)., ber mit feiner entljuftaftifccjen S?ritü ber » ©infonie 
f antastique « ju SJerlioj' gatjne gefctjworen tjatte, pflegte in fbateren Qat)ren fet)r 
Iüt)I, faft wiberwillig bon feinem früfieren SieMing ju fbrectien. Qcti "fefje noctj bag 
gutmütige irontfctje Sacfjeln, mit bem er mid) bor30 3o^en fragte: ,%$x ^rager Wart 
ja über Serlioj ganj aug bem §augc£)en?'." 

119 (©. 85, u.). Sieg ift bie au§fttt)tXtcr)fte Sritü, bie ©ctjumann gefd)rieben. SKg 
ftfier^afteg ©egenffücc mag aud) bie für jefte aug feiner geber t)ier eine ©teile finben. 
Unter ber Stuf fd)rift »SJJonftrum« bructte er aug einer jur 3f{ejen|iott eingefanbten 
»®efd)id)te ber SJtufit aller Stationen, nacb. ©tafforb unb ge'tig, mit Senugung ber 



382 • Slmnertungen gu S3b. I, Stuff. 15—18. 

beffen beutfcijen Hilfsmittel ufw. « eine SBlütentefe ungtaublicfieri UnfinnS ab ünb fdjrieb 
baiunter: „®aS Sßublitum Wirb bemnact) wohltun, Wenn eS.unS nadjatjmt, bie wir 
bor ben Singen mehrerer boS SSucE) feierlich zerreifjen unb.tjinter ben Dferi werfen." 
(1835, 3t. S3b.3, 120.) ' 

120 (@. 85, u.). ®ie übrigen bon «Schumann geffrictjenen Seile aus btefem Stuf* 
fa| fietje 3?.6, wie fdjon Sinnt. 96 nätjer angeführt. 

. 121 (©. 91, u.). ©eftr.: „SKag baS ftreng Hingen, — ober wir bermuten, es fetjlt 
Soewe ein ratenber gfreunb, ber it)m bieS fagte, 'unb als folgen möge er uns nehmen, 
bie Wir tt)n überbieS fo fetjr I)oct)fcp|en." ' 

122 (©.92, o.). ©eftr.: — „®er 3ö)t)ttmtüS beS lieblichen £f)emaS jum ^Weiten 
@a|e würbe bielleict)t prägnanter, Wenn ber SSafs im ^weiten Sichtet anfinge unb bie 
febeSmal Ie|ten Stöjtel in.ben tünftigen Satt ligiert wären. — Sei ber £eict)tigleü, mit 
ber S. bie formen Iianbljabt unb ju wenben berffetjt, fällt uns am ©c&Juffe ber loten 
@. ber SRücigang in baS.Stjema auf, Wo man nact) bem borfjergetjenben ©iS unb 
bem folgenben ®*®öminantena!1orbe ®»bur felbff erwartet unb burcb, ein plötjticijeS 
© nacB, © lömmt. Sa§ Beleibigenbe liegt im ©iS unb iff leidet wegzubringen." 

123 (@. 92, u.). ©eftr.: „Übrigens nennen Wir ben 3fobijenfreunblia^WiEfommen." 

124 (©.94, it.). ©eftr.: „SBaS bie ©onate inSbefonbere anbelangt, fo öermuten 
wir, bafj fie eigentlich eine für baS Drctjeffer gefcJjriebene, fpäter für baS Stlabier arran» 
gierte ©infonie fei. SSertjielte fidj baS fo, fo Bliebe baS Urteil in ber §au{>tfad)e jwar 
baSfelbe; bocfi, Wünfcfjten Wir eS auf bem Xitel Bemerft, Weit Sadjner baburct) ben S?or= 
Wurf, bafj bie ©onate als itoierffüct ntctjt flangreicf) genug inftrumentiert fei, gleich 
bon borrifjetein bon fidj abwenben tonnte." 

125 (@. 94, m.). ©eftr.: „®r mufj baS am beffen wiffen, §ätt er es für wert, 
fo ift eS ein SBunfcti, bafj er fid) felbff in biefen Blättern barüber auSfprecEje." 

126 (©.96,. o.). grau Henriette Skrigt in üp%.. 

127 (©. 96, m.). ©eftr.: „ja, an unb für fidj fdjwadien". 

128 (@. 96, m.). ©eftr.: (oft negatib, inbem er bie nätjerliegenbe ©djßntjeit 
jroficftoeifL) 

129 (©.96, it.). ttrfpr.: „äßerte im niebrigengntereffe ober in unfitttidjet Seiben» 
fdjaft erzeugt auf jene ausübt". 

130 (@.96,u.). ©eftr.